Ulmer Oratorium

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Das Ulmer Oratorium ist eine zur Feier des 125-jährigen Bestehens des Ulmer Münsterturms von Marios Joannou Elia geschaffene Jubiläumskomposition. Die für Mai 2015 angesetzte Uraufführung scheiterte, da der Komponist sein Werk nicht rechtzeitig vollständig lieferte.[1]

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die 60-minütige Auftragskomposition der Stadt Ulm, die zwischen 2013 und 2014 entstand[2], ist für 400 Musikerinnen und Musiker komponiert (u.a. zehn Solisten, sieben Chöre, zwei Orchester und drei Hauptbühnen).[3] Sie war als Höhepunkt für die 125. Wiederkehr der Münstervollendung geplant.[4]

Das Libretto des Oratoriums schrieb Robert Kleindienst. Gesamtkünstlerischer Leiter des Projektes mit 450 Mitwirkenden war Marios Joannou Elia (zwischen 2013 und März 2015).[5]

Neben die Gesangssolisten und die Münsterorgel sollten „Instrumente“ der Münsterbauhütte[6] (insgesamt 46 Werkzeuge wie Knüpfel und Flex; Bausteine werden als Klangkörper genutzt[7]) und ein „Glockenorchester“ unter Einbeziehung der Münsterglocken und weiterer Glocken und glockenartiger Instrumente treten.

Das Sakrale betrachtet Elia im „Ulmer Oratorium“ in überreligiöser Dimension, in weltanschaulicher Hinsicht. Das Werk lehnt sich an das „Elias“-Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy an, mit dem der Festakt zur Fertigstellung des Münsterturms 125 Jahre zuvor gefeiert wurde.[8]

Besetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Werk hat folgende Besetzung[9][10]:

Koloratursopran, Lyrischer Sopran, Mezzosopran, Tenor, Bass, Pop/Jazz-Gesang, Violine, Orgel, Trompete (inkl. Sprechgesang), E-Bass, Philharmonisches Orchester, Blasorchester, Erwachsenenchor, Kinderchor, Glockenorchester, Münsterbauhütte-Ensemble, Diverse Schlagzeugensembles sowie Elektronik.

Uraufführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Uraufführung war am 29. und 30. Mai 2015 geplant - als Open Air auf dem Ulmer Münsterplatz vor jeweils 4.500 Zuschauern.[11]

Wegen Differenzen zwischen Auftraggebern und dem Komponisten konnte die Uraufführung des 500.000 Euro teuren "Ulmer Oratorium" jedoch nicht stattfinden.[12][13] Laut dem Ulmer Oberbürgermeister Ivo Gönner stellte der Komponist die Partitur nicht fristgerecht fertig, so dass die beteiligten Ensembles nicht mehr ausreichend Probenzeit hatten. Elia wies dies jedoch zurück.[14] Die Gesamtkomposition war laut ihm vollständig und rechtzeitig der Kulturabteilung der Stadt Ulm vorgelegt worden. Deren Projektorganisation sei aber mangelhaft gewesen[15]. Zudem hatten die Ulmer Akteure in die Originalkomposition eingegriffen und forderten gravierende musikalische Änderungen.[16][17] Elia wehrte sich ebenfalls gegen Darstellungen der Nicht-Aufführbarkeit seines Werkes.[18][19]

Die Presse (z.B. Südwestpresse[20] und Stuttgarter Zeitung[21]) kritisierte die Haltung der Stadt Ulm.

Die Absage der Uraufführung des "Ulmer Oratoriums" löste eine lokalpolitische Debatte aus.[22]

Eklat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der letzten Gemeinderatssitzung der Amtszeit Ivo Gönners (vom 17. Februar 2016) kam es zum Eklat.[23] Stadtrat Hans-Walter Roth legte die angeblich vollständig gedruckte Partitur des „Ulmer Oratoriums“ auf den Ratstisch, nachdem die Leiterin der Kulturabteilung zuvor noch betonte, dass die Komposition bis heute der Stadt nicht vorliege. Roth sagte dazu, er sei seit dem 8. Mai 2015 im Besitz des fertigen Werks.[24] Roth zufolge schade der Umgang mit dem renommierten Komponisten Elia dem Ruf der Stadt, und eine Musikwissenschaftlerin habe die Partitur als „spielbar“ beurteilt.[25]

Gönner deutete an, die Aufführung sei nicht an mangelnden Noten, sondern an Unklarheiten über die konkrete Produktion, also der Umsetzung des Mammutwerks gescheitert. Manche Beteiligte seien mit dem Werk überfordert gewesen. Aus den Reihen des Gemeinderats hörte man auch Kritik an Gönner, weil dieser einen von Elia geforderten Projektmanager für überflüssig hielt.[26] Gönner nannte zwei Möglichkeiten, das Oratorium doch noch aufzuführen: durch einen externen Veranstalter mit städtischem Zuschuss, oder durch die Stadt Ulm selbst.[27]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Werbetrack des "Ulmer Oratorium" sei allein in der ersten Woche über 40.000 Mal angeklickt worden.[28]
  • Die Ulmer Grünenfraktion forderte nach der Absage dennoch die Aufführung des "Ulmer Oratoriums", wenn auch in unvollendeter Fassung, denn "jedes andere Stück ist zweite Wahl".[29]
  • Der stellv. Fraktionsvorsitzender der CDU, Dr. Hans-Walter Roth, plädierte dafür, dass die Stadt mit dem Komponisten bald zu einer einvernehmlichen Einigung kommen sollte. Er schlug als Aufführungstermin das Schwörwochenende[30] und später das Reformationsjahr 2017[31] vor.
  • In einem Artikel der Südwestpresse wird spekuliert, der Name des Komponisten Marios Joannou Elia habe dazu beigetragen, dass der beliebteste Jungen-Vorname 2015 in Ulm Elias war.[32]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. "Ulmer Oratorium" zum Münsterturm-Jubiläum abgeblasen, Südwestpresse Ulm, 05.03.2015, abgerufen am 9. März 2017
  2. Polymedia Works by Marios Joannou Elia
  3. Ein Mann fürs Monumentale
  4. Meldung Südwestpresse Ulm, 27. März 2015
  5. Spektakel zu Ehren des Münsters
  6. Die Harmonie von Flex und Steinsäge
  7. Vorbereitungen für "Ulmer Oratorium" laufen
  8. Ein Mann fürs Monumentale
  9. Spektakel zu Ehren des Münsters
  10. "Ulmer Oratorium" auf dem Münsterplatz
  11. Spektakel zu Ehren des Münsters
  12. Jubeltöne und Missklänge
  13. Meldung Südwestpresse, 27. März 2015
  14. Meldung Südwestpresse Ulm, 12. Mai 2015
  15. Meldung Südwestpresse, 27. März 2015
  16. Komponist Marios Joannou Elia: Ulmer Oratorium war am Tag der Absage abgeschlossen
  17. Komponist Elia: „Ich war einfach zu hilfsbereit“
  18. Meldung Augsbürger Allgemeine, 11. März 2015
  19. Komponist Marios Joannou Elia: Ulm muss seine Schwächen aufdecken
  20. Münsterturm-Jubiläum am Boden
  21. Der Kleinmut der Besteller
  22. "Oratorium" hat noch politischen Nachklang
  23. Ein Jubiläum, das nachwirkt
  24. Oratorium: Verwirrung geht weiter. Gönner weicht in letzter Sitzung aus
  25. Ein Jubiläum, das nachwirkt
  26. Verwirrspiel um das „Ulmer Oratorium“
  27. Ein Jubiläum, das nachwirkt
  28. Meldung Augsbürger Allgemeine, 11. März 2015
  29. Meldung Südwestpresse, 11. März 2015
  30. Oratorium: Gibt es eine zweite Chance?
  31. Verwirrspiel um das „Ulmer Oratorium“
  32. Beliebtester Jungen-Vorname 2015 in Ulm: Elias