Ulrich Hemel

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Ulrich Hemel (* 9. August 1956 in Bensheim/Bergstraße, Hessen) ist ein deutscher katholischer Theologe, Gründer des Instituts für Sozialstrategie, Unternehmensberater, Manager und Unternehmer.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrich Hemel studierte in Mainz und Rom Katholische Theologie, Philosophie sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Im Jahr 1983 wurde er im Fach Religionspädagogik promoviert und habilitierte sich 1988 an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Regensburg. Er engagierte sich speziell für das „Europäische Forum Religionsunterricht“. In Regensburg war er später als Privatdozent und ist bis heute als außerplanmäßiger Professor tätig.

1991 wechselte er zur Boston Consulting Group, wo er für Industrieunternehmen und Banken tätig war und zum Recruiting Director und Manager aufstieg. Öffentlich bekannt wurde u. a. die von ihm beratungsseitig geleitete Sanierung von Carl Zeiss. Ab 1996 wechselte er zur Hartmann AG (Heidenheim), einem Verbandstoffhersteller. 1998 wurde er dort Vorstand, 2001 Vorstandsvorsitzender. In dieser Zeit internationalisierte er das Unternehmen durch Gründung zahlreicher Auslandsgesellschaften in und außerhalb Europas. Nach einem Zerwürfnis mit der Eigentümerfamilie gründete er seine eigene Unternehmensberatungs- und Beteiligungsfirma. Von 2005 bis 2007 führte er den Möbelzulieferer Süddekor und leitete den Verkaufsprozess an ein Private Equity Unternehmen.

Gleichzeitig führte er seine akademische Tätigkeit durch Veröffentlichungen und Vorträge weiter und wurde u. a. 1998 in die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste aufgenommen. Die praktische Erfahrung als Unternehmensleiter und die akademische Vertiefung in den Feldern „Wissenschaftstheorie der Religionspädagogik“ und „Wirtschaftsethik“ trugen dazu bei, dass er Anfang 2008 zum Präsidenten der Katholischen Universität Eichstätt gewählt wurde. Er konnte das Amt aber nicht antreten, da ihn Bischof Gregor Maria Hanke aus Eichstätt als Großkanzler der Universität und als Vertreter der Bayerischen Bischöfe nicht ernannte. Gründe wurden nicht genannt. Am 6. Mai 2008 wurde bekannt, dass das Bewerbungsverfahren neu aufgerollt werden müsse.[1]

Seit 2000 ist Hemel Vorsitzender des Vorstands der Stiftung Forschungsinstitut für Philosophie Hannover, einer vom katholischen Hildesheimer Bischof Josef Homeyer gegründeten kirchlichen Stiftung des öffentlichen Rechts und seit 2004 leitet er mit seiner Frau Amparo Lucia Hemel die Stiftung „Kinder ohne Grenzen“, die ein Kinderheim bei Medellín betreibt. Im Jahre 2009 gründete er das „Institut für Sozialstrategie“,[2] das sich besonders der Frage nach der Gestaltung der globalen Zivilgesellschaft widmet. Vorschläge wie das Bildungssparen[3] wurden teilweise auch in der Politik aufgegriffen (Koalitionsvertrag der Bundesregierung 2009).

Ab 2011 fungierte Hemel auch als Beirat für Fair Observer.[4] Weiterhin ist er in der Jury des Bayer-Aspirin-Sozialpreises und des LEA-Preises für Unternehmerische Verantwortung in Baden-Württemberg tätig. Von April 2012 bis Juni 2013 wurde Hemel zum Interims-CEO der Casa Reha Unternehmensgruppe berufen.[5] Er wirkt außerdem in verschiedenen Beiräten und Aufsichtsräten mittelständischer Unternehmen in der Industrie und der Sozialwirtschaft, teilweise auch als Vorsitzender. 2014 gründete er das Internet-Gesundheitsunternehmen wundshop.de und stellte das eigene Unternehmen Rogg Verbandstoffe strategisch neu auf.[6]

Seit 2017 ist Ulrich Hemel im beratenden Vorstand des Internationalen Wirtschaftssenats / World Economic Counsil als Compliance und Ethik Beauftragter berufen, im Oktober des gleichen Jahres wurde er zum Präsidenten des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) als Nachfolger der Bundestagsabgeordneten Marie-Louise Dött gewählt.

Seit dem 1. Juni 2018 ist er darüber hinaus Direktor des Weltethos Instituts in Tübingen.[7]

Wissenschaftliche Leistungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine wissenschaftlichen Leistungen decken verschiedene Felder ab. 1983 schrieb er eine Wissenschaftstheorie der Religionspädagogik (Theorie der Religionspädagogik), die später unter den 25 Klassikern des 20. Jahrhunderts für dieses Fach gezählt wurde. Sein Buch Ziele religiöser Erziehung erörterte erstmals das Ziel „Religiöse Kompetenz“ im Sinn einer persönlichen Urteils- und Handlungsfähigkeit in religiösen und weltanschaulichen Fragen.

Aus der Zusammenarbeit mit dem damaligen Kollegen Hans-Ferdinand Angel ging der neue Forschungszweig des „Credition Research“ hervor.[8] Hier geht es um „Kreditionen“, also glaubensähnliche Alltagsüberzeugungen mit emotionalen und kognitiven Anteilen. Diese werden zwischenzeitlich auch in den Neurowissenschaften erörtert.

Ausgehend von seiner unternehmerischen Praxis schrieb er 2005 das Buch Wert und Werte – Ethik für Manager. Aus dem Versuch, die Einseitigkeiten des Homo Oeconomicus zu überwinden, und in Verbindung mit dem Forschungsinstitut für Philosophie in Hannover sowie seinem Institut für Sozialstrategie versuchte er, eine neu zu etablierende Disziplin, die „Wirtschaftsanthropologie“, zu begründen. [9] Ausgehend von der Schöpferkraft und Verletzlichkeit des Menschen, von seinem Wunsch nach Zugehörigkeit und Unterscheidung, begründet er „Wettbewerb“ und „Kooperation“ anthropologisch.

Dabei geht er vom Postulat aus, dass der Mensch stets beides ist: Rationaler Nutzenmaximierer („homo oeconomicus“) und nach Sinn und sozialem Anschluss suchende Person („homo cooperativus“). Aus der Balance beider Strebungen entstünden unterschiedliche Formen des Wirtschaftens (z. B. Genossenschaft versus Aktiengesellschaften), aber auch Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Sein dazu veröffentlichtes Buch Die Wirtschaft ist für den Menschen da wurde 2016 ins Spanische übersetzt (Economía para el ser humano, Bogotá 2016). Literatur zu den genannten Themen veröffentlicht er überwiegend auf der Homepage des Instituts für Sozialstrategie. 2018 veröffentlichte er gemeinsam mit Harald Link das Buch Zukunftssicherung für Familienunternehmen, Stuttgart: Kohlhammer 2018.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christine Burtscheidt: Uni-Präsident scheitert an Rom. „GAU der katholischen Kirche“: Warum sich die Universität Eichstätt nach einem neuen Präsidenten umschauen muss. In: Süddeutsche Zeitung vom 7. Mai 2008.
  2. Institut für Sozialstrategie, institut-fuer-sozialstrategie.de.
  3. Forschungsschwerpunkt Bildung, Institut für Sozialstrategie, institut-fuer-sozialstrategie.de.
  4. Ulrich Hemel. Fair Observer, archiviert vom Original am 13. März 2013; abgerufen am 24. September 2016.
  5. Casa Reha Unternehmensgruppe, casa-reha.de.
  6. Rogg Verbandstoffe.
  7. Weltethosinstitut
  8. Processes of Believing: The Acquisition, Maintenance, and Change in Creditions. In: Hans Ferdinand Angel, Lluis Oviedo, Ray Paloutzian, Anne Runehov, Rüdiger J. Seitz (Hrsg.): New Approaches to the Scientific Study of Religion. Springer, 2017.
  9. Claus Dierksmeier, Ulrich Hemel, Jürgen Manemann (Hrsg.): Wirtschaftsanthropologie. Nomos, Baden-Baden 2015.