Ulrich K. Preuß

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Ulrich K. Preuß (2011)

Ulrich Klaus Preuß (* 6. Dezember 1939 in Marienburg, Westpreußen) ist ein deutscher Rechts- und Politikwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preuß studierte 1960 bis 1964 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Freien Universität Berlin Rechtswissenschaften. Er promovierte 1968 an der Universität Gießen. 1969 gehörte er zu den Gründern des Sozialistischen Anwaltskollektivs. Von 1966 bis 1972 war er beim Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin als Forschungsassistent beschäftigt. 1972 wurde er Professor für Öffentliches Recht an der Universität Bremen, wo er bis 1996 lehrte.

Preuß war 1989/1990 für das Neue Forum an der Ausarbeitung eines Entwurfs einer neuen Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik des Runden Tisches beteiligt.[1] Im akademischen Jahr 1989/1990 war Preuß Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.

1992/1993 war er auf Vorschlag von Bündnis 90/Die Grünen beratendes Mitglied im Verfassungsausschuss Thüringens zur Erarbeitung einer Landesverfassung. 1992 wurde er Richter am Staatsgerichtshof der Freien Hansestadt Bremen. Er war ab 1996 Professor an der Freien Universität Berlin, wo er bis zur Emeritierung 2005 Öffentliches Recht und Politik am Otto-Suhr-Institut lehrte. Preuß hatte Gastprofessuren an der Princeton University, der New School University in New York und der University of Chicago Law School inne. Von September 2005 bis September 2010 war Ulrich K. Preuß an der Hertie School of Governance Professor für Staatstheorie.

Preuß Forschungsschwerpunkte widmen sich der Politischen Theorie, der Staats- sowie der Verfassungs- und Rechtstheorie.

Preuß erstattete 1973 als Anwalt von Ulrike Meinhof Strafanzeige wegen Körperverletzung im Amt gegen den damaligen Justizminister Nordrhein-Westfalens Diether Posser aufgrund der strengen Einzelhaft Meinhofs in der JVA Köln-Ossendorf in der Zeit vom 16. Juni 1972 bis zum 9. Februar 1973.[2] Als Verteidiger war Preuß zusammen mit Heinrich Hannover und dem Frankfurter Anwalt Johannes Riemann an dem Prozess gegen Astrid Proll 1979/1980 beteiligt.[3]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2012 wurde Preuß ein Ehrendoktorat vom Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Bremen verliehen.[4]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Legalität und Pluralismus. Beiträge zur Verfassungsrecht der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt am Main 1973, ISBN 3-518-00626-6.
  • Die Internalisierung des Subjekts. Zur Kritik der Funktionsweise des subjektiven Rechts, Frankfurt am Main 1979, ISBN 978-3-518-06032-2.
  • Politische Verantwortung und Bürgerloyalität. Von den Grenzen der Verfassung und der Gehorsams in der Demokratie, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-100-62410-6.
  • Revolution, Fortschritt und Verfassung. Zu einem neuen Verfassungsverständnis, erweiterte Neuausgabe, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-596-11921-9.
  • Krieg, Verbrechen, Blasphemie. Über die Zukunft globaler Nachbarschaft, Berlin 2003, ISBN 3-8031-2473-5.
  • gemeinsam mit Claudio Franzius: Die Zukunft der europäischen Demokratie, Baden-Baden 2012, ISBN 978-3-8329-7684-2.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ulrich K. Preuß – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrich K. Preuß: Der Versuch einer Verfassunggebung für die untergehende DDR – Ein Werkstattbericht. In: Dieter Grimm, Alexandra Kemmerer, Christoph Möllers (Hrsg.): Gerüchte vom Recht. Vorträge und Diskussionen aus dem Berliner Seminar Recht im Kontext. Baden-Baden 2015, S. 49–96.
  2. Ulf G. Stuberger (Hrsg.): „In der Strafsache gegen Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Jan-Carl Rapse, Gudrun Ensslin wegen Mordes u.a.“. Dokumente aus dem Prozess. Syndikat, Frankfurt am Main 1977, ISBN 3-8108-0021-X, S. 84–90.
  3. Heinrich Hannover: Die Republik vor Gericht 1975–1995. Aufbau, Berlin 1998/99, S. 149–171.
  4. Ulrich K. Preuß wird Ehrendoktor der Universität Bremen, Pressemitteilung der Universität Bremen, 31. Januar 2012, abgerufen am 9. März 2015.