Universität der Bundeswehr München

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Universität der Bundeswehr München
— UniBwM —
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Gründung 1973
Ort Neubiberg
Bundesland Bayern
Land Deutschland
Präsidentin Merith Niehuss
Studenten 2.938 WS 2015/16[1]
Mitarbeiter 1108
davon Professoren 163
Website www.unibw.de

Die Universität der Bundeswehr München (UniBwM) wurde 1973 auf Bestreben des damaligen Bundesministers der Verteidigung Helmut Schmidt unter dem Namen „Hochschule der Bundeswehr München“ gegründet. Sie ist eine von zwei Universitäten der Bundeswehr, die die Bundeswehr zur Ausbildung ihres Offiziernachwuchses eingerichtet hat.

Die UniBwM steht im Allgemeinen Offizieren und Offizieranwärtern der Bundeswehr zur Verfügung. Jedoch gibt es seit Anbeginn des Lehrbetriebs Kooperationsabkommen mit befreundeten Staaten. So absolvieren etwa 50 Austauschoffiziere ausländischer Streitkräfte ihr Studium in München. Daneben sind zivile Studierende sowie Gastwissenschaftler und -professoren im Rahmen von Partnerschaftsabkommen an der Universität.

Auch ist seit 2002 eine geringe Anzahl deutscher ziviler Studenten (derzeit rund 250[2]) an der Universität zu finden. Ihr Studium wird durch ihren zukünftigen Arbeitgeber, meist große Unternehmen aus Industrie und Versicherungswirtschaft, finanziert; sie studieren vorwiegend in den wirtschaftswissenschaftlichen und technischen Studiengängen. Ebenso studieren einige zivile Beamtenanwärter der Bundeswehr im neugeschaffenen Studiengang Wehrtechnik. Auch andere Behörden wie der Bundesnachrichtendienst (BND) lassen Mitarbeiter in Neubiberg studieren. Der Frauenanteil an der Studierendenschaft liegt derzeit bei rund 14 Prozent.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammen mit der Hamburger Hochschule wurde die Universität der Bundeswehr München als eine der beiden Universitäten der Bundeswehr zur Ausbildung des Offiziernachwuchses 1973 eingerichtet. Die Schaffung der Bundeswehr Universitäten ging auf einen Beschluss des Bundestages von 1972 zurück.[3]

Bei Gründung hatte die Münchner Hochschule der Bundeswehr sechs Fakultäten und drei Fachbereiche; 1978 kam die Fakultät für Sozialwissenschaften hinzu. Die Hochschule war Angehörigen der Bundeswehr vorbehalten. Im Jahr 1980 erhielt die Einrichtung das Promotionsrecht; 1981 folgte schließlich die volle staatliche Anerkennung und ihr wurde das Habilitationsrecht verliehen. 1985 wurde die Hochschule umbenannt und heißt fortan „Universität der Bundeswehr München“.

2000 führte ein Erlass zu den Rahmenbedingungen der Universität zu Modernisierungen in Struktur und Organisation. Ein Jahr später nahmen die ersten weiblichen Offiziere und Offizieranwärter ihr Studium an der Universität auf (zunächst Luftwaffe und Marine, seit 2004 auch Heer). Durch die Änderung des Bayerischen Hochschulgesetzes wurde es im gleichen Jahr für zivile Studenten möglich, an der Universität der Bundeswehr München zu studieren.[4]

Seit dem Wintertrimester 2010 sind die Studiengänge der Universität im Zuge des Bologna-Prozesses auf Bachelor und Master umgestellt.

2011 wurde die Studentenzeitschrift der Bundeswehrhochschule laut Süddeutscher Zeitung durch drei Studenten "zur Plattform für rechte Thesen umfunktioniert". Mitarbeiter der UniBwM befürchteten "dass versucht wird, die Zeitung des Studentischen Konvents mit der politischen Agenda der Neuen Rechten zu durchdringen". Der Militärische Abschirmdienst nahm interne Ermittlungen auf. Über Konsequenzen ist nichts bekannt.

Im Mai 2017 wurde im Zusammenhang mit dem terrorverdächtigen Soldaten der deutsch-französischen Brigade bekannt, dass der Militärische Abschirmdienst (MAD) gegen vier Studenten der Bundeswehr-Universität ermittelt, weil sie Verbindungen zur als rechtsextremistisch eingestuften „Identitären Bewegung“ haben sollen.[5][6] Der MAD hatte Zusammenhänge bei aktiven und ehemaligen Studenten der Universität mit den Terrorermittlungen gegen Franco A. geprüft und stieß dabei auf einen möglichen Verbindung zu einem Studenten der Neubiberger Hochschule. Dieser und ein weiterer Offiziersanwärter fielen durch antisemitische und nazistische Parolen auf wurden als Folge der Ermittlungen Ende Mai 2017 aus dem Dienst entfernt.[7][8]

Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der an der UniBwM erworbene akademische Titel ist zivil anerkannt, da das Studium nach den Regelungen des Bayerischen Hochschulgesetzes (BayHSchG) stattfindet. Jedoch ist das Studium in Trimestern, statt in Semestern gegliedert, um die zeitlichen Vorgaben der Bundeswehr zu erfüllen und das Erreichen eines Bachelor-Abschlusses nach regelmäßig drei Jahren bzw. des Master-Abschlusses im Intensivstudium für besonders leistungsfähige Studenten nach regelmäßig vier Jahren zu ermöglichen. Seit dem Herbsttrimester 2010 sind alle Studiengänge auf Bachelor und Master umgestellt. Beim Intensivstudium werden mehr Module absolviert, sodass die erreichbare Zahl an ECTS-Punkten bei 75 pro Jahr liegt. Weiterhin ist zu erwähnen, dass die Universität das Habilitations- und Promotionsrecht besitzt und hier hauptsächlich externen wissenschaftlichen Nachwuchs ausbildet. Die akademisch besten militärischen Studienabsolventen erhalten allerdings teilweise das Angebot, nach zwei bis drei Jahren Dienst in der Truppe als wissenschaftlicher Mitarbeiter zeitweise an die Universität zurückzukehren oder als externer Doktorand zu promovieren.

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Die Studienbedingungen an der Universität der Bundeswehr München gelten als besser als an zivilen Universitäten, da die Zahl der Studenten pro Professor deutlich niedriger ist und der Zustand der Gebäude und der wissenschaftlichen Ausrüstung besser ist. So verfügt die Universität im Bereich der technischen Studiengänge z. B. über einen zum Hörsaal ausgebauten Triebwerksprüfstand sowie Windkanäle. Die militärischen Studierenden beziehen Gehälter entsprechend der Bundesbesoldungsordnung nach den Besoldungsgruppen A5 bis A9, abhängig vom Dienstgrad, und es fallen keine Studiengebühren an. Die finanzielle Unabhängigkeit führt dazu, dass sich die Studierenden auf ihr Studium konzentrieren können.

In ihrer jüngeren Vergangenheit befand sich die Universität in einer Überlastsituation: 2006 wurde die Heeresoffizierausbildung vor dem Studium von vormals 36 Monate auf derzeit 15 Monate verkürzt. Daher haben in den Jahren 2007 und 2008 jeweils doppelte Jahrgänge ihr Studium aufgenommen, sodass die Studentenzahl zwischenzeitlich auf rund 4.000 angestiegen war. Die Universität wirkte dieser Belastung unter anderem durch den Neubau mehrerer Wohnblöcke entgegen. Seit Ende 2011 weicht diese Überlastsituation schrittweise einer Normalbelastung, da der erste doppelte Jahrgang sein Master- und Diplomstudium beendet hat. Darüber hinaus ist absehbar, dass es, bedingt durch die drastische Reduzierung der Einstellungszahlen in der Laufbahn der Offiziere des Truppendienstes im Rahmen der aktuell stattfindenden Strukturreform, in naher Zukunft zu einer Unterlastsituation kommen wird.

Mit Blick auf die Qualität des Studiums platziert sich die Universität in nationalen Rankings (CHE, Focus usw.) meist im Mittelfeld sowie bei einigen technischen Studiengängen (wie z. B. Bauingenieur- und Vermessungswesen) an der Spitze.[9][10] Die sehr guten Studienbedingungen bescherten der Universität Spitzenplatzierungen bei diesen Kriterien. In internationalen Rankings wie THE, ARWU oder HEEACT ist die Universität in der Regel nicht vertreten.[11][12][13]

Die Universität der Bundeswehr München ist als Campus-Universität angelegt. Alle Einrichtungen der Universität wie auch die Wohngebäude der Studenten befinden sich auf dem Universitätsgelände, dem ehemaligen Fliegerhorst Neubiberg. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Fliegerhorst zunächst von der U.S. Air Force genutzt, später beherbergte das Gelände die Offizierschule der Luftwaffe (OSLw), bevor die Universität die Nutzung übernahm. Die Unterkunftsappartements der Studierenden befinden sich zum Teil in Gebäuden aus der Anfangszeit der Liegenschaft, teils in Gebäuden aus der Gründerzeit der Universität, als auch in Neubauten aus den Jahren 2005/2006.

Universitätsbibliothek, Hauptgebäude. Die 23,5 Meter hohe Stele aus Edelstahl links im Bild wurde ca. 1977 von Heinz Mack geschaffen und trägt den Titel „Skulptur für den Himmel“.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Universität ist vornehmlich auf die akademische Ausbildung der Offiziere und Offizieranwärter der Bundeswehr ausgerichtet, führt jedoch wie andere Hochschulen auch Forschung durch und steht dabei im Wettbewerb zu anderen Universitäten. Forschungsgelder werden neben staatlichen Stellen (z. B. Bundesministerium der Verteidigung ca. 20 Prozent, Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 13 Prozent) auch aus der Industrie (24 Prozent) oder von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gewonnen. 2002 bis 2006 betrug das Drittmittelaufkommen 41,4 Millionen Euro. Bekannte Forschungs- und Arbeitsbereiche der Universität sind beispielsweise die Beteiligung an der Entwicklung des Geopositionssystems Galileo oder die Entwicklung selbstfahrender Autos. Die Universität der Bundeswehr München ist an den Exzellenzclustern Cognition for Technical Systems und Munich-Centre for Advanced Photonics beteiligt. Die Universität richtet auch regelmäßig wissenschaftliche Fachtagungen, Kongresse und Messen aus.

Fakultäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Universitärer Bereich

Der Studiengang Wirtschaftsinformatik wird von den Fakultäten für Informatik und WOW gemeinsam angeboten.

Der Studiengang Mathematical Engineering wird von den Fakultäten für EIT, LRT, BauV und Informatik gemeinsam angeboten.

  • Fachhochschulbereich

Bisherige Präsidenten der UniBw München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haushalt der Uni Bw München[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Drittmittel Einzelplan 14
Verteidigung
Gesamt
1998 8,9 Mio. Euro 11,6 Mio. Euro 20,5 Mio. Euro
1997 8,4 Mio. Euro 11,9 Mio. Euro 20,3 Mio. Euro
1996 8,5 Mio. Euro 11,1 Mio. Euro 20,6 Mio. Euro
1995 8,3 Mio. Euro 11,2 Mio. Euro 19,5 Mio. Euro
1994 9,1 Mio. Euro 10,5 Mio. Euro 19,6 Mio. Euro
1993 10,2 Mio. Euro 10,9 Mio. Euro 21,1 Mio. Euro
1992 8,3 Mio. Euro 10,8 Mio. Euro 19,1 Mio. Euro
1991 9,3 Mio. Euro 10,2 Mio. Euro 19,5 Mio. Euro
1990 7,9 Mio. Euro 12,1 Mio. Euro 20,0 Mio. Euro

Bayerische Armeebibliothek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Bayerische Armeebibliothek

Von 1978 bis 1984 beherbergte die Hochschule die Bayerische Armeebibliothek.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Orterer, der ehemalige Chef des Luftwaffenmusikkorps 1, komponierte im Jahre 1999 für die Universität auf deren Bitten einen eigenen Truppenmarsch mit dem Titel Alma Mater.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christiane Reuter-Boysen: Vorreiter für die Hochschulreform? Planung, Gründung und Entwicklung der Universität der Bundeswehr München. Nomos, Baden-Baden 1995, ISBN 3-7890-3635-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Universität der Bundeswehr München – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt: Studierende: Deutschland, Semester, Nationalität, Geschlecht, Hochschulen (Fachbereiche Universität und Fachhochschule addiert) (abgerufen am 9. Dezember 2016)
  2. a b UniBw München. Abgerufen am 7. August 2017 (deutsch).
  3. Hamburger Abendblatt - Hamburg: Studieren beim Bund: Bundeswehr-Universitäten. (abendblatt.de [abgerufen am 10. August 2017]).
  4. UniBw München. Abgerufen am 19. Mai 2017 (deutsch).
  5. Martin Bernstein, Thomas Schmidt: Hinweise auf rechtes Netzwerk an Bundeswehr-Uni. In: sueddeutsche.de. 18. Mai 2017, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 19. Mai 2017]).
  6. Thies Marsen, Bayerischer Rundfunk: Rechtes Netzwerk an Bundeswehr-Uni München?: Studenten mit Rechtsdrall | BR.de. 19. Mai 2017 (br.de [abgerufen am 19. Mai 2017]).
  7. Denise Friese, Florian Haas, Bayerischer Rundfunk: Münchner Bundeswehr-Universität: Zwei Offiziersanwärter entlassen | BR.de. 31. Mai 2017 (br.de [abgerufen am 1. Juni 2017]).
  8. Bundeswehr: Offiziersanwärter wegen rechter Parolen entlassen. In: Die Zeit. 31. Mai 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 1. Juni 2017]).
  9. CHE-Hochschulranking. Zeit.de. Abgerufen am 4. März 2011.
  10. UniBw München – Ranking. Website der UniBw München. Abgerufen am 4. März 2011.
  11. Times Higher Education (THE)
  12. HEEACT
  13. ARWU

Koordinaten: 48° 4′ 49,2″ N, 11° 38′ 17,3″ O