Ulrich Kersten

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Klaus Ulrich Kersten (* 19. April 1941 in Berlin) ist ein deutscher Jurist und ehemaliger Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA). Er war der erste BKA-Präsident, der nach einer Gesetzesnovelle als politischer Beamter in direkter Abhängigkeit vom Bundesinnenminister ernannt und auch vorzeitig entlassen wurde.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zu seiner Promotion zum Dr. jur. war er u. a. in der Grenzschutzdirektion Koblenz und im Bundesamt für Verfassungsschutz tätig. In der Zeit von 1973 bis 1996 übte er diverse Ämter im Bundesinnenministerium aus. Die Arbeitsfelder der Fachaufsicht über nachgeordnete Behörden erstreckten sich von allgemeinen polizeilichen Angelegenheiten über Verbrechensbekämpfung und Kriminaltechnik bis zum polizeilichen Informationswesen. Zuletzt leitete er dort die Abteilung Bundesgrenzschutz.

Im April 1996 wurde er vom damaligen Bundesinnenminister Manfred Kanther (CDU) zum BKA-Präsidenten ernannt. Er löste Hans-Ludwig Zachert ab, der von Kanther in den Vorruhestand versetzt wurde. Mit dem Ministerialbürokraten Kersten erhoffte sich Kanther einen leichteren Zugriff auf die Amtsleitung des Bundeskriminalamtes. Die Möglichkeit, mit der Ernennung zum BKA-Präsidenten den Status eines Polizeivollzugsbeamten zu erhalten, lehnte Kersten ab, sodass er politischer Beamter verblieb, der jederzeit ohne Angabe von Gründen in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden konnte.

In seiner Amtszeit bemühte sich Kersten um eine bessere internationale Zusammenarbeit der Polizei- und Grenzschutzbehörden, den Ausbau der Daktyloskopie sowie einer systematischen Erweiterung der Dateien mit genetischem Fingerabdruck. Im November 2000 wurde er auf Anordnung des Bundesinnenministers Otto Schily (SPD) Delegierter für Europa im Exekutivkomitee der Interpol (siehe auch Schengener Informationssystem).

Infolge der Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA rückte zunehmend der Umgang mit dem internationalen Terrorismus in den Mittelpunkt. In dieser Zeit kam es zu einer weiteren Aufstockung der personellen und finanziellen Mittel des BKA. Zudem bemühte Kersten sich nach außen um eine offene und konstruktive Zusammenarbeit mit den Medien. Im August 2002 nahm er als Gastredner und Diskussionspartner am 1. Petersberger Kongress des Deutschen Journalisten-Verbandes teil, auf dem Fragen zu einer seriösen Berichterstattung und möglicher Instrumentalisierung der Medien durch die Terroristen erörtert wurden. Dabei warb Kersten für ein Verständnis gegenüber der zurückhaltenden Informationspolitik, ohne die seine Behörde keine sachlichen Gefährdungsanalysen und -bewertungen abgeben könne.

Trotz seiner beruflichen Erfolge blieb das Verhältnis zu den rund 5.000 Mitarbeitern im BKA eher distanziert, da er aus seinem Desinteresse an den Belangen der Kriminalbeamten keinen Hehl machte. Vertreter der Polizeigewerkschaft störten sich zunehmend an seiner betonten Sachlichkeit und Monotonie, was sie auf den fehlenden „Stallgeruch“ Kerstens zurückführten, den die Bediensteten an seinem Vorgänger Zachert noch schätzten. Zu einem schweren Vertrauensbruch kam es schließlich zu Beginn des Jahres 2004, als Innenminister Schily auf Vorschlag Kerstens eine Zentralisierung des Bundeskriminalamts in Berlin entschieden hatte. Im Zuge der folgenden Streitigkeiten um den geplanten Umzug wichtiger Teile des BKA von Wiesbaden und Meckenheim nach Berlin fühlten sich die Mitarbeiter von Kersten verraten. Es häuften sich die Vorwürfe, dass Kersten entgegen eigener Aussagen die Auflösung des Standortes Meckenheim bereits beschlossen hatte, ohne vorher die betroffenen Mitarbeiter und die Personalvertretung zu beteiligen. Der interne Widerstand gipfelte in der rechtswidrigen Überspielung einer heimlichen Videoaufzeichnung an das Fernsehmagazin Panorama. Unbekannte filmten eine nicht-öffentliche Personalversammlung,[1] in der Bundesinnenminister Otto Schily und Kersten ihre Standpunkte darlegten.

Mittlerweile stellten sich auch große Teile der Wiesbadener und Meckenheimer Bevölkerung hinter die Forderung der BKA-Beschäftigten und Berufsvertretungen. Dies gipfelte in einer Demonstration tausender Betroffener in der Innenstadt von Wiesbaden und einer Demonstration in Meckenheim. Schily musste feststellen, dass Kersten auch bei den leitenden Beamten, insbesondere allen Abteilungsleitern des Bundeskriminalamtes keinen Rückhalt mehr hatte und folglich auch politisch nicht weiter tragbar war. So entschied er am 5. Februar 2004, Kersten mit sofortiger Wirkung abzuberufen. Schily betonte, Kersten sei nur in den einstweiligen Ruhestand versetzt worden und komme aufgrund seiner fachlichen Qualitäten weiterhin für andere Ämter in Frage.

Nachfolger von Kersten wurde der damalige Leiter der Polizeiabteilung im Innenministerium von Schleswig-Holstein Jörg Ziercke.

Ab dem 1. September 2004 war Kersten bis zu seiner regulären Pensionierung im April 2007 als hochdotierter Sonderbeauftragter von Interpol bei den Vereinten Nationen in New York. Seine erklärte Aufgabe ist war dort, das Fachwissen von Interpol für die UNO nutzbar zu machen. Die Kosten für diese im Namen von Interpol erfolgte Entsendung übernahm die Bundesrepublik Deutschland. Nach der Pensionierung Kerstens wurde dieser Posten weder von Deutschland noch von einem anderen Land wiederbesetzt.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bambule beim BKA - Der Aufstand gegen Schilys Umzugspläne und Presseerklärung: Verbotene Video-Aufnahmen aus dem BKA Panorama vom 22. Januar 2004

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]