Umweltbank

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  Umweltbank AG
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Staat DeutschlandDeutschland Deutschland
Sitz Nürnberg
Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE0005570808
Bankleitzahl 760 350 00[1]
BIC UMWE DE7N XXX[1]
Gründung 22. Juli 1994/29. Januar 1997 (Vollbanklizenz)
Website www.umweltbank.de
Geschäftsdaten 2016[3]
Bilanzsumme 3,2 Mrd. EUR
Mitarbeiter 139 [2]
Leitung
Vorstand Goran Bašić, Jürgen Koppmann, Stefan Weber[4]
Aufsichtsrat Edda Schröder (Vors.)
Firmensitz am Laufertorgraben

Die Umweltbank AG ist eine deutsche Direktbank, die mit ihren Kundeneinlagen ausschließlich ökologische Kreditprojekte finanziert.[5]

Unternehmensphilosophie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umweltbank hat das Ziel, durch ihre Geschäftstätigkeit in jeder Hinsicht zum Schutz der Umwelt beizutragen, in ihrer Satzung verankert.[6]

Geschäftsmodell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bank finanziert mit ihren Kundeneinlagen ausschließlich ökologische Kreditprojekte in den Bereichen Solar, ökologische Baufinanzierungen, Wind- und Wasserkraftprojekte, Biomasseprojekte und ökologische Landwirtschaft.[7] Diese Finanzierungsschwerpunkte definiert die Umweltbank durch folgende Positiv- und Ausschlusskriterien:[8]

Positivkriterien:

  • Energiesparmaßnahmen
  • Regenerative Energiegewinnung
  • Dezentrale Energiegewinnung, Blockheizkraft
  • Umweltfreundliches Bauen
  • Ökologische Landwirtschaft und ökologische Forstwirtschaft
  • Kreislaufwirtschaft/Recycling
  • Schadstoffverringerung und -beseitigung
  • Nachhaltige Wirtschaftsweise

Ausschlusskriterien:

  • Großkraftwerke (Braun-/Steinkohle, Atomenergie)
  • Waffen oder Militärgüter (Produktion/Handel)
  • Umweltschädliche Produkte oder Technologien (Produktion/Handel)
  • Nichteinhaltung von Umweltauflagen
  • Gentechnik in der Landwirtschaft
  • Unfaire Geschäftspraktiken, z. B. Korruption, Menschenrechtsverletzungen

Gremien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einhaltung der ökologischen Kriterien bei der Kreditvergabe wird von einem unabhängigen Umweltrat kontrolliert.[9] Als ökologisches Kontrollgremium berät dieser die Umweltbank in Umweltfragen und ist damit das direkte Pendant zum Aufsichtsrat. Darüber hinaus stehen der Geschäftsleitung fünf Expertenteams aus Mitgliedern des Umweltbeirates und UmweltBank-Mitarbeitern zur Seite. Diese erarbeiten in Gruppen Handlungsempfehlungen, die in die Weiterentwicklung der Satzung der UmweltBank einfließen. [10]

Aktie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aktien der Bank befinden sich zu 85 Prozent im Streubesitz, überwiegend gehalten von Kunden und Mitarbeitern. Das gezeichnete Kapital beträgt 27.882.405 Euro und ist in 27.882.405 Inhaberstückaktien eingeteilt (Stand: 4. Dezember 2017). [8] [11]

Geschichte und Zahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ehemaliges Logo

Die Bank wurde 1994 von Horst P. Popp gegründet. Anfang 1997 startete sie den Geschäftsbetrieb mit der Eintragung der Vollbanklizenz in das Handelsregister. Mitte des Jahres 2001 ging sie an die Börse.[12] Seit ihrer Gründung ist die Umweltbank kontinuierlich gewachsen.[13]

Geschäftszahlen:[14]
1997
(Gründung)
[...] 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 Veränderungen
gegenüber 2015 [%]
Kunden 7.000 79.434 86.116 106.295 111.385 114.408 115.306 114.681[15] 114.661 0
Mitarbeiter 32 149 142 146 142 138 141 132 139 +5,3
Geschäftsvolumen [Mio. Euro] 52,2 1.652,0 1.939,8 2.273,1 2.566,3 2.737,4 2.855,9 2.985,7 3.416 +14,4
Bilanzsumme [Mio. Euro] 39,5 1.495,6 1.762,9 1.994,0 2.332,7 2.512,8 2.595,4 2.757,7 3.206 +16,3
Anlagevolumen [Mio. Euro] 15,5 998,0 1.179,7 1.338,1 1.554,9 1.720,4 1.808,0 1.938,2 2.056 +6,1
Kreditvolumen [Mio. Euro] 25,5 1.184,3 1.449,7 1.732,6 1.916,8 2.125,1 2.245,8 2.496,2 2.596 +4
Jahresüberschuss [Mio. Euro] 0 8,041 10,004 11,008 12,043 13,447 14,542 15,586 16,154 +3,6

Die Bank veröffentlicht jährlich ein Kreditportfolio, in dem eingesehen werden kann, welche Art von Projekten finanziert wurden. Das Kreditportfolio setzte sich 2016 im Einzelnen wie folgt zusammen: Solarkredite 37,7 Prozent, ökologische Baufinanzierungen 31,6 Prozent, Wind- und Wasserkraftprojekte 27,4 Prozent, Biomasseprojekte, ökologische Landwirtschaft und sonstige Vorhaben 3,3 Prozent.[16]

Kreditportfolio der UmweltBank AG 2016

Das Gesamtvolumen der geförderten Projekte, welches sich aus Kreditinanspruchnahmen und offenen Kreditzusagen zusammensetzt, betrug (Stand: 31. Dezember 2016) 2.596 Mrd. Euro.[8] Das Verhältnis von Kreditvolumen zu Kundeneinlagen (von der Bank als „Umweltgarantiedeckungsgrad“ bezeichnet), lag 2016 bei rund 118 Prozent.[8](Stand: 4. Dezember 2017)

Insgesamt konnte im Jahr 2016 eine Kohlenstoffdioxid-Einsparung aus den über 22.500 geförderten Kreditprojekten in Höhe von 426.806 t CO2 erzielt werden.[8]

Die Bank ist Mitglied der gesetzlichen Einlagensicherung, gehört jedoch keinem Einlagensicherungsfonds an; geschützt sind somit Einlagen bis 100.000 Euro in voller Höhe.

Öffentlichkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Ihrer Gründung erhielt das Unternehmen verschiedene Auszeichnungen, unter anderem den Goldenen Bullen für Nachhaltigkeit 2009,[17] den B.A.U.M. Umweltpreis 2010[18] und den Deutschen CSR-Preis 2013.[19] Im Jahre 2017 wurde die UmweltBank beim Neukunden-Hotline-Test von Chip ausgezeichnet. Verglichen wurden verschiedene Direktbanken hinsichtlich ihrer Erreichbarkeit, der Wartezeit, dem Service und der Transparenz. Die UmweltBank belegt den zweiten Platz. [20] Bei der Kundenbefragung des Deutschen Instituts für Servicequalität im Auftrag von n-tv wurde die UmweltBank mit dem Qualitätsurteil „sehr gut“ ausgezeichnet. Bewertet wurde die Kundenzufriedenheit in den Bereichen Service, Konditionen, Transparenz, Sicherheit, Image beziehungsweise Ruf der Bank und Produktspektrum. Zusätzlich flossen Kundenärgernisse und Weiterempfehlungsbereitschaft in das Gesamtergebnis ein. [21]

Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unternehmen fördert verschiedene Umweltverbände und Naturschutzorganisationen durch Spenden und Mitgliedsbeiträge.[22] Sie ist Mitglied in verschiedenen Interessengemeinschaften und Verbänden, die sich für den Erhalt der Umwelt und eine ökologische Lebensweise einsetzen bzw. den Ausbau von Erneuerbaren Energien fördern.[23] Die UmweltBank ist offizieller Träger des Gütesiegels Fair Company.[24] Sie hat 2017 ein Umweltmanagementsystem eingeführt, das nach den Richtlinien des Eco Management and Audit Schemes validiert ist. [25] Zusätzlich hat die UmweltBank außerdem die Entsprechenserklärung zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) veröffentlicht. Damit gehört sie zum Kreis von rund 200 Unternehmen, die für ihre nichtfinanzielle Berichterstattung den vom Rat für Nachhaltige Entwicklung entworfenen Standard verwenden. [26] Mit der Unterzeichnung der Charta der Vielfalt setzt sich für Anerkennung und Wertschätzung aller Menschen in ihrer Unternehmenskultur ein. [27]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeitschrift Finanztest berichtete, dass einige Anleger von dem Haus enttäuscht seien. Die Bank habe ihnen mit falschen Werbeaussagen riskante Beteiligungen an Windparks angeboten und verkauft. Weiterhin sollen langjährige Investitionen in Windparks als sichere Altersvorsorge empfohlen worden sein. Die Verluste, welche Anleger zahlreicher durch die Umweltbank vertriebener geschlossener Fonds erlitten haben, hätten zu Vorwürfen geführt, die Umweltbank habe Anleger bewusst über die Risiken der Windfonds getäuscht.[28] Der Spiegel berichtete Anfang 2014, dass viele Windkraft-Projekte, in die Sparer mit dem Versprechen auf hohe Rendite gelockt wurden, schlecht laufen. Als ein Beispiel wird von einer Windpark-Beteiligung berichtet, den die Umweltbank als "ideale Zusatzrente" angepriesen habe, bei der aber nach kurzer Zeit die in Aussicht gestellten Überweisungen ausgeblieben waren.[29] Nach einer Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) gegen die Umweltbank unterlag die Umweltbank vor dem OLG Nürnberg (Az.: 3 U 2124/13)[30]. Das Urteil ist rechtskräftig.[31] Nach Ansicht des Gerichts durfte die Bank nicht auf die Vorteile (hohe Genussrechtszinsen) hinweisen, ohne auch die Risiken entsprechend darzustellen.[32]

Anfang 2015 wurde die Umweltbank kritisiert, weil sie auf Ihrer Homepage nicht darüber informiere, dass der Vorstand für das Jahr 2013 keine Entlastung hatte.[33]

Die Umweltbank soll nach einem Bericht der Tageszeitung aus Berlin den angestellten Werkstudenten bezahlten Urlaub und die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall verweigert haben. Die Umweltbank verstoße damit gegen geltendes Arbeitsrecht. Die Bank hat dies laut Vorstand aufgrund eines unangemessenen Verwaltungsaufwandes unterlassen, der im Zuge eines flexiblen Arbeitsmodells entsteht. Ein Student soll aufgrund eines gestellten Urlaubsantrages fristlos und ohne Grund entlassen worden sein. Jedoch wird laut Angaben des Vorstands Horst Popp dieses Modell aus Gründen der Rechtssicherheit nicht mehr angeboten. Eine gerichtliche Auseinandersetzung zwischen der Bank und den betreffenden Werkstudenten steht noch aus.[34]

Nach anhaltender Kritik trat der Gründer der Umweltbank Horst P. Popp, langjähriger Vorstandsvorsitzender, als Vorstand am 30. April 2015 zurück. Laut eines Berichtes des Handelsblatts[35] wird ihm unter anderem vorgeworfen, bei der Entlastung des Vorstandes für das Geschäftsjahr 2013 gegen das Aktiengesetz verstoßen zu haben und beim Vertrieb von Windpark-Fonds und Genussscheinen ungenügend auf die dabei bestehenden Risiken hingewiesen zu haben.[36] Auf der Hauptversammlung am 15. Juni 2015 wurde die Umweltbank durch Anlegervertreter heftig kritisiert für mangelnde Transparenz und Entscheidungen nach "Gutsherrenart". Wegen eines Computerfehlers musste die Versammlung ergebnislos geschlossen werden.[37]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stammdaten des Kreditinstitutes bei der Deutschen Bundesbank
  2. Umweltbank steigert Jahresüberschuss. Abgerufen am 2. Mai 2017.
  3. Umweltbank legt beim Ergebnis kräftig zu. Abgerufen am 2. Mai 2017.
  4. Impressum. Umweltbank AG, Dezember 2015, abgerufen am 6. Dezember 2017.
  5. De la Motte. Laura: Grüner geht es kaum, in: Handelsblatt (2013), Nr. 152, S. 27.
  6. Registerportal des Deutschen Handelsregister. Abgerufen am 8. Juni 2015.
  7. Handelsblatt – Umweltbank legt Gewinnsprung hin, 4. Februar 2014 Abgerufen am 16. April 2014.
  8. a b c d e Nachhaltigkeits- und Geschäftsbericht 2016 Abgerufen am 10. Januar 2018.
  9. A. Kundler: Umweltförderung durch Ökobanken am Beispiel von Ökobank eG und Umweltbank AG , 2001, S. 21, ISBN 978-3-8386-3145-5.
  10. Ökologisches Kontrollgremium. Abgerufen am 4. Dezember 2017.
  11. UmweltBank vollzieht Aktiensplit. Abgerufen am 4. Dezember 2017.
  12. Siehe Bank & Umwelt Nr. 24 Apr./Mai/Jun. 2001, S. 1 ff. Abgerufen am 6. Dezember 2017.
  13. IWR. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  14. UmweltBank stark im 20. Geschäftsjahr Pressemitteilung 21.4.2017. Abgerufen am 2. Mai 2017.
  15. Mitteilung des Vorstands auf der Hauptversammlung 19.07.2016.
  16. UmweltBank seit 20 Jahren auf Erfolgskurs. Abgerufen am 10. Januar 2018.
  17. Christian Garrels: Verleihung der GOLDENEN BULLEN: Dr. Ben Lipps ist „Unternehmer des Jahres 2009“. In: Südkurier. 21. Januar 2009, abgerufen am 29. April 2015.
  18. B.A.U.M. e.V. – Horst P. Popp - UmweltBank AG, Kategorie: Kleine und mittelständische Unternehmen. baumev.de, abgerufen am 11. Januar 2018.
  19. Deutscher CSR-Preis 2013. In: deutsches csrforum. Abgerufen am 29. April 2015.
  20. UmweltBank belegt zweiten Platz beim Chip-Hotline-Test . Abgerufen am 18. Dezember 2017.
  21. UmweltBank erhält Qualitätsurteil sehr gut. Abgerufen am 18. Dezember 2017.
  22. B.A.U.M. e.V. – Horst P. Popp - UmweltBank AG, Kategorie: Kleine und mittelständische Unternehmen. baumev.de, abgerufen am 11. Januar 2018.
  23. Mitgliedschaften der Umweltbank. Abgerufen am 4. Dezember 2017.
  24. Fair Company. Abgerufen am 23. Mai 2016.
  25. UmweltBank nach EMAS validiert. Abgerufen am 06. Dezember 2017.
  26. UmweltBank veröffentlicht Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Abgerufen am 18. Dezember 2017.
  27. UmweltBank unterzeichnet Charta der Vielfalt. Abgerufen am 18. Dezember 2017.
  28. Grüne Geldanlage – Umweltbank korrigiert sich. In: Stiftung Warentest (Hrsg.): Finanztest. Nr. 3, 2012 (test.de).
  29. Gunther Latsch, Anne Seith, Gerald Traufetter: ENERGIE: Die große Flaute. 27. Januar 2014, abgerufen am 29. April 2015.
  30. OLG Nürnberg: vzbv gegen Umweltbank. 15. April 2014, abgerufen am 29. April 2015.
  31. Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) Pressemitteilung vom 15. April 2014. Abgerufen am 5. August 2015.
  32. dpa/tmn: Bank muss über Risiken einer Geldanlage aufklären. 9. Mai 2014, archiviert vom Original am 18. Mai 2014; abgerufen am 29. April 2015.
  33. Intransparenz: NGOs kritisieren UmweltBank. 20. Februar 2015, abgerufen am 26. Mai 2017.
  34. Ruben Rehage: Umweltbank ohne Urlaubsgeld: Werkstudenten wehren sich. taz.de, abgerufen am 29. April 2015.
  35. Vorstand der Umweltbank wirft hin. genios.de (Verlagsgruppe Handelsblatt), 4. Mai 2015, abgerufen am 6. Mai 2015.
  36. UmweltBank AG: Vorstands-Rücktritt und Ärger mit Altkunden. Anwalt.de, 4. Mai 2015, abgerufen am 6. Mai 2015.
  37. "Gutsherrenart" stößt UmweltBank-Eignern sauer auf. 25. Juni 2015, abgerufen am 27. Juni 2015.

Koordinaten: 49° 27′ 13,9″ N, 11° 5′ 14,8″ O