Unity (Benutzeroberfläche)

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Unity

Logo
Screenshot von Ubuntu 16.04 „Xenial Xerus“ mit Unity 7.4
Ubuntu 16.04 „Xenial Xerus“ mit Unity 7.4
Basisdaten

Entwickler Canonical
Erscheinungsjahr 2010
Aktuelle Version 7.5[1]
(25. Mai 2016)
Aktuelle Vorabversion 8.16.1[2]
Betriebssystem Linux
Programmiersprache Vala[1], C++[1][3], QML[4]
Kategorie Desktop-Umgebung
Lizenz GPL 3, LGPL 3 (Freie Software)
deutschsprachig ja
unity.ubuntu.com

Unity ist eine zunächst durch das Unternehmen Canonical entwickelte Desktop-Umgebung für Linux-Betriebssysteme, die besonders sparsam mit Bildschirmplatz umgehen soll. Im Gegensatz zu Gnome, KDE SC 4 oder auch Xfce ist Unity keine Programmsammlung und soll in erster Linie mit bereits existierenden GTK+-Programmen benutzt werden.

Unity wird als freie Software unter den Bedingungen der dritten Versionen von GNU General Public License (GPL) und GNU Lesser General Public License (LGPL) veröffentlicht. Seitdem Canonical die Entwicklung von Unity im April 2017 eingestellt hat, wird Unity von der UBports-Community weiterentwickelt,[5][6] die auch die Entwicklung von Ubuntu Touch übernommen hat.[7]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ubuntu nutzte bis zur im Oktober 2010 erschienenen Version 10.10 Gnome 2 als Standard-Desktop-Umgebung in der Variante für Desktop-PCs. Da das Gnome-Projekt keine spezielle Oberfläche für Netbooks mit ihren kleinen Bildschirmen anbietet und die aus gleichem Grund bereits entwickelte Netbook-Oberfläche von Moblin/MeeGo nicht für geeignet gehalten wurde, entwickelte Canonical eine eigene Oberfläche für diesen Gerätetyp. Diese erschien erstmals mit Ubuntu 10.10. Die Arbeit an dieser Desktop-Variante von Unity begann auf dem Ubuntu Developer Summit 2010, in dessen Rahmen der Wechsel in Ubuntu von Gnome auf Unity bekanntgegeben wurde.

Von Ubuntu 11.04 bis Ubuntu 17.04 wird Unity als Standard-Oberfläche genutzt. Die vormals existierende Netbook-Version mit Unity wurde daher eingestellt. Mit Version 11.10 wurde Gnome 2 als Alternative entfernt und für leistungsschwächere PCs eine 2D-Version von Unity eingesetzt, die ab Ubuntu 12.10 ersatzlos gestrichen wurde.

Das Gnome-Projekt und Canonical hatten bereits in der Vergangenheit Differenzen zur Ausrichtung. So passte Canonical zum Beispiel ein von KDE entwickeltes neues Protokoll zur Steuerung von Benachrichtigungsfeldern an Gnome 2 an,[8] welches jedoch wegen fehlender Kompatibilität zu Gnome 3 und – laut Gnome – mangelnder Kommunikationsbereitschaft der Canonical-Entwickler durch das Gnome-Projekt abgelehnt wurde.[9] Laut Canonical-Eigentümer Mark Shuttleworth lehne das Gnome-Projekt auch die von Mac OS bekannte, globale Menüleiste ab.[10] Als Folge dieser Differenzen entschied sich Canonical, die neue Oberfläche von Gnome 3 auch auf Ubuntu für Desktop-PCs nicht zum Einsatz zu bringen und auch die alte Gnome-2-Oberfläche nur noch als Ausweichoption anzubieten, für den Fall einer Inkompatibilität zur installierten Grafik-Hardware.[11]

Am 5. April 2017 gab Mark Shuttleworth bekannt, dass die Arbeiten an Unity eingestellt werden und ab Ubuntu 18.04 wieder Gnome die Standard-Desktop-Umgebung für Ubuntu wird.[12][13] Letztlich wurde bereits mit Ubuntu 17.10 wieder Gnome als Standard-Desktop eingesetzt.

Nach der Einstellung der Entwicklung von Unity durch Canonical, hat die UBports-Community die Entwicklung von Unity 8 übernommen.[14] Erste Alpha Versionen für Ubuntu 16.04 LTS und Ubuntu 18.04 LTS stehen zum Testen bereit.[15]

Ayatana-Projekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unity ist Teil des Ayatana-Projektes, einer Initiative zur Verbesserung der sogenannten User Experience innerhalb von Ubuntu. Neben Unity sind hierunter bspw. auch die Projekte MeMenu, das Benachrichtigungssystem NotifyOSD und die Application Indicators versammelt.[16] Außerhalb von Ubuntu bekam Ayatana bisher auch vom openSUSE-Projekt Unterstützung.[17]

Technische Grundlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Unity-Version, die mit Ubuntu 10.10 mitgeliefert wurde, ist in der Programmiersprache Vala geschrieben und nutzt die von Intel stammende Programmbibliothek Clutter für die Oberfläche. Seit Ubuntu 11.04 basiert Unity jedoch auf Compiz.[18] Diese Version ersetzt einen Großteil des Vala-Codes durch C++ und setzt eine Programmbibliothek namens Nux statt Clutter ein. Unity setzt einen kompatiblen 3D-Beschleuniger voraus.[11]

Unity nutzt Gnome-Anwendungen, baut auf Bibliotheken von Gnome und Middleware aus dem Freedesktop.org-Umfeld (unter anderem D-Bus, UPower, Udisks, ConsoleKit) und andere Frameworks wie zum Beispiel Zeitgeist.[19]

Darüber hinaus entwickelte Canonical eine „2D“-Variante auf Basis von Qt und QML, welche am 14. Januar 2011 in einer Entwicklungsversion veröffentlicht wurde.[4][20] Für diese Version ist keine 3D-Beschleunigung notwendig. Unity 2D arbeitet mit Metacity zusammen. Mittlerweile wurde die 2D-Variante zugunsten der klassischen 3D-Variante verworfen, nachdem der Hauptprogrammierer von Unity 2D Canonical verlassen hatte[21] und außerdem der primär von Red Hat für Gnome-Shell entwickelte Software-Renderer LLVMpipe ausreichend schnell genug für die Darstellung von Arbeitsoberflächen sei.[22][23]

Ab Unity 8 wird standardmäßig nicht mehr X11 als Displayserver verwendet, sondern Canonicals Eigenentwicklung Mir. Unity 8 läuft bereits seit 2013 auf Ubuntu Touch, seit Ubuntu 16.10 kann es optional auch in der Desktop-Version verwendet werden.[24]

Da Unity zunächst ausschließlich vom Linux-Distributor Canonical entwickelt wurde,[25] wird derzeit offiziell nur Linux unterstützt. Versionen für andere Unix-ähnliche Betriebssysteme sind derzeit nicht verfügbar.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entscheidung Canonicals, Unity als Compiz-Plugin zu entwickeln, wurde kontrovers aufgenommen. Der von Canonical angestellte Compiz-Entwickler Sam Spilsbury, zum Beispiel, begrüßte sie.[26] Andere kritisierten sie aus verschiedenen Gründen,[27] z. B. weil die erforderte Rechenleistung hoch sei.

Canonicals Vorgabe, dass Freiwillige zur Mitarbeit an Canonical-Projekten das eigene Urheberrecht abtreten müssen, um proprietäres Relizenzieren zu ermöglichen, wird ebenfalls kritisiert.[28]

Seit der Ubuntu-Version 12.10 in Verbindung mit Unity sind Probleme bezüglich des Datenschutzes bekannt geworden. Diese beziehen sich auf die voreingestellte Online-Weiterleitung von Suchbegriffen bei der Nutzung der „Dash“-Funktion.[29] Ab Ubuntu 16.04 ist die Online-Suche im Dash standardmäßig deaktiviert.[30]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Unity – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Unity in Launchpad. Abgerufen am 5. November 2014 (englisch).
  2. GitHub ubports/Unity8 Aconvergent desktop environment. Abgerufen am 18. Mai 2018.
  3. ~unity-team/unity/trunk. Abgerufen am 5. November 2014 (englisch).
  4. a b Alin Andrei: 2D Unity To Be Available As An Option In Ubuntu 11.04 Natty Narwhal. 14. Januar 2011, abgerufen am 5. November 2014 (englisch).
  5. Unity8Desktop - Ubuntu Wiki. Abgerufen am 11. Mai 2018.
  6. Unity8 - The convergent desktop environment. Abgerufen am 11. Mai 2018.
  7. About Ubuntu Touch - UBports. Abgerufen am 11. Mai 2018.
  8. Jono Bacon: Rocking The Application Indicators. 25. August 2010, abgerufen am 5. November 2014 (englisch).
  9. Vincent Untz: New module decisions for 3.0. 2. Juni 2010, abgerufen am 5. November 2014.
  10. Ryan Paul: Shuttleworth: Unity shell will be default desktop in Ubuntu 11.04. arstechnica, 25. Oktober 2010, abgerufen am 5. November 2014 (englisch).
  11. a b Jono Bacon: Unity: Some Further Clarification Points. 31. Oktober 2010, abgerufen am 5. November 2014 (englisch).
  12. Mark Shuttleworth: Growing Ubuntu for cloud and IoT, rather than phone and convergence. 5. April 2017, abgerufen am 6. April 2017 (englisch).
  13. Canonical stellt Unity und Mir ein und wechselt zurück zu GNOME. Pro-Linux, 6. April 2017, abgerufen am 6. April 2017.
  14. Unity8 - The convergent desktop environment. Abgerufen am 11. Mai 2018.
  15. GitHub-ubports/unity8-desktop-install-tools. Abgerufen am 11. Mai 2018.
  16. Projektseite des Ayatana-Projektes. Ubuntu, abgerufen am 8. Januar 2010 (englisch).
  17. Jörg Thoma: openSUSE übernimmt Ayatana-Projekt von Ubuntu. Golem.de, 2. Januar 2011, abgerufen am 6. November 2011 (deutsch).
  18. Jono Bacon: Ubuntu 11.04 To Ship Unity. 25. Oktober 2010, abgerufen am 6. November 2014 (englisch).
  19. Dr. Oliver Diedrich: Die Woche: Ubuntu und die fünf Prozent. Heise online, 11. Mai 2012, abgerufen am 5. November 2014 (deutsch).
  20. Alin Andrei: How To Install Unity 2D (Qt) In Ubuntu 11.04/10.10. 14. Januar 2011, abgerufen am 26. November 2013 (englisch).
  21. Aurélien Gâteau: Into the blue. In: Aurélien's Room. 11. April 2012, abgerufen am 26. November 2013.
  22. Joey-Elijah Sneddon: UDS-Q Summary: Bye-Bye Unity 2D, Hello GNOME-Shell Spin. OMG! Ubuntu, 12. Mai 2012, abgerufen am 2. Dezember 2014 (englisch).
  23. Michael Larabel: GNOME Shell Now Works With Software Rendering! Phoronix, 3. November 2011, abgerufen am 2. Dezember 2014 (englisch).
  24. Ubuntu OnAir: Mark Shuttleworth's Q&A. 4. Mai 2016, abgerufen am 27. November 2016 (Video, englisch).
  25. Matthew Garrett: mjg59: Fun facts. 6. Oktober 2010, abgerufen am 2. Dezember 2014 (englisch).
  26. Sam Spilsbury: A bright new future for Compiz. 25. Oktober 2010, abgerufen am 6. November 2014 (englisch).
  27. Michael Larabel: There's Little Love For Ubuntu's Unity Desktop. Phoronix, 25. Oktober 2010, abgerufen am 6. November 2014 (englisch).
  28. Bradley M. Kuhn: Canonical, Ltd. Finally On Record: Seeking Open Core. 17. Oktober 2010, abgerufen am 6. November 2014 (englisch).
  29. Micah Lee: Fix Ubuntu. Abgerufen am 6. November 2014 (englisch).
  30. Ubuntu 16.04 LTS Is Now Available to Download. In: OMG! Ubuntu! Abgerufen am 21. April 2016 (amerikanisches Englisch).