Union Busting

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Union Busting oder Union Bashing (etwa: Gewerkschafts-Sprengung, Gewerkschafts-Prügel, kurz: UB, auch Gewerkschaftsvermeidung) ist ein Pejorativum der englischen Sprache für die systematische Bekämpfung, Unterdrückung und Sabotage von Arbeitnehmervertretungen, also Gewerkschaften und Betriebs- oder Personalräten. Die Mittel des UB können sowohl legal, als auch illegal sein und schließen sowohl die gezielte Diskreditierung von einzelnen Arbeitnehmervertretern wie durch Detektive sowie Mobbing oder beispielsweise durch arbeitgeberfreundliche Strömungen im Betrieb ein, wie auch arbeitsrechtliche Maßnahmen, zum Beispiel die Blockade einer Betriebsratswahl per einstweiliger Verfügung. Union Bashing steht damit in einem Spannungsverhältnis zu grundrechtlichen Garantien freier Arbeitnehmervertretungen, ist aber - falls und soweit diese Garantien nicht Drittwirkung im Verhältnis zum Arbeitgeber entfalten - nicht zwangsläufig rechtswidrig.

Die Begriffe „Union Avoidance“ (deutsch: Gewerkschaftsvermeidung), „Counter Organizing“ (dt.: Gegenorganisierung) und „Union Prevention“ (dt.: Gewerkschaftsvorbeugung) sind Schlagwörter, die alternative Handlungsweisen von Arbeitgebern oder Dienstleistern gegenüber der Organisation der Belegschaft beschreiben. Alle Begriffe wurden vor 1999 in Deutschland nicht verwendet, bis die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten zum Verhalten des internationalen Konzerns McDonald’s diesen Begriff aus dem englischen Sprachraum übernahm.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erste Vertreter des Union Busting gilt die 1850 gegründete Pinkerton-Agentur, die bereits nach 40 Jahren über eine Miliz von über 30.000 Personen verfügte. Die erste Sammlung von gewerkschaftsfeindlichen Methoden erstellte Robert Franklin Hoxie 1917, die als „Hoxie-Liste“ bekannt wurde. Die Mohawk-Valley-Formel mit Handlungsanweisungen zur Unterdrückung von Streiks wurde 1937 in The Nation veröffentlicht.[1]

Reichweite und Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter der Bezeichnung Union-Busting-Consultants (etwa: Berater für Gewerkschaftssprengungen) firmierten in den 1980er-Jahren der Vereinigten Staaten von Amerika 1500 Personen. In den 1990er-Jahren erwirtschaftete diese Branche etwa eine Milliarde US-Dollar jährlich, für 2002 werden rund 200 Milliarden Dollar Umsatz veranschlagt.[2]

In Deutschland ließen sich 2010 241 Betriebe mit Gewerkschaftsmitgliedern finden, in denen das Organisieren der Belegschaft aktiv be- oder verhindert wurde. In 73 % der Fälle nannten die Gewerkschaftssekretäre Einschüchterungen als Mittel, bei 43 % der Betriebe wurde kein Wahlvorstand bestellt, in 24 % Kündigungen für Kandidaten ausgesprochen, in 16 % wurden die Arbeitnehmer mit Geld von der Teilnahme an Wahlen abgehalten, in 12 % wurden notwendige Unterlagen und Materialien nicht bereitgestellt.[3] Prominente Beispiele für Schwierigkeiten bei der Betriebsratsgründung bis hin zum aktiven Widerstand sind Amazon.com[4] oder Birkenstock[5].

Wissenschaftliche Annäherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1950er Jahren dokumentiert und analysiert Professor John Logan von der San Francisco State University die US-amerikanische Situation, seit den 1990er-Jahren erforscht Kate Bronfenbrenner Strategien und Methoden gegen Gewerkschaftswahlen. Über das Verhalten der Arbeitgeber vor Betriebsratswahlen stellte Bronfenbrenner fest:

„In 96 % der Fälle startete der Arbeitgeber eine Anti-Gewerkschaftskampagne; in 89 % der Fälle hielt er als verpflichtend angeordnete Belegschaftsversammlungen [zur gezielt antigewerkschaftlichen Beeinflussung und Einschüchterung] ab; in 53 % der Fälle waren es mehr als 5 Versammlungen. In 75 % der Fälle wurden externe Berater hinzugezogen, in 74 % [...] Anti-Gewerkschaftsflugblätter verteilt.“

Kate Bronfenbrenner[6]

Öffentliche Wahrnehmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rheinisches JournalistInnen Büro veröffentlichte 1987 eine Reihe von Schriften, die Fälle von Sabotage bei Betriebsratswahlen u. a. bei BMW, der WAZ-Zeitungsgruppe und McDonald’s offenlegte. Der Politikwissenschaftler Bodo Zeuner veröffentlichte 1991 einen Sammelband zum gleichen Thema, in dem er Beispiele bei u. a. Volkswagen, Siemens und Bosch belegt.

Bekenntnisse eines Union-Busters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der seit Ende der 1960er Jahre aktive Streikbrecher und Firmenberater Martin Jay Levitt wechselte in den 80er-Jahren in die Beratung der US-Gewerkschaft AFL-CIO und veröffentlichte 1993 eine Autobiografie „Bekenntnisse eines Union Busters“.[7]

Unwort des Jahres 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Recherchen des Fernsehmagazins Monitor nach war das Wort „Betriebsratsverseucht“ üblicher Gebrauch in der Personalabteilung der Firma Bauhaus, worauf es zum Unwort des Jahres gewählt wurde.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernsehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Robert Michael Smith: From Blackjacks To Briefcases – A History of Commerialized Strikebreakers and Unionbusting in the United States., Ohio University Press, 1. Mai 2003. ISBN 978-0821414668
  2. John Logan: Consultants, Lawyers, and the ‘Union Free’ Movement in the USA Since the 1970s, in: Industrial Relations Journal 3 (2002), S. 197–213.
  3. Martin Behrens, Heiner Dribbusch: Arbeigtegermaßnahmen gegen Betriebsräte: Angriffe auf die betriebliche Mitbestimmung, in: WSI-Mitteilungen 2/2014, S. 140–148.
  4. Amazon in Rheinberg bekommt Betriebsrat, Westdeutsche Allgemeine Zeitung – Website, 11. Januar 2013. Abgerufen am 11. Juni 2014.
  5. Wieder Unruhe bei Birkenstock, Frankfurter Neue Presse – Website, 22. August 2013. Abgerufen am 11. Juni 2014.
  6. Kate Bronfenbrenner: No Holds Barred – The Intensification of Employer Opposition to Union Vertification Win Rates. A Private/Public Sector Comparison S. 24–29, Ithaca 2009
  7. Barbara Presley Noble: At Work; A Union Buster Confesses, 5. September 1993, The New York Times – Website. Abgerufen am 5. Juni 2014.