United States (Schiff)

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United States
StateLibQld 1 169487 United States (ship).jpg
Schiffsdaten
Flagge Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Schiffstyp Passagierschiff
Bauwerft Newport News Shipbuilding, Newport News
Baukosten 78 Mio. Dollar
Stapellauf 23. Juni 1951
Indienststellung Juni 1952
Außerdienststellung 2. November 1969
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
301,9 m (Lüa)
Breite 30,94 m
Tiefgang max. 9,45 m
Vermessung 53.329 BRT
 
Besatzung 1.093 Mann
Maschine
Maschine 8 Dampfkessel
4 Getriebeturbinen
Maschinen-
leistung
241.785 PS (177.833 kW)
Höchst-
geschwindigkeit
38,32 kn (71 km/h)
Propeller 4
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl 1928
Sonstiges
Registrier-
nummern

IMO: 5373476

Die United States ist ein ehemaliges US-amerikanisches Passagierschiff und bis heute Titelträgerin des Blauen Bandes als schnellster Dampfer auf der Transatlantikroute. Sie wurde als Linienschiff der Reederei United States Lines für den Linienverkehr von New York nach Europa eingesetzt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Turbinenschiff wurde von 1950 bis 1952 auf der Newport News Shipbuilding in Newport News gebaut. Die Kosten von 78 Mio. $ wurden von der Regierung der Vereinigten Staaten mit 50 Mio. $ und von der Reederei mit 28 Mio. $ getragen.

Das Schiff entstand als Typ P6-S4-DS1 im Rahmen des Nachkriegs-Schiffbauprogramms der United States Maritime Administration. Schon beim Bau waren Vorkehrungen getroffen worden, um es in kürzester Zeit zum Truppentransporter umrüsten zu können. Dafür wurde der Bau von der US-amerikanischen Regierung finanziell und technisch gefördert. Im Kriegsfall hätten bis zu 15.000 Soldaten transportiert werden können. Daneben besaß das Schiff viele Schotten und getrennte Maschinenräume, um widerstandsfähiger gegen Beschädigungen zu sein. Auch eine Verwendung als Hospitalschiff wäre möglich gewesen. Die Abmessungen der United States wurden auf den Panamax-Standard begrenzt. Die United States wurde jedoch nie als Truppentransporter genutzt.

Liniendienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits bei ihrer Jungfernfahrt unter dem Kommando von Kapitän Harry Manning am 3. Juli 1952 errang sie das Blaue Band für die schnellste Atlantik-Überquerung von Passagierschiffen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 35,59 Knoten. Die benötigte Fahrzeit lag bei 3 Tagen, 10 Stunden und 40 Minuten. Für die Rückfahrt nach Amerika benötigte sie 3 Tage, 12 Stunden und 12 Minuten (Durchschnittsgeschwindigkeit von 34,51 Knoten). Damit hält sie den Rekord für die schnellste Überquerung sowohl in West als auch in Ost-Richtung.

Diese Rekorde wurden bisher nicht unterboten. Terminus in Europa war zunächst Southampton, später fuhr sie auch häufig bis Bremerhaven, wo sie erstmals am 3. Januar 1953 eintraf.

Als Flugreisen billiger und populärer wurden, war der Betrieb von Passagierdampfern zwischen Nordamerika und Europa nicht mehr rentabel. Daher wurde die United States am 2. November 1969 außer Dienst gestellt.

Verkauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach langer Aufliegezeit wurde das Schiff 1992 an einen türkischen Werfteigner verkauft. Dieser ließ das Schiff nach Istanbul schleppen, um es zu einem Kreuzfahrtschiff umbauen zu lassen; diese Pläne zerschlugen sich jedoch bald. Das Schiff wurde Anfang November 1993 weiter nach Sewastopol in der Ukraine geschleppt, wo es bis zum 13. Mai 1994 fast vollständig entkernt und von Asbest befreit wurde.[1] Auffälligste Änderung ist die Beseitigung der Davits und der Rettungsboote.

1996 wurde das Schiff erneut verkauft. Der neue Eigner ließ das Schiff wieder über den Atlantik schleppen und in Philadelphia auflegen, wo es sich seitdem befindet.

Die in Philadelphia aufgelegte United States
SSUnited StatesMP.Jpg

Vorgesehene weitere Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2003 erwarb zunächst die Norwegian Cruise Line die United States mit der Absicht, eine vollständige Restaurierung durchzuführen und sie unter amerikanischer Flagge in ihren Hawaii-Dienst einzubinden. 2004 gab die Reederei eine Durchführbarkeitsstudie für einen Neuausbau in Auftrag. Im Mai 2006 kündigte der Vorstandsvorsitzende Sri Lim Kok Thay von Star Cruises (der Muttergesellschaft der Norwegian Cruise Line) die Restaurierung der United States als nächstes Projekt der Reederei an. Entgegen dieser Ankündigung hatte die NCL jedoch keine entsprechenden Maßnahmen unternommen. Vielmehr wurde im Frühjahr 2009 bekannt gegeben, dass das Schiff durch NCL verkauft und möglicherweise verschrottet werden solle. Im März 2010 sammelte die NCL bereits konkrete Angebote von Abbrechern.[2]

Am 1. Februar 2011 erwarb die „SS United States Conservancy“,[3] eine eigens zu diesem Zweck gegründete Gruppe von Idealisten, nach einer öffentlichen Kampagne zur Errettung des Ozeanriesen das Schiff, um es als ein nationales maritimes Denkmal zu erhalten. Die Gruppe hatte dabei Zuspruch von Fans des Oldie-Liners aus allen Teilen der Welt erfahren und den Ankauf von NCL nach einer mit der Reederei ausgehandelten Preissenkung auf 3 Millionen US-Dollar realisieren können.[4] Die Mittel hierfür stammten dabei aus Spendengeldern. Der SS United States Conservancy standen die weiteren Schritte zur möglichen Sanierung des Schiffes erst bevor. Die Innenausstattung des Schiffes fehlt komplett, so dass eine Restaurierung einen erheblichen finanziellen Aufwand darstellen würde.

Die Conservancy verfolgte nicht das Ziel, „the Big U“ – wie der Dampfer aufgrund seiner Silhouette durch die beiden überdimensionierten Schornsteine liebevoll von der Fangemeinde genannt wird – erneut als Passagierschiff in Dienst zu stellen. Geplant war eine Kombination als Hotel-, Museums- und Kulturschiff.[5] Mehrere Hafenstädte an der nördlichen US-Ostküste sollten ein Interesse an dem Projekt kundgegeben und die Möglichkeit einer neuen festen Liegestelle für die United States in Aussicht gestellt haben.[6]

Im Oktober 2015 verdichteten sich dann Aussagen, dass die Verschrottung unmittelbar bevorstünde, denn selbst die Gebühren für den Liegeplatz in Philadelphia sind wegen des Rückgangs der Spendengelder für die Gruppe zu teuer. Von einem Ausbau des Schiffs könne nicht mehr die Rede sein, hieß es.[7]

Am 4. Februar 2016[8] gab die US-Reederei Crystal Cruises bekannt, die United States erworben zu haben, um sie nach kompletter Modernisierung ab Ende 2016 für Luxusreisen einzusetzen.[9]. „In ihrer Blütezeit war das Schiff selbst die Destination: es war die Art zu reisen. Wir wollen, dass sie diesen Weg wieder geht“, sagte Edie Rodriguez, CEO von Crystal Cruises anlässlich der Pressekonferenz. Als Auftragnehmer ist die Lloyd Werft Bremerhaven im Gespräch.[10]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schiff war in vielerlei Hinsicht einzigartig. Bei seiner Innenausstattung wurde zu Gunsten der Feuersicherheit komplett auf Holz verzichtet und es erreichte einen vollständigen Vier-Abteilungen-Standard, bliebe also selbst bei gleichzeitiger Flutung von beliebigen vier nebeneinander liegenden wasserdichten Abteilungen schwimmfähig.

Das herausragende Merkmal der United States war ihr Antrieb. Ihre Dampfturbinen waren für Flugzeugträger konzipiert; daher hatte sie den leistungsstärksten Antrieb aller je gebauten Handelsschiffe. Aufgrund militärischer Geheimhaltung wurden die technischen Daten lange Zeit nicht veröffentlicht. Erst in den 1970er Jahren wurden Daten ihrer Testfahrten bekannt, dennoch ist ihre Höchstgeschwindigkeit aber immer noch nicht genau geklärt. Nach Aussagen von Besatzungsmitgliedern, die bei den Probefahrten als Offiziersanwärter auf der Kommandobrücke Dienst versahen, wurde kurzzeitig eine Geschwindigkeit von 41,6 kn erreicht.[11] Einige Quellen sprechen sogar von 268.000 PS Maschinenleistung. Die in manchen Publikationen angegebenen 44,7 Knoten dürften Fehler bei der Einheit sein, denn 38 Knoten entsprechen etwa 44 mph. Doch selbst mit „nur“ 38,32 Knoten ist sie das schnellste je gebaute Schiff in dieser Größenordnung.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der US-amerikanische Romanautor Clive Cussler verwendete die United States für eines seiner Bücher. In seiner 1997 erschienenen Erzählung „Flood Tide“ („Höllenflut“) wird das Schiff von einem chinesischen Reeder gekauft, ausgeschlachtet und als Schlüsselwerkzeug für einen großangelegten Anschlag benutzt, bei dem der Ozeanriese fast zerstört wird.

Im Film "Die Munsters, Gespensterparty" von 1966 fand sie als Kulisse (Außenaufnahmen) Verwendung.

Im Film Dead Man Down spielen Szenen im Schiffsinneren, das Schiff wird auch in der Außenansicht gezeigt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert D. Ballard, Ken Marschall: Lost Liners – Von der Titanic zur Andrea Doria – Glanz und Untergang der großen Luxusliner. Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co., München 1997, ISBN 3-453-12905-9 (englisch: Lost Liners: From the Titanic to the Andrea Doria. The ocean floor reveals its greatest lost ships. Übersetzt von Helmut Gerstberger).
  • Peter Raap: Das Rennpferd des Atlantiks – die S.S. „United States“. Jungfernfahrt vor 60 Jahren: Vom Geheimschiff zum Geisterschiff. Niederdeutsches Heimatblatt Nr. 751 (Juli 2012). PDF-Datei

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: United States – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel in der Sewastopolskaja gaseta. vom 12. Juli 2007 (russisch).
  2. Bericht über die Verschrottungspläne (englisch).
  3. Homepage SS United States Conservancy (englisch).
  4. Legendary Liner Has New Owner. In: Wall Street Journal. (englisch).
  5. United States ist verkauft und wird renoviert
  6. conservancy purchases SS United States (englisch).
  7. „United States“ droht die Verschrottung. In: Täglicher Hafenbericht vom 22. Oktober 2015, S. 15.
  8. SS United States: Crystal Cruises Planning Return of Historic Transatlantic Liner. 4. Februar 2016, abgerufen am 5. Februar 2016.
  9. S.S. United States: Crystal Cruises will Schiffslegende wieder in Fahrt bringen. 4. Februar 2016, abgerufen am 5. Februar 2016.
  10. Bericht der Nordwest-Zeitung: Otto, Heiner: Kommt das Geisterschiff wieder in Fahrt? 10. Februar 2016, abgerufen am 10. Februar 2016.
  11. Amerikas Traumschiff – Die Geschichte der „United States“. Fernsehdokumentation, Erstsendung am 17. April 2012 bei N24.

Koordinaten: 39° 55′ 6″ N, 75° 8′ 12″ W