Ugolino di Nerio

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Ugolino di Nerio (auch Ugolino da Siena genannt, * ca. 1280, wahrscheinlich in Siena; † ca. 1349) war ein italienischer Maler, der im Stil der Schule von Siena malte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Handwerk erlernte er wahrscheinlich mit Segna di Bonaventura bei Duccio di Buoninsegna, der 1319 in Siena verstarb. Di Nerio selbst gilt als von 1315 bis 1327 als Maler aktiv, wobei er schon 1315 als selbständiger Meister geführt wird. Die erste (noch vorhandene) schriftliche Erwähnung seiner Person stammt aus dem Jahr 1317. Lange Zeit wurde er mit einem um 1324/1325 erwähnten Ugolino di Nerio gleichgesetzt, bis der italienische Kunsthistoriker Gaetano Milanesi (* 9. September 1813 in Siena; † 11. März 1895 ebenda)[1] die Herkunft klärte. Dies wird von seinem Schüler P. Bacci später bestätigt und durch zwei weitere Urkunden aus den Jahren 1324/1325 und 1327 ergänzend belegt. Hier wird er als Sohn des Nerio bzw. des Rainerio genannt, der anscheinend selbst Maler war und auch seinen Sohn Ugolino lehrte und zwei weitere Söhne, Guido und Muccio bzw. Monuccio, hatte. Der erste wird 1327 in florentiner Urkunden als Apothekter und Arzt geführt, der zweite erscheint in seneser Urkunden 1319, 1333 und 1342 (als verstorben).

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cucifix (Croce dipinto), bemaltes Kreuz in der Kirche Basilica di San Clemente in Santa Maria dei Servi in Siena
Struktur des Altarbildes in Santa Croce
Detail der Predella des Altarbildes in Santa Croce (Passion)
Detail der Predella des Altarbildes in Santa Croce (Passion)
Detail der Predella des Altarbildes in Santa Croce (Passion)
Chiesa di Santa Maria a Bagnano (Certaldo): Trittico della Madonna con Bambino, san Pietro e san Romolo

Eines seiner ersten Werke als unabhängiger Künstler entstand in Florenz im Palazzo Pitti im Jahr 1315 unter dem Namen Madonna Contini Bonaccossi. Zu seinen Hauptwerken gehörten die Bilder in den Kirchen Santa Croce und Santa Maria Novella in Florenz. Das Altarbild von Santa Croce ist sein einziges signiertes Werk, welches er um 1325 mit UGOLINUS DE SENIS ME PINXIT unterzeichnete. Die Originalunterzeichnung ging 1566 verloren, als Giorgio Vasari das Werk gegen ein eigenes ersetzte, er zeichnete allerdings die Widmung auf. Durch die Umgestaltung gingen Teile des Werkes verloren, andere finden sich heute in verschiedenen Kunstsammlungen der Welt wieder. Dazu gehören die Gemäldegalerie in Berlin, die die Teilstücke San Paolo, San Giovanni Battista, San Pietro, San Simone e san Giuda Taddeo e San Bartolomeo e sant’Andrea, Deposizione di Cristo nel sepolcro und Flagellazione besitzt. Die National Gallery in London besitzt elf Stücke des Werkes, darunter Bacio di Giuda, David e Mosè, Deposizione dalla croce, Profeta Isaia, Resurrezione di Cristo und Salita al Calvario. Die Predella des Werkes stellt die Passion Christi dar. Weitere Teilstücke befinden sich im Philadelphia Museum of Art in Philadelphia (Profeta Daniele) und im New York Metropolitan Museum of Art (Ultima Cena). Teilstücke seines Werkes in der Kirche Santa Maria Novella in Florenz befinden sich heute im Muzeum Narodowe in Posen (San Giovanni Battista) und im J. Paul Getty Museum in Los Angeles (Sant’Andrea).

Weitere Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ugolino di Nerio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maria Giovanna Sarti: Milanesi, Gaetano. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani. Band 74: Messi–Miraglia. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2010 (treccani.it).
  2. Virgin and Child, Ugolino di Nerio Museum of Fine Arts in Boston, abgerufen am 15. April 2011.
  3. Saint Mary Magdalen, Ugolino di Nerio Museum of Fine Arts in Boston, abgerufen am 15. April 2011.
  4. Saint John the Baptist and Two Franciscans Fogg Art Museum in Cambridge, abgerufen am 16. April 2011.
  5. Madonna col Bambino tra i santi Pietro e Romolo (Memento vom 17. November 2010 im Internet Archive) Webseite Piccoli Grandi Musei, abgerufen am 17. April 2011.
  6. Saint Catherine of Alexandria Krannert Art Museum, abgerufen am 24. Mai 2020.
  7. Virgin and Child Enthroned with Saints Peter, Paul, John the Baptist, and Dominic and a Dominican Supplicant Art Institute of Chicago, abgerufen am 24. Mai 2020.
  8. Virgin and Child with Saints Cleveland Museum of Art in Cleveland, abgerufen am 24. Mai 2020.
  9. The Prophet Isaiah National Gallery of Ireland, abgerufen am 24. Mai 2020.
  10. Offizielle Webseite der Uffizien, abgerufen am 17. April 2011 (keine Abbildun).
  11. Enrico Bosi, Giovanna Magi: I castelli del Chianti. Bonechi Editrice, Florenz 1979, ISBN 88-7009-000-0, S. 128.
  12. Madonna and Child Met Museum, abgerufen am 15. April 2011.
  13. La Vierge et l’Enfant Louvre, abgerufen am 15. April 2011.
  14. Museo di Santa Maria sul Prato (della Misericordia) (Memento vom 8. März 2010 im Internet Archive) Chiantimusei zum Museum in San Casciano, abgerufen am 16. April 2011.
  15. Madonna and Child between Sts. Peter and John (Memento vom 10. Mai 2006 im Internet Archive) Webseite der Chiantimusei, abgerufen am 16. April 2011.
  16. Virgin and Child with Saints Francis, Andrew, Paul, Peter, Stephen, and Louis of Toulouse Sterling and Francine Clark Art Institute, abgerufen am 24. Mai 2020.