Ulrich Renz (Historiker)

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Ulrich Renz (* 20. Mai 1934 in Stuttgart) ist ein deutscher Journalist und Historiker.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Renz wuchs in Giengen an der Brenz auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums erlernte er Mitte der 1950er Jahre bei der Heidenheimer Zeitung das journalistische Handwerk und war anschließend in Heidenheim an der Brenz als Redakteur tätig. 1959 wechselte er zum deutschsprachigen Dienst der Nachrichtenagentur United Press International (UPI) in Frankfurt am Main. Er wurde dort Leiter der Inlandredaktion und später Chef vom Dienst in Zürich und in Frankfurt am Main. 1971 wechselte er zur Nachrichtenagentur Associated Press (AP), wo er von 1986 bis 1992 Chefredakteur war.[1]

Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit war die Gerichtsberichterstattung beim Bundesverfassungsgericht. Außerdem berichtete Renz von fünfzehn NS-Prozessen, darunter auch den Auschwitzprozessen.[1]

Auch im Ruhestand ist Ulrich Renz, der heute in Karlsruhe lebt, als freier Journalist und Autor historischer Schriften tätig. 1989 erschien sein Buch Lauter pflichtbewusste Leute, in dem er die Lebensläufe von Tätern im Dritten Reich aufarbeitete. Bis zu deren Einstellung im Jahre 2012 schrieb er für die Zeitschrift Tribüne zum Verständnis des Judentums.[1]

Mit Georg Elser beschäftigt sich Renz bereits seit seiner Heidenheimer Zeit. In Archiven entdeckte er zahlreiche Dokumente, die für die historische Aufarbeitung der Bedeutung dieses Widerstandskämpfers wegweisend sind, u.a. den von der Gestapo von der Schweiz angeforderten Ermittlungsbericht über Elser im Schweizerischen Bundesarchiv.[2] Renz ist seit 1999 Mitarbeiter der Georg Elser Gedenkstätte Königsbronn.[3] 2004 erhielt er für seine Verdienste um Elser die Königsbronner Gemeindeehrennadel.[1] Er ist Autor der 2009 in der Reihe Prägende Köpfe aus dem Südwesten erschienenen Biografie Georg Elser – Ein Meister der Tat.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Elser. Adolf Hitlers gefährlichster Gegner. Georg Elser Gedenkstätte, Königsbronn 2013
  • Elser und Stauffenberg, in: Tribüne 51 (2012), S. 139–143
  • Bürgerbräukeller. Hochburg und Trümmerfeld. Georg Elser Gedenkstätte, Königsbronn 2011
  • Ein Blick ins Archiv. Dokumente zu Leben und Tat von Georg Elser. Georg Elser Gedenkstätte, Königsbronn 2010
  • mit Tobias Engelsing: Elser & Sohn. Prägende Jahre am Bodensee. Georg Elser Gedenkstätte, Königsbronn 2009
  • Georg Elser. Ein Meister der Tat. DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen 2009, ISBN 978-3-87181-767-0
  • Elser und die Kommissare. Bericht über eine Spurensuche. Georg Elser Gedenkstätte, Königsbronn 2008
  • Kampf um die Gerechtigkeit. Das Schicksal der Familie Hirth. Georg Elser Gedenkstätte, Königsbronn 2007
  • Der Schlüssel zur Welt des Georg Elser, in: Das Protokoll. Die Autobiographie des Georg Elser. Georg Elser Gedenkstätte, Königsbronn 2006, S. 5–10
  • Georg Elsers Abschied. Angehörige und andere Zeugen berichten über die letzte Begegnung mit dem Widerstandskämpfer. Georg Elser Gedenkstätte, Königsbronn 2005
  • Georg Elsers Heimat. Beiträge über den Königsbronner Widerstandskämpfer. Georg Elser Gedenkstätte, Königsbronn 2004
  • In der Sache Gisevius. Ein Augenzeuge des 20. Juli urteilt über Georg Elser. Georg Elser Gedenkstätte, Königsbronn 2003
  • Der Fall Niemöller. Ein Briefwechsel zwischen Georg Elsers Mutter und dem Kirchenpräsidenten. Georg Elser Gedenkstätte, Königsbronn 2002
  • Hitlers „wahrer Antagonist“, in: Tribüne 41 (2002), S. 55–62
  • „Gebt ihm seine Tat zurück.“ Erwin Roth findet die Wahrheit über Georg Elser. Georg Elser Gedenkstätte, Königsbronn 2001
  • Die Akte Elser. Fragenkatalog und Ermittlungsbericht aus dem Schweizer Bundesarchiv. Georg Elser Gedenkstätte, Königsbronn 2000
  • Elser und die Juden. Ein Mensch, viele Motive, in: Tribüne 155 (2000), S. 47 f.
  • Ein Sender wie ein ferner Leuchtturm, in: Tribüne 38 (1999), S. 115–122
  • Elser – Strasser, in: Tribüne 37 (1998), S. 23–26
  • Die Spurensuche nach Josef Mengele, in: Tribüne 31 (1992), S. 132–137
  • Lauter pflichtbewusste Leute. Szenen aus NS-Prozessen. Bund-Verlag, Köln 1989
  • Wozu Menschen fähig sind …, in: Tribüne 27 (1988), S. 210–214
  • Der sorgsam getarnte Massenmord, in: Tribüne 26 (1987), S. 153–158
  • „Schlußstrich“ unter die Vergangenheit?, in: Tribüne 26 (1987), S. 126–131
  • Keiner bekannte seine Schuld, in: Tribüne 25 (1986), S. 106–114

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bundesverdienstkreuz (2015)[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Ulrich Renz: Der Fall Niemöller. Mit biografischen Angaben und Weblinks zu Online-Veröffentlichungen. Abgerufen am 1. Juli 2013.
  2. Schweizer Ermittlungsbericht. Abgerufen am 4. Juli 2013.
  3. Georg Elser Gedenkstätte Königsbronn. Abgerufen am 1. Juli 2013.
  4. Elser in ein neues Licht gerückt. In: Heidenheimer Zeitung / Heidenheimer Neue Presse vom 8. Dezember 2015. Abgerufen am 18. Dezember 2015.