Uhrenproduktion im Schwarzwald

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Eine Lackschilduhr aus Schwarzwälder Produktion.

Die Uhrenproduktion im Schwarzwald hatte von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bis ins späte 20. Jahrhundert weltweite Bedeutung. Preisgünstige Großuhren aus dem Schwarzwald wie Wecker, Stand- und Wanduhren dominierten den Absatz im Inland, aber auch den Export in alle Welt. Tragbare Uhren wie Taschen- und Armbanduhren spielten dabei nur eine untergeordnete Rolle. Zahlenmäßig spielen die im 20. Jahrhundert hergestellten Taschen- und Armbanduhren im Umkreis der Pforzheimer Schmuckindustrie sowie von traditionellen Großuhrproduzenten gegenüber der in diesem Bereich führenden Schweizer Uhrenindustrie nur eine untergeordnete Rolle. Deshalb wird im Folgenden nur die Entwicklung der Großuhrindustrie beschrieben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Anfänge und Entwicklung vor 1730[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werkstätte eines Schwarzwälder „Musikuhrenmachers“ (1825)

Die Anfänge der Schwarzwälder Uhrmacherei liegen im Dunkeln. Zwar finden wir bei den frühen Chronisten der hiesigen Uhrengeschichte, Pater Franz Steyrer (1796) und Pfarrer Mathias Jäck (1810), Namen und Wohnorte der ersten Uhrmacher auf dem Schwarzwald, doch die Angaben der beiden sind widersprüchlich. Gesichert scheint, dass die ersten Schwarzwälder Holzuhren in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, entstanden. Die Uhrenherstellung konnte sich aber aufgrund erneuter kriegerischer Auseinandersetzungen erst ab etwa 1730 als eigenes Gewerbe in größerem Umfang etablieren.[1]

Erfolgreiche Uhren aus Holz (1730 bis 1840)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 18. und 19. Jahrhundert dominierte die Herstellung von Uhren aus Holz. Holz hatte man traditionell in vielen ländlichen Gegenden Mitteleuropas als Grundmaterial für den Uhrenbau verwendet. Das liegt wohl weniger an den technischen Möglichkeiten, sondern an den rechtlichen Voraussetzungen: Die Anfertigung von Uhren aus Metall unterlag den Zunftregeln und war strikt auf die städtischen Uhrmacher beschränkt. Demgegenüber war die Holzuhrmacherei ein freies Gewerbe. Jedermann durfte Uhren aus Holz bauen. Es verwundert deshalb nicht, dass in Werkstätten von Holzhandwerkern die ersten Uhren im Schwarzwald entstanden.[2] Die früher genannten Gründe für das Entstehen der Uhrmacherei, die langen tristen Winterabende und der angebliche Tüftlergeist des Schwarzwaldes, sind folglich romantisch verklärte Wunschbilder.

Die Schwarzwälder Holzuhren waren weltweit erfolgreich. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen war Holz billiger und leichter zu bearbeiten als Metall, doch dieser Vorteil galt auch für andere Regionen, in denen Holzuhren gebaut wurden. Entscheidend für den Siegeszug der Schwarzwalduhren war ein weiterer Faktor: die Arbeitsteilung. Nicht mehr allein ein Uhrmacher war für die Entstehung der Uhren zuständig, sondern er bezog vorgefertigte Teile von Zulieferern. So gab es Gestellmacher, Gießereien für Glocken und Zahnradrohlinge, Kettenmacher, Schilderdreher und Schildermaler. Diese spezialisierten Handwerker entwickelten raffinierte Maschinen und Werkzeuge, durch die Serien gleichartiger Rohlinge schnell und günstig hergestellt werden konnte. Diese Arbeitsteilung und neuartige Verfahren führten zu einer deutlich höheren Produktivität. Noch um 1750 brauchte ein Uhrmacher eine ganze Woche, um eine Uhr herzustellen. Dreißig Jahre später baute er eine Uhr pro Tag.[3]

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein entstanden die hölzernen Schwarzwalduhren in vielen kleinen Werkstätten, die Teil der Wohnhäuser waren. Fast jeder Inhaber beschäftigte einige Gesellen und Lehrlinge.

Ab dem Ende des 18. Jahrhunderts kam es zu einer Stagnation in dieser Entwicklung. Trotz Verbesserungen in der Arbeitsteilung stieg mit den Produktionszahlen (150.000 Uhren um 1800) auch die Zahl der Beschäftigten. Um 1840 gab es im Gebiet zwischen Neustadt im Süden und St. Georgen im Norden etwa 1000 Uhrmacherhäuschen mit 5000 Beschäftigten. Jährlich entstanden etwa 600.000 Uhren aus Holz – ein Großteil der Weltproduktion.[4] Im Vergleich mit anderen strukturschwachen Mittelgebirgsgegenden trat im Schwarzwald keine Massenarmut auf, daher galt das „Modell Schwarzwälder Uhrenproduktion“ unter Zeitgenossen als geglückt.[5]

Durch das preisgünstige Material Holz, den Einsatz von Maschinen sowie die Arbeitsteilung erlangte die Schwarzwälder Hausindustrie die weltweite Preisführerschaft bei den Großuhren. Im 19. Jahrhundert war die Holzuhr mit dem bunt bemalten Uhrenschild aus dem Schwarzwald die preisgünstigste Uhr auf dem Weltmarkt.

„Uhrenträger“ und zwei Bäuerinnen in Triberger Tracht (um 1840)
Schwarzwälder „Uhrenträger“

Vertrieb und Export der Schwarzwälder Holzuhren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Uhrmacherei wurde im Schwarzwald die Glasmacherei betrieben und die Produkte durch sogenannte Glasträger im In- und Ausland vertrieben. Schon die ersten Schwarzwälder Uhrmacher nutzten die Vertriebswege der Glasindustrie und gaben ihre Erzeugnisse mit auf den Handel. Die Uhrenhändler schlossen sich in mehreren Gesellschaften zusammen. Erste Schwarzwälder Uhrenhändler erscheinen ab 1740. Diese ließen sich in fast allen Ländern Europas nieder.[6] Die Ware ließen sie sich direkt aus dem Schwarzwald schicken und lagerten sie zentral. Danach durchstreiften sie, mit einigen Uhren bepackt, die ländlichen Gebiete und Märkte. Dadurch trugen sie auch stark zur allgemeinen Verbreitung von Uhren bei, die Ware Uhr änderte ihren Charakter vom Luxusgut zum Alltagsgegenstand.[7]

Die Uhrenhändler merkten sehr schnell, welche Uhrentypen sich in den unterschiedlichen Absatzmärkten besser verkauften als andere. So waren in England Uhren mit Datumsanzeige und Lackschilder mit wenig Verzierung beliebt. In Frankreich verkauften sich farbenprächtige Zifferblätter am besten. Und für den Mittelmeerraum wurden Uhren mit schwarzem Rand und landestypische Motive wie dem Stierkampf gemacht.

Strukturwandel und Industrialisierung (1840 bis 1880)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hausuhrmacher und Kleinstwerkstätten, die immerhin in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts um 15 Millionen Uhren gefertigt hatten, beklagen um 1840 ihre wirtschaftliche Lage und sahen die Ursachen in Zollerhöhungen und Handelsbeschränkungen. Außerdem waren viele von den örtlichen Großhändlern, den sogenannten „Packern“, abhängig, die ihnen die fertigen Uhren abnahmen und im Gegenzug Bestandteile und Dinge des täglichen Bedarfs lieferten - zu teils erhöhten Preisen, wie die Hausgewerbler klagten. Allerdings stagnierte auch die Uhrenentwicklung schon längere Zeit, und die bis dahin gut verkaufte Lackschilduhr genügte den Ansprüchen der Kunden nicht mehr.

Im Rahmen einer Strukturförderung gründete die badische Landesregierung im Jahr 1850 in Furtwangen die erste deutsche Uhrmacherschule (1850–1863), um den kleineren Handwerkern eine gute Ausbildung zu garantieren und damit die Absatzchancen zu steigern. Auch versuchte man dort, die Uhrmacher zu größerer Arbeitsteilung anzuleiten und eine gewisse Standardisierung von Maßen und Formen zu etablieren. Doch gerade von den Kleinuhrmachern wurde die Schule nicht angenommen.[8]

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es erste Anzeichen für einen Strukturwandel, dem ab 1880 ein rascher Übergang zur industriellen Uhrenherstellung folgte. In den Jahren zwischen 1850 entwickelten sich aus einigen Kleinbetrieben Unternehmensformen an der Schwelle zur Uhrenfabrik, überschaubare Uhrenwerkstätten mit Qualitätsbewußtsein, die zwischen 10 und 35 Personen beschäftigten. Bekannte Beispiele sind Johann Baptist Beha, Lorenz Bob oder Emilian Wehrle. Diese Unternehmer wurden tonangebend in den nach 1850 sukzessive gegründeten Gewerbevereinen und engagierten sich dort unter anderem für den Eisenbahnbau und einheitliche Arbeits- und Werkstattordnungen.

Die ersten eigentlichen Uhrenfabriken entstanden ebenfalls im badischen Teil des Schwarzwaldes. Dazu gehören die 1851 gegründete Aktiengesellschaft für Uhrenfabrikation Lenzkirch, oder L. Furtwängler Söhne in Furtwangen (gegr. 1868), die zunächst nach französischem Vorbild Tisch- und Wanduhren wie Regulatoren fertigten. Aber auch das Hausgewerbe spielte weiterhin – vor allem im Bereich der Bestandteilfertigung – eine gewisse Rolle.

Die Uhrenproduktion konzentrierte sich in der Folge um einige wenige Zentren. Noch vor dem beginnenden Eisenbahnzeitalter bestimmen Vorteile wie gute Verkehrsbedingungen und Wasserkraft die Standortwahl im badischen Teil des Schwarzwaldes. Die Städte St. Georgen, Triberg, Furtwangen, Titisee-Neustadt und Lenzkirch konnten davon profitieren und wuchsen. Ländliche Gewerbezentren wie zum Beispiel Eisenbach entwickeln sich wieder zurück.

Blütezeit der Uhrenindustrie (1880 bis 1914)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1880 kam es zu einer Verlagerung in den württembergischen Teil des Schwarzwaldes und auf die benachbarte Hochebene Baar. Schramberg und Schwenningen entwickelten sich zu Weltzentren der Uhrenindustrie. Bekannte Namen in Schramberg waren die Firma Junghans und die Hamburg-Amerikanische Uhrenfabrik, in Schwenningen die Firmen Kienzle und Mauthe ihre Werke hatten. Schwenningen entwickelte sich mit Firmen wie Württembergische Uhrenfabrik Bürk oder ISGUS zum Produktionsmittelpunkt des Kontrolluhrenbaus. Die Kleinbetriebe verloren nun stark an Bedeutung.

Der wesentliche Grund für den rasanten Aufstieg der württembergischen Uhrenindustrie gegenüber dem traditionellen Herstellungsgebiet im badischen Teil des Schwarzwaldes ist in der innovativen Produktionsweise neuer Uhrenformen zu sehen. Der Wecker im Metallgehäuse entwickelte sich um 1900 zum Paradepferd der Schwarzwälder Uhrenindustrie. Hatten die ersten Uhrenfirmen im badischen Schwarzwald noch ganz darauf gesetzt, die handwerkliche Solidität traditioneller Uhrwerke durch Serienproduktion erschwinglich zu machen, so waren die Konstruktion der Wecker ganz auf die industrielle Massenproduktion nach amerikanischem Vorbild abgestellt. Diese neuartigen „Amerikaneruhren“ entstanden materialsparend auf Spezialmaschinen. Die Einzelteile waren für eine möglichst schnelle Montage optimiert. Das robuste Weckerwerk W10 von Junghans, Anfang der 1880er Jahre entwickelt, setzte dabei Maßstäbe. Es ermöglichte den Aufstieg von Junghans zur „größten Uhrenfabrik der Welt“, wie sich der Schramberger Hersteller nach 1900 selbst bezeichnete. Das Weckerwerk W10 wurde bis in die 1930er Jahre in riesigen Mengen produziert und von zahlreichen anderen Firmen im Schwarzwald nur geringfügig verändert nachgebaut. Der Wecker aus dem Schwarzwald wurde zur preisgünstigsten Uhr auf dem Markt – wie die Holzuhr des 19. Jahrhunderts. Dank der Wecker deckte der Schwarzwald bereits vor dem Ersten Weltkrieg 60 % des Weltexports an Großuhren.[9] Zum starken Absatz der Uhren trug aber auch bei, dass nicht mehr nur eine Uhr in jeder Wohnung zu finden war – wie noch in der Blütezeit der Holzuhr, sondern „für jeden Raum die passende Uhr“ (so ein Werbeplakat der 1930er Jahre) angeboten wurde: Uhren mit abwaschbarem Gehäuse für die Küche, gediegene Wand- und Standuhren,im Holz passend zu den Möbeln der „guten Stube“ oder die Wecker für die Schlafzimmer.

Junghans, Produktion von Taschenuhren (um 1925)

Krise und Stagnation (1914 bis 1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Ersten Weltkrieg kam die Uhrenproduktion weitgehend zum Erliegen. Doch machten einige Uhrenfirmen wie Junghans oder Kienzle durch Rüstungsgüter wie Zeitzünder weiterhin gute Geschäfte.

Die wirtschaftliche Dauerkrise der 1920er Jahre machte den Uhrenfirmen das Leben schwer. Vor allem der an handwerklicher Qualität orientierten und folglich eher teuren, stark exportorientierten Hersteller des badischen Schwarzwaldes machte die Abschottung des ausländischen Marktes durch Zollgrenzen bereits in den frühen 1920er Jahren zu schaffen. Auch die Binnennachfrage nach hochpreisigen Uhren wie Wand- und Standuhren ging stark zurück, während preisgünstige Produkte wie Wecker weiterhin recht guten Absatz fanden. Spätestens mit der Weltwirtschaftskrise der späten 1920er und frühen 1930er Jahre mussten die meisten badischen Uhrenfabriken Konkurs anmelden. Darunter befanden sich die Aktiengesellschaft für Uhrenfabrikation Lenzkirch, Philipp Haas & Söhne in St. Georgen oder L. Furtwängler Söhne und die Badische Uhrenfabrik in Furtwangen.[10]

Bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges waren die Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise spürbar. Noch 1935 lag der Inlandsabsatz der Uhrenindustrie bei gerade einmal 76 % des Standes von 1928; die Auslandsnachfrage verharrte bei 50 %.[11]

Der Zweite Weltkrieg unterbrach erneut die Uhrenproduktion. Es ist bekannt, dass neben Junghans und Kienzle auch andere Betriebe der Uhrenindustrie wie die vom Villinger Uhrenhersteller Kaiser übernommene Badische Uhrenfabrik in Furtwangen, Müller & Schlenker sowie Jäckle in Schwenningen, Bäuerle in St. Georgen und Schatz & Söhne in Triberg Zünder bauten.

Badische Uhrenfabrik AG, Endkontrolle (1954)

Niedergang der Uhrenindustrie (1945 bis 2000)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Großuhrenindustrie an den Standorten im mittleren Schwarzwald und auf der Baar hatte den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden. Die Ausstattung der Firmen mit Maschinen und Material war in der Regel hervorragend. Die Reparationsforderungen der französischen Besatzungsmacht führten jedoch bald zum Abtransport von Maschinen und zu Materialknappheit. Aber bereits 1949 waren wieder 85 % der Vorkriegsproduktion erreicht.[12]

Trotz dieser schnellen Erholung konnte die Uhrenindustrie vom wirtschaftlichen Boom der 1950er und 1960er Jahre nicht im gleichen Maße profitieren wie die Volkswirtschaft insgesamt. Zwar stieg der Umsatz von 1954 bis 1963 von 428 Millionen DM auf 584 Millionen DM deutlich. Relativ gesehen halbierte sich der Anteil am Umsatz aller industriellen Betriebe dennoch von 1,9 % (1954) auf 1,1 % (1963).[13]

Durch den hohen Anteil der Arbeitskosten bei der Uhrenherstellung gegenüber anderen Branchen wirkte sich der starke Anstieg der Reallöhne in dem Jahrzehnt zwischen 1962 und 1972 negativ auf den Ertrag der Uhrenindustrie aus. Dies umso mehr, als die ausgereifte Technologie keine grundsätzlichen Rationalisierungsspielraum mehr bot, um die Uhrenproduktion günstiger zu machen. Sieht man einmal von den elektronischen Komponenten der Batterieuhrwerke ab den frühen 1960er Jahren ab, wurden Getriebe und Platinen um 1970 in der Regel noch nach Prinzipien hergestellt, die der Pionierphase der Uhrenindustrie im späten 19. Jahrhundert entstammten.

Doch innerhalb eines Jahrzehnts änderte sich die Herstellung von Uhrwerken grundlegend. Die traditionellen mechanischen Uhrwerke für den Alltag wurden in den 1970er Jahren durch zwei Innovationswellen regelrecht vom Markt gefegt. Kunststoff trat an die Stelle von Metall, die Mikroelektronik der Quarzuhren an die Stelle der Mechanik. Wer als Uhrenfabrikant bei der herkömmlichen Feinmechanik blieb und es nicht schaffte, auf die neuen Materialien und Technologien umzusteigen, musste innerhalb weniger Jahre Bankrott anmelden. Mitte der 1970er Jahre gingen zunächst vor allem solche Uhrenfirmen Konkurs, die zum überwiegenden Teil noch mechanische Uhrwerke in traditioneller Manier gebaut hatten: 1974 die Weckerfabrik Josef Kaiser in Villingen, 1975 Blessing in Waldkirch, 1976 Mauthe in Schwenningen.

Bezeichnenderweise war es nicht eine alteingesessene Uhrenfabrik, sondern der bislang eher unbedeutende Neuling Gebrüder Staiger in St. Georgen, der als erster konsequent auf Quarzuhren aus Kunststoff setzte und damit einen entscheidenden Erfahrungsvorsprung gewinnen konnte. Zusammen mit dem örtlichen Konkurrenten Kundo finanzierte Staiger die Firma U.T.S. mit dem Ziel einer preisgünstigen Fertigung von Quarzwerken. 1985 war dort erstmals die Vollautomatisierung der Uhrenherstellung erreicht. Sie erlaubte eine konkurrenzlos günstige Produktion. Doch bereits nach wenigen Jahren hatte Fernost bei der Automatisierung aufgeholt. Preislich konnte nun auch KundoStaiger, wie die gemeinsame Firma ab 1992 hieß, nicht mehr mithalten. Im Jahr 2000 musste man Konkurs anmelden.

Im Jahr 2009 waren von ursprünglich ca. 32.000 Arbeitsplätzen in der Schwarzwälder Uhrenbranche (1970) gerade einmal noch 1.369 Beschäftigten übriggeblieben. Bis auf wenige Reste ist heute die einst so stolze Uhrenindustrie verschwunden.

Uhrenhersteller im Schwarzwald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Deutsche Uhrenmuseum in Furtwangen beherbergt wohl die umfassendste Sammlung zur Geschichte der Schwarzwalduhren von den frühen Holzuhren bis zu den Quarz- und Funkuhren aus den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Der touristische Rundweg Deutsche Uhrenstraße verbindet Gedenkstätten zur Geschichte der Schwarzwalduhr und Orte der Uhrenproduktion im Schwarzwald und auf der Baar.

Ehemalige Uhrenhersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Hersteller nennt: Hans Heinrich Schmid: Lexikon der deutschen Uhrenindustrie. 1850 - 1980, 2. erweiterte Auflage, 2 Bände, Berlin 2012.

Aktive Uhrenhersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • AMS-Uhrenfabrik A. Mayer GmbH, Furtwangen (Wohnraumuhren)
  • Bürk-Mobatime (Zeiterfassung)
  • Engstler e. G. (Kuckucks- und Schwarzwalduhren)
  • Hanhart, Gütenbach (Stoppuhren und Armbanduhren)
  • Hermle Uhren, Gosheim (Wohnraumuhren)
  • Hubert Herr, Triberg (Kuckucks- und Schwarzwalduhren)
  • Robert Herr, Schonach (Kuckucks- und Schwarzwalduhren)
  • Hönes GmbH, Titisee-Neustadt (Kuckucksuhren und Schwarzwalduhren)
  • ISGUS GmbH, Villingen-Schwenningen (Zeiterfassungssysteme)
  • Junghans (Armbanduhren und Designeruhren)
  • Helmut Kammerer, Schonach (Kuckucks- und Schwarzwalduhren)
  • Kieninger Uhren, Aldingen (Wohnraumuhren)
  • Lehmann Präzisionsuhren, Schramberg (Armbanduhren)
  • Rombach & Haas, Schonach (Kuckucks- und Schwarzwalduhren)
  • Anton Schneider & Söhne, Schonach (Kuckucks- und Schwarzwalduhren)
  • August Schwer, Schönwald (Kuckucks- und Schwarzwalduhren)
  • Uhrentechnik Schwarzwald Montagetechnik GmbH, Dunningen (Quarzuhrwerke)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Schwarzwalduhren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Kahlert: 300 Jahre Schwarzwälder Uhrenindustrie, 2. vollständig überarbeitete und aktualisierte Aufl., Gernsbach 2007, S. 22-25.
  2. Berthold Schaaf: Holzräderuhren, München 1986, S. 9-14.
  3. Helmut Kahlert: 300 Jahre Schwarzwälder Uhrenindustrie, 2. vollständig überarbeitete und aktualisierte Aufl., Gernsbach 2007, S. 59-70.
  4. Helmut Kahlert: 300 Jahre Schwarzwälder Uhrenindustrie, 2. vollständig überarbeitete und aktualisierte Aufl., Gernsbach 2007, S. 43.
  5. Vom Hausgewerbe zur Uhrenfabrik. Romulus Kreuzer (1856) und Franz Reuleaux (1875) zur Lage der Schwarzwälder Uhrmacherei. Eingeleitet und kommentiert von Franz Herz und Helmut Kahlert, Furtwangen 1989, S. 7.
  6. Berthold Schaaf: Schwarzwalduhren, Karlsruhe 2008, S. 126.
  7. Helmut Kahlert: 300 Jahre Schwarzwälder Uhrenindustrie, 2. vollständig überarbeitete und aktualisierte Aufl., Gernsbach 2007, S. 114.
  8. Helmut Kahlert: Die Großherzoglich-Badische Uhrenmacherschule zu Furtwangen 1850-1863, in: Ders.: "Dem Uhrenfreund zuliebe. Verstreute Beiträge zur Geschichte der Uhr, Hrsg. von Johannes Graf, Furtwangen 2012, S. 56-75.
  9. Johannes Graf, Eduard C. Saluz: Schwarzwalduhren - gut und billig, Furtwangen 2013, S. 33.
  10. Helmut Kahlert: 300 Jahre Schwarzwälder Uhrenindustrie, 2. vollständig überarbeitete und aktualisierte Aufl., Gernsbach 2007, S. 273.
  11. Helmut Kahlert: 300 Jahre Schwarzwälder Uhrenindustrie, 2. vollständig überarbeitete und aktualisierte Aufl., Gernsbach 2007, S. 274.
  12. Helmut Kahlert: 300 Jahre Schwarzwälder Uhrenindustrie, 2. vollständig überarbeitete und aktualisierte Aufl., Gernsbach 2007, S. 278.
  13. Wie das folgende: Johannes Graf: Von Hundert auf Null in 40 Jahren. Die deutsche Großuhrenindustrie in der Nachkriegszeit, in: Deutsche Gesellschaft für Chronometrie. Jahresschrift Bd. 50, 2011, S. 241-262.