Ulf Kirsten

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Ulf Kirsten

Ulf Kirsten (ca. 1997)

Spielerinformationen
Geburtstag 4. Dezember 1965
Geburtsort RiesaDDR
Größe 172 cm
Position Stürmer
Vereine in der Jugend
1972–1978
1978–1979
1979–1983
BSG Chemie Riesa
BSG Stahl Riesa
Dynamo Dresden
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1983–1990
1990–2003
Dynamo Dresden
Bayer 04 Leverkusen
154 0(57)
350 (181)
Nationalmannschaft

1985–1990
1992–2000
DDR U-21
DDR
Deutschland
10 00(4)
49 0(14)
51 0(20)
Stationen als Trainer
2003–2005
2005–2011
Bayer 04 Leverkusen (Co-Trainer)
Bayer 04 Leverkusen II
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Ulf Kirsten (* 4. Dezember 1965 in Riesa, DDR) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler der DDR und anschließend der Bundesrepublik Deutschland und gilt als einer der besten deutschen Torjäger der 1980er und 1990er Jahre. „Der Schwatte“ war Cheftrainer der zweiten Mannschaft von Bayer 04 Leverkusen in der Regionalliga West und kümmert sich um seine eigene Stiftung, die „Ulf-Kirsten-Stiftung“, zugunsten der Nachwuchsarbeit seines Heimatvereins Dynamo Dresden.

Laufbahn als Spieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulf Kirsten (rechts) im Duell mit Matthias Morack bei einem DDR-Oberligaspiel Dynamo Dresden – FC Union Berlin im Mai 1988

Vor der Wende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulf Kirsten hatte seine Karriere, bevor er 1979 zur SG Dynamo Dresden wechselte, bei zwei Vereinen in seiner Heimatstadt Riesa – BSG Chemie Riesa (1972–1978) und BSG Stahl Riesa (1978–1979) begonnen.

Bei Dynamo Dresden schaffte Kirsten in der Oberligasaison 1983/84 den Sprung in die erste Mannschaft. In 154 Oberligaspielen traf er 57-mal für Dresden. Im Europapokal erzielte Kirsten in 21 Spielen acht Treffer. Der international größte Erfolg der Dresdner in Kirstens Zeit bei Dynamo war der Einzug ins Halbfinale des UEFA-Pokals in der Saison 1988/89, in dem man knapp (0:1-Niederlage beim VfB Stuttgart und 1:1 in Dresden) am Einzug ins Finale scheiterte. Kirsten gewann mit Dresden mehrere nationale Titel: 1988/89 und 1989/90 wurde Dynamo DDR-Fußballmeister und gewann 1984, 1985 (jeweils gegen den BFC Dynamo) und 1990 (gegen den Polizeisportverein Schwerin) mit Kirstens Beteiligung den FDGB-Pokal. Insgesamt lief er im Pokalwettbewerb der DDR 34-mal für die SGD auf und schoss dabei 14 Treffer. 1990 wurde er zum Fußballer des Jahres in der DDR gewählt.

Unumstrittener Stürmerstar in Leverkusen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sprung in die Bundesliga gelang Kirsten ohne Mühe, bereits in seinem ersten Bundesligaspiel traf er gegen den FC Bayern München. Er entwickelte sich bei den Leverkusenern zum besten einheimischen Bundesligastürmer der 1990er Jahre. Von der Spielzeit 1990/91 bis zur Saison 2002/03 konnte Kirsten in 350 Erstligabegegnungen 181-mal ins gegnerische Tor treffen. Dazu kommen 32 Europapokaltreffer in 54 Partien für den Verein aus dem Rheinland. Vier Mal – 1996/97, 1998/99, 1999/2000 und 2001/02 – wurde Kirsten jeweils Bundesliga-Zweiter. Ein Meistertitel mit Leverkusen blieb ihm jedoch in allen 13 Spielzeiten versagt, jedoch gewann der Verein durch ein Tor von Kirsten den DFB-Pokal 1993 im Endspiel gegen die Amateure von Hertha BSC. Der Traum vom Europapokalsieg erfüllte sich auch in Leverkusen nicht: In der Saison 2001/02, als der Verein sowohl in der Meisterschaft als auch im DFB-Pokal 2002 nur Zweiter wurde, unterlag Kirsten mit den Rheinländern im Glasgower Hampden Park gegen Real Madrid im Finale der UEFA Champions League mit 1:2.

Zu seinen persönlichen Erfolgen im Fußball gehörten neben der Wahl zum vorletzten DDR-Fußballer des Jahres im Jahr 1990 die drei Torjägerkanonen in den Bundesligaspielzeiten 1992/93 (20 Tore), 1996/97 und 1997/98 (jeweils 22 Tore).

Mit seinen 181 Bundesligatoren belegt Kirsten Platz sechs der ewigen Torschützenliste der Bundesliga.[1]

Als Nationalspieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirsten bestritt 100 A-Länderspiele – 49 Partien für die DDR (14 Tore) und 51 für die Bundesrepublik Deutschland (20 Tore) – und erzielte insgesamt 34 Tore.

Kirsten, der zehnmal (vier Tore) für die U-21 der DDR aktiv war, debütierte für die A-Auswahl bereits als 19-Jähriger am 8. Mai 1985 im dänischen Kopenhagen bei der 1:4-Niederlage gegen Dänemark. Für eine WM oder EM konnte sich die DDR weder 1986 noch 1988 oder 1990 qualifizieren. Kirstens Karriere in der DDR-Fußballnationalmannschaft endete am 13. Mai 1990 mit einem 3:3-Unentschieden gegen Brasilien im Estádio Mário Filho (Maracanã) von Rio de Janeiro.

Sein erstes Spiel im Trikot des DFB-Teams absolvierte er am 14. Oktober 1992 beim 1:1 gegen Mexiko im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion. Kirsten gehörte 1994 und 1998 zum WM-Aufgebot der Deutschen unter Bundestrainer Berti Vogts, wobei er nur beim Turnier in Frankreich 1998 zu vier Kurzeinsätzen ohne Tor kam. Während Kirsten 1992 und 1996, als die Vogts-Elf den Titel in England gewann, nicht im deutschen EM-Kader war, nominierte ihn Erich Ribbeck für die EM in Belgien und den Niederlanden im Jahr 2000. Im Rahmen dieses Turniers absolvierte Kirsten am 20. Juni 2000 bei der 0:3-Niederlage gegen Portugal im Feijenoord-Stadion von Rotterdam sein 100. und letztes A-Länderspiel.

In zwei Länderspielen gelang Kirsten ein „Dreierpack“, jeweils zum 3:2-Sieg: am 28. März 1990 für die DDR-Elf unter Trainer Eduard Geyer gegen die USA und am 2. April 1997 im WM-Qualifikationsspiel für das DFB-Team gegen Albanien.

Laufbahn als Trainer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Karriereende 2003 wurde Kirsten durch Bayer Leverkusen als Co-Trainer der ersten Mannschaft übernommen. 2005 wechselte er für sechs Jahre auf die Position des Cheftrainers der zweiten Mannschaft.

Seit Oktober 2012 arbeitet Kirsten bei einer Sportagentur im Bereich Marketing und Spielervermittlung mit dem Schwerpunkt Asien.[2]

Soziales Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirsten gründete mit den Einnahmen seines Abschiedsspiels vom 16. November 2003 die Ulf-Kirsten-Stiftung. Deren Ziel ist die nachhaltige Förderung des Sports, insbesondere des Jugendfußballs, in Dresden und der Region Dresden.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Wenn bei einem Auswärtsspiel keiner ruft: ‚Kirsten, du Arschloch‘, dann weiß ich genau, dass ich schlecht bin.“
  • Eduard Geyer: „Dort, wo andere den Fuß wegziehen, geht Kirsten mit dem Kopf hin.“

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ulf Kirsten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Profil auf kicker.de, abgerufen am 4. Februar 2016
  2. „Ich muss niemandem hinterherlaufen“. sz-online.de (kostenpflichtig), 11. September 2012, abgerufen am 11. September 2012.
  3. Jörg Winterfeldt: Mielkes Rächer unbestraft. welt.de. 22. März 2000. Abgerufen am 26. Juni 2009.
  4. Ingolf Pleil: Mielke, Macht und Meisterschaft. In: Hamburger Abendblatt. 31. Juli 2001, abgerufen am 1. Juni 2016.
  5. DEL: Top Team Sotschi: Bundestrainer Cortina benennt finalen Kader. del.org. 4. Dezember 2012. Abgerufen am 4. Dezember 2012.