Uiguren

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Arabisch-uigurischer Schriftzug mit der Bedeutung „uigurisch“

Uiguren (auch Uighuren oder Uyghuren; Eigenbezeichnung: ئۇيغۇر; chinesisch 维吾尔族, Pinyin Wéiwú'ěrzú)[A 1] sind eine turksprachige Ethnie, die ihren Siedlungsschwerpunkt im Gebiet des ehemaligen Turkestans hat, insbesondere im heutigen chinesischen Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang.

Die Uiguren gehören nahezu alle der Glaubensgemeinschaft des Islam an. Überwiegend handelt es sich bei ihnen um Oasenbauern, Kleinhändler und Handwerker. Sie führen Traditionen fort, die ihre Ursprünge im turko-persischen Zentralasien haben. Im 20. Jahrhundert wurden sie stark vom sowjetischen Zentralasien beeinflusst und passten sich den wechselnden äußeren Regimen über ihr Land an, die von nur kurzzeitig erfolgreichen Unabhängigkeitsbewegungen unterbrochen wurden.[1]

Die meisten der schätzungsweise weltweit über 15 Millionen (Stand: 2010)[2] Uiguren leben heute in dem im Süden Xinjiangs gelegenen Tarim-Becken.[1] Sie stellen die Mehrheitsbevölkerung in dieser Region, die 1759 durch die Qing erobert wurde und danach letztendlich unter eine locker gehaltene chinesische Herrschaft unter den Qing geriet. Zwar wurde das Tarim-Becken über mehrere Jahrhunderte hinweg vorwiegend von einer turksprachigen Bevölkerung besiedelt, doch erfolgte die Formulierung und formelle Begründung ihrer modernen Identität unter dem Ethnonym „Uiguren“ erst im 20. Jahrhundert.[1] Auf einer Konferenz in Taschkent 1921 nahmen Vertreter der Neu-Uigurisch sprechenden Bevölkerungsteile Westturkestans, deren Sprache nicht oder nur zu geringem Anteil direkt auf das Altuigurische zurückgeht, für sich den Namen „Uiguren“ an.[3][4] Im 20. Jahrhundert verschärften die aufeinanderfolgenden chinesischen Staaten mit der Zeit ihre Herrschaft über das uigurisch besiedelte Land.[1] Seit 1949 erhöhte die Volksrepublik China den Prozentsatz der Han-Chinesen in Xinjiang mit einer aggressiven Siedlungspolitik von 5 % auf 40 %[5] und formte aus dem Land im 21. Jahrhundert eine streng überwachte assimilationistische Siedlerkolonie, die von einer von Han-Chinesen dominierten Bürokratie regiert wird.[1]

Namensbedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf die Bezeichnung „Uiguren“ als Ethnonym beziehen sich erstmals die Chinesen während der Han-Dynastie.[6] Auch Chroniken, die von der Nördlichen Wei-Dynastie im dritten Jahrhundert v. Chr. erstellt wurden, sowie die Tang (618–907) und die Song (960–1279) sprachen von Uiguren.[6] Während die Tang sich im 7. Jahrhundert klar auf die Vorfahren der heutigen Uiguren beziehen, gibt es noch immer einige Diskussionen über die Erwähnungen durch die Han und die Nördlichen Wei, ebenso wie über die griechischen und iranischen Quellen vor unserer Zeitrechnung.[6]

Frühe Berichte zur Geschichte der Uiguren stammen aus der Zeit, in der der Clan der Aschina in das Gebiet der Tang-Dynastie floh. Dort formierte sich unter dem Hauptclan der Yaġlarkar das spätere Volk der Uiguren. Ihr Machtbereich umfasste damals weite Teile des südlichen Xinjiang und des heutigen Gansu. Sie waren wohl ein Stammeszusammenschluss verschiedener Steppenvölker, der sowohl Angehörige mongolischer sowie türkischer Herkunft in sich vereinte. Dabei setzte sich schließlich innerhalb dieser Stammesverbindung eine Turksprache durch.

Im Jahre 647 wurden die uigurischen Siedlungsgebiete durch Tang-China besetzt und zum Generalgouvernement Hanhai reorganisiert. Man zählte nun die Uiguren von Seiten Tang-Chinas zu den „zivilisierten Völkern des Reiches“.

742 wurden sie im Verbund mit den Tiele erwähnt. Zusammen mit dem Stamm der Basmıl und der Karluken rissen sie die Macht im östlichen Göktürkenreich an sich. Sie wurden auch in den alttürkischen Orchon-Inschriften erwähnt. Innerhalb der Stammesföderation der Tiele wurden sie auch mit dem Stammesbund der Tölös in Verbindung gebracht, und von Seiten der Tang-Chinesen wurden die Uiguren als Teil der Gaoche angesehen, die einst einen Teil der südlichen Xiongnu (Hunnen) bildeten. Dort bezeichnete sich ein Teil als Ogusen, bzw. als Toquz oġuz, Stamm der „neun Klane“. Einer dieser „neun Klane“ waren die Uiguren, die ihrerseits in die sogenannte On uyġur zerfielen und die einen Zusammenschluss aus zehn Stämmen bezeichneten.[7]

Zwei uigurische Männer aus der Stadt Turpan

Schließlich bezeichneten auch chinesische Quellen die Uiguren als 九族 Jiǔzú, was man mit „neun Stämme“ übersetzen kann. Es war wohl offensichtlich eine Übernahme des Ethnonyms Toquz oġuz (dt. „Neun Stammesverwandte“) der muslimischen Quellen, mit denen diese die Uiguren bezeichneten.[8]

Heutige Volksgruppe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name „Uigur“ scheint eine Umschreibung von „Urog/Ugor/Ogur“ zu sein, ein Ethnonym, das mit dem oghurischen Zweig der Turksprachen in Verbindung gebracht wird.[9]

Die Bezeichnung „Uiguren“ als gemeinsame Bezeichnung einer modernen turksprachigen Volksgruppe wurde erst 1921 auf einer Konferenz in Taschkent für die Oasenbewohner von Altishahr (Süd-Xinjiang)[A 2] und der Dsungarei angenommen[10] und setzte sich unter der Bevölkerung selbst ab den 1930er Jahren durch. Anfänglich bezeichneten die Uiguren sich selbst nicht als türkisch, wohl aber ihre Sprache. Die altuigurische Sprache, die im achten Jahrhundert während des Uigurischen Khanats gesprochen wurde, ähnelt der Sprache der Orchon-Jenissei-Inschriften, die in der modernen Literatur auch als alt-Türki (Tschagatai) bezeichnet wird.[11]

Die Vorfahren der Uiguren wurzeln im Zentralasien des ersten Jahrtausends v. Chr. und sind auf alte Gruppen turksprachiger Stämme zurückzuführen. In chinesischen Quellen werden die Ahnenstämme der Uiguren „Di“, „Chidi“, „Xiongnu“, „Dingling“ und „Gaoche“ benannt, die entlang der alten Seidenstraße nördlich der Tangri-Tagh-Berge und entlang der Flüsse Selenga und Orchon lebten. Dieses Gebiet wurde später als das Uigurische Khaganat bekannt. Die sozialen und kulturellen Aktivitäten der Uiguren finden sich in historischen und archäologischen Materialien bronze- und eisenzeitlicher Epochen bis zur Neuzeit wieder.[11][12]

Einige Ethnologen sehen in den heutigen Uiguren eine Vermischung turkomongolischer Volksgruppen mit indogermanischen Tocharern und iranischen Sogdern.[13][14] Eine altaische Substrat-Verwandtschaft sowohl uigurischer als auch alttürkischer Stämme mit den Tocharern bleibt jedoch bisher aus sprachwissenschaftlicher Perspektive aufgrund fehlender zeitlicher und komparativer Kohärenzen unbewiesen.[15]

Verbreitung und Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uigurische Bevölkerung in verschiedenen Staaten nach Schätzungen des Joshua Project
Staat Anzahl Uiguren
Stand: 13. Juli 2010[2]
China 10.833.000
Kasachstan 372.000
Kirgisistan 53.000
Usbekistan 50.000
Saudi-Arabien 7.000
Iran 5.600
Afghanistan 3.700
Russland 2.900
Turkmenistan 2.100
USA 1.000
Türkei 800
Tadschikistan 800
Mongolei 300
Taiwan 200
Ukraine 200

Von der weltweit zusammengerechneten Bevölkerung der Uiguren von 15 Millionen leben Schätzungen zufolge etwa 500.000 (also 5 bis 6 Prozent) außerhalb Chinas.[2]

Nach Aufständen der uigurischen Gemeinden in den 1990er Jahren flohen Uiguren in Länder wie Kasachstan, Kirgisistan, Schweden, Deutschland, Australien, Kanada und die USA.[16]

Die uigurische Diaspora macht in mehreren Ländern der Welt einen ansehnlichen Bevölkerungsanteil aus.[2] Die größten diasporischen uigurischen Gemeinden befinden sich (Stand: 2011 oder früher) in Zentralasien, gefolgt von der Türkei, Australien, den USA, Deutschland, Norwegen und Schweden.[16] Die meisten Uiguren außerhalb Chinas leben in Zentralasien, an erster Stelle in Kasachstan (rund 370.000), aber auch in Kirgisistan und Usbekistan (jeweils rund 50.000).[2] Außer in den neu unabhängig gewordenen zentralasiatischen Republiken existiert eine signifikante Bevölkerungsanzahl von Uiguren auch in der Türkei, in den USA, Kanada, Australien und europäischen Ländern wie Deutschland und Großbritannien.[2]

Die Uiguren halten sehr engen Kontakt mit den Verwandten auf der ganzen Welt, sowohl mit denen in der Diaspora als auch mit den in der Heimatregion im chinesischen Xinjiang verbliebenen. Besonders erfolgreich erhalten sie die transnationalen Netzwerke mit ihren Verwandten und Bekannten im zentralasiatischen Raum und in der Türkei aufrecht.[2]

Außerhalb von China lebende Uigurengruppen gaben höhere Werte für die Gesamtzahl der Uiguren an (25 Millionen).[17] Auch in etablierten westlichen Medien lassen sich Angaben finden, nach denen außerhalb Xinjiangs rund 10 Millionen und weltweit insgesamt 20 Millionen Uiguren leben sollen.[18]

Hauptsiedlungsgebiete im früheren Turkestan und Verbreitung in China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Uiguren leben zum weitaus größten Teil im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang im Nordwesten Chinas und zu einem kleineren Teil in den zentralasiatischen Republiken.[19][20] Außerhalb von Xinjiang leben rund eine Million (Stand: 2009 oder früher) Uiguren in den größten chinesischen Städten sowie in Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan.[20]

Die bedeutendsten uigurischen Städte sind Ürümqi, die Hauptstadt von Xinjiang, und Kaxgar, ein altes Handelszentrum an der historischen Seidenstraße nahe der chinesischen Grenze zu Russland.[19]

Gesamtchina[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uigurische Ethnie in China nach Volkszählungen, 1953–2010[21]
Jahr Anzahl Uiguren
1953 03.610.462
1964 03.996.311
1982 05.963.491
1990 07.207.024
2000 08.399.393
2010 10.069.346

Anfang des 21. Jahrhunderts lebten in China rund 10 Millionen Uiguren.[19][22] Es haben bisher sechs landesweite Volkszählungen in der Volksrepublik China stattgefunden, in den Jahren 1953, 1964, 1982, 1990, 2000 und 2010.[23] Laut der Volkszählung von 2010 lebten zu diesem Zeitpunkt 10.069.346 Angehörige der ethnischen Minderheit der Uiguren in China, mit geographischer Hauptverbreitung in Xinjiang.[22] Sie machen 0,75 % der Gesamtbevölkerung Chinas aus (nach Volkszählung von 2010).[23][24]

Die Uiguren zählen heute zahlenmäßig zu einer der größten der 55 oder 56 offiziell anerkannten nationalen Minderheiten Chinas[20][21][25] und werden (nach der Volkszählung von 2010) nur von den Zhuang, Hui und Mandschu übertroffen.[21][25] Mit 77,62 % (Stand: 2010) lebt der bei weitem überwiegende Teil der uigurischen Bevölkerung in China in ländlichen Gebieten, im Vergleich zum Durchschnitt der Minderheiten von 68 % und zu einem Anteil bei Han-Chinesen von 48,13 %. In der Zeitspanne zwischen den letzten beiden Volkszählungen ist das Bevölkerungswachstum der Uiguren mit + 1,8 % höher gewesen als das anderer nationaler Minderheiten (0,6 %) oder als das der Han-Chinesen (0,7 %).[25]

Xinjiang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell uigurisches Hauptsiedlungsgebiet

Xinjiangs Norden (mit Dsungarei) und Süden (mit Tarimbecken)
Xinjiang regions simplified.png
Heutige chinesische Provinz Xinjiang mit der Dsungarei im Norden (rot) und dem Tarimbecken im Süden (blau)
Altai, Tienschan-Orte.png
Die physische Karte zeigt die geografische Trennung von Dsungarei und Tarimbecken mit der Taklamakan durch das Tian-Shan-Gebirge


Das uigurische Hauptsiedlungsgebiet im Süden Xinjiangs wird von vielen Uiguren Altishahr genannt[26][27]

Das heute von China kontrollierte Gebiet in Zentralasien, in dem die Uiguren und ihre Vorfahren die Mehrheit der Einwohner gestellt haben, ist bei vielen Uiguren als Altishahr (Altä Şähär[27]) bekannt (uigurisch für: „sechs Städte“).[26][A 2] Die die Bezeichnung Altishahr verwendenden Uiguren sind jedoch von der politischen Macht über die Kartographie ausgeschlossen, und die Bezeichnung Altishahr kommt im bekannten Kartenmaterial nicht vor. Unter der Herrschaft und im politischen System der Chinesen dient die Wissensvermittlung der Stützung des Status quo. In diesem Umfeld bestehen uigurische Bezeichnungen wie Altishahr nur in der Umgangssprache fort, während im offiziellen öffentlichen Diskurs nur die chinesische Bezeichnung „Xinjiang“ und seine uigurische Transliteration „Shinjang“ als Namen für die Region akzeptiert werden.[26] Der Name Altishahr wurde typischerweise für die Benennung der Oasensiedlungen südlich vom Tien-Shan-Gebirge verwendet, wodurch zumindest die diesen Siedlungen gemeinsamen Merkmale betont wurden, wenn nicht sogar ihre territoriale Einheit.[27]

Xinjiang[A 3] (uigurisch: Shärqiy Türkistan oder Sharki Turkistan, zu Deutsch „Ostturkistan“[A 4]) blieb auch nach der im 18. Jahrhundert durch China erfolgten Annexion hauptsächlich von turksprachigen Muslimen bevölkert, von denen die meisten zu den Uiguren (chinesisch: Hui Hui, „schwarze Hui“[17][A 5] ) gehörten.[28] Trotz einer langen Geschichte des Austauschs mit China erhielten sich diese Menschen vor allem durch kulturelle und religiöse Bande die Verbundenheit mit der zentralasiatischen Welt.[28] Die Uiguren bildeten seit langem die Mehrheitsbevölkerung in Xinjiang, wo sie ihren Lebensunterhalt als Kaufleute und Oasenbauern bestritten.[29][30][19] Bereits seit der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts hatten die Uiguren allmählich die Oasen des Tarimbeckens türkisiert, das das Zentrum einer sesshaften indo-europäischen Zivilisation gewesen war.[31] Als sie im Verlauf des 9. Jahrhunderts in Ostturkistan, vorwiegend im Turfangebiet, ansässig wurden, assimilierten sie sich an die in dieser Region herrschenden Verhältnisse und wurden allmählich endgültig sesshaft, zuerst und hauptsächlich in den Oasen.[32]

Traditionell teilten sich die verschiedenen turksprachigen Gemeinden die unterschiedlichen Bewirtschaftungsnischen in der Region: Während sesshafte Uiguren die Oasen im Süden des Tian-Shan-Gebirges – und damit die Oasen des Tarim-, Turpan- und Kumul-Beckens - bevölkerten, bildeten die Tian Shan-Gebirgskette und die Steppen im Norden die Heimat der kasachischen und kirgisischen Nomaden.[28][33][A 6][A 7]

Nach der Eroberung Ostturkestans durch Qing-China im Jahr 1759 hatte die Qing-Regierung sechstausend uigurische Familien aus verschiedenen Städten der Region Kashgar, die sich den Invasoren besonders hartnäckig widersetzt hatten, in den Ili-Bezirk (Dsungarei) umgesiedelt. Auf diese Weise war eine neue Ili- oder Gulja-Gruppe von Uiguren geschaffen worden. Im Jahr 1884 hatte China dann den Ili-Bezirk in die damals neue Militärverwaltungsregion Xinjiang eingegliedert, und im Laufe der Zeit war der Name „Xinjiang“ zur Bezeichnung für die gesamte Region Ostturkestan festgelegt geworden.[34]

Heutige Verbreitung der Uiguren
„Uigurischer“ Süden und „kasachischer“ Norden Xinjiangs
Seidenstrasse GMT Ausschnitt Zentralasien.jpg
Bis heute leben Uiguren in den Oasen entlang der alten nördlichen und südlichen Seidenstraße (gelb) um das Tarimbecken herum[4][35]
Ili.png
Im Bezirk Ili in der Dsungarei leben heute Dreiviertel der Kasachen Xinjiangs[36]


Auch in jüngerer Zeit leben die Uiguren Chinas in und nahe bei den vielen Oasen, die entlang der von Dunhuang nach Kaschgar abzweigenden Routen der alten nördlichen und südlichen Seidenstraße um das Tarim-Becken in Xinjiang herum verstreut sind,[4][35] insbesondere in den Städten Kaxgar (auch: Kashgar, Kaschgar, chin. Kashi), Yarkant (auch: Yarkand, chin. Shache), Hotan (auch: Khotan, chin. Hetian), Aksu (auch: Aqsu), Kuqa (auch: Kucha, Kutscha), Korla und weiter östlich in Turpan (auch: Turfan) und Kumul (auch: Qumul, chin. Hami) und in den umliegenden Dörfern.[35]

Nördlich des Tarim-Beckens leben Uiguren in Oasen an den Nord- und Südhängen des Tian-Shan-Gebirges und zu beiden Seiten des Bogda-Shan-Gebirges, das Turfan vom Norden Xinjiangs trennt.[4] Nördlich des Tian-Shan-Gebirges (auch: Tangri Tagh) leben Uiguren in Ürümqi (auch: Urumtschi, chin. Wūlǔmùqí) und Gulja (auch: Kuldscha, Ghulja, chin. Yining) und in der umliegenden landwirtschaftlichen Umgebung.[35]

Südlich der Taklamakan-Wüste besiedeln andere Uiguren die Nordhänge des Kunlun-Gebirges. Eine ziemlich große Gruppe hat ihren Siedlungschwerpunkt in Dörfern westlich der Wüsten- und Sumpflandschaft des Lop Nur.[4] Die das Tarimbecken und die Wüste Taklamakan rings umgebenden Oasenstädte sind bis heute (Stand: 2008) vorwiegend uigurisch geprägt.[37]

Einige Uiguren sind in die im Norden Xinjiangs Gebiete gelegenen Gebiete um das Dsungarische Becken gezogen sind und leben in Städten in den Regionen Tarbagatai und Altai.[35]

Im Gegensatz zu dem Tarimbecken und die Taklamakan-Wüste ist der Norden Xinjiangs jedoch auch heute noch kasachisch besiedelt, wobei 75 % der Kasachen (Stand: 2004 oder früher) im Kasachischen Autonomen Bezirk Ili leben.[36]

Demographische Entwicklung der Uiguren in Xinjiang zwischen 1949 und 2004 (in Millionen Menschen)[38][39][40][41]
Jahr Bevölkerung/
Insgesamt
Bevölkerung/
Uiguren
Anteil der Uiguren
an Gesamtbevölkerung
1949 04,330 3,291 75%,0
1964 07,440 4,020 54%,0
1982 13,082 5,950 45,5%
1990 15,291 7,249 47,4%
2000 18,494 8,523 46,1%
2004 19,631 8,976 45,7%
Anteil der Han-Chinesen in Xinjiang, nach Volkszählungen, 1953–2010[21]
Jahr Anteil Han
1953 06,94 %
1964 31,93 %
1982 40,41 %
1990 37,58 %
2000 40,57 %
2010 40,11 %
Sinisierung Xinjiangs

Allerdings wird die Sinisierung (uigurisch: chinlashturush) Zuzug von Han-Chinesen (auch: Han; oder: ethnische Chinesen) kontinuierlich vorangetrieben, der von staatlicher Seite forciert wird. Infolge dieser Politik haben die Han-Chinesen laut offiziellen Quellen die Uiguren als größte ethnische Gruppe Xinjiangs abgelöst.[37] Waren im Jahr 1949 noch 75 % der Einwohner Xinjiangs Uiguren und lediglich 6 % ethnische Han-Chinesen (nach anderen Angaben: vor 1953 4,94 % Han-Chinesen[42][43]), so waren Anfang der 2010er Jahre von den 22 Millionen Einwohnern der Region bereits 45 % Han-Chinesen, während der Anteil der Uiguren auf 40 % gesunken war.[44][45][46]

Nach Gründung der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang kam es seit den 1950er Jahren zu einer sehr umfangreichen Immigration von Han-Chinesen nach Xinjiang.[19][21] Die kommunistische Regierung entsandte ab 1953 die Massenwellen von Han-Siedlern nach Xinjiang, um die Region zu sinisieren und unter Kontrolle zu behalten.[42][43] Ein wichtiges Instrument für diese Migration war das Produktions- und Aufbaukorps (shengchan jianshe bingtuan 生产建设兵团), das 1954 aus demobilisierten Han-Truppen gegründet wurde.[21][47] Dieses militärisch organisierte und auf Landwirtschaft ausgerichtete, korporale Instrument wurde für ökonomische, administrative und sicherheitspolitische Aufgaben eingerichtet, und sollte alle Arten wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung unterstützen, die Landesverteidigung in dem sensiblen Grenzgebiet stärken[21][47][48] und die Kontrolle über die Uiguren sicherstellen.[48] Seine vorwiegend (im Jahr 2014: 86,1 %) han-chinesischen Mitglieder, genießen Sonderkonditionen und sind besser gestellt als der überwiegende Rest der Bevölkerung Xinjiangs.[21][47][48] Vor 1953 hatten die Han-Chinesen in Xinjiang nur einen Anteil von 4,94 % an der Bevölkerung, während die Uiguren 75,42 % der Bevölkerung ausmachten.[42][43] Im Jahr 1949 hatte der Anteil der Uiguren in Xinjiang 75 % betragen.[38][28] Der Anteil an Han-Chinesen im Jahr 1949 in Xinjiang wird mit 5 % angegeben.[5] 1953 gab es 4,54 Millionen Angehörige nationaler Minderheiten in Xinjiang. Laut der Volkszählung aus diesem Jahr zählte man davon 3,64 Millionen zu den Uiguren.[49] Der Anteil der Han-Chinesen in Xinjiang betrug im Jahr 1953 weit unter 10 %.[50] Im Jahr 1964 war der Anteil der Han-Chinesen in Xinjiang bereits auf über 30 % gestiegen.[50] Der Anteil der Uiguren in Xinjiang betrug 1964 noch 54 %.[38][28] Die Einwanderung der Han-Chinesen nach Xinjiang ab den 1950er Jahren hielt bis in die 1970er Jahre an und erreichte im Jahr 1978 einen Höhepunkt.[21] Bei der Volkszählung von 1982 war der Bevölkerungsanteil der Han-Chinesen dann auf 41 % gestiegen, während der Anteil der Uiguren auf 45,48 % gefallen war. Dies führte indirekt zu einer Entislamisierung in Xinjiang.[42][43] Seit 1982 schwankt der Anteil der Han-Chinesen etwas nach oben und unten.[21] Besonders ausgeprägt war der Zustrom der Han-Chinesen nach Xinjiang nach 1990.[19] Im späten 19. Jahrhundert[19] und im Jahr 2000 betrug der Anteil der Han-Chinesen in Xinjiang mit rund 7,5 Millionen Han-Einwohnern etwa 40 %.[50] Die Han-chinesischen Einwanderer kamen besonders aus den östlicher gelegenen Provinzen Sichuan, Henan und Gansu, in geringerem Maße auch aus Shaanxi und Anhui.[50] Im Jahr 2004 machten die Uiguren mit 19,6 Millionen Einwohnern 45,7 % der Bevölkerung in Xinjiang aus.[38][28] Als Ergebnis der aggressiven Siedlerpolitik der chinesischen Regierung seit 1949 lag der Anteil der Han-Chinesen in Xinjiang somit im Jahr 2010 bei rund 40 %.[5][51]

Außerhalb von China lebende Uigurengruppen behaupten, dass sich fast alle Han-Chinesen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Xinjiang niedergelassen haben, was den Prozentsatz von ursprünglich 4 % auf den heutigen Wert erhöht habe.[17]

Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf der wichtigsten subregionalen Verwaltungseinheiten von Xinjiang im Jahr 2000[52][53]
Verwaltungseinheit Anteil Uiguren
an Bevölkerung
Anteil Han-Chinesen
an Bevölkerung
BIP pro Kopf
in CNY
Karamay (Gemeinde) 13,6 % 77,9 % 43.926
Ürümqi (Gemeinde) 12,8 % 73,2 % 16.493
Turfan (Regierungsbezirk) 69,6 % 23,5 % 12.831
Shihezi (Gemeinde) 01,2 % 74,8 % 09.738
Changji (Autonomer Regierungsbezirk) 04 %,0 74,8 % 08.399
Kumul (Regierungsbezirk) 18,4 % 68,7 % 07.351
Yining (Gulja) (Autonomer Regierungsbezirk) 15,9 % 44,9 % 05.344
Aksu (Regierungsbezirk) 74,9 % 25 %,0 04.939
Kaxgar (Regierungsbezirk) 89,2 % 09,1 % 02.411
Hotan (Regierungsbezirk) 96,7 % 03 %,0 01.843
Durchschnitt / Xinjiang 46 %,0 39,2 % 07.913
Durchschnitt / China 07.543
Wirtschaftliches und ethnisches Nord-Süd-Gefälle

Während die südlichen Landesteile Xinjiangs noch vornehmlich agrarisch geprägt sind, haben sich im Norden in den letzten Jahrzehnten auch einige industrielle Zentren und überwiegend chinesisch dominierte Städte entwickelt.[37] Die Region ist reich an Bodenschätzen wie Erdöl, Erdgas und Kohle, deren Ausbeutung zum Wirtschaftswachstum beitragen.[46][54] Der Anteil Xinjiangs an den kontinentalen Ölreserven liegt bei 30 %, derjenige an den Gasreserven 34 %.[48] Xinjiang gilt zudem als Tor zu zentralasiatischen Energieressourcen und kann China über Pipeline-Verträge mit den ölreichen Nachbarstaaten in Zentralasien und Russland verbinden, um den Energiebedarf der boomenden chinesischen Wirtschaft zu decken.[54] Neben seiner Bedeutung durch die Energieressourcen nimmt Xinjiang auch eine strategische Kernposition in der geo-ökonomischen Initiative der „Neuen-Seidenstraße“ Chinas ein.[55][56][48] Im Zeitraum 1978–2000 überstieg Xinjiangs Wachstumsrate den chinesischen Durchschnitt,[52] und die Wirtschaft der Region verfügt im heutigen landesweiten Vergleich Chinas über ein recht gutes Niveau.[57] Die einst unindustrialisierte und zu den ärmsten Regionen in China gezählte Region gehört heute unter den „fernwestlichen Provinzen“ Chinas zu denjenigen mit dem höchsten Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt (BIP). Um die Jahrtausendwende belegte Xhinjiang unter den 31 chinesischen Verwaltungseinheiten auf substaatlicher Ebene in Bezug auf das Pro-Kopf-BIP den 12. Platz.[52]

Diese positiven makroökonomischen Daten verbergen jedoch tiefgreifende, an ethnische Zugehörigkeit gekoppelte soziale Ungleichheiten,[52][44] die die Verbitterung unter Uiguren aufrechterhalten.[52] Zwar profitieren die Uiguren mit der gesamten Region in gewisser Weise von der dank massiver Investitionen des chinesischen Staates gewährleisteten wirtschaftlichen Dynamik und den damit verbundenen Verbesserungen des Lebensumfelds.[52][44] Doch kamen die hohen Investitionen, die vorrangig für die Kolonisierungsgebiete bestimmt waren, vor allem den han-chinesischen Siedlern zugute und schlossen tendenziell die nationalen Minderheiten von Xinjiang von der Teilhabe an dem durch die Entwicklung der Region geschaffenen Wohlstand aus.[58][52][46][47][48] Die Art und Weise der Investitionen für die Entwicklung des Westens durch die chinesische Zentralregierung führte eher zu einer Zunahme der ökonomischen Marginalisierung der Minderheiten. In Xinjiang spielte dabei das Produktions- und Aufbaukorps eine besonders wichtige Rolle, indem diese Han-chinesisch dominierte Organisation zur Marginalisierung der Uiguren beitrug.[47] Faktisch blieb das pro-Kopf-BIP der han-chinesischen Siedlungen weitaus höher als in den noch weiterhin mehrheitlich uigurisch bewohnten Gebieten.[58][52] Die meisten Uiguren sind, gemessen an urbanen südchinesischen Standards, verhältnismäßig arm.[57] Viele Uiguren, die für einen von Han-Chinesen dominierten Arbeitsmarkt schlecht ausgebildet sind oder trotz beruflicher Qualifikation diskriminiert werden, können von dem starken Wirtschaftswachstum nicht profitieren.[44][45][47][48] Das schwache Abschneiden der Regierungsbezirke Aksu, Kaxgar, Kizilsu und Hotan, in denen drei Viertel der uigurischen Bevölkerung von Xinjiang konzentriert sind, weist darauf hin, dass ein erheblicher Teil dieser Bevölkerung Einkommen im Bereich der chinesischen und der von internationalen Organisationen festgelegten Armutsgrenze hat.[58] Das Fortbestehen ökonomischer Ungleichheiten entlang der ethnischen Linien in Xinjiang in Verbindung mit der strengen Kontrolle der chinesischen Führung über politische Institutionen führte in der Tendenz zu einem Umfeld, in dem die Uiguren Xinjiangs die von Han-Chinesen dominierte Regierung als Kolonialregime betrachteten.[59]

Der südwestliche Teil Xinjiangs, der vor allem die Regionen um das Tarimbecken und die nördlich ans Tien-Shan-Gebirge (uigurisch: Tängri Tagh) angrenzende Ili-Region umfasst, ist weiterhin vorwiegend von turksprachigen Ethnien besiedelt und gehört auch aus historischer Sicht zu „Ostturkestan“. Die Bevölkerung dieser Region kann sowohl wegen ihrer jahrhundertelang währenden historischen Verbundenheit mit den kulturellen und politischen Zentren der muslimischen Welt, als auch wegen ihrer selbstempfundenen Identität in erster Linie als Teil Zentralasiens und der turksprachigen Welt verstanden werden. Insbesondere betonen Uiguren häufig die sprachliche und kulturelle Nähe zu den Usbeken.[37]

Zentralasiatische Republiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentralasien Ethnien.svg

Ethnische Gruppen in Zentralasien

Anfang des 21. Jahrhunderts lebten in Usbekistan, Kasachstan und Kirgisistan, die inzwischen unabhängig sind, aber ehemals dem russischen Reich und später der Sowjetunion angehört hatten, insgesamt mindestens 300.000 Uiguren.[19]

Einige Jahre vor der Auflösung der Sowjetunion im späten 20. Jahrhundert war für deren Gebiet (Usbekische Sozialistische Sowjetrepublik und Kirgisische Sozialistische Sowjetrepublik) die Zahl von 227.000 Uiguren angegeben worden, von denen allein in Taschkent 20.000 lebten.[4] Mitte des 21. Jahrhunderts wurde die uigurische Bevölkerung in den ehemaligen Sowjetrepubliken Zentralasiens auf rund 200.000 geschätzt und konzentrierte sich auf die diejenigen Gebiete Kasachstans und des Ferghanatals, die der chinesischen Grenze am nächsten lagen.[60]

Größtenteils waren diese Uiguren erst nach 1880 – als Flüchtlinge nach verschiedenen Unruhen – in der Sowjetunion angekommen und später wieder nach 1950.[4] Zur früheren uigurischen Diaspora war es im 19. Jahrhundert durch politische Umwälzungen in Xinjiang gekommen, die zur Auswanderung von Tausenden Ostturkestanis in russisches Territorium geführt hatten. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts führte die von Russland geförderte industrielle Entwicklung in Yettisu (Semirechye) und Ferghana auch zu einem Zustrom von Zehntausenden Saison- oder Wanderarbeitern aus Süd-Xinjiang, die nun auf den Baumwollfeldern, im Melonenanbau sowie im Öl- und Kohlebergbau im russisch kontrollierten Turkestan arbeiteten. Viele sogenannte „sowjetischen“ Uiguren der späteren Auswanderungswelle waren dann Flüchtlinge, die in den 1950er und 1960er Jahren aus China flohen.[60]

Zur Zeit der Russische Revolution im frühen 20. Jahrhunderts hatte diese Emigrantengemeinschaft noch rund 100.000 Menschen gezählt. Zwar war ihre Anzahl im Vergleich zu den Uiguren in Xinjiang immer gering und sie blieben in der Geschichte der Region auch bis in die Gegenwart eine unauffällige und wenig bekannte Randgemeinschaft. Doch spielten sie für die Verbindung zwischen Xinjiang und der islamischen und sowjetischen Welt eine sehr wichtige Rolle in der Geschichte.[61] Während die Interaktionen zwischen Turksprachen-Sprechern auf beiden Seiten der Grenze zwischen chinesisch und russisch kontrolliertem Territorium anhielten, kam es mit der russischen Revolution zu dramatischen Veränderungen in der zentralasiatischen Gesellschaft, die im chinesisch kontrollierten Ostturkestan beziehungsweise Xinjiang ausblieben. Die Erfahrung dieser Umwälzungen im Zuge der Revolution von 1917 in der kleinen ostturkestanischen Diaspora auf russisch-kontrolliertem Gebiet erlangte daher große Bedeutung auch für die politische Geschichte der weitaus größeren uigurischen Gemeinschaft auf chinesisch-kontrolliertem Gebiet. Die sowjetische Ethnopolitik förderte innerhalb der breiteren türkischsprachigen Gemeinschaft die Wiederbelebung des Ethnonyms „Uiguren“ und wurde eine notwendige Voraussetzung für das Wiederauftauchen der „uigurischen“ Idee.[60]

Kasachstan
Uiguren als eine der Ethnien Kasachstans
Uigurs and Tatars Kazakhstan 2007.jpg
Die linke Briefmarke (Kasachstan, 2007) aus der Reihe „Völker Kasachstans“ („Қазақстан Халықтары“) zeigt Uiguren („Ұйғырлар“) in traditionellen Kostümen, die rechte Tataren („Татарлар“)
Vozrast Etnosy KZ.jpg
Anteil der Ethnien an den Altersgruppen der kasachischen Bevölkerung. Uiguren (hellblau) sind nach Kasachen (dunkelblau), Russen (rot), Usbeken (grün) und Ukrainern (violett) aufgeführt; sonstige Gruppen in Orange (Stand: 2013)


In Kasachstan identifizieren sich 1,4 Prozent der Bevölkerung als ethnische Uiguren.[62][63]

Nach der Eroberung Ossturkestans durch Qing-China waren Tausende uigurische Familien aus der Kaschgar-Region in die Ili-Region umgesiedelt worden („Gulja-Uiguren“). 1871 hatte Russland das Ili-Tal im Konflikt mit den rivalisierenden Mächten Großbritannien und Qing-China um Einfluss und territorialen Besitz in Zentralasien besetzt, musste die Ili-Region jedoch zehn Jahre später wieder an China abtreten und konnte lediglich einen kleinen Grenzstreifen behalten. Dieser umfasste einige Dörfer (Kaljat, Ketmen, Klein- und Groß-Achinoho, Tiermen, Dardamty, Shunkar, Aktam, Dobun und andere) im Gebiet des heutigen Zharkent (Jarkent, Scharkent) und der heutigen uigurischen Gebiete Kasachstans. Nachdem der Vertrag von Sankt Petersburg (1881) zwischen Russland und China 132.000 Einwohnern des Ili-Tals die freie Wahl ihrer Staatsbürgerschaft ermöglichte, befürchteten die meisten „Taranchi“ (Uiguren) Repressionen durch die Qing-Regierung und entschieden sich – nach offiziellen Angaben von 1883 75.000 an der Zahl – für die russische Staatsbürgerschaft und Umsiedlung in das Semirechye-Gebiet im heutigen Kasachstan. Sie siedelten am rechten Ili-Ufer zwischen Horgos und Borohotszir sowie in Zharkent, Akkent sowie am linken Ili-Ufer an verschiedenen Orten, vom Dorf Dubuna bis zum Talgar, also an den Ufern der Flüsse Aksu, Bayan-Kazak, Saryfbulak, Chilik, Koram, Daban, Karaturuk, Lep und Talgar. Die Einwanderung hielt offenbar bis in das Jahr 1884 an und umfasste einigen Forschern zufolge schließlich 80.000 Uiguren. Sie gründeten in Semirechye rund 80 Orte, darunter Zharkent. Da die Hauptsiedlung der Guija-Uiguren einmal stattfand, bildeten sie an den neuen Wohnorten geschlossene Siedlungen. Ihre neue Heimat in Semirechye ähnelte in ihren natürlichen und klimatischen Bedingungen ihrem Herkunftsgebiet im Ili-Distrikt. Die uigurischen Immigranten hielten daher an ihren gewohnten Wirtschaftsformen fest und konnten in den ersten Jahrzehnten im russischen Reich ihre Kultur unverändert beibehalten.[34]

Diaspora außerhalb des früheren Turkestans und Chinas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Uiguren, die sich im Ausland niedergelassen haben, handelt es sich um Emigranten aus Xinjiang. Die Auswanderung der Uiguren aus Xinjiang reicht in der Geschichte länger zurück und erfolgte in mehreren Wellen. Diese Wellen erfolgten in der Regel, wenn sich die Bedingungen für die Uiguren verschlechtert hatten oder – im umgekehrten Fall – wenn die Ausreise erleichtert wurde.[2]

Prominente Uiguren der frühen Diaspora


Sowohl İsa Yusuf Alptekin als auch Mehmet Emin Buğra gingen während ihrer Auswanderung nach Indien und später in die Türkei, wo sie eine separatistische uigurische Bewegung anführten[2]

Einige Uiguren emigrierten Mitte der 1930er Jahre, nachdem die Erste Ostturkestanische Republik nach kurzer Dauer aufgelöst wurde, und reisten hauptsächlich in die Türkei und nach Saudi-Arabien ein.[2]

Nach der Auferlegung der kommunistischen Herrschaft im Jahr 1949 - und dem Ende der Zweiten Republik Ost-Turkestan - führte massive Einwanderung von Han-Chinesen nach Xinjiang dazu, dass sezessionistische Bewegungen und antikommunistische, antirussische und antichinesische Revolten turksprachiger Rebellen in Xinjiang immer weniger Erfolgschancen hatten.[64] Einige hundert Uiguren, die Xinjiang Ende 1949 nach der kommunistischen Machtübernahme in China verließen, ließen sich zunächst im indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir nieder und zogen dann in die Türkei, wo sie mit Unterstützung der türkischen Führung uigurische Diaspora-Organisationen gründeten.[2]

Vermutlich zogen einige uigurische Familien vom chinesischen Festland nach Taiwan, als die kommunistische Regierung im Jahr 1949 die Macht übernahm.[4] In den 1950er Jahren wurden Augenzeugenberichten zufolge Verfolgungen muslimischer Sezessionisten durch das neue chinesische Regime durchgeführt.[42][43] 1962 flüchteten mehr als 60.000 Einwohner der Region Ili in Xinjiang - darunter viele Uiguren - aus China in das zu dieser Zeit zur Sowjetunion gehörende Kasachstan. Sie wurden dabei von dem Elend getrieben, das im Zusammenhang mit dem Großen Sprung nach vorn stand.[2] 1966 wurden als Teil der chinaweiten Kampagne der Kulturrevolution zur Zerstörung der alten Traditionen alle Religionen in China verboten, ohne Xinjiang davon auszunehmen. Koranexemplare und islamische Bücher wurden verbrannt, Moscheen zerstört oder geschlossen und religiöse Führer von den Roten Garden verfolgt. Der Leidungsdruck durch die Maßnahmen war bei den Muslimen sehr hoch. Infolgedessen wurden Tausende Muslime ins Exil in muslimische Länder getrieben, in Zentralasien, im Nahen Osten und auf dem indischen Subkontinent.[42][43] Nach dem Einleiten von Reformen und der Politik der offenen Tür durch Deng Xiaoping Ende der 1970er Jahre konnte eine höhere Anzahl von Uiguren als zuvor Xinjiang verlassen. Mehrere Tausend von ihnen ließen sich dann seit den 1980er Jahren in verschiedenen Teilen der Welt nieder, in manchen Fällen mit Hilfe des Hohen Flüchtlingskommissars der UN (UNHCR).[2]

Viele Uiguren verließen somit ihre Heimat infolge der kommunistischen Machtübernahme. Eine große Anzahl uigurischer Flüchtlinge ließ sich in Saudi-Arabien nieder. Weitere Gruppen leben in Taiwan, im indischen Teil Kaschmirs in Srinagar, in den USA und in Pakistan (Stand: 1989).[29]

Zu Beginn der 1990er Jahre kam es zur Auswanderung antikolonialer Kreise.[56] In dieser Zeit begannen Uiguren in europäische und amerikanische Industriestaaten zu immigrieren.[2] Die aktivsten säkularen nationalistischen Aktivisten wurden verhaftet oder flüchten in die Diaspora. Die islamisch-nationalistische Strömung war in der militanten uigurischen Szene der Diaspora eher marginal. Sie war im Wesentlichen säkular-nationalistisch geprägt.[55] Diese Auswanderungswelle dürfte militante Strömungen der uigurischen Diaspora gefördert oder erneuert haben, sowohl in Zentralasien, als auch in der Türkei und in der damals entstehenden westlichen Diaspora (hauptsächlich Deutschland, USA und Australien).[56]

Auch heute (Stand: 2019) handelt es sich bei der uigurische Diaspora in Europa mit einigen Tausend Flüchtlingen um eine relativ kleine Gruppe.[65] Dazu kommen einige Tausend weitere Uiguren in der Türkei,[65] wo sie seit den 1960er Jahren eine sichere Zuflucht gefunden haben.[66] Einige reisten mit einem Studentenvisum nach Frankreich, Ungarn und in die nordischen Länder ein und blieben dann dort, während andere mit Menschenschmugglern nach Europa gelangten..[65]

Politische Organisation in der Diaspora

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Rebiya Kadeer, ehemalige WUC-Präsidentin
Andrew Bremberg and Dolkun Isa in February 2020 (cropped).jpg
Dolkun Isa, amtierender WUC-Präsident


Zwar verliefen die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts in Bezug auf die uigurische Frage für den chinesischen Staat auf seinem Territorium ruhiger als die 1990er Jahre. Andererseits gelang es jedoch der uigurische Diaspora, ihre traditionelle Uneinigkeit zumindest soweit zu überwinden, dass 2004 in München der Weltkongress der Uiguren (WUC) gegründet würde, der ein Zentrum für antichinesische Aktivitäten bildete.[21] Die uigurische Diaspora unternahm im Westen große Anstrengungen, ihren Einfluss im 21. Jahrhundert zu verbreiten.[67] Im Ausland lebende Führer wie Rebiya Kadeer oder Dolkun Isa hatten sich allmählich an den politischen Standards des Westens ausgerichtet und ihre politischen Handlungen nach der gewaltfreien Lobbyarbeit der tibetischen Diaspora gestaltet, um die Unterstützung von ausländischen Positionen und Regierungen zu gewinnen. Diese Strategie hatte 2004 den WUC hervorgebracht.[55] Der WUC ist dabei nicht muslimisch, sondern weltlich ausgerichtet.[67] Die erfolgreiche Geschäftsfrau Kadeer, die 1997 von den chinesischen Behörden wegen angeblicher staatsfeindlicher Aktivitäten in China inhaftiert,[55][2] dann freigelassen und nach Washington geflüchtet war, wurde 2006 WUC-Präsidentin[21] und verkörperte lange Zeit den WUC.[55] In der Rebiya-Kadeer-Frage wurden Uiguren aus aller Welt geeint.[2]

Die Uiguren sind ein Beispiel dafür, dass der Wunsch ethnischer Minderheiten sehr deutlich politisiert und internationalisiert werden kann, die eigene kulturelle Identität oder ethnische Kultur gegen die Kräfte der Globalisierung oder mehrere andere ethnische Kulturen, die mächtig und einflussreich sein können, zu bewahren. Im heutigen China trifft dies besonders deutlich auf ethnische Minderheiten mit gut organisierten Diasporas zu. Unter ihnen ist zwar die tibetische Kultur der bei weitem bekannteste Fall, doch folgen ihnen die Uiguren, die ihr internationales Profil im 21. Jahrhundert verstärken konnten.[67]

Die chinesische Führung ließ sich in dem Konflikt nicht ernsthaft auf Verhandlungen mit den im Exil lebenden Vertretern der ethnischen Gruppe der Uiguren ein,[47] sondern griff stattdessen ihre Repräsentanten persönlich und diffamierend an.[47][67] Die chinesischen Behörden verglichen Rebiya Kadeer schnell in ihrer Bedeutung als politisch verantwortliche Figur mit dem tibetischen Dalai Lama, indem sie sie bezichtigten, den großen Aufstand in Xinjiangs Hauptstadt Ürümqi im Juli 2009 angestiftet zu haben. Ihre Anschuldigung, die Präsidenten des WUC sei eine Terroristin, wurde allerdings von westlichen Kommentatoren praktisch allgemein zurückgewiesen.[67]

Die im Ausland lebende Uiguren sind heute oft stolz auf ihr soziales, kulturelles und historisches Erbe. Sie sind dort nicht nur geschäftlich aktiv, sondern haben sich hohe Berufsqualifikationen in Bereichen wie Wissenschaft, Technologie, Medizin, Wirtschaft, Recht, Unternehmensführung und anderem erworben.[2]

Die Stärke und Präsenz der Uiguren in der jeweiligen Aufnahmegesellschaft ist auch an den ethnischen Verbänden oder Vereinen erkennbar, die die Uiguren in den Ländern ihrer Diaspora gebildet haben. Durch diese Organisationen halten sie ihre familiären und sozioökonomischen Netzwerke mit dem Heimatland und anderen Uiguren auf der ganzen Welt aufrecht.[2]

Türkei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ostturkestan-Flaggen in der europäischen Diaspora
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Uigurischer Protest in München (21. August 2008)
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Gewürzhändler am Ägyptischen Basar im Istanbuler Stadtteil Eminönü (1. August 2009)


In den 1950er Jahren erreichte eine erste Gruppe Uiguren aus Xinjiang über Pakistan die Türkei. 1968 folgte eine zweite Welle uigurischer Einwanderer in die Türkei über Afghanistan.[68][29]

Unter den vielen Gruppen von Immigranten, die seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert nach Anatolien übersiedelten, stellten die Flüchtlinge aus Turkestan, die während der 1950er Jahre in die Türkei gelangten, eine der auffälligsten dar. Ihre vergleichsweise ausgeprägt mongolide Physiognomie machte sie leicht von der angestammten Bevölkerung in der Türkei unterscheidbar und führte nicht selten zu ihrer Verwechslung mit Chinesen oder Japanern.[29] Zusammen mit anderen Immigrantengruppen mit mongoliden Merkmalen wurden sie in der Türkei gewöhnlich als „Tataren“ (türkisch: Tatarlar) angesprochen, bezeichneten sich selbst jedoch als „Turkestani“ (türkisch: Türkistanlılar). Gemeinsam war diesen Gruppen neben ihrer Zugehörigkeit zum sunnitischen Islam hanefitischer Rechtsschule, dass sie verschiedene, aber bis zu einem gewissen Grad gegenseitig verständliche zentralasiatische Turksprachen sprechen und – meist in den 1950er Jahren – aus dem ehemals „Turkestan“ genannten Gebiet kamen, das später zwischen der Volksrepublik China (Region Xinjian), der Sowjetunion (die sozialistischen Sowjetrepubliken Kasachische SSR, Turkmenische SSR, Kirgisische SSR und Usbekische SSR) und Nord-Afghanistan aufgeteilt wurde. Aus wissenschaftlicher Sicht gehören sie allerdings verschiedenen ethnischen Gruppen an, namentlich den Usbeken, Turkmenen, Kirgisen, Kasachen und Uiguiren.[29] In der Türkei gab es bis 1921, als die heutigen Uiguren (türkisch: Uygur oder im Plural Uygurlar), ihre Selbstbezeichnung als Uyğur annahmen, verschiedene nach ihren Wohnorten gewählte Selbstbezeichnungen wie Käşkarlık, Turpallık, Kommulluk oder andere.[68] Andrews wies in seiner umfassenden Ethnographie der Türkei (1989) darauf hin, dass die Uiguren bei der Volkszählung in der Türkei nicht gesondert ausgewiesen wurden, da es sich bei ihnen (wie bei den Türken selbst) um Sprecher einer Turksprache handelte.[68] Svanberg (in der gleichen Ethnographie veröffentlicht) gab für das Jahr 1980 eine Anzahl von 700 Uiguren in der Türkei an, die in Istanbul (rund 50 Familien in der Kasachen-Siedlung in Safraköy, weitere in Örnektepe), Izmir, Adana und Kayseri (mit der größten Gruppe von rund 100 Familien in Yenimahalle) lebten. Typisch für die Uiguren in Istanbul war es, dass sie ihren Lebensunterhalt durch Handel und Handwerk bestritten, während die Uiguren Kayseris dafür Mützen und insbesondere Gebetskappen (türkisch: takke) nähten.[68][29]

In ihrer Religionsangehörigkeit folgen die Uiguren in der Türkei dem sunnitischen Islam in strikt hanefitischer Ausprägung. Allein die Striktheit ihrer Befolgung religiöser Bräuche, nach denen Frauen in Seklusion mit Männern lebten, hob sie nach Andrews (1989) wohl schon vom Rest der türkischen Gesellschaft ab.[68][29] Die „Turkestani“-Immigranten waren im Batı Türkistan Kültür Derneği und im von den Uiguren dominierten Doğu Türkistan Göçmenler Derneği organisiert, über die Folklorevorführungen und Teilnahmen an verschiedenen politischen Kundgebungen veranstaltet und Propaganda zum Thema Turkestan verbreitet wurde. Auch führten Uiguren und Kasachen ein recht aktives kulturelles Leben mit oft panturkistischer Richtung.[29]

In der Türkei sprechen die Uiguren (Stand: 1989) Uigurisch oder Osttürkisch (türkisch: Türki, Uyğur Tili), das zur Gruppe der Östlichen Turksprachen innerhalb der Sprachfamilie der Turksprachen gehört und sich in zwei Hauptdialekte (Nord und Süd) sowie in vier weitere, recht „isolierte“ Dialekte aufteilen lässt. Sie hielten in der Türkei an ihrer Sprache für den Gebrauch untereinander fest.[68]

Unmittelbar nach dem Aufstand in Uürümqi von Juli 2009 wurde in Kayseri ein großes Flüchtlingslager errichtet, das von einer uigurischen Hilfsorganisation betrieben wird. Manche Uiguren haben mittlerweile das Lager verlassen, während andere hinzugekommen sind. Heute (Stand: 2019 oder früher) leben über 2000 Uiguren im Kayseri-Lager. Die meisten Uiguren in Kayseri waren ursprünglich Fabrik- und Bauarbeiter, die in Lagern und Zelten für Wanderarbeiter in Ürümqi gelebt hatten.[57]

Anfang Juli 2015 nahm die Türkei rund 175 Uiguren auf, die von China nach Thailand geflüchtet waren. Zuvor kam es in Ankara und Istanbul zu teilweise gewalttätigen Protesten nationalistischer Türken gegen die chinesischen Behörden, die angeblich die uigurische Minorität daran hindern, das religiöse Fasten im Ramadan einzuhalten.[48]

Das in Istanbul ansässige East Turkestan National Center gab die Anzahl der in der Türkei lebenden Uiguren nach einer Nachrichtenagenturangabe von 2019 mit 35.000 an.[66]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Demonstrationen in der westlichen Diaspora am 10. Juli 2009 anlässlich der Unruhen in Ürümqi vom 5. bis 7. Juli


Das Foto in Berlin zeigt ein Plakat der GfbV gegen Unterdrückung oder Zerstörung von Kultur, Architektur, Sprache und Religion der Uiguren durch China

Viele Uiguren in Deutschland kamen als Asylsuchende ins Land und stammen oftmals aus kleineren Städten und ländlich geprägten Gebieten in Xinjiang. Auch heute noch (Stand: 2011 oder früher) leben viele in Asylunterkünften, während andere als Flüchtlinge in Deutschland anerkannt wurden und eine Vielzahl von Beschäftigungen ausüben, darunter in der Informationstechnologie, in der politischen Interessenvertretung, im Reinigungsgewerbe oder in der Gastronomie, auch als Besitzer von Restaurants.[16]

Viele Uiguren in Deutschland leben in und in der Nähe der Stadt München.[16] Im Jahr 2009 waren 500 der 600[69] und im Jahr 2019 waren 700 der 1.500[70][71][72] in Deutschland lebenden Uiguren in München ansässig.[69][70][71][72] München gilt zugleich als größte uigurische Gemeinde in der gesamten europäischen Diaspora.[69][70][71][72] Bei den meisten Uiguren handelte es sich laut einem Vertreter des Weltkongresses der Uiguren (WUC) um politische Flüchtlinge.[69][70] Die Geschichte der Uiguren in München reicht in die Zeiten des Kalten Krieges in den 1970er Jahren zurück, als der US-amerikanische Sender Radio Liberty mit München als seinem Hauptquartier in Richtung Sowjetunion ausstrahlte. Er hatte auch ein uigurisches Programm, zu dem Dissidenten aus Xinjiang beitrugen, wodurch München seinen Ruf als politisches Zentrum der Exil-Uiguren erwarb.[70] Bei den Uiguren der 1970er Jahre in München handelte es sich um die ersten Uiguren, die in den Westen gingen.[72] München gilt jedoch nicht nur als „Exil-Hauptstadt der Uiguren in Deutschland“, sondern mit dem dort ansässigen WUC, der Dachorganisation für 32 uigurische Gruppen in 18 Ländern, auch als ein „Hauptquartier des uigurischen Widerstandes gegen China“.[70][16] Der WUC organisiert nicht nur Demonstrationen und kulturelle Feste, sondern unterstützt auch Uiguren auf der Flucht.[70]

Viele Uiguren in der Diaspora sind Mitglieder von politischen Organisationen der Diaspora wie dem WUC und verbinden oft im Rahmen dieser Organisationen ihr privates mit öffentlichem Engagement, nehmen an Demonstrationen gegen Menschenrechtsverletzungen in China teil, bringen ihren Kindern uigurische Sprache und kulturelle Traditionen bei oder organisierten Gemeinschaftsfeiern für Festtage, wie die Frühlingsfeier Nowruz,[16] die in München in den 2000er Jahren von der Ostturkistanischen Union in Europa e.V. veranstaltet worden sein soll.[73]

Die Organisation des WUC geht laut Medienangaben auf Dolkun Isa zurück, den Anführer prodemokratischer Proteste an der Universität Xinjiang.[70] Isa, heute Präsident des WUC,[18][70] war 1994 zunächst in die Türkei und dann 1996 nach Deutschland geflüchtet.[70] Die chinesische Regierung betrachtet ihn als Terroristen und lässt ihn von Interpol verfolgen.[70] Sie hatte eine „Red Notice“ gegen Isa erlassen, die erst 2018 gelöscht wurde.[18] Isas Angaben nach soll er in Italien beim Betreten des Senats aufgrund der „Red Notice“ verhaftet,[18][74] aber dank der deutschen Regierung nicht nach China abgeschoben worden sein.[18] Er gab weiter an, dass er ohne den Einsatz der deutschen Regierung gewaltsam nach China zurückgeschickt worden und „verschwunden oder getötet worden“ wäre.[18]

Seit 2016, als noch 23 Uiguren Asylanträge in Deutschland stellten,[70] nimmt die Anzahl der Uiguren aus China zu, die in Deutschland Asyl beantragen.[75] Die Anzahl der in Deutschland Asyl beantragenden Uiguren stieg von 68 im Jahr 2018 auf 193 im Jahr 2019.[71] Unter den chinesischen Asylantragstellern war dabei der Anteil der Uiguren besonders stark gestiegen.[71] Auch waren dabei die Chancen auf Asylgenehmigung mit rund 96 % für Uiguren überdurchschnittlich hoch im Vergleich zur Gesamtzahl der Chinesen mit weniger als 19 %.[71][75] Wie die Anzahl der uigurischen Asylbewerber steigt auch deren Schutzquote bereits seit 2016 an.[72]

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anwar Yusuf and Bill Clinton.jpg

Anwar Yusuf Turani (rechts), Gründer und aktueller Ministerpräsident der Exilregierung der Republik Ostturkistan,[2] mit US-Präsident Bill Clinton (4. Juni 1999)
Uigurisch-US-amerikanischer NASA-Ingenieur

Uiguren sind auch in beträchtlicher Zahl in die USA ausgewandert.[67] In den 1990er Jahren emigrierte eine Anzahl von Uiguren in die USA, bei denen es sich zum größten Teil um politische Flüchtlinge handelte, die damit auf eine anhaltende und rücksichtslose chinesische Repression reagierten. Auch die Uiguren aus der zentralasiatischen Region flüchteten in sichere Staaten wie die USA, um dort Asyl zu beantragen.[2] Die Migrationsroute der Uiguren führt aufgrund der von den chinesischen Behörden auferlegten Beschränkungen zunächst in die zentralasiatischen Länder, in die Türkei, nach Deutschland und von dort in die USA.[2]

Obwohl die Uiguren in den USA als kleine Diaspora-Gruppe gelten, haben sie sich durch ihr ethnisches Bewusstsein als Uiguren hervorgetan und wurden zu einer der erfolgreichsten Diaspora-Gemeinschaften in den USA. Die Mitglieder der uigurischen Diaspora in Amerika zeichnen sich durch besonderen Erfolg in einer Vielzahl von Branchen und Dienstleistungen aus, wie Journalismus, Recht, Elektronik, Telekommunikation und Computer, Stromerzeugung und Bankwesen. Die Bevölkerung der heute (Stand: 2010) rund 1000 Uiguren in den USA konzentriert sich vorwiegend in Orten wie Washington, D.C., Virginia, Maryland und der kalifornischen Stadt Los Angeles. Das Fortbestehen ihrer Verbundenheit mit der uigurischen Kultur auch in der Diaspora zeigt sich in ihren traditionellen Festen und Zeremonien sowie in anderen soziokulturellen Aktivitäten. Neben uigurischen Magazinen, Zeitungen und Literatur existieren auch Internet-Websites, die ausschließlich für Uiguren erstellt wurden und ebenfalls separatistisch für die Schaffung eines uigurischen Staates ausgerichtet sind.[2]

Die in die USA eingewanderten Uiguren legen ihren Fokus auf Menschenrechtsverletzungen und Opposition gegen China, nicht jedoch auf den Islam.[67] Zu den uigurischen Organisationen in den USA gehört die Uyghur American Association (UAA) mit Sitz in Washington und die ebenfalls in Washington ansässige Exilregierung der Republik Ostturkestan (The Government-in-Exile of East Turkistan Republic). Die Exilregierung der Republik Ostturkistan wurde am 14. September 2001 von ihrem derzeitigen Ministerpräsidenten Anwar Yusuf Turani gegründet, um in Amerika Öffentlichkeitsarbeit über die Geschichte, Kultur und aktuelle politische Situation der Uiguren in „Ostturkistan“ (Xinjiang) zu betreiben. Die UAA ist ein prominenter uigurischer Kulturverein und dient als Dachorganisation für die in verschiedenen Teilen der USA und Kanadas lebenden Uiguren. Hauptziele der UAA sind zum Ersten die Förderung von Aktivitäten zum besseren Verständnis der uigurischen Kultur und des Informationsaustauschs zwischen Uiguren in Amerika und Uiguren in anderen Teilen der Welt. Zum Zweiten strebt die Vereinigung die weltweite Sammlung aller Uiguren zum Kampf für eine unabhängige Republik Ostturkistan an. Die UAA betreibt seit 2004 das Uyghur Human Rights Project (UHRP), das darauf abzielt, Druck auf China auszuüben, um die Verfolgung von Uiguren und politischen Gefangenen zu beenden, negative Folgen von Entwicklungsprojekten in vorwiegend uigurisch besiedelten Teilen Xinjiangs zu überwachen und in Zusammenarbeit mit den USA und anderen weltweit einflussreichen Staaten wie Deutschland und Großbritannien wichtige Informationen über die Uiguren auszutauschen.[2] Die UAA war maßgeblichen Anteil an der Internationalisierung der Rebiya Kadeer-Frage. Die intensive Lobbyarbeit der UAA, der Appell uigurischer Diaspora-Organisationen und Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International und Human Rights Watch sowie der Druck der US-Regierung führte einen Tag vor dem Besuch der US-Außenministerin Condoleezza Rice in China im April 2005 zur Entlassung Kadeers durch die chinesischen Behörden.[2] Der chinesische Staat reagierte mit Verärgerung darüber, dass der WUC-Präsidentin Rebiya Kadeer Asyl in den USA gewährt wurde.[76]

Die Uiguren in den USA verfügen über etwas andere Charakteristika in Bezug auf ihren Status vor der Auswanderung als etwa jene in Deutschland, da viele Uiguren in den USA im Gegensatz zu denen in Deutschland als Studenten aus städtischen Zentren in Xinjiang und mit Bildungshintergrund in die USA kamen. Uiguren in und um Washington, D.C.9 engagieren sich üblicherweise aktiv für politische Interessen und nutzen ihre Netzwerke, um ihre Angelegenheiten in Regierungskreisen öffentlich bekannt zu machen. So sensibilisiert die Charta der UAA zum Beispiel für die kulturelle und politische Situation in Xinjiang und bietet Uiguren ein virtuelles Forum, um lokal und weltweit miteinander in Kontakt zu treten. Andere Programme wie das UHRP konzentrieren sich ausschließlich auf Menschenrechte, Religionsfreiheit und Demokratie in Xinjiang.[16]

Kultur und Gesellschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Kultureinflüsse in der Region
Das Netz der antiken Seidenstraße im 1. Jahrhundert n. Chr. mit den im Norden über Turfan und Yining und im Süden entweder über Aksu und Kashgar oder über Hotan und Kashgar führenden Handelsrouten

Die uigurische Zivilisation hat sich innerhalb der zentralasiatischen Oasen-Städte der Seidenstraße entwickelt, namentlich in Aksu, Kaschgar, Hotan und Turfan.[57] Entlang der Seidenstraße kam es durch prosperierenden Handel zu einem vielfältigen Austausch unterschiedlichster Kulturen und Interessen. In der Region trafen sich aus dem Norden und Nordosten stammende nomadische Hirten wie die Mongolen ebenso wie aus aus dem Süden von Indien und Tibet kommende Hindus und Buddhisten, während aus dem Osten Han-Chinesen kamen und aus dem Westen wiederum Tocharer, Sogdier und Iraner. Diese verschiedenen Menschen und Völkerschaften trieben Handel und siedelten sich an.[35] Im Laufe ihrer Geschichte war die Region Xinjiang insbesondere aufgrund ihrer zentralen Lage entlang der „Seidenstraße“ in hohem Maße von kulturellem Austausch zwischen Ost und West geprägt.[77] Zahllose Menschen reisten als Händler, Migranten und Pilger weiter entlang diesem Netz von Handelswegen, auf denen sowohl zwischen den einzelnen Oasen, als auch zwischen den Berg- und Steppenregionen Zentralasiens der Transport von Menschen Religionen, Ideen, Technologien und Gütern stattfand.[35]

Heutige Situation

Dass die Region auch heute noch auf einer „eurasischen Kreuzung“ liegt, lässt sich besonders an den verschiedenen politischen, kulturellen und religiösen Einflüssen erkennen, die ihren Niederschlag in der lokalen Architektur, Sprache und Identitätsbildung gefunden haben.[78] Auch die Vielfalt an Genres und Stilformen von Volksmusik, Poesie, Tanz, Kunst und Erzählungen der Uiguren ist ein Ausdruck ihrer ebenfalls vielfältigen und komplexen Geschichte.[35]

Die Uiguren gelten als die den Han-Chinesen kulturell und sprachlich divergierendste ethische Gruppe in China. Die uigurische Sprache ist eine eigenständige Turksprache und grundlegend verschieden von den vorherrschenden chinesischen Sprachen und Dialekten. Die uigurische Kunst und Architektur blickt vielmehr auf Traditionen osmanischer und türkischer Kunstgeschichte zurück, als dass sie mit den künstlerischen Praktiken Zentralasiens vergleichbar wäre.[36][21]

In China stellen die Uiguren die bevölkerungsreichste ethnische Gruppe der muslimischen Turkvölker dar. Die vier anderen Turkvolk-Nationalitäten sind nach Bevölkerungsanzahl geordnet die Kasachen, Kirgisen, Usbeken und Tataren.[67] Den Uiguren kulturell und sprachlich sehr ähnlich sind die Usbeken. Tatsächlich werden Usbeken und Uiguren in Teilen Zentralasiens als Angehörige derselben ethnischen Gruppe angesehen,[67] und auch die Uiguren heben die sprachliche und kulturelle Nähe zu den Usbeken oft hervor.[37]

Identität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doppa-Macher in Kaxgar. Diese gestickten Schädelkappen sind die traditionellen uigurischen Hüte
Junge Uigurin mit Kopfbedeckung

Ein bedeutender Aspekt der heutigen uigurischen Kultur ist der Wunsch nach Unabhängigkeit. Angesichts der kulturellen und religiösen Unterschiede zwischen uigurischen Chinesen einerseits und stärker sinisierten Minderheiten und Han-Chinesen, andererseits steht der Wille zur Unabhängigkeit für die uigurische Identität im Vordergrund.[79]

In Bezug auf die politische Organisation herrschten vom 9. bis zum 13. Jahrhundert n. Chr. uigurische Könige über einen Großteil des nördlichen Turfan-Beckens, und im 17. Jahrhundert konsolidierten Naqschbandīya-Sufis die Macht über das südliche Tarim-Becken, bis Qing-Soldaten sie Mitte des 18. Jahrhunderts stürzten.[80] Xinjiang wurde damit recht spät in das chinesische Reich eingegliedert.[80][81] Die Uiguren hatten andere historische Beziehungen zur Han-Mehrheit und zum chinesischen Staat als etwa die Hui-Chinesen und waren im Gegensatz zu diesen nicht geografisch über ganz China verteilt, sondern in Xinjiang konzentriert. Insbesondere Oasenstädten im Süden von Xinjiang, wie Kaxgar und Yarkant, bildeten Ballungszentren.[80] Als Folge sprachlicher, ethnischer, religiöser und historischer Kulturbildung, haben die Uiguren einen starken Identitätssinn entwickelt, der sich weitgehend von jenem der Han- und Hui-Migranten in Xinjiang abgrenzen lässt.[80]

Äußerlich erkennbare Abhebung von der Mehrheitsgesellschaft

Die muslimischen Turkvolk-Minderheiten von Xinjiang, wie Uiguren und Kasachen, sind Türken weitaus ähnlicher als chinesischstämmigen Ethnien.[21][36] Die Uiguren sprechen eine eigene Sprache, die sich als Turksprache von den chinesischen Sprachen abhebt.[80] Die Fachenzyklopädie Muslim Peoples: A World Ethnographic Survey beschrieb die phänotypische Merkmale der uigurischen Ethnie noch 1984 als „relativ große Menschen mit braunen Haaren, brauner oder hellerer Augenfarbe, Adlernasen und heller Haut“. Nach Angaben der Enzyklopädie waren unter uigurischen Männern „dicke Schnurrbärte und Bärte der türkischen Völker Zentralasiens“ beliebt.[4]

Infolge der Abhebung von den Chinesen und Ähnlichkeit zu den Völkern Zentralasiens identifizieren sich die Uiguren stark mit turksprachigen Muslimen in Zentralasien.[80]

Verhältnis zu Han-Chinesen und zur Minderheitenpolitik Chinas

Während die Handhabung der Minderheitenfrage durch die Kommunistische Partei Chinas für die meisten der 55 offiziell anerkannten Minoritäten Chinas im Großen und Ganzen als recht erfolgreich bewertet werden kann, ist sie für zwei der Minderheiten – namentlich die Tibeter und die Uiguren – nicht oder nur sehr unzureichend gelungen.[21] Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Tibetern und Uiguren einerseits und den anderen ethnischen Minderheiten andererseits besteht darin, dass die separatistischen Bewegungen unter diesen beiden weitaus hartnäckiger waren. Außerdem sind die Unterschiede zwischen ihnen und den im Staat dominierenden Han-Chinesen größer und tiefergehend als bei den meisten anderen Minderheiten. Wesentlich stärker ausgeprägt als bei anderen Minderheiten ist bei ihnen eindeutig das Bestehen auf einer starken Identität einerseits und die Abneigung - insbesondere unter politischen und kulturellen Eliten - zur Akzeptenz der chinesischen Hoheitsgewalt. Zwischen ihnen als ethnischen Minderheiten auf der einen Seite und den Han-Chinesen sowie dem chinesischen Staat auf der anderen Seite herrscht eine vergleichsweise hohe Intoleranz.[21] Im Gegensatz zu den ebenfalls muslimischen Hui-Chinesen verbinden sich die Uiguren selten ehelich mit Han-Chinesen.[81]

Junge Uiguren sind heute von Restriktionen staatlicher Politik sowohl in Bezug auf ihre Religion als auch in Bezug auf ihre Kultur betroffen.[82] Zwar unterliegen uigurische und muslimische Schüler und Schülerinnen trotz des allgemeinen chinesischen Gesetzes, nachdem religiöse Praktiken in Schulen nicht erlaubt sind, offenbar einer flexibleren Handhabung und können Hidschāb (im Fall der Mädchen) und doppa (im Fall der Jungen) in der Schule auf ihren Köpfen tragen oder in separaten Cafeterien Nahrung ohne Schweinefleisch erhalten.[83] Uigurischen Studenten wird jedoch die Praktizierung des Islam im öffentlichen Raum verboten. So dürfen sie weder die Moschee besuchen, noch im Koran lesen oder während des Fastenmonat Ramadan fasten. Uiguren an Universitäten werden davon abgehalten, den doppa genannten, traditionellen uigurischen „Hut“ zu tragen. Das gleiche gilt für den burut genannten Oberlippenbart, der für viele uigurischen Männer ein Symbol für Männlichkeit darstellt. Diese religiösen und kulturellen Restriktionen stellen eine Bedrohung für das Fortbestehen ihrer ethnischen Identität dar.[82]

Während die ebenfalls muslimischen Hui-Chinesen oft als vorbildliche Minderheit wahrgenommen werden, die sich als „gute Muslime“ an der Staatsmacht beteiligen, werden die Uiguren im Gegensatz dazu als „schlechte Muslime“ dargestellt, allerdings in Verkennung der historischen Realität, da auch die Beziehung zwischen den Hui im Nordwesten Chinas zu dem historischen chinesischen Staat keineswegs ruhig verlaufen war.[80]

Separatistischen Bewegungen entgegenwirkende Faktoren

Dem Unabhängigskeitsstreben der Nationalisten entgegen wirken verschiedene Faktoren. Erstens wird die Sprache in ihrer die uigurischen Gemeinschaften vereinenden Wirkung dadurch beeinträchtigt, dass die Uiguren in verschiedenen Staaten unterschiedliche Schriften wie Arabisch, Kyrillisch oder Lateinisch zur Niederschrift der Sprache verwenden und so ihre Kommunikation zwischen den Staaten erschwert wird. Zweitens behindern sich gegensätzliche Programme der unterschiedlichen uigurischen politischen Gruppen wie Pan-Turkismus, uigurischer Nationalismus, Säkularismus und Islamismus gegenseitig beim Verfolgen gemeinsamer uigurischer Ziele. Drittens scheuen alle in der jüngeren Zeit neu unabhängig gewordenen Turkvolkrepubliken aus geopolitischen Gründen vor der Unterstützung aufkeimender Unabhängigkeitsbewegungen wie die der chinesischen Minderheiten zurück, aus der Sorge, damit lukrativen Handelsabkommen oder politischer Unterstützung von der UNO im Weg zu stehen. Viertens führte die Angst vor muslimischen Bewegungen weltweit nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 allgemein zu einer Hemmung einiger uigurischer Bewegungen, insbesondere wenn diese ihre Religion als Zentrum der uigurischen Identität behandelten.[79]

Uigurische Vor- und Familiennamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Einflüsse auf die Namensgebung

Im Laufe des langen geschichtlichen Bildungsprozesses der uigurischen Namen haben diese einen starken Wandel erfahren. Zu den historischen Einflussfaktoren, die sich auf die Namenskultur der Uiguren ausgewirkt haben, zählen zum Ersten die unterschiedlichen Wirtschaftsformen wie Nomadismus, Sesshaftigkeit, Urbanisierung und Industrialisierung. Weitere dieser Einflussfaktoren liegen vor in den religiösen Überzeugungen wie Schamanismus, Zoroastrismus, Buddhismus, nestorianisches Christentum und Islam. Und schließlich gehören in die Reihe dieser Einflussgrößen auch die unterschiedlichen Zivilisationen wie die eurasisch-nomadische, die Zivilisation der Oasen des Tarim-Beckens, die Han-chinesische, die indische, die persische, die griechisch-hellenistische, die arabisch-islamische und die moderne russisch-europäische.[84]

Herkunftssprachen der Namen

Die Namen in Xinjiang entsprechen im Allgemeinen der bemerkenswerten Vermischung der Kulturen, die an diesem alten Begegnungspunkt der östlichen und westlichen Zivilisationen aufeinandergetroffen sind. Die bei den Turkvölkern in Xinjiang heutzutage üblicherweise verwendeten Namen enthalten viele Ableitungen aus dem Arabischen oder Persischen, die auf den tiefgreifenden Einfluss der islamischen Kultur verweisen. Andererseits sind auch russische und chinesische Einflüsse auf die Wahl der Namen zu erkennen, worin sich die Bindung der Region an diese beiden starken kulturellen Traditionen niederschlägt.[84]

Laut dem Uyğur Kishi Isimliri (Führer für uigurische Namen) von Mutällip Sidiq Qahiri machten aus dem Arabischen abgeleitete Namen im Jahr 1998 über 80 Prozent aller uigurischen Namen aus.[85]

Vorislamische uigurische Vornamen
für Mädchen (gelb) und Jungen (grün)[84]
Name Bedeutung Name Bedeutung
Chechäk Blume Bars Tiger
Yultuz Stern Qaplan Leopard
Aykhan Mond Alp Held
Hidligh süßlich duftend Bilgä klug
Bedeutungen der Namen und Bedeutung der Namensgebung

In der vorislamischen Phase der Uiguren vor Mitte des 9. Jahrhunderts n. Chr., als sich diese Religion noch nicht aus dem Westen bis zu ihnen hin ausgebreitet hatte, führten die Uiguren eine Geburtszeremonie aus, bei der sie für das Neugeborene einen Namen wählten, der den Namenstraditionen der alten Turkvölker oder der Alt-Uiguren entsprach. Die Bräuche der uigurischen Namen und Nachnamen folgten in dieser Zeit den alten turki-uigurischen Namenstraditionen des Ersten und Zweiten Türk-Kaganats (552-744) sowie des Uigurischen Kaganats (744-840). In dieser Tradition herrschte der Glaube vor, dass der Vorname auf magische Weise Wirkung auf die Zukunft des Namensträgers ausüben würde. In dieser alten Tradition verkörperten uigurische Namen somit die vielen guten Wünsche der Eltern für die Eigenschaften ihrer Kinder, wobei den Mädchen über die Namen in der Regel Attribute der Schönheit zugewiesen wurden, während die Namen für Jungen ihre Stärke, ihren Genius oder Ähnliches ausdrücken sollten. Nicht nur während des Uigurischen Kaganats, sondern auch noch in der Zeit des Königreichs von Chotscho (850-1250) wurden für Vornamen häufig Wörter verwendet wie tömür („Eisen“), qara („schwarz, stark, groß“) und buqa („Bulle“) oder solche mit der Bedeutung von „Raubtieren“ (im Sinne von Beutegreifern und Greifvögeln) wie börä („Wolf“), arslan („Löwe“), toghril („Adler“), shingqur („Falke“), tunga („Leopard“), adigh („Bär“) und Qaplan („Leopard“).[84]

Uigurische Namensbildungen unter Einfluss arabischer und islamischer Kultur[84]
Name Bedeutung
Ibrahim ibni Yusuf Khotani Ibrahim, Sohn von Yusuf, geboren in Hotan
Molla Ismätulla binni Molla Nemätulla Möjizi Molla Ismätulla, dessen Vater Molla Nemätulla und dessen Pseudonym Möjizi ist
Äysa Hashim oghli Isa, Sohn von Hashim
Märiyam Saqim qizi Märiyam, Tochter von Saqim

Im zweiten Jahrtausend übte schließlich die arabische und islamische Kultur starken Einfluss aus und bewirkte im Hinblick auf die Namensgebung, dass die vergebenen uigurischen Namen in erster Linie aus den persönlichen Namen gebildet wurden, die sich im Koran und anderen islamischen religiösen Büchern vorfanden. Zudem fingen Manche und insbesondere Intellektuelle an, in schriftlichen Dokumenten die patronymischen Formen ibn oder bin (Arabisch für: „Sohn“ bzw. „Vater“) und oghli oder qizi (Uigurisch für: „Sohn von ...“ bzw. „Tochter von ...“) zu übernehmen.[84]

Nach- oder Familiennamen

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts blieb die Verwendung von Nachnamen oder Familiennamen bei Uiguren, die traditionell nur Vornamen vergeben, unüblich.[84]

Erst ab den 1930er Jahren begannen manche Intellektuelle und einzelne Uiguren, die eigene Erfahrungen aus den ehemals sowjetischen zentralasiatischen Republiken oder in der Türkei mitbrachten, für sich neben ihrem persönlichen Namen auch einen Nachnamen zu verwenden. Dazu verwendeten sie russifizierte Nachnamen-Suffixe oder nahmen die turkische patronymische Form oghli (männlich) oder qizi (weiblich). Andere Intellektuelle lehnten die russische Art der Familiennamen ab und übernahmen das persische Pseudonym (im Sinne von: Künstlername) -i, das turkische Intellektuelle seit dem Mittelalter verwendeten. Die russifizierte Form der Familiennamen konnte sich für die uigurische Bevölkerungsmehrheit – trotz einer gewissen Beliebtheit bei Intellektuellen während der Drei-Bezirke-Revolution (1944–1949) – nicht durchsetzen.[84]

Nach 1949 fand die Bildung „instabiler Familiennamen“ unter Uiguren allmählich Verbreitung, indem der Vorname des Vaters als Familienname übernommen und für offizielle Dokumente direkt nach dem eigenen Namen geschrieben wurde.[84]

Seit Anfang des 21. Jahrhunderts engagieren sich uigurische Intellektuelle für Reformen, um Problemen entgegenzuwirken, die mit der Standardisierung und chinesischen Transliteration uigurischer Vor- und Nachnamen auftreten.[84]

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uyghur language geographical extent.svg
Verbreitung der uigurischen Sprache in China (rot) mit Kennzeichnung spärlich besiedelter Gebiete (rosa)
Ethnolinguistic map of China 1983.png
Verbreitung der Turksprachen (hell-rosa) in China mit Kennzeichnung spärlich besiedelter Gebiete (weiß)


Für frühes Lernalter visualisierte uigurische Begriffe (Wörter in arabisch- und lateinisch-uigurischer Schrift)

Die uigurische Sprache gehört zur Sprachfamilie der Turksprachen innerhalb der Gruppe der Altaischen Sprachen.[19] Innerhalb der Turksprachen wird das Uigurische in den Zweig der karlukischen Sprachen eingeordnet[20] und steht dem Usbekischen besonders nahe.[1][86]

Die neuuigurische Schriftsprache wurde ab 1921 in Russisch-Turkestan gebildet und ab 1949 auch als Schriftsprache der Uiguren in Xinjiang übernommen.[3] Obwohl die Sprache heute „Uigurisch“ genannt wird und ein uigurischer nationaler Mythos einer direkten Abstammung von den Alten Uiguren besteht,[1] geht diese neuigurische Sprache nicht auf das zu den nordtürkischen Sprachen gehörende Altuigurisch zurück[3] und es liegt keine direkte Abstammung der heutigen Uiguren von den Uiguren des 8. Jahrhunderts vor,[4] vermutlich nur mit Ausnahme der „Gelben Uiguren“,[4][A 8] in deren Sprache das Altuigurisch fortlebt, während eine weitere direkte sprachliche Herleitung zu den Salaren unklar ist.[3] Die meisten Sprachklassifikationen stellten das moderne Uigurisch nicht nur in sprachverwandtschaftliche Verbindung zu bestimmten uskekischen und kirgisischen Dialekten, sondern auch zu weitaus kleineren Sprachgruppen wie den „Gelben Uiguren“ (Säriq) und Salaren.[4] Die Uiguren gehören zu den ältesten Sprechern einer Turksprache in Zentralasien und werden bereits in chinesischen Aufzeichnungen des 3. Jahrhunderts erwähnt.[19]

Im Gegensatz zu den Hui-Chinesen sprechen die meisten Uiguren keine Chinesische Sprache.[81] Trotz der lange zurückreichenden Besiedlung Xinjiangs durch die Uiguren, gerieten sie erstmals Mitte des 18. Jahrhunderts unter chinesischer Herrschaft.[81][80] Keinem der chinesischen Herrscher gelang es in den folgenden 250 Jahren jedoch, das uigurische Volk in das chinesische zu assimilieren.[81][A 9]

Mit zunehmender Höhe im Bildungssystem nimmt der Anteil des Chinesischen als Unterrichtssprache zu. Uigurische Sprachschulen sind in der Mittelschule weitaus seltener als in der Grundschule. Auf Universitätsniveau ist Chinesisch bei weitem die dominierende Unterrichtssprache. Der Trend geht dabei weiter in Richtung Chinesisch.[67] Im Hochschulbereich erfolgt der Unterricht letztlich in Mandarin. An der Xinjiang-Universität waren Kurse sowohl auf Chinesisch als auch auf Uigurisch unterrichtet worden, bis ein Regierungserlass im Jahr 2002 bestimmt hat, dass die meisten Kurse nur auf Chinesisch abgehalten werden.[23][67] Es wurde kritisiert, dass die Verengung praktisch des gesamten Universitätsunterrichts in Mandarin einen Hauptbestandteil der Kultur der ethnischen Minderheit der Uiguren untergrabe. Die Unterrichtssprache und der mangelnde Bezug des zentralisierten und standardisierten Lehrplans zu den Gemeinschaften der ethnischer Minderheiten insbesondere in ländlichen Gebieten gelten Kritikern als Hauptgründe dafür, dass die Prüfungsergebnisse der Minoritäten schwach ausfallen und Schüler, die ethnischen Minderheiten angehören, die Schulbildung vollständig abbrechen.[23] Heutzutage schicken viele uigurische Eltern ihre Kinder in chinesischsprachige Schulen, mínkǎohàn (民考汉) genannt, damit diese bessere Chinesischkenntnisse erwerben und dadurch bessere Jobchancen erhalten. Dies führt teilweise zu dem Vorwurf anderer Uiguren, die solche minkaomin-Schüler oft als zu stark von der Han-Kultur beeinflusst ansehen oder sie im schlimmsten Fall als Abtrünnige der uigurischen Kultur betrachten und behandeln können. Die minkaomin-Schüler selbst schämen sich manchmal für ihren Minderheitenhintergrund oder ihren „kulturellen Mangel“. Andere betrachten sich durch ihre chinesische Ausbildung als moderner, fortschrittlicher oder internationalistischer als diejenige aus Schulen mit Unterricht in Minderheitensprache,[67] mínkǎomín (民考民) genannt.[47] Allmählich erfasst alle chinesischen Minderheitenregionen der als sogenannte „zweisprachige Bildung“ (shuāngyǔ jiàoyù 双语教育) propagierte Trend einer immer breiteren und früheren Einführung des Chinesischen als Unterrichtssprache. Diese Sinisierung des Bildungssystems wird zumindest vordergründig damit plausibel begründet, dass die Beherrschung der „Verkehrssprache der Mehrheitsgesellschaft“ die Arbeitsmarktchancen erhöht und so bei der Überwindung der wirtschaftlichen Rückständigkeit der Minderheiten und ihrer Regionen helfen könne. Tatsächlich liegen die Uiguren durchschnittlich weit hinter den Bildungsstandards der Han-chinesischen Bevölkerung zurück.[47]

Heute sprechen viele chinesische Tadschiken in einer weitgehend uigurisch besiedelten Region des Landes neben ihrem indoeuropäischen Tadschikisch auch Uigurusch, während sie aber nur sehr geringe Kenntnisse in Han-Chinesisch oder anderen Sprachen erwerben.[87][A 9]

Auch viele der den Uiguren als Muslime kulturell nahestehenden Usbeken in China sprechen die uigurische Sprache.[88]

Die realexistierenden Bedingungen der Modernisierung haben zwar den Aufstieg des Chinesischen (Modernes Standardchinesisch, Putonghua) gegenüber den Sprachen der ethnischen Minderheiten begünstigt, und Anfang des 21. Jahrhunderts ergab eine Studie der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, dass nur noch fünf ethnische Sprachen in den öffentlichen Bereichen wie Regierung, Rechtswesen, Verlagswesen, Medien und Bildung aktiv waren. Doch zählte Uigurisch (zusammen mit Tibetisch, Mongolisch, Koreanisch und Kasachisch) zu diesen noch aktiv verwendeten Sprachen.[67]

Religion und Religionsrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buddhistische Malereien in den Höhlen von Bäzäklik nahe Turfan
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Blick auf die Eingänge der Tausend-Buddha-Höhlen von Bäzäklik, einem Komplex von buddhistischen Höhlentempeln, rund 10 Kilometer nördlich von Chocho und rund 20 Kilometer östlich von Turfan gelegen.
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Ein zentralasiatischer Mönch mit europider Erscheinung als Lehrer eines ostasiatischen Mönches (Fresko aus dem 9. Jahrhundert n. Chr.).


Sugong- oder Emin-Minarett und -Moschee in Turfan
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Das nachträglich restaurierte Bauwerk mit Minarett und Moschee bildet eine Art Minarett-Moschee-Komplex.[89]
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Das außen mit 16 Mustern verzierte, sich stark konisch verjüngende Lehmziegel-Minarett ist mit 44 m Höhe das höchste Minarett Chinas[89]


Der Islam erreichte Turfan nach dem Sturz der Yuan-Dynastie. In den fast 1.000 Jahren zuvor hatten Buddhisten, Manichäer, Sogdier, Uiguren und Chinesen im weiteren Gebiet dieser Oase ihre Einflüsse auf Architektur und Malerei ausgeübt. Die verschiedenen Besatzer haben jeweils ihre Benennungen hinterlassen. Der im Entwurf einem uigurischen Meister namens Ibrahim zugeschriebene Turm wurde vom örtlichen Führer Amin Khoja finanziert (daher der chinesische Name „Amin-“ oder „Emin-Minarett“) und 1778, ein Jahr nach seinem Tod, von dessen Sohn Sugong (daher der uigurische Name „Sugongta“, dt. etwa: „Turm von Sugong“) fertiggestellt. Das heutige Minarett wurde zunächst als Gedächtnis-Pagode für den Vater genutzt.[89]

Die Uiguren und ihre Vorfahren weisen eine lange und vielfältige religiöse Tradition auf, so etwa sehr früh schon Schamanismus und Zoroastrismus, andere zentralasiatische Religionen, Manichäismus, nestorianisches Christentum, Buddhismus und schließlich der Islam, der im 8. Jahrhundert ankam[57] und zu dem die Uiguren im 15.[20] oder 16. Jahrhundert[57] endgültig konvertierten.[20][57] Der Süden Xinjiangs ist seit rund 1000 Jahren islamisch geprägt, wohingegen der Osten Xinjiangs – wie etwa die Region Turfan – im 15. Jahrhjundert islamisiert wurde, also erst relativ spät.[90] Während von den 55 anerkannten Minderheiten Chinas lediglich etwa 50 % für einen von der Han-Kultur abweichenden Glauben eintreten, gelten die Uiguren als das vorderst zu nennende Gegenbeispiel, indem sie zu einem weitaus höheren Anteil religiös gläubig, also überwiegend muslimisch, sind.[23] Die Ausübung islamischer Glaubenspraktiken ist ein Element ihres zentralasiatischen Erbes.[80]

Der vorislamische Glaube beeinflusst jedoch weiterhin die uigurische Islampraxis, insbesondere unter den Sufis im südlichen Xinjiang. Viele städtische Uiguren identifizieren sich heute als „Sunniten“, womit sie „anders als Sufis“ meinen.[80] Zu den vorislamischen Bräuchen der Uiguren gehört auch das Nowruz-Fest, das sich damit unter den von den Uiguren gefeierten Festtagen als nicht-islamischer Feiertag absetzt. Nowruz ist ein altertümlicher Feiertag Zentralasiens und wird traditionell mit Zoroaster in Verbindung gebracht wird, der eine vor-monotheistische Philosophie der Wissenschaft und der Naturreligion verkörpert. Für die vielen zentralasiatischen Völker, die dieser Tradition folgen, beginnt das Jahr mit der Frühjahrstagundnachtgleiche. Die Verbindungen zum vorislamischen Glauben wurzeln bei den Uiguren in der Volkskultur, und eine Studie in der uigurischen Diaspora in der Türkei, die mit in Xinjiang geborenen und aufgewachsenen Uiguren gemacht wurde, weist darauf hin, dass der vorislamische und traditionelle Volksfeiertag Nowruz besonders in den weniger gebildeten Schichten verteidigt wird.[57] Am 23. Februar 2010 wurde dem Tag der Tagundnachtgleiche (21. März jeden Jahres) von den UN der Status als „Internationaler Nowruz-Tag“ (mit den je nach Land variierenden Sprech- und Schreibweisen Nowruz, Novruz, Navruz, Nooruz, Nevruz, Nauryz mit der Bedeutung „Neu-Tag“) verliehen,[91][92] was auch Erwähnung in chinesischen Staatsmedien fand, wo Nowruz als traditionell-uigurischer und nicht exklusiv-uigurischer Festtag vorgestellt wurde.[93]

In China sind die Minderheiten allgemein sowohl im Glauben als auch in der Praxis religiöser als die Han-Chinesen. Neben den Tibetern zeichnen sich die Uiguren in China durch die starke Rolle aus, die die Religion traditionell in ihren Gesellschaften spielte und weiterhin spielt. Während bei den Han-Chinesen die staatsorientierte Ideologie des Konfuzianismus religiöse Körperschaften immer daran hinderte und weiterhin hindert, Einfluss oder gar Kontrolle auf die formelle Staatsführung auszuüben, ist es bei einigen Minderheiten zu starkem religiösen Einfluss auf die staatliche Politik gekommen. So durch den tibetischen Dalai Lama als früheres Oberhaupt sowohl der Religion als auch der Regierung, aber auch durch den islamischen Klerus, der sowohl sozial als auch politisch hohe Bedeutung für die muslimischen ethnischen Gruppen hatte.[67] Unter der modernen chinesischen Herrschaft war das Gebiet des ehemaligen Osstturkistans dann nie religiös frei. Seit Regierungsübernahme durch die Volksrepublik China in der Region Xinjiang im Jahr 1949 verfolgte die chinesische Führung eine Politik der religiösen Repression, die auf die vollständige Assimilation der Uiguren an die Han-chinesischen Einwanderer abzielte.[94]

Für die gesamte Region Xinjiang mit ihren verschiedenen Ethnien ist der Islam die in außerordentlichem Maße vorherrschende Religion. Nach offiziellen Angaben lebten im Jahr 2000 8,1 Millionen religiöse Menschen in Xinjiang, in fast allen Fällen Muslime, und es waren 20.0000 Moscheen und rund 29.000 Angehörige des Klerus verzeichnet. Dabei handelte es sich um offiziell gesponserte und vom Staat finanziell unterhaltene Moscheen, sowie teilweise um staatlich unterstützte Imame. Die einst zahlreichen Anti-Regierungs-Moscheen waren dagegen seit der 1996 gestarteten „Kampagne des harten Schlags“ stark geschwächt worden. Im Süden Xinjiangs ist der Islam allerdings weitaus stärker als im Norden der Region. Ein Grund liegt darin, dass der Süden uigurisches Gebiet ist, während der Norden durch Kasachen besiedelt wird, die als nachlässiger in der Ausübung islamischer Praktiken gelten als Uiguren. Zwar existierten auch kasachische Moscheen, doch lebten viele Kasachen weiterhin nomadisch und besuchten Moscheen daher wohl auch mit geringerer Wahrscheinlichkeit.[36]

Obwohl die Uiguren überwiegend einem traditionellen, synkretistischen Volksislam folgten,[95] der teilweise auch als liberaler und weniger extremistisch oder weniger orthodox beschrieben werden kann,[96] unterlagen sie in China laut einem HRW-Bericht von 2012 nach den sukzessiven Einschränkungen ihrer Religionsfreiheit seit den späten 1990er Jahren und vor allem seit 2001 strikteren Bestimmungen als andere Muslime.[95] Seit den 1990er Jahren hat in Xinjiang die staatliche Kontrolle über die Religion den Dialog mit ihr offenbar zunehmend ersetzt. Diese Kontrolle wurde so überzogen und die damit verbundenen Strafen so ungerecht oder übertrieben, dass sie auch im kontraproduktiven Sinne gewirkt und eine Zunahme von Gewalttaten gefördert haben kann.[59] Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 hatte die chinesische Führung unmissverständlich darauf bestanden, dass es sich bei den uigurischen Separatisten um Terroristen handle, die vom islamischen Fundamentalismus inspiriert seien. Westliche Experten bestritten dagegen schon im Jahr 2004, dass die Quelle der Konfrontation mit den Han-Chinesen oder dem chinesischen Staat im Islam zu suchen sei, räumten jedoch ein, dass der Islam vermutlich für die Zukunft eine wachsende Rolle in der nationalistisch uigurischen Bewegung spielen werde.[21][97]

Schriftreligion

Die Mehrheit der Uiguren gehört heute dem sunnitischen Islam hanafitischer Rechtsschule an.[37][20] Die Bekehrung des uigurischen Herrschers in Kaxgar im 10. Jahrhundert bildete den Ursprung des Islams nicht nur für die Uiguren, sondern für alle Turkvölker. Obwohl die Intensität der Bindung an den Islam unter den Uiguren unterschiedlich ist, bleibt sie im Allgemeinen und vor allem im südlichen Xinjiang stärker als das bei den Hui-Chinesen.[67]

Das Festhalten der Uiguren an den Grundsätzen des sunnitischen Islam kann als ein zentrales Merkmal ihrer Identität in der heutigen Welt angesehen werden. Der religiöse Glaube hat Einfluss auf die Ernährung und Auswahl der Nahrungsmittel der Uiguren genommen. In den meisten Fleischgerichten meiden sie Schweinefleisch und ziehen stattdessen Lammfleisch vor. Auch Märchen, Musik und Tanz der Uiguren wurden von ihrer Religion beeinflusst.[79]

Die Form der Islampraxis der meisten Uiguren wird als im weltweiten Vergleich verhältnismäßig liberal beschrieben. Nur wenige Frauen bedecken sich demnach mit einem Schleier, wenngleich Frauen und Männer außerhalb des Heims körperlichen Kontakt vermeiden.[79] Andererseits beschreiben Wissenschaftler die uigurischen Immigranten in der Türkei der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts als strikt sunnitisch und sich offenbar schon allein durch die strengere Geschlechtertrennung von den Türken abhebend.[68][29]

„Volksrecht“ und Religionsrecht

Bei den muslimischen Turkvölkern haben islamische Rechtsinstitutionen eine lange Geschichte und konnten sich noch bis in die sozialistische Zeit halten. Die Qing-Dynastie herrschte in indirekter Weise, die solchen Institutionen ein gewisses Maß an politischer Autonomie ermöglichten. In den Oasenstädten rund um die Taklamakan-Wüste in Xinjiang setzten die Qadis eine Kombination aus Scharia und uigurischem Gewohnheitsrecht vor qadihana (uigurisch für: „Haus des Qadi“) genannten Gerichten um. Im Jahr 1874 hob das Qing-Gericht die Anwendung des islamischen Rechts bei der Behandlung von Strafsachen auf, ließ jedoch weiterhin das islamische Recht und die lokale Sitte für die Behandlung nicht-krimineller Angelegenheiten durch Qadis zu. Bis in die frühen 1950er Jahre beglaubigten Qadis noch häufig juristische Dokumente, obwohl chinesische Verwaltungsbeamte zunehmend versuchten, solche Rechtsformen zu standardisieren. In uigurischen Fabeln sind oft Qadis zu sehen, manchmal in Form des Volksweisen Afanti, was die starke Stellung der Institution des Qadi im uigurischen kollektiven Bewusstsein demonstriert. Die muslimischen Turkvolk-Gemeinschaften – so die Uiguren oder auch die Salaren – unterhielten islamische Rechtsinstitutionen weitaus länger aufrecht als chinesische Muslime in der Provinz Gansu. Die lockere geografische Verteilung und die geringere Bevölkerungsdichte ihrer Gemeinden machten die Hui-Chinesen dort anfälliger für den Druck der Hanifizierung als es bei den Uiguren in ihrem konzentrierten Siedlungsgebiet in Xinjiang der Fall war.[98]

Wie der „Volksglaube“ (minjian xinyang) ist auch das „Volksrecht“, einschließlich des Religionsrechts, nicht über formelles Recht geregelt. Das Religionsrecht einiger ethnischer Gruppen, die transnationale Verbindungen haben und nicht unbedingt an nationaler Gerichtsbarkeit festhalten, erwies sich für die sozialistische Herrschaft als störend. Zu diesen ethnischen Gruppen gehörten an erster Stelle die Uiguren und Tibeter und in geringerem Maße die Mongolen und Hui.[99]

Volksglaube und Schamanismus

Die Volksreligion ist ebenso wie vom Islam auch vom klassischen Schamanismus geprägt.

Es gibt vielerorts in Xinjiang traditionelle uigurische Heiler und Heilerinnen, die als baxshi, perixon oder daxan bezeichnet werden. Ihre Methoden beruhen auf ekstatischen Tänzen und Trancezuständen, und ihren Diagnosen und Therapien liegt Kosmologie zugrunde, die den Einfluss von Geistern auf das Leben voraussetzt. Allgemein lässt sich festhalten, dass bei manchen Uiguren, vor allem in ländlichen Gebieten, ein Glaube an spirituelle Wesen verbreitet ist, die in die menschliche Existenz involviert sind. Der Schamane ist bei einem Teil der Uiguren eine praktische Institution im lokalen Islam.[37]

Schrift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Arabisch-uigurische Schrift
500 Yuan (人民幣) - People's Bank of China (1951) KKNews - Obverse & Reverse.jpg
500-Yuan-Banknote von 1951 mit dem Schriftzug „جۇڭگو خەلق بانكىسى“ in uigurischer Sprache für „Chinesische Volksbank
Chinese minority languages 05.JPG
Großes Wörterbuch Chinesisch-Uigurisch mit dem Titel in Uigurisch („خەنزۇچە - ئۇيغۇرچە چوڭ لۇغەت“) und Chinesisch („汉维大词典“) (Frankfurter Buchmesse, 2009)


Schrift in der Gegenwart

Heute verwenden die Uiguren in den verschiedenen Staaten ihres Siedlungsgebietes unterschiedliche Schriften wie Arabisch, Kyrillisch oder Lateinisch zur Niederschrift der Sprache.[79] Als die Neu-Uigurische Schriftsprache ab 1921 in Russisch-Turkestan entstand, geschah dies zunächst unter Verwendung der arabischen Schrift. Während für das Neu-Uigurische in der Sowjetunion auf eine 1925 erfolgte Reform der arabischen Schrift im Jahr 1930 der Übergang zur lateinischen und schließlich 1946/1947 zur kyrillischen Schrift erfolgte, wurde in China eine reformierte arabische Schrift verwendet.[3] Zwar wollte die kommunistische Führung nach der Machtübernahme in China sowohl zur Berücksichtigung als auch zur Kontrolle der kulturellen Unterschiede nach der Formalisierung der uigurischen Sprache auch die Verwendung einer neuen lateinischen Schrift durchsetzen.[1] Doch wurde ein in den 1970er Jahren unternommener Versuch zur Einführung der lateinischen Schrift 1980 wieder aufgegeben.[3]

Im heutigen China verwenden die meisten Minderheiten die chinesischen Schriftzeichen zum Schreiben. Zu den wenigen Ausnahmen gehören die Uiguren, die wie die ebenfalls turksprachigen Minderheiten der Kasachen und Kirgisen das Arabische Alphabet verwenden. Wie die gesprochenen und geschriebenen Sprachen der anderen offiziell anerkannten Minderheiten ist auch das Uigurische in arabischer Schrift in China in den Bereichen Recht und Gesetz, Verwaltung, Bildung, politisches und soziales Leben und in anderen Bereichen weit verbreitet. So wird etwa der Name „Chinesische Volksbank“ auf jeder Banknote, von 100 Yuan RMB herab bis 1 Jiao, auch in der uigurischen Form geschrieben.[67]

Schrift in der Geschichte

Die vor über 1000 Jahren vollzogene Urbanisierung der Uiguren ging Hand in Hand mit einer langen literarischen Tradition.[79] Das früheste uigurische Khanat übernahm die Schrift der schreibkundigen Sogdier, um eigene Texte zu erstellen.[79][100] Grundlage der uigurischen Schrift war damit die Schrift der Sogdier, die wiederum bedeutende Elemente ihres Alphabets aus dem Aramäischen entlehnt hatten.[100]

Die uigurische Schrift wurde von den Naimanen zum Schreiben ihrer mongolischen Sprache verwendet. Nachdem Dschingis Khan die Naimanen unterworfen hatte, übernahm er die Naimanen-Schrift zum Schreiben der mongolischen Sprache.[100]

Historische Geschäfts-Dokumente in uigurischer Schrift und Sprache
Mannerheim - Across Asia from West to East in 1906-08 (1909, 1940, 1969) vol 2.pdf
Steuervertrag (mit Siegel)[101]
Mannerheim - Across Asia from West to East in 1906-08 (1909, 1940, 1969) vol 2.pdf
Vertrag zum Landkauf (ohne Siegel)[101]


Links: Der Text zum Steuervertrag beginnt (in Transkription) mit taqigu jil jitinč aj sekiz j'girmike mn tojinčoq tüšike bansij biz üčegü... (dt. etwa: „Im Jahr des Huhnes, dem siebten Monat, dem achtzehnten Tag, ich, Tojincok, Tüšike und Bansei, wir drei ...“).
Rechts: Der Text zum Landkaufvertrag beginnt mit jont jil törtünč aj sekiz j'girmike biz jeng-ke m(a)usi edgü bir ogul-qa (dt. etwa: „Im Jahr des Pferdes, dem vierten Monat, den achtzehnten Tag, wir, Jeng und Mausi-Edgü, einziger Sohn ...“)[101] – Die eigentlich in vertikalen Zeilen angeordnete Schrift ist hier im Winkel von 90 Grad gegen den Uhrzeigersinn gekippt dargestellt.

Historische Geschäftsdokumente in uigurischer Schrift und Sprache waren zum Beispiel von Carl Gustaf Emil Mannerheim auf dessen Ostturkestan-Reise Anfang des 20. Jahrhunderts gesammelt worden. Schriften dieser Art waren bei den Uiguren des 10. bis 14. Jahrhunderts offenbar weit verbreitet. Das uigurische Volk, das größtenteils in den Städten und Oasen entlang der beiden Gebirgshänge des Tian-Shan lebte, hatte zu diesem Zeitpunkt in Ostturkestan eine recht hochstehende Zivilisation entwickelt und hielt gewöhnlicherweise alle Arten von Geschäftsereignissen und sonstigen Verbindlichkeiten schriftlich fest. Viele solcher Verträge und Kaufverträge wurden in der Nähe der heutigen Stadt Turfan gefunden. Der russische Gelehrte Wilhelm Radloff hatte eine Sammlung solcher Dokumente angelegt und übersetzt, die nach seinem Tod vervollständigt und 1928 in Leningrad veröffentlicht wurde.[101]

Zu den in der Zeitspanne vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart verwendeten Schriften der Uiguren zählen unter Anderem:[102]

  • die Brahmi-Schrift[102]
  • die Orchon-Runen (auch: „uigurische Runen“)[102]
  • die mittelalterliche uigurische Schrift[102]
  • die uigurische, sogdische und manichaeische Schrift[102]
  • das auf der arabisch-persischen Schrift basierende uigurische Tschagatai-Schiftsystem[102]
  • das auf der arabischen Schrift basierende moderne uigurische Schriftsystem (heute gültig)[102]
  • das auf der lateinischen Schrift basierende moderne uigurische Schriftsystem[102]
  • das auf der kyrillischen Schrift basierende moderne uigurische Schriftsystem[3]

Mündliche Überlieferung und Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mündliche Überlieferung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigsten Genres der in den letzten 200 Jahren aufgezeichneten uigurischen oralen Folklore waren:[35]

Die Sprichwörter, Märchen und meisten qoshaq fanden allein über mündliche Überlieferung Verbreitung. Zu den humorvollen Erzählungen gehören dagegen neben den lokalen mündlich-überlieferten Erzählungen über und von historischen Persönlichkeiten auch die internationalen Geschichten von Nasreddin Effendi (Näsirdin Äpändi), die sowohl mündlich als auch schriftlich zirkulierten. In diesem Zeitraum der letzten 200 Jahre entnahmen viele Sänger einige ihrer qoshaq-, ghazal- (eine sonettartige Textform) und dastan-Gedichte schriftlichen Quellen.[35]

Weitere Genres der uigurische Folklore sind Rätsel (tepishmaq) und weniger verbreitete Erzählformen, die als rivayät (Legende), hikayät (Anekdote oder Geschichte), äpsanä (Mythos oder Legende) oder qissä (längere Geschichte) geführt und nicht mit dem spezifischeren čöčäk-Genre zusammengefasst werden.[35]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die uigurische Literatur befasste sich im Laufe ihrer Geschichte vorwiegend mit religiösen Themen, angefangen von der Zeit ihrer Bekehrung zum Manichäismus, über das nestorianische Christentum und dann den Buddhismus bis hin zum Islam.[79] Die Uiguren verfügen über eine umfangreiche literarische Hinterlassenschaft. Erhalten sind neben einzelnen christlichen Zeugnissen wie etwa Fragmenten der Georgspassion in erster Linie manichäische und buddhistische Texte. Beim buddhistischen Schrifttum handelt es sich in der Regel um Übersetzungsschriften aus ganz unterschiedlichen Sprachen wie dem Tocharischen oder dem Tibetischen.[103]

Neben der religionsbezogenen Literatur existieren aus den Überlieferungen der uigurischen Gelehrten seit rund 1000 Jahren aber auch Volksmärchen, uigurische Legenden und historische Abhandlungen.[79]

Im Prozess der Sesshaftwerdung in Ostturkestan ab dem 9. Jahrhundert übernahmen und evolvierten die Uiguren, deren ursprüngliche Lebensweise im Nomadentum sich nun bedeutend geändert hatte, bemerkenswert schnell und umfangreich die bereits in der Region bestehenden kulturellen Traditionen. Im Verein mit der weiteren Verbreitung des Buddhismus entfaltete sich ihr künstlerisches und literarisches Schaffen.[32]

Die uigurische Literatur (in Abgrenzung von der altuigurischen Literatur auch als neuuigurische Literatur bezeichnet) ist im Westen über nahezu alle literarischen Genres hinweg fast unbekannt. Ein wachsendes Interesse an der uigurischen Literatur ist in jüngster Zeit allerdings in der Türkei zu verzeichnen, wo die uigurische Literatur Gegenstand von literarischen, linguistischen und turkologischen Forschungsstudien wurde.[90]

Neben der Dichtung stellt vor allem das volkstümliche Lied eine bevorzugte Ausdrucksform uigurischen Kunstschaffens dar. Lieder eignen sich besonders gut für die Vermittlung versteckter oder auch ausdrücklicher politischer Botschaften, da sie sich dem Zugriff der Zensur weitgehend entziehen.[90]

Eine Legende besagt, die heutigen Uiguren seien die Nachkommen einer mystischen Vereinigung zwischen einer Hunnenprinzessin und einem Wolf.[104]

Die Figur des Nasrettin/Afanti von Anatolien bis Zentralasien
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Vergnügungspark in Ankara (2007)
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Skulptur in Samarkand (Foto: 1992)


Die in uigurischen Fabeln häufig auftauchenden Qadis treten manchmal in Form des auch aus der mündlichen Überlieferung bekannten Volksweisen Afanti (Näsirdin Äpändi) in Erscheinung:[98][35] Als Ependi oder Apendi (kirgisische Variante) und als Apandi (Usbekisch), Afandi oder Avanti (Neu-Uigurisch) ist in Zentralasien die Figur des „Nasrettin Hoca“ bekannt, die als Held von Anekdoten und Witzen aus der türkischen Tradition stammt, sich in allen Regionen der osmanischen Herrschaft verbreitet und inzwischen Erzählstoff krimtatarischen (Ahmet Akaj), usbekischen (Navoi) oder kirgisischen (Aldarkösö) Ursprungs eingebunden hat. Das moderne chinesische Wort Afanti („Betrüger“) entstand somit durch uigurische Abwandlung aus dem türkischen efendi (hier als Ausdruck der respekterweisenden Ansprache),[105][106] das in Zentralasien anstelle des in der Türkei oder auch bei den Serbokroaten und Ungarn verwendeten religiösen Titels „Hoca“ gewählt wurde, aus dem durch Lautverschiebung im Arabischen auch „Joha“ wurde.[106] Je nach Region unterscheiden sich innerhalb des weiten Verbreitungsgebiets zwar die Details der Umgebung in den Anekdoten, indem beispielsweise der türkische Mantel durch den usbekischen chapan, das anatolische Haus durch die kirgisische Jurte oder der westliche padişah durch den, oft durch Tamerlan verkörperten, östlichen „khan“ ersetzt wird. Doch sind die Anekdoten und der Charakter der kleinen, schlauen, auf einem Esel reitenden Figur von Anatolien bis nach Xinjiang annähernd unverändert geblieben, die sich in ihrer Lage zu helfen weiß, aus Situationen Lehren zieht oder sich gegen die Mächtigen stellt und somit ein Modell zum Bestehen einer im Alltag harten Welt bietet.[106]

Gesellschafts- und Wirtschaftsformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nahezu unmittelbar, nachdem die Uiguren im 9. Jahrhundert aus der mongolischen Steppe nach Xinjiang geflüchtet waren, begannen sie mit dem Übergang vom Nomadismus – im Sinne von Wanderweidewirtschaft – als vorherrschender Lebensweise zur sesshaften Landwirtschaft. Vorherrschend wurde schließlich eine Lebensweise mit der Oase als Zentrum und einem Schwerpunkt auf Bewässerungsfeldwirtschaft und Karawanenhandel, wenngleich auch einige Uiguren noch über eine gewisse Zeit hinweg Nomaden blieben.[4]

Die Uiguren blieben nun bis ins 20. Jahrhundert hinein fast sämtlich sesshafte Bauern oder Stadtbewohner, die auf kleinen unabhängigen Bauernhöfen Melonen, Baumwolle, Mais, Pfirsiche, Pflaumen und Weizen erzeugten. Alle diese Feldfrüchte waren im chinesischen Tiefland unbekannt. Ein etwas gehobeneres Leben führten Uiguren in der Stadt als Vermieter, Kaufleute, Ladenbesitzer, Karawanenhalter, muslimische Shaiks, Dichter und in vielen anderen Berufen.[4]

Die Gründung der Volksrepublik China und der nach 1951 eingeleitete gesellschaftliche Wandel führten zu einer Umwälzung dieser Verhältnisse, und die Zunahme von Einfluss und Macht von China in Xinjiang veränderte die traditionelle Lebensweise der uigurischen Bevölkerung stark. Die meisten uigurischen Bauern, die zuvor unabhängig gewesen waren, wurden in Kommunen zusammengeschlossen. Mit Programmen zur Wiederaufforstung von Berghängen sollten riesige Flächen für die Bewässerung erschlossen werden, und durch eine stärkere Industrialisierung der Region kam es zu einer Umstrukturierung und Durchmischung der Bevölkerung.[4]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uigurische Straßengrills
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kawap-Straßenverkäufer in Ürümqi (2005)
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Kebab-Zubereitung in Kaschgar (2007)
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Uigurischer Straßengrill in Hangzhou (2009)


Die gesellschaftliche Organisation der Uiguren ist auf das Dorf ausgerichtet. Sie leben vorwiegend als sesshafte Dorfbewohner in einem Oasenverbund, der sich aus den Tälern und unteren Hängen des Tien Shan, Pamirs und in Beziehung stehend Gebirgssystemen zusammensetzt. Da diese Region zu den trockensten der Welt gehört, wenden die Uiguren seit Jahrhunderten ein Bewässerungssystem an und erhalten so die Wasserversorgung für ihre Landwirtschaft.[19] Wie auch über ihre frühere Geschichte hinweg leben die Uiguren heute in einer Region mit fruchtbaren, sandigen Böden. Bewässerung findet durch Schnee und Regen in den die Region umgebenden Bergen und durch die Wüstenoasen statt, um die sie ihre kleineren Ortschaften und größeren Städte errichtet haben.[79]

Ein Großteil der uigurischen Bevölkerung betreibt Ackerbau und Viehzucht.[37] Als Hauptnahrungspflanzen (Food Crops) bauen die Uiguren Weizen, Mais, Kaoliang (eine Form von Sorghum) und Melonen an.[19][107] Weizen, Reis, Mais, Wassermelonen, Maulbeeren, Birnen, Feigen, Granatäpfel, Walnüsse und vor allem Trauben und Baumwolle gedeihen im Klima Xinjiangs sehr gut. Bedeutendste Industriepflanze der Uiguren ist die bereits seit langer Zeit in der Region angebaute Baumwolle.[79]

Viele Uiguren finden Beschäftigung in der Erdölgewinnung, im Bergbau und in der verarbeitendes Industrie der städtischen Zentren.[19] Zu den seit Alters her fortbestehenden uigurischen Traditionen gehört die Praxis des Teppich-Webens. In den als Zentren der Teppichproduktion geltenden Städte Kashgar und Turfan wird die feine Wolle uigurischer Schafe zum Weben verwendet.[79]

Bekannt sind in China die traditionellen uigurischen Straßenstände, an denen kleine Fleischspieße angeboten werden. Meistens handelt es sich um Rind- oder Lammfleisch, das unter anderem mit Kreuzkümmel gewürzt wird. Solche Straßengrills finden sich auch in vielen Städten im Osten Chinas.

Ernährung und Küche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Uigurische Grundnahrungsmittel in Kaschgar
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Zubereitung von nan (2000)
Ein Kebab-Verkäufer auf dem Sonntags-Viehmarkt (2009) verwendet Fleisch vom Fettschwanzschaf
Typisch uigurische Speisen in einem Restaurant in Tokio (2012)
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polo
Weitere uigurische Speisen in einem Restaurant in Tokio (2012)
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chöchürä
suyuq ash
gösh nan
Grundnahrungsmittel

Als Grundnahrungsmittel der uigurischen Ernährung und Küche sind an erster Stelle „Lebensmittel auf Mehl-Grundlage“ (un tamaq) zu nennen wie Nudeln, Knödel, Brot (nan) und Ähnliches.[108]

Fleisch (Lamm- oder Hammelfleisch) stellt ein weiteres Grundnahrungsmittel dar.[108] Für Uiguren bildet Fleisch einen wesentlichen und begehrten Bestandteil der täglichen Ernährung. Eine Mahlzeit ohne Fleisch wird bei ihnen als unvollständig und geschmacklich minderwertig angesehen.[109] Der tatsächliche Konsum von Fleisch in Xinjiang variiert jedoch stark je nach Einkommen und ist auch vom Geschlecht abhängig.[108][109] Die Menge des Fleischverzehrs stellt somit eine wichtige Aussage über die sozialen Klasse dar, und eine geringe Menge im Haushalt zum Verzehr zubereiteten Fleisches dient der Bevölkerung als negatives Anzeichen für den sozialen Status der Betroffenen.[109] Dies stellt auch einen der Gründe dafür dar, dass uigurische Gastgeber anstreben, ihre Gäste mit einer Auswahl an „prestigeträchtigen Lebensmitteln“, insbesondere Fleischgerichten, zufriedenzustellen.[110] Zudem existiert laut Smith Finley (2013) unter Uiguren ein Stereotyp, nachdem Han-Chinesen zu Hause selten Fleisch zu sich nehmen, mit der Implikation, dass der leichtere und „weiblichere“ Körperbau von Han-Männern, verglichen mit dem stärkeren, breiteren Körperbau von uigurischen Männern, das Ergebnis von geringerem Fleischkonsums sei.[109]

Des Weiteren werden, insbesondere im Sommer, auch große Mengen an Obst verzehrt, während das größtenteils von Han-Chinesen eingeführte Gemüse, dessen Namen noch oftmals erkennbar chinesischen Ursprungs sind, in weitaus geringeren Mengen zu sich genommen wird.[108]

Getränke

Im Gegensatz zu den Han-Chinesen in Xinjiang, die als Getränk grünen Tee bevorzugen, wird von Uiguren an erster Stelle schwarzer Tee getrunken, den sie oftmals mit chay dora „heilen“, einer Gewürzmischung, der auch therapeutische Eigenschaften zugeschrieben werden.[108]

Speisen

Zu den „typisch“ uigurischen Gerichten werden gezählt:[108]

  • polo - pilaf-Reis mit Karotten und Hammelfleisch[108]
  • läghmän - handgezogene Nudeln mit unter starker Hitze kurz angebratenem Hammelfleisch, Tomaten, Paprika und Anderem[108]
  • (gösh) kawap - Hammelfleischstücke am Spieß, gegrillt auf einer Feuerschale (Kohlenbecken) und gewürzt mit gemahlenem Kreuzkümmel und manchmal Chilipulver[108]

Weitere uigurische Gerichte, die alle Nudeln enthalten, die mit Hammelfleisch und weitaus geringeren Mengen an Gemüse kombiniert werden, sind chöchürä, qoldama, suyuq ash, ügrä, manta, samsa, gösh nan, pörä, xoshän und andere.[108]

Architektur und Stadtgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die islamische Architektur in Xinjiang hat viele Gemeinsamkeiten mit derjenigen in den Xinjiang umgebenden Ländern Zentral-, Süd- und Westasiens.[89]

Heytgah-Moschee in Kaschgar
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Außenansicht
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Innenansicht


Ein Schild in arabischer Schrift über dem Eingang der Heytgah-Moschee wurde inzwischen entfernt und es wurden im Eingangsbereich Schilde der Bereitschaftspolizei platziert. Seit August 2015 hat Staatsführer Xi Jinping im Rahmen einer neuen Han-zentristischen Assimilierungspolitik den bereits im September 2014 von ihm geforderten vier Identifikationsebenen aller Chinesen (chinesisches Mutterland, chinesische Nation, chinesische Kultur und Weg des Sozialismus chinesischer Prägung) als fünfte Identifikationsebene die KPCh hinzugefügt. Dies spiegelt sich in der Entfernung der früheren Beschilderung über den Moschee-Eingängen wider. Dort steht statt „Liebe das Land, liebe die Religion“ nun „Liebe die Partei, liebe das Land“.[111]
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Mausoleum vom Friedhof aus gesehen
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Apak-Hodscha-Moschee


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Altyn -Moschee
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Grabmal der Aman Isa Khan


Jiaman-Moschee in Kuqa („Kuqa-Moschee“)
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Außentor
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Innenseite in Qibla-Richtung mit Mihrāb und Kanzel


Yarkant
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Altes Stadttor
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Straßenaspekt in der Altstadt


Stadtgeschichte

Zwar waren die ursprünglichen Uiguren in Steppen lebende Nomaden, doch blicken sie auf eine sehr lange Stadtgeschichte zurück und gehören zu den ersten Turkvölkern, die in den Oasenstädten Zentralasiens sesshaft wurden.[79] Der Übergang zum Handel mit China erforderte Städtebau, da sich in den bei den Nomadengesellschaften üblichen Zeltsiedlungen die Waren nicht verstauen ließen.[112] Diese lange Geschichte der Urbanisierung muss durch ein Subsistenzsystem gefördert worden sein, durch das ein ausreichend großer Nahrungsmittelüberschuss erzeugt werden konnte, um die Arbeitsleistung der Bevölkerungsmehrheit für Handwerk, Handel und religiöse oder säkulare Bürokratien freigeben zu können. Noch heute bildet sich die lange Historie der islamischen und vorislamischen Urbanisierung in der Architektur von Turfan, Kashgar und Ürümqi ab. Moscheen, Minarette, Basare und Gräber prägen die städtischen und ländlichen Landschaften von Xinjiang als Zeugnisse der historisch weit zurückreichenden uigurischen Ansässigkeit.[79]

Die Altstadt von Kaschgar war bis Anfang der 2000er Jahre von der chinesischen Entwicklung weitgehend unberührt geblieben und stellte einen der besterhaltenen vormodernen Stadtkerne Zentralasiens dar. Sie zeichnete sich durch engen Gassen und niedrige Innenhof-Häuser aus, die aus Ziegeln und Lehmziegeln errichtet waren. Ab 2009 riss der chinesische Staat den größten Teil der Altstadt ab und errichtete an ihrer Stelle nachgebildete Gebäude, die Touristen anziehen und den chinesischen Behörden den räumlichen Zugang erleichtern sollen.[5]

Architektur

Die bedeutendsten islamischen Baudenkmäler Xinjiangs stehen in enger Verbindung zur Architektur des westlicher gelegenen Zentralasiens.[113]

Die Uiguren (und ähnlich auch die Hui-Chinesen und andere ethnische Minderheiten in China) verfügen mit ihren Moscheen über eine herausragende Architekturgeschichte.[67] Anfang des 21. Jahrhunderts befanden sich 23.000 der rund 34.000 Moscheen Chinas in Xinjiang.[89] Wegen des religiös bedingten Verbots der Darstellung von Menschen und Tieren finden sich in den Moscheen keine entsprechenden Skulpturen und Gemälde. Anders als die meisten Moscheen der Hui folgen die Moscheen der Uiguren eher dem zentralasiatischen Stil. Zwei Merkmale sind für uigurische Moscheen im südlichen Teil Xinjiangs bezeichnend. Zum Einen sind dies die zwar überdachten, aber manchmal mehr oder weniger nach außen geöffneten Gebetsräume, die nicht im traditionellen arabischen Stil gewölbt sind. Zum Zweiten ist es das Vorhandensein zahlreicher Säulen entlang der Halle, die an der Verbindungsstelle mit dem Dach charakteristisch gestaltet sind.[67]

Kashgar ist die bedeutendste Oasenstadt im Westen Xinjiangs.[113] Im Jahr 2005 waren 77 Prozent der Bevölkerung von Kaschgar, Xjinjiangs größter Stadt, uigurische Muslime.[89] In Kaschgar allein befanden sich im Jahr 2005 351 Moscheen.[89][113]

  • Die aus dem 15. Jahrhundert stammende und mehrfach - auch in der Zeit der Volksrepublik China - renovierte Heytgah-Moschee gilt als größte Moschee Chinas und als gutes Beispiel für eine uigurische Moschee nach zentralasiatischem Vorbild.[67] Sie liegt in der Altstadt von Kaschgar und gilt als eines der beiden eindrucksvollsten erhaltenen Beispiele islamischer Architektur im Tarim-Becken.[5]
  • Das andere Beispiel ist das Mausoleum von Apak Hodscha (Ābā Khvāja) am nördlichen Stadtrand Kaschgars.[1] Es wurde 1640 als Grab des Naqshbandī Sufi Muḥammad Yūsuf erbaut,[113] im Jahr 1956 restauriert und ist das prächtigste Mausoleum von Altishahr.[1] Wie bei der Heytgah-Moschee handelt es sich auch hierbei um ein Bauwerk der Superlative. Es ist der größte islamische Architekturkomplex und für Manche das heiligste muslimische Gebäude in Xinjiang.[113][89] Das Hauptmausoleum ist ein Qubba-Bauwerk.[113]
  • Das als Mazha von Yūsuf bekannte muslimische Grab aus dem Jahr 1069 macht Kashgar zur einzigen Stadt in Xinjiang mit einem Baudenkmal aus dem 11. Jahrhundert.[113][89] Zwar wird Satoq Bugra Khan, einem Karachaniden, zugeschrieben, den Islam nach West-Xinjiang gebracht zu haben, doch finden sich nur in Kashgar Spuren diese Geschichte des 10. Jahrhunderts in den erhaltenen Baudenkmälern.[89]

Yutian im Süden Xinjiangs:

  • Die als schön geltende Moschee des Ortes ist ein weiteres Beispiel für uigurische Moscheen.[67]

Yarkant, das eine geringere Bevölkerung hat und weniger bekannt ist als das nordwestlich gelegene Kashgar, verfügt über ein Stadttor und eine Moschee mit Portal und Gebethalle. In Yarkant wurde im 16. und 17. Jahrhundert ebenfalls islamische Architektur in den Stilen errichtet, für die Kashgar bekannt ist:[113][89]

  • Ein Beleg dafür ist die Große Moschee von Shache, die heute auch als Yarkand- oder Yarkant-Moschee bekannt ist.[89]
  • Die als schön geltende Altun-Moschee stammt aus dem Jahr 1533 stammt und wurde mehrfach renoviert.[67]
  • Ganz in der Nähe der Gebetshalle der Altun-Moschee befinden sich die Gräber von Abdurixithan Khan und seiner Frau Aman Isa Khan, der das Zusammenstellen, Bearbeiten und Sammeln der anerkannten kanonischen Form der Zwölf Muqam zugeschrieben wird.[67]

In Kuqa, einer zentral in Xinjiang gelegenen Stadt mit buddhistischen Höhlentempeln aus dem 4. und 5. Jahrhundert (Tausend-Buddha-Höhlen von Kumtura), befinden sich eine Moschee und ein Mausoleum, deren Bau in der Ming-Dynastie begonnen wurde:[113]

  • Die Jiaman-Moschee (bekannt als „Kuqa-Moschee“) wurde im 16. Jahrhundert von Khoja Isḥāq Walī, dem Gründer des Karataglik-Ordens und Sohn des mächtigen iranischen Naqshbandī-Ṣūfī-Meisters Makhdūm-i Aʿẓam, gegründet, 1931 vollständig zerstört und von 1931 bis 1934 sofort wieder aufgebaut.[113][89] Zu dem Komplex zählen auch ein Minarett, das Mausoleum von Isḥāq Walī und zweitgrößte Gebetshalle in Xinjiang, deren Decke von 88 schlanken Säulen aus Maulbeerbaumholz mitgetragen wird.[113][89]
  • Das Mausoleum von Molana'eshiding Khoja ist die Ruhestätte von Eshiding Khoja aus Buchara, der den Tschagatai-Khanat-Khan Tughluq Temür im Jahr 1347 zum Islam bekehrt hatte,[113] worauf auch die rund 160.000 Einwohner des Khanats 1352 zum Islam übergetreten waren.[114] Das Mausoleum von Tughluq Temür selbst befindet sich dagegen westlich von Kuqa in Kreis Huocheng (Yining/Almaliq/Ili) und ist ein muslimisches Mausoleum aus der Zeit der mongolischen Yuan-Dynastie in China.[113][114]
Zerstörung von Moscheen und muslimischen Friedhöfen im 21. Jahrhundert

Im Zuge der jüngsten Welle massiver Einschränkung der Religionsausübung in Xinjiang durch den chinesischen Staat kommt es heute auch zum Abriss vieler Moscheen.[115][116][117] Damit zerstört der Staat das physische islamische Erbe Xinjiangs.[118] Anfang Mai 2019 enthüllte eine vom Guardian und Bellingcat geleitete Investigation neue Belege für die großangelegte Zerstörung von Moscheen in Xinjiang durch den chinesischen Staat als weitere repressive Maßnahme gegen die muslimischen Minderheiten der Region. Demnach lagen Belege für über zwei Dutzend islamisch-religiöse Stätten vor, die seit 2016 in Xinjiang teilweise oder vollständig abgerissen worden waren. Unter den zerstörten Moscheen befand sich demnach auch die Yutian-Aitika-Moschee als große Gemeindemoschee in der Nähe von Hotan. Diese größte Moschee in ihrem Bezirk, deren Geschichte bis etwa 1200 n. Chr. zurückreichte, hatte den Einheimischen als Versammlungsort zu islamischen Festen gedient, bis sie offenbar im März 2018 abgerissen wurde.[119] Die Zerstörung von Moscheen und muslimischen Friedhöfen in der Region spricht zusammen mit anderen Maßnahmen laut Darren Byler (Universität Colorado) und anderen Experten dafür, dass der chinesische Staat die Uiguren religiös entwurzeln und ihr kulturelles Erbe vernichten will.[120]

Handwerk und Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Wolle geknüpftes Textil- oder Teppichfragment aus Loulan aus dem 3. bis 4. Jahrhundert (British Museum, London)
Teppichknüpferei in Hotan (2005)
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Teppichknüpferinnen in der Fabrik
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Seidenbau in Hotan (2005)
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„Seidenraupen“-Kokons (Sekrethüllen der Puppen des Seidenspinners, Bombyx mori) für die Seidenerzeugung
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Handwebstuhl-Arbeit. Die lebendigen Farben der ätläs-Seide sind nur schwer fotografisch wiederzugeben.[35]


Metall- und Holzverarbeitung in der Region Kashgar
Metallverarbeitung bei uigurischen Schmieden im Bezirk Kaschgar (Yengisar, 2014)
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Beginn mit der Grobarbeit in einem Handwerkszentrum zum Bau uigurischer Musikinstrumente (Kashgar, 1986)


Ostturkistan verdankte sein Wachstum als Region der wirtschaftsgeographischen Lage. Während sich dort die wichtigsten transkontinentalen Handelswege kreuzten, wurden die Länder, durch die diese Handelswege führten, zur Plattform für einen ganz eigentümlichen Dialog zwischen den Zivilisationen. Dementsprechend stand auch die uigurische Kultur während ihrer Ausformung sowohl unter Einfluss von Osten aus als auch von Westen. Die Uiguren zeigten sich offen für das kulturelle Erbe der mit ihnen in Interaktion tretenden Länder und Völker, nutzten die äußeren Einflüsse für eine Synthese mit ihren eigenen ästhetischen Ideen und praktischen Fertigkeiten und entwickelten schließlich reichhaltige und unverwechselbare Traditionen innerhalb ihrer eigenen uigurischen Kunstkultur.[34]

Die größten und sowohl in historischer als auch in kultureller Sicht bedeutendsten Oasen Ostturkestans waren bereits von alters her Hotan, Yarkant, Kaschgar, Turfan, Aksu, Karashahr, Kuchar, Miran und später auch Gulja. Das Handwerk entwickelte sich schwerpunktmäßig in den Städten und großen Dörfern, die innerhalb dieser Oasen lagen. In den Städten gab es Bezirke, in denen Handwerker verschiedener Berufe lebten wie Schmiede, Kupferschmiede, Goldschmiede, Teppichweber, Töpfer und Meister der Holz- und Lederverarbeitung. Auf den Märkten fanden sich viele Geschäfte und Werkstätten, in denen Kunsthandwerksprodukte erzeugt und verkauft wurden.[34]

Die Städte waren jeweils berühmt für ihre eigene Produktpalette des Kunsthandwerks, wie zum Beispiel:[34]

  • Kaschgar: Metallverarbeitung, Herstellung von Stoffen, Filzen, Teppichen, Musikinstrumenten, Keramik und Stickereien[34] – Kaschgar gilt heute als das kulturelle Zentrum der Uiguren, obgleich in früheren historischen Phasen zuweilen andere Städte im Tarim-Becken, oftmals Yarkant oder Hotan, eine wichtigere Rolle eingenommen haben.[5]
  • Hotan: Teppichweberei und Seidenbau (Serikultur)[34] – Das Königreich von Hotan verfügte in der Zeit der Tang-Dynastie über eine große Bevölkerung, die unter dem Einfluss des Buddhismus das Interesse an kriegerischer Expansion verloren hatte. Laut Xuanzang handelte es sich bei den Hotanesen um bemerkenswerte Handwerker mit einem beachtlichen Geschmack sowohl für literarisches Schaffen als auch für Musik und Tanz. Die am südlichen Zweig der Seidenstraße gelegene Region war das Zentrum reger Geschäftstätigkeit. In der Stadt Hotan selbst ist, wie in allen Städten im Tarim-Becken, eine Vielzahl von Geschäftigkeiten bekannt, doch stellt die Seidenindustrie, die von der Han-Zeit bis heute Bestand hat, die Haupttätigkeit dar.[121]
  • Yarkant: Verarbeitung von Metallen, Filzprodukten und Teppichen[34] – Yarkant liegt am gleichnamigen Fluss, der als perennierendes Fließgewässer das ganze Jahr hindurch Wasser führt. Die fruchtbare, gut bewässerte Oase rund um die Stadt hat immer eine bedeutende landwirtschaftliche Bevölkerung versorgt. Die Stadt lag zugleich am südlichen Zweig der historischen Seidenstraße, die am südlichen Rand des Tarim-Beckens und der Taklamakan-Wüste entlangführte. Da sich Karawanenrouten aus der oberen Oxusregion und dem Pamir in Yarkant an die südliche Route des Tarim-Beckens anknüpften, war Yarkant seit jeher ein bedeutendes Handelszentrum.[122]
  • Aksu: Herstellung von Baumwollstoffen, hochwertigem Leder, Filz[34]

Die Bevölkerung jeder Oase hatte ihre ganz besonderen kulturellen Merkmale. Diese Unterschiede wurden mit zunehmender Entfernung voneinander noch ausgeprägter, und einige Oasen-Gemeinschaften waren auch voneinansder durch fast unpassierbare Wüsten getrennt. Es existierten auch ausgeprägte Einflüsse oder auch Störeinflüsse, die von außerhalb stehenden Zivilisationen einwirkten, so von Osten aus durch die Chinesen, von Westen aus von Zentralasiaten und von Süden aus von Indern.[34]

Messerschmiedekunst

Als bekannteste Form der uigurischen Metallverarbeitung ist das Messerschmieden zu nennen. Messer (pichaq) werden traditionell von Männern an ihrer Seite getragen. Die Klinge kann sehr unterschiedlich gestaltet sein und besitzt oft Einprägungen oder Einlagen aus Kupfer. Die Scheide wird aus Metall oder Leder angefertigt. Für den Griff werden Metall und Holz oder kunstvolle mehrfarbige Kunststoffdekorationen verwendet. Die Messer werden auf den meisten Freiluftmärkten zum Kauf angeboten.[35]

Die Messer werden oft beim Verzehr von Fleisch verwendet. Bei Heilritualen finden sie zudem Verwendung als Mittel zur mystischen Abwehr von Geistern.[35]

Goldschmiedekunst

Die uigurische Goldschmiedekunst ist hochentwickelt. Uigurische Frauen tragen oftmals aufwendig geformte goldene Ohrringe in einem Design, das als zirä bekannt ist und aus winzigen Goldkugeln besteht, die zu blütenartigen Mustern arrangiert sind.[35]

Solcher Schmuck stellt eine traditionelle Form von Vermögen dar, das am Körper getragen werden kann. Bei Bedarf oder Gelegenheit können Frauen ihre Ohrringe einschmelzen lassen und mit zusätzlichem Gold kombinieren, um neue größere Ohrringe herzustellen.[35]

Seidenbau

Die ätläs genannte Seide (Iqat-Gewebe) wird trotz der großen Importe von synthetischem iqat-Stoff aus Usbekistan in der Stadt Hotan noch heute auf Handwebstühlen für den lokalen Verbrauch sowie für den Handel mit anderen Oasen ätläs gewebt. Die uigurische Seide zeichnet sich durch lebendige Musten und Farben aus.[35]

Ätläs ist bei den Uiguren ein beliebter Stoff für traditionelle Frauen- oder Mädchenkleider.[35]

Teppichknüpferei

Die als giläm bekannten geknoteten Teppiche werden in Hotan und einigen anderen Städten extensiv hergestellt. Zu den verwendeten Teppichdesigns gehören symmetrische Frucht-, Blumen- und geometrische Muster in hellen und zueinander kontrastierenden Farben, bei denen die Farbe Rot vorherrscht.[35] Zu den charakteristischsten Mustern gehören:[35]

  • das Netzwerk sich verzweigender Granatäpfel (anar) in roter Farbe auf blauem Untergrund[35]
  • die Blumenvase (longqa)[35]

Mit der Zunahme von Investitionen in die Teppichproduktion für internationale Märkte werden heute viele Teppichweber für die Herstellung von Designs beschäftigt, die nicht traditionelle sind, sondern dem ausländischen Geschmack entsprechen. Einige Teppichweber greifen wieder auf die Verwendung natürlicher Farbstoffe zurück, die bei der Suche nach helleren Farben weitgehend aufgegeben worden waren.[35]

Verwendung finden uigurische Teppiche in der Regel weniger als zu betretender Untergrund, als vielmehr für das Abdecken von Wänden und Sitzbereichen des Bodens.[35]

Musik und Tanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnlich wie in anderen kulturellen Aspekten zeigt auch die uigurische Musik viele bleibende zentralasiatische Gemeinsamkeiten, so etwa mit den volkstümlichen und klassischen Traditionen in Usbekistan und Nordtadschikistan. Die Uiguren verwenden – wie die Musiker jener Regionen – die gleichen Ensembles von Stimmen, Langhalslauten (satar, tämbur, dutar), Fideln (ghijäk) und Rahmentrommeln (dap) und fassen ihre Musik in umfangreichen Suiten zusammen, die als muqam bezeichnet werden.[123]

Geschichte der uigurischen Musik

Xinjiang stellte im ersten nachchristlichen Jahrtausend mit der Verbreitung des Buddhismus einen wichtigen Durchgangsraum dar, allgemein für Handel, Menschen und Ideen und im Speziellen für musikalische Ideen und Musikinstrumente. Während es sich bei den Uiguren, die nach dem Zusammenbruch des Uigurischen Reiches von 840 nach und nach in Xinjiang ankamen, noch vorwiegend um Schamanisten und Buddhisten handelte, führte die Entwicklung einer islamischen Kultur und Konvertierung der Uiguren zum Islam zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert dazu, dass sich die Uiguren nach Westen ausrichteten und die Maqam-Traditionen und Musikinstrumente in Zentralasien für sie in den Vordergrund rückten.[124] Die chinesische Literatur setzt den Ursprung der uigurischen Musik mit den frühesten chinesischen Aufzeichnungen über die buddhistischen Königreiche der „westlichen Regionen“ (xiyu) an. Nach Ansicht von Gelehrten sollen die berühmten umfangreichen Suiten (daqu) des kaiserlichen Hofes der Tang-Dynastie, die später vom japanischen Hof übernommen wurden, auf die Musik der xiyu-Regionen des 5. Jahrhunderts zurückgehen. Während solche aus chinesischsprachigen historischen Quellen erstellten Narrative der zeitgenössischen chinesischen Musikwissenschaft sehr vertraut sind und die Funktion erfüllen, die Region und ihre Kultur komfortabel in das breitere Narrativ der chinesischen Musikgeschichte einzubetten, bleiben die kulturellen und musikalischen Verbindungen zu den westlich von China liegenden Regionen dabei in der Regel weit weniger bekannt. Es bestehen jedoch auch lokale historische Quellen wie die von Mulla Mojizi im 19. Jahrhundert in Persisch (also der Literatursprache Zentralasiens) geschriebene Tarikhi musiqiyun (dt. „Geschichte der Musiker“), die diesem chinesischen Narrativ eine Lesart entgegensetzen, in der die Musik der Region fest in einem zentralasiatischen, islamischen historischen Milieu wurzelt.[123] Aus der Tarikhi musiqiyun als einer der wenigen historischen Quellen über die Musik Xinjiangs, die außerhalb der kaiserlich-chinesischen Aufzeichnungen existieren, geht auch die starke Verbindung zwischen der Musik und Spiritualität hervor.[125]

Tatsächlich entwickelten sich, unabhängig von der westlichen klassischen Musik, in den kosmopolitischen urbanen Zentren der gesamten islamischen Welt – von Córdoba, Damaskus, Bagdad und Istanbul im Westen bis nach Herat, Buchara, Samarkand, Kaschgar und Hotan im Osten – die verschiedenen Makam-Traditionen (arabisch maqâm’, türkisch makam, aserbaidschanisch mugham, usbekisch-tadschikisch maqom, uigurisch muqam).[126]

Im 19. Jahrhundert stand die zentralasiatische Makam-Tradition mit den usbekischen und tadschikischen Sechs Makam (shash maqâm) von Buchara, mit den Sechseinhalb Makam (alti-yarim maqâm) in Choresmien, den Vier Makam (chahâr maqâm) in der Region Ferghana-Taschkent und den uigurischen Zwölf Muqam in Xinjiang (on ikki muqam) bis zur Annexion und russischen Eroberung in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts unter der Förderung und Pflege durch die Höfe und wohlhabenden Eliten des Emirats Buchara, des Khanats Chiwa und des Khanats Kokand. Als kennzeichnend für diese Makam-Traditionen gelten ihre hochentwickelte Poesie, ihre komplexen melodischen Modulationen und langsamen Tempi.[127]

Eine uigurische Gesangs- und Tanzfolkloregruppe (新疆青年歌舞访问团) in Nationalchina (1947)
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Gruppenfoto der insgesamt rund 60-köpfigen und paritätisch beidgeschlechtlich besetzten Gruppe
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Tanzpaar (männlicher Part rechts: 塔琴尼莎; weiblicher Part links: 莫斯塔发)
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Zhang Zhizhong (张治中), zwischen einer uigurischen Tänzerin (康巴尔汗) und einer weiteren jungen Frau (西北行)


Die uigurische Gesangs- und Tanzfolkloregruppe Gruppe soll im September 1947 vor dem Hintergrund gegründet worden sein, Zhang Zhizhongs Versuche einer Stabilisierung der Lage in Xinjiang zu unterstützen, indem sie durch verschiedene Städte Chinas tourend die Einheit der Nation demonstrieren sollte.

Nach Machtübernahme der Kommunisten und Gründung der VR China übernahm die Volksrepublik, wie zuvor bereits die Nationalisten unter Sheng Shica oder die Zweite Republik Ost-Turkestan und insbesondere wie die Sowjetunion unter ihrer Herrschaft die Verwaltung der uigurischen Kultur. Sie ließ durch Forscher in Xinjiang Sammlungen uigurischer „Folklore“ anlegen, und die KPCh kodifizierte schon ab 1951 die zentralasiatische muqam-Tradition als im Wesentlichen uigurische traditionelle Kunst. Chinesische Musikwissenschaftler transkribierten uigurische Aufführungen und erstellten starre Darstellungen der im Wesen eigentlich improvisatorischen Tradition.[1] Während die Bevölkerung in den fünf ehemaligen zentralasiatischen Sowjetrepubliken nach der in der Sowjetzeit weit verbreiteten Europäisierung von Musikinstrumenten seit ihrer Unabhängigkeit 1991 erst allmählich wieder begann, ihrer musikalischen Traditionen wieder aufzunehmen, ist es den Uiguren in Xinjiang bislang gelungen, ihr musikalisches Erbe zu bewahren. Allerdings sind die uigurischen Traditionen und ihr musikalisches Erbe in jüngster Zeit (Stand: 2019) angesichts der rücksichtslosen Repression und massenhaften Festsetzung der Uiguren in Umerziehungslagern durch die chinesische Regierung erneut gefährdet.[127]

Performancekunst
Uigurische meshrep-Performance
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Performance in Kaschgar (2005)
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Lokale Musiker in Yarkand (2010)


Die uigurischen Zwölf Muqam sind ein Beispiel für komplexe Formen der Performancekunst unter Chinas Minderheiten. Sie wurden im Jahr 2008 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen.[67][77]

Unter uigurische Muqam wird allgemein eine Vielzahl von in den uigurischen Gemeinden verbreiteten Muqam-Praktiken zusammengefasst.[77] Die heute als kanonisch akzeptierte Version der Zwölf Muqam wird Aman Isa Khan zugeschrieben, doch gibt es lokale und andere Varianten.[67] Bei den vier regionale Hauptstile handelt es sich um den Zwölf-Muqam, Dolan-Muqam, Turfan-Muqam und Hami-Muqam.[77] Die Zwölf Muqam kombinieren verschiedene Kunstformen der Aufführung, darunter Musikstücke, Lieder und Tänze. Einige der Lieder und Musik sind traditionell, manche aber auch klassisch.[67][77]

Auch die Choreografie und die Kostüme der Tänze sind sehr charakteristisch.[67] Zu den Tanzelementen zählen einzigartige Schritte, Rhythmen und Formationen sowie Figuren wie Blumenpflücken mit Mund, bei populären Tänzen das Balancieren von Schüsseln auf dem Kopf und das Nachahmen von Tierbewegungen in Solotänzen.[67][77]

Die Lieder variieren in Reim und Takt und werden sowohl solo als auch von Gruppen aufgeführt.[77] Die Texte verwenden neben Volksballaden auch Gedichte klassischer uigurischer Meister. Dadurch repräsentieren die Lieder ein breites Spektrum von Stilen wie Poesie, Sprichwörter und Volkserzählungen und dokumentieren somit das historische und zeitgenössische Leben der uigurischen Gesellschaft.[77]

Einige Muqam-Stücke, insbesondere vollständige Aufführungen von aus über 300 Stücken bestehenden Zwölf Muqam, die sich in zwölf Instrumental- und Gesangssuiten über einen ganzen Tag hinziehen, werden heute nicht mehr aufgeführt.[67][77] Gelegentlich werden noch immer Teilaufführungen von Zwölf Muqam in Xinjiang, Peking oder anderenorts gezeigt. Außerdem werden die Zwölf Muqam auch weiterhin bei den den meshrep genannten, uigurischen gesellschaftlichen Zusammenkünften dargeboten.[67] Allerdings werden Gemeinschaftsfeste wie meshrep und bezme, bei denen ein jeder am Muqam teilnehmen würde, seltener abgehalten.[67][77] Volkskünstler übernehmen inzwischen die Rolle der Weitergabe dieser Tradition an neue Generationen, doch lässt das Interesse der jungen Generationen am Muqam langsam nach.[77]

Bei den Uiguren werden bestimmte Arten von Musikern ashiq oder Mäjnun genannt. Ein ashiq nimmt die Rolle eines „Liebenden“ oder eines „Bettlers“ ein, der sein Leben dem Musizieren für Gott widmet. Ein Mäjnun füllt sowohl die Rolle eines ashiq aus als auch die eines „Narren“, eines sarang.[123]

Musikinstrumente
Uigurische Musikinstrumente in Kaschgar
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Auslage eines Musik-Fachgeschäfts (Mai 2007)
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Ausgestellte Stücke im Restaurant (Juni 2011)


Die uigurische Muqam werden mit einer Vielzahl von Musikinstrumenten gespielt,[67][77] die kennzeichnend für die Uiguren sind.[67] Die führenden Instrumente der Muqam-Ensembles werden aus lokalen Materialien hergestellt. In der Form variieren sie und können als Streich-, Zupf- oder Blasinstrumente ausgestaltet sein.[77] Die langhalsige Streich-Satar (long-necked bowed stringed satar) mit ihrem charakteristischen Timbre ist das vielleicht bedeutendste Instrument.[67]

Tanbûr, Dutâr, Satô und Satâr mit ihrem reichen und klangvollen Timbre sind allgemein die Hauptinstrumente der zentralasiatischen Maqâm-Traditionen.[127] Die Tanbûr-Instrumente, im Sinne von Langhalslauten der Tanbûr-Familie nach dem weithin gebräuchlichen Klassifikationssystem von Curt Sachs und Erich Moritz von Hornbostel, gehören nicht nur zu den wichtigsten Musikinstrumenten der Makam, sondern auch einiger anderer musikalischer Traditionen wie der Volksmusik oder der Dichter-Musiker.[126] Diese zentralasiatischen Dichter-Musiker (bachsî, bagşy, zhïrau, aqïn, hâfez) boten ihr episches, lyrisches, didaktisches und zum Teil auch religiöses Repertoire unter Begleitung von Tanbûr oder Dutâr der Volksmusik auf, wobei es sich um schlichtere Varianten der Stücke aus der Maqâm-Tradition handelte. Es handelte sich bei den Dichter-Musikern in Zentralasien bis vor kurzem um eine rein von Männern ausgeübte Tradition, was sich im Raum der Sowjetunion erst mit zunehmender Sesshaftwerdung und Sowjetisierung etwas geändert hat.[127]

Erste Langhalslauten waren bereits im 2. und 3. nachchristlichen Jahrhundert in das heutige China gelangt und entwickelten sich dort zu neuen Varianten.[124] Besonders fortgeschrittenere Tanbûr-Instrumente haben sich in der östlichen Sphäre der islamischen Welt unter Einfluss von Maqâm-Tradition und Sufismus in einer höfischen und städtischen Umgebung entwickelt, und es bestand bereits seit dem 14./15. Jahrhundert ein zunehmender Bedarf an Tanbûr-Instrumenten.[126] Als dieses Musikinstrument sich in den verschiedenen Musikkulturen entlang der alten Seidenstraße ausbreitete, wurden bereits bestehende indigene Bezeichnungen auf modifizierte und unterschiedliche Tanbûr-Typen angewendet, wie etwa die viersaitige usbekisch-tadschikische Tanbûr, die fünfsaitige uigurische Tanbûr und die vielsaitige afghanische Herâti dutâr oder auch die in der Morphologie abweichende Kaschmîrî setâr. Ähnliche und gleichartige Instrumente wie die Tanbûr sind daher auch unter anderen Namen bekannt, wie dotâr, saz, setâr, dömbra und dambura. Es handelt sich um Schalenlanghalslauten.[128]

Tanz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kinder führen in der Schule folkloristische Tänze auf (Kashgar, 1986)

Tanz spielt im Leben der zentralasiatischen Völker traditionell eine bedeutende Rolle. Das gilt sowohl für die städtischen Gesellschaften der Oasen als auch für die nomadischen. Auch in der uigurischen Gesellschaft ist Tanz ein wichtiger Bestandteil bei sozialen und politischen Anlässen geblieben. Er hat seinen Platz ebenso bei Festen unter Freunden wie bei offiziellen Besuchen von Würdenträgern. Die heutigen Tänze stehen teilweise in kontinuierlicher historischer Tradition, sind aber in einigen Fällen auch durch Auffrischung oder Neuerschaffung entstanden.[35]

Die uigurischen Tänze können in folgende Klassen unterteilt werden:[35]

  • Imitierende Tänze – Sie ahmen typische Bewegungen von Tieren nach. Für die meisten Nachahmungstänze liegen Beschreibungen in historischen Quellen vor. Zu den nachgeahmten Tieren gehören Tauben, Gänse, Hühner, Pferde, Löwen, Tiger und Kamele.[35]
  • Religiöse Tänze – Sie werden in der Regel als Relikte aus der Zeit des Schamanismus und der Feueranbetung der Uiguren identifiziert. Zu diesen Tänzen gehören der Feuertanz (bei Feiern um Lagerfeuer herum aufgeführt), der Kerzentanz (in buddhistischen Höhlenmalereien in Xinjiang dargestellt) und die Tänze von Heilern.[35]
  • Sänäm-Tänze – Sie sind Paar- und Gruppentänze und in der Regel durch Gesang begleitet. Sie besitzen von allen uigurischen Tanzformen die größte Verbreitung und Beliebtheit. Es gibt viele regionale Variationen.[35] Sänäm sind Suiten mit sechs bis dreizehn Volksliedern, die üblicherweise zum Tanzen gespielt werden. Jede Oasenstadt hat ihren eigenen sänäm im lokalen Gesangsstil. Diese sind aber untereinander alle rhythmisch miteinander verwandt, beginnen mit demselben moderaten Vierer-Tanzrhythmus und gehen schrittweise in ein schnelleres Metrum über. Häufig spielen naghra-surnay-Bands sänäm auch in einer instrumentalen Version.[129]
  • Sama-Reigen[35][129] – Sie werden langsam schneller und folgen demselben Rhythmus wie das jula-Lied der Muqams. Manche Sufis verwenden sie während der zikr-Rituale.[35] Der Name sama bezieht isch im landläufigeren Sinne auf die Sufi-Rituale beim zikr, aber Uiguren bezeichnen damit in der Regel speziell auf den Tanz.[129] Sie sind auch zu einem überdimensionalen öffentlichen Tanz um die Hauptmoschee in Kashgar geworden, der bei religiöser Feste zu naghra-surnay-Musik aufgeführt wird.[35]
  • Ein weiterer Volkstanz wird oftmals zu naghra-surnay-Musik aufgeführt, zu der Melodie Shadiyana („Jubelmelodie“), wobei 1/4-, 2/4- und 3/4-Takt gemischt werden. Er wird bei vielen Arten von Feiern und Festivals getanzt.[35] Shadiyana wird speziell mit Arslan Khan verbunden und soll die Melodie sein, mit dem seine Armeen in die Schlacht gezogen sind.[129]
  • Lokale Tänze:
  • Dolan-Tanz – Er ist ein schneller Wettkampftanz zwischen zwei, sich gegenüberstehenden Tanzpartnern. Er ist in den Regionen Märkit und Maralbexi in Xinjiang zu finden.
  • Nazirkom-Tanz – Er findet in Turpan große Beliebtheit.[35]
sapayi
  • Sapayi-Tanz – Dies ist ein weiterer Sufi-Tanzstil, bei dem sich der Tänzer mit einem sapayi auf die Schultern schlägt. Das sapayi besteht aus einem Holzstab mit zwei Eisenringen, die beim Schwingen gegeneinander schlagen.[35]
  • Tänze, bei denen entweder Gegenstände (vor allem Teller) auf dem Kopf balanciert oder andere Gegenstände (Löffel oder Porzellan-Untertassen) zwischen den Fingern balanciert und wie Kastagnetten gespielt werden.[35]
  • läpär – Unter diesem Namen sind traditionelle Aufführungen bekannt, die aus einem witzigen Dialog bestehen, der mit schnellem Tanzen durchsetzt ist.[35]

Alte und Mittlere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die uigurische Geschichte wird als äußerst komplex bewertet und häufig in drei, vier, fünf oder gar sechs verschiedene Perioden unterteilt. Allerdings herrscht offenbar keine Einigkeit darüber, wie die verschiedenen Perioden am sinnvollsten voneinander abgegrenzt werden sollten.[104]

Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chinesische Quellen erwähnen die späteren Uiguren als 回紇 Huihe, die seit dem 7. Jahrhundert mit der Stammesföderation der Tiele (ch: T'ie-lê) in Verbindung gebracht werden. So zum Beispiel das Suishu, das im 7. Jahrhundert entstand, und das Tangshu aus dem 11. Jahrhundert. Diese führen viele Personennamen und Herrschertitel auf, die die Geschichte der Uiguren bis in das 4. und 5. Jahrhundert zurückreichen lassen.

So wird der Nomadenherrscher Ay Uzhru (reg. 487–508) als geschichtlicher Stammvater der späteren Uiguren angesehen. Ay Uzhru gehörte dem Clan der Yaġlaqar an und übte eine lose Oberherrschaft über die mit ihm verbündeten Stämme aus. Der Clan der „Yaġlaqar“ selbst führte sich auf das Geschlecht der Aschina zurück.

Wand-/Höhlenmalerei in Bezeklik bei Turfan, 8./9. Jh.
Museum für Indische Kunst Dahlem Berlin Mai 2006 064.jpg
Uigurische Prinzessinnen
Uigure-bezeklik-19.jpg
Uigurenfürst


In der Regierungszeit des Begchi (reg. 537–541) fiel 541 die Stammesföderation der Yaġlaqar unter die Herrschaft der Rouran. Der spätere Göktürken-Herrscher Bumin/Tuman schloss sie 546/550 gewaltsam an sein entstehendes Großreich an. Im Jahr 605 wurde das Reich der sogenannten Orchon-Uiguren gegründet, als sich Shigan-Sygin formal von den Göktürken oder auch Türk unabhängig machte. 681 wurde ihr Herrscher Toghuchi von den Göktürken unterworfen und die sogenannten „Orchon-Uiguren“ kehrten in den Reichsverband der Türk zurück.

Das Kaganat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Iltimis Kutluq Bilge-Kül erhoben sich 744–745 die Uiguren, die hier erstmals als Stammesverbindung erschienen, gegen die Göktürken und zerschlugen das bereits angeschlagene zweite Türk-Kaganat. Die aus neun Stämmen bestehende Föderation diverser Nomaden und sesshafter Bevölkerungsgruppen gründete 745 das Uigurische Kaganat in der heutigen Mongolei. Jene Stämme, die sich ihnen nicht unterwerfen wollten, zwangen die Uiguren zur Abwanderung. Als Hauptstadt wurde die Oasenstadt Kara-Balgasun (auch Ordū-bālīḡ oder Char balgas) erbaut, die etwa 320 Kilometer westlich von Ulan Bator lag und schätzungsweise 25 Quadratkilometer umfasste.

Bereits unter den Söhnen Iltemis, Bilge-Kül [reg. 747–759] und Tengri [reg. 759–779], wurde das Kaganat geteilt: Hauptstadt der Osthälfte war Char balgas, als Hauptstadt des Westreiches galt Tofar.

Unter Bilge-Kül erreichte das Kaganat seine größte Macht. Der Großteil des Adels trat 762 zum Manichäismus über. Das Uigurenreich wirkte nicht so diktatorisch wie seine Vorgängerreiche. Eine führende Rolle im Reich spielten die Sogdier, was aber zu Unmut im Adel und 779 zu einem Aufstand führte.

Die Welt um 820: Das Uigurenreich (braun) zwischen China (gelb) und Kirgisen

Nach dem Tode Alp-Kutluqs 789 verloren die Uiguren vorübergehend an politischem Einfluss. Nachfolger wurde Külüg-Bilge (reg. 789/90), der jedoch 795 starb, ohne einen Nachfolger zu hinterlassen. General Kutluq übernahm unter dem Namen Ay-Tengride Ülüg-Bulmis Alp-Kutluq Ulugh-Bilge 795 die Herrschaft. Er eroberte mehrere Städte im Tarimbecken von den Tibetern erobern und die Macht des Kanats wieder herstellen. Ihm folgten Ay-Tengride Kut-Bulmis Külüg-Bilge (reg. 805–808) und Ay-Tengeride Kut-Bulmis Alp-Bilge (reg. 808–821). Dessen Nachfolger Kün-Tengride Ülüg-Bulmis Alp-Küchlüg-Bilge (reg. 821–824) verbesserte die guten chinesisch-uigurischen Beziehungen.

Am Ende wurde das Uigurenreich von den Kirgisen zerschlagen und die letzten Herrscher Kichik-Tegin (reg. 839–840) sowie Ughe-Tegin (reg. 840–846) getötet.

Nach dem Kaganat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Zerstörung ihres Reiches zogen viele Uiguren nach Südwesten in die Stadtstaaten Turpan, Qočo, Beshbalik und Kuqa sowie in die Städte des Gansu-Korridors, letztere wurden "Gelben Yuguren" genannt. Die Uiguren wurden nun endgültig sesshaft, vermischten sich mit ihren Nachbarn in einer Stadtkultur und lehnten eine Rückkehr in die mongolische Steppe ab. Weitere Gruppen zogen weiter nach Westen ins Tschu-Tal und nach Kashgar und siedelten dort zusammen mit Karluken[130].

Ungefähr 894 wurde das uigurische Königreich in Gansu errichtet. Es wurde wiederholt in Kämpfe mit der Liao-Dynastie verwickelt und 1028–1036 von den Tanguten übernommen.

856 gründeten die Uiguren ein Königreich, das das östliche Tarimbecken mit Tschu-Tal, Turpan und Qočo umfasste und bis nach Khotan reichte. Es wird heute das Uigurische Reich von Qočo oder das zweite Uigurenreich genannt. Staatsreligion war der von den Uiguren mitgebrachte Manichäismus, die Turkisierung des Gebietes schritt voran. Im 11. Jahrhundert musste das Reich die vordringenden Karachaniden abwehren, Khotan ging verloren.[131] Das Reich wurde circa 1130 von den Kara Kitai und 1209 von den Mongolen abhängig und ging im 14. Jahrhundert zugrunde. Trotzdem strahlte der kulturelle Einfluss der Uiguren – Schrift, Verwaltung und so weiter – bis zur heutigen Zeit auf die Nachbarn aus.

Johannes de Piano Carpini berichtete im 13. Jahrhundert über die Niederwerfung der Uiguren durch Dschingis Khan: „Diese Menschen sind Christen von der Sekte der Nestorianer … Die Mongal übernahmen ihre Schrift, denn vorher hatten sie nicht geschrieben; nun aber nennen sie diese als die mongolische Schrift“.[132]

Etwa zeitgleich wie bei den westlichen Mongolen setzte sich zur Mitte des 13. Jahrhunderts der Islam auch bei den Uiguren im heutigen Xinjiang durch (1252/55 Anklage und Hinrichtung des buddhistischen Herrschers Idiqut Salendi wegen Islamfeindlichkeit).

Moderne Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte Xinjiangs wird ab dem 17. Jahrhundert komplizierter, als unterschiedliche Völker wie Uiguren, Mongolen, Tibeter und Sino-Mandschu um die Vorherrschaft in der Region rangen. Im frühen 17. Jahrhundert untergrub die an Einfluss gewinnende und aus einem Naqschbandīya-Orden in Samarkand stammende Familie K̲h̲wād̲j̲a die Autorität des noch bestehenden Tschagatai-Khanats und wirkte in der Praxis islamisch missionierend. In dem politischen Streit innerhalb der K̲h̲wād̲j̲a-Familie, die sich in einen Aktaghlik-Zweig (dt. etwa „Leute vom Weißen Berg“; in chinesischen Quellen „Weißkappen-Hui“) mit Sitz in Kashgar und in einen Karataghlik-Zweig (dt. etwa „Leute vom Schwarzen Berg“; in chinesischen Quellen „Schwarzkappen-Hui“) mit Sitz in Yarkand aufgespalten hatte, verhalfen 1678 die Kalmücken-Mongolen in der Dsungarei dem Aktaghlik-Zweig zum Sieg über die rivalisierende Familienfraktion. Es kam zu einem wiedervereinigten Kaschgarien und somit zur Bildung eines islamischen theokratischen Staates, der allerdings ein Protektorat des mongolischen Reiches der Dsungaren darstellte. Dieser Umstand provozierte wiederum die Autorität der Sino-Mandschus in der Region und führte im 18. und 19. Jahrhundert zu schweren Konflikten zwischen diesen beiden Mächten.[42]

Annexion durch das chinesische Reich der Qing um 1759[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eroberung des heutigen Xinjiangs durch das chinesische Qing-Reich
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Schlacht am Yesil-Kol-Nor-See im Altishahr-Feldzug der Mandschu-Invasoren gegen die indigenen Turkvolk-Muslime, September 1759 (Befriedung Xinjiangs)
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Chinesisches Qing-Reich in seiner größten Ausdehnung (1820)
Inneres China
Äußere Besitzungen


Die Dsungarei verblieb bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts noch unter der Kontrolle eines mongolischen Khanats. Das Tarim-Becken wurde von der Regierung der Sino-Mandschus nun als Hui-p'u („islamische oder muslimische Region“) bezeichnet. 1757 wurde die Dsungarei vom Chinesischen Reich annektiert. Um die feste Kontrolle zu behalten, bevölkerte die Mandschu-Regierung diese Region nun gezielt neu mit verschiedenen altaischen Völkern, darunter Muslimen aus dem Tarim-Becken, aus der Provinz Gansu und aus anderen chinesischen Gebieten. Zwei Jahre darauf erfolgte auch die Annexion von Kaschgarien durch China.[42] Die Oasenstädte Kaschgar und Yarkand gerieten somit 1759 unter Kontrolle der Qing-Truppen.[133] Das bis dahin Hui-p'u genannte Tarim-Becken und die Dsungarei wurden nun von den Chinesen in Hui-chiang („muslimisches oder islamisches Herrschaftsgebiet“) umbenannt.[42] Nach den letzten Schlachten zwischen den indigenen Turkvolk-Muslimen und den Mandschu-Invasoren im Jahr 1759 wurde das uigurische Siedlungsgebiet Altishahr Teil des in China verorteten Qing-Reiches, wo es in unpassender Weise in einer gemeinsamen Verwaltungseinheit mit der Steppenheimat der inzwischen ausgestorbenen Dsungaren als Xinjiang (dt. „neues Herrschaftsgebiet“) verbunden wurde.[134] Trotz der Eroberung des uigurischen Gebietes und seiner erstmaligen Eingliederung in den chinesischen Staat 1759 durch die Mandschus gelang es diesen als regierende Qing-Dynastie nie, die Uiguren in China zu assimilieren.[135] Das neue chinesische Territorium stellte eine erhebliche Belastung für die Ressourcen der Qing dar, deren Kaisern von ihren Beamten oftmals vergeblich der Rat gegeben wurde, Xinjiang wieder aufzugeben.[134]

Während es in den 1750er Jahren zur Verbündung der Qing mit den Uiguren zur Eroberung der Dsungaren in Ostturkestan gekommen war, sollte das Qing-China ein Jahrhundert später, um 1876, beginnen, mit Angriffen tiefer nach Xinjiang hineinzustoßen. Die Qing betrachteten Xinjiang zu dieser Zeit als ausschlaggebende Region für die Herrschaft Chinas über ein Gebiet, an dessen Kontrolle auch Russland gleichermaßen interessiert war.[113]

Rebellionen und kurzlebige Staatsgründungen im 19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es folgten im 19. Jahrhundert verschiedene muslimische Aufstände gegen die Mandschu-Herrschaft in Hui-chiang.[42] Einige der zahlreichen Rebellionen der Altishahri verliefen vorübergehend recht erfolgreich.[134] Im Laufe der 100 Jahre nach der Eroberung durch die Qing im Jahr 1759 sollen die Uiguren über 40 mal erfolglos gegen die chinesische Herrschaft der Qing rebelliert haben, bis sie schließlich in den 1860er Jahren nach einem erfolgreichen Aufstand ein unabhängiges Königreich gründen konnten.[135] Häufig war das Zentrum des Widerstands und der Rebellion unter der chinesischen Herrschaft Kaschgar, wo auch die Hauptgarnision der Qing-Dynastie im Tarim-Becken verortet war, das nun in die von Ili aus regierte und „Xinjiang“ (dt. etwa: „neues Territorium“) genannte, größere Verwaltungseinheit eingegliedert war. Unter den Qing blieb der Sufi-Fraktionismus bestehen, und der verbannten, aber in Kashgar Unterstützung genießenden Afaqi-Fraktion gelangen Überfälle und Aufstände aus dem benachbarten Ferghanatal heraus.[5]

Aufstand und „Emirat Kaschgar“ unter Jakub Beg (1865 bis 1877)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Emirat Kaschgar“ als unabhängiger Staat unter Jakub Beg
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Abendlicher Empfang des britischen Diplomaten Robert Shaw beim Atalik-Gazi oder „König von Ostturkestan“, Jakub Beg, am 5. April 1869 in Kashgar[136]


Unter der Führung des Kokander Militäroffiziers Jakub Beg entwickelte sich aus solch einer Rebellion ein unabhängiger Staat (auch „Emirat Kaschgar“ genannt), der von 1865 bis 1877 Bestand hatte.[5] Während politische Ereignisse, Rebellionen und Kriege sonst nur vorübergehende Störungen darstellten, die sozialen Praktiken aber letztlich ungehindert fortbestanden, bildete die islamische Theokratie unter Jakub Beg davon eine Ausnahme. Allerdings stellten seine drastischen Maßnahmen zur Durchsetzung und Einhaltung des islamischen Rechts keinen Widerspruch zur lokalen Tradition dar und schufen zumindest in ideologischer Hinsicht im Gegenteil eher günstige Bedingungen für deren Fortbestehen.[137] In der Zeit von 1862 bis 1875 bildete Kaschgar zunächst ein Zentrum der muslimischen Rebellion und wurde dann zur Hauptstadt unter Jakub Beg.[138] Jakub war 1864 in den Nordwesten Chinas einmarschiert und hatte die antichinesischen Aufstände der muslimischen Einwohner militärisch und politisch nutzen können, um sich als Oberhaupt des Königreichs Kaschgarien zu etablieren. Er dehnte seinen Einflussbereich im Gebiet des heutigen Xinjiang nordwärts aus und erregte die Aufmerksamkeit des osmanischen Sultans, der ihm zum Emir von Kaschgarien ernannte. Die Russen wiederum nutzen die unruhige Situation, um Teile von Chinesisch-Turkistan und Xinjiang zu besetzen und schlossen mit Jakub 1872 einen Handelsvertrag. Ein Jahr später schlossen dann auch die Briten einen ähnlichen Vertrag mit Kaschgarien, um eine Pufferzone zu schaffen zwischen Indien und dem sich südwärts ausdehnenden russischen Reich. Diese beiden mit Russland und den Briten geschlossenen Verträge verliehen Kaschgarien de facto internationale Anerkennung.[139] Laut Barbara A. West sollen die Briten 1876 eine Qing-Invasion des uigurischen Territoriums finanziert haben, weil sie die Ausdehnung des russischen Reiches in das damalige Ostturkestan fürchteten und stattdessen eine Rückeroberung des Territoriums durch die Chinesen bevorzugten. Die chinesische Invasion unter Zuo Zongtang verlief erfolgreich.[135] Nach der Rückeroberung Xinjiangs durch die mandschurischen Regierungstruppen führten die Qing eine assimilatorische Politik zur Sinifizierung der Angehörigen von Turkvölkern in der Region ein.[5] Die chinesische Herrschaft war jedoch von den Muslimen in der Region immer als Fremdherrschaft angesehen worden. Seit dem Sturz des Emirats von Jakub Beg wuchs der Nationalismus unter den türkischen Muslimen stark und sollte schließlich in Sezessions-Bewegungen münden.[42]

Umwandlung zu einer chinesischen Provinz (ab 1884)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwar scheiterten die chinesischen Assimilations-Maßnahmen größtenteils, zeigten jedoch bereits das wachsende chinesische Interesse daran an, Kashgar und Xinjiang nicht nur als strategische Protektorate zu kontrollieren, sondern sie auch dem eigentlichen China einzuverleiben.[5] Sechs Jahre nach der Unterdrückung des Aufstands von Jakub Beg organisierte die Mandschu-Regierung die Region im Jahr 1884 um, indem sie sie unter eine Art chinesische Provinzverwaltung stellte und nun als „Hsin-chiang“ bezeichnete. Von dieser Zeit an wurde Ostturkestan zu einer chinesischen Provinz mit offiziellem Status als solche.[42] Die Chinesen hatten damit bis 1884 Xinjiang annektiert und ihren militärischen Sieg durch einen politischen Erfolg gefestigt.[135] Die Gesamtbevölkerung Ostturkestans wurde von T. D. Forsyth (1873) auf rund 1 Million und von A. N. Kuropatkin (1879) für „Kaschgarien“ auf 1,2 Millionen Menschen geschätzt,[140][141] von denen laut Hermann Vámbéry die große Mehrheit den Turkvölkern angehörten, während „die fremden Nationalitäten durch Chinesen und Dunganen, richtiger Döngen, d. h. Bekehrte, Chinesen, die schon in den vergangenen Jahrhunderten den Islam annahmen, ferner durch Hindus, Tadschiks und Afghanen“ vertreten waren.[140] F. Grenard (1898) schätzte die Bevölkerung der gesamten Provinz auf rund 2,5 Millionen, davon 800.000 in Kaschgar, 250.000 in Yarkand, 160.000 in Hotan, 80.000 in Keriya und 40.000 in Maralbashi.[141]

Die Muslime Xinjiangs wurden am Anfang des 20. Jahrhunderts trotz ihrer peripheren geographischen Lage in zwei Katastrophenszenarien verwickelt. Zum Einen in die Xinhai-Revolution von 1911 bis 1912, die zum Sturz der Mandschu-Dynastie in China führte, und zum Anderen in den Ersten Weltkrieg. Der Sturz der Qing-Dynastie warf die Frage nach dem Status von Xinjiang als einer weit entfernt gelegenen Grenzregion, in der äußerst wenige Chinesen lebten, neu auf. Eine Verwicklung in den Ersten Weltkrieg entstand, indem der Blick Russlands auf Xinjiang angesichts der Verbindungen der Provinz sowohl zu Russland als auch zum Osmanischen Reich zunehmend misstrauisch wurde, als sich die Balkankriege von 1912 bis 1913 zum globalen Konflikt von 1914 auswuchsen. Der Ausbruch des Krieges erfolgte in der gleichen Zeit wie die Niederlage der chinesischen Republikaner in Xinjiang und der Aufstieg von Yang Zengxin und seinem antirevolutionären Regime in Ürümqi.[142]

Uiguren in der Ära der nationalistischen Republikaner (1911–1949)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gouverneure Xinjiangs der republikanischen Ära
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Yang Zengxin, erster Gouverneur (1912–1928) und am längsten amtierender der gesamten Geschichte der Provinz[143]
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Jin Shuren, zweiter Gouverneur dieser Ära (1928–1933)[144]
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Sheng Shicai, dritter Provinzherrscher dieser Ära (1933–1944). Seine Regierung etablierte das Ethnonym „Uiguren“ offiziell[145]


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Chinesische Soldaten in Habachtstellung (Hotan, 1915)
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Kuomintang-Partei (Ürümqi, 1942)


Während der Zeit der nationalistischen Republikaner (1911–1949) - also mit und nach dem Untergang des chinesischen Kaiserreiches der Qing - stellte Xinjiang zwar noch immer nominell eine Provinz Chinas dar, befand sich jedoch in der Realität in einer chaotischen Verfassung. Tatsächlich spielten die Provinzgouverneure nun die Rolle unabhängiger Kriegsherren und hielten eigene Außenbeziehungen zu den benachbarten Staaten.[42] Der erste Provinzgouverneur der republikanischen Ära, Yang Zengxin, war zugleich Vertreter der seit über 1000 Jahren (zurückreichend bis in die Tang-Dynastie) ersten Generation Han-chinesischer Beamten, die die Nicht-Han-Grenzgebiete regierten, wo vorher stattdessen Mongolen und Mandschus eingesetzt worden waren. Während der folgenden vier Jahrzehnte der Republik in Xinjiang machten chinesische Gouverneure nun zum Regieren vollen Gebrauch von Vermittlern, die von ihnen abhängig waren, darunter tatarische Expatriaten, Mandschu-Bannermänner (Solon und Sibe), weißrussische Soldaten, der muslimische Prinz von Hami, mongolische und kasachische Fürsten und Häuptlinge, turkvölkische Begs und Hui-Soldaten, also chinesischsprachige Muslime. Bevor die Zentralregierung die Kontrolle in Xinjiang in den 1940er Jahren wieder übernehmen konnte, bestand das Ziel der Han-Gouverneure der republikanischen Ära darin, die traditionell auf Peking gerichtete Loyalität dieser Vermittler weg- und hin auf die Verwaltung in Ürümqi zu leiten. Yang und seine Nachfolger wollten in religiösen, kulturellen, wirtschaftlichen oder politischen Fragen die Rolle von Schiedsrichtern über die Angelegenheiten ihrer abhängigen Vermittler einnehmen, deren wichtige Funktion bei der Vermittlung der Han-Herrschaft unter ihren Untertanen sie anerkannten. Yang betrachtete die Ausweisung Xinjiangs als Provinz im Jahr 1884 als Fehler und versuchte eine Grundlage für einen institutionalisierten Unterschied von Xinjiang wiederherzustellen, das er als ein von den inneren chinesischen Provinzen sich unterscheidendes Land ansah. Dazu wollte er die halbautonomen Ämter entfernen, die traditionell von Vertretern aus Peking besetzt wurden und die zentralisierungs- und integrationsorientierten Bemühungen des späten Qing-Staates auf Xinjiang ausdehnt hätten. An ihrer Stelle besetzte Yang seine Provinzbürokratie mit aus der Qing-Zeit berufserfahrenen Han-Beamten des Nordwestens. Mit ihnen schuf er eine neue Berufskaste nach dem Vorbild der innerasiatischen Eroberungselite. Während Yang konsequent eine konservative ethno-elitäre Plattform förderte, unterdrückte er gleichzeitig unverzüglich sämtliche nationalistischen Plattformen, einschließlich derer, die „die gelbe Rasse“ achteten.[143]

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beförderten die in Kontakt mit der Türkei und den Tataren Russlands stehenden lokalen Eliten den Pan-Turkistischen Reformismus, der sich erstmals ideologisch in den antikolonialen Bewegungen Xinjiangs niederschlug. Während dieser Phase, als die chinesische Macht in ihrem Zentrum geschwächt war und Großmächte wie Großbritannien und Russland die verschiedenen politischen Fraktionen zugunsten ihres eigenen Einflusses gegeneinander auszuspielen versuchten, kam es in Xinjiang zwei Mal zur Gründung einer unabhängigen Republik.[28]

Erste Republik Ost-Turkestan (1933–1934)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Türkisch-Islamische Republik Ostturkestan („Republik Uiguristan“)
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Hodscha Niyaz, Präsident der kurzlebigen Republik (1933)
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Von der „Ersten Republik Ostturkestan“ kontrollierte Gebiete (rot)


1931 führte Hodscha Niyaz (K̲h̲wād̲j̲a Niyāz Ḥād̲j̲d̲j̲ī) eine Rebellion mit dem Ziel an, das Land durch Gründung einer „Türkisch-Islamischen Republik Ostturkestan“ zu befreien.[42] Diese Republik (im Englischen Turk Islamic Republic of East Turkistan, abgekürzt: TIRET) wurde von den Emiren von Hotan und von antikommunistischen Pan-Turkisten geführt und hatte ihren Schwerpunkt in den Gebieten von Hotan und Kaschgar.[28] Hauptstadt dieser kurzlebigen Islamischen Republik Ostturkistan (1933–1934) war Kaschgar, das im Chaos der 1930er Jahre erneut als ein Zentrum des Widerstands gegen die chinesische Herrschaft fungierte. Intellektuelle aus der Region Kaschgar spielten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine besonders tragende Rolle bei der Verbreitung neuer Denkweisen wie dschadidistische Reformbewegung, Ethnonationalismus, Pan-Turkismus und Islamischer Fundamentalismus. Auf Kaschgar und Ili konnten sich Exilanten aus Xinjiang in der Sowjetunion beziehen, die diese politische und intellektuelle Arbeit teilweise noch energischer betrieben. Zu den revolutionären Initiativen in Kaschgar gehörten die frühen reformistischen Grundschulen und die erste Druckpresse im Tarim-Beckens. Dieser von Kaschgar aus regierte Staat war auch als „Republik Uiguristan“ bekannt.[5] Auf einigen ihrer Münzen hatte sich die Ostturkestanische Republik 1933 als „Islamische Republik Uiguristan“ bezeichnet.[145] Die Bezeichnung der Islamischen Republik Ostturkistan als „Republik Uiguristan“ spiegelte die zunehmende Verwendung des Ethnonyms „Uiguren“ wider, mit dem aus dem Tarim-Becken stammende, sesshafte Türken identifiziert wurden.[5]

Die Bewegung wurde durch sowjetische Intervention zur Unterstützung des chinesischen Provinzstatthalters im Juli 1934 niedergeschlagen, und es wurde eine grausame Kampagne von Massakern an Muslimen gestartet.[42] Die Regierung von Sheng Shicai, der nach Yang Zengxin (1912–1928) und Jin Shuren (1928–1933) dritter Provinzherrscher Xinjiangs (1933–1944) der republikanisch-chinesischen Phase war,[144] um 1934 bereits seine Kontrolle in Kashgar gefestigt hatte und die Bezeichnung als „uigurisch“ unterstützte, etablierte das von der Ostturkestanischen Republik verwendete Ethnonym „Uiguren“ bald auch offiziell von chinesischer Seite.[145]

Die im Gebiet von Kaschgar von 1928 bis 1937 stattfindende muslimische Rebellion konnte zwar letztendlich vom Provinz-Kriegsherrn Sheng Shicai mit sowjetischer Hilfe unterdrückt werden, doch wurde die Kontrolle durch die chinesische Zentralregierung erst 1943 wiederhergestellt.[138] Die Massentötungen nach der Unterdrückung der Bewegung im Jahr 1934 hielten die Muslime in der Region nicht davon ab, die Waffen erneut gegen die chinesische Herrschaft und den russischen Druck zu ergreifen. 1937 kam es zu einer Rebellion unter Führung von ʿAbd Allāh al-Niyāz, die jedoch ebenfalls scheiterte. Einer weiteren Rebellion im Jahr 1940 gelang unter Führung von ʿUt̲h̲mān Batūr zwar der Sieg gegen die Russen, doch wurde auch sie 1943 niedergeworfen, diesmal von Truppen der chinesischen nationalistischen Regierung.[42]

Zweite Republik Ost-Turkestan (1944 bis 1949)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
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Elihan Tore, erster Präsident der Republik
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Von der „Zweiten Republik Ostturkestan“ kontrollierte Gebiete (rot)


Trotz des Scheiterns der früheren Rebellionen kam es in der Folge zu einer weiteren Zunahme von türkischem Nationalismus und Sezessionsbewegung. Ein Aufstand im Gebiet des Ili-Tals im November 1944 führte zur Gründung der „Republik Ostturkestan“ (S̲h̲arḳī Türkistān Ḏj̲umhūriyyati). Zwar handelte es sich hierbei vor allem um eine von der kasachischen und uigurischen Bevölkerung betriebenen Bewegung, doch wurde sie später in beträchtlichem Umfang von Nicht-Muslimen unterstützt.[42] Von 1944 bis 1949 wurde diese Republik (im Englischen East Turkistan Republic, abgekürzt: ETR) von den Sowjets unterstützt und stützte sich auf die drei nördlichen, an der Grenze zur Sowjetunion liegenden Bezirke von Xinjiang.[28] Erster Präsident war Elihan Tore (ʿAlī K̲h̲ān Türe), ein usbekischer ʿālim. Das Hauptziel der Republik Ostturkestan lag laut Erklärung vom 5. Januar 1945 in der Schaffung eines multinationalen demokratischen Staates mit Religionsfreiheit. Offenbar wurde der Islam nicht als offizielle Religion der Republik angenommen. Dennoch hatte die Bewegung eine turko-islamische Ausrichtung, da der Islam als Grundlage für die Einheit innerhalb der Muslime in der Republik fungierte, die Dreiviertel der Bevölkerung ausmachten. Aufgrund verschiedener Einflüsse konnte sich die Ostturkestanische Republik lediglich drei Jahre halten.[42]

Die beiden kurzen Perioden der Unabhängigkeit der Uiguren oder ihres Siedlungsgebietes Altishahr in den Jahren 1933–1934 und 1944–1949 endeten somit jeweils mit der Rückeroberung des Territoriums durch die Chinesen,[135][134] trotz der Schwächung Chinas in der chaotischen republikanischen Phase[134] und in beiden Fällen mit Hilfe der Sowjetunion.[135] Die türkisch-nationalistische Geisteshaltung jedoch, für die sich die Befürworter der Republik Ostturkestan einsetzten, hält bis in die Gegenwart an.[42]

Flaggen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den mindestens sechs verschiedenen Flaggen der Warlords[146] (zwei mit Schahāda, zwei rot-gelb mit Stern, blau oder rot mit Halbmond) gilt die hellblaue Flagge nach dem Vorbild der Türkei noch heute nationalistischen Uiguren als Identifikationssymbol. Auch Logo und Flagge der im Jahr 2003 aufgelösten China Xinjiang Airlines ist daran angelehnt und zeigt eine Form eines (seitenverkehrten) Halbmonds auf blauem Grund mit einem blauen Kranich.[147]

Aufnahme in die VR China und Auswirkungen auf die uigurische Gesellschaft seit 1949[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mao Zedong und Zhang Zhizhong (11. Oktober 1945)

Bevor die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) im Jahr 1949 die volle Kontrolle über China übernommen hatte, bestand die Erwartungshaltung vieler Uiguren im baldigen Erreichen ihrer vollständigen politischen Unabhängigkeit in Xinjiang. Diese Erwartung war sowohl von Mao Zedongs Äußerungen ein Jahrzehnt zuvor entsprechend genährt worden als auch von Xinjiangs letztem Gouverneur unter den Nationalisten (Kuomintang, kurz: KMT), Zhang Zhizhong, der in der Öffentlichkeit über die mögliche „Entkolonialisierung“ der Region nach dem Vorbild Indiens und der Philippinen gesprochen hatte. Nach Gründung der Volksrepublik China jedoch wurden die Uiguren von den KPCh-Funktionären aufgefordert, sich mit der Autonomie zufrieden zu geben, die im Sinne einer „Kontrolle über ihre eigenen Angelegenheiten“ beschrieben wurde.[148]

So wurde auch die gesamte Region Xinjiang in den zur Zeit des Untergangs des Qing-Reiches geltenden Grenzen – also einschließlich der uigurischen Mehrheitsregionen im Tarim-Becken, im Ili-Tal und in den nördlichen Oasen – nach der kampflosen Kapitulation der chinesischen nationalistischen Regierung in Xinjiang gegenüber der weit überlegenen Armee der Kommunisten im Chinesischen Bürgerkrieg mit Billigung der Sowjets von der am 1. Oktober 1949 gegründeten Volksrepublik China einverleibt, während die Führung der Republik Ost-Turkestan – vermutlich unter sowjetischem Druck – einer Aufnahme in die KPCh zugestimmt hatte. Um ihre Ziele für das gesamte Territorium in den Grenzen des alten Qing-Reiches umsetzen zu können, nahm die KPCh die veränderungswilligen Eliten auf und formte die sozialen Bewegungen der vergangenen Jahrzehnte für ihre eigenen Bedürfnisse um.[1] Mit der Einrichtung des Autonomen Gebiets sicherte die Volksrepublik den Uiguren weitgehende Autonomie in politischer, kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht zu. Peking bediente sich dabei zunächst der assimilierungswilligen Eliten Xinjiangs, die es zu jeder Zeit der chinesischen Herrschaft gegeben hat. Es waren Muslime aus Xinjiang, die die revolutionäre Literatur Maos und seiner Genossen ins Arabische, Türkische und Persische übersetzten und im Ausland verbreiten halfen.

An Uiguren gerichtete Mao-Denkmäler in Niya (Kreis Niya)
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Denkmalsäule mit Zitat Mao Zedongs in vereinfachten chinesischen Schriftzeichen
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… und in der (inzwischen aufgegebenen) lateinisch-uigurischen Schrift
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Statue: Mao (rechts) begegnet einem uigurischen Bauern (links)


Andererseits trat die KPCh in Konflikt mit alten historisch verwurzelten Institutionen, die sich bis dahin weitgehend unbeschadet hatten halten können wie Moscheen mit Landbesitz oder unabhängige Richter. Als einen der ersten Eingriffe nahm die chinesische Herrschaft der Mao-Ära die Abschaffung des islamischen Rechtssystems vor, das in der Qing- und in der republikanischen Ära parallel zum staatlichen Rechtssystem bestanden und sich mit Zivil- und geringfügigen Strafangelegenheiten befasst hatte. Zügig wurde auch eine sich nachhaltig auswirkende Landreform durchgeführt, durch die Bauern, die gepachtetes Land bestellt hatten, nun Landbesitz erlangten, während die früheren Landbesitzer enteignet und ihre Familien durch Zuweisung einer sozialen Klasse stigmatisiert wurden. Während die kommunistische Führung in den ersten Jahren ihrer Herrschaft in Xinjiang Reformen noch zunächst mit einiger Zurückhaltung betrieben, wurden die Uiguren in den späten 1950er Jahren denselben radikalen und leidensvollen Veränderungen ausgesetzt wie die Bevölkerung im übrigen China.[1]

Der Staat nahm unter kommunistischer Führung eine zentrale Rolle in der uigurischen Gesellschaft ein, trieb Veränderungen maßgeblich voran setzte eine die Anstrengungen von Sheng Shicai weit übertreffende bürokratische Durchdringung durch.[1][A 10] Die Volkrepublik China begann bald damit, das zuvor von der Sowjetunion begründete und in geringerem Maßstab sowohl von Sheng Shicai als auch von der Zweiten Republik Ost-Turkestan betriebene Management der uigurische Kultur fortzuführen. Forscher bereisten die Region zur Ansammlung von uigurischer „Folklore“. Ende der 1950er Jahre wurde die uigurische Sprache formalisiert und mit einer neuen lateinischen Schrift versehen. Ziel der KPCh war es dabei, kulturelle Unterschiede sowohl zu berücksichtigen als auch unter Kontrolle zu halten.[1]

Bis einschließlich 1957 brachte die Herrschaft der VR China viele Verbesserungen gegenüber der vorangegangenen chaotischen republikanischen Ära. Die vermutlich die Mehrheit der uigurischen Bevölkerung stellenden Bauern erhielten durch die Landreform mehr ökonomische Eigenständigkeit. Die Kriegsführung und die ständige Ausgabe neuer Inflationswährungen der republikanischen Ära gehörten der Vergangenheit an. Die KPCh rief Kampagnen gegen „Han-Chauvinisim“ ins Leben, die die Einbeziehung indigener Völker wie die Uiguren in Entscheidungspositionen propagierten, für die bis dahin Han-Beamte privilegiert waren. Die Bevölkerung konnte ihr aus der Qing-Zeit gewohntes Alltags- und Familienleben fortführen.[1]

Parade während der Anti-Rechts-Kampagne (1957)

Die Anti-Rechts-Kampagne, bei der über 1.000 uigurische Beamte Säuberungen wegen „lokalem Nationalismus“ oder vermeintlicher Verbindung mit der Sowjetunion zum Opfer fielen, ebnete in Xinjiang den Weg für die willkürlichen Politik der Mao-Ära. Diese Kampagne erfolgte im Verein mit der Kampagne der Religionsreform, die zum völligen Abbau uigurischer religiöser Einrichtungen und Praktiken führte.[1]

Gefolgt wurde die Anti-religiöse Kampagne vom Großen Sprungs nach vorn (1958–1962), der zu ökonomischen Katastrophen und oftmals zu Hunger oder Hungersnot führte.[1] Vor dieser Hungersnot flohen 1962 etwa 50.000 nomadische Kasachen, Kirgisen und Uiguren mit ihren Pferden in die Sowjetunion. Darüber hinaus brachte der Große Sprung auch die Zerstörung der uigurischen Sozialstrukturen mit sich. Die Kollektivierung belastete die Organisation der Haushalte und verhinderte mit der gemeinsamen Zubereitung von Mahlzeiten bedeutende Alltagsroutinen und Bräuche der Gastfreundschaft. Die Umwälzungen des Großen Sprungs und der Kulturrevolution (1966–1976) veränderten die uigurischen Gesellschaft auf fast allen Ebenen. Diese Umbrüche wurden zentral und hauptsächlich von Han-Chinesen vorangetrieben, doch waren die Uiguren davon besonders stark belastet, weil von ihr zum Einen wie von der übrigen chinesischen Bevölkerung gefordert wurde, Maos sozioökonomischen Visionen umzusetzen, sie aber zum Anderen einer offen assimilatorischen Agenda der Behörden in Xinjiang ausgesetzt waren, die auf eine Lösung der „Nationalitätenfrage“ durch Anpassung der Uiguren an chinesische kulturelle Normen abzielte. Zur Zeit ihrer intensivsten Ausprägung mit Umbau der Moscheen zu Parteibüros und Verbot religiöser Texte hatte die Kulturrevolution die offentliche Ausübung islamischer Bräuche fast unmöglich gemacht.[1] Trotz der formalen Autonomie und Religionsfreiheit wurde und wird vor allem der der kommunistischen Ideologie feindliche Islam, dem die meisten der Uiguren angehören, stark überwacht und ist Restriktionen ausgesetzt: so dürfen Schüler, Beamte und generell unter Achtzehnjährige keine Moschee besuchen. Die Regierung begründet dies mit der Befürchtung, dass sich in den Moscheen Zentren des separatistischen/fundamentalistischen Widerstandes bilden könnten.[149]

Eine weitere Folge der Politik der Mao-Ära ist ein massiver demographischer Wandel insbesondere im Norden Xinjiangs, indem sich die Han-Bevölkerung Xinjiangs durch Zustrom von Han-Siedlern und Flüchtlingen aus dem inneren China zum Beispiel in der Zeit von 1953 bis 1964 verzehnfachte. Viele der Migranten wurden in das Aufbaucorps Bingtuan integriert, das während des größten Teils der Mao-Ära über 25 % der Wirtschaftsleistung Xinjiangs ausmachte und große Mengen neuen Landes bewirtschaftete und zur Verdopplung der Anbaufläche Xinjiangs zwischen 1955 und 1960 beitrug. Während aber rund zwei Millionen Han-chinesische Siedler nach Xinjiang strömten, flohen Zehntausende Uiguren und Kasachen in die Sowjetunion und nochmals Tausende nach Afghanistan.[1]

Geburtenkontrolle

Die Uiguren waren zwar, wie alle Minderheiten in der VR China, im Gegensatz zu den Han-Chinesen von der „Ein-Kind-Politik[A 11] ausgenommen, wurden aber dennoch per Geburtenkontrolle (Geburtenziffer) behördlich reglementiert.[150][151] Städtischen Uigurinnen waren maximal zwei und ländlichen drei Kinder gestattet zu gebären,[150][151] aber auch diese nur mit einer behördlichen Spezialgenehmigung.[150] Dabei übten die chinesischen Behörden Druck auf Uigurinnen aus weniger Kinder zu gebären. Da die Geburtenkontrolle nicht in allen Kreisen der Bevölkerung Anwendung fand, waren Abtreibungen noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts alltäglich und fanden laut Schweizerischer Flüchtlingshilfe (SFH) aufgrund der schwachen medizinischen Versorgung „unter schlimmsten Bedingungen“ statt.[150]

Autonomiebestrebungen und staatliche Repression seit 1949[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine große Anzahl von Forschungsarbeiten dokumentiert die Geschichte der Beziehungen zwischen Uiguren und Han-Chinesen und zeugt sowohl von Zusammenarbeit als auch von Konflikten, die seit vielen Jahrhunderten andauern und bis zum Bau der Chinesischen Mauer zurückreichen.[57] Auch in jüngerer Zeit gibt es in Xinjiang eine lange Geschichte von Beschwerden der Uiguren gegen die chinesische Herrschaft.[152][153][54][154] Da der westliche Teil der Region in der Mitte des 20. Jahrhunderts als mit der Sowjetunion verbundene Republik Ostturkestan Unabhängigkeit genossen hatte und eine wirksame Kontrolle durch China erst kurz nach Gründung des kommunistischen Staates im Jahr 1949 erreicht werden konnte, blieben Erinnerungen an eine eigene politische und administrative Identität der Uiguren in bestimmten Gebieten und in bestimmten Teilen der uigurischen Gesellschaft stark ausgeprägt.[152][153] Nach der Festigung der chinesischen Herrschaft durch die Brigaden des Produktions- und Aufbaukorps und der Gründung der autonomen Region Xinjiang im Jahr 1955 kam es regelmäßig zu Protesten.[48]

Die Zeit der späten 1950er bis Mitte der 1980er Jahre war von Feindseligkeiten zwischen China und der Sowjetunion geprägt, die sich weitaus mehr an vitalen nationalen Faktoren ausrichteten als an Rechten oder Ansichten ethnischer Minderheiten, und bei denen Xinjiang eine sensible Grenzregion Chinas zur mächtigen Sowjetunion darstellte.[21] Mit der Machtübernahme der Reformer lockerte sich die staatliche Kontrolle in den 1980er Jahren kurzzeitig.[55] Im April 1980 war es in Aksu zu schweren Unruhen mit vielen Toten bei Auseinandersetzungen zwischen Militärangehörigen und staatlichen Landwirtschaftsangestellten des Produktions- und Aufbaukorps einerseits und unzufriedenen xiafang-Jugendlichen[A 12] andererseits (vornehmlich Han-Chinesen, lokale Uiguren und andere nicht-Han-Angehörige) gekommen, die schließlich von der Volksarmee niedergeschlagen wurden. Nach diesen Unruhen und als versöhnliche Reaktion, die auch die Exzesse der Kulturrevolution in Xinjiang anerkannte, durften geschlossene Moscheen wieder geöffnet und islamische Literatur verbreitet werden. Mit dem Abklingen der repressiven, aber chaotischen Politik der Kulturrevolution konzentrierte sich die uigurische Opposition gegen die chinesische Herrschaft in den 1980er Jahren allmählich mehr auf die Unabhängigkeit.[154]

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„Shanghai Five“ (von links nach rechts) am 5. Juli 2000: Emomalij Rahmon (Tadschikistan), Jiang Zemin (VR China), Nursultan Nasarbajew (Kasachstan), Askar Akajew (Kirgisistan) und Wladimir Putin (Russland), sowie (rechts) Islom Karimov (Usbekistan)
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Die sechs Mitgliedsstaaten der SOZ (dunkelgrün) (Stand: 2008): VR China, Kasachstan, Kirgisistan, Russland, Usbekistan, Tadschikistan, sowie Beobachter (hellgrün)


Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion Ende 1991 änderte sich die Lage, und der uigurische Separatismus galt ab Anfang der 1990er Jahre als zunehmende Bedrohung für China.[21] China, Russland und die drei zentralasiatischen, westlich an China grenzenden ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan begannen sich multilateral zu verbinden und zu organisieren. Sie beschlossen vor allem mit Berufung auf die Bedrohung durch ethnische Unruhen und islamischen Fundamentalismus in Zentralasien, einschließlich des uigurischen Separatismus, ihre gegenseitige Unterstützung zu verstärken.[21][47] Ihre fünf Staatsführer (Shanghai Five) trafen sich seit ihrem Treffen im April 1996 jährlich, seit Juni 2001 einschließlich des Vertreters von Usbekistan, gründeten 2001 die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und unterzeichneten ein Dokument, in dem sie sich zur Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der „drei Übel“ (san gu shili 三股势力) – Terrorismus, ethnischer Separatismus und religiöser Extremismus – verpflichten, wobei das letzte sich klar auf den islamischen Fundamentalismus bezog.[21][47] Tatsächlich kam es vor allem seit den 1990er Jahren zu gewaltsamen separatistischen Strömungen innerhalb der uigurischen Autonomiebestrebungen und Unabhängigkeitsbewegung.[155][36][54] Es existierte dabei keine einheitliche uigurische Agenda. Während einige Uiguren, insbesondere Gewalt anwendende Gruppen, einen separaten Staat („Uyghuristan“ oder „Ostturkestan“ genannt) forderten und andere Uiguren die Wahrung ihrer kulturellen Eigenheit innerhalb einer autonomen Beziehung zu China anstrebten, unterstützten wiederum andere die Integrierung in das chinesische System. Die gewalttätigen Ausbrüche in Xinjiang ereigneten sich sporadisch. Und die Gruppen, die sich jeweils für verantwortlich erklärten, erwiesen sich oft als labil, indem sie in Splittergruppen zerfielen, sich zusammenschlossen und auflösten.[54] Xinjiang galt politisch als sensibelste aller Minderheitengebiete Chinas, wo die Situation seit den Aufständen von 1990 ernster geworden war als in Tibet, obgleich Tibet mehr und wohlgesonnenere Berichterstattung westlicher Medien erhielt als Xinjiang.[36] Sowohl die staatlichen chinesischen Behörden als auch die han-chinesische Bevölkerung fürchteten Gewaltaktionen separatistischer Uiguren, doch wurde der allgemeine Eindruck der seit 1990 eskalierenden Bedrohung übertrieben.[156] Der bestehende Umfang der uigurischen muslimischen Separatistenbewegung in China blieb schwach und unter angemessener Kontrolle.[54]

Seit Ende 2016 kam es zu einer Pazifizierungskampagne Chinas in Xinjiang, die nach Einschätzung des Ethnologen Adrian Zenz von 2018 aller Wahrscheinlichkeit nach die wohl intensivste Kampagne Chinas zur erzwungenen sozialen Umgestaltung seit Ende der Kulturrevolution darstellte, wobei die staatliche Charakterisierung als „Krieg gegen den Terror“ zunehmend als Euphemismus für die erzwungene ethnische Assimilation angesehen werden könne.[157]

Unruhen und staatliche Gegenmaßnahmen der 1990er Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 1990er Jahre stellen einen Wendepunkt in der Geschichte der Beziehungen zwischen dem chinesischen Zentralstaat und seinen Minderheiten dar,[55] aus dem sich eine Welle zunehmender politischer Gewalt entwickelte.[55][158] Es wurde eine erzwungene Modernisierung eingeleitet, die auf massiven Investitionen zur Entwicklung insbesondere der westlichen Regionen Chinas beruhte. So finanzierte der Zentralstaat in Xinjiang fast die Hälfte des Provinzbudgets, um die Entwicklung voranzutreiben. Eng an dieses Modell gekoppelt fand eine erzwungene Sinisierung von Minderheiten statt, um sie in die chinesische Nation zu integrieren. Die Uiguren erlebten eine Flut von überwachenden und unterdrückenden Maßnahmen, wie die Sinisierung des Schulsystems und Verbote zur Ausübung religiöser Praktiken.[55]

In verschiedenen Phasen der 1990er Jahre wurden Tausende politische Gefangene festgenommen und Berichten zufolge inhaftiert. Einige wurden nach unfairen Gerichtsverfahren zu langen Haftstrafen verurteilt, während andere ohne Anklage oder Gerichtsverfahren inhaftiert blieben.[159] Am Ende des Jahrzehnts befanden sich Uiguren und chinesische Regierung nach den Unruhen in Ghulja und der drakonisch durchgeführten Kampagne des „harten Schlags“ in einem Teufelskreis von Widerstand und Repression.[158]

Unruhen in Baren 1990 und weitere Entwicklung

Im April 1990 kam es zu Unruhen im vorwiegend uigurisch besiedelten Baren, Kreis Akto, im Kirgisischen Autonomen Bezirk Kizilsu, nordwestlich von Kashgar.[153][158] Dabei hatten einige Männer, die an einem Gebet in einer Moschee in Baren teilnahmen, zunächst die Haltung der Regierung gegenüber ethnischen Minderheiten, einschließlich der Geburtenkontrolle, Kernwaffentest und Export von Ressourcen aus Xinjiang in das chinesische Binnenland, kritisiert, worauf sich Massendemonstrationen entwickelten, bei denen einige Aktivisten einen Dschihad forderten, um die „ungläubigen“ Han-Chinesen aus Xinjiang zu vertreiben und einen unabhängigen Staat Ostturkestan zu gründen. Über die Anzahl der Opfer existieren widersprüchliche Angaben.[158] Während ausländische Medien von 60 Toten sprachen,[158][74] kamen nach offiziellen chinesischen Angaben sechs Polizisten, ein uigurischer Kader und 15 Demonstranten zu Tode.[158] Chinesische Behörden beschuldigten ausländische Kräfte der Einmischung, insbesondere die seit langem bestehende und mit İsa Yusuf Alptekin in Verbindung stehende Gruppe von Exil-Uiguren in der Türkei.[158] Der bewaffnete Aufstand markierte den Beginn des Übergleitens in Gewalt und Konflikt in Xinjiang.[54][158] Der große, islamisch inspirierte Aufstand veranlasste die chinesische Führung zu einer langfristigen Strategie zur Erlangung einer strikteren Kontrolle über die uigurische Gesellschaft. Während Xinjiang zuvor noch eine entfernt gelegene, indigene Peripherie Chinas geblieben war, kam es nun mit dem Herausfordern der staatlichen Ordnung zu einem Wendepunkt in der chinesischen Politik gegenüber den Uiguren und der Region Xinjiang. Angesichts des Kontrollverlusts der sowjetrussischen Führung über die osteuropäischen Satellitenstaaten und des bevorstehenden Zusammenbruchs der Sowjetunion sowie der Entstehung der neuen zentralasiatischen Republiken befürchtete China, dass die ethno-nationalistischen Bestrebungen der Uiguren in Xinjiang durch das Beispiel der neuen Unabhängigkeit zentralasiatischer Völker und mit deren möglichen Unterstützung angestachelt werden könnten.[153]

Die chinesische Führung begann daraufhin mit der Umsetzung des ehrgeizigen Plans, die Integration von Xinjiang in China durch verstärkte ethnisch-chinesische Besiedlung Xinjiangs zu beschleunigen und die natürlichen Ressourcen von Xinjiang, vor allem Öl und Gas, verstärkt auszubeuten, um die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung kam es aber nicht zu einer Verringerung des lokalen Nationalismus', wie von der chinesischen Führung der 1990er Jahre angestrebt.[153] Stattdessen kann diese Politik für die Verschärfung der politischen Spannungen als verantwortlich angesehen werden.[153][160] Es kam zu einer Eskalation der Gewalt zwischen den Han-Chinesen und der uigurischen Gesellschaft.[160] Gründe dafür lagen zum Einen in der Masseneinwanderung ethnischer Han-Chinesen aus Ostchina nach Xinjiang und zum Anderen in der oftmals ungleichen Verteilung der wirtschaftlichen Gewinne und Begünstigung der Han-Chinesen in der Bevölkerung[153][160][95][19][47] gegenüber der zunehmend mit Einschränkungen bei der Ausübung ihrer Sprache, Kultur und Religion konfrontierten lokalen Bevölkerung anderer Ethnie.[160][95] Die sozial und kulturell marginalisierte Volksgruppe der Uiguren fühlte sich in zunehmendem Maße ausgegrenzt und abgehängt.[153][160][95] Sie betrachteten die Politik in Xinjiang als einen bewussten Versuch der chinesischen Regierung, die islamische Identität in der Region zu untergraben, um die Uiguren „chinesischer“ zu machen.[160] Nach Meinung des Experten für den Islam in China Daniel Krahl (Stiftung Wissenschaft und Politik) wurden zwar auch in anderen Regionen Chinas Städte umgestaltet, doch sei die Lage in Xinjiang besonders brisant gewesen, da es als „Angriff auf die uigurische Kultur“ interpretiert wurde und den „Uiguren das Gefühl einer ausweglosen Situation gegeben“ hatte, was zu Verzweiflungstaten geführt habe.[95]

Nach den Massendemonstrationen und gewalttätigen Unruhen in Baren im April 1990 kam es Mitte der 1990er Jahre zu weiteren uigurischen Demonstrationen und Unruhen in verschiedenen Städten, darunter Gulja (Yining), Hotan (Juli 1995) und Aksu (zwischen Februar und April 1996).[54][158] Die chinesische Regierung reagierte darauf Ende April 1996 mit der Einführung der chinaweiten Kampagne „des harten Schlags“ (bekannt als yanda für yanli daji yanzhong xingshi fanzui huodong) gegen „Verbrechen“.[54][158] Diese Kampagne hatte nicht Verbrechen im landläufig verstandenen Sinn, sondern inoffizielle politische Organisationen und speziell separatistische Aktivisten zum Hauptziel,[158] also insbesondere Uiguren und Separatisten in Xinjiang.[54][158] Ab 1996 führte der chinesische Staat in der Folge regelmäßige Kampagnen „des harten Schlags“ durch, um Kriminalität und Bedrohungen der öffentlichen Ordnung mittels Mobilisierung der Polizei zu bekämpfen.[54] Die mit Härte und aus sicherheitspolitischer Sicht zunächst erfolgreich durchgeführten Kampagnen „des harten Schlags“ in Xinjiang wurden von Seiten der Uiguren als repressiv wahrgenommen und verschärften auf langfristige Sicht die Spannungen in der Region.[54] Weder beendete die Kampagne „des harten Schlags“ den Widerstand radikaler Uiguren und deren Angriffe auf Polizei und andere Symbole chinesischer Autorität, noch wurden diese dadurch eingedämmt.[158] Auf die erste großangelegte Verhaftungswelle von Uiguren (im Jahr 1996) folgte im Februar 1997 der Aufstand von Gulja.[48]

Auseinandersetzungen in Gulja 1997 und weitere Entwicklung

Im Februar 1997 traten die Spannungen um die Uigurenfrage bei Unruhen in der 50 km von der kasachischen Grenze entfernten Stadt Gulja (Yining) hervor,[153][161][162] als die chinesischen Sicherheitskräfte eine friedliche Demonstration mit äußerster Härte niederschlugen und einige unbewaffnete Demonstranten erschossen.[153] Mindestens neun Menschen starben.[48] Mit dieser Demonstration gegen die chinesische Politik in Xinjiang hatten einige Einwohner der Stadt insbesondere gegen Einschränkungen religiöser und kultureller Aktivitäten sowie gegen die Einwanderung chinesischer Siedler in der Region protestiert. Die Demonstranten forderten die Einhaltung gesetzlichen Autonomiebestimmungen, die in allen chinesischen Regionen ethnischer Minderheiten gelten und das Recht der ethnischen Minderheiten garantieren, „Selbstverwaltungsorgane“ einzurichten und eine gewisse Kontrolle über ihre lokalen Angelegenheiten und wirtschaftlichen Ressourcen zu behalten.[153] Die uigurische Demonstration wurde gewaltsam unterdrückt.[54]

Der blutigen Niederschlagung der Demonstration folgte ein mehrtägiger schwerer Aufruhr,[54][153] auf den die Behörden erneut mit Härte reagierten.[153] Die Opferzahlen der Unruhen variieren je nach Quelle, doch gehen konservative Schätzungen von neun Toten und Hunderten Verletzten aus.[153]

Einen Monat später kam es zu dem seit Jahrzehnten einzigen bekanntgewordenen Vorfall, bei dem uigurische Aktivisten Zivilisten wahllos angriffen, als Separatisten gleichzeitig Bomben in drei öffentlichen Bussen zündeten, die neun Menschen töteten und Dutzende schwer verletzten. Im Anschluss kam es auch zu Angriffen auf Polizeistationen, Militäreinrichtungen und auf einzelne politische Führer.[153]

In den auf die Auseinandersetzungen in Gulja folgenden Wochen verhafteten die Behörden Tausende Uiguren. In der gesamten Region wurden öffentliche Verurteilungen verdächtigter Aktivisten abgehalten.[153] In der Folge gelang es den chinesischen Sicherheitskräften durch sehr hartes Durchgreifen, gewaltsame Ausschreitungen größtenteils zu verhindern. Um einen möglichst hohen Abschreckungseffekt zu erzielen, wurden dabei drakonische Strafen verhängt und zahlreiche öffentliche Hinrichtungen vollstreckt. Laut Amnesty International wurden zwischen 1997 bis 1999 210 Todesstrafen verhängt, von denen 190 kurz nach dem Urteil vollstreckt wurden.[47] Die Regierung führte zudem weitreichende Maßnahmen ein, die auf die Religion als angebliche Quelle der Opposition abzielten, und schloss Moscheen und religiöse Schulen.[153] Schon zu diesem Zeitpunkt stellte die Regierung die Verbindung zu internationalen Kräften in den Vordergrund ihrer Erklärungen.[47]

Einordnung in den „Globalen Krieg gegen Terror“ seit 2001[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den verschiedenen Bombenattacken mit Todesopfern und Repressionskampagnen in den 1990er Jahren blieb die Lage in Xinjiang von 2000 bis 2007 zunächst überwiegend ruhig.[48]

Jiang Zemin, Generalsekretär des ZKs der KPCH, und US-Präsident George W. Bush bei einem gemeinsamen Statement, einen Monat nach den Anschlägen vom 11. September 2001 (19. Oktober 2001)

Zwar hatten die Behörden in Xinjiang seit Mitte der 1990er Jahre die gegen den Staat gerichtete Gewalt erkannt, zogen es aber noch bis Anfang September 2001 vor, diese auf eine geringe Zahl von separatistischen Gewalttätern zurückzuführen und von einer stabilen und wohlhabenden Region zu sprechen.[153] Unmittelbar nach den gegen die USA gerichteten Anschlägen am 11. September 2001 kehrten die Behörden jedoch ihre Haltung um.[153][155] Vor dem Hintergrund der islamistischen Anschläge in den USA am 11. September 2001 Jahres verstärkte die chinesische Regierung nun ihre Rhetorik in Bezug auf Verbindungen internationaler Kräfte.[47] Sie behauptete erstmals, die Opposition in Xinjiang sei mit dem internationalen Terrorismus verbunden, und die Bewegung habe in einigen Fällen Verbindungen zu Osama bin Laden selbst.[153][155] China behauptete nun, Osama bin Laden und die Taliban in Afghanistan hätten „den Terrororganisationen in 'Ostturkestan' Ausrüstung und finanzielle Ressourcen zur Verfügung gestellt und ihr Personal ausgebildet“, und die Ostturkestanische Muslimische Bewegung (ETIM) sei ein „Hauptbestandteil des von Osama bin Laden angeführten Terrornetzwerks.“[163][164] Im Oktober 2001 erklärte sich China über das Außenministerium zum „Opfer des internationalen Terrorismus“, das hoffe, dass „die Bemühungen zur Bekämpfung der ostturkestanischen Terroristen Teil der internationalen Bemühungen werden und auch Unterstützung und Verständnis gewinnen sollten“.[165] Am 12. November 2001 gab China dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gegenüber an, dass gegen den Staat gerichtete uigurische Gruppen Verbindungen zu den Taliban in Afghanistan hätten und von radikalislamistischen Organisationen aus dem Ausland unterstützt würden. Die chinesische Regierung schloss sich im neuen „Globalen Krieg gegen den Terrorismus“ den USA an und initiierte eine rege diplomatische und Propaganda-Kampagne gegen „ostturkestanische Terroristen“. Dieses Label wandte China in der Folge wahllos auf alle Uiguren an, die im Verdacht standen, separatistisch tätig zu sein. Laut Human Rights Watch versuchten die chinesischen Behörden dabei nicht, zwischen friedlichen und Gewalt befürwortenden oder anwendenden politischen Aktivisten oder Separatisten zu unterscheiden.[153] Besonders nach den Anschlägen vom 11. September 2001 verschärfte China sein Vorgehen in Xinjiang, setzte Islamismus und Separatismus oder schlicht jegliche Gewalt und antistaatliches Verhalten grundsätzlich mit „Terrorismus“ gleich[95][166] und präsentierte den Kampf gegen den Separatismus muslimischer Uyguren als Teil des internationalen „Kampf gegen den Terror“.[95][167] Die chinesische Zentralregierung benutzte so den Terrorismus-Vorwurf seitdem dazu, den Wunsch nach uigurischer Selbstbestimmung pauschal zu diskreditieren.[48] 2002 gelang es China, die USA dazu zu bewegen, die uigurische Gruppierung ETIM auf die Liste der Terrororganisationen zu setzen.[47] Noch im selben Jahr wurde die ETIM auf Drängen Chinas und mit Unterstützung der USA auch auf die UN-Terrorliste gesetzt.[95] Während China die ETIM als hauptverantwortlich für die Gewalt darstellte, stellten westliche Experten in der Folge die Rolle der ETIM bei der Gewaltentfaltung und sogar ihre anhaltende Existenz selbst infrage.[95]

Zu langwierigen internationalen Diskussionen kam es über uigurische Häftlinge im US-Gefangenenlager Guantanamo,[168] die 2006 von Terrorismusvorwürfen freigesprochen worden waren.[169] Die 22 Uiguren waren ursprünglich aus China geflohen, später vom pakistanischen Militär an die USA ausgeliefert und von den USA seit 2002 unberechtigt wegen Terrorismusverdachts verhaftet und jahrelang inhaftiert worden. Ein US-amerikanisches Militärgericht hatte schließlich die fehlende Berechtigung ihrer Verhaftung und Internierung bestätigt.[170] Die USA zeigten sich an einer Überführung dieser Uiguren in Drittländer interessiert, da dies zur Umsetzung des damaligen Vorhabens von US-Präsident Barack Obama beitragen sollte, das Gefangenenlager Guantanamo bis Anfang 2010 zu schließen und so „Amerika sicherer“ zu machen. China betrachtete die Uiguren aus Guantanamo dagegen weiterhin als Mitglieder einer islamistischen Gruppe und forderte ihre Auslieferung.[169] Als die letzten 17 dieser 22 Uiguren freigelassen wurden, denen nach Befürchtung von Menschenrechtsorganisationen bei einer Auslieferung an China Folter und Haft drohten, fand sich jedoch weltweit zunächst kein Staat dazu bereit sie aufzunehmen.[170] 2006 gewährte dann Albanien fünf der 22 Uiguren Asyl,[168][169] worauf China mit Protesten reagierte.[169] Medienangaben zufolge gewährte Albanien seitdem offenbar aus Sorge vor chinesischem Druck keinen weiteren Uiguren aus dem Guantanamo-Lager mehr Asyl. Nachdem auch Deutschland mehrfach vergeblich von den USA um Aufnahme uigurischer Häftlinge gebeten worden war, erklärte sich im Juni 2009 schließlich der Inselstaat Palau als einer der wenigen Staaten, die die Volksrepublik China nicht anerkennen und stattdessen diplomatische Beziehungen mit der sogenannten Republik China (Taiwan) unterhalten, zur Aufnahme der verbliebenen 17 Uiguren bereit.[168] Gegenüber Medien bezeichnete Palaus Präsident Johnson die um nationale Selbstbestimmung ringenden Uiguren allerdings als „ethnische Chinesen“.[171] Vier der 17 Uiguren wurden am 11. Juni 2009 zunächst an die britische Kronkolonie Bermuda überstellt.[169]

Bereits ab 1996 waren regelmäßige Kampagnen „des harten Schlags“ durch den chinesischen Staat durchgeführt worden, um Kriminalität und Bedrohungen der öffentlichen Ordnung mittels Mobilisierung der Polizei zu bekämpfen. Ab den 2000er Jahren aber wurden die seit 1996 bestehenden, regelmäßigen Kampagnen „des harten Schlags“ zunehmend zur Bekämpfung von „Separatismus, Extremismus und Terrorismus“ eingesetzt. In Xinjiang blieb konstant eine starke Polizeipräsenz aufrechterhalten. So patrouillierten etwa im Jahr 2007 Han-chinesische Polizisten in auffälliger Weise täglich in Sechsergruppen und mit Schlagstöcken bewaffnet durch die uigurischen Stadtteile von Ürümqi.[54] Die chinesische Führung führte die in Vorbereitung auf die Olympische Sommerspiele 2008 eine neue einjährige Sicherheitskampagne gegen die „drei bösen Mächte“ („Terrorismus, religiöser Extremismus und Separatismus“) durch, die noch drastischere Einschränkungen der religiösen, kulturellen und politischen Rechte der Uiguren mit sich brachte.[172] Die Härte der verschiedenen Kampagnen „des harten Schlags“ der zentralchinesischen Regierung in Xinjiang unterdrückte zwar kurzfristig die Gewalt, schürte aber langfristig ein Gefühl der Ungerechtigkeit und des Misstrauens unter den Uiguren.[54] Unmittelbar vor Beginn der Olympischen Sommerspiele 2008 kam es zu einem Bombenanschlag auf eine Polizeistation in der Kashgar, bei dem 16 Sicherheitsbeamte getötet wurden. Dieses Ereignis leitete nach der verhältnismäßig ruhigen Zeit zwischen 2000 und 2007 eine erneute und erst im Jahr 2017 endende Eskalation des Konflikts ein.[48][173]

Unruhen in Ürümqi 2009 und weitere Entwicklung

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Bewaffnete Uiguren greifen Han-Chinesen am 5. Juli an
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Bewaffnete Han-Chinesen formen am 7. Juli Banden


Im Juli 2009 kam es vom 5. bis 7. Juli zu Protesten in Ürümqi. Sie gipfelten in den schwersten Ausbruch ethnischer Gewalt seit Jahrzehnten in China und führten zu einem Ausufern behördlicher Maßnahmen, die sich gegen die Religion richteten.[174][172] Auslöser für die Proteste war zwar eine Auseinandersetzung zwischen Han-Chinesen und Uiguren in einer Fabrik in der Stadt Shaoguan in der südchinesischen Provinz Guangdong, bei der mindestens zwei uigurische Wanderarbeiter getötet wurden.[172][175][155][47][48] Die tieferen Ursachen lagen jedoch nach einhelliger Einschätzung von Beobachtern in der langjährigen massiv diskriminierenden Politik der chinesische Regierung in der Region und in den völlig überzogenen Einschränkungen der religiösen, politischen, erzieherischen, sprachlichen und wirtschaftlichen Rechte der Uiguren.[172][155] Am 5. Juli forderten hunderte Uiguren auf einer offenbar zunächst friedlichen Demonstration in Ürümqi die Untersuchung des Vorfalls.[172] Die Lage eskalierte, als die Bereitschaftspolizei die Proteste auflösen wollte[176] und die uigurische Menge schließlich wahllos Han-chinesische Einwohner – einschließlich Frauen, Kindern und älteren Menschen – in der Stadt angriff, verletzte oder tötete.[172] Laut den offiziellen chinesischen Angaben von August 2009 wurden 197 Menschen getötet.[172][19] Bei 156 Getöteten habe es sich um „Zivilisten“ gehandelt, darunter 134 Han-Chinesen, 11 Hui-Chinesen, 10 Uiguren und ein Mandschu.[172] 12 weitere seien angeblich von Sicherheitskräften beim Begehen von Gewaltakten oder krimineller Aktivitäten erschossen worden.[172] Vertreter der uigurischen Exilorganisation WUC zweifelten die offiziellen Zahlen an und gingen von weit höheren Opferzahlen unter Uiguren aus.[47] Rebiya Kadeer sprach von etwa 400 Toten.[177] Über 1600 Menschen wurden nach offiziellen Angaben verletzt.[172][178][19][47] 1434 Personen wurden laut chinesischen Regierungsmedien verhaftet.[179] Im Anschluss an die Verhaftungswelle demonstrierten am 7. Juli 2009 etwa 200 Uiguren für die Freilassung ihrer Angehörigen.[180] Uigurische Exilorganisationen sowie Rebiya Kadeer verurteilten die blutige Niederschlagung der Proteste und forderten die internationale Gemeinschaft auf zu handeln.[181] ZDF-Reporter berichteten von aufgebrachten Han-Chinesen, die ihrerseits Uiguren in Ürümqi attackierten, während die Sicherheitskräfte versuchten, die sich bekämpfenden Ethnien zu trennen.[182] Das Internet in der Region Xiojiang wurde nach den Konflikten und Protesten in der Region im Jahr 2009 für die Dauer von fast einem Jahr offiziell gesperrt.[183]

Mitte Oktober 2009, drei Monate nach den Unruhen, verurteilte die chinesische Justiz die ersten an den Unruhen beteiligten Uiguren zum Tode, ein weiterer wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Das Gericht in Ürümqi sah es als erwiesen an, dass sich die Angeklagten des Mordes bzw. der Brandstiftung und des Raubes schuldig gemacht hätten.[184][185] Im November wurden die Todesurteile gegen acht verurteilte Uiguren und einen Han-Chinesen vollstreckt, im Dezember 2009 wurden vier an den Unruhen beteiligte Uiguren und ein Han-Chinese zum Tod verurteilt.[186][187]

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Xi Jinping, seit 2012 KPCh-Chef, seit 2013 Chinas Staatspräsident
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One Belt, One Road-Initiative mit China (rot), den AIIB-Mitgliedern (orange), den sechs Landkorridoren (schwarz) und der Maritime Silk Road (blau)


Nach den Unruhen in Ürümqi im Juli 2009 nahmen gewalttätige Vorfälle zu.[19] Seit 2009 kam es zu einer langanhaltenden Serie von Angriffen mit Messern, Kraftfahrzeugen und teilweise auch wieder selbstgebastelte Bomben, die sich nicht mehr speziell gegen Sicherheitskräfte oder Regierungsvertreter, sondern gegen Menschenmengen richteten.[47] Insbesondere der Aufstand im tibetanischen Lhasa 2008 und die Unruhen in Ürümqi im Jahr 2009 führten in China zu Sorge vor einem ethnisch-begründetem Staatszerfall wie in der Sowjetunion. Dies ermutigte zu integrationistischen oder assimlationistischen Tendenzen in der Minderheitspolitik, die aber nicht zu einem Nachlassen der ethnischen Spannungen führten, sondern das Gefühl von kultureller Unsicherheit bei den Uiguren noch erhöhte. Seit Anlaufen der ehrgeizigen One Belt, One Road-Initiative („Neue-Seidenstraßen“-Initiative) Xi Jinpings Ende 2013 erlangte die Aufrechterhaltung der Stabilität (维稳) in der unbeständigen Xinjiang-Region eine noch größere Priorität. Xinjiang wurde zu einer „Kernregion“ (核心区) der Neuen Seidenstraße, gerade zu einer Zeit, als tödliche Widerstandsaktivitäten in Xinjiang einen Höhepunkt erreichten.[167] Die Uigurenfrage in Xinjiang als sehr rohstoffreicher Region und als ein wichtiger Teil der sogenannten Seidenstraßeninitiative war damit aus Sicht der chineschen Führung auch primär ein geostrategischer Konflikt. Dementsprechend sollte die Region unter Kontrolle gebracht werden.[96]

Ende Juni 2013 kam es zu mehreren Auseinandersetzungen mit 35 Toten.[188] Die chinesische Regierung schrieb aus Syrien zurückgekehrten Uiguren die Verantwortung zu.[188] Uiguren hatten sich im Syrischen Bürgerkrieg mit der Islamische Turkestan-Partei als Kämpfer verdingt. Etwa 3000 Kämpfer der Turkestan-Partei, die Masse davon Uiguren, sollen sich nach Schätzungen 2013 in der nördlichen Provinz Idlib und in Nachbarprovinzen Syriens aufgehalten haben.[189]

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Lageplan des Vorfalls mit Tian’anmen-Platz und Verbotener Stadt[190]
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Rekonstruktion des Vorfalls[190]


Beim Vorfall starben fünf Menschen an dem symbolisch bedeutsamen Platz[190]

Besonderes Aufsehen erregten im Jahr 2013 zwei Angriffe außerhalb Xinjiangs, von denen einer im südchinesischen Kunming und der andere im Zentrum Beijings stattfand:[47] Am 28. Oktober 2013 fuhr eine uigurische Familie – bestehend aus einem Ehepaar und der Mutter des Mannes – mit einem Geländewagen auf dem symbolträchtigen Platz des Himmlischen Friedens (Tian’anmen-Platz) in Peking in eine Menschenansammlung (Anschlag am Tian’anmen-Platz), wobei sich das Fahrzeug vor der Verbotenen Stadt entzündete.[47][191][192][111] Bei diesem Vorfall kamen die drei uigurischen Insassen des Fahrzeugs sowie zwei Touristen ums Leben und 38 weitere Besucher und Sicherheitsangestellte wurden verletzt.[47][191][192][111] Der Mangel an zuverlässigen Informationen über den Vorfall, der durch staatliche Zensur noch verstärkt wurde, führte zu verschiedenen Spekulationen in chinesischen sozialen Medien. In den nachfolgenden Tagen stellte China den Vorfall als den ersten großen Selbstmordanschlag der Nation dar, der von separatistischen „Militanten“ aus Xinjiang verübt worden sei.[111] Einen Monat nach dem Vorfall bekannte sich die islamistische Gruppe Islamische Turkestan-Partei (TIP) als erste Gruppierung zu dem Vorfall.[47][192]

In Kunming kam es zu Messer-Angriffen einer achtköpfigen uigurischen Gruppe aus Xinjiang am 1. März 2014 auf Passanten in der mit Menschen angefüllten Bahnhofshalle mit rund 30 Todesopfern und 130 oder 140 Verletzten.[47][48][111] Die beiden Ereignisse am Tian’anmen-Platz und in Kunming wurden als erste Gewaltakte, die Uiguren im inneren China zugeschrieben wurden, in hohem Maße publik gemacht.[111] Der Umstand, dass sich diese Angriffe in Peking und Kunming weit von Xinjiang entfernt zutrugen, schockierte die chinesische Öffentlichkeit und Politik.[47] Nach der Explosion im Oktober 2013 kündigten Staatsmedien ein „härteres Vorgehen“ in Xinjiang an. Mitte November 2013 wurde die Einrichtung eines Nationalen Sicherheitsrates beschlossen, der der chinesischen Regierung ein konzertiertes Vorgehen gegen bis dahin lediglich unklar definierte innere und äußere Bedrohungen gestattete.[48]

Sicherheitsmaßnahmen nach dem Anschlag in Ürümqi im Mai 2014
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Sicherheitskräfte blockieren den Zugang zum Markt, auf dem am 22. Mai Explosionen stattfanden (Ürümqi, 25. Mai 2014)[193][194]
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Betonbarrikade in Ürümqi in der Henan East Road in Ürümqi/New Downtown (23. Juni 2014)


Während die beiden außerhalb von China große Bekanntheit erlangten, eskalierte 2014 in Xinjiang die Gewalt.[111] Dort kam es zu den Angriffen mit den meisten Opfern dieser Zeit:[47] Am 22. Mai 2014 wurden bei einem Angriff mit selbstgebastelte Granaten auf eine Menschenmenge eines belebten Marktes in Ürümqi 43[47] oder 31[111] Marktbesucher getötet und über 90 Menschen verletzt.[47][111] In Aksu wurden am 18. September 2015 bei einem Angriff auf eine Kohlemine nach offiziellen Angaben 16 Menschen getötet, darunter 5 Polizisten,[195] während das von der US-Regierung finanzierte Radio Free Asia berichtete, es seien beim Angriff rund 50 im Schlaf überraschte Han-chinesische Arbeiter getötet worden.[195][47][196][48] In der Folge nahmen in öffentlichen Debatten islamophobe Äußerungen erheblich zu.[48]

China beschuldigte im Mai 2014 uigurische Separatisten, hinter Attacken mit Messern und Bomben im Jahre 2014 zu stehen, die in der Region Xinjiang am 30. April (am Bahnhof Ürümqi) und am 22. Mai (Marktplatz in Ürümqi) zu Todesopfern und Verletzten geführt hatten. In den Wochen zuvor waren in einer „Anti-Terror-Kampagne“ etwa 200 Menschen in Xinjiang festgenommen und 39 verurteilt worden.[197] Zwei Monate nach dem Anschlag vom 18. September 2015 berichteten chinesische Medien, die Verantwortlichen seien nach einer großangelegten und monatelangen Verfolgungsjagd gestellt und 28 von ihnen beim Widerstand gegen ihre Festnahme getötet worden.[47][195]

Nach dem Anschlag am Tian’anmen-Platz (28. Oktober 2013), dem Massaker im Bahnhof Kunming (1. März 2014) und dem Anschlag in Ürümqi im April 2014 rief Staatspräsident Xi Jinping 2014 dazu auf, die Terroristen mit äußerster Anstrengung dingfest zu machen.[167] Die Führer der KPCh trieben ihre Kampagne des „harten Schlages“ (yanda) gegen die „drei Übel“ (Separatismus, Extremismus und Terrorismus) voran und starteten den Krieg des Volkes gegen den Terror, der sich 2014 zunehmend auf die Ausmerzung des konservativen Islam ausrichten sollte.[111] Laut der indirekt von der US-Regierung mitfinanzierten Nichtregierungsorganisation Uyghur Human Rights Projects soll die Zahl der verhängten Todesurteile von rund 51 im Jahr 2013 auf rund 560 im Jahr 2014 gestiegen sein. Nach Lesart der chinesischen Regierung handelte es sich bei den Verantwortlichen stets um radikalisierte Islamisten, Terroristen bzw. Separatisten, doch unterließ die Regierung dabei in der Regel eine klare Unterscheidung dieser drei Gruppen oder Motivlagen, während sie aus externer Perspektive praktisch unmöglich blieb, so dass nicht feststellbar war, ob Islamismus eine treibende Kraft für uigurischen Widerstand darstellte.[47]

Ende August 2016 wurde Chen Quanguo von Xi als neuer KPCh-Sekretär von Xinjiang in die Region berufen.[167][157][157][118] Chen hatte zuvor in seiner Position als Parteisekretär Tibets ein neues Modell von Intensivüberwachung und „Netzüberwachung“ (网格化管理) mit „Convenience-Polizeistationen“ (便民警务站) entwickelt[118] und die unruhige Autonome Region Tibet durch Kombination intensiver Versicherheitlichung und allgegenwärtiger sozialer Kontrollmechanismen pazifiziert.[157][118] Unter der Führung Chens nahm die Regierung der Region Xinjiang eine massive Menschen- und Technik-bezogene Versicherheitlichungs-Kampagne in Angriff, die die Region später zu einer der weltweit am stärksten befestigten und kontrollierten Regionen machte. Die Versicherheitlichungs-Kampagne der Region konnte die Anzahl der offiziell gemeldeten gewalttätigen Vorfälle im Jahr 2017 fast auf Null senken.[167]

Verfolgung und Umerziehung der uigurischen Minderheit seit 2014[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Teil der 2017 bekanntgewordenen Liste behördlich verbotener Namen in Xinjiang. China verbietet damit Eltern der ethnisch-uigurischen Minderheit, ihren neugeborenen Kindern Namen wie zum Beispiel Mohammed zu geben oder Namen, die nach Ansicht der chinesischen Behörden „extrem religiöse“ Bedeutung haben.[198]
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Das 2010 erschienene Onomastikon des uigurischen Wissenschaftlers Mutällip Sidiq Qahiri[199] wurde in China verboten und steht seit 2017 auf der Liste gefährlicher Bücher.[200] Sein einem „Namenslexikon“ ähnelnder, nach Begriffsfeldern geordneter Teil[201] listet uigurische Personennamen auf und erklärt ihre Herkunft, Bedeutung und Aussprache.[200][A 13]


Berichte der chinesischen Regierung und Staatsmedien zeigen, dass China Ende 2013 mit Umerziehungsbemühungen begann, insbesondere an der uigurischen Bevölkerung. Diese Umerziehung wurde fortschreitend stärker institutionalisiert.[167] Aus rückschauender Perspektive kann der Beginn des Projektes zur Masseninternierung im Jahr 2014 gesehen werden, als die Regionalregierung von Xinjiang verlangte, dass uigurische Migranten von Ürümqi in ihre Heimatorte zurückkehren, um einen neuen Personalausweis zu erhalten.[111] Seit 2014 führte China in Xinjiang die von HRW als außerordentlich repressiv beschriebene „Kampagne des harten Schlags gegen den gewalttätigen Terrorismus“ (严厉打击暴力恐怖活动专项行动) gegen die muslimische Turkvolk-Bevölkerung durch,[202][203][204] die 2015 operativ wirksam wurde.[204] Diese Kampagne wurde in den folgenden Jahren unvermindert fortgesetzt.[202] Im Dezember 2015 wurde in China ein Anti-Terrorgesetz verabschiedet, das der chinesischen Politik eine deutlich verschärfte Rechtsgrundlage verleiht. Das Gesetz enthält eine sehr breit ausgelegte Definition von Terrorismus, die den Behörden viel Spielraum für willkürliche und pauschale Repressionen gegenüber Uiguren gibt.[48]

Nachdem im August 2016 in Xinjiang Chen Quanguo sein Amt als neuer Parteisekretär angetreten hatte, setzte eine Welle der Repression ein,[115][48] und der chinesische Staat baute die Überwachung in der Region systematisch aus.[48] Chen wandte die in Tibet entwickelten Überwachungsmethoden auf Xinjiang und seine muslimische Bevölkerung an.[118][48] Er baute das Netz lokaler Polizeistationen - ähnlich wie zuvor in Tibet - aus[48] und schuf - wie zuvor in Tibet - schätzungsweise 7.500 sogenannte Convenience-Polizeistationen (便民警务站), bei denen es sich um gesicherte Posten an Straßenecken für gemeindenahe Polizeiarbeit handelte.[205] Im Zusammenhang mit diesen neuen Polizeistationen wurden in Xinjiang allein im ersten Jahr nach Chens Amtsantritt, zwischen August 2016 und Juli 2017, rund 91.000 Stellen im Polizei- und Sicherheitsapparat ausgeschrieben.[205][48] Dabei handelte es sich zu 95 % um Stellen als Hilfspolizisten (协警 oder 辅警).[205] Der Einsatz dieser Hilfspolizisten, die verhältnismäßig gering ausgebildet und entlohnt wurden und deren Verträge außerhalb des formellen Systems des öffentlichen Dienstes standen, ermöglichte die effizientere Nutzung der besser ausgestatteten, aber nur begrenzt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte der regulären Polizei (人民警察) und der Spezialeinheiten der Polizei (特警).[205][206] Die rapide Entwicklung der Xinjian-Region als „Sicherheitsstaat“ konnte von Wissenschaftlern wie Adrian Zenz und anderen anhand von Satellitenaufnahmen und offiziellen chinesischen Websites nachverfolgt werden.[118] Auf diese Weise konnte auch die Existenz der offiziell von China geheimgehaltenen Umerziehungslager nachgewiesen werden.[207] Die chinesische Regierung ging nun laut HRW seit Ende 2016 gegen die 13 Millionen ethnischen Uiguren und andere zu den Turkvölkern gehörenden Muslime in Xinjiang mit willkürlicher Masseninhaftierung vor, zwang ihnen politische Indoktrination auf, schränkte ihre Mobilität ein und unterdrückte sie in ihrer Religionsausübung.[208] Seit Anfang 2017 griff die lokale Regierung massiv in die Lebensgestaltung der Uiguren ein.[48] Die Behörden verboten zunächst das Tragen „abnormaler“ Bärte und religiöse Heiratszeremonien. In einem zweiten Schritt wurden muslimische religiöse Namen bei Neugeborenen untersagt, später wurden auch Jugendliche dazu verpflichtet „übermäßig“ religiöse Namen abzulegen und stattdessen neue anzunehmen. Im Sommer 2017 folgten behördliche Bestimmungen, die Uigurisch als Unterrichtssprache verboten.[48]

Auswahl von Internierungslagern in Xinjiang (Stand: November 2019)[209]
Legende: Solid blue.svg: Stadt - Red ff0000 pog.svg: Lager - Black triangle2.svg: Gebirge
Die Deutsche Welle hat mit Stand vom 17. Februar 2020 eine Karte mit den geographischen Positionen von über 40 verifizierten Internierungslagern in Xinjiang publiziert (DW Investigativ Projekt Uiguren: Umerziehungslager in China).[120][210]

Im Frühjahr 2017, nachdem die erste „De-Extremifizierungs“-Verordnung erlassen worden war, begann die Autonome Region Xinjiang unter ihrem neuen Parteichef Chen eine beispiellose Internierungskampagne.[211][167][212] Erst zu diesem Zeitpunkt und unter der Schirmherrschaft Chens erreichten die Internierungen ein nie zuvor dagewesenes Ausmaß.[167]

In der Folge wurden bis zu 1,5 Millionen vorwiegend Turkvolk-Minderheiten (vor allem Uiguren und Kasachen) in verschiedene Arten von politischen Umerziehungs-, Haft- und Ausbildungslagern verbracht.[212] Die Festsetzung von schätzungsweise mehr als einer Million turkstämmigen Muslime (überwiegend Uiguren) in Internierungslagern erfolgte ohne Gerichtsverfahren.[115] Trotz zunehmender Medienberichterstattung seit Ende 2017 bestritt die chinesische Regierung zunächst die Existenz der Lager in Xinjiang.[115][167][213] So leugnete China die Existenz jeglicher Umerziehungslager noch im August 2018, als die Internierung großer Teile von Chinas muslimischer Bevölkerung erstmals auf internationaler Ebene auf dem UN-Ausschuss für die Beseitigung der Rassendiskriminierung in Genf diskutiert wurde[213][214][19] und die UN China aufforderten, die Inhaftierung zu beenden.[19] Stattdessen beschuldigte das chinesische Außenministerium „antichinesische Kräfte“ der „grundlosen Verleumdung“.[213] Später bezeichnete die chinesische Regierung die Lager dann als „Umerziehungslager für Extremisten“ und schließlich als „berufliche Ausbildungszentren“.[115][214][215] Im Oktober 2018 erlaubte die Provinzregierung Xinjiangs den Volksregierungen auf Kreis- oder höherer Ebene durch gesetzliche Legalisierung, „Berufsbildungszentren und andere Bildungs- und Transformationsinstitutionen einzurichten, um von Extremismus beeinflusste Personen auszubilden oder umzubilden“ und bestätigte somit die Existenz der Lager.[214] Als Kennzeichen religiösen Extremismus wurde beispielsweise das Tragen eines langen Barts, Halāl-Ernährung oder Besitz eines Gebetsteppichs oder eines Korans gewertet.[214][207] Zur Kontrolle der Uiguren wurde in Xinjiang ein System von Zwangspaten eingeführt, bei dem meist Staatsbeamte in die Familien hineingehen.[216] Zur Unterstützung des Militärs und der Polizei bei ihrer Kampagne kam es zur Mobilisierung von über einer Million (Stand: 2017) chinesischer Zivilisten (meist Angehörige der Han-Ethnie), die sich in die Häuser der Uiguren und anderer muslimischer Minderheiten in der Region begaben und Programme zur Indoktrination und Überwachung durchführten. Sie präsentierten sich als eine Art „Paten“ (in der Landessprache eigentlich: „größere Brüder und Schwestern“) der Hausbewohner und konnten als solche die Entscheidung treffen, sie in die Lager zu schicken.[215][217]

Ebenfalls ab dem Jahr 2017 begannen internationale Medienberichte die außergerichtlichen Masseninternierungen von Uiguren und ethnischen Kasachen in den Lagern Xinjiangs offenzulegen, wo diese dem Programm „Transformation durch Bildung“ (教育转化) – ein Euphemismus für politische Umerziehung – unterworfen wurden, das vorgeblich auf „De-Extremifizierung“ (去极端化) abzielte, tatsächlich aber versuchte, sie vom islamischen Glauben umzuerziehen hin zur Liebe für die Partei und Staatspräsident Xi Jinping.[218][219][220][111]

Seit der zweiten Hälfte des Jahres 2018 wurde eine Anzahl Inhaftierter in verschiedene Formen der Zwangsarbeit entlassen.[221]

Im September 2018 ging Human Rights Watch (HRW) mit dem bis dahin umfangreichsten Bericht zur Situation in Xinjiang an die Öffentlichkeit, der auf Interviews mit Geflüchteten beruhte.[174][116] In Xinjiang war die Religionsausübung massiv eingeschränkt worden, viele Moscheen wurden abgerissen, islamisch-religiöse Texte, islamischer Religionsunterricht und als religiös wahrgenommene Symbole wie das Tragen langer Bärte wurde verboten.[115][116][117] Dabei schienen die Beschränkungen religiöser Aktivitäten von Lokalregierungen in Xinjiang stärker auf die Allgemeinbevölkerung abzuzielen als in Tibet, wo vor allem Mönche und Nonnen betroffen waren.[47] Mit Maßnahmen wie dem Abriss von Moscheen oder der Entfernung der Halāl-Kennzeichnungen an Restaurants zerstörte der Staat das physische islamische Erbe Xinjiangs.[118] 2018 berichteten Medien, dass sich in dem Netz von Umerziehungslagern westlichen Schätzungen zufolge zwischen 120.000 und 3 Millionen Uiguren zwangsweise aufhalten sollen.[222][223] Nach Schätzungen aus dem Jahr 2019 wurden bis zu eine Million Menschen in diesen Lagern für „politische Bildung“ festgehalten.[208] Verschiedene Websites von Regierung oder Bildungseinrichtungen in Xinjiang gaben unmissverständlich an, dass es sich bei den „Vocational Education and Training Centers“ um spezielle Einrichtungen zur Gehirnwäsche handele, die dazu dienen sollten, die „Gehirne von Menschen zu reinigen, die von extremen religiösen Ideologien der ‘drei Mächte’ verhext sind.“[224]

Am 1. Mai 2019 veröffentlichte HRW Untersuchungen, nach denen in Xinjiang ein Überwachungsstaat existiere.[203] Die chinesische Zentralregierung unterwerfe die 13 Millionen in der Region lebenden Muslime im Zuge der „Kampagne des harten Schlags gegen den gewalttätigen Terrorismus“ verschärften Repressionen und mache Xinjiang zu einem der wichtigsten Zentren Chinas für den Einsatz innovativer Technologien zur sozialen Kontrolle.[203][225] Die chinesischen Behörden benutzen demnach eine Mobiltelefon-App für illegale Massenüberwachung und willkürliche Verhaftung von Muslimen, mit der sich Beamte in die Integrierte Plattform für gemeinsame Operationen (Integrated Joint Operations Platform, IJOP) einloggen. Diese Anwendungssoftware der Polizei in Xinjiang sammele illegal Personendaten „über das eindeutig gesetzeskonforme Verhalten von Menschen“, um sie gegen sie zu verwenden und Menschen zu markieren, die als potenziell gefährlich eingestuft würden. Die chinesische Regierung überwacht laut HRW somit „jedes Detail der Leben von Menschen in Xinjiang, wählt diejenigen aus, denen sie misstraut, und beobachtet sie noch schärfer.“[203][226][208]

Xinjiang Papers

Mitte November 2019 veröffentlichte die New York Times über 400 geleakte Seiten interner Dokumente (sogenannte „Xinjiang Papers“) der chinesischen Regierung, die vorwiegend higher-level-Information wie Reden beinhalteten und den Vorwurf der systematischen Unterdrückung der Uiguren erhärteten.[227][228][229]

China Cables

Zudem spielte ein Whistleblower dem Internationalen Netzwerk investigativer Journalisten (ICIJ) Dokumente aus den Jahren 2017 und 2018 zu (sogenannte „China Cables“),[230] deren wichtigstes Dokument eine Verordnung für den Betrieb der Umerziehungslager in Xinjiang (offiziell: „Vocational Education and Training Centers“) war.[229] Die „China Cables“ enthüllten die systematische Verfolgung der Uiguren und Anleitungen zur massenhaften Internierung der muslimischen Minderheit in der Region. Sie widerlegten zugleich die Darstellung der chinesischen Regierung, die die bewachten Umerziehungslager als „Weiterbildungseinrichtungen“ beschrieben hatte, in denen der Aufenthalt freiwillig sei.[230][229] Die teilweise streng geheimen Dokumente lieferten den Nachweis, dass die chinesische Regierung die Öffentlichkeit über das Wesen der Umerziehungslager zu täuschen versucht hatte. Sie enthüllten unter anderem eine Rede des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping, in der dieser die mehrheitlich muslimischen Minderheiten als von einem gefährlichen „gedanklichen Virus“ befallen darstellte, welches lediglich durch eine „Phase der schmerzhaften, interventiven Behandlung“ ausgemerzt werden könne.[231][227] Westliche Medien sprachen mit Berufung auf den Ethnologen Adrian Zenz inzwischen von „kulturellem Genozid“ an der ethno-religiösen Minderheit der Uiguren in China.[232][233][116][230][207] Im November 2019 charakterisierte Zenz das Geschehen in Xinjiang als „die vermutlich größte Internierung einer ethno-religiösen Minderheit seit dem Holocaust“.[234][235][236] Im Januar 2020 warf HRW der chinesischen Regierung in ihrem Jahresbericht vor, „einen weitreichenden Überwachungsstaat“ mit „dem Ziel der totalen sozialen Kontrolle“ geschaffen zu haben und sich mit Chinas wachsendem ökonomischen und diplomatischen Einfluss gegen das globale System zur Verteidigung der Menschenrechte zu wehren, das die chinesische Regierung für ihre Repressionen zur Verantwortung ziehen könnte.[237][238][239] Die Kommunistische Partei Chinas habe einen „orwellschen High-Tech-Überwachungsstaat“ und ein „ausgeklügeltes Internet-Zensursystem“ aufgebaut, um öffentliche Kritik zu überwachen und zu unterdrücken.[238][239]

Karakax-Liste
Karakax-Liste
Location of Karakash within Xinjiang (China).png
Alle Häftlinge der Liste und die meisten ihrer ausgespähten Verwandten, Nachbarn und Freunde stammen aus dem Bezirk Karakax (Karakaş), einer kleinen Gemeinde in Hotan.[120]
A Internal Governmental Document of Xinjiang Re-education Camps.png
Das 137-seitige PDF-Dokument (hier die erste Seite, teilweise geschwärzt)[229][240] enthält persönliche Daten (wie Name, Ausweis-Nummer und soziales Verhalten) von rund 2000 Personen, darunter über 300 Häftlingen.[120]


Wenige Tage nach der Publikation der „China Cables“ wurde die sogenannte „Karakax-List“ geleakt.[229] Eine Gruppe von Forschern unter Leitung von Adrian Zenz, der auch schon bei den „China Cables“ eine wichtige Rolle gespielt hatte und zu diesem Zeitpunkt Senior Fellow für China-Studien bei dem in Washington ansässigen konservativen Thinktank Victims of Communism Memorial Foundation war,[120][241] schätzte dieses dritte große Leak sensibler chinesischer Regierungsdokumente als authentisch ein.[241] Laut Zenz ergänzte die „Karakax-List“ die beiden vorigen Leaks („Xinjiang Papers“ und „China Cables“) sehr gut und lieferte die bei weitem detaillierteste Darstellung der inneren Dynamik der Entscheidungsfindung zur „beispiellosen Kampagne der Masseninternierung“ in Xinjiang. Nach Angabe von Zenz enthüllte sie die „Hexenjagd-ähnliche Denkweise“, die im gesellschaftlichen Leben in der Region vorherrsche.[229] Die Dokumente legten die willkürlichen Gründe für die Inhaftierung von Uiguren in Umerziehungslagern offen. Den Listen zufolge konnte schon das Tragen eines Kopftuchs oder Bartes, die Beantragung eines Passes, eine Pilgerfahrt oder Verwandte im Ausland für eine Inhaftierung ausreichen.[242] Laut Zenz zeigten die Aufzeichnungen, dass die chinesische Regierung uigurische Bürger wegen Handlungen festnahm, die in vielen Fällen nicht „im Entferntesten einem Verbrechen ähnelten“.[241] Die Deutsche Welle hat gemeinsam mit ihren deutschen Partnersendern NDR und WDR sowie der Süddeutschen Zeitung die Karakax-Liste geprüft, übersetzt und analysiert. Laut DW beweist die Karakax-Liste, dass der chinesische Staat die Uiguren allein wegen ihrer Religion und Kultur systematisch verfolgt und die Bekämpfung von Extremismus als Begründung lediglich vorschiebt.[120] Nachdem westliche Medienberichte mithilfe der „Karakax-List“ enthüllten, mit welcher Willkür die chinesische Regierung die muslimischen Uiguren in Xinjiang verfolgte, forderten Menschenrechtler und Politiker eine härtere Gangart Deutschlands und Europas gegenüber China.[243] Die staatliche chinesische Zeitung Global Times stellte dagegen die Authentizität der „Karakax-List“ und die Glaubwürdigkeit des von westlichen Medien herangezogenen Ethnologen Zenz infrage, nannte diesen „anti-chinesisch“ und führte an, europäische und US-Geheimdienste könnten in die Leaks zur Uiguren-Verfolgung in China und in das „Aufbauschen“ des Themas verwickelt sein.[243][244]

Laut Zenz zeigte die „Karakax-List“, dass die chinesischen Behörden als häufigsten Grund für die Inhaftierung der mehreren Hundert in der Liste aufgeführten Lagerhäftlinge angaben, dass diese zu viele Kinder gehabt hätten, häufig lediglich ein Kind mehr als vom Staat erlaubt. Oft stellten solche Verstöße gegen die Geburtenkontrolle den einzigen Grund für die Internierung in den Lagern dar. Gleichzeitig hatte der chinesische Staat im Januar 2016 seine „Ein-Kind-Politik“ abgeschafft, strebte eine Erhöhung des Bevölkerungswachstums an und ermutigte dazu die chinesische Bevölkerung, in einigen Provinzen auch mit finanzieller Förderung, zwei Kinder zu haben.[245]

Systematische Verhütungseingriffe sowie Schwangerschaftsabbrüche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Abfall der Geburtenrate in uigurischen Gebieten
Quelle: Xinjiang Statistical Yearbooks[246]
Zunahme der Sterilisationen Chinas in Xinjiang
Quelle: Chinese Health and Hygiene Statistical Yearbooks & Berechnungen von Adrian Zenz[246]

Ende Juni 2020 erschien ein von der US-amerikanischen Jamestown Foundation herausgegebener Bericht des deutschen Ethnologen Adrian Zenz – Stipendiat der Victims of Communism Memorial Foundation und Berater der antikommunistischen Inter-Parliamentary Alliance on China – über die Geburtenentwicklung und Geburtenkontrolle in Xinjiang zwischen 2015 und 2018.[247] Nach Auswertung von chinesischen Statistiken und Regierungsdokumenten war die veröffentlichte natürliche Bevölkerungswachstumsrate, die sich aus den Geburten abzüglich der Todesfälle errechnet und Migrationen nicht einbezieht, in den beiden größten mehrheitlich uigurisch besiedelten Präfekturen Xinjiangs – Kashgar und Hotan – zwischen 2015 und 2018 um 84 Prozent (von 1,6 auf 0,26 Prozent) gesunken.[247][245] Für das Jahr 2019 wurde ein Abfall der Geburtenrate um weitere 24 Prozent ermittelt,[245][246] der in Gebieten ethnischer Minderheiten mit 30 bis 56 Prozent noch stärker ausfiel,[245] während die Geburtenrate chinaweit zwischen 2018 und 2019 lediglich um 4,2 Prozent gefallen war.[245][246]

Ebenfalls Ende Juni 2020 erschien ein Investigativbericht von Associated Press (AP), der Regierungsstatistiken, staatliche Dokumente und Interviews mit ehemaligen Häftlingen und anderen Personen im Zusammenhang mit Internierungslagern auswertete. Diesem zufolge war die Geburtenrate in den mehrheitlich uigurischen Gebieten Hotan und Kashgar im Zeitraum von 2015 bis 2018 um mehr als 60 Prozent gesunken.[246] Den von AP ausgewerteten Erfahrungsberichten ehemaliger Insassinnen zufolge wurden Frauen in den Internierungslagern in Xinjiang zu Schwangerschaftstests verpflichtet und ihnen Spiralen zur Empfängnisverhütung eingesetzt. Andere Frauen seien dort zum Schwangerschaftsabbruch gezwungen worden. Außerdem seien anderweitige Körperverletzungen an Frauen begangen worden, bis ihre Menstruationen aussetzten. Ein Vater von sieben Kindern sei zu einer siebenjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden.[248][246]

Wurden den ausgewerteten Dokumente zufolge von allen im Jahr 2014 eingesetzten Spiralen (Verhütungseingriffe) in der Volksrepublik China etwa 2,5 Prozent in Xinjiang vorgenommen, stieg dieser Anteil im Jahr 2018 auf ca. 80 Prozent; etwa 1,8 Prozent der chinesischen Bevölkerung lebt in Xinjiang (Stand 2020).[247]

Außerdem wurden laut den Dokumenten und Statistiken 1,1 Prozent aller verheirateten Frauen im gebärfähigen Alter im Jahr 2018 in Xinjiang sterilisiert. Im Jahr 2019 war für 34,3 Prozent jener gebärfähigen, verheirateten Frauen, die in der Stadt Hotan lebten, und für 14,1 Prozent jener Frauengruppe, die in der Region Guma lebten, eine Sterilisation vorgesehen. Daraus ergab sich laut Auswertung, dass 7000–7500 Frauen pro hunderttausend Einwohner in Hotan und 3000 Frauen pro hunderttausend Einwohner in Guma für Sterilisationen im Jahr 2019 vorgesehen waren.[247]

Das chinesische Außenministerium wies dagegen Medienberichten zufolge auf Anfrage die Berichte am 29. Juni 2020 sämtlich als „erfunden“ und haltlos zurück.[249][246][248] Die chinesische Regierung behandle alle Ethnien gleich und schütze die gesetzlich verbürgten Rechte der Minderheiten.[246] Es verwies auf die prosperierende Ökonomie Xinjiangs.[249] Die Gesellschaft oder Lage in Xinjiang sei „harmonisch und stabil, […] und die Religionen leben harmonisch nebeneinander“.[249] Die Verurteilung der chinesischen Politik sei grundlos durch einige Medien erfolgt, die „Fake News“ über Xinjiang verbreitet hätten.[249][246] Es beschuldigte westliche Medien, „falsche Informationen aufzukochen“.[248] Zenz erhob dagegen die Forderung, eine Neubewertung der Situation in Xinjiang vorzunehmen.[249]

Der britische Außenminister Dominic Raab kritisierte wenige Wochen später China wegen seines Umgangs mit den Uiguren scharf, beschuldigte China „schwerwiegender, schockierender Menschenrechtsverletzungen“ und forderte, die Welt müsse „die Berichte über Zwangssterilisationen und Massenfestnahmen in der überwiegend muslimisch geprägten Region Xinjiang zur Kenntnis nehmen“.[250][251] Chinas Botschafter in Großbritannien wies daraufhin die Vorwürfe von massiver Zwangssterilisation als von einer „kleinen Gruppe antichinesischer Elemente“ verbreitete Berichte zurück und erklärte, die Uiguren in China führten ein „friedliches und harmonisches Zusammenleben mit anderen ethnischen Gruppen“.[251]

Diskurs über Genozidcharakter der chinesischen Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zenz bezeichnete – wie auch einige andere Experten und Menschenrechtler[246][252][248] – das Vorgehen der chinesischen Regierung auf Basis der neuen, Ende Juni 2020 publizierten Studien und mit Berufung auf Artikel II[A 14] der Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes als „demographischen Genozid“,[249][253][254] oder „demographische Genozid-Kampagne“.[255][256][247][257]

Der Historiker James Millward kommentierte im Guardian im Juli 2020, aufgrund der jüngsten Enthüllungen über Zwangsarbeit, Familientrennung und Unterdrückung uigurischer Geburten solle kein Zweifel daran bestehen, dass die Politik der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) gegenüber den von ihr regierten indigenen Zentralasiaten die UN-Definition von Völkermord erfülle.[258] Joanne Smith Finley war bereits direkt mit Erscheinen von Zenz' Bericht Ende Juni 2020 damit zitiert worden, dass das Vorgehen des chinesischen Staates eindeutig als Genozid zu bezeichnen sei, bei dem es sich nicht um „sofortigen, schockierenden Genozid an Ort und Stelle“ handle, sondern um einen „langsamen, schmerzhaften, schleichenden Völkermord“, der als „Maßnahme zur genetischen Reduzierung der uigurischen Bevölkerung“ diene.[246]

Das Editorial Board der Washington Post, das als eine Art Redaktionsrat die Sichtweise der Zeitung bestimmt, die zu den internationalen Leitmedien gezählt wird, positionierte sich Anfang Juli 2020 eindeutig zur Frage der Genozideinordnung, indem es die chinesische Politik nach den Ende Juni 2020 veröffentlichten neuen Studien nicht mehr nur als „kulturellen Genozid“ einordnete, der auf die Auslöschung von Sprache, Traditionen und Lebensweise der Uiguren abziele, sondern darüber hinaus auch als eine Form des „demografischen Genozids“, der aus der Auferlegung von Zwangssterilisationen und anderen Maßnahmen zur Reduzierung der uigurischen Bevölkerung resultiere.[259]

Rezeptionen der uigurischen Frage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

China[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Offizielle Darstellung der VR China
Ethno-touristisches Wachsfiguren-Arrangement in der „Ausstellung ethnische Minoritäten“ im Xinjiang Museum in Ürümqi (2018), das einen Kebap grillenden uigurischen Straßenverkäufer, eine neben ihm mit dem Victory-Zeichen posende Touristin und einen die beiden fotografierenden Touristen darstellen soll.

Die Volksrepublik China sieht die uigurische Volksgruppe als eine der 56 offiziellen „Nationalitäten“ (minzu) ihres Staatsgebiets an. Sie stellt die Uiguren aus der Perspektive der größeren Gesamtbevölkerung des chinesischen Staates in der Regel als „Minderheitsnationalität“ (shaoshu minzu) dar, womit der Umstand verdeckt wird, dass die meisten Uiguren in Gebieten mit einer uigurischen Mehrheit leben. Obwohl die VR China bereits früh Ressourcen für die Klassifizierung ethnischer Gruppen und Formalisierung ihrer Sprachen verwendete, kam es erst in der Reformära in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren zu einer gründlichen Erforschung der Geschichte und Kultur der Uiguren durch die Chinesen.[1]

Die Versuche der chinesischen Regierung und der US-Regierung unter George W. Bush, den uigurischen Separatismus nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 mit fundamentalistischen Zweigen des Islams und Terrorismus in Verbindung zu stellen, blieben unbewiesene Anschuldigungen.[260][47] In Bezug auf die Aktivitäten uigurischer Widerständler fehlen faktisch verlässliche Informationen über die Vorgänge und werden von offizieller chinesischer Seite auch teilweise als Staatsgeheimnisse behandelt.[47] Zwar konnten die Aufstände der Uiguren teilweise als terroristische Akte bezeichnet werden, doch waren sie laut dem Direktor des Forschungsinstitutes der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), Eberhard Sandschneider, in ihrer Zielsetzung nicht dem islamistischen Terrorismus zuzuordnen.[155]

Dennoch gelang es der chinesischen Regierung seit den gegen die USA gerichteten Terroranschlägen vom 11. September 2001 dank des internationalen Phänomens islamistischen Terrors in geschickter Weise, die Autonomiebewegung der mehrheitlich muslimischen Uiguren in die extremistische Nähe des internationalen Terrorismus von al-Qaida zu rücken.[47][155] Heute fördert der chinesische Staat laut dem Historiker und Xinjiang-Experten Rian Thum die Islamophobie, indem er gewöhnliche muslimische Traditionen als Manifestation von religiösem „Extremismus“ bezeichnet.[261] Thum zufolge spielt die Islamophobie eine wichtige Rolle im Verhältnis Chinas zu den Uiguren. Die Islamophobie sei zum Teil in China selbst beheimatet, sei zum anderen Teil aber auch aus islamfeindlichen Diskursen im Zusammenhang mit dem von der US-Regierung geförderten „Krieg gegen den Terror“ übernommen worden. Dieses islamfeindliche Element lasse China auf die Uiguren anders reagieren als auf die Tibeter.[262]

Sonderverwaltungszone Hongkong
Prouigurische Solidaritätskundgebung (Hongkong, 22. Dezember 2019)
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Masken mit der in China verbotenen „Ostturkestanflagge“
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„Ostturkestanflagge“ und Protestschild mit „Ostturkestanflagge“


In Hongkong kam es am 22. Dezember 2019, während der zu diesem Zeitpunkt bereits über ein halbes Jahr andauernden Massenproteste in der Sonderverwaltungszone,[263] zu einer Solidaritätskundgebung der Pro-Demokratie-Bewegung Hongkongs für die ethnischen Uiguren in China und gegen ihre Unterdrückung als Minderheit.[264] Viele der Protestteilnehmer trugen die als Flagge der uigurischen Separatisten in Xinjiang bekannte „Ostturkestanflagge“ oder blaue Gesichtsmasken mit Darstellungen der „Ostturkestanflagge“. Zwar waren zu diesem Zeitpunkt pro-uigurische Gesänge und Flaggen auf den Protestmärschen Hongkongs bereits alltäglich geworden, doch handelte es sich um die erste Kundgebung, die speziell der Unterstützung der Uiguren gewidmet war.[264] Die zum Schutz ihrer Identität maskierte Menge demonstrierte mit Slogans wie „Free Uyghur, Free Hong Kong“ und „Fake ‘autonomy’ in China results in genocide“.[263]

Sowjetische Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Sowjetunion erhielten die Uiguren den Status als offizielle Nationalität. In der sowjetischen Forschung entstand ein eigener Bereich für Uigurische Studien (uigurovedenie) mit Sitz in der Kasachischen Akademie der Wissenschaften, der auf die Formalisierung und Glorifizierung von Sprache, Kultur und Geschichte der Uiguren abzielte und die Annahme vertrat, dass der uigurische nationale Mythos der direkten Abstammung von den alten Uiguren zutreffend sei.[1]

Westliche Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Selbst die Informationsgesellschaft der westlichen Welt stellt die politischen Verhältnisse der Uiguren und ihre historischen Bedingungen in aller Regel nur verzerrt dar, während nur wenige spezialisierte Experten über tiefer gehende Kenntnisse von der Geschichte und Kultur Xinjiangs verfügen.[90]

Grund dafür ist die viele Jahrzehnte lange und weitgehende Abriegelung der Region Xinjiang von der Außenwelt, die sich erst in den 1980er Jahren zaghaft zu lockern begann.[90] Zwar war die Beschäftigung mit Xinjiang im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert so in Mode gewesen, dass die als Chinesisch-Zentralasien, Chinesisch-Turkestan oder Ostturkestan bekannte Region in der westlichen Presse in breiten Bevölkerungsschichten eine Anhängerschaft hatte.[265] Als aber die Unruhen der 1930er Jahre in Verbindung mit den Republikanern und Mao Zedong die Region für Außenstehende praktisch unzugänglich machten,[265][1] entrückte die Beschäftigung mit Xinjiang im Westen aus dem öffentlichen Interesse, das zuvor stets mit orientalistischen Reisephantasien und imperialen Wünschen verbunden gewesen war und die Anwesenheit von westlichen Gelehrten vor Ort erfordert hatte.[265]

Als sich China in den 1980er Jahren wieder öffnete, gab es nur noch wenige Wissenschaftler mit ausreichendem Fachwissen, um neue Generationen von Xinjiang-Spezialisten auszubilden.[265] Weder die sowjetische noch die chinesische Forschung über die Uiguren fand weitgehende Berücksichtigung durch englischsprachige Wissenschaftler, im Falle der chinesischen zum Teil aufgrund von Sprachbarrieren und im Falle der sowjetischen infolge aufgrund von Verflechtungen der Wissenschaft mit politischen Imperativen.[1] So sind bis in die 1990er Jahre nur wenige Studien über die Region veröffentlicht worden.[90] Kein oder kaum ein anderer Bereich sich mit China beschäftigender Wissenschaft brauchte länger, um sich von den bis Mitte des 20. Jahrhunderts bestehenden Zugangsbeschränkungen zu erholen als die Studien zur Region Xinjiang. Der Wissenszuwachs auf diesem Gebiet verlief langsam und wurde durch mangelnde Kenntnis der vielen Sprachen der Region - insbesondere der Sprache der Uiguren - behindert. Mindestens bis in die 1990er Jahre herrschte zudem unter den Sinologen die Einschätzung vor, dass die geografischen Randgebiete Chinas auch als Randgebiet zur Geschichte und Identität Chinas anzusehen seien.[265]

Zum Ende der 1990er Jahre setzte wieder eine intensivere Beschäftigung der Forschung mit diesem multiethnischen und multikulturellen Raum ein. Allerdings handelte es sich dabei meist um historisch-politische, islamwissenschaftliche oder ethnologischen Studien, die sich in erster Linie an ein Fachpublikum richteten.[90] In den frühen 2000er Jahren, als sich Sprachressourcen anhäuften und der Zugang verbesserte, ließ ein zunehmendes akademisches Interesse am Imperium, an den Grenzgebieten und auf am Thema der Identität die Relevanz von Xinjiang für die Forschung ansteigen. Zur gleichen Zeit wurde für Verlage der Vertrieb von Büchern über Xinjiang wirtschaftlich attraktiv, da es in der Welt nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zu einer politischen Resonanz in Bezug auf die von China kontrollierte Region mit muslimischer Mehrheit kam. Zwar blieben große Hindernisse für Forschungsarbeiten wie Einreisebeschränkungen für Wissenschaftler nach Xinjiang bestehen, doch konnte in den 2000er Jahren durchschnittlich immerhin pro Jahr eine wissenschaftliche Monographie erscheinen, bis es im Jahr 2016 zu einem abrupten Anstieg auf 5 akademische Monographien neuer Autoren kam.[265]

Obwohl die chinesische Regierung beschlossen hatte, der ethnischen Separatistenbewegung der Uiguren nach dem 11. September 2001 angesichts der neuen globalen Wahrnehmungen eine Rolle im „Krieg gegen den Terrorismus“ zuzuweisen, ist die uigurische Frage in Wirklichkeit sowohl in China als auch in den Nachbarländern ein älteres Phänomen.[54] Die Einordnung der uigurischen Autonomiebewegung in die Nähe des internationalen Terrorismus führte jedoch laut Sandschneider (DGAP) dazu, dass „auch die internationale Gemeinschaft oft über gewaltsame Auseinandersetzungen in Xinjiang hinweggesehen“ habe, da die Meinung vorgeherrscht habe, dass die Bekämpfung des internationalen Terrorismus jede Mittel rechtfertige.[155] In den USA wurden Uiguren unrechtmäßig über Jahre hinweg in Guantanamo Bay inhaftiert, das unter George W. Bush zu einem Gefangenenlager für Terroristen gemacht worden war.[16][170] Allerdings wurde im Ausland das Argument des internationalen islamistischen Terrors oft kritisch gesehen, da die chinesische Führung in der Regel keine konkrete Belege vorlegen konnte.[47] Aufgrund ihres geringen und kontrollierten Umfangs wurde die uigurisch-muslimische Separatistenbewegung in China beispielsweise für die USA zudem kein Hauptthema.[54]

Im 21. Jahrhundert verlagerte sich der Blick von der Tibetfrage hin nach Xinjiang und zur Uigurenfrage, in Bezug auf separatistische Politik in China und auf die Frage, ob ethnische Unruhen in China eher als Folge repressiver chinesischer Maßnahmen und Menschenrechtsverletzungen anzusehen sind oder einer Anfachung von außen zugeschrieben werden sollen. Bei den Uiguren ist die positive Verbindung mit der Politik dabei aber bei weitem nicht so stark wie bei den Tibetern.[67] Obwohl die Lage in Xinjiang bereits seit den 1990er Jahren ernster geworden war als in Tibet und es als sensibelstes aller Minderheitengebiete Chinas galt, fiel die westliche Berichterstattung über Xinjiang geringer und weniger Sympathie zeigend aus als diejenige über Tibet.[36]

Einen Faktor in der Verbindung zwischen Kultur und Politik in Xinjiang bildet die Religion des Islams. Internationale Menschenrechtsorganisationen beschuldigen die chinesischen Behörden zwar regelmäßig der Verfolgung des Islam in Xinjiang. Im Gegensatz zum Buddhismus in Tibet genießt der Islam im Westen jedoch kein gutes Image.[67] Auch nach Durchsickern sensibler chinesischer Regierungsdokumente 2019 und 2020 zu den Überwachungs- und Umerziehungsmethoden des chinesischen Staates gegenüber der uigurischen Minderheit in Xinjiang erhielt der Konflikt zum Beispiel in Deutschland verhältsnismäßig wenig Aufmerksamkeit, was die Sinologin Kristin Shi-Kupfer (Leiterin des Forschungsbereichs Politik, Gesellschaft und Medien am Mercator Institute for China Studies) zum Teil darauf zurückführte, dass in der deutschen Bevölkerung ein gewisses Unwohlsein gegenüber Menschen islamischer Religionszugehörigkeit bestehe.[96]

Ein zweiter Faktor wird darin gesehen, dass den Uiguren ein internationaler Fürsprecher fehle, im Gegensatz zu den Tibetern mit ihrer Sympathiefigur des Dalai Lama.[96][107][266] Tatsächlich erlangte die WUC-Präsidentin Rebiya Kadeer als Vertretung der uigurischen Diaspora kein dem Dalai Lama annähernd entsprechendes Ansehen, und es blieb bei sehr mäßig erfolgreichen Versuchen, ihrer Rolle einen entsprechend bedeutenden Status zu verleihen, sowohl von Gegnern als auch von Befürwortern.[67][96][107]

Obwohl die rigorose Politik Chinas wiederholt international kritisiert wurde, wurden aus Sorge vor einer Belastung der Wirtschaftsbeziehungen praktisch nie Konsequenzen gezogen.[253] Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) kam es auch im Jahr 2020 trotz der laut HRW „brutalsten und tiefgreifendsten Unterdrückung seit Jahrzehnten“ nur selten zu einer öffentlichen Konfrontierung chinesischer Politiker durch westliche Diplomaten. China nutze, systematisch und ohne dabei auf großen Widerspruch aus Europa und den USA zu stoßen, seinen wachsenden wirtschaftlichen Einfluss im Ausland und bei den Vereinten Nationen durch Ausspielen wirtschaftlicher Interessen gegen moralische Werte, um die internationale Durchsetzung von Menschenrechten und Maßnahmen zur Verfolgung von Tätern weltweit zu verhindern.[267][237][238][239] China instrumentalisierte als zweitgrößter individueller Geldgeber der UNO (Stand: 2019) den UN-Menschenrechtsrat seit 2013 wiederholt als Plattform für eigene Propaganda und rechtfertigte dort die Internierung von geschätzt rund einer Million Mitgliedern der uigurischen Minderheit in der Provinz Xinjiang als notwendige Maßnahme, um den islamischen Extremismus zu bekämpfen.[268]

Europäische Union
Auszeichnung von Ilham Tohti mit dem EU-Menschenrechtspreis
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Ilham Tohti, prominenter Vertreter der uigurischen muslimischen Minderheit (Foto: 2011)[269]
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Jewher Ilham nimmt den Preis 2019 stellvertretend für ihren seit 2014 inhaftierten Vater entgegen (18. Dezember 2019)[270]


Laut der China-Expertin Nadine Godehardt von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) hatte sich trotz der zunehmenden chinesischen Einflussnahme inzwischen (Stand: 2020) „eine westliche Gegenstimme formiert“, indem zum Beispiel die Europäische Union „China in ihrem Strategiepapier erstmals als einen systemischen Rivalen bezeichnet“.[267]

Während die chinesischen Behörden einen der führenden uigurischen Intellektuellen,[271] Ilham Tohti, Ende September 2014 wegen „Separatismus“ zu lebenslänglicher Haftstrafe verurteilten, wurden Tohti im Westen verschiedene Menschenrechtspreise verliehen,[48] darunter 2019 vom Europäischen Parlament den Sacharow-Preis.[272] Die Abgeordneten des Europäischen Parlaments forderten in einer am 19. Dezember 2019 angenommenen Resolution die unverzügliche Entlassung von Tohti und uigurischen Gefangenen aus den chinesischen Haftanstalten.[270]

USA

Die Kritik der USA an China kann in eine normative, eine sicherheitspolitische und eine wirtschaftliche Ebene unterteilt werden.[273] Die normative Ebene, die die Bedrohung der Menschenrechte sowie demokratischer Werte durch China anspricht, stand zwar schon seit der blutigen Niederschlagung der Studentenbewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 im Fokus des Diskurses über die Beziehungen zu China in den USA.[274] Als China nach den Anschlägen vom 11. September in New York und dem Aufkommen des globalen „Krieges gegen den Terror“ seinen Diskurs über die Unterdrückung des uigurischen Widerstands verschob und nun mit der von der internationalen Gemeinschaft befürworteten Behauptung rechtfertigte, eine mit mit Al-Qaida in Verbindung stehende internationale terroristische Bedrohung zu bekämpfen, lehnte die Bush-Regierung diese Erklärung zunächst zwar ab, wendete ihre Politik im Sommer 2002 jedoch drastisch, was die meisten Analysten als Gegenleistung für China im Austausch für Chinas Zustimmung zur bevorstehenden US-Invasion im Irak ansahen.[275] In der US-Wirtschaft wirkte zudem lange Zeit eine einflussreiche Lobby, die sich aus wirtschaftlichen Interessen gegen Sanktionspolitik stellt, auf einen integrativen Ansatz gegenüber China hin.[273] Nach Angaben von John R. Bolton, dem früheren Nationalen Sicherheitsberater für US-Präsident Donald Trump, hatte Trump angeblich noch 2019 und möglicherweise bereits 2017 dem chinesischen Staatschef Xi Jinping seine Zustimmung für dessen Politik der Festsetzung von Muslimen in Masseninternierungslagern mitgeteilt.[275] Aufgrund unfairer Praktiken Chinas gegenüber der US-Wirtschaft kam es dann allerdings zu einem Meinungsumschwung.[273] Seit etwa 2019 geht die Politik der USA nicht mehr wie in den vorangegangenen vier Jahrzehnten davon aus, dass China sich in Richtung Liberalisierung und Demokratisierung bewegt. Als Grund wird die stark angehäufte Herrschaft der KPCh und deren anwachsenden Unterdrückung der chinesischen Gesellschaft angeführt. Nachdem Xi Jinping 2012 die Funktion als Partei- und Militärchef und 2013 auch als Staatschef angetreten hat, hat sich China ein fundamentaler Kurswechsel gegenüber der Ende der 1970er Jahre begonnenen innenpolitischen Reform- und Öffnungspolitik einerseits und ihrer außenpolitischen Zurückhaltung andererseits vollzogen. Der neue Kurs Xis besteht stattdessen einerseits innenpolitisch in der auf die gesetzlich seit 2018 nicht mehr befristete Machtzentralisierung auf das Amt Xi Jinpings, wobei die Gesellschaft einer intensiven Kontrolle unterworfen ist, und andererseits in einer stärkeren Förderung des chinesischen Nationalismus, bei dem es sich vor allem um einen ethnischen Nationalismus handelt, der Kultur, Sprache und Bräuche der Han-Chinesen propagiert.[115]

US-Präsident Donald Trump (rechts vorne) und US-Vizepräsident Mike Pence (dahinter) sowie Chinas Vizepremier Liu He (links vorne) in der Phase des Handelsstreits zwischen den USA und China (15. Januar 2020)

Als Beispiel für diese innenpolitische Entwicklung Chinas werden an vorderer Stelle die Zustände in Xinjiang angeführt, wo der unter dem Ende 2016 als KPCh-Chef angetretenen Chen Quanguo eine Repressionswelle eingesetzt hatte, die zu einer forcierten Überwachung der Bevölkerung Xinjiangs und ohne Gerichtsverhandlungen zu einer Festsetzung von schätzungsweise mehr als einer Million turkstämmigen Muslimen (vorwiegend Uiguren) in Internierungslagern geführt hatte. Sowohl die US-Regierung, als auch parteiübergreifend der US-Kongress kritisierten nun Chinas Politik in Xinjiang. US-Vizepräsident Mike Pence bezichtigte China der „Ausrottung der muslimischen Kultur“ in Xinjiang.[115] Die traditionell sich nur schwach gegen die pro-chinesische Lobby in der Wirtschaft aufgestellten Menschenrechtsgruppen warnten in Bezug auf die Ausweitung des Überwachungsstaats und die Errichtung der sogenannten Umerziehungslager in China. Die Menschenrechtssituation in China führte im US-Kongress zu überparteilichen Initiativen wie Sanktionen gegen chinesische Parteifunktionäre, mit denen die US-Administration zu härteren Reaktionen auf die Repression gegen die Uiguren bewegt werden sollte.[273][274] Der „Uyghur Human Rights Policy Act“, ein Gesetz, das unter anderem gezielte Sanktionen gegen Personen ermöglicht, die für Übergriffe in Xinjiang verantwortlich sind, wurde 2019 im US-Kongress diskutiert[115] und im Juni 2020 von Trump unterzeichnet.[275] Zudem behandelte der Menschenrechtsbericht des US-Außenministeriums die Situation in Xinjiang an erster Stelle.[115]

2020 belastete die Frage von Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang neben dem Konflikt um Hongkong die politischen Beziehungen zwischen China und den USA.[253] Laut dem Historiker und Xinjiang-Experten James Millford begann die Trump-Regierung nun mit einer „verspäteten“ Sanktionspolitik gegen das die UN-Kriterien des Genozids Millfords Ansicht nach erfüllende Vorgehen Chinas gegenüber den Uiguren. Dabei war die gesamte China-Politik der Regierung Trump Millfords Einschätzung nach jedoch von „eigennützigen, nicht humanitären Motivationen angetrieben“, zielte nach der vorigen Phase der Beschwichtigung gegenüber Chinas Staatsführer Xi nun auf einen „Neuen Kalten Krieg“ ab und versuchte somit, die schlechte Performance der US-Regierung bei der Bewältigung der COVID-19-Pandemie zu überspielen.[258]

US-Vertreter warfen China im Zusammenhang mit Produkten, die unter Verdacht standen aus Arbeitslagern Xinjiangs zu stammen, schwere Menschenrechtsverstöße vor[253][276] und warnten US-Firmen vor dem Import von Gütern, die durch Zwangsarbeit in Zusammenhang mit den Internierungslagern in Xinjiang hergestellt wurden,[253][277] worauf die chinesische Botschaft in den USA die Verdächtigungen in Bezug auf die Zwangsarbeit als haltlosen Versuch zurückwies, die chinesische Wirtschaft zu schädigen.[276] Im Juli 2020 verhängte die US-Regierung Sanktionen gegen vier chinesische Politiker,[278] darunter Chen Quanguo (Xinjiangs Parteisekretär und Mitglied des mächtigen Politbüros Chinas) und Zhu Hailun (früherer Stellvertreter Chens als Xhinjiangs Parteisekretär),[279][278] mit der Begründung, Chen habe in seiner Amtszeit seit 2016 die Überwachung, Unterdrückung, Indoktrinierung und Internierung der Uiguren in Xinjiang entscheidend vorangetrieben.[279] Bei den beiden anderen Betroffenen der Sanktionen handelte es sich um Wang Mingshan (Leiter und Parteisekretär des Büros für öffentliche Sicherheit in Xinjiang) und Huo Liujun (früherer Parteiksekretär des Büros).[278] Es war bereits zuvor angekündigt worden, dass sich die US-Sanktionen direkt gegen in Verbindung mit den Internierungslagern Xinjiangs stehenden KPCh-Mitglieder richten würden. Diese Sanktionen seien zunächst zurückgehalten worden, um einer Lösung im Handelsstreit zwischen den USA und China nicht im Weg zu stehen.[253]

Haltung der Türkei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Türkei ist der einzige mehrheitlich muslimische Staat, der regelmäßig seine Sorge über die Lage in Xinjiang zum Ausdruck gebracht hat.[66][280]

Bereits seit den frühen 1950er Jahren hat der türkische Staat als einer der vehementesten Fürsprecher der Uiguren Tausende uigurische Flüchtlinge aufgenommen, die als Sprecher einer mit dem Türkischen eng verwandten Sprache und als muslimische Glaubensbrüder öffentliches Wohlwollen sowie behördliche Unterstützung in der Türkei genossen und oftmals die türkische Staatsbürgerschaft erhielten.[281]

2009 warf der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan der chinesischen Regierung schließlich vor, die Vorfälle während der Unruhen in Xinjiang vom 05. bis 07. Juli 2009 seien „Genozid“,[281][282] „fast Genozid“[283] oder „gleichbedeutend mit einem Genozid“.[284]

Als aber das Zerwürfnis der Türkei mit ihren traditionellen westlichen Bündnispartnern nach dem abgewehrten Putschversuch in der Türkei 2016 einen Höhepunkt erreichte, wobei der Türkei zunehmend repressive Maßnahmen nach der Niederschlagung des Militärputschversuchs vorgeworfen wurden und sie auch unter stärkeren wirtschaftlichen Druck geriet, vollzog sich unter dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu seit Mitte 2017 bei der Suche nach alternativen Bündnispartnern im Rahmen einer außenpolitischen Diversifikationsstrategie eine Annäherung an China. Im Zuge dessen kam es auch zu einem Kurswechsel in der türkischen Regierungshaltung zur uigurischen Frage, die bis dahin die chinesisch-türkischen Beziehungen belastet hatte.[281]

Rezeption in Asien außerhalb Chinas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 2000er Jahren kam es hinsichtlich der zunehmenden Gewalttaten von Uiguren in der ganzen Region zu Bedenken. Zentralasiatische Staaten, insbesondere solche mit einer bedeutenden uigurischen Minderheit, zeigten sich aufgrund der von Uiguren ausgehenden Gewalt und Agitation besorgt. Viele der Regierungen, allen voran die säkularen autoritären Regierungen in Südasien und Zentralasien, fürchteten, dass eine zunehmende Radikalisierung der Muslime auch auf ihre Staaten übergreifen könne. Die südostasiatischen Regierungen waren zudem besorgt über wachsende radikale Netzwerke und Trainingslager, befürchten aber auch eine Fragmentierung und politische Instabilität Chinas mit Auswirkungen für ganz Asien.[54]

Arabisch-islamische Welt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als etwa in der Beziehung zwischen Israel und Palästinensern nimmt die arabische Welt in Bezug auf die Repression der Uiguren in China eine schweigende Position ein. Die arabischen Staaten lobten im Juli 2019 in einer diplomatischen Note an das UN-Menschenrechtskommissariat ausdrücklich das Vorgehen Chinas gegen die Uiguren und Chinas „bemerkenswerte Erfolge“ bei der Umsetzung der Menschenrechte. Zu den 37 unterzeichnenden Staaten aus Afrika, Südamerika und der Nahost-Region gehörten auch Kuwait, Bahrain, Katar (das die Unterschrift später zurücknahm und im Konflikt neutral bleiben wollte), die VAE, das sich üblicherweise als Schutzmacht aller sunnitischen Muslime präsentiernde Saudi-Arabien, das die wichtigste sunnitische Lehranstalt (Al-Azhar) beherbergende Ägypten und Algerien.[280] Laut der US-Botschafterin bei den UN Kelley Currie sollen die USA aktiv versucht haben, die vornehmlich muslimischen Länder dazu zu bewegen, Druck auf China wegen seiner repressiven Politik gegenüber den Uiguren auszuüben, doch sei die US-Führung enttäuscht über die mangelnde Reaktion von Mitgliedern der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC).[285]


Die Ende 2019 öffentlich vorgetragene Kritik des prominenten Fußballspielers Mesut Özil an der Behandlung der uigurischen Minderheit durch China wurde vom US-Außenminister unterstützt.[286]

Während nur wenige muslimische Staaten angesichts des großen wirtschaftlichen Einflusses Chinas offen Kritik gegenüber China äußerten, hatten sich gegen Ende 2019 immer mehr bekannte Persönlichkeiten offen in der Öffentlichkeit dazu geäußert, wie der prominente deutsche türkischstämmige Fußballweltmeister Mesut Özil.[264] Am 13. Dezember 2019 solidarisierte sich Özil mit den Uiguren, kritisierte die muslimische Welt für ihre schweigende Haltung gegenüber der Unterdrückung der uigurischen Minderheit durch die chinesische Regierung[287][284][288][264] und zog einen Vergleich zu den „westlichen Staaten“, die bereits seit Monaten auf die „Verfolgung“ der Uiguren aufmerksam machen würden.[284] Özil hatte seine Stellungnahme in sozialen Medien zusammen mit einer Ostturkestanflagge gepostet,[287] den Insignien der Unabhängigkeitsbewegung der Uiguren in Xinjiang.[284] Ethnisch-uigurische Demonstranten hielten daraufhin in Protest gegen China Plakate von Mesut Özil in die Höhe,[287][284] so am 14. Dezember 2019 am Beyazıt-Platz in Istanbul.[289][290] Nachdem China auf Özils scharfe Kritik mit Verärgerung reagierte und sich Özils Fußballverein, Arsenal London, von Özils Stellungnahme distanziert hatte, unterstützte US-Außenminister Mike Pompeo Özil in seiner Verurteilung der Behandlung der uigurischen Minderheit durch China und behauptete, die „chinesischen Propagandamedien“ könnten Özil und die Spiele des FC Arsenal zwar „zensieren“, doch werde „die Wahrheit sich durchsetzen“.[286]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fachenzyklopädische Beiträge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • David Brophy: The Uyghurs: Making a Nation. In: Oxford Research Encyclopedia of Asian History. September 2018, doi:10.1093/acrefore/9780190277727.013.318 (englisch). Erste Online-Veröffentlichung: 28. September 2018.
  • Nathan Light: Uyghur Folklore. In: William M. Clements (Hrsg.): The Greenwood encyclopedia of world folklore and folklife. 2 (Southeast Asia and India, Central and East Asia, Middle East). Greenwood Press, Westport, Conn. 2006, ISBN 0-313-32849-8, S. 335–348 (S. i-xviii, 1-482).
  • Rian Thum: The Uyghurs in Modern China. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Oxford Research Encyclopedia of Asian History. 11. Juli 2020, archiviert vom Original am 11. Juli 2020; abgerufen am 11. Juli 2020 (englisch). doi:10.1093/acrefore/9780190277727.013.160. Erste Online-Veröffentlichung: 26. April 2018. Auch verfügbar als: Rian Thum: The Uyghurs in Modern China. In: Oxford Research Encyclopedia, Asian History (oxfordre.com/asianhistory). Oxford University Press, USA 2020 (online [PDF]).

Wissenschaftliche Monographien ab 1998[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ildikó Bellér-Hann, M. Cristina Cesàrom, Rachel Harris, Joanne Smith Finley (Hrsg.): Situating the Uyghurs Between China and Central Asia (= Anthropology and cultural history in Asia and the Indo-Pacific). Ashgate, Aldershot u. a. 2007, ISBN 978-0-7546-7041-4 (S. i-xxiv, 1-249).
  • Ildikó Bellér-Hann: Community Matters in Xinjiang, 1880–1949: Towards a Historical Anthropology of the Uyghur (= China Studies. Band 17). Brill, 2008, ISBN 978-90-04-16675-2, ISSN 1570-1344 (S. i–xvi, 1-477).
Diese Dokumentation der uigurischen Kultur gilt als ein wegweisendes Werk mit nahezu enzyklopädischem Charakter für den Zeitraum der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.[1]
Diese Geschichte der Entstehung des modernen uigurischen Nationalismus gehört zu den Büchern der „dritten Welle der Xinjiang-Studien“ (Peter Perdue), die eher auf transnationale Verbindungen fokussieren als auf das Wesen des uigurischen Widerstands gegen den Staat.[1]
  • James Millward: Eurasian Crossroads: A History of Xinjiang. Columbia University Press, New York 2007, ISBN 978-0-231-13924-3 (S. 1–352).
Diese Abhandlung der Geschichte der Region dient auch als Standardübersicht über die Geschichte der Uiguren.[1]
  • Justin Jon Rudelson: Oasis Identities: Uyghur Nationalism Along China's Silk Road. Columbia University Press, New York 1998, ISBN 978-0-231-10786-0 (224 S.). (Copyright: 1997; Publikation: Januar 1998)
Bei diesem auf einem längeren Feldaufenthalt in Turfan basierenden ethnographischen Pionierwerk handelt es sich um die erste akademische englischsprachige Monographie mit dem Wort „Uyghur“ im Titel. Die zentrale These des Buches, dass die lokalen Oasenidentitäten ein bedeutendes Hindernis für das uigurische Nationalbewusstsein darstellen, wird heute von den meisten Fachleuten bezweifelt, doch blieb die Frage der Identität seither ein dominierendes Thema der Uigurischen Studien.[1]
  • Joanne N. Smith Finley: The Art of Symbolic Resistance: Uyghur Identities and Uyghur-Han Relations in Contemporary Xinjiang (= Michael R. Drompp, Devin DeWeese [Hrsg.]: Brill's Inner Asian Library. Band 30). Brill, Leiden & Boston 2013, ISBN 978-90-04-25491-6, doi:10.1163/9789004256781 (S. i–xxx, 1-454).
  • S. Frederick Starr (Hrsg.): Xinjiang: China’s Muslim Borderland, an overview of the history, demographics, politics, and culture of the province. Routledge (Taylor & Francis Group), London & New York 2004, ISBN 978-0-7656-1317-2.
Diese Übersicht von Geschichte, Demographie, Politik und Kultur der Provinz gilt als die Standardeinführung in zeitgenössische Themen der Region. Der chinesische Staat reagierte auf die Veröffentlichung mit Ausübung von Druck auf ausländische Wissenschaftler. Chinesische Behörden deuteten das Buch als separatistischen Angriff auf die chinesische Souveränität über Xinjiang und verweigerten allen beteiligten Autoren Reisevisa.[1]

Rundfunkberichte und Reportagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Uiguren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Uiguren – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac Rian Thum: The Uyghurs in Modern China. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Oxford Research Encyclopedia of Asian History. 11. Juli 2020, archiviert vom Original am 11. Juli 2020; abgerufen am 11. Juli 2020 (englisch). Erste Online-Veröffentlichung: 26. April 2018. Auch verfügbar als: Rian Thum: The Uyghurs in Modern China. In: Oxford Research Encyclopedia, Asian History (oxfordre.com/asianhistory). Oxford University Press, USA 2020 (online [PDF]).
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x Tian Guang, Mahesh Ranjan Debata: Identity and Mobilization in Transnational Societies: A Case Study of Uyghur Diasporic Nationalism. In: China and Eurasia Forum Quarterly. Band 8, Nr. 4, 2010, ISSN 1653-4212, S. 59–78.
  3. a b c d e f g Johannes Meyer-Ingwersen: Ujgurisch. In: Helmut Glück, Michael Rödel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache. 5. Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart 2016, ISBN 978-3-476-02641-5, S. 732, doi:10.1007/978-3-476-05486-9_1 (S. i-xxvi, 1-814).
  4. a b c d e f g h i j k l m n o Larry W. Moses: Uygur. In: Richard V. Weekes (Hrsg.): Muslim Peoples: A World Ethnographic Survey. 2. Auflage. 2 („Maba - Yoruk“). Greenwood Press, Westport/Connecticut 1984, ISBN 0-313-24640-8, S. 830–833.
  5. a b c d e f g h i j k l Rian Thum: Kashgar. In: Kate Fleet, Gudrun Krämer, Denis Matringe, John Nawas, Everett Rowson (Hrsg.): Encyclopaedia of Islam, THREE. Brill, 2019, doi:10.1163/1573-3912_ei3_com_35379 (englisch). Erste Online-Veröffentlichung: 2019, Erste Printausgabe: ISBN 978-90-04-41343-6, 2020, 2020-1. Abgerufen am 29. Mai 2020.
  6. a b c Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 848 f.
  7. Wolfgang Ekkard Scharlipp: Die frühen Türken in Zentralasien. Darmstadt 1992, S. 81 f.
  8. Vgl. M. Weiers: Uiguren, in: Abrisse zur Geschichte innerasiatischer Völker (online). Historische Texte dazu bietet: Wolfgang-Ekkehard Scharlipp, Julius von Klaproth u. a.: Abhandlung über die Sprache und Schrift der Uiguren.
  9. James Hamilton: Toquz-Oyuz et On-Uyyur, in: Journal Asiatique 250, 1962, S. 23–63.
  10. James A. Millward: Eurasian crossroads: A History of Xinjiang. S. 208.
  11. a b Dolkun Kamberi, Ph. D.: "Uyghurs and Uyghur Identity". In: Victor H. Mair, Sino-Platonic Papers. Department of East Asian Languages and Civilizations.Number 150 University of Pennsylvania. Mai, 2005.
  12. Barbara A. West: "Encyclopedia of the Peoples of Asia and Oceania". Infobase Publishing. 2010. Seite 809f.
  13. Willi Stegner (Hrsg.): Taschenatlas Völker und Sprachen, Seite 133. Klett-Perthes, Gotha 2006
  14. Herbert Tischner: Das Fischer Lexikon Völkerkunde, Seite 103. Fischer, Frankfurt am Main 1959
  15. Wolfgang Krause, Klaus Düwel, Michael Job, Astrid van Nahl: "Schriften zur Runologie und Sprachwissenschaft". In: Band 84 von Reallexikon der Germanischen Altertumskunde - Ergänzungsbände. Walter de Gruyter. 2014. Seite 444.
  16. a b c d e f g h Saskia Witteborn: Gendering Cyberspace: Transnational Mappings and Uyghur Diasporic Politics. In: Radha Sarma Hegde (Hrsg.): Circuits of Visibility: Gender and Transnational Media Cultures. New York University Press, 2011, ISBN 978-0-8147-3730-9, S. 268–283.
  17. a b c Cyril Glassé: The concise encyclopædia of Islam: Revised edition. Stacey International, London 2001, ISBN 1-900988-06-2, S. 480.
  18. a b c d e f Sven Lilienström: Unterdrückung der Uiguren in Xinjiang: Es kann kein "Business as usual" mit China geben. Die "China Cables" enthüllten die systematische Verfolgung der Uiguren in Nordwestchina. Hierüber sprach Sven Lilienström mit dem Präsidenten des Weltkongresses der Uiguren Dolkun Isa, der leitenden ICIJ-Journalistin für das Projekt "China Cables" Bethany Allen-Ebrahimian sowie der Whistleblowerin Asiye Abdulaheb. (Nicht mehr online verfügbar.) de.qantara.de, 15. Mai 2020, archiviert vom Original am 6. Juni 2020; abgerufen am 6. Juni 2020.
  19. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s The Editors of Encyclopaedia Britannica: Uighur. (Nicht mehr online verfügbar.) Encyclopædia Britannica, inc.: Encyclopædia Britannica, 5. Februar 2020, archiviert vom Original am 24. Februar 2020; abgerufen am 24. Mai 2020 (englisch).
  20. a b c d e f g Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 848.
  21. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u Colin Mackerras: Ethnic minorities. In: Czeslaw Tubilewicz (Hrsg.): Critical Issues in Contemporary China: Unity, Stability and Development. 2. Auflage. Routledge (Taylor & Francis), London & New York 2017, ISBN 978-1-138-91734-7, S. 237–255.
  22. a b China Statistical Yearbook 2019. (Nicht mehr online verfügbar.) China Statistics Press, archiviert vom Original am 22. Februar 2020; abgerufen am 1. Juni 2020 (englisch)., Compiled by National Bureau of Statistics of China (国家统计局), Tabelle: "25-19 Geographic Distribution and Population of Ethnic Minorities". (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 31. Mai 2020; abgerufen am 31. Mai 2020.
  23. a b c d e W. James Jacob, Jing Liu, Che-Wei Lee: Policy Debates and Indigenous Education: The Trialectic of Language, Culture, and Identity. In: W. James Jacob, Sheng Yao Cheng, Maureen K. Porter (Hrsg.): Indigenous Education: Language, Culture and Identity. Springer, Dordrecht u. a. 2015, ISBN 978-94-017-9354-4, S. 39–61, doi:10.1007/978-94-017-9355-1.
  24. Cf. Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 167.
  25. a b c Dudley L. Poston, Qian Xiong: Are China’s Minority Nationalities Still on the Margins? In: Isabelle Attané, Baochang Gu (Hrsg.): Analysing China's Population: Social Change in a New Demographic Era (= INED Population Studies. Nr. 3). Springer, Dordrecht 2014, ISBN 978-94-017-8986-8, S. 113–137, doi:10.1007/978-94-017-8987-5. Erstmals online veröffentlicht am 7. Oktober 2014.
  26. a b c Rian Thum: The Sacred Routes of Uyghur History. Harvard University Press, Cambridge & London 2014, ISBN 978-0-674-59855-3, hier S. 2f., JSTOR:j.ctt9qdt35.
  27. a b c Ildikó Bellér-Hann: Community Matters in Xinjiang, 1880–1949: Towards a Historical Anthropology of the Uyghur (= China Studies. Band 17). Brill, 2008, ISBN 978-90-04-16675-2, ISSN 1570-1344, hier S. 38–40. Online abrufbar unter: https://brill.com/view/title/15037.
  28. a b c d e f g h i Rémi Castets: The Uyghurs in Xinjiang – The Malaise Grows: After September 11th 2001, the Chinese regime strove to include its repression of Uyghur opposition within the international dynamic of the struggle against Islamic terrorist networks. In: China Perspectives. Band 49, 2003, S. 34–48, doi:10.4000/chinaperspectives.648 (online). Veröffentlicht am 1. Oktober 2003, online seit 17. Januar 2007. Übersetzung aus dem französischen Original: Philip Liddell. Französisches Original: Rémi Castets: Le nationalisme ouïghour au Xinjiang: expressions identitaires et politiques d’un mal-être. Après le 11 septembre 2001, le régime chinois s’est efforcé d’insérer la répression de l’opposition ouïghoure dans la dynamique internationale de lutte contre les réseaux terroristes islamistes. In: Perspectives chinoises. Band 78, Nr. 1, 2003, S. 34–48 (online).
  29. a b c d e f g h i Ingvar Svanberg: Turkestani Refugees. In: Peter Alford Andrews, unter Mitarb. von Rüdiger Benninghaus (Hrsg.): Ethnic Groups in the Republic of Turkey (= Heinz Gaube, Wolfgang Röllig [Hrsg.]: Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients. B, Nr. 60.1). Reichert, Wiesbaden 2002, ISBN 3-89500-297-6, S. 591–601 (Erstausgabe: 1989). Die Auflage von 2002 ist ein unveränderter Reprint der Erstauflage.
  30. cf. Xavier de Planhol: Kulturgeographische Grundlagen der islamischen Geschichte (= J. van Ess [Hrsg.]: Die Bibliothek des Morgenlandes - Gegründet von G. E. von Grunebaum). Artemis, Zürich & München 1975, ISBN 3-7608-4522-3, S. 23 f. (französisch: Les fondements géographiques de l'histoire de l'islam. Paris 1968. Übersetzt von Heinz Halm).
  31. cf. Xavier de Planhol: Kulturgeographische Grundlagen der islamischen Geschichte (= J. van Ess [Hrsg.]: Die Bibliothek des Morgenlandes - Gegründet von G. E. von Grunebaum). Artemis, Zürich & München 1975, ISBN 3-7608-4522-3, S. 233 (französisch: Les fondements géographiques de l'histoire de l'islam. Paris 1968. Übersetzt von Heinz Halm).
  32. a b Peter Zieme: Ein uigurischer Erntesegen. In: Altorientalische Forschungen. Band 3, JG, 1975, ISSN 2196-6761, S. 109–143, doi:10.1524/aofo.1975.3.jg.109.
  33. Cf. Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 437.
  34. a b c d e f g h i j Risalat U. Karimova: On History of Cultural Traditions Transformation: Arts and Crafts of the Uyghurs of Kazakhstan. In: Oriente Moderno, Nuova Serie. Band 96, Nr. 1. Istituto per l'Oriente C. A. Nallino, 2016, S. 3–24, JSTOR:44280758.
  35. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao ap Nathan Light: Uyghur Folklore. In: William M. Clements (Hrsg.): The Greenwood encyclopedia of world folklore and folklife. 2 (Southeast Asia and India, Central and East Asia, Middle East). Greenwood Press, Westport, Conn. 2006, ISBN 0-313-32849-8, S. 335–348 (S. i-xviii, 1-482).
  36. a b c d e f g h Colin P. Mackerras: Ethnicity in China: The Case of Xinjiang. In: Harvard Asia Quartely. Band 8, Nr. 1, 2004, ISSN 1522-4147, S. 4–14 (online).
  37. a b c d e f g h Paula Schrode: Islam und religiöse Praxis in Ostturkestan. (Nicht mehr online verfügbar.) tethys.caoss.org (Tehtys – Central Asia Everyday), 12. April 2008, archiviert vom Original am 15. April 2015; abgerufen am 26. Mai 2020.
  38. a b c d Rémi Castets: Les musulmans du Xinjiang. In: Michel Gilquin (Hrsg.): Atlas des minorités musulmanes en Asie méridionale et orientale. CNRS éditions, Paris 2010, ISBN 978-2-271-06892-7, S. 289–312. Dort mit Quellenhinweis: "Fenjin de sishi nian: 1949–1989, Xinjiang fenci (The advancing 40 years. 1949–1989. Xinjiang volume). Urumchi. Zhongguo tongji chubanshe, 1989, S. 332; 2005 Xinjiang tongji nianjian. op. cit., S. 107, 109."
  39. Rémi Castets: The Uyghurs in Xinjiang – The Malaise Grows: After September 11th 2001, the Chinese regime strove to include its repression of Uyghur opposition within the international dynamic of the struggle against Islamic terrorist networks. In: China Perspectives. Band 49, 2003, S. 34–48, hier: Table 1 (Demographic strength of the main Xinjiang nationalities), doi:10.4000/chinaperspectives.648 (online). Veröffentlicht am 1. Oktober 2003, online seit 17. Januar 2007. Übersetzung aus dem französischen Original: Philip Liddell. Dort mit Quellenhinweis: "Source: Fenjin de sishi nian: 1949–1989. Xinjiang fenci (The advancing 40 years. 1949–1989. Xinjiang Volume), Zhongguo tongji chubanshe, Urumchi, 1989, S. 332; 2002 Xinjiang tongji nianjian (Xinjiang Statistical Yearbook), Pékin, Zhongguo tongji chubanshe, 2002, pp. 107, 109."
  40. Rémi Castets: Opposition politique, nationalisme et islam chez les Ouïghours du Xinjiang. In: Les études du CERI. Nr. 110, Oktober 2004, S. 1–45, hier: S. 44 (online – Tableau 1 Evolution démographique des principales nationalités au Xinjiang entre 1949 et 2000 (en milliers de personnes)). Dort mit Quellenhinweis: "Source : Fenjin de sishi nian : 1949–1989. Xinjiang fenci (The advancing 40 years. 1949–1989. Xinjiang volume), Urumchi, Zhongguo tongji chubanshe, 1989, S. 332 ; 2002 Xinjiang tongji nianjian (Annuaire statistique du Xinjiang), Pékin, Zhongguo tongji chubanshe, 2002, pp. 107, 109."
  41. Rémi Castets: Entre colonisation et développement du Grand Ouest : impact des stratégies de contrôle démographique et économique au Xinjiang. In: Outre-terre. Band 3, Nr. 16, 2006, S. 257–272, hier: S. 264, doi:10.3917/oute.016.0257 (online – Tableau 1 Évolution démographique des principales nationalités au Xinjiang entre 1949 et 2004). Dort mit Quellenhinweis: "Source : Fenjin de sishi nian : 1949–1989. Xinjiang fenci (The advancing 40 years, 1949–1989. Xinjiang volume), remqi, Zhongguo tongji chubanshe, 1989, S. 332 ; 2005 Xinjiang tongji nianjian, op. cit., S. 107, 109."
  42. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s Chang-Kuan Lin: Sinkiang. In: Encyclopaedia of Islam, Second Edition. P. Bearman, Th. Bianquis, C.E. Bosworth, E. van Donzel, W.P. Heinrichs, abgerufen am 29. Mai 2020 (englisch). Erste Online-Veröffentlichung: 2012, Erste Printausgabe: ISBN 978-90-04-16121-4, 1960–2007. doi:10.1163/1573-3912_islam_SIM_7052
  43. a b c d e f Chang-Kuan Lin: Sinkiang. In: C. E. Bosworth, E. van Donzel, W. P. Heinrichs & [the late] G. Lecomte (Hrsg.): The Encyclopaedia of Islam. New Edition. 9 („SAN - SZE“). Brill, Leiden 1997, ISBN 90-04-10422-4, S. 648–650.
  44. a b c d Rémi Castets: Le Xinjiang: entre enjeux stratégiques et risque sécuritaire. In: Les Grands Dossiers de Diplomatie, Areion Group, Paris. 45 (Géopolitique de la Chine), Juni 2018, ISSN 2115-256X, S. 92–95 (online).
  45. a b Rémi Castets: Déjà un million de personnes passées par les camps de rééducation du Xinjiang: Les Ouïgours à l’épreuve du « vivre-ensemble » chinois. S’il est difficile d’évaluer le nombre de Ouïgours embastillés ou passés par les centres de rééducation — on parle d’un million —, il est certain qu’un système de surveillance sans précédent traque les musulmans du Xinjiang, qui ne sont pas sanctionnés pour ce qu’ils ont fait, mais pour ce qu’ils pourraient faire. M. Xi Jinping veut promouvoir cette politique de répression et de sinisation comme un modèle sécuritaire. (Nicht mehr online verfügbar.) monde-diplomatique.fr, 2019, archiviert vom Original am 7. November 2019; abgerufen am 27. Mai 2020 (französisch). (Printversion: März 2019, S. 6–7)
  46. a b c Bernhard Zand: China's Xinjiang Province: A Surveillance State Unlike Any the World Has Ever Seen. In western China, Beijing is using the most modern means available to control its Uighur minority. Tens of thousands have disappeared into re-education camps. A journey to an eerily quiet region. (Nicht mehr online verfügbar.) Spiegel Online, 26. Juli 2018, archiviert vom Original am 29. Juli 2018; abgerufen am 28. Mai 2020 (englisch).
  47. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al Björn Alpermann: Tibeter und Uiguren in China: Minderheitenpolitik und Widerstand. In: China heute. Band 35, Nr. 2 (190), 2016, ISSN 0932-6855, S. 87–97 (china-zentrum.de [PDF]).
  48. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab Kristin Shi-Kupfer: China - Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) bpb.de, 17. Dezember 2017, archiviert vom Original am 9. Januar 2018; abgerufen am 13. Juni 2020.
  49. George B. Cressey: The 1953 Census of China. In: The Far Eastern Quarterly. Band 14, Nr. 3, 1955, S. 387–388, doi:10.2307/2942333.
  50. a b c d Rémi Castets: Migrations intérieures et colonisation dans le Grand Ouest de la Chine. In: Christophe Jaffrelot, Christian Lequesne (Hrsg.): L’Enjeu mondial: Les migrations. Presses de Sciences Po-L’Express, Paris 2009, ISBN 978-2-7246-1131-1, S. 73–84.
  51. Rémi Castets: La Chine face au terrorisme islamique. In: Questions internationales / La Documentation française, Paris. 75 (Les nouveaux espaces du jihadisme), 2015, ISSN 1761-7146, S. 105–109 (online).
  52. a b c d e f g h Rémi Castets: Opposition politique, nationalisme et islam chez les Ouïghours du Xinjiang. In: Les études du CERI. Nr. 110, Oktober 2004, S. 1–45, hier: S. 21, 44 (online – Tableau 2 Produit intérieur brut par habitant dans les principales unités administratives infra-régionales du Xinjiang en Rmb en 2000). Dort mit Quellenhinweis: "Source : 2002 Xinjiang tongji nianjian, op. cit., pp. 106, 110-115, 713, 715 ; 2002 Zhongguo tongji nianjian, op. cit., S. 51."
  53. Cf. Rémi Castets: Entre colonisation et développement du Grand Ouest : impact des stratégies de contrôle démographique et économique au Xinjiang. In: Outre-terre. Band 3, Nr. 16, 2006, S. 257–272, hier: S. 265f, doi:10.3917/oute.016.0257 (online – Tableau 2 Entre colonisation et développement du Grand Ouest : le Xinjiang). Dort mit Quellenhinweis: "Source : 2002 Xinjiang tongji nianjian, op. cit., S. 51 ; 2005 Xinjiang tongji nianjian, op. cit., S. 106-116, 122-124, 689-700."
  54. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s Elizabeth Van Wie Davis: Uyghur Muslim Ethnic Separatism in Xinjiang, China. In: Asian Affairs: An American Review. Band 35, Nr. 1, 2008, S. 15–29, JSTOR:27821503.
  55. a b c d e f g h i Rémi Castets (Mitarbeit: Sylvain Antichan): Ouïghours: des oasis du Xinjiang aux champs de guerre d’Afghanistan et de Syrie. (Nicht mehr online verfügbar.) theconversation.com, 4. Juli 2018, archiviert vom Original am 5. Juli 2018; abgerufen am 2. Juni 2020 (französisch).
  56. a b c Rémi Castets: Les racines du problème ouïghour et ses derniers développements: Le Xinjiang connaît à nouveau unse recrudescence des trobles. Sa stabilisation est aujord’hui vitale dans la mesure où ses ressources énergétiques et sa position sur les nouvelles routes de la Soie en font un territoire clé pur le développement économique et la stratégie de puissance de la Chine. In: Diplomatie, Areion Group, Paris. Nr. 80, 2016, ISSN 1761-0559, S. 32–37 (online). (Printversion: Nr. 80, Mai-Juni 2016, S. 32–37).
  57. a b c d e f g h i David Makofsky, Bayram Unal, Maimaitijiang Abudugayiti: Social Class and Islamic Identity: Chinese Uyghur Students and Working Class in Turkey. In: Athens Journal of Social Sciences. Band 6, Nr. 2, April 2019, S. 155–176, doi:10.30958/ajss.6-2-5.
  58. a b c Rémi Castets: Entre colonisation et développement du Grand Ouest: impact des stratégies de contrôle démographique et économique au Xinjiang. In: Outre-terre. Band 3, Nr. 16, 2006, S. 257–272, hier: S. 265f, doi:10.3917/oute.016.0257 (online – Tableau 2 Entre colonisation et développement du Grand Ouest : le Xinjiang). Dort mit Quellenhinweis: "Source : 2002 Xinjiang tongji nianjian, op. cit., S. 51 ; 2005 Xinjiang tongji nianjian, op. cit., S. 106-116, 122-124, 689-700."
  59. a b Rémi Castets: The Modern Chinese State and Strategies of Control over Uyghur Islam. In: Central Asian Affairs. Band 2, Nr. 3, 2015, S. 221–245, doi:10.1163/22142290-00203001 (online).
  60. a b c David Brophy: Taranchis, Kashgaris, and the 'Uyghur Question' in Soviet Central Asia. In: Inner Asia. Band 7, Nr. 2. Brill, 2005, S. 163–184, JSTOR:23615693.
  61. David Brophy: Uyghur Nation: Reform and Revolution on the Russia-China Frontier. Harvard University Press, Cambridge & London 2016, ISBN 978-0-674-66037-3, hier S. 2, JSTOR:j.ctvjghx68 (i-xiv, 1-347).
  62. Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 380.
  63. Alexander Morrison: Kazakhstan. In: Kate Fleet, Gudrun Krämer, Denis Matringe, John Nawas, Everett Rowson (Hrsg.): Encyclopaedia of Islam, THREE. Brill, 2018, doi:10.1163/1573-3912_ei3_COM_33107 (englisch). Erste Online-Veröffentlichung: 2018, Erste Printausgabe: ISBN 978-90-04-35667-2, 2018, 2018-6. Abgerufen am 15. Juli 2020.
  64. C. E. Bosworth: Yarkand. In: P. J. Bearman, Th. Bianquis, C. E. Bosworth, E. van Donzel & W. P. Heinrichs (Hrsg.): The Encyclopaedia of Islam. New Edition. 11 („W - Z“). Brill, Leiden 2002, ISBN 90-04-12756-9, S. 286–288.
  65. a b c Ellen Halliday: Uighurs Can't Escape Chinese Repression, Even in Europe. Activists are sharing their stories and grief—and Beijing is paying attention. (Nicht mehr online verfügbar.) In: theatlantic.com. 20. August 2019, archiviert vom Original am 20. August 2019; abgerufen am 14. Juni 2020.
  66. a b c Murad Sezer: Without papers, Uighurs fear for their future in Turkey. (Nicht mehr online verfügbar.) In: reuters.com. 27. März 2019, archiviert vom Original am 27. März 2019; abgerufen am 14. Juni 2020.
  67. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj Colin Mackerras: Ethnic minority languages and cultures. In: Xiaowei Zang (Hrsg.): Handbook on Ethnic Minorities in China (= Handbooks of Research on Contemporary China series). Edward Elgar Publishing, Cheltenham & Northampton 2016, ISBN 978-1-78471-735-3, Chapter 10, S. 214–239, doi:10.4337/9781784717360.00017.
  68. a b c d e f g Uygurs. In: Peter Alford Andrews, unter Mitarb. von Rüdiger Benninghaus (Hrsg.): Ethnic Groups in the Republic of Turkey (= Heinz Gaube, Wolfgang Röllig [Hrsg.]: Beihefte zum Tübinger Atlas des Vorderen Orients. B, Nr. 60.1). Reichert, Wiesbaden 2002, ISBN 3-89500-297-6, S. 77–81 (Erstausgabe: 1989). Die Auflage von 2002 ist ein unveränderter Reprint der Erstauflage.
  69. a b c d Uiguren: „Exil-Hauptstadt“ München (Memento vom 10. Juli 2009 im Internet Archive), br-online.de, Stand: 8. Juli 2009.
  70. a b c d e f g h i j k l München – Exil-Hauptstadt der Uiguren in Deutschland. München gilt als politisches Zentrum der im Ausland lebenden Uiguren. In keiner anderen europäischen Stadt leben so viele wie hier. 700 sind es derzeit – Tendenz steigend, denn die muslimische Minderheit wird in ihrer Heimat China massiv verfolgt. (Nicht mehr online verfügbar.) In: br.de. 18. Dezember 2019, archiviert vom Original am 13. Februar 2020; abgerufen am 9. Juni 2020.
  71. a b c d e f Uiguren: Zahl der Asylanträge von Chinesen in Deutschland hat sich verdoppelt. Unter den Schutzsuchenden sind 193 Uiguren. Die muslimische Minderheit wird von der Regierung verfolgt. Mehr als eine Million von ihnen leben in Umerziehungslagern. (Nicht mehr online verfügbar.) In: zeit.de. 16. Februar 2020, archiviert vom Original am 16. Februar 2020; abgerufen am 9. Juni 2020.
  72. a b c d e Elisabeth Kagermeier: Uiguren: Die blauen Wölfe. In keiner europäischen Stadt leben so viele Uiguren wie in München. Sie sind froh, dass nun die ganze Welt über Chinas Lager weiß – frei fühlen können sie sich nicht. (Nicht mehr online verfügbar.) In: zeit.de. 9. Dezember 2019, archiviert vom Original am 9. Dezember 2019; abgerufen am 9. Juni 2020.
  73. Newrozfest bei Uighuren... (Nicht mehr online verfügbar.) In: ari-magazin.com (ARImagazin /Ari Dergisi, Ausgabe 57). 7. Februar 2006, archiviert vom Original am 16. Februar 2006; abgerufen am 15. Juni 2020.
  74. a b Cf. Kristin Shi-Kupfer: China - Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) bpb.de, 17. Dezember 2017, archiviert vom Original am 9. Januar 2018; abgerufen am 13. Juni 2020.
  75. a b Menschenrechte: Immer mehr Uiguren wollen Asyl in Deutschland. In China wird die muslimische Minderheit mit wachsender Härte verfolgt. Das spiegelt sich auch in den Zahlen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge wider. (Nicht mehr online verfügbar.) In: dw.com. 29. November 2019, archiviert vom Original am 30. November 2019; abgerufen am 9. Juni 2020.
  76. Colin Mackerras: Xinjiang in China’s Foreign Relations: Part of a New Silk Road or Central Asian Zone of Conflict? In: East Asia. Band 32, Nr. 1, 2015, S. 25–42, doi:10.1007/s12140-015-9224-8.
  77. a b c d e f g h i j k l m Uyghur Muqam of Xinjiang [Nomination file No. 00109]. (Nicht mehr online verfügbar.) In: ich.unesco.org. Archiviert vom Original am 10. Mai 2017; abgerufen am 4. Juni 2020.
  78. Madlen Kobi: Constructing, Creating and Contesting Cityscapes: A Socio-Anthropological Approach to Urban Transformation in Southern Xinjiang, People’s Republic of China (= Alltagskulturen Chinas und seiner Nachbarn). Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2016, ISBN 978-3-447-10590-3, hier S. 211–214, doi:10.2307/j.ctvc7717d, JSTOR:j.ctvc7717d (I-XII, 1-214).
  79. a b c d e f g h i j k l m n Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 853.
  80. a b c d e f g h i j Matthew S. Erie: China and Islam: The Prophet, the Party, and Law. Cambridge University Press, New York 2016, ISBN 978-1-107-05337-3, S. 8–10, doi:10.1017/9781107282063.
  81. a b c d e Raymond Lee: Muslims in China and their Relations with the State. (PDF; 385 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) studies.aljazeera.net (Al Jazeera Centre for Studies), 26. August 2015, archiviert vom Original am 1. Juni 2020; abgerufen am 1. Juni 2020. Auch veröffentlicht als: Raymond Lee: Reports: Muslims in China and their Relations with the State. The article explains why the Uyghurs are under China's harsh restriction and analyzes the future policies the PRC will adopt and possible reactions from the Uyghur side. The recent rise of violent incidents in Xinjiang entailed Beijing to adopt austere regulation on Uyghur's religious right. (Nicht mehr online verfügbar.) studies.aljazeera.net (Al Jazeera Centre for Studies), 26. August 2015, archiviert vom Original am 3. Januar 2017; abgerufen am 1. Juni 2020.
  82. a b Ablimit Baki Elterish: The construction of Uyghur urban youth identity through language use. In: Joanne Smith Finley, Xiaowei Zang (Hrsg.): Language, Education and Uyghur Identity in Urban Xinjiang (= Routledge Studies On Ethnicity In Asia). Routledge, London & New York 2015, ISBN 978-1-138-84772-9, S. 75–94.
  83. Gerard A. Postiglione: Education, Ethnicity, Society and Global Change in Asia: The Selected Works of Gerard A. Postiglione. Routledge (Taylor & Francis Group), London & New York 2017, ISBN 978-1-138-23433-8, Kapitel 7 (Dislocated education: the case of Tibet), S. 114–142, 128f., Fußnote 24, Seite 138 (276 Seiten).
  84. a b c d e f g h i j Äsäd Sulayman: Hybrid Culture in Xinjiang: Problems Surrounding Uyghur Name/Surname Practices and their Reform. In: Ildikó Bellér-Hann, M. Cristina Cesàrom, Rachel Harris, Joanne Smith Finley (Hrsg.): Situating the Uyghurs Between China and Central Asia (= Anthropology and cultural history in Asia and the Indo-Pacific). Ashgate, Aldershot u. a. 2007, ISBN 978-0-7546-7041-4, S. 109–130 (S. i-xxiv, 1-249).
  85. Äsäd Sulayman: Hybrid Culture in Xinjiang: Problems Surrounding Uyghur Name/Surname Practices and their Reform. In: Ildikó Bellér-Hann, M. Cristina Cesàrom, Rachel Harris, Joanne Smith Finley (Hrsg.): Situating the Uyghurs Between China and Central Asia (= Anthropology and cultural history in Asia and the Indo-Pacific). Ashgate, Aldershot u. a. 2007, ISBN 978-0-7546-7041-4, S. 109–130, hier S. 113 (S. i-xxiv, 1-249). Mit Verweis auf: Mutällip Sidiq Qahiri: Uyġur kiši isimliri. Qäšqär uyġur näšriyati, Qäšqär 1998, ISBN 7-5373-0671-0 (uigurisch, S. 1-586 + 5 S. Tafeln). [Original in arabisch-uigurischer Schrift]. Vgl. auch: Mutällip Sidiq Qahiri: Uyğur kiši isimliri qamusi [Ein neu-uigurisches Onomastikon]. Šinjang uniwersiteti näšriyati, Ürümči 2010, ISBN 978-7-5631-2422-0 (uigurisch, S. 1-891 + 14 [18] Seiten). [Original in arabisch-uigurischer Schrift].
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  89. a b c d e f g h i j k l m n Nancy Shatzman Steinhardt: China's Early Mosques (= Robert Hillenbrand [Hrsg.]: Edinburgh Studies in Islamic Art). Edinburgh University Press, Edinburgh 2018, ISBN 978-0-7486-7041-3, Chapter 9 Xinjiang: Architecture of Qing China and Uyghur Central Asia, 259-274, JSTOR:j.ctvxcrp18 (S. i-xxiv, 1-331).
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  99. Matthew S. Erie: China and Islam: The Prophet, the Party, and Law. Cambridge University Press, New York 2016, ISBN 978-1-107-05337-3, S. 14, doi:10.1017/9781107282063.
  100. a b c Barbara A. West: Encyclopedia of the peoples of Asia and Oceania. Facts On File / Infobase Publishing, New York 2009, ISBN 978-0-8160-7109-8, S. 577.
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  106. a b c Rémy Dor: Apendi. In: Kate Fleet, Gudrun Krämer, Denis Matringe, John Nawas, Everett Rowson (Hrsg.): Encyclopaedia of Islam, THREE. Brill, 2013, doi:10.1163/1573-3912_ei3_COM_27260 (englisch). Erste Online-Veröffentlichung: 2013, Erste Printausgabe: ISBN 978-90-04-25269-1, 2013, 2013-4. Abgerufen am 15. Juli 2020.
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  110. Joanne N. Smith Finley: The Art of Symbolic Resistance: Uyghur Identities and Uyghur-Han Relations in Contemporary Xinjiang (= Michael R. Drompp, Devin DeWeese [Hrsg.]: Brill's Inner Asian Library. Band 30). Brill, Leiden & Boston 2013, ISBN 978-90-04-25491-6, hier S. 93 f., doi:10.1163/9789004256781 (S. i–xxx, 1-454). Mit Verweis auf: Ildikó Bellér-Hann: Community Matters in Xinjiang, 1880–1949: Towards a Historical Anthropology of the Uyghur (= China Studies. Band 17). Brill, 2008, ISBN 978-90-04-16675-2, ISSN 1570-1344, S. 205.
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  154. a b Michael Dillon: Xinjiang in the Twenty-First Century: Islam, Ethnicity and Resistance. Routledge, Abingdon & New York 2019, ISBN 978-1-138-81105-8, Part 1 (Deep roots of the Xinjiang conflict), Chapter 1 (Turkic Muslims and the Chinese state: centuries of conflict), S. 1–208.
  155. a b c d e f g h Barbara Vorsamer [Interview mit Gudrun Wacker (SWP) und Eberhard Sandschneider (DGAP)]: Unruhen in China: Frust entlädt sich in Gewalt. Mindestens 140 Tote bei den Unruhen in der westchinesischen Provinz Xinjiang: Der Konflikt zwischen Uiguren und Han-Chinesen eskaliert. Er rückt einen seit vielen Jahren schwelenden Konflikt ins Blickfeld - die internationale Gemeinschaft hat bisher oft weggeschaut. Ein Gespräch mit Experten. (Nicht mehr online verfügbar.) sueddeutsche.de, 17. Mai 2010, archiviert vom Original am 22. Mai 2020; abgerufen am 22. Mai 2020.
  156. Kunal Mukherjee: The Uyghur Question in Contemporary China. In: Central Asian Survey. Band 34, Nr. 3, 2010, S. 420–435, doi:10.1080/09700161003659129 (online). Online veröffentlicht am 11. Mai 2010.
  157. a b c d Adrian Zenz: New Evidence for China’s Political Re-Education Campaign in Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) jamestown.org, 18. Mai 2018, archiviert vom Original am 22. September 2018; abgerufen am 23. Mai 2020. Veröffentlicht als: China Brief, Volume 18, Nr. 10.
  158. a b c d e f g h i j k l m Michael Dillon: Xinjiang in the Twenty-First Century: Islam, Ethnicity and Resistance. Routledge, Abingdon & New York 2019, ISBN 978-1-138-81105-8, Part 1 (Deep roots of the Xinjiang conflict), Chapter 2 (Escalation of violence in the 1990s), S. 1–208.
  159. Kunal Mukherjee: The Uyghur Question in Contemporary China. In: Central Asian Survey. Band 34, Nr. 3, 2010, S. 420–435, doi:10.1080/09700161003659129 (online). Online veröffentlicht am 11. Mai 2010. Mit Verweis auf: Amnesty International, People’s Republic of China, Nr. 37.
  160. a b c d e f Kunal Mukherjee: The Uyghur Question in Contemporary China. In: Central Asian Survey. Band 34, Nr. 3, 2010, S. 420–435, doi:10.1080/09700161003659129 (online). Online veröffentlicht am 11. Mai 2010. Mit Verweis auf: Amnesty International, People’s Republic of China, Nr. 37, S. 3.
  161. Klemens Ludwig: Vielvölkerstaat China. In: Verlag C. H. Beck, S. 120.
  162. Alexandra Cavelius: Die Himmelsstürmerin. Chinas Staatsfeindin Nr. 1 erzählt aus ihrem Leben. Heyne, München 2007, ISBN 978-3-453-12082-2, S. 290–295.
  163. Devastating Blows: Religious Repression of Uighurs in Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) Human Rights Watch, 11. April 2005, archiviert vom Original am 23. August 2015; abgerufen am 20. Mai 2020 (englisch). Mit Verweis auf: "Terrorist Activities Perpetrated by 'Eastern Turkestan' Organizations and Their Links with Osama bin Laden and the Taliban", 21. November 2001, gepostet auf der offiziellen Homepage der Permanent Mission of the People's Republic of China to the United Nations (abgerufen am 5. Oktober 2003).
  164. cf. Terrorist Activities Perpetrated by "Eastern Turkistan" Organizations and Their Links with Osama bin Laden and the Taliban. (Nicht mehr online verfügbar.) Embassy of the People's Republic of China in the Republic of Estonia, 29. November 2001, archiviert vom Original am 23. Oktober 2011; abgerufen am 21. Mai 2020 (englisch).
  165. Devastating Blows: Religious Repression of Uighurs in Xinjiang. (Nicht mehr online verfügbar.) Human Rights Watch, 11. April 2005, archiviert vom Original am 23. August 2015; abgerufen am 20. Mai 2020 (englisch).