Udo Vetter

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Udo Vetter auf der re:publica 2010

Udo Stephan Vetter[1] (* 24. Dezember 1964 in Buchbach, Steinbach am Wald) ist ein deutscher Rechtsanwalt, vorwiegend tätig als Strafverteidiger,[2] und Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Düsseldorf,[3] der durch seinen Blog law blog[4] und durch Zitierungen, Interviews und Auftritte als Rechtsexperte bekannt wurde. Beachtung fanden zudem seine Vorträge bei Veranstaltungen des Chaos Computer Clubs.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vetter absolvierte ein Jurastudium an der Ruhr-Universität Bochum, das er im November 1992 mit dem Ersten Staatsexamen abschloss.[5] Während seiner Studienzeit war er auch journalistisch tätig und hat unter anderem Beiträge für die Rheinische Post, die Neue Ruhr Zeitung und die deutsche Ärzte Zeitung verfasst.[6] Seit 1995 ist er als Strafverteidiger tätig.[2] Er ist Dozent für juristische Fragen an der Volkshochschule Velbert/Heiligenhaus.[7] Seit 2009 ist er Lehrbeauftragter an der Fachhochschule Düsseldorf im Fachbereich Medien.[8]

Udo Vetter war von April 2012 bis März 2014 Mitglied der Piratenpartei.[9][10] Bei der Aufstellungsversammlung am 26./27. Januar 2013 in Meinerzhagen wurde er auf den zweiten Listenplatz der nordrhein-westfälischen Landesliste für die Bundestagswahl 2013 gewählt.[11]

Vetter war in einigen prominenten Verfahren mandantiert. So vertrat er ohne Erfolg die rechtsradikale Vereinigung Besseres Hannover bei der Klage gegen die Verbotsverfügung[12] und war auch als Anwalt im Rahmen der Visa-Affäre aktiv.[13]

law blog[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

law blog
Beschreibung Blog
Sprache deutsch
Erstausgabe 26. März 2003
Erscheinungsweise unregelmäßig, teils mehrmals täglich
Reichweite ([14]) ca. 60.000 Visits/Monat, – Mio. Leser
Herausgeber Udo Vetter
Weblink lawblog.de

Das von Udo Vetter betriebene „law blog“ ist das größte Anwalts-Blog in Deutschland.[15] Darin berichtet er aus seinem Alltag als Strafverteidiger und von anderen Fällen aus der Rechtspraxis.[16] Dabei setzt er sich kritisch mit der Arbeit der Staatsanwaltschaften, der Gerichte und insbesondere der Polizei auseinander. Im Blog erscheinen seit dem 26. März 2003 mehrere Artikel täglich. Mehrfach wöchentlich erschien eine Aufstellung aktueller Links, meist zu Artikeln, die im Bezug zum Strafrecht standen. Das Zeichen „law blog“ wurde beim Deutschen Patent- und Markenamt als Wortmarke eingetragen, jedoch nach der Beschwerde einer Anwaltskanzlei gelöscht.[17][18][19] Gegen diese Entscheidung legte Vetter zunächst Beschwerde ein, verzichtete aber im Beschwerdeverfahren schließlich auf alle Rechte an der Wortmarke; deren Löschung ist damit rechtskräftig.[20]

Als Ableger des „law blog“ betrieb Vetter auch die Seite Knastblog, in der es um den Alltag im Strafvollzug geht.[21] Dieser Blog wird aber nicht mehr gepflegt (Stand August 2014), der letzte Eintrag stammt vom 17. April 2010.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seinem Blog und in seinen Vorträgen setzt sich Vetter für den Erhalt der Grundrechte und für eine Stärkung der Rechte von Angeklagten ein. So vertritt er die Auffassung, dass eine illegale Maßnahme in der Strafverfolgung ein Beweisverwertungsverbot nach sich ziehen sollte.[22] Darüber hinaus fordert er Konsequenzen für die Beamten und Richter, die illegale Maßnahmen durchführen oder zulassen.[23] Seiner Auffassung nach ist die Polizei mit Hausdurchsuchungen zu schnell bei der Hand.[24] Den Richtervorbehalt sieht er durch „Gefahr im Verzug“ ausgehöhlt, Gerichtsurteile, die dem Schranken setzen, sieht er nicht umgesetzt.[25] auf dem 23. Chaos Communication Congress, auch als Youtube-Video.[26]

Im Vorfeld des Zugangserschwerungsgesetzes schilderte er auch ausführlich seine bisherigen Erfahrungen als Strafverteidiger zum Thema Kinderpornografie. Dabei widersprach er Ursula von der Leyens Schilderung einer millionenschweren „Kinderporno-Industrie“ scharf.[27] Innerhalb der Blogosphäre fand der Beitrag ein weitläufiges Echo und wurde oft referenziert.[28]

Udo Vetter gilt als justizkritisch.[29]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Udo Vetter: Alles, was Unrecht ist: Das Beste aus lawblog.de. Heyne, München 2014, ISBN 978-3-453-60280-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. https://www.lawblog.de/index.php/archives/2005/10/21/ausnahme/
  2. a b SIGINT09: Udo Vetter. CCC, archiviert vom Original am 25. Dezember 2009, abgerufen am 12. November 2012.
  3. FHD | Fachbereiche | FB 5 Medien | Personen | Lehrbeauftragte. Fachhochschule Düsseldorf, 23. September 2010, archiviert vom Original am 14. Mai 2008, abgerufen am 13. Oktober 2010.
  4. Rainer Bartel: Blogs für alle – das Weblog-Kompendium. 1. Auflage. Smartbooks, 2007, ISBN 3-908497-74-4, S. 217.
  5. Udo Vetter: DIPLOM-JURIST. In: law blog. 21. März 2005, abgerufen am 13. Oktober 2010.
  6. Experten. In: FINTEXT. Abgerufen am 13. Oktober 2010 (Kurzdarstellung von Udo Vetter).
  7. Udo Vetter. Rechtsanwälte Vetter & Mertens, abgerufen am 13. Oktober 2010.
  8. Stundenplan 1. Semester im FB 5 an der Fachhochschule Düsseldorf. Archiviert vom Original am 15. April 2008, abgerufen am 13. Oktober 2010.
  9. Benutzer:Udovetter - Piratenwiki. Abgerufen am 6. Mai 2012.
  10. Machtkampf bei den Piraten - Noch ein Mann über Bord. In: taz.de. 11. März 2014, abgerufen am 11. März 2014.
  11. NRW-Piraten ziehen mit Frau an der Spitze in Wahlkampf. In: WAZ. 27. Januar 2013, abgerufen am 27. Januar 2013.
  12. Hannover Allgemein: Udo Vetter vertritt Klage. Abgerufen am 1. Januar 2014.
  13. Vetter als Anwalt bei der Visa-Affäre. Abgerufen am 1. Januar 2014.
  14. Mediadaten 8/2015. Abgerufen am 13. Oktober 2010 (Videobeitrag).
  15. Wolf Albin: Alles, was Blog ist – Was Anwälte im Netz zu sagen haben. In: BRAK Magazin 2/2010. Bundesrechtsanwaltskammer, 15. April 2010, S. 4, abgerufen am 21. Mai 2010 (PDF).
  16. Henning Bartels: Die Piratenpartei. In: Reihe Netzbürger. 1. Auflage. Bd. 1. Countumax-Verlag, Berlin 2009, ISBN 978-3-86199-001-7, 2.3 Die Freiheit des Internets, S. 95 (piratenpartei.de [PDF; abgerufen am 13. Oktober 2010] mit Zitaten von und über Udo Vetter).
  17. Registerauskunft. Registernummer: 30524784. Deutsches Patent- und Markenamt, abgerufen am 13. Oktober 2010.
  18. Udo Vetter: law blog keine Marke (mehr). In: law blog. 2. Februar 2010, abgerufen am 13. Oktober 2010.
  19. Stefan Fuhrken: “law blog” – der Beschluss des DPMA. In: markenblog.de. 3. Februar 2010, abgerufen am 13. Oktober 2010.
  20. http://finkeldei-online.de/law-blog-markenrechtsstreit-beendet/
  21. Knastblog
  22. Udo Vetter: Nicht unfehlbar. In: law blog. 3. Juli 2008, abgerufen am 13. Oktober 2010.
  23. Unter Beobachtung: Internet und Strafverfolgung. In: CCC-TV. 2009, abgerufen am 13. Oktober 2010 (Video von Vortrag auf der SIGINT09).
  24. Udo Vetter: Falscher Kinderpornoverdacht gegen Kreditkartenbesitzer. In: law blog. 5. Februar 2007, abgerufen am 13. Oktober 2010.
  25. Udo Vetter: „Sie haben das Recht zu schweigen“. 29. Dezember 2006, abgerufen am 21. Juni 2016.
  26. Youtube-Video.
  27. Udo Vetter: Die Legende von der Kinderpornoindustrie. In: law blog. 25. März 2009, abgerufen am 13. Oktober 2010.
  28. „Die Legende von der Kinderpornoindustrie“ – Google-Suche. Abgerufen am 13. Oktober 2010.
  29. Udo Vetter im Hessenjournal. 2. Oktober 2007, abgerufen am 13. Oktober 2010 (Udo Vetter im Interview mit dem Hessischen Rundfunk, Begrüßung des Moderators).
  30. Preisträger des Grimme Online Awards