Ujście

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Ujście
Wappen von Ujście
Ujście (Polen)
Ujście
Ujście
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Schneidemühl (Piła)
Gmina: Ujście
Fläche: 5,78 km²
Geographische Lage: 53° 4′ N, 16° 44′ O53.06666666666716.733333333333Koordinaten: 53° 4′ 0″ N, 16° 44′ 0″ O
Höhe: 50 m n.p.m
Einwohner: 3816
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 64-850
Telefonvorwahl: (+48) 67
Kfz-Kennzeichen: PP
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 11: Kolberg-Köslin-Posen-Beuthen (KołobrzegKoszalin-Posen-Bytom)
Schienenweg: kein Bahnanschluss im Personenverkehr mehr
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 16 Ortschaften
8 Schulzenämter
Fläche: 125,98 km²
Einwohner: 8076
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 64 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3019073
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Henryk Kazana
Adresse: pl. Wiosny Ludów 2
64-850 Ujście
Webpräsenz: www.ujscie.pl



Ujście (deutscher Name Usch (Netzekreis), bis 31. Oktober 1937 Deutsch Usch) ist eine Kleinstadt in Polen und Sitz einer Stadt- und Landgemeinde in der Woiwodschaft Großpolen.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Ujście liegt am Südufer der Netze gegenüber der Stelle, an der am gegenüberliegenden Ufer der Nebenfluss Küddow mündet. Die Entfernung zur Stadt Piła (Schneidemühl) im Norden beträgt rund zehn Kilometer. Die Kleinstadt ist fast von allen Seiten von Höhenzügen umgeben, und ihre Bauten liegen recht dicht an der Netze.

Geschichte[Bearbeiten]

Usch am Südufer der Netze, zehn Kilometer südlich der Stadt Schneidemühl, auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Panoramabild der Stadt Usch von 1910
Kirche in Usch

Die Kleinstadt Usch ist einer der ältesten Orte im Netzebruch, einem Grenzgebiet zwischen dem historischen Herzogtum Pommern und Polen. Der Ortsname, der in zahlreichen ähnlichen Varianten vorkommt, ist slawischen Ursprungs und bedeutet soviel wie Mündung.[2] Urkundlich erwähnt wurde der Ort bereits im 11. Jahrhundert. Auf dem sogenannten Schlossberg bei der Stadt stand früher ein befestigtes Schloss, von dem aber bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts kaum noch Spuren sichtbar waren.[3] Es soll bereits im 11. Jahrhundert gestanden haben und befand sich Anfang des 12. Jahrhunderts im Besitz der polnischen Herzöge. Neben der Burganlage entstand eine kleine Ansiedlung. Im Jahr 1108 wurde das Schloss von den Pommern eingenommen, jedoch von Herzog Boleslaw III. Schiefmund zurückerobert.[2] Anschließend diente die Burg als Starostensitz. Während der Zerwürfnisse der polnischen Herzöge untereinander eroberte am 9. Oktober 1223 Władysław Odonic mit Hilfe der Pommern die Burg. Zwar belagerte anschließend sein Onkel Władysław III. Dünnbein mit der Macht Großpolens die Burg, doch gelang es Władysław Odonic, die Festung zu halten.[2] Das Schloss befand sich seit 1296 mehrere Jahrzehnte lang im Besitz der schlesischen Herzöge.

1376 befand sich Friedrich von Wedel im Besitz der Herrschaft Usch (damals Uszcze).[2] 1413 stellte König Władysław II. Jagiełło die Stadt Usch anderen Städten gegenüber – insbesondere Posen – rechtlich gleich und verlieh ihr Magdeburger Recht. Über Strafsachen richtete nun ein Vogt, der selbst jedoch ebenfalls Magdeburger Recht unterworfen war. Zwar war Usch eine freie Stadt, doch konnte sie vom König verpfändet werden. Usch gelangte so in Pfandbesitz von Peter Kordebok. 1430 erhielt Martin von Slawsko von König Władysław die Genehmigung, Kordebok die Pfandrechte abzukaufen und seinerseits in Besitz von Usch zu treten. 1469 war Stanislaus Wantrobka der Pfandinhaber und Besitzer von Stadt und Vogtei Usch. 1489 erhielt der Posener Palatin Matthias von Bnin, ein Abkömmling der Familie Górka, einen Teil der Voigtei. 1518 sagte König Sigismund I. der Alte dem Hieronymus von Bnin, ebenfalls ein Górka, zu, ihn auf Lebenszeit im Besitz von Usch zu belassen und erteilte ihm auch die Genehmigung, von den Kindern des Erbvogts Matthias Krywods den Rest der Voigtei zu erwerben.[2] Die Familie Górka befand sich noch bis nach Mitte des 16. Jahrhunderts und wohl bis zu ihrem Erlöschen im Besitz von Usch. Anschließend war Usch Sitz eines Starosten.[2]

Während des Zweiten Nordischen Kriegs lagerte im Juli 1655 ein polnisches Heer von 15.000 Mann in Usch, um die Schweden daran zu hindern, die Netze zu überqueren. Am 14. Juli begann der schwedische Heerführer damit, Maßnahmen einzuleiten, um in der Schlacht von Ujście den Übergang über die Netze zu erzwingen.[2] Angesichts der militärischen Überlegenheit der Schweden ergaben sich jedoch die befehlshabenden polnischen Adligen am 25. Juli ohne größere Kampfhandlungen und unterwarfen sich dem schwedischen König Karl X. Gustav. Ein Lageplan zu der Schlacht, die auch eine Skizze des Städtchens Usch (‚Oppidum Oustzie‘) enthält, ist von Samuel von Pufendorf angegeben worden.[4] Nach dem schwedischen Sieg lagerte anschließend ein größeres schwedisches Heer in Usch.

Im Zuge der Ersten Teilung Polen-Litauens 1772, mit der die Wiedervereinigung von Ostpreußen und Westpreußen einherging, kam die Stadt zu Preußen. Sie befand sich zu dem Zeitpunkt in einem schlechten Zustand; von 103 Feuerstellen lagen zehn wüst. Den Katholiken stand die Dorfkirche zur Verfügung. Evangelische benutzten einen Raum im Rathaus als Betstube.[3] Auf der gegenüberliegenden Seite der Netze wurde an der Münding der Küddow in einer Kaserne eine preußische Garnison stationiert, die aus einer Schwadron Husaren bestand. 1788 gab es in Usch 112 Häuser.[2]

Usch wurde 1818 dem preußischen Kreis Chodziesen zugeordnet, der über das Ende des Ersten Weltkriegs hinaus bis 1919 existierte. Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags musste der größte Teil des Kreisgebiets, darunter auch Usch, 1920 an die Zweite Polnische Republik abgetreten werden. Im Oktober 1939 besetzte die deutsche Wehrmacht die Region, und das Kreisgebiet wurde wieder dem Deutschen Reich einverleibt. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte die Rote Armee das Gebiet, und die Stadt Usch wurde der polnischen Verwaltung übergeben. Soweit die deutschen Bewohner nicht vor Eintreffen der kämpfenden Kriegsfront geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten]

  • 1783: 580 (ohne Militärpersonen), darunter 65 Evangelische und 19 Juden[3]
  • 1788: 693[2]
  • 1816: 613 (nach anderen Angaben 755), darunter 477 Katholiken, 79 Evangelische und 59 Juden[2]
  • 1837: 1.397[2]
  • 1861: 2.269[2]
  • 1875: 2.144[5]
  • 1880: 2.130[5]
  • 2014: 3.816

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1996 besteht eine Städtepartnerschaft zum mecklenburgischen Kurort Krakow am See.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten]

Die Stadt ist einer von insgesamt 22 Standorten der Ardagh Glass Group für die Herstellung von Behälterglas in Europa. Ujście hatte einige Bahnhöfe und hat noch Anschlüsse an der nur noch im Güterverkehr betriebenen Bahnstrecke Bzowo Goraj–Piła.

Gmina Ujście[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Ujście hat 8.000 Einwohner, die auf einer Fläche von 126 km² leben. Die Fläche entspricht 9,94 % der Gesamtfläche des Powiat Pilski und wird zu 29 % forstwirtschaftlich und zu 62 % landwirtschaftlich genutzt.

Nachbargemeinden sind: Chodzież (Kolmar in Posen), Czarnków (Scharnikau), Kaczory (Erpel), Trzcianka (Schönlanke) und die Stadt Piła (Schneidemühl)

Zur Gemeinde Ujście gehören folgende kleinere Ortschaften (* = Schulzenamt):

Name deutscher Name
(1815–1920)
deutscher Name
(1939–45)
Bronisławki Oberhof Oberhof
Byszki* Byschke Bischke
Chrustowo* Chrostowo
1901–20 Hohendorf
Hangwiese
Hajzdry
Jabłonowo* Jablonowo 1939–43 Waldau
1943–45 Gabelnau
Kruszewo* Kruszewo Kruschendorf
Ługi Ujskie* Usch Hauland**
Mirosław* Miroslaw Buschhagen
Nowa Wieś Ujska* Usch Neudorf Uschneudorf
Nowie Nowen Nauen
Śluza Nowe
Ujście Notecki
Ujście-Łęg
Węglewo* Kahlstädt Kahlstädt
Wilanowiec Wilhelmshöhe Wilhelmshöhe
Żłobki

zu **:Usch Hauland gehörte durchgängig bis 1945 zum Deutschen Reich

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 463–465.
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil, welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Kantersche Hofdruckerei, Marienwerder 1789, S. 111, Nr. 4).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gmina Ujście – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienVorlage:Commonscat/Wartung/P 2 fehlt, P 1 ungleich Lemma

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 28. November 2014.
  2. a b c d e f g h i j k l Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 463–465.
  3. a b c Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil, welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Kantersche Hofdruckerei, Marienwerder 1789, S. 111, Nr. 4).
  4. Samuel von Pufendorf: De rebus a Carolo Gustavo Sueciae rege gestis commentariorum. Nürnberg 1696, S. 64–65.
  5. a b http://www.verwaltungsgeschichte.de/pos_kolmar.html