Ukrainisch-Orthodoxe Kirche – Kiewer Patriarchat

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Wladimirkathedrale in Kiew

Die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche – Kiewer Patriarchat ist eine orthodoxe Kirche in der Ukraine. Zu ihr zählen sich 45,7 % aller Ukrainer (2016).[1] Die Kirche ist stärker in der westlichen Ukraine vertreten. Ihr Oberhaupt ist Metropolit Philaret, sein Sitz ist die Wladimirkathedrale in Kiew. Die Kirche wird von den meisten anderen orthodoxen Kirchen nicht als kanonisch anerkannt.

Neben ihr gibt es noch die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (Moskauer Patriarchat) und die Ukrainische Autokephale Orthodoxe Kirche.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orthodoxe Kirche in der Ukraine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Geschichte der orthodoxen Kirchen in der Ukraine ist vielschichtig. Um 988 war eine einheitliche russisch-orthodoxe Kirche in der Kiewer Rus gebildet worden. Diese gehörte zum Patriarchat Konstantinopel. 1586 entstand ein Patriarchat Moskau.

1596 löste sich in den Gebieten, die zu Polen-Litauen gehörten, eine ukrainische griechisch-katholische Kirche, die sich dem Papst in Rom unterstellte. 1795 kamen die nördlichen Gebiete der Ukraine zum Kaiserreich Russland und die dortigen Kirchen wurden wieder dem Patriarchat Moskau unterstellt. 1921 spaltete sich die Ukrainische Autonome Orthodoxe Kirche, die so genannten Autonomisten, vom Moskauer Patriarchat ab.

Ukrainisch-Orthodoxe Kirche (Kiewer Patriarchat)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1990 forderten ukrainische Bischöfe eine größere Selbständigkeit ihrer Kirche, die im Exarchat Ukraine der Russisch-Orthodoxen Kirche organisiert war. Im April 1992 gab Metropolit Philaret von Kiew sein Ausscheiden aus der Russisch-Orthodoxen Kirche bekannt. Die ukrainische Kirche im Patriarchat von Moskau wählte daraufhin eine neue Leitung und gründete sich im Mai als Ukrainische Orthodoxe Kirche (Moskauer Patriarchat).

Am 25. und 26. Juni 1992 gründete sich in Kiew die Ukrainische Orthodoxe Kirche - Kiewer Patriarchat als Vereinigung von Klerikern und Gemeinden um Metropolit Philaret und der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche. Oberhaupt wurde Patriarch Mstislaw (Skripnik) der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche, der in den USA lebte, sein Stellvertreter Metropolit Philaret. Beide Kirche behielten eigene Organisationsstrukturen bei.

1993 trennten sich nach dem Tod von Patriarch Mstislaw beide Kirchen wieder, neues Oberhaupt des Kiewer Patriarchats wurde Metropolit Wladimir (Romanjuk). 1994 wurde die unabhängige Metropolie von Aquileia und Westeuropa als autonome Teilkirche aufgenommen. 1995 wurde Metropolit Philaret neuer Leiter der Kirche nach dem plötzlichen Tod von Metropolit Wladimir. 1997 wurde er von der Russisch-Orthodoxen Kirche offiziell mit dem Kirchenbann belegt.

Die Ukrainische Orthodoxe Kirche (Kiewer Patriarchat) bemühte sich seit 2000 verstärkt um ein Zusammengehen mit der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat) und mit der Ukrainischen Autokephalen Orthodoxen Kirche, bisher ohne Erfolg. Auf der Krim blockierte die Polizei im August 2017 den Zutritt zur Kathedrale der Ukrainischen Orthodoxen Kirche (Kiewer Patriarchat) in Simferopol.[2]

Strukturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diözesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche ist in 34 Eparchien mit 4661 Gemeinden organisiert (2014).[3] Dazu gibt es Diözesen in Russland, Moldawien, Griechenland, den USA, Kanada, Australien, Europa und weiteren Ländern. Zum Dekanat Deutschland gehören Gemeinden in Bielefeld, Braunschweig, Hamburg, Hannover,[4], Köln[5], Frankfurt/Main.[6] und anderen Städten. In Deutschland zählen sich etwa 110.000 Gläubige zur Kirche.

Klöster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche besitzt 60 Klöster mit 188 Mönchen und Nonnen (2014).

Kirchenrechtliche Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ukrainisch-Orthodoxe Kirche - Kiewer Patriarchat wird von den großen orthodoxen Kirchen nicht als kanonisch anerkannt. Das bedeutet, dass die Taufe, Priesterweihe und andere Sakramente von den meisten orthodoxen Kirchen nicht anerkannt werden. Mitglieder der Kirche sind so auch von der Eucharistie in anderen Kirchen ausgeschlossen. Die Kirche ist in keinem übergeordneten orthodoxen Gremium vertreten, auch nicht in der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland oder dem Ökumenischen Weltrat der Kirchen.

Die Kirche unter Metropolit Philaret bemühte sich sehr intensiv um eine kanonische Anerkennung durch das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel, bereits vier Tage nach der Gründung reiste Metropolit Philaret 1992 erstmals nach Istanbul. 2016 forderte das ukrainische Parlament den Ökumenischen Patriarchen auf, die Kirche anzuerkennen. Auch 2017 fanden Gespräche beider Kirchen in Istanbul darüber statt.[7]

Eine kirchenrechtliche Anerkennung ist nur möglich, wenn es einen Zusammenschluss mit der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (Moskauer Patriarchat) gibt, da es in einem Land nur eine kanonische orthodoxe Kirche geben kann. Diese könnte dann autokephal (unabhängig) werden. Angesichts der innerkirchlichen Spannungen zwischen beiden Kirchen und der politischen Polarisierung (Moskauer Patriarchat: prorussisch, Kiewer Patriarchat: proukrainisch) ist diese Lösung zur Zeit unwahrscheinlich.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Repräsentative Befragung des Instituts für Soziologie der Ukrainischen Akademie der Wissenschaften, 2016, (ukrainisch)
  2. Katholische Nachrichtenagentur, 1. September 2017.
  3. Angaben der Staatlichen Abteilung für Religions- und Nationalitätenangelegenheiten vom 1. Januar 2014 (ukrainisch)
  4. Ukrainisch-orthodoxe Gemeinde St. Wolodymir in Hannover-Misburg, Erzpriester betreut Gemeinden in Bielefeld-Senne, Braunschweig und Hamburg mit
  5. Ukrainische orthodoxe Kirchengemeinde der Verklärung des Herrn in Köln, Website
  6. Ukrainisch-Orthodoxe Kirchengemeinde zu Ehren der heiligen Apostelfürsten Petrus und Paulus in Frankfurt, Website
  7. Gespräche in Istanbul Radio Vaticana nach Informationen des Religiosen Informationsdienstes der Ukraine vom 17. Januar 2017