Ulpia Traiana Sarmizegetusa

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Koordinaten: 45° 31′ 0″ N, 22° 47′ 13″ O

Teil einer Inschrift, die sich über dem Portal des Forums von Ulpia Traiana Sarmizegetusa befand
Die Provinz Dakien mit der Hauptstadt Ulpia Traiana

Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacica Sarmizegetusa, oft verkürzt zu Ulpia Traiana Sarmizegetusa (griechisch Ζαρμιζεγέθουσα, Ζερμιζεγέθουσα)[1] war im 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. eine römische Colonia und Hauptstadt der römischen Provinz Dacia (Dakien). Die archäologische Stätte liegt auf dem Gebiet der heutigen rumänischen Gemeinde Sarmizegetusa im Kreis Hunedoara (Siebenbürgen).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1872 publizierter Plan der Ruinen von Ulpia Traiana Sarmizegetusa

Nach dem Sieg des Römischen Reichs unter Kaiser Trajan im zweiten Dakerkrieg 105/106 n. Chr. und kurze Zeit nach der Zerstörung der Hauptstadt des unabhängigen Dakerreichs, Sarmizegetusa Regia, errichteten die Römer zwischen 108 und 110 n. Chr. ungefähr 40 Kilometer südwestlich dieser an der Stelle eines Heerlagers der Legio V Macedonica eine Veteranenkolonie. Sie erhielt zunächst den Namen Colonia Dacica und wurde von Trajan mit dem Ius Italicum ausgestattet. Die Siedlung wurde die Hauptstadt der römischen Provinz Dacia. Während der Herrschaft Hadrians wurde der Name in Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacica Sarmizegetusa geändert, um der Symbolkraft der alten Dakerhauptstadt Rechnung zu tragen, auch wenn es bewusst keine Siedlungskontinuität zwischen diesen Städten gab.[2]

Die Stadt erhielt – wie für eine Provinzhauptstadt üblich – ein Forum, eine Stätte der Kaiserverehrung (aedes Augustalium) und Amphitheater. Später wurde die Siedlung zum Municipium erhoben, während der Herrschaft Severus Alexanders (222–235) gar als Metropolis bezeichnet. Nach der Teilung Dakiens in mehrere Provinzen residierte hier ein Statthalter und tagte das gemeinsame Konzil der „drei Dakien“ (concilium Daciarum trium). Sarmizegetusa war das politische, administrative und kulturelle Zentrum Dakiens, während der militärische und wirtschaftliche Schwerpunkt eher im Castrum Apulum an der Stelle der heutigen Stadt Alba Iulia lag.[3]

Nach dem Rückzug der römischen Truppen und Verwaltung aus Dakien im Jahre 271 siedelten hier zunächst Alanen, deren Reich später von Attilas Hunnen übernommen wurde. Nachdem verschiedene Stämme der Völkerwanderung sich hier die Klinke in die Hand gaben, eroberten die (Proto-)Bulgaren und schließlich verschiedene Turkstämme die Region. Seit dem 14. Jahrhundert war sie erneut Ziel von Auswanderern aus Nordeuropa, deren Ansiedlungen letztendlich alle in den heutigen Staaten aufgingen.

Ausgrabungsstätte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruinen der römischen Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacica Sarmizegetusa

Archäologische Grabungen haben die Stadt Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacica Sarmizegetusa als eine planmäßig angelegte Siedlung nach bewährten römischen Plänen erschlossen. Der stark befestigte Ort hatte auf etwa 30 Hektar Fläche geschätzt 20.000 bis 25.000 Bewohner.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Ptolemäus 3,8,9: Ζαρμιζεγέθουσα; Cassius Dio 68,8,7: Ζερμιζεγέθουσα; Digesten 50,15,1,9: Zarmizegetusa; Geograph von Ravenna 4,7: Sarmazege; Tabula Peutingeriana 7,´5: Sarmategte; in Inschriften meist mit S.
  2. Konrad Gündisch: «Hauptstädte» in Siebenbürgen. In Harald Heppner: Hauptstädte zwischen Save, Bosporus und Dnjepr. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 1998, S. 51–83, auf S. 53.
  3. Konrad Gündisch: «Hauptstädte» in Siebenbürgen. In Harald Heppner: Hauptstädte zwischen Save, Bosporus und Dnjepr. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 1998, S. 51–83, auf S. 54.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ulpia Traiana Sarmizegetusa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien