Ulrike Liedtke

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Ulrike Liedtke (2019)

Ulrike Liedtke (geb. Nehrdich[1]; * 17. November 1958 in Weimar) ist eine deutsche Musikwissenschaftlerin und Politikerin (SPD). Von 1991 bis 2014 war sie Gründungsdirektorin der Musikakademie Rheinsberg. Seit 2014 ist sie Mitglied des Landtags Brandenburg. Nach der Wiederwahl 2019 wurde sie zur Landtagspräsidentin gewählt.

Beruflicher Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ulrike Liedtke wurde 1958 in Weimar als Tochter eines Dirigenten und einer Musikwissenschaftlerin geboren.[2] Liedtke besuchte sechs Schulen[3] und studierte nach dem Abitur in Stralsund 1977 Musikwissenschaft an der Karl-Marx-Universität Leipzig. Während ihres Studiums 1980 wurde sie Mitglied im Gewandhauschor und im Extrachor der Oper Leipzig.[4] Von 1978 bis 1985 folgte eine dramaturgische Honorartätigkeit im Bereich Programmhefte und Einführungen für das Gewandhaus zu Leipzig.[4] Außerdem verfasste sie zahlreiche Rezensionen für die Leipziger und Magdeburger Regionalpresse.[4] Sie schloss ihre Studien 1982 mit dem Diplom ab. Im Jahr 1985 wurde sie bei Christoph Sramek an der Sektion Kultur- und Kunstwissenschaften, Fachgruppe Musikwissenschaft der Universität Leipzig mit der Dissertation A Siegfried Matthus – Tendenzen im Schaffen eines Komponisten der DDR[5] zur Dr. phil. promoviert.[6]

1985/86 war sie Musikredakteurin für Festival- und Opernausstrahlungen beim Fernsehen der DDR in Berlin.[4] Sie betreute konzeptionell und redaktionell und moderierte eine Sendereihe zu Neuer Musik (21 Folgen bis 1997).[4] 1986 wechselte sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an die Akademie der Künste der DDR.[7]

Nach der freien Wahl der Stadtverordnetenversammlung von (Ost-)Berlin 1990 und der Bildung des Magistrats Schwierzina war sie Abteilungsleiterin für Musik, Theater, Museen und Film bei der Kulturstadträtin Irana Rusta[4] (SPD) in der Berliner Magistrats- und Senatsverwaltung („MagiSenat“). Von 1991 bis 1993 war sie im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg tätig, wobei sie ab September 1991 nach Rheinsberg abgeordnet war.[4]

Dort war sie von 1991 bis 2014 Gründungsdirektorin der Musikakademie Rheinsberg.[4] Ab 1993 war sie Geschäftsführerin[1] und Künstlerische Leiterin der Musikakademie Rheinsberg GmbH, deren Schlosstheater sie ab 2000 zusätzlich betrieb. Auf dem Spielplan standen Musiktheater, Ballett und Konzert mit Schwerpunkt auf dem 18. sowie 20./21. Jahrhundert aber auch heutige Formate wie Aktionen und Performances.[4] In ihrer Amtszeit 2001 wurde die Musikakademie zur „Bundes- und Landesakademie“ ernannt.[4] Dem Haus wurde durch den Verband Deutscher Kritiker der Kritikerpreis für Musik 2004 verliehen. Einen Ehrenplatz erhielt es 2006 beim Weiterbildungspreis des Landes Brandenburg.[4]

Liedtke hatte mehrere Lehraufträge[4] zum Musiktheater inne u. a. 1998/99 an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin.[8] Im Jahr 2017 wurde Liedtke von der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam zur Honorarprofessorin für Musikwissenschaft bestellt.[7] Sie forscht zur Musik des 18. Jahrhunderts und zur zeitgenössischen Musik, zur (Anti-)Oper und zur Komischen Oper, zur brandenburgischen Regionalforschung und zu Noten-Urtexten (Herausgaben von Christoph Schaffrath).[7] Fachbeiträge erschienen u. a. in den Musiklexika Komponisten der Gegenwart, The New Grove Dictionary of Music and Musician und Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Sie ist Mitglied des Verbandes Deutscher Schriftsteller (seit 1999).[4]

Ulrike Liedtke ist Mutter zweier Kinder.[4] Ihr Sohn war Mitglied des Leipziger Thomanerchors.[9]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Wende 1989 war Liedtke parteilos. Im Jahr 1989 war sie dann Mitbegründerin der Sozialdemokratischen Partei (SDP) in der DDR in Berlin-Hohenschönhausen. Seit 1990 ist sie Mitglied der SPD und war Vorstandsmitglied in Berlin-Hohenschönhausen, Zepernick, Rheinsberg. Von 2016 bis 2019 war sie Vorsitzende des SPD-Unterbezirks Ostprignitz-Ruppin. Außerdem ist sie Sprecherin des Kulturforums der Sozialdemokratie in Brandenburg.[10]

Von 1990 bis 2002 war sie Mitglied, zeitweise Vorsteherin, der Bezirksverordnetenversammlung von Berlin-Hohenschönhausen bzw. von Lichtenberg. Im Mai 2019 wurde sie Stadtverordnete in Rheinsberg. Sie ist SPD-Fraktionsvorsitzende.[11]

Bei der Landtagswahl in Brandenburg im September 2014 errang sie ein Direktmandat im Landtagswahlkreis Ostprignitz-Ruppin I (Wahlkreis 3). Sie erhielt 36,3 Prozent der Erststimmen. Liedtke war kultur- und hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion Brandenburg. 2014 bis 2019 war sie Sprecherin ihrer Fraktion in der Enquete-Kommission „Zukunft der ländlichen Regionen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels“ (EK 6/1) im Landtag Brandenburg und Mitglied des Ausschusses Bildung, Jugend und Sport.

Ihr Direktmandat verteidigte sie mit 23,6 Prozent der Erststimmen bei der Landtagswahl 2019. Am 25. September 2019 wurde Liedtke bei der konstituierenden Sitzung mit 77 von 88 Stimmen zur Präsidentin des Landtages gewählt..[12]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liedtke war von 1995 bis 1997 Mitglied im Nationalkomitee der UNESCO-Kulturdekade.[4] Von 1997 bis zur Rotation 2009 war sie Mitglied und (zeitweise) Vorsitzende der Rundfunkräte des ORB und des rbb.[4] Nachdem sie bereits seit 1995 Vizepräsidentin des Landesmusikrates Brandenburg e.V. war, wurde 2016 zu dessen Präsidentin[13] gewählt. Von 2000 bis 2002 war sie Sprecherin des Arbeitskreises der Musikbildungsstätten in Deutschland.[4] 2000 wurde sie Präsidiums- und 2005 zugleich Aufsichtsratsmitglied des Deutschen Musikrates.[14] Von 2000 bis 2005 fungierte sie als Expertin für das Förderprogramm Kultur 2000 der Europäischen Kommission.[4] Von 2000 bis 2017 war sie Autorin und Beiratsvorsitzende der CD-Dokumentation Musik in Deutschland 1950–2000 des DMR.[14] 2001 bis 2017 war sie Autorin und Redaktionsmitglied des Musikmagazins Musikforum.[14] Außerdem ist sie seit 2009 Vorsitzende der Konferenz der Landesmusikräte im Deutschen Musikrat (DMR) und seit 2013 Vizepräsidentin und Aufsichtsratsmitglied des DMR.[14] Liedtke ist seit 2016 und bis 2020 ferner Kuratoriumsmitglied des Musikfonds e.V., für den sie konzeptionelle Vorarbeit leistete.[15] Der Sprecherrat des Deutschen Kulturrates hat Liedtke 2019 als eine von zwei Vizepräsidenten des Deutschen Kulturrates gewählt. Liedtke ist Einzelmitglied im Brandenburgischen Chorverband,[4] sowie Vorsitzende des Tanz & Art Rheinsberg e.V.[4] und der Ferdinand-Möhring Gesellschaft e.V.[16]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Stieber-Preis (1988)[17]
  • Bundesverdienstkreuz am Bande (2001)[18]
  • Kunstpreis des Landes Brandenburg (Hauptpreis) (2001)[4]
  • Leo-Wistuba-Medaille des Brandenburgischen Chorverbandes (2001)[4]
  • Ehrennadel des Landesmusikrates Brandenburg (2003)[4]
  • „Kritikerpreis für Musik 2004“ für die Musikakademie Rheinsberg des Verbands Deutscher Kritiker Ehrenplatz „Weiterbildungspreis des Landes Brandenburg“ für die Musikakademie Rheinsberg (2006)
  • Integrationspreis des Landrates Ostprignitz-Ruppin für Tanz & Art Rheinsberg e.V. (2016)
  • Integrationspreis des Bundespräsidenten für das Modell Rheinsberg (2017)

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mit Gert Belkius (Hrsg.): Musik für die Oper? Mit Komponisten im Gespräch. Henschel-Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-362-00479-2.
  • Mit Helge Bartholomäus (Hrsg.): Festschrift 10 Jahre Berliner Fagottquartett, 5 Jahre Meisterkurse der Musikakademie Rheinsberg. Musik- und Buchverlag Feja, Berlin 1996, ISBN 978-3-929355-04-8.
  • Matthus, Siegfried, in: „Komponisten der Gegenwart“, hg. v. Hans-Werner Heister und Wolfgang Sparrer, edition text + kritik, München 1996
  • (Hrsg.): „Jeder nach seiner Fasson“. Musikalische Neuansätze heute. Eine Veröffentlichung der Musikakademie Rheinsberg. Pfau, Saarbrücken 1997, ISBN 978-3-930735-70-9.
  • Landesmusikplan Brandenburg. Landesmusikrat Brandenburg, Senftenberg 1997/2000.
  • Domhardt, Gerd, Siegfried, in: „Komponisten der Gegenwart“, hg. v. Hans-Werner Heister und Wolfgang Sparrer, edition text + kritik, München 1996
  • Treibmann, Karl Ottomar, in: „Komponisten der Gegenwart“, hg. v. Hans-Werner Heister und Wolfgang Sparrer, edition text + kritik, München 1998
  • Treibmann, Karl Ottomar, in: “The New Grove Dictionary of Music and Musicians”, 1998
  • Domhardt, Gerd, in: “The New Grove Dictionary of Music and Musicians”, 1998
  • Mit Claudia Schurz (Hrsg.): Das Theater des Prinzen Heinrich. Ein Lesebuch zum Schloßtheater Rheinsberg.Hofmeister, Leipzig 2000, ISBN 978-3-87350-016-7.
  • Günter Neubert, in: „Komponisten der Gegenwart“, hg. v. Hans-Werner Heister und Wolfgang Sparrer, edition text + kritik, München 2003
  • Thomas Heyn, in: „Komponisten der Gegenwart“, hg. v. Hans-Werner Heister und Wolfgang Sparrer, edition text + kritik, München 2004
  • Karl Ottomar Treibmann: Klangwanderungen. Kamprad, Altenburg 2004, ISBN 978-3-930550-32-6.
  • (Hrsg.): Die Rheinsberger Hofkapelle von Friedrich II. Musiker auf dem Weg zum Berliner „Capell-Bedienten“. Veröffentlichung der Musikakademie Rheinsberg GmbH. 2., überarbeitete Auflage, Hofmeister, Leipzig 2005, ISBN 978-3-87350-019-8.
  • (Hrsg.): Frau Musica heute. Konzepte für Kompositionen. Veröffentlichung der Musikakademie Rheinsberg gGmbh. Hofmeister, Leipzig 2005, ISBN 978-3-87350-031-0.
  • „Kurz und knapp, jedoch reich beschenkt“, in: Liber amicorum für Ruth Zechlin, zu ihrem 80.Geburtstag, hg. v. Ursula Stürzbecher, Verlag Ries & Erler Berlin 2006
  • Beiträge zu Lothar Voigtländer, Wilhelm Weismann und Walter Zimmermann, in: „Die Musik in Geschichte und Gegenwart“ (MGG), Bärenreiter, Kassel 2007
  • Beiträge zu Romely Pfund, Annette Schlünz und Juliane Klein, in: Genderhandbuch, hg. v. Annette Kreutziger-Herr und Melanie Unseld, Bärenreiter Kassel, 2010, ISBN 978-3-7618-2043-8.
  • Ich bin Komponist. Friedrich II. als Musiker. Ries & Erler, Berlin 2012, ISBN 978-3-87676-019-3.
  • Musikakademie Rheinsberg. Bundes- und Landesakademie, Geschichten erzählen, in: Jahrbuch Ostprignitz Ruppin 2014, Neuruppin 2014.
  • Leidenschaftliche Bekenntnisse, Erlebnisse mit Musik von Lothar Voigtländer, in: Ein Prisma Ostdeutscher Musik, hg. v. Albrecht von Massow, Thomas Grysko und Josephine Orkno, Böhlau-Verlag Köln Weimar Wien, 2015, S. 101–109, ISBN 978-3-412-22518-6.
  • hören: multisensorial, in: Internationales Klangkunstfest Berlin 2014, Jubiläumsausgabe mit DVD 2004–2014, hg. v. Thomas Gerwin, Berlin 2015, ISBN 978-3-00-048620-3.
  • Musik von Anfang an, in: Wolfgang Kurth, Musikerziehung. Lehrbuch für Staatlich anerkannte Erzieher, Facherzieher für Musik und andere Sozialpädagogische Berufe in Ausbildung und Studium, Westermann Braunschweig 2019, S. 8. ISBN 978-3-14-239564-7
  • Rheinsberg ist schön, Das Auf und Ab und neue Aufmerksamkeit für den ländlichen Raum, in. Ein schöner Land, Loccumer Protokolle 13/2018, hg. v. Albert Drews, Rehburg-Loccum 2019, S. 49–56. ISBN 978-3-8172-1318-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ulrike Liedtke – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Musikakademie Rheinsberg Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Rheinsberg. In: Handelsregister-Bekanntmachungen vom 4. Februar 1995.
  2. Andreas Vogel: Ulrike Liedtke will im Landtag bleiben. In: MAZonline / Märkische Allgemeine, 22. August 2019.
  3. Rheinsberg: Dr. Ulrike Liedtke im Erzählcafé. In: moz.de / Märkische Oderzeitung, 1. Mai 2011.
  4. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w Lebenslauf von Ulrike Liedtke, ulrike-liedtke.de, Zugriff: 13. Oktober 2019.
  5. Dissertationen am Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig, gko.uni-leipzig.de, Zugriff: 13. Oktober 2019.
  6. Ulrike Liedtke: Vorwort. In: Ders.: Siegfried Matthus – Tendenzen im Schaffen eines Komponisten der DDR. Band 1, Dissertation, Universität Leipzig, S. 1–5, hier: S. 5.
  7. a b c Mitarbeiterprofil von Ulrike Liedtke bei der Universität Potsdam, uni-potsdam.de, Zugriff: 13. Oktober 2019.
  8. Musikwissenschaftliche Vorlesungen an Universitäten und sonstigen Hochschulen mit Promotionsrecht. In: Die Musikforschung 52 (1999) 1, S. 103–116, hier: S. 103.
  9. „Meine SPD Anfänge“, ulrike-liedtke.de, Zugriff: 13. Oktober 2019.
  10. Das Kulturforumsnetzwerk, kulturforum.spd.de, Zugriff: 13. Oktober 2019.
  11. Kommunalpolitiker Ulrike Liedtke, ratsinfo-online.net, Zugriff: 13. Oktober 2019.
  12. Jens Blankennagel: Präsidentin mit Sinn für den richtigen Ton. In: Berliner Zeitung vom 26. September 2019, S. 1; Igor Göldner, Thorsten Keller: Klare Mehrheit für Ulrike Liedtke. In: Märkische Allgemeine vom 26. September 2019, S. 1.
  13. Präsidium des Landesmusikrates Brandenburg, landesmusikrat-brandenburg.de, Zugriff: 13. Oktober 2019.
  14. a b c d Profil von Ulrike Liedtke beim DMR, musikrat.de, Zugriff: 13. Oktober 2019.
  15. Kuratorium des Musikfonds, musikfonds.de, Zugriff: 13. Oktober 2019.
  16. Mitglieder der Ferdinand-Möhring Gesellschaft, ferdinand-moehring-gesellschaft.de, Zugriff: 13. Oktober 2019.
  17. Hans-Stieber-Preisträger, lvdk.homepage.t-online.de, Zugriff: 13. Oktober 2019.
  18. Bundespräsidialamt