Uigurisches Kaganat

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Uigurisches Kaganat und Gebiete unter seiner Herrschaft (rote Linie) um 820

Das Uigurische Kaganat war ein Steppenreich der Uiguren im nordöstlichen Zentralasien.

Das Kaganat wurde 745 in Nachfolge des zweiten Türk-Kaganats gegründet und bestand bis ungefähr 840, als es von den Kirgisen zerstört wurde. Kulturhistorisch bedeutsam ist der Übertritt vieler Uiguren zum Manichäismus.

Aufstieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Iltimis Kutluq Bilge-Kül erhoben sich 744–745 die Uiguren, die hier erstmals als Stammesverbindung erschienen, gegen die Göktürken und zerschlugen das bereits angeschlagene zweite Türk-Kaganat. Als eine aus neun Stämmen bestehende Föderation verschiedener Nomaden und sesshafter Bevölkerungsgruppen erschufen sie in einer Abfolge lokaler Konflikte das Uigurische Kaganat auf dem Gebiet der heutigen Mongolei.

Sie übten eine Art Oberherrschaft über die benachbarten Stämme der Basmıl, Karluken, Türgesch, Oghusen, Tataren, Kitan und Kirgisen aus. Jene Stämme, die sich ihnen nicht unterwerfen wollten, zwangen die Uiguren zur Abwanderung. Man verzeichnete Ackerbau und einige Städte bis hinein nach Tuwa. Als politisches Zentrum ihrer Macht erbaute die Stammesföderation der Uiguren die Oasenstadt Karabalgasun (auch Ordū-bālīḡ), die etwa 320 Kilometer westlich von Ulan Bator lag und schätzungsweise 25 Quadratkilometer umfasste.

Die Welt um 820: Das Uigurische Kaganat (braun) zwischen China (gelb) und Kirgisen
Uigurischer Kagan im 8. Jhdt.
Uigurenfürst, Wand-/Höhlenmalerei in Bezeklik bei Turfan, 8./9. Jhdt.

Höhepunkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits unter den Söhnen Iltemis, Bilge-Kül [reg. 747–759] und Tengri [reg. 759–779], wurde das uigurische Kaganat alten Nomaden-Traditionen entsprechend geteilt. Die Hauptstadt der Osthälfte war das mongolische Char balgas, das sich am Ostufer des Orchon befand. Dessen Ruinen sind zwischenzeitlich ausgegraben und durch eine zwölf Meter hohe Festungsmauer berühmt geworden. Dort lebten damals bis zu 100.000 Menschen. Als Hauptstadt des Westreiches galt Tofar.

Unter Bilge-Kül erreichte das Kaganat seine größte Macht. 758 besiegten die Uiguren ein 50.000 Mann starkes Heer der Kirgisen und unterbrachen die Verbindungen zwischen dem Kirgisenreich und Tang-China. Die Söldnerdienste des Kaganats für die (vom An-Lushan-Aufstand) erschütterte Tang-Dynastie führten dazu, dass Tengri 762 nach China kam und dort, mit dem Großteil des Adels, zum Manichäismus übertrat. Aber auch die Assyrische Kirche und der Buddhismus breiteten sich im Reich aus. Dadurch wurde es den Uiguren ermöglicht, den Handel mit dem christlichen Morgenland auszubauen. Sie übernahmen nun die syrisch-aramäische Schrift und bildeten in der Folgezeit ein bedeutendes Schrifttum aus, wie zum Beispiel das Werk Kutadgu Bilik des Yusuf Has Hajib, das in den Jahren 1069 bis 1070 entstand.

Eine führende Rolle im Reich, wie zuvor unter den Türken, spielten die Sogdier, die sehr erfolgreich als Händler und in der Verwaltung tätig waren. Teile des Adels waren mit der Politik der Sogdier jedoch nicht einverstanden. So kam es unter der Führung des Tun Baga Tarkhan zum Aufstand des Adels, und Tarkhan ordnete die Ermordung (779) seines Vetters Tengri Khagan an, als dieser sich weigerte, die Sogdier zu entmachten. Tarkhan nahm nun den Titel Alp-Kutluq Bilge an. Alp-Kutluq richtete seine Politik wieder nach China aus und ließ zahlreiche Christen ermorden.

Niedergang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

788 wurde Alp-Kutluq von China nicht mehr als Jüngerer Bruder – also Söldner –, sondern als Halb/Schwiegersohnenger Freund – bezeichnet. Nach dem Tode Alp-Kutluqs (789) verloren die Uiguren vorübergehend an politischem Einfluss. Nachfolger wurde nun Külüg-Bilge (reg. 789/90), und bereits 790 wurde der minderjährige Bruder Kutluq-Bilge (790/95) zum Herrscher ausgerufen. Doch lag die wahre Macht bei General Kutluq, der allerdings als erfolglos galt: Sämtliche Feldzüge des Jahres 790 gingen für Kutluq verloren. 795 starb Külüg-Bilge, ohne einen Nachfolger zu hinterlassen.

General Kutluq nahm den Namen Ay-Tengride Ülüg-Bulmis Alp-Kutluq Ulugh-Bilge (reg. 795–805) an und übernahm die Macht. Bereits 791/92 konnte er die Niederlagen von 790 ausbügeln, als er mehrere Städte im Tarimbecken von den Tibetern eroberte. Ay-Tengride stellte die Macht des Uigurenreiches wieder her, wovon seine Nachfolger Ay-Tengride Kut-Bulmis Külüg-Bilge (reg. 805–808) und Ay-Tengeride Kut-Bulmis Alp-Bilge (reg. 808–821) noch lange zehren konnten. Der Nachfolger des letzteren, Kün-Tengride Ülüg-Bulmis Alp-Küchlüg-Bilge (reg. 821–824), baute die guten chinesisch-uigurischen Beziehungen weiter aus; allerdings warfen die ständigen Einfälle uigurischer Horden in China dunkle Schatten auf diese Beziehungen. China war mit seinen Belohnungen für die Hilfsdienste der Uiguren nicht mehr so großzügig wie einst: Ay-Tengride Kut-Bulmis Alp-Bilge (reg. 824–832) musste sich mit der bescheidenen Erlaubnis, Pferdehandel treiben zu dürfen, und mit ein paar Ballen Seide zufriedengeben.

Ende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein schwerer Winter 839 und ein Überläufer beschleunigten das Ende: Der uigurische General Külüg Bagha lief 840 zu den Kirgisen über und zusammen mit dem Fürsten Uje Khan († 847) aus dem Yaġlaqar-Clan vernichteten die Kirgisen das Uigurenreich. Ihre Herrscher Kichik-Tegin (reg. 839–840) sowie Ughe-Tegin (reg. 840–846) wurden getötet, die überlebenden Uiguren zerstreut – viele flüchteten südwärts. Das Kirgisische Reich wurde Nachfolger des Uigurischen.

Diese Uiguren gründeten zwei kleinere Staaten, einen im heutigen Xinjiang – das Uigurische Reich von Qočo oder das zweite Uigurenreich (856 – 14. Jahrhundert) – und einen in der heutigen Provinz Gansu. Die Uiguren wurden endgültig sesshaft, vermischten sich mit ihren Nachbarn in einer Stadtkultur und lehnten eine Rückkehr in die mongolische Steppe ab.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael R. Drompp: The Uyghur Empire (744–840). In: Oxford Research Encyclopedia of Asian History Online
  • Colin Mackerras: The Uighur Empire According to the T'ang Dynastic Histories. A Study in Sino-Uighur Relations 744–840. Columbia, SC 1973.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Uiguren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Uiguren – in den Nachrichten