Ulpan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ulpan, 1955

Ein Ulpan (Hebräisch: אולפן, Mehrzahl: Ulpanim, hebr.: אולפנים) ist ein intensiver Hebräischkurs, bei dem Ivrit unterrichtet wird. Ulpan bedeutet Unterricht, Anweisung oder Studio. Der Besuch der Ulpanim legt für die Neueinwanderer (hebr. Olim), Juden die sich für die Alija entschieden haben, einen zentralen Grundstein zur Integration in die israelische Gesellschaft. Es werden wichtige Grundkenntnisse vermittelt, um sich schon sehr bald auf Hebräisch verständigen, sowie die Sprache lesen und schreiben zu können. Die meisten Ulpanim bieten außerdem eine Einführung in israelischer Kultur, Geschichte und Landeskunde, mit dem Ziel, den Neubürgern ein schnelles sich einfügen ins soziale, kulturelle und wirtschaftliche Leben Israels zu ermöglichen.

Auch Intensivkurse für Touristen und Sommerkurse für zumeist jüdische ausländische Studierende werden heute als Ulpanim bezeichnet. Jugendlager werden insbesondere von der Organisation Birthright (hebr. Taglit) organisiert, welche auf Initiative von Charles Bronfman entstand.[1] Aktivitäten, wie z. B. ein Besuch bei den Israel Defense Forces, sollen das Interesse an einer späteren Alija wecken. Zudem besuchen in Israel auch Flüchtlinge, Asylbewerber und nichtjüdische Arbeitsimmigranten häufig einen Ulpan.

Die Entstehung des Konzeptes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzept des Ulpans entstand im Jischuw und wurde 1948 kurz nach Gründung des Staates Israel eingeführt, um das von Eliezer Ben-Jehuda entwickelte Ivrit schnell gegen die anderen von den Einwanderern gesprochenen Sprachen wie Deutsch, Jiddisch oder Englisch durchzusetzen. Der neu gegründete Staat sah sich mit einem massiven Zustrom von Einwanderern und Flüchtlingen aus Europa, Nordafrika, dem mittleren Osten und weiteren Erdteilen gegenüber. Obwohl sie alle als Juden anerkannt wurden, unterschieden sie sich stark in Sprache und Kultur. Das gemeinsame Lernen der modernen hebräischen Sprache im Ulpan diente dabei als erstes gemeinsames Bindeglied und half, eine neue gemeinsame Identität aufzubauen.

Die Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vietnamesische Flüchtlinge in einem Ulpan, 1979

Noch immer spielen die Ulpanim eine wichtige Rolle für Neueinwanderer. Es werden zahlreiche Kurse angeboten, etwa von der Jewish Agency, städtischen Verwaltungen, Kibbuzim und den Universitäten. Für neue Olim ist der Besuch der Kurse kostenlos. Entsprechende Gutscheine können teilweise auch bei kommerziellen Anbietern eingelöst werden, dazu zählen beispielsweise Ulpan Or, Ulpan Gordon, oder Ulpan Bayit in Tel Aviv-Jaffa. Zudem gibt es ein breites Kursangebot im Internet.

Lehrmittel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ora Band, Bella Bergman, Priscilla Fishman: Hebrew: A Language Course (Alef, Bet, Gimel). Behrman House Publishing, Millburn (New Jersey). ISBN 087-4413-31-1.
  • Shlomit Chayat, Sarah Israeli, Hilla Kobliner: Ivrit Min Ha'Hatchala Ha'Chadash (Alef, Bet) – (Hebrew from the Scratch Part 1, 2). Academon, Jerusalem.
  • Nili Ganani: Ivrit Me’Bereshit Alef. Rachgold, Holon. ISBN 965-7374-02-2.
  • Menahem Mansoor: Contemporary Hebrew 1 – An Introductory Course in the Hebrew Language. Behrman House Publishing, Millburn (New Jersey). ISBN 087-4412-51-X.
  • Shulamit Zemach-Tendler: Lehrbuch der Neuhebräischen Sprache (Iwrit). 2., unveränderte Auflage, Buske Verlag, Hamburg. ISBN 978-3-87548-523-3. (Eine 3., vollständig überarbeitete Auflage ist ab Ende 2019 erhältlich.)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michel Abitbol: L'histoire des juifs – De la genèse à nos jours. Hrsg.: Marguerite de Marcillac. Nr. 663. Éditions Perrin, Paris 2016, ISBN 978-2-262-06807-3, S. 852.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ulpan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien