Ukrainische griechisch-katholische Kirche

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Ukrainische griechisch-katholische Kirche
lateinisch Ecclesia Graeco-Catholica Ucrainae,
ukrainisch Українська греко-католицька церква Ukrains'ka Hreko-Katolyts'ka Tserkva
Basisdaten
Jurisdiktionsstatus Großerzbischöfliche Kirche
Ritus byzantinisch
Liturgiesprache ukrainisch, kirchenslawisch
Kalender Julianischer Kalender
Gründungsdatum 1990
Sitz Kiew
Hierarch Großerzbischof von Kiew und Galizien Swjatoslaw Schewtschuk
Statistik
Jurisdiktionen 32
Gläubige 4.346.000
Bischöfe 50
Pfarreien 3987
Diözesanpriester 2941
Ordenspriester 394
Ständige Diakone 102
Ordensbrüder 757
Ordensschwestern 1436
Stand: 2013[1]
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Die Ukrainische griechisch-katholische Kirche (ukrainisch Українська греко-католицька церква; auch Ukrainische katholische Kirche nach byzantinischem Ritus oder Kyiver katholische Kirche) ist eine Teilkirche der römisch-katholischen Kirche. Sie untersteht deren Jurisdiktion, folgt aber dem byzantinischen Ritus in Liturgie und der geistlichen Praxis. Sie geht auf die Kirchenunion von Brest 1596 zurück.

Ihr gehören etwa 5,2 Millionen Gläubige in der Ukraine sowie Polen, den Vereinigten Staaten, Kanada, Südamerika, Australien und Westeuropa an. Das gegenwärtige Oberhaupt der Kirche ist seit 2011 Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk.[2] Der Sitz der Kirche befindet sich in der Auferstehungskathedrale in Kiew.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Polen-Litauen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch: Union von Brest
Die kleine Holzkirche und Glockenturm aus dem 17. Jahrhundert in der Ortschaft Selez im Westen der Ukraine sind architektonisch typisch für die Gegend
Griechisch-orthodoxe Diözesen in Polen-Litauen, 1772

1596 unterschrieben sechs ruthenische orthodoxe Bischöfe mit Vertretern der römisch-katholischen Kirche in Polen-Litauen die Union von Brest. Sie unterstellten sich der Jurisdiktion und den Strukturen der römisch-katholischen Kirche, behielten dabei aber den byzantinischen Ritus in der Liturgie bei und einige orthodoxe Traditionen (Julianischer Kalender, u.a.).[3] Oberhaupt war der Metropolit von Kiew, der allerdings meist in Wilna residierte.

Die Union wurde vom größten Teil des übrigen orthodoxen Klerus abgelehnt. Die Eparchien Przemyśl und Lwów blieben zunächst orthodox. In den übrigen Eparchien wurden fast alle Kirchen und Klöster in den nächsten Jahren der unierten Kirche unterstellt, teilweise gewaltsam.

In Kiew wurde 1620 wieder ein orthodoxer Metropolit eingesetzt, allerdings nur unter dem Schutz der Kosaken. Seit 1648 gehörte dieses Gebiet nicht mehr zu Polen-Litauen. Die unierte Kirche wurde dort aufgelöst. Im übrigen Polen-Litauen setzte sich die unierte Kirche bis zum Ende des 17. Jahrhunderts nahezu vollständig durch.

Russisches Reich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Teilung Polens 1772 kamen große Teile der ruthenischen Gebiete zum Russischen Zarenreich. Im 19. Jahrhundert wurden die unierten Strukturen dort in die orthodoxe Kirche überführt.

Galizien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die unierte Kirche konnte im österreichischen Galizien (1772–1918) unbeeinträchtigt fortbestehen, ebenso in der Zweiten Polnischen Republik (1918–1939). Sie wurde zu einer der Hauptstützen der ukrainischen Nationalbewegung.

Ukrainische SSR[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die galizischen Gebiete an die Ukrainische SSR angeschlossen. Die unierte Kirche wurde durch sowjetische Behörden mit der orthodoxen Kirche zwangsvereinigt; Priester und Ordensangehörige wurden verfolgt und ermordet.[4] Hunderttausende von Gläubigen wurden verfolgt. Alle Bischöfe wurden inhaftiert und lediglich der Erzbischof von Lemberg Jossyf Slipyj 1963 aus der Haft entlassen. Er ging ins Exil nach Rom. Nach seinem Ableben im Jahr 1984 wurde wieder ein Großerzbischof ins Amt berufen.

Neugründung 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Dezember 1989 trafen sich Michail Gorbatschow und Papst Johannes Paul II. in Rom und schlossen ein Abkommen, das die UGKK wieder offiziell zuließ.[5] Die Wiedereröffnung der seinerzeit von den Sowjets geschlossenen Akademie in Lemberg folgte 1994. Im Jahr 2002 erhielt diese theologische Ausbildungsstätte, als erste und bislang einzige auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR, den Status einer katholischen Universität.[6]

Strukturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Oberhäupter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sankt-Georgs-Kathedrale (Sobor sw. Jura) in Lemberg war im 18. und 19. Jahrhundert die Mutterkirche der griechisch-katholischen Kirche in Galizien.

Von der Union an bis etwa 1800 trug das Oberhaupt der unierten Kirche den Titel eines Metropoliten von Kiew. Er wurde aus dem Kreis der Bischöfe gewählt und trug den Titel zusätzlich zu seinem bischöflichen Titel und führte die Teilkirche von seinem Bistum aus. Im 19. Jahrhundert wurde der bisherige Titel aufgegeben und der Bischof von Lemberg zum Metropoliten erhoben. Von nun an residierte das Oberhaupt der Teilkirche beständig in Lemberg. Der 1944 gewählte Metropolit Jossyf Slipyj trug, obwohl er in Rom residierte, weiterhin den Titel eines Metropoliten und seit 1975 eines Großerzbischofs von Lemberg.

Sein zweiter Nachnachfolger, Kardinal Ljubomyr Husar, verlegte im Jahr 2005 den Sitz des Großerzbischofs in die ukrainische Hauptstadt Kiew und trägt seitdem den Titel Großerzbischof von Kiew und Halytsch. Der Großerzbischof wird in der Liturgie mit dem angestrebten, aber nicht amtlichen Titel Patriarch kommemoriert. Lemberg ist weiterhin Sitz eines eigenen Erzbischofs.

Diözesen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche umfasst 30 Diözesen in der Ukraine und mehreren im Ausland.

Ukraine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erzeparchien:

  1. Großerzbistum Kiew-Halytsch: Erzbischöfliches Exarchat Charkiw, Erzbischöfliches Exarchat Donezk, Erzbischöfliches Exarchat Luzk, Erzbischöfliches Exarchat Krim, Erzbischöfliches Exarchat Odessa
  2. Erzeparchie Kiew
  3. Erzeparchie Lemberg: Eparchie Sambir-Drohobytsch, Eparchie Sokal-Schowkwa, Eparchie Stryj
  4. Erzeparchie Ternopil-Sboriw: Eparchie Butschatsch, Eparchie Kamjanez-Podilskyj
  5. Erzeparchie Iwano-Frankiwsk: Eparchie Kolomyia-Tscherniwzi

Argentinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. zur Kirchenprovinz Buenos Aires: Eparchie Buenos Aires

Australien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. zur Kirchenprovinz Melbourne: Eparchie Melbourne

Brasilien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erzeparchie Curitiba: Eparchie Prudentopolis

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Immediat: Apostolisches Exarchat Deutschland und Skandinavien

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eparchie Paris

Vereinigtes Königreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eparchie London

Kanada[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erzeparchie Winnipeg: Eparchie Edmonton, Eparchie New Westminster, Eparchie Saskatoon, Eparchie Toronto

Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erzeparchie Przemyśl-Warschau: Eparchie Breslau-Danzig

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Immediat: Ordinariat für die byzantinischen Gläubigen in Österreich (zusammen mit anderen Griechisch-katholischen Kirchen)

Vereinigte Staaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erzeparchie Philadelphia: Eparchie Parma, Eparchie Chicago, Eparchie Stamford

Strukturen im deutschen Sprachraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1959 besteht die Exarchie für katholische Ukrainer des byzantinischen Ritus in Deutschland und Skandinavien. In Österreich werden die ukrainischen Katholiken, die dem byzantinischen Ritus angehören, vom Ordinariat für die byzantinischen Gläubigen in Österreich betreut, das in Personalunion dem Erzbischof von Wien untersteht, und der griechisch-katholischen Zentralpfarre St. Barbara. Es gibt fünf Gemeinden, in Wien, Linz, Salzburg, Graz und Innsbruck.

Kirchliches Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine ukrainische griechisch-katholische Kirche in Bielefeld

Die Liturgie wird nach byzantinischem Ritus gefeiert. Die Sprache im Gottesdienst ist ukrainisch, nicht kirchenslawisch. Der Pfarrklerus kann vor der Weihe die Ehe eingehen. In der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche gibt es den Orden der Basilianer des hl. Josaphat und den der Basilianerinnen vom hl. Basilius dem Großen. In Brasilien ist das Instituto Secular das Catequistas do Sagrado Coração de Jesus (Säkularinstitut) beheimatet.

In Galizien gab es 1999 über 189 Gemeinden der ukrainischen orthodoxen Kirche (UOK, in der Jurisdiktion des Moskauer Patriarchats), 798 Gemeinden der ukrainischen autokephalen orthodoxen Kirche (UAOK) und 197 Gemeinden der ukrainischen orthodoxen Kirche des Kiewer Patriarchats (UOK-PK). Die beiden letzteren, die nicht kanonisch sind, versuchen das durch die Betonung der Ideen von nationaler Wiedergeburt und Staatsaufbau auszugleichen.[7]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Christian Maner und Norbert Spannenberger (Hrsg.): Konfessionelle Identität und Nationsbildung. Die griechisch-katholischen Kirchen in Ostmittel- und Südosteuropa im 19. und 20. Jahrhundert. (=Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa. 25). Stuttgart 2007. ISBN 3-515-09024-X
  • John-Paul Himka: Religion and Nationality in Western Ukraine: The Greek Catholic Church and the Ruthenian National Movement in Galicia, 1867-1900. McGill-Queen's Univ. Press, Montreal 1999. ISBN 0-7735-1812-6
  • Oleh Turij: Das religiöse Leben und die zwischenkonfessionellen Verhältnisse in der unabhängigen Ukraine. Institut für Kirchengeschichte der Ukrainischen Katholischen Universität, Lviv (Lemberg) 2007

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ukrainische griechisch-katholische Kirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. The Eastern Catholic Churches 2013. Catholic Near East Welfare Association, abgerufen am 21. Januar 2015 (englisch).
  2. Radio Vatikan: Ukraine/Vatikan: Schewtschuk neues Oberhaupt, rv/kipa 25. März 2011
  3. Ihor Harasim: Die Union von Brest. Voraussetzungen und Motive ihrer Entstehung. In: Internationales Forschungsgespräch der Stiftung Pro Oriente zur Brester Union, hrsg. v. Hans Marte. (= Das östliche Christentum. N.F. 54). Würzburg 2004. ISBN 3-7613-0209-6, S. 11–38.
  4. Katrin Boeckh: Stalinismus in der Ukraine: die Rekonstruktion des sowjetischen Systems nach dem Zweiten Weltkrieg. Harrasowitz-Verlag 2007, ISBN 978-3447055383 (Habilitation); S. 25, 70, 102, 478ff.
  5. Svitlana Hurkina: Der Prozess der Legalisierung der UGKK und die Unabhängigkeit der Ukraine, in: Bernd Florath (Hrsg.): Das Revolutionsjahr 1989. Die demokratische Revolution in Osteuropa als transnationale Zäsur (Analysen und Dokumente der BStU), V&R 2011, S. 181 (online).
  6. Johannes Oeldemann: Ukrainische griechisch-katholische Kirche. In: Wolfgang Thönissen (Hrsg.): Lexikon der Ökumene und Konfessionskunde. Im Auftrag des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik. Herder. Freiburg im Breisgau. 2007. ISBN 978-3-451-29500-3. S. 1380–1382.
  7. Thomas Bremer:Die griechisch-katholische Kirche in der Ukraine heute: Ideologische Hindernisse für den Dialog mit der Orthodoxie bei owep.de, abgerufen am 17. Februar 2015.