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Ulrich Lehmann (Paläontologe)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Ulrich Walter Franz Lehmann (* 7. März 1916 in Hamberge, Kreis Stormarn; † 6. April 2003) war ein deutscher Paläontologe.

Ulrich Lehmann war der Sohn von Emmi Lehmann, geborener Bräutigam, und des Pastors Walter Lehmann und wuchs in Eckernförde auf. Er wollte Forstbeamter werden, studierte nach dem damals obligatorischen Arbeitsdienst aber ab 1935 Geographie und Geschichte, zunächst an der Universität Jena und dann an der Humboldt-Universität zu Berlin zusätzlich Philosophie und Anglistik. Eine Vorlesung von Hans Stille brachte ihn aber zur Geologie. Nach einer Reise als Schiffsjunge in den Fernen Osten studierte er ab 1937 Geologie in Albertus-Universität Königsberg, Baton Rouge (Vereinigte Staaten) und ab 1938 in Göttingen (bei Walter Schriel, Carl W. Correns, Friedrich Drescher-Kaden, Hermann Schmidt, Othenio Abel, Otto Sickenberg und Gustav Angenheister). Nach dem Wehrdienst 1939/40 in Frankreich, aus dem er wegen Hörproblemen entlassen wurde, wurde er 1942 mit einer Arbeit über fossile Auerochsen in Göttingen zum Dr. rer. nat. promoviert. 1944 habilitierte er sich bei Karl Beurlen in München in Paläontologie mit einer Arbeit über Mastodonten. Nach dem Krieg kartierte er zunächst ab 1948 für das Institut für Landesplanung in Göttingen. Er wurde 1951 Assistent von Otto H. Schindewolf und Privatdozent an der Eberhard Karls Universität Tübingen und war ab 1953 Kustos am Geologischen Staatsinstitut Hamburg. Nach einer Gastdozentur 1957/58 an der Southern Illinois University war er ab 1958 außerplanmäßiger Professor an der Universität Hamburg, wo er 1965 Wissenschaftlicher Rat und Professor, 1970 Abteilungsdirektor und 1972 Professor wurde. Bis 1974 war er dort Geschäftsführender Direktor des Geologisch-Paläontologischen Instituts. Seinen Ruhestand trat er im Oktober 1980 an; 1981 wurde er in Hamburg emeritiert.

Lehmann befasste sich speziell mit Säugetierfossilien und Ammoniten. Er ist für einige Standardwerke in der Paläontologie bekannt. Sein Ammoniten-Buch und sein mit Hillmer geschaffenes Lehrbuch der Wirbellosen-Paläontologie erschienen auch in englischer Übersetzung. Außer in Europa sammelte er in Libyen und Spitzbergen, wo er nach fossilen Säugern suchen wollte, die eine von ihm vermutete Landbrücke von Nordamerika nach Nordeuropa im Paläogen bestätigen sollten. 1978 reiste er zu Studienzwecken nach Japan, Australien, Neuseeland und Bangladesch.

Er bestätigte 1966 an Eleganticeras den Sexualdimorphismus von Ammoniten (mit im Allgemeinen größeren Weibchen), vorher (1962/63) schon von John Callomon und Henryk Makowski entdeckt, und er erkannte, dass der bis dahin als Gehäusedeckel aufgefasste Aptychus der Kieferapparat der Ammoniten war. Indem er systematisch die Fossilien zerlegte (was da mit Zerstörung verbunden früher ungern geschah) identifizierte er die Raspelzunge (Radula), Augen, Kiemen und andere anatomische Details.

Im Jahr 1991 wurde er Ehrenmitglied der Paläontologischen Gesellschaft und er war Ehrenmitglied der Österreichischen Geologischen Gesellschaft.

Ulrich Lehmann war evangelisch, heiratete 1945 Elfriede Thiele, mit der er zwei Söhne (Reinhard und Markus) und eine Tochter (Marianne) hatte.

  • Ammoniten, ihr Leben und ihre Umwelt. Enke, 1976; 2. Auflage ebenda 1987.
    • The Ammonites; their life and their world. 1981.
  • mit Gero Hillmer: Wirbellose Tiere der Vorzeit. Leitfaden der systematischen Paläontologie der Invertebraten. Enke Verlag, 1980; 4. Auflage: Spektrum Akademischer Verlag, 1997, ISBN 3-432-90654-4.
  • Paläontologisches Wörterbuch. Enke Verlag 1964; 2. Auflage 1976; 4. Auflage: Schweizerbartsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1996, ISBN 3-432-83574-4.
  • Entwicklung des Lebens. Jaeger, Hannover 1982.
  • Nachruf von Friedhelm Thiedig in: Paläontologische Zeitschrift. Band 78, 2004, S. 1.
  • Lehmann, Ulrich. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 749.