Ugarit

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Reliefkarte: Syrien
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Ugarit
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Syrien

Ugarit (heute: Ra's Schamra / رأس شمرة‎ / Raʾs Šamra) war ein seit etwa 2400 v. Chr. keilschriftlich bezeugter kanaanäischer Stadtstaat und während der Bronzezeit ein wichtiges Handels- und bedeutendes Kulturzentrum im Nordwesten Syriens. 1928 wurde es bei dem modernen Ort Ras Schamra nahe der Küste, etwa 11 km nördlich von Latakia, zufällig wiederentdeckt. 1929 begannen französische Archäologen mit systematischen Ausgrabungen, bei denen viele historisch bedeutsame Funde zu Tage kamen.[1]

Zu dem Königreich gehörten der Hafen Minet el-Beida zwei Kilometer westlich der Hauptstadt Ugarit und die Zweitresidenz Ras Ibn Hani fünf Kilometer südwestlich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältesten Siedlungsspuren datieren ins 7. Jahrtausend v. Chr. und stammen aus dem frühen Neolithikum (Jungsteinzeit). Im Laufe des 2. Jahrtausend v. Chr. wuchs die Siedlung stark und gewann an Bedeutung. Es gab früh Handel, unter anderem mit Kreta und mit Ägypten, in dessen Schriftquellen die Stadt häufig erwähnt wird.

Historische Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wirtschaftliche Blüte lag gegen Ende der Späten Bronzezeit zwischen etwa 1450 v. Chr. und 1185 v. Chr. Anhand der besiedelten Fläche, der durchschnittlichen Wohnungsgröße und ethnographischer Daten berechnete W. Randall Garr für Ende des 2. Jahrtausends eine mittlere Bevölkerungszahl von 7.635 innerhalb der Stadt Ugarit.[2] Vorigen Schätzungen zufolge betrug die Zahl der Stadtbewohner 6.000 bis 8.000, bei einer Gesamtbevölkerungszahl von 35.000 oder 25.000 nur für die ländliche Bevölkerung. Die Zahlen von Garr und anderen sind unsicher, weil sich die alten Stadtgrenzen nicht genau bestimmen lassen, Funde kleinerer Siedlungen nicht vorliegen und die Bevölkerungszahl im genannten Zeitraum nicht konstant war.[3]

Schiffe aus Ägypten, Griechenland und Kleinasien steuerten die Stadt an. Sie war ein wichtiger Umschlagplatz für Waren aus dem vorderen und mittleren Orient. Möglicherweise gab es Stadtviertel, in denen sich ausländische Händler dauerhaft niederließen; zumindest ein mykenisches Viertel wird von vielen Forschern angenommen. Vom Reichtum Ugarits zeugen die Überreste mehrerer großer Paläste.

Trotz seines Reichtums war Ugarit militärisch schwach und musste sich deshalb mit den Großmächten jener Zeit – den Ägyptern und den Hethitern – arrangieren. So heiratete König Niqmaddu II. eine ägyptische Prinzessin, um die Beziehung zu den ägyptischen Pharaonen zu festigen. Diese hatten allerdings mit der Zeit immer weniger Macht und Einfluss in der syrischen Welt.

Als gegen Ende des 14. Jahrhunderts v. Chr. die Hethiter unter Šuppiluliuma I. Nordsyrien eroberten, musste Ugarit jährliche Tributzahlungen leisten. Die ugaritischen Fürsten erkannten politisch und militärisch die Autorität der hethitischen Herrscher an, konnten sich wirtschaftlich und kulturell aber eine recht weitgehende Unabhängigkeit bewahren. Zum Ende des Hethitschen Reiches mussten sie – kurz vor der eigenen Zerstörung – selbiges militärisch unterstützen.

Zerstörung Ugarits[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf die Palast-Ruinen, Aufnahme aus dem Jahre 2005

Zwischen 1194 und 1186 v. Chr. erfolgten die Angriffe der Seevölker auf Ugarit und die Zerstörung der Stadt. Keilschrifttafeln, die aus der Zeit kurz vor der Zerstörung stammen, beschreiben Angriffe auf die syrischen Gebiete von See. Ammurapi, dem noch jungen letzten Herrscher Ugarits, waren die Hände gebunden, denn die ugaritische Flotte wurde vom hethitischen Großkönig vor der Südküste Kleinasiens eingesetzt und Gardetruppen Hammurapis waren ins hethitische Kernland beordert worden. Ein Hilfegesuch an den hethitischen Vizekönig in Karkemisch wurde abgeschlagen. Ugarit war folglich den Feinden fast schutzlos ausgeliefert. Das Ende kam sehr schnell, da die letzten Korrespondenzen Ugarits noch in Bearbeitung waren. Einige von ihnen wurden im Brennofen gefunden, ohne versandt worden zu sein. Ugarit wurde von den Angreifern buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht. Erst im 5. Jahrhundert v. Chr. kam es wieder zu einer spärlichen Dorfbesiedlung in der Nähe.

Staat und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Palast[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das sicherlich wichtigste Gebäude in der Stadt war der Palast des Königs. Er lag im Westen der Stadt, bedeckte eine Fläche von ca. 10.000 Quadratmetern und bestand aus rund 100 Räumen. Das Untergeschoss war in Stein errichtet und steht heute teilweise noch 4 m hoch an. Die Mauern in den Obergeschossen waren wohl aus Lehm. Der Palast ist in mehreren Phasen errichtet worden. Der Kernbau war gerade einmal 30 × 15 Meter groß mit einem kleinen Innenhof. Später wurde an die Ostseite ein weiterer Trakt angebaut. Hier entstanden ein weiterer Hof und eine Säulenhalle. Weitere Anbauten folgten im Osten und vor allem im Süden, wobei es sich jedes Mal um Raumgruppen handelte, die sich um einen Hof gruppierten. Die Funde in den einzelnen Teilen des Gebäudes waren ausgesprochen reich. In verschiedenen Teilen kamen Tontafelarchive zu Tage. Im Osttrakt fanden sich in einem Raum Fragmente von Möbeln, die schon lange vergangen, deren Elfenbeinauflagen aber noch erhalten waren.

Der Palast wurde schon im Altertum bewundert und Rib-Addi, König von Byblos, rühmt ihn in einem seiner Briefe an den ägyptischen Pharao Echnaton.

Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rb bezeichnete den Vorsteher einer Gruppe königlicher Bediensteter. So gab es einen rb mkrm, Vorsteher der Kaufleute, rb nqdm, Vorsteher der Opferschafhirten, rab šangū, Vorsteher der Priester, und die Vorsteher verschiedener Dörfer sowie den Vorsteher von Ugarit (rb qrt – wohl eine Art Bürgermeister). Verschiedene militärische Grade wurden durch rb ʿlf (Vorsteher der Tausend) bis Vorsteher der Zehn bezeichnet.

Schriftkultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Hauptartikel: Ugaritische Schrift und Ugaritische Religion

Alphabetische Schrift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Ab dem 14. Jahrhundert v. Chr. wurde neben der babylonischen Keilschrift für Texte in ugaritischer Sprache auch eine alphabetische Keilschrift verwendet. Das ist der bisher älteste Nachweis dieses Alphabets. Es wurde in Europa erst wesentlich später bekannt. Seine Entzifferung geht auf Hans Bauer zurück, der seine Ergebnisse erstmals auf dem Orientalistenkongress in Leiden im Jahre 1932 vorstellte.[4]

Textzeugnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schrifttafel mit einer hurritischen Hymne um 1400 v. Chr., aus dem Königlichen Palast von Ugarit

Von großer Bedeutung sind die Archive von Ugarit mit Keilschrift-Texten in der einheimischen nordwestsemitischen Sprache, die als „Ugaritisch“ bezeichnet wird, sowie in akkadischer Sprache, die im 2. Jahrtausend v. Chr. als überregionale Verkehrs- und Diplomatensprache diente. Die Masse der Texte waren wirtschaftlicher Natur, aber zwischenstaatliche Verträge und Staatskorrespondenzen liefern wichtige Informationen zu den politischen Verhältnissen jener Zeit. Die Tafeln beleuchten auch die religiösen Vorstellungen dieses Volkes in Sagen und Epen, Mythen, Gebeten, Götter- und Opferlisten der zeremoniellen Texte und Vorschriften. So gab es Befragungen der Götter durch Leber-Orakel. Es wurden mehrere Tonmodelle von Schafslebern gefunden, samt Hinweisen, wie diese zu deuten sind. Ausführlich sind Opferzeremonien für verschiedene Götter beschrieben. Sehr genau werden Begräbniszeremonien beschrieben, bei denen auch die Ahnen beschworen wurden. Beschwörungstexte gibt es auch gegen schädliche Naturkräfte, Krankheit, Unfruchtbarkeit, Dämonen, die Folgen von Trunkenheit und Schlangengifte. Außerdem wurden Tontafeln gefunden, die wahrscheinlich die ältesten Musiknoten der Welt darstellen.[5] Diese Einblicke in die Ugaritische Religion sind auch für die Interpretation der Religion von Kanaan und Israel bedeutsam. Niederländische Wissenschaftler fanden eine Version der Geschichte von Adam und Eva, die von den biblischen Überlieferungen abweicht.[6]

Königsliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in Keilschrift aufgezeichnete Liste der Könige von Ugarit beginnt mit dem letzten verstorbenen König Niqmaddu III. und reicht bis Yakaru zurück. Der letzte König Ammurapi ließ die Liste anfertigen. Wegen vorhandener Lücken sind die genauen Regierungszeiten überwiegend ungewiss; zudem fehlen 10 Könige, weshalb die Nummerierung der Königsnamen nicht als gesichert gilt.

Abfolge der Herrscher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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  1. Ammistamru I. (bis 1349)
  2. Niqmaddu II. (1349–1315)
  3. Arhalbu (II.) (1315–1313)
  4. Niqmepa (VI.) (1313 v. Chr. (9. Regierungsjahr Muršili II.) - mindestens 1265 v. Chr. (Anfangszeit von Hattušili III.))
  5. Ammistamru II. (III.) (frühestens ab 1265–1240)
  6. Ibiranu (VI.) (1240–1225)
  7. Niqmaddu III. (1225–1215)
  8. Ammurapi (1215– ca. 1194/88)

Herrscher, die nicht in der Königsliste genannt werden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ugaranu
  2. Amqunu
  3. Rap'anu
  4. Lim-il-Malik
  5. Ammu-harrasi
  6. Ammu-samar
  7. Mabu'u

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(chronologisch sortiert)

  • Michael Heltzer: The Rural Community in Ancient Ugarit. Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 1976, ISBN 3-920153-61-8.
  • Dirk Kinet: Ugarit – Geschichte und Kultur einer Stadt in der Umwelt des Alten Testaments (= Stuttgarter Bibelstudien. Band 104). Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 1981, ISBN 3-460-04041-6.
  • Oswald Loretz: Ugarit und die Bibel. Kanaanäische Götter und Religion im Alten Testament. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1990, ISBN 3-534-08778-X.
  • Jehad Aboud: Die Rolle des Königs und seiner Familie. Nach den Texten von Ugarit (= Forschungen zur Anthropologie und Religionsgeschichte. Band 27). Ugarit-Verlag, Münster 1994, ISBN 3-927120-20-0 (Zugleich: Münster, Universität, Dissertation, 1993).
  • Itamar Singer: A political history of Ugarit. In: Wilfred G. E. Watson, Nicolas Wyatt (Hrsg.): Handbook of Ugaritic Studies (= Handbuch der Orientalistik. Abt. 1: Der Nahe und Mittlere Osten. Band 39). Brill, Leiden u. a. 1999, ISBN 90-04-10988-9, S. 603–733.
  • Wilfred G. E. Watson, Nicolas Wyatt (Hrsg.): Handbook of Ugaritic Studies (= Handbuch der Orientalistik. Abt. 1: Der Nahe und Mittlere Osten. Band 39). Brill, Leiden u. a. 1999, ISBN 90-04-10988-9.
  • Manfred Dietrich, Oswald Loretz: Der Untergang am 21.1.1192 v. Chr. von Ugarit. In: Ugarit Forschungen. Internationales Jahrbuch für Altertumskunde Syrien Palästinas. Band 34, 2002, ISSN 0342-2356, S. 53–74.
  • Izak Cornelius, Herbert Niehr: Götter und Kulte in Ugarit. (Reihe: Zaberns Bildbände zur Archäologie.) Philipp von Zabern, Mainz 2004, ISBN 3-8053-3281-5.
  • Marguerite Yon: The City of Ugarit at Tell Ras Shamra. Eisenbrauns, Winona Lake IN 2006, ISBN 1-57506-029-9.
  • Michael Tilly, Wolfgang Zwickel: Religionsgeschichte Israels. Von der Vorzeit bis zu den Anfängen des Christentums. 2. Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2015, ISBN 978-3-534-73467-2, S. 45–52 (Kapitel: "Ugarit und Emar – wichtige Umwelttexte für die Spätbronzezeit und für das Alte Testament")

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Charles Virolleaud: Les Inscriptions Cunéiformes de Ras Shamra. Syria, Vol. 10, 1929, S. 304–310; Claude F. A. Schaeffer: The Cuneiform Texts of Ras Shamra-Ugarit. 1939.
  2. W. Randall Garr: Population Estimate of Ancient Ugarit. In: Bulletin of the American Schools of Oriental Research. No. 266, Mai 1987, S. 32, 40, ISSN 0003-097X
  3. Marguerite Yon: Ugarit: The Urban Habitat The Present State of the Archaeological Picture. In: Bulletin of the American Schools of Oriental Research. No. 286, Mai 1992, S. 19–34, hier S. 20.
  4. Hans Bauer: Das Alphabet von Ras Schamra. Seine Entzifferung und seine Gestalt. Mit drei Anhängen. Max Niemeyer Verlag, Halle/Saale 1932.
  5. thenational.ae
  6. diepresse.com

Koordinaten: 35° 36′ 7″ N, 35° 46′ 57″ O

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ugarit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien