Umweltbank

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
  Umweltbank AG
Logo der Umweltbank
Firmenschild am Eingang der Umweltbank
Staat Deutschland
Sitz Nürnberg
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0005570808
Bankleitzahl 760 350 00[1]
BIC UMWE DE7N XXX[1]
Gründung 22. Juli 1994/ 29. Januar 1997 (Vollbanklizenz)
Website www.umweltbank.de
Geschäftsdaten 2014[2]
Bilanzsumme 2,6 Mrd. EUR
Mitarbeiter 141
Leitung
Vorstand Goran Bašić, Stefan Weber[3]
Aufsichtsrat Irene Schöne (Vors.)
Firmensitz am Laufertorgraben

Die Umweltbank AG ist eine deutsche Direktbank, die mit ihren Kundeneinlagen ausschließlich ökologische Kreditprojekte finanziert.[4]

Unternehmensphilosophie[Bearbeiten]

Die Umweltbank hat das Ziel, durch ihre Geschäftstätigkeit in jeder Hinsicht zum Schutz der Umwelt beizutragen, in ihrer Satzung verankert.[5]

Geschäftsmodell[Bearbeiten]

Die Bank finanziert mit ihren Kundeneinlagen ausschließlich ökologische Kreditprojekte in den Bereichen Solar, ökologische Baufinanzierungen, Wind- und Wasserkraftprojekte, Biomasseprojekte und ökologische Landwirtschaft.[6] Diese Finanzierungsschwerpunkte definiert die Umweltbank durch folgende Positiv- und Ausschlusskriterien:[7]

Positivkriterien:

  • Energiesparmaßnahmen
  • Regenerative Energiegewinnung
  • Dezentrale Energiegewinnung, Blockheizkraft
  • Umweltfreundliches Bauen
  • Ökologische Landwirtschaft und ökologische Forstwirtschaft
  • Kreislaufwirtschaft/Recycling
  • Schadstoffverringerung und -beseitigung
  • Nachhaltige Wirtschaftsweise

Ausschlusskriterien:

  • Großkraftwerke (Braun-/Steinkohle, Atomenergie)
  • Waffen oder Militärgüter (Produktion/Handel)
  • Umweltschädliche Produkte oder Technologien (Produktion/Handel)
  • Nichteinhaltung von Umweltauflagen
  • Gentechnik in der Landwirtschaft
  • Unfaire Geschäftspraktiken, z. B. Korruption, Menschenrechtsverletzungen

Gremien[Bearbeiten]

Die Einhaltung der ökologischen Kriterien bei der Kreditvergabe wird von einem unabhängigen Umweltrat kontrolliert.[8] Als ökologisches Kontrollgremium berät dieser die Umweltbank in Umweltfragen und ist damit das direkte Pendant zum Aufsichtsrat. Dem Umweltrat steht der Umweltbeirat mit zwanzig Mitgliedern als erweitertes Gremium zur Seite.[9]

Aktie[Bearbeiten]

Die Gesellschaft gehört überwiegend ihren Kunden und Mitarbeitern, da sich die Umweltbank-Aktie zu 84 Prozent in deren Streubesitz befindet. Die Aktie wird im Freiverkehr der Börse München gehandelt. Das gezeichnete Kapital beträgt 14.399.424 Euro und ist in 5.538.240 Inhaberstückaktien eingeteilt (Stand: 31. Dezember 2014).[10]

Engagement[Bearbeiten]

Das Unternehmen fördert verschiedene Umweltverbände und Naturschutzorganisationen durch Spenden und Mitgliedsbeiträge.[11] Sie ist aktuell Mitglied in 28 verschiedenen Interessengemeinschaften und Verbänden, die sich für den Erhalt der Umwelt und eine ökologische Lebensweise einsetzen bzw. den Ausbau von Erneuerbaren Energien fördern.[12]

Geschichte und Zahlen[Bearbeiten]

Die Bank wurde 1994 von Horst P. Popp gegründet. Anfang 1997 startete sie den Geschäftsbetrieb mit der Eintragung der Vollbanklizenz in das Handelsregister. Mitte des Jahres 2001 ging sie an die Börse.[13] Seit ihrer Gründung ist die Umweltbank kontinuierlich gewachsen.[14]

Geschäftszahlen:[15]
1997
(Gründung)
[...] 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Veränderungen
gegenüber 2013 [%]
Kunden 7.000 69.046 79.434 86.116 106.295 111.385 114.408 115.306 +0,8
Mitarbeiter 32 146 149 142 146 142 138 141 +2,2
Geschäftsvolumen [Mio. Euro] 52,2 1.267,4 1.652,0 1.939,8 2.273,1 2.566,3 2.737,4 2.855,9 +4,3
Bilanzsumme [Mio. Euro] 39,5 1.157,5 1.495,6 1.762,9 1.994,0 2.332,7 2.512,8 2.595,4 +3,3
Anlagevolumen [Mio. Euro] 15,5 712,2 998,0 1.179,7 1.338,1 1.554,9 1.720,4 1.808,0 +5,1
Kreditvolumen [Mio. Euro] 25,5 1.012,0 1.184,3 1.449,7 1.732,6 1.916,8 2.125,1 2.245,8 +5,7
Jahresüberschuss [Mio. Euro] 0 6,593 8,041 10,004 11,008 12,043 13,447 14,542 +8,1

Die Bank veröffentlicht jährlich ein Kreditportfolio, mit dem eingesehen werden kann, welche Art von Projekten finanziert wurde. Das Kreditportfolio setzte sich 2014 im Einzelnen wie folgt zusammen: Solarkredite 39,0 Prozent, ökologische Baufinanzierungen 31,1 Prozent, Wind- und Wasserkraftprojekte 25,2 Prozent, Biomasseprojekte, ökologische Landwirtschaft und sonstige Vorhaben 4,7 Prozent.[15]


Kreditportfolio 2014 der UmweltBank AG

Das Gesamtvolumen der geförderten Projekte, welches sich aus Kreditinanspruchnahmen und offenen Kreditzusagen zusammensetzt, betrug (Stand: 31. Dezember 2014) 2,245,8 Mrd. Euro.[15] Das Verhältnis von Kreditvolumen zu Kundeneinlagen (von der Bank als „Umweltgarantiedeckungsgrad“ bezeichnet), lag 2014 bei rund 113 Prozent.[15](Stand: 31. Dezember 2014)

Die jährliche Einsparung an Kohlenstoffdioxid aus den 14.463 geförderten Kreditprojekten betrug im Jahr 2014 rund 2,8 Millionen Tonnen.[16]

Die Bank ist Mitglied der gesetzlichen Einlagensicherung, gehört jedoch keinem Einlagensicherungsfonds an; geschützt sind somit Einlagen bis 100.000 Euro in voller Höhe.

Öffentlichkeit[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Seit Ihrer Gründung erhielt das Unternehmen verschiedene Auszeichnungen, unter anderem den Goldenen Bullen für Nachhaltigkeit 2009[17], den B.A.U.M. Umweltpreis 2010[18] und den Deutschen CSR-Preis 2013.[19]

Kritik[Bearbeiten]

Die Zeitschrift Finanztest berichtete, dass einige Anleger von dem Haus enttäuscht seien. Die Bank habe ihnen mit falschen Werbeaussagen riskante Beteiligungen an Windparks angeboten und verkauft. Weiterhin sollen langjährige Investitionen in Windparks als sichere Altersvorsorge empfohlen worden sein. Die Verluste, welche Anleger zahlreicher durch die Umweltbank vertriebener geschlossener Fonds erlitten haben, hätten zu Vorwürfen geführt, die Umweltbank habe Anleger bewusst über die Risiken der Windfonds getäuscht.[20] Der Spiegel berichtete Anfang 2014, dass viele Windkraft-Projekte, in die Sparer mit dem Versprechen auf hohe Rendite gelockt wurden, schlecht laufen. Als ein Beispiel wird von einer Windpark-Beteiligung berichtet, den die Umweltbank als "ideale Zusatzrente" angepriesen habe, bei der aber nach kurzer Zeit die in Aussicht gestellten Überweisungen ausgeblieben waren.[21] Nach einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegen die Umweltbank unterlag nun die Umweltbank vor dem OLG Nürnberg (Az.: 3 U 2124/13)[22]. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig.[23] Nach Ansicht des Gerichts durfte die Bank nicht auf die Vorteile (hohe Genussrechtszinsen) hinweisen, ohne auch die Risiken entsprechend darzustellen.[24]

Anfang 2015 wurde die Umweltbank kritisiert, weil sie auf Ihrer Homepage nicht darüber informiere, dass der Vorstand für das Jahr 2013 keine Entlastung hat.[25]

Die Umweltbank soll nach einem Bericht der Tageszeitung aus Berlin den angestellten Werkstudenten die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und bezahlten Urlaub verweigert haben. Die Umweltbank verstoße damit gegen geltendes Arbeitsrecht. Die Bank hat dies laut Vorstand aufgrund eines unangemessenen Verwaltungsaufwandes unterlassen, der im Zuge eines flexiblen Arbeitsmodells entsteht. Ein Student soll aufgrund eines gestellten Urlaubsantrages fristlos und ohne Grund entlassen worden sein. Jedoch wird laut Angaben des Vorstands Horst Popp dieses Modell aus Gründen der Rechtssicherheit nicht mehr angeboten. Eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen der Bank und den betreffenden Werkstudenten steht noch aus. [26]

Nach anhaltender Kritik trat der Gründer der Umweltbank Horst P. Popp, langjähriger Vorstandsvorsitzender, als Vorstand am 30.4.2015 zurück. Laut eines Berichtes des Handelsblatts[27] wird ihm unter anderem vorgeworfen, bei der Entlastung des Vorstandes für das Geschäftsjahr 2013 gegen das Aktiengesetz verstoßen zu haben und beim Vertrieb von Windpark-Fonds und Genussscheinen ungenügend auf die dabei bestehenden Risiken hingewiesen zu haben.[28] Auf der Hauptversammlung am 15.6.2015 wurde die Umweltbank durch Anlegervertreter heftig kritisiert für mangelnde Transparenz und Entscheidungen nach "Gutsherrenart". Wegen eines Computerfehlers musste die Versammlung ergebnislos geschlossen werden.[29]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Stammdaten des Kreditinstitutes bei der Deutschen Bundesbank
  2. UmweltBank-Kreditvolumen steigt auf über 2,2 Mrd. Euro. Abgerufen am 9. Juni 2015.
  3. Impressum. Umweltbank AG, Mai 2015, abgerufen am 6. Mai 2015.
  4. De la Motte. Laura: Grüner geht es kaum, in: Handelsblatt (2013), Nr. 152, S. 27
  5. Registerportal des Deutschen Handelsregister.Abgerufen am 08. Juni 2015.
  6. Handelsblatt – Umweltbank legt Gewinnsprung hin, 4. Februar 2014 Abgerufen am 16. April 2014
  7. Umweltbericht der Umweltbank AG, 2014, Seite 58
  8. A. Kundler: Umweltförderung durch Ökobanken am Beispiel von Ökobank eG und Umweltbank AG , 2001, S. 21, ISBN 978-3-8386-3145-5
  9. Umweltrat. Abgerufen am 8. Juni 2015.
  10. Umweltbank-Aktie. Abgerufen am 8. Juni 2015.
  11. B.A.U.M. e.V. – Horst P. Popp - UmweltBank AG, Kategorie: Kleine und mittelständische Unternehmen. Abgerufen am 08. Juni 2015.
  12. Mitgliedschaften der Umweltbank. Abgerufen am 8. Juni 2015.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSiehe Bank & Umwelt Nr. 24 Apr./Mai/Jun. 2001, S. 1 ff. Abgerufen am 15. März 2011 (PDF; 474 kB).
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatUmweltbank. Abgerufen am 11. Juni 2015.
  15. a b c d Windmesse all in wind – Pressemitteilung vom 30. April 2015. Abgerufen am 8. Mai 2015.
  16. Windmesse all in wind – Pressemitteilung vom 30. April 2015. Abgerufen am 8. Mai 2015.
  17. Christian Garrels: Verleihung der GOLDENEN BULLEN: Dr. Ben Lipps ist „Unternehmer des Jahres 2009“. In: Südkurier. 21. Januar 2009, abgerufen am 29. April 2015.
  18. Portraet_Horst P. Popp. baumev.de, abgerufen am 29. April 2015.
  19. Deutscher CSR-Preis 2013. In: deutsches csrforum. Abgerufen am 29. April 2015.
  20.  Stiftung Warentest (Hrsg.): Grüne Geldanlage – Umweltbank korrigiert sich. In: Finanztest. Nr. 3, 2012 (test.de).
  21. Gunther Latsch, Anne Seith, Gerald Traufetter: ENERGIE: Die große Flaute. 27. Januar 2014, abgerufen am 29. April 2015.
  22. OLG Nürnberg: vzbv gegen Umweltbank. 15. April 2014, abgerufen am 29. April 2015.
  23. Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) Pressemitteilung vom 15. April 2014. Abgerufen am 16. Juni 2015.
  24. dpa/tmn: Bank muss über Risiken einer Geldanlage aufklären. 9. Mai 2014, abgerufen am 29. April 2015.
  25. Intransparenz: NGOs kritisieren UmweltBank. 20. Februar 2015, abgerufen am 29. April 2015.
  26. Ruben Rehage: Umweltbank ohne Urlaubsgeld: Werkstudenten wehren sich. taz.de, abgerufen am 29. April 2015.
  27. Vorstand der Umweltbank wirft hin. genios.de (Verlagsgruppe Handelsblatt), 4. Mai 2015, abgerufen am 6. Mai 2015.
  28. UmweltBank AG: Vorstands-Rücktritt und Ärger mit Altkunden. Anwalt.de, 4. Mai 2015, abgerufen am 6. Mai 2015.
  29. "Gutsherrenart" stößt UmweltBank-Eignern sauer auf. 25. Juni 2015, abgerufen am 27. Juni 2015.

49.45385911.087435Koordinaten: 49° 27′ 14″ N, 11° 5′ 15″ O