Umiken

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Umiken
Wappen von Umiken
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Brugg
Politische Gemeinde: Bruggi2
Postleitzahl: 5222
Koordinaten: 656676 / 259402Koordinaten: 47° 28′ 59″ N, 8° 11′ 26″ O; CH1903: 656676 / 259402
Höhe: 358 m ü. M.
Einwohner: 1069 (31. Dez. 2009)
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
17.7 % (31. Dez. 2009)
Karte
Umiken (Schweiz)
Umiken
www
Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2010

Umiken (schweizerdeutsch: ˈʊ.mɪ.kχə)[1] ist eine Dorfsiedlung auf dem Gebiet der Stadt Brugg im Schweizer Kanton Aargau. Die nördlich der Aare liegende Ortschaft war bis Ende 2009 eine eigenständige Einwohnergemeinde im Bezirk Brugg gewesen. Sie bildete mit einer Fläche von 80 Hektaren zum Zeitpunkt der Fusion mit Brugg die zweitkleinste Gemeinde des Kantons.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf liegt an einem steilen Südhang am Übergang zwischen Bözberg und Bruggerberg. Die Besiedlung ist zu einem grossen Teil terrassenförmig und vollständig mit Brugg und dem zu Riniken gehörenden Ortsteil Tiefgrueb zusammengewachsen. Die Aare bildet im Südosten eine natürliche Grenze. Südlich des Dorfes liegt die Nordspitze der durch den Bau des Kraftwerks entstandenen vier Kilometer langen Schacheninsel, welche die Aare in zwei Flussarme trennt.[2]

Die Fläche des ehemaligen Gemeindegebiets betrug 80 Hektaren, davon waren 18 Hektaren bewaldet und 32 Hektaren überbaut. Die höchste Stelle lag auf 434 Meter auf dem Loohölzli, einem kleinen Hügel im Westen, der tiefste Punkt auf 335 Metern am Ufer der Aare.

Nachbargemeinden waren Riniken im Norden, Brugg im Osten, Villnachern im Südwesten und Unterbözberg im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im späten 6. Jahrhundert gründeten alamannische Einwanderer die Siedlung Umminghofun, was auf Althochdeutsch «bei den Höfen der Sippe des Ummo» bedeutet.[1] Die erste urkundliche Erwähnung von Juomenkon erfolgte im Jahr 1254, als die Gemeinde Leuggern einen Rebberg an der Strasse nach Brugg geschenkt erhielt; seit 1306 wird die heutige Schreibweise verwendet. Im Mittelalter übten die Habsburger die hohe Gerichtsbarkeit aus, Umiken lag in der Herrschaft Schenkenberg. Die niedere Gerichtsbarkeit und das Patronatsrecht über die Kirche gehörten zuerst den Hallwylern, später den Herren von Rinach. Diese verkauften 1398 ihre Rechte an die Johanniter in Klingnau.

Bern besetzte die Herrschaft 1460 militärisch und fügte sie als neue Landvogtei den übrigen Untertanengebieten im Berner Aargau an. Umiken bildete innerhalb der Landvogtei einen eigenen Gerichtsbezirk. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Ein Kuriosum war, dass der katholische Johanniterorden weiterhin Zinsherr blieb und sogar den reformierten Pfarrer vorschlagen konnte, der dann von Bern bestätigt werden musste. Im März 1798 eroberten die Franzosen die Schweiz, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Umiken gehört seither zum Kanton Aargau. 1827 trat Umiken das Gebiet um die Goppenbrunnenmühle an die Stadt Brugg ab.

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Umiken eine von der Landwirtschaft geprägte Gemeinde, wobei der Weinbau eine bedeutende Rolle spielte. Doch seither hat sich das Dorf zu einer Wohngemeinde am Rande von Brugg entwickelt und die Landwirtschaft wurde fast vollständig verdrängt. Innerhalb eines Jahrhunderts stieg die Einwohnerzahl um fast das Fünffache.

Am 27. Juni 2008 stimmte die Gemeindeversammlung dem Vertrag zu, der die Fusion Umikens mit Brugg regelt. Dieser Entscheid wurde an der Abstimmung vom 28. September 2008 mit 330 zu 55 Stimmen bestätigt (Ja-Stimmen-Anteil 85,7 %). Der Zusammenschluss erfolgte am 1. Januar 2010.[3]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf das Dorf, vom Südufer der Aare bei Altenburg aus gesehen

Die reformierte Kirche war einst dem heiligen Mauritius geweihte Kirche wurde erstmals 1254 erwähnt. Das Mauerwerk des Kirchenschiffs ist im romanischen und gotischen Stil. Der Kirchturm wurde nach 1488 durch einen Neubau ersetzt, der Chor entstand 1521.[4]

Die Terrassensiedlung Mühlehalde (1963–1971 erbaut) galt als viel beachtetes Projekt neuer Wohnformen.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des ehemaligen Gemeinde- und heutigen Stadtteilwappens lautet: «Geteilt von Rot mit wachsendem gelbem Löwen und von Gelb mit gestieltem rotem Kleeblatt.» Die früheste bekannte Darstellung stammt von 1788 auf einer Steintafel, die an der ehemaligen Zehntenscheune angebracht war. 1947 ordnete der Gemeinderat eine grafische Überarbeitung der Darstellung an.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000
Einwohner 234 434 467 648 868 886 849 999

Am 31. Dezember 2008 lebten 1074 Menschen in Umiken, der Ausländeranteil betrug 16,7 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 51,6 % reformiert, 28,6 % römisch-katholisch und 1,5 % muslimisch; 1,6 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 94,3 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,1 % Italienisch, 0,8 % Serbokroatisch, 0,7 % Französisch.[8]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Reformierte Kirche

Da Umiken gemäss der Betriebszählung 2005 nur knapp 110 Arbeitsplätze besitzt (5 % in der Landwirtschaft, 49 % im Kleingewerbe und 46 % im Dienstleistungssektor), ist das Dorf vor allem eine Wohnzone; das wirtschaftliche Leben ist fast vollständig auf Brugg ausgerichtet.[9]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch Umiken führt die Hauptstrasse 3 über den Bözbergpass. Das Dorf ist durch vier Postautolinien an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden. Diese führen vom Bahnhof Brugg aus nach Frick, Laufenburg, Linn und Thalheim.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umiken verfügt über eine Grundstufe und eine Primarschule. Sämtliche oberen Stufen der obligatorischen Volksschule können in Brugg besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band II: Die Bezirke Brugg, Lenzburg. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 29). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1953. DNB 750561750.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 432–433.
  2. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070, Swisstopo
  3. Aargauer Zeitung: Der Zusammenschluss ist jetzt genagelt. 28. September 2009.
  4. Michael Stettler, Emil Maurer: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau - Bezirke Lenzburg und Brugg. Birkhäuser Verlag, Basel 1953.
  5. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen Kanton Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 296.
  6. Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden im Bezirk Brugg (Memento vom 26. Juli 2011 im Internet Archive) (PDF; 174 kB), Statistisches Amt des Kantons Aargau
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  9. Betriebszählung 2005, Statistisches Amt des Kantons Aargau