Ukrajinska Prawda

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Українська правда.svg

Ukrajinska Prawda (ukrainisch Українська правда, wörtlich Ukrainische Wahrheit) ist eine von Heorhij Gongadse im April 2000 gegründete, ukrainische Online-Zeitung.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeitung entstand als Reaktion auf die zunehmend schwieriger werdende Lage für ukrainische Journalisten, unter der Regierung Leonid Kutschma unabhängig zu arbeiten. Um der Zensur zu entgehen, wich sie daher auf das Internet aus. Ukrajinska prawda kennzeichnete sich vor allem durch eine kritische Berichterstattung über Korruption unter den führenden Politikern und zog sich schnell Feinde aus der wirtschaftlichen und politischen Elite des Landes zu.

Der Gründer Heorhij Gongadse verschwand im September 2000, nachdem er sich an das Innenministerium gewandt hatte, um zu melden, dass er überwacht und verfolgt werde. Seine Leiche wurde zwei Monate später enthauptet aufgefunden, was zu großem Aufruhr in der ukrainischen Bevölkerung führte[2] und schließlich in den Kassetten-Skandal um Präsident Leonid Kutschma mündete.

Ukrajinska Prawda spielte eine große Rolle in der Vorbereitung und Durchführung der Orangen Revolution, während der Präsidentschaftswahlen im Jahre 2004. Sie war eine der letzten verbliebenen, unabhängigen Berichterstatter und veröffentlichte, abweichend von den staatlichen Fernsehsendern, die Ergebnisse der parallelen Stimmauszählung von Opposition und ausländischen Wahlbeobachtern.

Nach den Ereignissen der Orangen Revolution versteht sich die Online-Zeitung bis heute als eine Verfechterin der „orangen“ Ideen und verfolgte auch während der Präsidentschaft Wiktor Juschtschenkos (2005–2010) einen regierungskritischen Kurs. Sie kritisierte auch die Präsidentschaft des pro-russischen und zunehmend autoritären Wiktor Janukowytsch (2010–2014). Die Zeitung gehörte danach zu den Unterstützern des Euromaidan.

Mit dem aus Belarus stammenden Pawel Scheremet wurde im Juli 2016 ein zweiter Journalist des Mediums ermordet. Der Mord wurde nicht aufgeklärt.[1]

Angeregt durch die Ukrajinska Prawda entstanden später weitere ukrainische analytische Online-Zeitungen. Die wichtigsten drei gehen personell wie sachlich so wie diese zurück auf politisch-kulturelle Gruppierungen und Publikationen in Lemberg: Zaxid.net, Zbruč und Postup.[3]

Im Mai 2021 verkaufte die Eigentümerin Olena Prytula 100 Prozent ihrer Anteile an Dragon Capital, einer ukrainischen Investment-Gesellschaft. Die Parteien vereinbarten, dass die redaktionelle Politik des Blattes unverändert bleibt.[4][5]

Chefredakteure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Taras Kuzio: From Kuchma to Yushchenko. In: Problems of Post-Communism 52, 2, 2005, S. 3–17.
  • Taras Kuzio: Ukraine’s Orange Revolution. The opposition’s road to success in Ukraine. In: Journal of Democracy 16, 2, 2005, S. 117–130.
  • Lucan A. Way: Kuchma’s failed authoritarianism. In: Journal of Democracy 16, 2, 2005, S. 131–145.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Ukrajinska Prawda. Abgerufen am 19. August 2022.
  2. Leiche eines ukrainischen Journalisten entdeckt. Abgerufen am 19. August 2022 (österreichisches Deutsch).
  3. Die gedruckten Ausgaben von Postup, wo auch Gongadse zeitweilig mitarbeitete, erschienen bereits ab Ende 1999 gleichzeitig als PDF-Versionen im Internet. Ab 2006 wurde Postup dann zur Internetzeitschrift.
  4. Alexander Query: Dragon Capital buys Ukrainska Pravda - May. 26, 2021. 26. Mai 2021, abgerufen am 19. August 2022.
  5. CEO of Dragon Capital Tomas Fiala buys social and political online media Ukrainska Pravda. In: AIN.Capital. Abgerufen am 19. August 2022 (amerikanisches Englisch).