Umspannanlage Osterath

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Umspannwerk Osterath
Hauptgebäude mit Elektrothek

Hauptgebäude mit Elektrothek

Daten
Ort Meerbusch-Osterath
Bauherr Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk
Baujahr 1911
Koordinaten 51° 15′ 36,9″ N, 6° 37′ 33,5″ OKoordinaten: 51° 15′ 36,9″ N, 6° 37′ 33,5″ O
Umspannwerk Osterath (Nordrhein-Westfalen)
Umspannwerk Osterath
Freigelände mit Schaltanlage

Die Umspannanlage Osterath (auch Umspannwerk oder Umspannstation Osterath genannt) ist ein Umspann- und Schaltanlage des Übertragungsnetzbetreibers Amprion am südlichen Rand des Meerbuscher Stadtteils Osterath.

Die Station, die sowohl in das Höchstspannungs-Übertragungsnetz als auch in das Hochspannungs-Verteilnetz eingebunden ist, gehört bereits jetzt zu den größten derartigen Werken in Nordrhein-Westfalen. Im Rahmen der deutschen Energiewende soll die Anlage um eine HGÜ-Konverterstation erweitert und zu einer der größten Anlagen in Europa ausgebaut werden.[1]

Einem Nebenbereich der Anlage hat Amprion für ein elektrotechnisches Museum, die Elektrothek, zur Verfügung gestellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entstehung und Ausbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehem. Elektrizitätswerk Osterath, Maschinen- und Kesselhaus
(51° 16′ 19,4″ N, 6° 37′ 19,7″ O)

Die Anlage geht zurück auf das Jahr 1911, also die Frühzeit der Elektrifizierung in Deutschland. Damals errichtete das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk (RWE) die Umspannstation als 25-Kilovolt-Anlage[2][3] zusammen mit einem kleinen Elektrizitätswerk (siehe Bild) nahe dem Bahnhof von Osterath.[4]

Einige Jahre später, 1917, wurde die Station von 25 kV auf eine Spannung von 110 kV aufgerüstet[2] und zu einem Knotenpunkt im ersten Verbundnetz Deutschlands ausgebaut. Dieses Netz zog sich als Ring vom Rheinischen Braunkohlerevier (über Brauweiler und Erftwerk Grevenbroich, Kraftwerk Berggeist, Vorgebirgszentrale …), das Bergische Land (über Kraftwerk Reisholz), das Ruhrgebiet (über Duisburg-Lintorf, RWE-Zentrale Essen, Heizkraftwerk Hamborn, Kraftwerk Bonifatius, Gemeinschaftskraftwerk Hattingen …), die Region Niederrhein (Kraftwerk Niederrhein, Wesel) und über Osterath zurück ins Rheinische Revier.[5][6][7]

2003 ging die Anlage zusammen mit dem gesamten Übertragungsnetz der RWE an die Tochtergesellschaft RWE Transportnetz Strom GmbH über, aus der 2009 die eigenständige Amprion GmbH wurde.

Ab 2008 wurde das Werk um eine 380-kV-Anlage erweitert[8], die westlich des Gruttorfer Weges entstand. Die Erweiterung fiel unter den Ausbau der so genannten „Rheinschiene“ infolge der Anforderungen aus dem Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG).[9]

Erweiterungspläne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Osterath als Knotenpunkt beim Leitungsausbau gemäß EnLAG

Planungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der deutschen Energiewende soll die Anlage Osterath zu einem wichtigen Knotenpunkt auf der Nord-Süd-„Stromautobahn“ ausgebaut werden. Über diese Fernleitung soll Strom mit geringen Verlusten zwischen Nord- und Süddeutschland sowie dem Rhein-Ruhr-Ballungsraum ausgetauscht werden.[10] Menge und Richtung wird nach Einschätzung der Planer vor allem von der Wetterlage und der Tageszeit abhängen: Bei stärkerem Wind sollen Windkraftanlagen, die vor allem im Norden Deutschlands stehen, sowie Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee Strom in den Rhein-Ruhr-Raum und weiter nach Süden liefern. Bei Sonnenschein sollen Photovoltaikanlagen, die Schwerpunktmäßig in Süddeutschland vorkommen, die dortigen Überschüsse nach Norden liefern. Wird sowohl im Norden als auch im Süden zu wenig Strom aus Erneuerbaren Energien eingespeist, etwa zu sonnen- und windarmen Zeiten, so soll der Bedarf durch konventionelle Kraftwerke gedeckt werden, wie sie in größerer Zahl im Rhein-Ruhr-Gebiet bereitstehen.[11]

Der Netzentwicklungsplan 2012[12] sieht unter anderem vor, dass über mehrere Korridore HGÜ-Leitungen in VSC-Technik mit einer Übertragungsleistung von jeweils 2 Gigawatt neu errichtet werden. Eine der geplanten Leitungen verläuft im Westen Deutschlands auf dem Korridor „A“ von Ostfriesland (Station Borßum bei Emden) durch das Emsland und die Region Niederrhein bis zu einer neu zu errichtenden Konverterstation in Osterath. Von Osterath läuft die Leitung auf einer existierenden Freileitungstrasse weiter nach Süden bis nach Baden-Württemberg (Netzeinspeisung am Kernkraftwerk Philippsburg).[12] Je nach Variante sollen ergänzend zur Leitung nach Osterath auf demselben Korridor „A“ eine oder zwei weitere Leitungen von der niedersächsischen Nordseeküste (Stationen Borßum und/oder Conneforde bei Wiefelstede) ins Rheinland (Stationen Oberzier und/oder Rommerskirchen) gebaut werden.[12]

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Die neue Konverterstation in Osterath, die östlich der jetzigen Anlage zwischen Ingerweg und der Bahnlinie Neuss-Krefeld entstehen soll, würde nach Planung von Amprion voraussichtlich eine Fläche von 36 ha einnehmen. Teile der Anlage würden aus Wetter- und Schallschutzgründen eingehaust.[1] Die Halle soll eine Höhe von etwa 20 Meter und eine Grundfläche von etwa 100 × 200 = 20.000 Quadratmetern bekommen.[13] Die neue Konverterstation wäre die größte in Europa und die einzige Doppel-Station, d. h. die einzige Station in Europa, die sowohl Gleich- in Wechselstrom umwandeln kann, als auch umgekehrt.[1] Die Baukosten werden von Amprion auf voraussichtlich etwa 390 Millionen Euro geschätzt.[10] Die Anlage soll 2017 in Betrieb gehen, wenn gemäß Planung auch die Trasse Richtung Philippsburg fertiggestellt sein wird, um die bevorstehende Abschaltung des dortigen Kernkraftwerkes auszugleichen.[1] Anfang 2019 geht Amprion davon aus das ein Planfeststellungsverfahren nicht vor 2020 beginnen wird.[14]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiker befürchten durch die neue Station eine verstärkte Belastung der Anwohner durch Lärm, Verkehr, Ozon und „Elektrosmog[1][15] sowie eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch die hohe Konverterhalle[1] und zusätzliche Freileitungsmasten. Sie stellen die Notwendigkeit der neuen Station in Frage und bezweifeln, dass sie primär der Weiterleitung von Strom aus Erneuerbaren Energien dienen soll. Sie vermuten, dass stattdessen vorwiegend Strom aus Kohlekraftwerken eingespeist werden soll und fordern deshalb, für die Station einen Standort in der Nähe des Rheinischen Braunkohlereviers zu wählen.[10][1] Weiterhin sollten die Zu- und Ableitungen nicht als Freileitung, sondern als Erdkabel ausgeführt werden.[16]

Gegen die Erweiterung der Anlage hat sich aus den vorgenannten Gründen eine Bürgerinitiative gebildet. Bürger und Lokalpolitiker aller im Stadtrat vertretenen Parteien bemängeln die ihrer Ansicht nach zu geringe Transparenz und Bürgerbeteiligung bei der Planung. Sie fordern von Amprion, von der Bundesnetzagentur (als zuständige Planungs- und Aufsichtsbehörde) und von der Bundesregierung mehr Information, eine stärkere Berücksichtigung lokaler Belange und eine Überprüfung des Planes bis hin zu einem völligen Stopp des Bauvorhabens.

Technischer Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Anlage laufen eine Vielzahl von Hochspannungstrassen auf den Spannungsebenen 110, 220 und 380 Kilovolt zusammen.[17]

Die 220- und 380-kV-Anlagen fallen unter die Kontrolle von Amprion, die 110-kV-Anlagen unter die des Verteilnetzbetreibers Westnetz (Innogy, ehemals Rhein-Ruhr Verteilnetz GmbH, im Auftrag der RWE AG).

Netzbetreiber Spannung Name des Stromkreises Trasse
(Bauleit-
nummer)
Zielort/-station Baujahr Himmels-
richtung
Amprion logo.svg
Amprion
380 kV Knechtsteden West 4588 GohrpunktStation Rommerskirchen 1971 Süd
Meerbusch West 4123 Selbeck + Rath Nordwest
Toeppersee West Utfort
220 kV Fichtenhain West 2388 Edelstahl Krefeld
Fichtenhain Ost Dülken + Utfort
Neurath 1a 4588 Gohrpunkt → Kraftwerk Neurath 1971 Süd
Osterath West Gohrpunkt
Frixheim Nord Gohrpunkt → Rommerskirchen
Gellep West 2364 Gellep Ost
Stratum Ost Mündelheim + Rheinhausen
RWE Logo 2018.svg
RWE Deutschland AG
(Westnetz)
110 kV
Krefeld West 2388 Edelstahl Krefeld Nordwest
Krefeld Ost St. Tönis
Lank West 2364 Lank → Mündelheim Ost
Lank Ost
Willich Nord 0929 Willich West
Büttgen West Mönchengladbach
Kaarst West 4588 Gohrpunkt Süd
Büderich Nord Büderich

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Jan Popp-Sewing: Konverter bedroht Osterath. In: Rheinische Post (Ausgabe Düsseldorf-Meerbusch). 8. Oktober 2012 (Volltext im Online-Archiv der Rheinischen Post (rp-online.de)).
  2. a b Annika Barth: Meilensteine der Elektrizität. Umspannungsanlage und Elektrothek feiern Jubiläum. Westdeutsche Zeitung (Onlineausgabe wz-newsline.de), 16. Oktober 2011, abgerufen am 10. Oktober 2012.
  3. Bernd Schuhkecht: Jubilare unter Strom. In: Rheinische Post (Ausgabe Düsseldorf-Meerbusch). 15. Oktober 2011 (Volltext im Online-Archiv der Rheinischen Post (rp-online.de)).
  4. Esther Mai: Ehemaliges RWE-Gebäude. In: Rheinische Post (Ausgabe Düsseldorf-Meerbusch). 3. August 2012 (Volltext im Online-Archiv der Rheinischen Post (rp-online.de)).
  5. Walther Beyer: Krefeld (= Deutschlands Städtebau). 2. Auflage. Dari-Verlag, 1928, S. 112.
  6. Wasserwirtschaftsverband der österreichischen Industrie, Deutscher Wasserwirtschaftsverband in der Tschechoslowakischen Republik, Verein für Fluss- und Kanalschiffahrt (Hrsg.): Wasserwirtschaft und -technik. Band 24. Wien 1931, S. 48.
  7. Turbinentechnische Gesellschaft Berlin (Hrsg.): Zeitschrift für das gesamte Turbinenwesen: in Verbindung mit Wasser- und Wärmewirtschaft. Band 17. Oldenbourg, 1920, S. 142.
  8. Beatrix Van Vlodrop: Höchstspannung zieht durch Osterath. In: Westdeutsche Zeitung. 21. August 2008 (Volltext im Online-Archiv der Westdeutschen Zeitung - wz-newsline.de).
  9. Amprion GmbH (Hrsg.): Erläuterungsbericht zum geplanten Neubau der 380-kV-Höchstspannungsfreileitung Osterath – Gohrpunkt, Bl. 4206 und der 380-kV-Höchstspannungsfreileitung Gohrpunkt – Rommerskirchen, Bl. 4207. 11. April 2012 (Volltext als PDF).
  10. a b c Jan Popp-Sewing: Strom-Station für 390 Millionen. In: Rheinische Post (Ausgabe Düsseldorf-Meerbusch). 7. September 2012 (Volltext im Online-Archiv der Rheinischen Post (rp-online.de)).
  11. Ingo Jürgens (Amprion GmbH): Stellungnahme zum Netzentwicklungsplan 2012. Antwortbrief an die Stadt Meerbusch als Reaktion auf eine Anfrage. Amprion, Dortmund 15. Oktober 2012 (Volltext auf der Website der Stadt Meerbusch (PDF; 53 kB)).
  12. a b c Olivier Feix (50Hertz Transmission GmbH), Ruth Obermann (Amprion GmbH), Mike Hermann (TenneT TSO GmbH), Stefan Zeltner (TransnetBW GmbH): Netzentwicklungsplan Strom 2012. 1. Entwurf. 30. Mai 2012, Anhang Ergebnismaßnahmen (Online als PDF).
  13. Amprion plant 20 000-Quadratmeter-Halle. In: Rheinische Post. 10. Oktober 2012 (Volltext im Online-Archiv der Rheinischen Post (rp-online.de)).
  14. Anke Kronemeyer: Vorbereitungen für den Konverter: Amprion nimmt schon mal Maß in Osterath. Abgerufen am 7. August 2019.
  15. Angelika Kirchholtes: Umspannwerk: Energiewende in Osterath. In: Westdeutsche Zeitung. 5. September 2012 (Volltext im Online-Archiv der Westdeutschen Zeitung - wz-newsline.de).
  16. Willkommen. Bürgerinitiative Pro Erdkabel Neuss-Reuschenberg, abgerufen am 12. Oktober 2012.
  17. Powerland: Hochspannungsleitungen in Deutschland. André Joost, abgerufen am 12. Oktober 2012.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Umspannanlage Osterath – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien