Ulrike Herrmann

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Ulrike Herrmann, 2019

Ulrike Herrmann (* 13. Januar 1964 in Hamburg) ist eine deutsche Wirtschaftsjournalistin und Publizistin.

Leben und Berufsweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrike Herrmann wuchs in einem Hamburger Vorort auf, „in dem alle an den gesellschaftlichen Aufstieg glaubten“; sie sei ein typisches Kind der Mittelschicht gewesen.[1] Dieses Herkunftsmilieu stellte sie 2010 in ihrer zweiten Publikation Hurra, wir dürfen zahlen. Der Selbstbetrug der Mittelschicht kritisch dar.

Nach einer abgeschlossenen Lehre als Bankkauffrau bei der Bayerischen Vereinsbank absolvierte Ulrike Herrmann die Henri-Nannen-Schule.[2] Anschließend studierte sie Geschichte und Philosophie an der Freien Universität Berlin.[3][4]

Eine Mitarbeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Körber-Stiftung und die Tätigkeit als Pressesprecherin der Hamburger Gleichstellungssenatorin Krista Sager schlossen sich an.

Seit 2000 ist Herrmann Redakteurin bei der Berliner taz. Dort war sie zunächst Leiterin der Meinungsredaktion und Parlamentskorrespondentin. Seit 2006 ist sie Wirtschaftskorrespondentin. Von 2008 bis 2014 gehörte sie auch zum Vorstand der taz-Verlagsgenossenschaft.

Herrmann nimmt häufig an politischen Diskussionen in Hörfunk und Fernsehen teil, unter anderem am Presseclub und bei Phoenix.

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2015: Preis für Wirtschaftspublizistik der Keynes-Gesellschaft für ihre Beiträge in der taz
  • 2019: Otto-Brenner-Preis Spezial „für ihren kritischen und pointierten Wirtschaftsjournalismus mit gutem Gespür für Sozialstaatlichkeit“[7]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herrmann publiziert seit 2008 zu sozialpolitischen und wirtschaftspolitischen Themen. In Älter werden, Neues wagen (2008), das sie zusammen mit Martina Wittneben verfasste, werden 12 ältere Menschen porträtiert, die die üblichen Stereotype von Ruhestand widerlegen. In den nächsten Werken wandte sie sich wirtschaftspolitischen und historischen Themen zu.

In Hurra, wir dürfen zahlen (2010) stellt sie ihre Auffassung dar, dass die Mittelschicht sich selbst dünkelhaft als Teil der privilegierten und sozial abgeschotteten Elite sehe. Sie verbünde sich mit der Oberschicht gegen die Unterschicht, in die sie selbst abzugleiten drohe. Dieser „Selbstbetrug“ der Mittelschicht in Deutschland hinsichtlich ihrer Rolle in der Gesellschaft werde durch Lobbyisten und Medien gefördert.

„. . . Reflex der Unter- und Mittelschichten: Sie neigen zum Selbstbetrug. Niemand will sich eingestehen, bestenfalls zu den Durchschnittsverdienern zu gehören – stattdessen sehen sich fast alle als Teil der Elite. Man ist vielleicht nicht reich, fühlt sich dem Reichtum aber nah. Der Traum vom Aufstieg ist zu schön, um ihn aufzugeben, und also nimmt man willig hin, dass vor allem die Wohlhabenden entlastet werden.“

Ulrike Herrmann: Essay in der taz vom 26. Juni 2021[8]

Der Sieg des Kapitals (2013) analysiert insbesondere die historischen Wurzeln des Kapitalismus. Als Ergebnis bestimmter Entwicklungsbedingungen sei er ein geschichtliches Phänomen und damit prinzipiell vergänglich. Sie grenzt in ihrer Analyse die Begriffe Markt, Geld und Kapital streng von einander ab, da aus ihrer Vermischung oder Verwechslung gravierende Missverständnisse entstanden seien.

Dass die neoklassische Lehre der Ökonomie zu einem quasi-religiösen Dogma geworden sei, ist die These ihres Buches Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung (2016). Dogmatisch sei auch die Verdrängung der wirklichen Klassiker: Diese würden als „überholt“ verworfen und nicht mehr gelehrt. „Die heutige Ökonomie tut so, als wären Smith, Marx und Keynes gestrig – dabei halten sie sich selbst im Vorgestern auf.“ Die modernen mathematischen Modelle der Wirtschaftslehre würden so konstruiert, als bestünde die Wirtschaft nur aus Tauschhandel und als hätte es die Industrialisierung nie gegeben.

In ihrem Bestseller Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen (2019) dekonstruiert sie die ihrer Auffassung nach legendenhafte Darstellung des Wirtschaftswunders und der sozialen Marktwirtschaft, die bis heute in wirtschaftlichen Fehlhaltungen wie der Exportorientierung und der restriktiven Geldpolitik nachwirke.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Älter werden, Neues wagen: Zwölf Porträts. Mit Martina Wittneben. Ed. Körber-Stiftung, Hamburg 2008, ISBN 978-3-89684-069-1.
  • Hurra, wir dürfen zahlen. Der Selbstbetrug der Mittelschicht. Westend Verlag. Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-938060-45-2; 5. Auflage 2012. Piper, München 2012, ISBN 978-3-492-26485-3.
  • Der Sieg des Kapitals. Wie der Reichtum in die Welt kam. Die Geschichte von Wachstum, Geld und Krisen. Westend Verlag, Frankfurt am Main 2013, ISBN 978-3-86489-044-4, Piper, München 2015, ISBN 978-3-492-30568-6.
  • Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung. Die Krise der heutigen Ökonomie oder Was wir von Smith, Marx und Keynes lernen können. Westend Verlag, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-86489-141-0.
  • Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen. Warum es kein Wunder ist, dass wir reich geworden sind. Westend Verlag, Frankfurt am Main 2019, ISBN 978-3-86489-263-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ulrike Herrmann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Grundlegendes. Der Freitag, 8. September 2016, abgerufen am 24. Januar 2020.
  2. Ulrike Herrmann. In: Netzwerk Recherche. 2011. Abgerufen am 23. Januar 2012 (Porträt).
  3. Körber-Stiftung Hamburg: Ulrike Herrmann : KörberForum. Archiviert vom Original am 26. Dezember 2015. Abgerufen am 26. Dezember 2015.
  4. die-interaktiven: Herrmann, Ulrike - Westend Verlag GmbH.
  5. AFS-Kuratorium. Abgerufen am 6. Juli 2019.
  6. a b c Bayerischer Rundfunk: alpha-Forum: Ulrike Herrmann im Gespräch mit Rigobert Kaiser. 14. Oktober 2016, abgerufen am 24. Januar 2020.
  7. Otto Brenner Preis "Spezial" – Ulrike Herrmann. Abgerufen am 22. Januar 2020.
  8. Ulrike Herrmann: Laschet und sein Wahlprogramm: Lächeln reicht nicht. CDU-Chef Armin Laschet ist dauerfreundlich in alle Richtungen, will aber nur die Reichen beglücken. Politisch ist das erstaunlich dürftig. In: taz.de. Die Tageszeitung, 26. Juni 2021, abgerufen am 27. Juni 2021.