Ulrich Schacht

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Ulrich Schacht, 2012

Ulrich Schacht (* 9. März 1951 in Stollberg im Erzgebirge; † 16. September 2018 in Förslöv, Schweden)[1][2][3] war ein deutscher Schriftsteller und Journalist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrich Schacht war der Sohn eines russischen Offiziers und einer Deutschen.[4] Die Suche nach dem russischen Vater thematisierte er 2011 in Vereister Sommer. Auf der Suche nach meinem russischen Vater.[5]

Ulrich Schacht wurde 1951 im Frauengefängnis Hoheneck, in dem die Mutter inhaftiert war, geboren. Im Sommer 1951 wurde er der Mutter weggenommen und zu Pflegeeltern in Wismar gegeben. Die Mutter wurde im Januar 1954 vorzeitig entlassen, und der Sohn kam wieder in ihre Obhut.[6]

Nach Bäckerlehre und Sonderreifeprüfung studierte er von 1970 bis 1973 in Rostock und Erfurt evangelische Theologie.

1973 wurde er in der DDR wegen „staatsfeindlicher Hetze“ zu sieben Jahren Haft verurteilt. 1976 wurde er von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft und dorthin entlassen.

Von 1977 bis 1998 lebte er in Hamburg, wo er Politische Wissenschaften und Philosophie studierte.

Von 1984 bis 1998 arbeitete er als Feuilletonredakteur und Chefreporter für Kultur der Zeitungen Die Welt und Welt am Sonntag sowie als Autor diverser Periodika, darunter Süddeutsche Zeitung, Volksstimme, Donaukurier, Focus, Rheinischer Merkur, Die Zeit, Cicero, Merkur, Sinn und Form, Die Politische Meinung, liberal, Preußische Allgemeine Zeitung, Junge Freiheit und Tumult. Vierteljahresschrift für Konsensstörung.

1994 war er zusammen mit Heimo Schwilk Herausgeber des Sammelbandes Die selbstbewusste Nation. Als Gastautor schrieb er für Die Achse des Guten.[7]

Schacht war Mitglied in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft[8], im Autorenkreis der Bundesrepublik,[9] der Hamburger Autorenvereinigung[10] und im P.E.N.-Club[11] sowie stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Freunde der Vierteljahresschrift Tumult. Vierteljahresschrift für Konsensstörung.[12]

1991 bis 1995 initiierte er Künstlerexpeditionen in die Arktisregionen Norwegens und Russlands.[13]

Der seit 1998 freischaffende Autor und Publizist, der Mitglied der Hamburger Autoren-Vereinigung, der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik, der Deutsch-Israelische Gesellschaft sowie des P.E.N.-Clubs war,[14] lebte zuletzt in Schweden, wo er im September 2018 im Alter von 67 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes starb.[15]

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1976 bis 1992 war Schacht Mitglied der SPD. 1997 kandidierte er auf der Liste des Bundes freier Bürger als Parteiloser für die Hamburger Bürgerschaft.[16][17] Er war Mitgründer der 1987 auf der dänischen Ostseeinsel Falster[18] gegründeten Evangelischen Bruderschaft St. Georgs-Orden, die er seitdem als Großkomtur leitete.[19] Nach der Auswanderung nach Schweden sympathisierte er mit den Schwedendemokraten.[20]

Schacht war unter anderem Referent für das Studienzentrum Weikersheim (2012)[21] bei Konferenzen von Compact (2012/2013), bei der Bibliothek des Konservatismus (2016),[22] der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Hamburger Autorenverein (2008) sowie die Gedenkbibliothek zu Ehren der Opfer des Kommunismus (1992–2017).

In Artikeln und Vorträgen kritisierte Schacht die 68er-Bewegung.[23] Wegen der Tätigkeit für zahlreiche konservative bis rechtskonservative Zeitungen stufen ihn einige Wissenschaftler und Journalisten als Vertreter der Neuen Rechten ein.[24]

1995 initiierte er mit anderen Publizisten den in der Frankfurter Allgemeine Zeitung veröffentlichten Appell 8. Mai 1945 - wider das Vergessen.[25] 2001 unterzeichnete er den Appell für die Pressefreiheit der Wochenzeitung Junge Freiheit gegen deren Ausschluss von der Leipziger Buchmesse.[26] Zudem unterzeichnete er als einer der Ersten die Gemeinsame Erklärung 2018.[27]

Einzeltitel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lyrik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Traumgefahr. Neske Verlag, Pfullingen 1981.
  • Scherbenspur. Ammann Verlag, Zürich 1983.
  • Dänemark-Gedichte. Edition Toni Pongratz, Hauzenberg 1986.
  • Lanzen im Eis. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1990.
  • Die Treppe ins Meer: Schweden-Gedichte. Edition Pongratz, Hauzenberg 2003.
  • Weißer Juli. Sechsunddreißig Gedichte und ein Essay. Edition Toni Pongratz, Hauzenberg 2006.
  • Bell Island im Eismeer. Gedichte. Edition Rugerup, Berlin 2011, ISBN 978-3-942955-09-6.
  • Zweiwas. Edition Toni Pongratz, Hauzenberg 2014.
  • Platon denkt ein Gedicht. Edition Rugerup, Berlin 2015.

Prosa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hohenecker Protokolle. Aussagen zur Geschichte der politischen Verfolgung von Frauen in der DDR. Ammann Verlag, Zürich 1984.
  • Brandenburgische Konzerte. Sechs Erzählungen um einen Menschen. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1989.
  • Verrat. Die Welt hat sich gedreht. Erzählungen. Transit Buchverlag, Berlin 2001, ISBN 3-88747-167-9.
  • Bildnis eines venezianischen Mönchs. Eine Liebesgeschichte. Edition Toni Pongratz, Hauzenberg 2007.
  • Vereister Sommer: Auf der Suche nach meinem russischen Vater. Aufbau-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-351-02729-2.
  • Kleine Paradiese. Erzählungen. Edition Rugerup, Berlin 2013, ISBN 978-3-942955-37-9.
  • Grimsey. Eine Novelle. Aufbau Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-351-03618-8.
  • Notre Dame. Roman. Aufbau Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-351-03586-0.

Essay (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gewissen ist Macht. Notwendige Reden, Essays, Kritiken zur Literatur und Politik in Deutschland. Piper Verlag, München 1992.
  • Über Schnee und Geschichte. Notate 1983–2011. Matthes & Seitz, Berlin 2012, ISBN 978-3-88221-564-9.
  • Für eine Berliner Republik. Streitschriften, Reden und Essays nach 1989. Mit Heimo Schwilk. Verlag Langen-Müller, München 1997.

Herausgabe (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gott mehr gehorchen als den Menschen. Christliche Wurzeln, Zeitgeschichte und Gegenwart des Widerstands. Mit Martin Leiner, Hildigund Neubert und Thomas A. Seidel. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2005.
  • Die selbstbewußte Nation. Mit Heimo Schwilk. Ullstein Verlag, Berlin 1994 und 1996.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gott entlässt mich in die Freiheit seines Seins, Idea vom 17. September 2018, abgerufen am 17. September 2018.
  2. Ehemaliger Stadtscheiber verstorben, Sächsische Zeitung vom 17. September 2018, abgerufen am 17. September 2017.
  3. »Der Sieg ist unvermeidbar!« Abgerufen am 28. November 2018 (englisch).
  4. Ulrich Greiner: Ulrich Schacht: Aus den Lüften herabgestürzt. In: Die Zeit 47/2015. 19. November 2015, abgerufen am 19. September 2018.
  5. Bernd Wagner: Eine lange Reise: Ulrich Schacht: „Vereister Sommer. Auf der Suche nach meinem russischen Vater“ – Rezension. In: Deutschlandfunk Kultur. 3. April 2011, abgerufen am 19. September 2018.
  6. Edo Reents: Der Mensch geht in keiner Totalität auf (Untertitel: Die Freiheit seiner Transzendenz: Zum Tod des Schriftstellers Ulrich Schacht). In FAZ 19. September 2018, S. 13. (Nachruf)
  7. Beiträge von und über Ulrich Schacht bei der Achse des Guten.
  8. http://www.erich-kaestner-museum.de/fileadmin/user_upload/Ulrich_Schacht__Perspektiven_SZ_15.12.17-1.pdf
  9. https://www.bonifatius-verlag.de/autor/ulrich-schacht
  10. http://www.hh-av.de/mitglieder/ulrich-schacht/
  11. https://www.bonifatius-verlag.de/autor/ulrich-schacht
  12. http://www.tumult-magazine.net/foerderverein,
  13. http://www.hh-av.de/mitglieder/ulrich-schacht/
  14. Ulrich Schacht: Von Ost nach West, Hamburger Abendblatt, 27. Februar 2003
  15. Ulrich Schacht ist tot auf boersenblatt.net, erschienen und abgerufen am 18. September 2018.
  16. Ulrich Schacht provoziert mit radikalen Ansichten - Landesbeauftragter für Stasi-Unterlagen lud rechtsradikalen Autoren nach Rostock ein (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive) Ostseezeitung, 31. Januar 2003
  17. http://www.taz.de/!313738/
  18. Kurze Geschichte der Evangelischen Bruderschaft St. Georgs-Orden, georgsbruderschaft.de, abgerufen am 20. September 2018.
  19. Thomas A. Seidel, Spiritual der Evangelischen Bruderschaft St. Georgs-Orden: Nachruf: Gott entlässt mich in die Freiheit seines Seins, idea.de, Artikel vom 17. September 2018.
  20. Afrika hinter den Gärten. NZZ, 30. September 2010
  21. Susanne Gaschke: Alles ganz harmlos? Zeit Online, 1. Dezember 1999
  22. Sebastian Liebold, Frank Schale (Hrsg.): Neugründung auf alten Werten? Konservative Intellektuelle und Politik in der Bundesrepublik. Nomos, Baden-Baden 2017, ISBN 3-8452-7487-5, S. 229
  23. Ulrich Schacht: Auch Stalins Schoß ist fruchtbar noch! Sächsische Zeitung, 16. Dezember 2017
  24. Rainer Benthien: Die Neue Rechte in Deutschland und ihr Einfluss auf den politischen Diskurs der Gegenwart. Frankfurt am Main 1996; Harry Nutt: Der Kulturkampf der Neuen Rechten. FR, 23. Juni 2017
  25. Richard Herzinger: Zum Aufruf „8. Mai 1945 – Gegen das Vergessen“: Strategen der Retourkutsche. taz, 15. April 1995; Kriegsende: Volle Wahrheit. Der Spiegel, 17. April 1995
  26. Rainer Benthin: Auf dem Weg in die Mitte: Öffentlichkeitsstrategien der Neuen Rechten. Campus, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-593-37620-2, S. 221, Fn. 271
  27. Tellkamp unterzeichnet Erklärung. Sächsische Zeitung, 17. März 2018.
  28. Preisträger. In: johannes-gillhoff.de. Abgerufen am 17. Dezember 2019.
  29. https://www.bonifatius-verlag.de/autor/ulrich-schacht
  30. https://www.kas.de/single-title/-/content/wehrhafter-humanismus-nachruf-auf-ulrich-schacht
  31. Kritik an Dresdner Stadtschreiber – Autor wehrt sich in: Dresdner Neueste Nachrichten, 22. Februar 2007
  32. Michael Bartsch: Dresdner Stadtschreiber schreibt rechts Die Tageszeitung, 20. Februar 2007
  33. Jens Hoffsommer, Achim Wesjohann: Herzlichen Glückwunsch, Ulrich Schacht! (PDF; 75 kB)
  34. https://buecherstadtkurier.com/preis-der-literatour-nord-2016-geht-an-ulrich-schacht/