Ulla van Daelen

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Ulla van Daelen 2015 in der Abtei Maria Laach

Ulla van Daelen (* 1962 in Düsseldorf;[1] gesprochen ['da:lən] mit Dehnungs-e; bürgerlich Ursula Gramsch[2]) ist eine deutsche Harfenistin und Komponistin. Ab 1990 war sie zwanzig Jahre lang Solistin des WDR-Rundfunkorchesters. Seitdem arbeitet sie als Musikerin und Produzentin freischaffend. Sie veröffentlichte ab 1993 elf eigene Alben und bewegt sich dabei crossover zwischen verschiedenen Musikgenres.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Van Daelen begann ihre klassische Ausbildung im Alter von fünf Jahren am Klavier. Beim Wettbewerb Jugend musiziert gewann sie mehrere Preise, bevor sie mit 12 Jahren die Harfe für sich entdeckte[3] und schon zwei Jahre später als „Jungstudentin“ ein Juniorstudium an der Musikhochschule Köln begann. Mit 18 Jahren gewann sie einen Harfenwettbewerb des Bundesverbandes der Deutschen Industrie in Frankfurt. Nach dem Abitur nahm sie Unterricht bei Edward Witsenburg in Den Haag und schloss ihr Studium bei Helga Storck und Therese Rieu in Köln mit Auszeichnung ab.[4]

Konzertreisen führten sie unter anderem in die USA und nach Japan. Erste Engagements brachten sie an Theater und große Opernhäuser wie die Deutsche Oper Berlin und die Deutsche Oper am Rhein. 1990 wurde Ulla van Daelen dann als eine Nachfolgerin Jonny Teupens Solo-Harfenistin des WDR-Rundfunkorchesters.[4] Nach zwanzig Jahren verließ sie das Orchester 2010 und arbeitet seither als freie Musikkünstlerin, Komponistin und Produzentin.

Ulla van Daelen verbrachte ihre Kindheit in Monheim am Rhein und ist die jüngere Schwester des Journalisten Christian Gramsch. Sie lebt seit langem in Köln. Ihren Künstlernamen wählte sie nach dem Geburtsnamen ihrer Mutter. Als wichtigste Inspirationsquelle bezeichnet sie die Natur.[3]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angesichts der relativ geringen und meist alten musikalischen Literatur für die Harfe übertrug van Daelen bereits während ihrer Tätigkeit als Solo-Harfenistin im Orchester Klänge und vor allem Rhythmen unterschiedlicher Musikrichtungen auf die Harfe und bezeichnet das Ergebnis als „Classic-Folk-Jazz“.[3]

Heute spielt sie neben Solo-Konzerten oft in kleiner Besetzung als „Ulla van Daelen Duo“ oder „Ulla van Daelen Trio“ mit Urs Fuchs als Partner an Bass und Perkussion bzw. zusätzlich Klaus Mages, Leonard Gincberg oder Mario Argandoña am Schlagzeug. Gelegentlich kommen bei „Ulla van Daelen & friends“ weitere Gastmusiker hinzu, oft etwa Selçuk Şahinoğlu an der Klarinette. Außerdem gestaltet van Daelen Programme mit Literatur, in denen sich Lesung und musikalische Darbietung abwechseln, zum Beispiel Ende 2016 gemeinsam mit Nina Hoger.[5]

Ihr Wirken führte sie unter anderem mit der WDR Big Band Köln und Vince Mendoza zusammen, mit der chilenischen Band Illapu, mit Wolfgang Niedecken und Manfred Krug sowie mit Martina Gedeck, Ulrike Kriener und Sabine Wackernagel.[6] Beim Schleswig-Holstein Musik Festival trat sie mehrfach als Solistin auf.[4] Im Duo war sie zum Beispiel in der Stadtkirche zu Gast auf der 12. Düsseldorfer Jazz-Rally 2004.[7]

Ulla van Daelen 2004 im Schloss Lerbach; gut erkennbar: die Birnenform der heute üblichen Resonanzdecken

Ulla van Daelen spielt seit vielen Jahren auf einer Doppelpedalharfe der italienischen Manufaktur Salvi (siehe Bild).

Stationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon 1993 spielte van Daelen ihre eigenen Kompositionen – im Wechsel mit Repertoirestücken für die Harfe – für ihr erstes Album Ulla Gramsch – Harfe solo ein, das 1997 unter dem neuen Titel Shalimar ein zweites Mal veröffentlicht wurde.[2] Beim Sender Klassik Radio wurde dieses Album kurz nach dem Erscheinen zur „CD des Monats“ gekürt und ihr Stück Boliviana längere Zeit in Rotation gesendet. Schon 1995 wurde das Album Rush Hour produziert und noch im gleichen Jahr veröffentlicht – als Audio CD ein Novum auf dem Klassik-Markt (beim damaligen Label „New Classic Colours“).

1996 engagierte der Produzent Tato Gomez sie für ein Konzept-Album mit Entspannungsmusik, Sunflower, das seitdem weltweit vertrieben wird. 1999 gestaltete van Daelen mehrere Hörfunksendungen im Rahmen der Reihe „Nachtmusik im WDR“, zu der sie sich den Perkussionisten Nippy Noya, den Saxophonisten Charlie Mariano und den Sänger Peter Fessler einlud.

2001 und 2002 begleitete sie die Weihnachtstournee der Jungen Tenöre. 2002 brachte sie außerdem ihr erstes ausschließlich mit Eigenkompositionen bestücktes Album Surprise in der Triobesetzung mit Harfe, Bass und Perkussion heraus.

2004 trat Ulla van Daelen im Duo mit dem Jazz-Pianisten Joachim Kühn auf. Im selben Jahr begab sie sich mit ihrer Jazz-Komposition Surprise für Harfe und Streichorchester in der Bearbeitung des englischen Arrangeurs Steve Gray zusammen mit der „Jungen Kammerphilharmonie NRW“ auf Italien-Tournee.

Im Jahr 2005 erschien ihr Jazz-orientiertes Album Metharphosis, das sie mit Peter Fessler, Charlie Mariano, dem Mundharmonika-Virtuosen Berthold Matschat und weiteren Gastmusikern aufnahm.[8] Mit dem Titelstück eröffnete sie im Anschluss an die Rede des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder die CeBIT in Hannover musikalisch, nach eigener Aussage das bisher unvergesslichste Erlebnis ihres Schaffens.[3]

2006/2007 übernahm sie die musikalische Gestaltung für die im Hörverlag erschienenen Benefiz-Hörbücher Märchenwelten I und II mit prominenten Moderatoren und Schauspielern des ZDF. Im Juni 2007 wurden Titel ihres Albums Surprise als Choreographie auf der Burg Wilhelmstein von 60 Tänzerinnen aufgeführt.

2010 führte ein Konzert in Wintringen am Jakobsweg zur Begegnung mit dem Saarbrücker Autoren und Fotografen Peter Michael Lupp. Daraus entstand die Konzertlesung unterWEGs, die bundesweit an Pilgerorten aufgeführt wird.[9] Zu diesem Programm gab der Regionalverband Saarbrücken 2012 das zweiteilige Klangbuch unterWEGs heraus, das aus einem Buch mit Bildern und Texten von Lupp sowie einer Musik-CD van Daelens zum Buch besteht.[10] 2013 folgte eine Zusammenstellung traditioneller Lieder Zur Weihnacht, die sie für die Harfe arrangierte und um zwei eigene Kompositionen ergänzte.

2015 erschien van Daelens Werk Harp Goes Pop, mit dem sie sich bekannten Popmusiktiteln der 1970er und 1980er Jahre sowie der jüngeren Vergangenheit zuwendete und diese für ihr Instrument neu bearbeitete.[11][12]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1996, sechs Jahre nach Beginn ihres Engagements im WDR-Rundfunkorchester, zeigte die ARD im Rahmen der Musikmesse „Klassik-Komm“ ein Künstlerporträt über Ulla van Daelen im Fernsehen. Auch die ARD-Sendungen Morgenmagazin und Aktuelle Stunde widmeten Ulla van Daelen Künstlerporträts.

2003 sendete Onyx.tv einen mit ihr gedrehten Chillout-Musikvideoclip zu einer leicht bearbeiteten Fassung ihres Titels Story der damals aktuellen CD Surprise.[13] Auch zu Ring of Kerry aus dem Vorgängeralbum Sunflower produzierte Onyx.tv einem Clip.[14]

2004 war sie mit der eigenen Bearbeitung des englischen Volksliedes Greensleeves im „Klingenden NRW“ des WDR Fernsehens zu sehen. 2008 gastierten „Ulla van Daelen & friends“ live im privaten Türkshow-Fernsehprogramm Kunsttempel.

2009 illustrierte der WDR seinen Geschäftsbericht mit einer doppelseitigen Fotografie der damaligen Harfenistin seines Rundfunkorchesters.[15] 2015 verwendete Deutschlandradio Kultur ein Auftrittsfoto des Ulla van Daelen Trios bei den Jazztagen Dresden 2012 als Blickfang des Themas „Jazzharfe“.[16]

2016 lobte der Saarländische Rundfunk bei einer Rezension von Harp Goes Pop die „Perfektion“ der Umsetzung der Poptitel auf der Harfe und das „komplexe“ Solospiel van Daelens ohne Overdubs auf „verschiedenen Ebenen und dann auch noch live“ als „unglaublich“.[17]

Ihre Produktionen werden regelmäßig im WDR 4-Hörfunkprogramm Am Rande der Nacht – Musik zum Träumen gesendet.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ihren bisher elf eigenen Alben veröffentlichte Ulla van Daelen insgesamt 151 Titel, wobei es sich in 42 Fällen um teils neu arrangierte Wiederveröffentlichungen handelt. Dies gilt zum Beispiel für die komplette Titelliste der ersten Shalimar von 1997. Von den bislang 109 bearbeiteten Musikstücken komponierte sie 67 selbst. Bei 42 Stücken handelt es sich um fremde Kompositionen oder Traditionals bzw. Volkslieder, die Ulla van Daelen teilweise für die Harfe neu arrangierte. Neben dem Traditional Greensleeves auf Shalimar sind auf Zur Weihnacht acht Volkslieder enthalten. Fremde Kompositionen finden sich einerseits (16 von 26 Titeln) in den noch relativ „klassischen“ frühen Werken Harfe solo und Rush hour, andererseits ist ihr Arrangement für die Harfe gezieltes musikalisches Konzept des jüngsten Albums Harp goes Pop, das mit siebzehn ausschließlich solistischen Coverversionen bekannter Poptitel einen für die Harfe außergewöhnlichen Weg beschreitet.

Studioalben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulla van Daelen 2015 in Grefrath mit ihrem Album Harp Goes Pop, gestaltet von Norbert Höveler

  Soweit nicht anders angegeben nach: Gemeinsame Normdatei,[2] ggf. mit Labelcode-Recherche.[18]

  • 1993: Ulla Gramsch – Harfe solo  (Peter Hennes, Kerpen)[19] Debüt; vergriffen; 1997 neu aufgelegt als Shalimar
  • 1995: Rush Hour  (New Classic Colours/Fono Schallplatten, Laer) (vergriffen)
  • 1996: Sunflower  (The Art of Living/Klick-Verlag, Rotkreuz ZG (Schweiz); 2001 Perleberg, Bochum)
  • 1997: Shalimar  (New Classic Colours) vergriffen; neubetitelte Neuauflage von Harfe solo; 2007 erneut aufgelegt
  • 2002: Surprise  (Sonic Market, Düsseldorf)
  • 2005: Metharphosis  (Westpark Music, Köln)
  • 2007: Shalimar  (Van Daelen) um Stücke aus Rush Hour sowie das Traditional Greensleeves erweiterte Neuauflage
  • 2011: Harp & Glory  (Van Daelen Music, Köln)
  • 2012: unterWEGs  (Van Daelen Music, Köln) CD zum gleichnamigen Klangbuch, siehe Mitwirkungen[10]
  • 2013: Zur Weihnacht  (Van Daelen Music, Köln)
  • 2015: Harp Goes Pop  (Van Daelen Music, Köln)

Mitwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Seite 20-21 – jugend_musiziert. Broschüre. Rheinischer Sparkassen- und Giroverband, abgerufen am 18. Dezember 2015.
  2. a b c d e f Ergebnis der Suche nach „Ulla van Daelen“ im gesamten Bestand. Deutsche Nationalbibliothek, abgerufen am 19. November 2016.
  3. a b c d Alida Pisu: Auf einen Tee mit Ulla van Daelen. Interview. meinesuedstadt.de, 31. Oktober 2014, abgerufen am 16. Juli 2016.
  4. a b c Der Weg zur eigenen Musik. Biografie (Selbstvorstellung). ullavandaelen.de, abgerufen am 27. November 2015.
  5. Termine. Sechs Programme „Lesung & Harfe“ ab 2. Dezember 2016. ullavandaelen.de, abgerufen am 16. Juli 2016.
  6. Aktuelle Programme 2015/16. Katharina Wackernagel (katharinawackernagel.de), abgerufen am 19. Dezember 2015.
  7. Band ABC 2004. duesseldorfer-jazzrally.de, abgerufen am 26. Dezember 2015.
  8. CD-Booklet; online unter http://www.ullavandaelen.de/de/seite/metharphosis/, abgerufen am 1. Januar 2017.
  9. Neuerscheinung Klangbuch. Regionalverband Saarbrücken, abgerufen am 4. Januar 2016.
  10. a b c Ergebnis der Suche nach idn=102239181X. Zwei Publikationen. Deutsche Nationalbibliothek, abgerufen am 19. November 2016.
  11. Angela Wilms-Adrians: Ausflüge mit der Harfe in die Pop-Musik. In: Rheinische Post. 15. Dezember 2015, abgerufen am 9. Januar 2016.
  12. Ulla van Daelen brilliert mit Pop-Songs. „Harp goes Pop“ als Live-Performance. grefrather-buchhandlung.de, abgerufen am 9. Januar 2016.
  13. Der Onyx-Video-Clip Story von 2003 ist in geringer Auflösung seit 2008 auf YouTube zu sehen.
  14. Der Onyx-Video-Clip Ring of Kerry ist in geringer Auflösung seit 2011 auf YouTube zu sehen.
  15. Geschäftsbericht 2009. Westdeutscher Rundfunk Köln, Mai 2010, abgerufen am 15. September 2015.
  16. Manuela Krause: Die geniale Exotin. Jazzmusik mit der Harfe. 30. März 2015, abgerufen am 15. September 2016.
  17. Roland Kunz: CD-Neuheiten. SR 2 – MusikWelt, Sendung 11:20. Saarländischer Rundfunk, 5. Juli 2016, abgerufen am 15. September 2016.
  18. GVL-Labelrecherche. Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten, abgerufen am 19. November 2016.
  19. a b Ergebnis der Suche nach „Ursula Gramsch“ im gesamten Bestand. Deutsche Nationalbibliothek, abgerufen am 20. November 2016.