Ulrich Duchrow

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Ulrich Duchrow 2013

Ulrich Duchrow (* 13. Juni 1935) ist evangelischer Theologe und Sozialethiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrich Duchrow studierte evangelische Theologie und Philosophie in Tübingen, Heidelberg, Zürich und Basel. Von 1960 bis 1963 arbeitete er an seiner Dissertation über Sprachverständnis und biblisches Hören bei Augustin. 1963 heiratete er Ulrike Scharmer. 1968 habilitierte er sich in systematischer Theologie und Sozialethik.[1]

Seit 1984 wirkt der Befreiungstheologe als außerplanmäßiger Professor für systematische Theologie an der Universität Heidelberg.[1] Er ist Mitbegründer von Kairos Europa, einem Netzwerk, das sich im Rahmen des Konziliaren Prozesses u. a. für gerechtere Wirtschaftsbeziehungen mit den Ländern des Südens einsetzt.

Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Duchrow zählt in Deutschland zu den renommiertesten Kritikern des globalen Kapitalismus. In dem Aufsatz Ein Briefwechsel zwischen Arm und Reich und seine Folgen aus dem Jahre 2005 unterzog Duchrow den Neoliberalismus einer kritischen Analyse. Er mahnte an, dass Christen sich ihrer wichtigsten Aufgabe und der Wurzeln christlicher und biblischer Ansprüche besinnen sollten. Das Zentrum seiner Arbeit bildet die Frage, wie die Kirche auf die wirtschaftliche Globalisierung nach neoliberalem Modell antworten kann.[2] In diesem Sinne war Duchrow am Reformationstag 2008 neben Frank Crüsemann, Heino Falcke, Christian Felber, Kuno Füssel, Detlef Hensche, Ton Veerkamp, Karl Georg Zinn u. a. Erstunterzeichner des Aufrufs Frieden mit dem Kapital? Ein Aufruf wider die Anpassung der Evangelischen Kirche an die Macht der Wirtschaft.[3] Des Weiteren ist er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac.[4]

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Deren Wirkung [gemeint ist der weltweite Einzug des Neoliberalismus] auf Menschen und Natur ist in allen Ländern so zerstörerisch, dass niemand mehr davor die Augen verschließen kann – am wenigsten die Kirchen, die ja den Menschen gute Nachricht bringen sollen. In diesem Prozess fordern nun vor allem die Kirchen des Südens, dass die weltweite Christenheit gemeinsam gegen den Neoliberalismus und für eine Wirtschaft im Dienst des Lebens Stellung beziehen muss.“[5]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sprachverständnis und biblisches Hören bei Augustin. Mohr-Siebeck-Verlag, Tübingen 1965, DNB 451007794.
  • Christenheit und Weltverantwortung. Traditionsgeschichte und systematische Struktur der Zweireichelehre. 2. Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 1983, ISBN 3-608-93041-8.
  • Weltwirtschaft heute. Ein Feld für Bekennende Kirche? Christian-Kaiser-Verlag, München 1986, ISBN 3-459-01649-3.
  • (Hrsg. mit Gert Eisenbürger und Jochen Hippler): Totaler Krieg gegen die Armen. Geheime Strategiepapiere der amerikanischen Militärs. 2. Auflage. Christian-Kaiser-Verlag, München 1991, ISBN 3-459-01817-8.
  • Alternativen zur kapitalistischen Weltwirtschaft. Biblische Erinnerung und politische Ansätze zur Überwindung einer lebensbedrohenden Ökonomie. 2. Auflage. Gütersloher Verlags-Haus, Gütersloh 1997, ISBN 3-579-02282-2.
  • (mit Franz Josef Hinkelammert): Leben ist mehr als Kapital. Alternativen zur globalen Diktatur des Eigentums. Publik-Forum, Oberursel 2002, ISBN 3-88095-117-9.
  • Ein Briefwechsel zwischen Arm und Reich und seine Folgen. In: Carl Amery (Hrsg.): Briefe an den Reichtum. Luchterhand-Literaturverlag, München 2005, ISBN 3-630-87186-0.
  • (mit Reinhold Bianchi, René Krüger und Vincenzo Petracca): Solidarisch Mensch werden. Psychische und soziale Destruktion im Neoliberalismus – Wege zu ihrer Überwindung. VSA, Hamburg 2006, ISBN 3-89965-167-7.
  • (Hrsg. mit Franz Segbers): Frieden mit dem Kapital? Wider die Anpassung der evangelischen Kirche an die Macht der Wirtschaft. Publik-Forum, Oberursel 2008, ISBN 978-3-88095-179-2.
  • Gieriges Geld. Auswege aus der Kapitalismusfalle – Befreiungstheologische Perspektiven. Kösel, München 2013, ISBN 978-3-466-37069-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Siehe Lebenslauf Abgerufen am 22. August 2011
  2. Ulrich Duchrow: Ein Briefwechsel zwischen Arm und Reich und seine Folgen. In: Carl Amery (Hrsg.): Briefe an den Reichtum. Luchterhand-Literaturverlag, München 2005.
  3. Frieden mit dem Kapital? Ein Aufruf wider die Anpassung der Evangelischen Kirche an die Macht der Wirtschaft. (PDF)
  4. Mitglieder Wissenschaftlicher Beirat Attac (Stand Januar 2016)
  5. Ein Briefwechsel zwischen Arm und Reich und seine Folgen. In: Carl Amery (Hrsg.): Briefe an den Reichtum. Luchterhand, München 2005, S. 216