Ulf Poschardt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ulf Poschardt bei der Rede zur Freiheit, Friedrich Naumann Stiftung, Düsseldorf, 2013

Ulf Oliver Poschardt[1] (* 25. März 1967 in Nürnberg) ist ein deutscher Journalist und Autor. Seit 2016 ist er Chefredakteur von WeltN24.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Poschardt stammt aus einem evangelischen Elternhaus, sein Vater predigte bei den Methodisten, seine Mutter stammt aus Dänemark. Seinen Zivildienst leistete Poschardt in einer methodistischen Einrichtung in Hamburg ab.[3] Von 1987 bis 1991 studierte Poschardt Journalistik an der Universität München und der Deutschen Journalistenschule, außerdem Philosophie an der Hochschule für Philosophie München. Er arbeitete nebenberuflich als DJ. Im Jahre 1995 wurde er bei Friedrich Kittler an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Dissertation über die Kulturgeschichte des DJs von 1904 bis in die 1990er Jahre promoviert. Die Arbeit erschien als Buch unter dem Titel DJ Culture und wurde von Diedrich Diederichsen in der Spex kritisiert und im Kunstforum International diskutiert.[4][5] Rainald Goetz kritisiert in seinem Buch Rave (1998) das Fehlen der „realen Praxis“ in Poschardts Analyse.[6][7] Das Buch wurde mehrfach übersetzt und erschien 2015 in einer überarbeiteten Fassung. In weiteren Büchern befasste sich Poschardt mit der Gegenwartskultur. Seinem Buch Cool (2000) über Coolness warf Diederichsen vor, „tiefe Einsicht“ mit „barem Blödsinn“ zu vermischen.[8] 2013 erschien sein Buch über den Porsche 911, das 2017 in einer weiteren Fassung erschien und in verschiedene Sprachen übersetzt wurde.[9]

Von 1996 bis 2000 arbeitete er als Chefredakteur des Magazins der Süddeutschen Zeitung. Im Skandal um Tom Kummer stellte sich heraus, dass Poschardt dessen gefälschte Interviews und Storys ungeprüft publiziert hatte.[10][11] Daraufhin wurde ihm von der SZ gekündigt und er wurde im Januar 2001 als Berater der Chefredaktion der Welt am Sonntag angestellt.[11] Im Juli 2001 wurde er dort „Creative Director“.[12]

Von 2005 bis 2008 war Poschardt Gründungs-Chefredakteur der im Februar 2007 erstmals erscheinenden deutschen Ausgabe von Vanity Fair.[13] Poschardt verpflichtete den Schriftsteller Rainald Goetz für einen täglich erscheinenden Blog unter dem Titel Klage, den Goetz 2009 als Buch veröffentlichte.[14] Das Magazin erreichte jedoch nur schlechte Absatzzahlen. Poschardt verließ das Magazin[15] und kehrte als stellvertretender Chefredakteur der Welt am Sonntag zur Axel Springer AG zurück.[16] 2009 wurde Poschardt neben seiner Funktion als stellvertretender Chefredakteur Herausgeber der Musikmagazine Rolling Stone (deutsche Lizenzausgabe), Musikexpress und Metal Hammer, die nach ihrem Umzug von München nach Berlin im Januar 2010 der Welt-Gruppe zugeordnet wurden.[17] 2014 wurde Poschardt stellvertretender Chefredakteur von WeltN24, später deren Chefredakteur.[18][2] Im Januar 2019 bekamen die Welt und die Welt am Sonntag eigene Chefredakteure.

Von 2019 bis 2020 hatte er abwechselnd mit Anja Reschke eine zweiwöchentliche Kolumne über Twitter im „Streit“-Ressort der Zeit.[19]

Poschardt ist verheiratet und hat drei Kinder.[20]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 56. Bundespresseball Die Gäste 2007. In: Der Tagesspiegel. 23. November 2007, abgerufen am 30. September 2019.
  2. a b Ulf Poschardt, Autorenseite bei welt.de
  3. Kirche hat "Welt"-Chef Poschardt als regelmäßigen Besucher verloren. Abgerufen am 8. November 2019.
  4. TOBIAS RAPP: Lass uns nicht über Spex reden. In: Die Tageszeitung: taz. 15. November 2005, ISSN 0931-9085, S. 15 (taz.de [abgerufen am 10. Januar 2021]).
  5. Cool Club Cultures – Band 135-1996. Abgerufen am 10. Januar 2021 (deutsch).
  6. Rainald Goetz: Rave. Suhrkamp, Frankfurt 1998, S. 82.
  7. Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Rainald Goetz. text + kritik (Heft 190), München 2011, ISBN 978-3-86916-108-2, S. 46.
  8. Diedrich Diederichsen: „Scheitern mit Schiller. Tiefe Einsicht und barer Blödsinn: Diedrich Diederichsen über Ulf Poschardts ehrgeizigen Versuch, in einem Groß-Essay die Phänomene der Pop-Kultur zu ergründen“, Die Woche, 3. November 2000, S. 39.
  9. Ulf Poschardt über den Porsche 911 - "Ein Meisterwerk, das sofort verstanden wird". Abgerufen am 10. Januar 2021 (deutsch).
  10. "Frei erfunden, nie geführt", focus.de vom 15. Mai 2000
  11. a b Rudolf Maresch: Kummer über Kummer. In: Telepolis, 31. Mai 2000.
  12. Personalie: Ulf Poschardt wird zum 1. Juli 2001 zum Creative Director der WELT am SONNTAG berufen, Pressemeldung der Axel Springer AG vom 18. Juni 2001
  13. „Laß es nicht hart, sondern edel erscheinen“. FAZ, 6. Oktober 2006, abgerufen am 9. Dezember 2020
  14. Reinhard Jellen: "Dümmste Fehler, Fehler, Fehler über Fehler". Abgerufen am 10. Januar 2021.
  15. „Medien: Ulf Poschardt verlässt den Vanity Fair“ Die Welt vom 11. Januar 2008.
  16. Chefredaktion der WELT-Gruppe neu geordnet welt.de vom 13. März 2008
  17. Axel Springer AG: Neuordnung bei Frauen- und Musiktiteln von Axel Springer, 14. Juli 2009.
  18. Axel Springer SE: Redaktionsspitze aufgestellt: Chefredakteur Jan-Eric Peters übernimmt Gesamtverantwortung für WeltN24, 18. September 2014
  19. Warum die Wochenzeitung Zeit nun Streit sucht. Abgerufen am 5. Januar 2020 (deutsch).
  20. Micky Beisenherz & Studio Bummens: Die Kapitolation (mit Ulf Poschardt). Abgerufen am 10. Januar 2021.