Ulrich Holbein

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Ulrich Holbein, 1980

Ulrich Holbein (Pseudonyme: Uriel Bohnlich, Heino Brichnull, Heinrich Bullo, Lili Chonhuber, * 24. Januar 1953 in Erfurt) ist ein deutscher Schriftsteller, Hörspielautor, Illustrator und Maler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrich Holbein ist der Sohn einer Säuglingsschwester und eines Ingenieurs. Die Familie verließ 1957 die DDR und siedelte nach Westdeutschland über, wo sie zunächst in Niederkirchen bei Kaiserslautern und anschließend in Kassel-Bettenhausen lebte. Als Kind illustrierte er Oscar Wildes Märchen Der selbstsüchtige Riese als Comic. Von 1963 bis 1966 besuchte Holbein die Herderschule[1] und ab 1967 die Gerhart-Hauptmann-Schule[2]. Schon 1969 las er Henry David Thoreaus Walden[3]. 1971 stelle er einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung gespickt mit Tolstoi- und Stifter-Zitaten[4]. Ulrich Holbein besuchte anschließend in Kassel ein Wirtschaftsgymnasium und ab 1972 eine Fachschule für Sozialpädagogik in Darmstadt. 1973 begann für Holbein eine Dekade ausgedehnter halbjährlicher Vagantenreisen nach Südeuropa[5]. Es folgte ein Aufenthalt in Indien. Von 1974 bis 1975 absolvierte er ein Anerkennungspraktikum in einem Jugendheim in Bad Hersfeld. Von 1976 bis 1982[6] studierte er an der Hochschule für bildende Künste in Kassel freie Malerei[7]. In dieser Zeit lebte Holbein in Tübingen. Er jobbte u. a. als Hilfspfleger und Landschaftsmaler[8] und begann mit dem Verfassen von Beiträgen für Zeitungen und Literaturzeitschriften. Seit 1977 ist er freier Schriftsteller[9]. Zunächst lebte er kurzzeitig im Homberger Ortsteil Allmuthshausen im nordhessischen Knüllgebirge in einer Kommune in einem Bauernhaus und seit 1983 in einem ungestalteten Allmuthshäuser Bienenhaus, dem Merlinhaus, mit naturbelassenem Laissez-faire-Garten. 1990 texte Holbein das Libretto zu Viera Janárčekovás Musikstück Hymnos an Vater Lärm. 2013 übersetzte Holbein mit Christian Rendel C. S. LewisDer König von Narnia[10].

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrich Holbein ist Verfasser von originellen und kauzigen Essays und Hörtexten, in denen er dem Leser und Hörer die Früchte seiner Belesenheit präsentiert und neu arrangiert, bis hin zu dem gänzlich aus Literaturzitaten montierten Roman Isis entschleiert.

Eine Besonderheit in seinem Werk sind literarische Doppelporträts, etwa im Band Ungleiche Zwillinge (2002) oder in Ein Chinese in Rom (2013) über Jean Paul und Johann Wolfgang von Goethe. Die Vergleiche, die Holbein zwischen auf den ersten Blick sehr gegensätzlichen Persönlichkeiten oder Dingen zieht, dienen dazu, zwischen ihnen eine komplementäre Beziehung herauszuarbeiten oder eine universelle Analogie zu entdecken.[11]

Von 1992 bis 1996 erschien in der Zeit die Kolumne Sprachlupe, von 1998 bis 1999 in der Süddeutschen Zeitung Standardsituationen. Außerdem schreibt Holbein regelmäßig für die Zeitschriften konkret, Frankfurter Rundschau, FAZ sowie Oya. Holbein veröffentlichte mehr als 1000 Publikationen.[12]

Der Literaturkritiker Jörg Drews verglich Holbein 1990 in der Süddeutschen Zeitung mit dem jungen Jean Paul, Walter Benjamin und Arno Schmidt.

Zitat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Geh in die Unendlichkeit ein und frag nicht dauernd nach der Uhrzeit! O Mensch, werde wesentlich! Sei da, sei du! Blüh auf, entseelter Atheist! Drum Tauwind und Daowind ins Winterland! Erst übertreiben, dann langsam steigern! Lass alle Sterne unter dir! Vergiss die Meinungen, vergiss die Zeit und erhebe dich ins Grenzenlose.“

– Aus: Ulrich Holbein: Weltverschönerung. Umwege zum Scheinglück - ein Handbuch der lustvollen Lebensgestaltung. Haffman bei Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-86150-819-9.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörspiele, Radioarbeiten und Musikliterarische Features (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Lärmmacher und ihre Opfer, Prosalesung mit Dieter Hildebrandt, 40 Min. Bayerischen Rundfunks, BR 2, Nachtstudio, 1988
  • Warum hast du mich nicht gezeugt?, 25 Min. Radio Bremen, 1991
  • Vogelstimme und Sirenengesang. Die Rolle des Lockvogels im Maschinenzeitalter, 90 Min., SWF 2, 1991
  • Omnipotenzstörungen zu dritt, Prosalesung, BR 2, 1993
  • Musikalische Selbsterziehung zwischen Tröte und Debussy. Oder: Mein gescheiterter Versuch, Komponist zu werden. 130 Minuten. SFB, Sender Freies Berlin, SFB. 1994
  • WIR contra ICH, 60:20 Min., Radio Bremen 2, 1994
  • Aber über mir rauscht die schöne Waldeinsamkeit. Waldesrauschen, Waldweben, Hörwunder und Naturmystik in der Musik. 85 Minuten. SWF 2, 1996
  • Der – kleine – Unterschied zwischen Höhepunkt und Durchbruch. 90 Min. WDR 3, 1996
  • Im Club der toten Denker, Dichter und Künder: Theodor W. Adorno, Arno Schmidt und Rudolf Steiner, ein vertontes Elysiumsgespräch, 90 Min. SWF 2. 30. Juni 1994
  • Hirnwäsche. Kurzhörspiel, 30 Min. Radio Bremen 2. 1998
  • Im Reich des Fleischwolfs, Kurzhörspiel, 16‘04 Min. Radio Bremen 2. 1998
  • Im Reich der Minutenstücke, Musikliterarisches Feature, 89 Min., WDR 3, 1998
  • Würmelwig -- Aufbau einer Idylle. BR 2, 1998
  • Liebe geht durch das Ohr. Zarte Zusammenhänge zwischen Sexus, Musik und Eros, Hörspiel, 52:14 Min. SWF 2/SDR 1998
  • Von wem stammt dieses Adagio? Ein äußerst tückischer Verwechslungsquiz, Hörstück, 55 Min. SWR 2, 1999
  • Glitzernd... pulsierend... eine unendliche Zeit lang. Wie verändert sich Musik unter Drogeneinfluß?, Hörspiel, 82:58 Min., WDR 3. 2000
  • Ich weine viel in meinen Einsamkeiten. Tränenpalast in a-moll, Hörspiel, 55 Min., SWR 2, 2001
  • Morgenlandfahrt in die Dritte Welt. Asiatische Musik in westlichen Ohren, Hörspiel, 57 Min. WDR 3, 2001
  • Gerätepark und Seelenqual. Wie Maschine und Gefühl sich bekämpfen, heiraten und weiterkämpfen, Hörspiel, 56:03 Min. WDR 3, 2001.
  • Wenn Philosophen Radio hören, Musik-Feature, 55 Min. SWR 2, 2002
  • Vorreiter, Nachzügler, Rückwärtsläufer (alias: Der musikalische Rückfall). Wieso kommen Neutöner oft in veralteter Heimat an?, Hörspiel, 59 Min. WDR 3, 2002
  • Musik deformiert Musiker. Musik-Feature. 16’37 Minuten. WDR 3. 2002
  • Oase des Unhörbaren -- was Musikverbot im Ohr dreier Musiker anrichtete, Hörspiel, 58:30 Min. WDR 3, 2003
  • Acht Milliarden Jahre in elf Minuten, Schnellsprechstück, 12 Min. WDR 3, 2004
  • Zuspätromantik, heut und vorgestern... einst und jetzt 56 Min. SWR, 2005

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrich Holbein in: Die vollbesetzte Bildungslücke. Claassen-Verlag, Hildesheim 1993 S. 15
  2. Ulrich Holbein in: Die vollbesetzte Bildungslücke. Claassen-Verlag, Hildesheim 1993 S. 15
  3. Volker Weidermann: Wald als Widerstand. In: Der Spiegel vom 31. März 2018
  4. Ulrich Holbein in: Die vollbesetzte Bildungslücke. Claassen-Verlag, Hildesheim 1993 S. 53
  5. Don Quijote im Knüllgebirge im Cicero 2008
  6. Text + Kritik Band 205 Richard Boorberg Verlag München S. 99
  7. Text + Kritik Band 205 Richard Boorberg Verlag München S. 99
  8. Text + Kritik Band 205 Richard Boorberg Verlag München S. 99
  9. Text + Kritik Band 205 Richard Boorberg Verlag München S. 99
  10. Denis Scheck in AUFGESCHLAGEN...; im Tagesspiegel vom 24. Februar 2013.
  11. Nikolas Buck: Das Doppelporträt. Zur Funktionsweise einer Holbein’schen Gattung. In: Nikolas Buck (Hrsg.): Ulrich Holbein. Sein Werk zwischen Avantgarde und Archivierung. Peter Lang, Frankfurt am Main 2015. Nach der Leseprobe beim Verlag.
  12. Stephan Hebel: Ohne mich in Frankfurter Rundschau vom 22. September 2014
  13. Ben-Witter-Preis In: Die Zeit vom 24. September 2009 S. 2 Ausgabe 40
  14. Ulrich Holbein erhält Literaturpreis. In: Saarbrücker Zeitung (Kultur) vom 31. August 2011, S. B4.
  15. Peterchens Mondfahrt. Peter Sloterdijk besprochen von Ulrich Holbein im Spiegel vom 18. Oktober 1993, abgerufen am 31. August 2018.
  16. Helmut Höge in Bekenntnisse des Anti-Darwin veröffentlicht in der taz vom 17. Februar 2007
  17. Helmut Höge in Bekenntnisse des Anti-Darwin veröffentlicht in der taz vom 17. Februar 2007
  18. Buntes Sammelsurium vom "Berg"; Musik- und Literaturjournalist Frank Schäfer legt mit "Burg Herzberg Festival - since 1968" einen beeindruckenden Einblick vor in Lauterbacher Anzeiger vom 24. Juli 2018

Kategorie:Archivar