Uhrsleben

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Uhrsleben
Gemeinde Erxleben
Wappen von Uhrsleben
Koordinaten: 52° 12′ 0″ N, 11° 16′ 0″ O
Höhe: 125 m ü. NHN
Fläche: 11,02 km²
Einwohner: 397 (31. Dez. 2019)
Bevölkerungsdichte: 36 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 39343
Vorwahl: 039052

Uhrsleben ist ein Ortsteil der Gemeinde Erxleben im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Uhrsleben

Uhrsleben liegt etwa 14 km südwestlich von Haldensleben. Das Dorf zeigt in der Anordnung seiner Gehöfte deutlich den ehemaligen Rundling, bei dem der Friedhof mit der Kirche den Mittelpunkt bildete. Jetzt führen von dem ehemaligen Kern eine Straße ostwärts nach Alvensleben, eine zweite nach Erxleben im Norden; beide Straßen sind zunächst von Häusern eingefasst. Zwei Dorfteiche liegen vor dem Ort im Osten und Süden. Eine Landstraße führt im Süden nach Hakenstedt. Westlich von Uhrsleben dehnt sich das Seelsche Bruch aus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sankt-Petri-Kirche in Uhrsleben
Sankt-Petri-Kirche

Uhrsleben wird in Urkunden der beiden sächsischen Kaiser Otto I. und Otto II. im 10. Jahrhundert unter den Ortschaften des Nordthühringgaus als ,,Urleba" aufgeführt und wurde im Jahre 949 nach dem Wendenaufstand überwiesen. In einer Urkunde wird Uhrsleben oppidum, d. h. Stadt, genannt. Die Gründung der Siedlung Uhrsleben als Markt mit Stadt- und Handelsprivilegium an der ehemals dort verlaufenden Heer- und Handelsstraße zwischen Helmstedt und Magdeburg lässt sich auf den Anfang des 11. Jahrhunderts datieren.

An der alten Heerstraße von Magdeburg nach Braunschweig günstig gelegen, war dieser Ort ein guter Handelsplatz. Die Städte Magdeburg und Helmstedt duldeten keinen Handelsplatz zwischen sich. So wurde die Heerstraße über Erxleben verlegt, und Uhrsleben fiel in einen dörflichen Zustand zurück. In dieser Zeit existierte eine Marktsiedlung im Bereich des heutigen Verlaufes der Gatze und der Kirchstraße. Diese Marktsiedlung wurde dominiert durch die Gutsanlage des Rittergutes Uhrsleben und der Kirche.

Am 19. März 1051 schenkte König Heinrich III. "auf Veranlassung und Bitte und der ihm treu geleisteten Dienste Dankwards, Bischoff von Brandenburg, willen demselben und seinen Nachfolgern die Markt- und Zollrechtigkeit und den Distrikt im Orte "Ursleve" im Nord Thüringengau in der Grafschaft des Grafen Lothar gelegen, nebst allem Zubehör, Zinsen zu freiem und von keinem Herzoge, Grafen oder Markgrafen zu behinderndem Besitze."

1187 ging die Lehnsherrschaft über Uhrsleben an Otto von Uhrsleben. Der Bau des Rittergutes von Uhrsleben begann im Jahr 1270. Die Dorfkirche St. Petri wird das erste mal im Jahr 1311 erwähnt. Aufgrund eines vermauerten Rundbogenfensters im romanischen Feldsteinmauerwerk der Nordwand des Kirchenschiffes, geht man davon aus, dass ein Teil des Gebäudes wahrscheinlich vom Ende des 10. Jahrhunderts stammt. Die Herren von Alvensleben erwarben 1372 den Ort. Das Kirchenpatronat lag bis 1945 bei den Alvensleben auf Schloss Erxleben II. In der St. Petrikirche erinnern alte Grabsteine und um 1910 gestiftete Wappenfenster an die Familie. Im Jahr 1454 wird eine weitere Kirche erwähnt, die sogenannte Osterkirche. Im Jahr 1644 während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Pfarre, die Schule und 13 Wohnhäuser zerstört. Die Gerichtsbarkeit über den Ort und seine Einwohner ging 1650 an Erxleben über.

Bei einem Brand im Jahr 1774 wurden 7 Hofstellen und 20 Höfe bei einem weiteren im Jahr 1825 zerstört. Der Wiederaufbau nach dem Brand von 1825 erfolgte zum Teil an der Straße nach Erxleben, wodurch die Kirchstraße entstand. 1837 wurde die Bockwindmühle Uhrsleben nordöstlich es Ortes erbaut. Ein Brand im Jahr 1854 zerstörte die Stallanlagen des Rittergutes.[1] 1899 wurde die Freiwillige Feuerwehr des Ortes gegründet. Der Gutsbezirk Uhrsleben wurde am 30. September 1928 mit der Landgemeinde Uhrsleben vereinigt.[2] Am Friedhof östlich des Ortes wurde 1945 ein alter Gedenkstein gefunden. Dieser Gedenkstein wird als Mordkreuz bezeichnet und steht unter Denkmalschutz.[3]

Am 1. Januar 2010 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Uhrsleben, Bartensleben, Bregenstedt (31. Dezember 2009)[4] und Hakenstedt nach Erxleben eingemeindet.[5]

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Silbe "lebe" oder "leve" ist abzuleiten von dem Wort "leiba", dass soviel bedeutet wie Nachlass oder Erbe und wird auf die Wanderung der Angeln zurückgeführt. Diese verließen um 200 n. Chr. ihre Sitze an der Unterelbe und wanderten in die Magdeburger Börde und die angrenzenden Gebiete westlich der Elbe.[1]

Mythen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Glocke von Uhrsleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An die Sage der versunkenen Stadt Sela erinnert auch der Glaube des Volkes, dass an der Stelle, wo sich einst der Selische See befand, eine große Glocke gefunden wurde.
Diese hängt jetzt auf dem Kirchturm des Dorfes Uhrsleben bei Erxleben.

Bei Kantor Bock (1920, S. 234) findet sich hierzu folgendes Gedicht:

Aus des Sees tiefem, tiefen Grunde
Klangen Abendglocken dumpf und matt,
und sie gaben wunderbare Kunde
Von des alten schönen Dorfes Statt.

In dem See ging plötzlich es zu Grunde,
Doch die Trümmer blieben unten stehn,
Und man hat zu mancher, mancher Stunde
Selschens lieblich Bild dort einst gesehen.

Und der Fischer, der den Zauberschimmer
Oftmals sah im hellen Abendrot,
Von dem Dorf erzählt er warnend immer,
Weil es gottlos, ward’s gestraft von Gott.

Der Ochsenberg bei Uhrsleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Grimms Märchen:

In der Alten Mark, nicht weit vom zertrümmerten Schloss Alvensleben, liegt ein großes, wacker lustiges Dorf, mit Namen Ursleben. Einen Büchsenschuss hinter dem Dorf steht ein großer See, genannt Brock (Bruch), an dessen Stätte war vor alten Zeiten ein schönes Schloss, das hernach unterging, und seitdem war das große Wasser aufgekommen. Nämlich es sollen alle Leute drinnen versunken sein, ausgenommen eine einzige Edeljungfer, die ein Traum kurz vorher warnte. Als nun das Vieh und die Hühner sonderlich traurige Zeichen eines bevorstehenden großen Unglücks laut werden ließen, setzte sich diese Jungfrau auf einen Ochsen und ritt davon. Mit genauer Not erreichte sie einen dabei gelegenen Hügel, hinter ihr drein sank das Schloss zusammen, und wie sie, auf dem Ochsen sitzend, sich vom Hügel umsah, war das Gewässer überall aufgestiegen. Davon heißt der Hügel noch Ossenberg bis auf den heutigen Tag.[6]

Gedenkstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der letzte Bürgermeister der Gemeinde Uhrsleben war Klaus-Dieter Rzejak (FDP).

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 30. März 1999 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Blasonierung: „In Blau ein von zwei sechsstrahligen goldenen Sternen beseiteter goldener Schlüssel mit kleeblattförmigem, durchbrochenem Schließblatt und mit nach links unten gekehrtem Bart, unter dem Schlüsselschaft eine goldene Scheibe.“

Die Farben der Gemeinde waren Gold (Gelb) – Blau.

Die Gestaltung basiert auf dem 1995 der Gemeinde verliehenen Bildsiegel, dessen Ursprung ein weitaus älteres Bildsiegel (Taufstein der Kirche zu Uhrsleben) war. Es zeigte einen eigenartig geformten Schlüssel, beseitet von zwei sechsstrahligen Sternen. Die Form des Schlüssels entnahm man einer Gravur am Taufstein der Uhrsleber Kirche.[7]

Das Wappen wurde von dem Magdeburger Heraldiker Ernst Albrecht Fiedler gestaltet.

Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Flagge ist Gelb - Blau gestreift (Querflagge: Streifen von links nach rechts, Hissflagge: Streifen von oben nach unten verlaufend) mit dem aufgelegten Wappen der Gemeinde.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Bundesstraße 245, die Eilsleben mit Haldensleben verbindet, sind es in östlicher Richtung etwa 500 m. Die Bundesautobahn 2 (Anschlussstelle 65 Eilsleben) wird nach 800 m erreicht. Die Landesstraße 25 die Weteritz mit Uhrsleben verbindet, endet hier. Der Bahnhof Erxleben-Uhrsleben lag an der Bahnstrecke Haldensleben–Eilsleben, welche stillgelegt ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt Bartels: Familienbuch Uhrsleben (Landkreis Börde), 1644 bis 1850. Leipzig: AMF 2010, 2. Auflage (= Mitteldeutsche Ortsfamilienbücher der AMF 31)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Uhrsleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Zur Geschichte von Uhrsleben. Abgerufen am 29. Mai 2019.
  2. Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg, 1928, S. 226
  3. Kleine Anfrage und Antwort Olaf Meister (Bündnis 90/Die Grünen), Prof. Dr. Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), Kultusministerium 19.03.2015 Drucksache 6/3905 (KA 6/8670) Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt. Abgerufen am 12. April 2015.
  4. StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009
  5. StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
  6. Brüder Grimm: Der Ochsenberg. In: Deutsche Sagen. 1816;.
  7. Das Wappen der Gemeinde Uhrsleben, Dokumentation zum Genehmigungsverfahren, Hinterlegt 1999 im Landeshauptarchiv Magdeburg