Ulrich Lichtenthaler

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Ulrich Lichtenthaler (* 18. August 1978 in Karlsruhe) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmensberater.

Leben

Ulrich Lichtenthaler studierte Europäische Wirtschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und der Universität Granada. Er schloss sein Studium als Diplom-Kaufmann Univ. (Europa-Studiengang) und mit einem European Master of Business Sciences-Zertifikat ab.[1][2][3] Seine Promotion erfolgte bei Holger Ernst am Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement an der WHU – Otto Beisheim School of Management im Jahr 2006 zum Thema Leveraging Knowledge Assets: Success Factors of External Technology Commercialization. Lichtenthaler habilitierte sich kumulativ Ende 2009, ebenfalls an der WHU.[4] Danach war er zunächst wenige Monate als Gastprofessor an der Technischen Universität Berlin tätig[5] und nahm im Februar 2009 einen Ruf auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Innovation und Organisation an der WHU an.[6]

Zum Frühjahrssemester 2011 nahm Lichtenthaler einen Ruf an die Universität Mannheim an, wo er die Nachfolge von Alfred Kieser als Lehrstuhlinhaber der Professur für ABWL und Organisation angetreten hat.[7]

Lichtenthaler verließ die Universität und seinen Lehrstuhl zum 31. März 2015. Zur Zeit arbeitet er bei einer mittelständischen Unternehmensberatung.[8][9]

Werk

Lichtenthaler hat u.a. in den Zeitschriften Academy of Management Journal, Organization Science oder Strategic Management Journal publiziert.

Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört neben der Organisationstheorie, die Innovationsforschung, die Patentforschung sowie das Strategische Management. Innerhalb seiner empirischen Forschung wendet er überwiegend quantitative Methoden an.

Für seine Arbeiten erhielt er 2007 den mit 2.500 € dotierten Best-Paper-Award Innovation Management, der von der EBS in Kooperation mit dem Mikroforum Hochtechnologiepark in Wendelsheim verliehen wurde.[10][11] 2009 erhielt er den Nachwuchspreis des Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB). Beim Handelsblatt Betriebswirte-Ranking 2009, das die Forschungsleistung von 2100 Betriebswirten in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz seit 2005 analysiert, erreichte er Platz 2 bei der aktuellen Forschungsleistung, Platz 1 im Ranking der Forscher unter 40 Jahren und – obwohl zum damaligen Zeitpunkt erst 30-jährig – Platz 17 im Ranking des Lebenswerks aller aktiven Wissenschaftler.[12] Seine Forschungsleistungen fanden Beachtung in der Wirtschaftspresse. Das Handelsblatt bezeichnete Lichtenthaler infolge seiner herausragenden Ranking-Platzierungen in einem Porträt als: Der Junge, der alles richtig macht.[13]

Lichtenthalers Engagement in Lehre und Ausbildung wurde im Jahr 2011 mit dem Fachschaftslehrpreis der Universität Mannheim ausgezeichnet.[14]

Widerruf bereits publizierter Artikel und Entzug der Lehrbefähigung

Anfang des Jahres 2012 wurde eine Gruppe von 20 Wissenschaftlern auf Unregelmäßigkeiten innerhalb von Lichtenthalers Publikationen aufmerksam. Diese Gruppe befasste sich daraufhin mit 50 von Lichtenthalers Publikationen. Neben mangelnden Verweisen auf eigene ähnliche Publikationen und inhaltlichen Widersprüchen zwischen Veröffentlichungen, die auf gleichen Datensätzen basieren, wurde auf statistische Fehler bei Angaben zur Signifikanz von Ergebnissen hingewiesen. In der Folge wurden bis heute (Juni 2014) 15 Artikel Lichtenthalers zurückgezogen.[15] An der WHU und an der Universität Mannheim wurden Untersuchungskommissionen eingerichtet.

In der Folge wurde die an der WHU erlangte Lehrbefähigung von Lichtenthaler am 11. September 2013 durch den Senat der WHU aberkannt, weil eine „wesentliche Voraussetzung für die Zuerkennung der Lehrbefähigung nicht gegeben war“.[16] Im Oktober 2014 erklärte die Universität Mannheim, dass Lichtenthaler die Universität zum 31. März 2015 auf eigenen Wunsch verlassen werde.[17] [18]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.embs-consortium.com/
  2. http://www.uni-bamberg.de/fileadmin/uni/fakultaeten/sowi/dateien/PO-StO-StHdB/apowiwi-2008.pdf
  3. Ulrich Lichtenthaler: Internationales F&E-Kooperations-Management: Implikationen der Multi-Kooperations-Perspektive, Berlin 2003, ISBN 978-3-936749-91-5.
  4. Forschung & Lehre: Habilitationen und Berufungen 12/2009, Zugriff am 7. September 2012
  5. Zeppelin Universität: CV Ulrich Lichtenthaler, Zugriff am 7. September 2012
  6. Forschung & Lehre: Habilitationen und Berufungen 2/2010, Zugriff am 7. September 2012
  7. http://lichtenthaler.bwl.uni-mannheim.de/
  8. Webseite der Ili Consulting AG: Portrait Dr. Ulrich Lichtenthaler, abgerufen am 31. August 2017.
  9. WHU - Otto Beisheim School of Management, Lehrstuhl für Technologie- und Innovationsmanagement, abgerufen am 1. September 2017.
  10. Best Paper Award – Innovation Management 2007 - Erster Preis an Dr. Lichtenthaler (WHU) verliehen, Zugriff am 6. Dezember 2012
  11. Allgemeine Zeitung (15. Juni 2007):"Deutsche sind Produktionsvolk" - Lothar Späth im Technologiepark Wendelsheim.
  12. http://www.handelsblatt.com/bwl-aktuelleforschung/ (Memento vom 23. Mai 2009 im Internet Archive)
  13. Handelsblatt (17. Juni 2009): Ulrich Lichtenthaler: Der Junge, der alles richtig macht, Zugriff am: 24. August 2012
  14. Prof. Dr. Lichtenthaler erhält Lehrpreis, Universität Mannheim, abgerufen am 2. März 2013.
  15. Handelsblatt (19. Juli 2012): Ungereimtheiten: Mannheimer BWL-Professor im Zwielicht, Zugriff am 25. August 2012
  16. Vorwürfe unredlicher wissenschaftlicher Praxis gegen Professor Dr. Ulrich Lichtenthaler: Senat der WHU beschließt Aberkennung der Lehrbefähigung, Pressemitteilung vom 13. September 2013
  17. Pressemitteilung der Universität Mannheim
  18. Skandal-Professor verlässt Uni Mannheim: Rückzug ging eine lange Untersuchung wegen angeblicher wissenschaftlicher Fehler des BWL-Stars voraus. Handelsblatt vom 20. Oktober 2014, S. 10