Ulrike Haage

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Ulrike Haage by Thomas Nitz

Ulrike Haage (* 1957 in Kassel) ist eine deutsche Pianistin, Klangkünstlerin, Komponistin und Hörspielautorin.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrike Haage verbrachte ihre Kindheit im Ruhrgebiet. Über die Jazzplattensammlung ihrer Eltern fand sie in jungen Jahren zur Musik. Klavier übte sie mit Aufnahmen von Bill Evans und Thelonious Monk. Später sang sie und spielte Gitarre in einer Garagenband.

Haage zog nach Hamburg und studierte dort Musik und Musiktherapie. Von 1985 bis 1989 war sie als Dozentin für Improvisation an der Musikhochschule tätig. Sie begann zu komponieren und trat als Pianistin bei der ersten deutschen Frauenbigband Reichlich weiblich auf. Bei der Arbeit an Peter Zadeks Andi lernte sie FM Einheit kennen. Alfred Harth gründete mit ihr die Gruppe Vladimir Estragon, in der Haage elektronische Klänge einsetzte. Später wurde aus dem Quartett das Trio Goto mit Phil Minton als Vokalakrobaten.

Von 1990 bis 1999 spielte sie in Katharina Francks Gruppe Rainbirds. Zwischen Tourneen und Plattenaufnahmen für die Rainbirds und die Theatermusikgruppe Stein arbeitete sie an den Schauspielhäusern Zürich (mit Uwe Eric Laufenberg), Düsseldorf (mit Kazuko Watanabe) und Berlin (u.a. an dem Musiktheaterstück Die Ballade von Narayama mit Kazuko Watanabe). 1999 begann eine Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Meret Becker. Ulrike Haage wurde die musikalische Leiterin des Konzertprogrammes Nachtmahr und spielte die CD Fragiles mit ein. Gemeinsam mit der Verlegerin Sylvia de Hollanda (Pociao's Books) gründete sie den Hörbuchverlag Sans Soleil.

2003 erhielt sie als erste Frau und bis dato jüngste Preisträgerin den Deutschen Jazzpreis (Albert Mangelsdorff Preis), der sie für ihr bisheriges Lebenswerk, ihre Arbeit an der Schnittstelle von Pop, Kunst und Avantgarde, auszeichnete. 2004 stellte Ulrike Haage ihre erste Solo-Instrumental-CD Sélavy fertig. Mit diesem Programm wurde sie 2005 und 2006 vom Goethe-Institut Moskau zu Solotourneen, Workshops und Vorlesungen durch die Wolgastädte und nach Sibirien eingeladen. 2006 erschien ihr zweites Solo Album Weißes Land, 2008 schrieb sie die Musik zu einer Neufassung des Kinderliteraturklassikers Der Wind in den Weiden von Kenneth Grahame.

Neben zahlreichen Hörspielproduktionen und Filmmusikkompositionen erschien in 2011 ihr drittes Soloalbum In:finitum und die Kinderoper Reineke Fuchs, welche ihre Uraufführung im Schlosstheater Schwetzingen sah.

Der Kompositionszyklus For all my walking entstand 2012 während ihrer dreimonatigen Künstler-Residenz in der Villa Kamagowa, Kyoto Japan. Im folgenden Jahr verbrachte Ulrike Haage als artist-in-residence des Leuphana Arts Program an der der Leuphana Universität Lüneburg 12 Monate, um sich mit dem Thema öffentlicher Raum als Klangraum auseinanderzusetzen. Es entstand between sound and silence. Zwischen Klang und Stille, ein audio-visuelles Werk, welches am 14. September 2013 im Kloster Lüne aufgeführt wurde.

Im September 2015 erschien ihr viertes Solo-Album "Maelstrom". Zudem kamen zwei weitere Hörspiele Lockbuch und Geld heraus. Ulrike Haage komponierte im selben Jahr die Filmmusik für Doris Dörries Film Grüße aus Fukushima [1] und spielte sie auch ein. Der Film lief auf der Berlinale in der Sektion Panorama Special 2016 und hatte seinen Kinostart am 10. März 2016. Ein weiterer Film, der im Programm der Berlinale 2016 lief und Musik komponiert von Ulrike Haage trägt, ist Landstück[2] von Volker Koepp.

Ulrike Haage lebt und arbeitet in Berlin.

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Grüße aus Fukushima. Filmmusik (2016), BPM
  • Maelstrom (Solo-Album, 2015), BPM
  • Erzählung des Gleichgewichts 4:W (2015) Blue Pearls (Indigo)
  • Das verschwundene M. Dokumentarfilmmusik (2014)
  • For all my walking (2014), Sans Soleil
  • Meret Oppenheim: Eine Surrealistin auf eigenen Wegen (2013) DVD (Dokumentarfilm Musikpreis, 2014)
  • Flügel und Katze. Musik für Kinder (2012)
  • Ema. Akte auf der Treppe. Dokumentarfilmmusik (2011)
  • Ana:mnesis (2011), BPM
  • In:finitum (Solo Album, 2011), BPM
  • Goldrausch. Filmmusik (2011), BPM
  • Zwiebelfische. Filmmusik (2010) DVD (Norddeutscher Filmpreis. Sonderpreis Musik, 2010)
  • Edition Filmmusik - Komponiert in Deutschland #13: Ulrike Haage (2010), NORMAL Records
  • Le Pianoscope (2007) Klavierkompositionen für Film, Edition UBM/Universal Publishing Production Music GmbH
  • Weißes Land (Solo Album, 2006), content records
  • Sélavy (Solo Album, 2004), (Preis der deutschen Schallplattenkritik, mit Carlos Bica[3])
Reichlich Weiblich
  • Live in Moers (1987)
Vladimir Estragon (mit Alfred Harth, FM Einheit, Phil Minton)
  • Three Quarks for Muster Mark (1989)
Rainbirds
  • 3000.live (1999)
  • Forever (1997)
  • Making Memory (1996)
  • The Mercury Years (1995)
  • In a Different Light (1993)
  • Two Faces (1991)
Gruppe Stein (mit Katharina Franck und FM Einheit)
  • König Zucker (1994)
  • Steinzeit (1992)
Goto

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landstück (Vineta Film & RBB, D 2016) Regie: Volker Koepp, Musik: Ulrike Haage
  • Grüße aus Fukushima (OLGA FILM, D 2016) Regie: Doris Dörrie, Musik: Ulrike Haage
  • Snapshot Mon Amour Haiku-Kurzfilm (thede filmproduktion, D 2015) Ein Film von Christian Bau, Musik: Ulrike Haage
  • Das verschwundene M (thede, D 2014) Buch & Regie: Maria Hemmleb, Musik: Ulrike Haage
  • Meret Oppenheim: Eine Surrealistin auf eigenen Wegen (Kobalt Productions, D 2013) Regie: Daniela Schmidt-Langels, Musik: Ulrike Haage
  • Ema. Akt auf Treppe (zero one film, SWR & ARTE, D 2012) Buch & Regie: Corinna Belz, Musik: Ulrike Haage
  • Goldrausch (zero one film, SWR, NDR & MDR, D 2012) Produzent: Thomas Kufus, Musik: Ulrike Haage
  • Zwiebelfische (thede filmproduktion, D 2010) Buch & Regie: Christian Bau, Artur Dickhoff, Musik: Ulrike Haage

Hörspielproduktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geld (DKultur, 2015) Text: Gertrude Stein, Regie und Komposition: Ulrike Haage
  • Lockbuch (NDR2, 2015) Texte: Nora Gomringer und Annemarie Bostroem, Regie und Komposition: Ulrike Haage
  • The Moon Tapes (SWR,[4] 2014), Stephan Krass, Ulrike Haage, komponiert für das SWR Vokalensemble und drei Sprecher
  • Der Kreis ist rot (WDR3,[5] 2014) Feature über den Bauhausmeister Oskar Schlemmer
  • Die magische Pfeilspitze (WDR5,KiRaKa, [6] 2013) Kinderhörspiel
  • Orlando (BR,[7] 2013) Sechsteiler als Hörbuch, Random House ISBN 978-3-8445-1380-6
  • Alle Vögel fliegen hoch (BR Hörspiel und Medienkunst, 2012) nach Geschichten der Malerin Leonora Carrington. Mit Bernhard Schütz, Antje Greie, Ken Yamamoto. Komposition und Realisation: Ulrike Haage.
  • Erzählung des Gleichgewichts 4:W (DKultur,[8] 2012) Text: Jean Daive, Komposition: Ulrike Haage
  • Nichts. Was im Leben wichtig ist (SWR2, 2011) Janne Teller, Ulrike Haage
  • Wenn ich vier Dromedare hätte (WDR3, 2011) Feature über den Filmessayisten Chris Marker
  • Heimsuchung (BR2, 2009) Roman von Jenny Erpenbeck, Hörbuch ISBN 3821863226
  • Amnesie der Ozeane (SWR2,[9] 2009)
  • Alles aber anders (BR,[10] 2009), Aus den Tagebüchern von Eva Hesse, Ursendung am 7. Mai 2009. Mit Anna Lena Zühlke, Cristin König, Ingo Hülsmann, Myra Davies. Realisation: Ulrike Haage. Produktion: BR Hörspiel und Medienkunst 2009. Als Podcast/Download im BR Hörspiel Pool.[11] Verlag: Sans Soleil, September 2009, ISBN 978-3-88030-044-6
  • Der Wind in der Weiden (WDR, 2008) (Deutschlandradio Kultur,[12] Ursendung in sechs Teilen im April 2009), nach dem Text von Kenneth Grahame.
  • Die Stille hinter den Worten, Hörspielkomposition in 9 Bildern mit Anna-Lena Zühlke (Stimme), Carlos Bica (Kontrabass), Ulrike Haage (präparierter Flügel, Elektronik, O-Töne). Komposition und Realisation: Ulrike Haage, Produktion: BR Hörspiel und Medienkunst 2008. Als Podcast/Download im BR Hörspiel Pool.[13] Ursendung am 24. Februar 2008, Verlag Sans Soleil, ISBN 978-3-88030-043-9
  • Pikdame. Pamphlete und Briefe von Nancy Cunard (BR, 2006)
  • Exakte Vision (BR, 2004) (WDR3,[14] 2004), Ulrike Vosswinkel, Ulrike Haage, Verlag: Sans Soleil, ISBN 978-3-88030-042-2
  • Ding fest machen (BR,[15] 2003), nach Schriften von Louise Bourgeois, Verlag: Sans Soleil, ISBN 3-88030-041-0
  • Bombsong (HR, 2002), Thea Dorn, Ulrike Haage (Auftragswerk der Frankfurter Positionen),Verlag: Sans Soleil, ISBN 3-88030-040-2
  • Reise, Toter (BR, 2001) Durs Grünbein, Ulrike Haage, Verlag: Sans Soleil, ISBN 3-88030-037-2
  • Last Words : Qui Vivre Verra (BR, 2001), W. S. Burroughs, Ulrike Haage, Barbara Schäfer, (Hörspiel des Monats September[16] 2001), Verlag Sans Soleil, ISBN 3-88030-039-9
  • Die Wüste Lop Nor (BR,[17] 2000), Raoul Schrott, Musik von Ulrike Haage (Hörspiel des Monats August[18] 2000), HÖR Verlag, 2000, ISBN 3-89584-840-9
  • Bei unserer Lebensweise ist es sehr angenehm, lange im voraus zu einer Party eingeladen zu werden (BR, 1999), Jane Bowles, Katharina Franck, Ulrike Haage (Hörspiel des Monats September[19] 1999), Verlag: Sans Soleil, ISBN 3-88030-036-4
  • Odysseus 7 (BR, 1998), Ammer, Einheit, Haage ; Verlag: FM 4.5.1, ISBN 3-934847-53-6
  • 7 Dances Of The Holy Ghost (BR, 1998), Ammer, Haage (von der ARD für den Prix Futura nominiert), Verlag: Sans Soleil, ISBN 3-88030-034-8
  • Apokalypse live (BR, 1994), Ammer, Einheit, Haage (Hörspielpreis der Kriegsblinden,[20]), Special Prize for Fiction des Prix Italia 1995, Verlag: FM 4.5.1, ISBN 3-934847-52-8
  • Imaginary Landscapes, podcasts cklab

Kollaborationen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. [1]}
  2. [2]}
  3. schallplattenkritik.de (Memento vom 23. Januar 2005 im Internet Archive)
  4. Deutschlandfunk
  5. WDR
  6. phonostar
  7. BR2 (Memento vom 31. Juli 2013 im Internet Archive)
  8. DKultur
  9. phonostar
  10. Deutschlandfunk
  11. BR Hörspiel Pool - Haage, Alles aber anders
  12. dradio
  13. BR Hörspiel Pool - Haage, Die Stille hinter den Worten
  14. WDR3 (Memento vom 27. September 2009 im Internet Archive)
  15. BR2 (Memento vom 5. März 2016 im Internet Archive)
  16. darstellendekuenste.de
  17. Deutschlandfunk
  18. darstellendekuenste.de
  19. darstellendekuenste.de
  20. Kriegsblindenbund