Unguis incarnatus

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Ein eingewachsener Zehnagel

Unguis incarnatus, auch Onychocryptosis, ist der medizinische Fachausdruck für einen eingewachsenen Nagel. Dabei drückt sich entweder der seitliche Nagelrand tief in die Nagelfalz und führt zu schmerzhaften Beschwerden, oder die verbreiterte Nagelfalz überwuchert den seitlichen Nagelrand.

Im üblicheren Falle einer normalen Nagelform war eine verbreiterte Nagelfalz ursächlich, welche durch Druck den Nagelrand zu überwuchern begann. Hier ist eine Vandenbos-Plastik angezeigt. Diese verschmälert die Nagelfalz dicht an den Nagelrand, erhält jedoch den gesunden Nagel in seiner natürlichen Form und Breite. Die entstehende Defektwunde heilt innerhalb von sechs bis acht Wochen vollständig ab. Rückfallquoten und Komplikationen sind äußerst selten. Das Ergebnis ist ein funktional und ästhetisch vollkommen normaler Zeh. Eine indirekte zusätzliche Verbreiterung der Nagelfalz durch Verschmälern des Nagels, etwa durch Emmert-Plastik, führt hier dagegen im postoperativen Verlauf erwartungsgemäß zu erheblichen Rückfallquoten bis über 50 %, deutlichen Einschränkungen bezüglich des möglichen Schuhwerks und ästhetisch minderwertigen Ergebnissen. Diese Fehlwahl der Operationsmethode ist ein häufiger Fehler im klinischen Alltag.

Im Falle einer Deformation zum Roll- oder Zangennagel ist eine Korrektur der Nagelform notwendig. Ein Unguis incarnatus betrifft meistens den Großzeh. Eingewachsene Nägel gehören zu den häufigsten Beschwerden bei Nägeln. Männer sind häufiger als Frauen betroffen.

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ursachen für eingewachsene Nägel sind meist zu enge Schuhe oder falsches Nägelschneiden. Schneidet man den Nagel wie den Fingernagel oval, schiebt sich der Nagelrand durch den Druck, dem der Fuß evtl. durch zu enge Schuhe ausgesetzt ist, in das Nagelbett. Das reizt die Haut, und es kommt zu einer Entzündung. Weil die Haut verletzt ist, bildet sich Granulationsgewebe, so genanntes „Wildes Fleisch“ (Hautzellen, welche die Wunde wieder verschließen sollen), und wächst über den Nagel, der damit noch tiefer in das Nagelbett eindringt. Eine weitere mögliche Ursache für einen eingewachsenen Nagel ist Vererbung. Hier sind diejenigen besonders gefährdet, in deren Familie bereits vorangegangene Entzündungen des Zehnagels existierten.

Folgeerkrankungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Verletzungen der Haut können Bakterien in die Haut gelangen und eine Entzündung hervorrufen.

Konservative Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein chirurgischer Eingriff ist bei rechtzeitiger Reaktion des Betroffenen meistens vermeidbar. Falls der Nagel erst ein wenig eingewachsen ist, sollte umgehend ein Podologe (medizinischer Fußpfleger) oder Dermatologe aufgesucht werden.

Im akuten, schmerzhaften Frühstadium[1] (auch wenn das Risiko einer Operation etwa durch eine Durchblutungsstörung erhöht ist[2]) empfiehlt es sich, den entzündeten Nagel zu tapen.[3] Dazu wird die Wundauflage eines Pflasterstreifens zwischen Nagel und entzündeten Nagelwall geschoben und das Pflaster halbkreisförmig unter Zug um die Zehe geklebt, sodass der Nagelwall nach außen gezogen wird und der Nagel mehr Platz bekommt. Der Patient verspürt fast sofort eine Schmerzlinderung.[4][5]

Bei stark ausgeprägtem Weichteilgewebe am Nagelwall kann der Podologe zusätzlich einen flachen Keil (Nagelkeil) im Nagelfalz platzieren und damit den seitlichen Nagelwall entlasten. Auch eine Schienung des Nagels mittels längs aufgeschnittener Silikonröhrchen ist möglich.[1]

Eine andere nicht operative Behandlungsmethode besteht in der Anwendung einer Nagelkorrekturspange (auch Orthonyxie genannt)[6] durch einen Podologen. Wenn ein Nagel auch nach einer Behandlung immer wieder einwächst, kann das auch daran liegen, dass der Nagel (im Querschnitt) zu rund geformt ist und rechts und links zu tief im Nagelfalz ist. Dagegen kann ein Podologe Abhilfe schaffen, indem er durch eine Spangen-Behandlung den Nagel aus den Seiten wieder hochzieht. Es gibt hierbei verschiedene Techniken. Die Behandlung dauert je nach Wachstum des Nagels bis zu 14 Monaten. Mit Beginn der Spangen-Behandlung ist der Patient meistens bereits schmerzfrei.

Bleiben die Beschwerden trotz konservativer Maßnahmen dauerhaft bestehen, muss der eingewachsene Nagel operiert werden.[1]

Operative Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Falls der Nagel chronisch eingewachsen ist, genügen konservative Maßnahmen nicht mehr. Solange die Ursache, also die Nagelecke (ob klein oder größer, spielt hier keine Rolle mehr), nicht entfernt ist, wird das Problem weiter bestehen.

Nach der Beseitigung der in das Gewebe eingedrungenen Nagelecke ist die Stelle mit einem Pflaster zu versorgen, und das Problem wird in zwei bis drei Tagen wesentlich reduziert sein. Die Entzündung geht zusehends zurück. Das „wilde Fleisch“ bedarf keiner weiteren Behandlung, es wird vom Körper abgebaut und bildet sich von alleine zurück. Zur Nachbehandlung ist unbedingt nach dem Abklingen der Entzündung die Schnittkante zu kontrollieren, um diese eventuell noch mit einem feinen Fräser abzurunden.

Jedes Unterschieben von Watte oder sonstiger „Tamponaden“ sollte ebenfalls vermieden werden, da diese meistens nicht vertragen werden und oftmals neue Entzündungen hervorrufen.

Operation eines eingewachsenen Nagels
Zwei Tage nach OP beim Verbandswechsel
Emmert-Plastik

Besteht die Gefahr, dass der Nagel nach einer Spangen-Behandlung wieder einwächst, so ist es sinnvoll, einen Teil davon zu entfernen und eventuell eine chirurgische Nagelbettverkleinerung (Emmert-Plastik oder Nagelkeilexzision) vorzunehmen. Das bedeutet, dass nicht nur der Nagel selbst, sondern auch der Teil des Nagelbettes, aus dem der Nagel nachwächst (Nagelmatrix), entfernt wird. Dadurch wird der neu nachwachsende Nagel schmaler, und die Gefahr, dass er wieder einwächst, geringer. Auch Nagel-Teilentfernungen werden unter lokaler Betäubung durchgeführt.

Allgemein handelt es sich bei dem wilden Fleisch um hoch entzündetes Gewebe, das entsprechend empfindlich ist. Daher sollte es noch für wenige Tage durch einen Pflasterverband gegen mechanische Reize oder Verschmutzung von außen geschützt werden. Zusätzlich bedeutet aber auch schon der Wechsel eines solchen Pflasters eine so große Irritation des Gewebes, dass er die Heilung verzögern oder behindern kann. Daher sollte dieser Pflasterwechsel nicht zu oft erfolgen; falls es die Umstände (Eiterung) erlauben, sollte er auf Abstände von bis zu einer Woche hinausgeschoben werden. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass eine eitrige Wunde möglichst offen heilen sollte.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Onychocryptosis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Hansotto Zaun/Dorothee Dill-Müller, Krankhafte Veränderungen des Nagels, Edition: 9 - 2004, 79.
  2. http://www.chirurgie-bad-laer.de/downloads/zehen.pdf
  3. Medical Tribune, Tapen lindert Schmerz sofort, Freitag, 24. November 2000/47, 35.
  4. Mit Verweis auf Professor Dr. Eckart Haneke, Klinik Bunoes, Sandvika, Norwegen; vgl. Medical Tribune, Tapen lindert Schmerz sofort, 35.
  5. http://extranet.medical-tribune.de/volltext/PDF/2000/MT-Schweiz/CH47_2000/CH47S34f.pdf
  6. http://www.podologie-lauer.de/leistungen/eingewachsener-fussnagel.html
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