Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf

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Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
Logo HHU DUS.svg
Gründung 1970
Bestand 2,5 Millionen[1]
Bibliothekstyp Universitäts- und Landesbibliothek
Ort Düsseldorf
Bibliothekssigel Universitäts- und LandesbibliothekVorlage:Infobox Bibliothek/Wartung/Sigel
ISIL DE-61
Website www.ulb.hhu.de
Universitäts- und Landesbibliothek auf dem Campus der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Die Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf ist eine zentrale Serviceeinrichtung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Darüber hinaus nimmt sie arbeitsteilig mit der ULB Bonn und der ULB Münster die landesbibliothekarischen Aufgaben für das Land Nordrhein-Westfalen wahr.

Die ULB Düsseldorf besteht aus einer Zentralbibliothek und vier dezentralen Standorten. Verwaltung und Medienbearbeitung sind zentral organisiert. Kataloge, Datenbanken, E-Books und E-Journals stehen über das Bibliotheksnetz sowohl in der ganzen Universität als auch am heimischen Arbeitsplatz zur Verfügung.

Geschichte[Bearbeiten]

Kurfürstliche / Königliche Bibliothek am Burgplatz[Bearbeiten]

Vorgänger der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf ist die 1770 von Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz, Herzog von Jülich und Berg, in Düsseldorf gegründete Kurfürstliche öffentliche Bibliotheque, die in einigen Räumen der Gemäldegalerie auf der Südseite des Düsseldorfer Schlosses am Burgplatz eingerichtet wurde.[2] In den Anfangsjahren erhielt sie Dubletten aus der kurpfälzischen Hofbibliothek in Mannheim, 1786 kamen die Bestände des aufgelösten Düsseldorfer Jesuitenkollegs hinzu. Feste Mittel für die Buchbeschaffung standen hingegen kaum zur Verfügung und wurden in der Zeit der Napoleonischen Kriege noch geringer. Infolge des Reichsdeputationshauptschlusses erhielt die Institution jedoch Buchbestände aus etwa 25 niederrheinischen Klöstern, die knapp 20.000 Bände umfassten. Der Etat wurde auch ab 1815 unter preußischer Regierung in der Provinz Jülich-Kleve-Berg kaum erhöht. Während dieser politischen Veränderungen wechselte die Bezeichnung der Bibliothek mehrfach. Bald wurden Überlegungen angestellt, die Sammlung komplett der 1818 gegründeten Universität Bonn zuzuführen, was jedoch nicht umgesetzt wurde. Fortan wurde die Bibliothek jedoch nur nebenamtlich durch den jeweiligen Archivar des Königlichen Provinzialarchivs geleitet. Ab den 1830er Jahren wurde sie als Königliche Landesbibliothek bezeichnet und erhielt 1867 einen Erweiterungsbau, der an den Ostflügel des Galeriegebäudes angesetzt wurde.[3] Bei dem Brand im Jahre 1872, der weite Teile des Schlosses zerstörte, blieben die Bibliotheksräume in der Gemäldegalerie verschont.[4]

Gebäude des Kunstgewerbemuseums, um 1910

Landes- und Stadtbibliothek am Friedrichsplatz[Bearbeiten]

Nachdem das Düsseldorfer Provinzialarchiv 1896 in die Prinz-Georg-Straße umgezogen war und die gemeinsame Leitung nicht fortgeführt werden konnte, erfolgte 1904 die Übergabe der damals etwa 42.000 Bände umfassenden Bibliothek an die Stadt Düsseldorf. Unter der Trägerschaft der Stadt wurde sie als Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf fortgeführt, die ab 1905 in einem Anbau des Kunstgewerbemuseums am Friedrichsplatz untergebracht wurde. Sie erhielt deutlich höhere Mittel zur rückwärtigen und fortlaufenden Erwerbung, so dass der Bestand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter Constantin Nörrenberg erheblich erweitert werden konnte. Es wurden auch weitere geschlossene Sammlungen in die Bibliothek übernommen, darunter die Privatbibliotheken des katholischen Pfarrers Anton Joseph Binterim und des Physikers Johann Friedrich Benzenberg und etwa 37.000 Schulprogramme. Bis 1969 wuchs auf diese Weise die Landes- und Stadtbibliothek, die im Zweiten Weltkrieg kaum Verluste erlitt, auf einen Gesamtbestand von etwa 480.000 Bände an.

Universitäts- und Landesbibliothek[Bearbeiten]

1965 wurde die Medizinische Akademie Düsseldorf, die schon seit 1907 bestand und über eine eigene Bibliothek verfügte, in eine Universität umgewandelt, die seit 1988 den Namen „Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf“ trägt. 1970 übernahm die neu gegründete Universität die ehemalige Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf und führte sie mit der Zentralbibliothek der ehemaligen Medizinischen Akademie zu einem einschichtigen Bibliothekssystem zusammen. Die Sammlung von Autographen und Drucken zum Dichter Heinrich Heine übergab die Stadt im selben Jahr dem neugegründeten Heinrich-Heine-Institut. Seit 1983 erstellt die ULB Düsseldorf zusammen mit der ULB Münster die Nordrhein-Westfälische Bibliographie, eine Online-Datenbank, die die Literatur über Nordrhein-Westfalen bis auf die Aufsatzebene inhaltlich erschließt. Seit 1993 nimmt sie die Aufgaben einer Landesbibliothek für das Land Nordrhein-Westfalen wahr.[5] In dieser Funktion ist sie vorrangig für den Regierungsbezirk Düsseldorf zuständig: Sie besitzt das Pflichtexemplarrecht für die in diesem Gebiet erscheinenden Medien und erwirbt die landeskundliche Literatur über Nordrhein-Westfalen und hier insbesondere die Regionalliteratur über das Niederrheingebiet, das Ruhrgebiet und das Bergische Land. Weiterhin ist sie der Pflege der wertvollen Bestände und Sammlungen ihrer Vorläufereinrichtungen in besonderer Weise verpflichtet, die Teil des kulturellen Erbes des Landes Nordrhein-Westfalen sind.[5][6]

Leitung der Bibliothek[Bearbeiten]

Sammlungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Thomas-Mann-Sammlung[Bearbeiten]

Die Universitäts- und Landesbibliothek beherbergt eine der größten Sammlungen über den Schriftsteller Thomas Mann. Aufgebaut wurde sie anfänglich durch den Düsseldorfer Germanisten Hans-Otto Mayer, der schon während seines Studiums begann, Werkausgaben zu sammeln, darunter viele signierte Exemplare. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Veröffentlichungen der Sekundärliteratur über Thomas Mann hinzu, außerdem legte Mayer ein Archiv von Zeitungsberichten an, das mittlerweile mehr als 30.000 Dokumente umfasst.
1969 erwarb die „Gesellschaft von Freunden und Förderern der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf e.V.“ diese Sammlung und stiftete sie der jungen Heinrich-Heine-Universität. Seither wurde sie um Kopien von etwa 5000 Briefen Manns, Porträts und die Nachlässe von Hans-Otto Mayer, Harry Matter und Georg Potempa ergänzt. Werkausgaben und Sekundärliteratur werden fortlaufend erworben. Die Thomas-Mann-Sammlung steht zur wissenschaftlichen Nutzung im Sonderlesesaal der Zentralbibliothek zur Verfügung.[8]

Dialogus miraculorum von Caesarius von Heisterbach
(fol. 2r der Handschrift C 27)

Handschriften[Bearbeiten]

In der Universitäts- und Landesbibliothek werden etwa 400 mittelalterliche Handschriften verwahrt, die bis in das achte Jahrhundert zurückreichen. Darüber hinaus verfügt die Institution über eine umfangreiche Fragmentesammlung. Der größte Teil der handschriftlichen Bestände stammt aus den aufgelösten Bibliotheken rheinischer oder westfälischer Klöster, z.B. der Abtei Altenberg, dem Stift Essen, dem Kloster Paradiese bei Soest und dem Kloster Werden. Die Codices enthalten vor allem liturgische, hagiographische, asketische, kanonistische, römisch-rechtliche sowie historiographische Texte.[9]

Neben den mittelalterlichen werden auch neuzeitliche Handschriften in den Historischen Sammlungen der Bibliothek verwahrt.

Inkunabeln und alte Drucke[Bearbeiten]

Im Bestand der Universitäts- und Landesbibliothek befinden sich nahezu 1.000 Inkunabeln, unter diesen auch Einzelexemplare und Fragmente aus den Anfängen der Buchdruckkunst. So enthält die Sammlung auch Drucke aus der Offizin von Johannes Gutenberg und unikale Exemplare der Ars Minor von Aelius Donatus. Der Großteil der Inkunabeln stammt aus dem Rheinland, z. B. aus der Werkstatt von Ulrich Zell, und den Niederlanden. Es finden sich aber auch viele Wiegendrucke aus Paris und Venedig in der Sammlung.[10]

Die späteren Drucke der Düsseldorfer Sammlung lassen sich mit etwa 4.000 Titeln dem 16. Jahrhundert zuordnen, aus dem 17. Jahrhundert stammen ungefähr 7.400 Drucke und aus dem 18. Jahrhundert etwa 25.000 Drucke.[11]

Nachlässe[Bearbeiten]

Die Universitäts- und Landesbibliothek verwahrt auch eine Reihe von Nachlässen, die in der Verbunddatenbank Kalliope verzeichnet werden. Unter den Nachlässen der Bibliothek sind unter anderem die Sammlungen von Gerhard Ritter, Fritz Kranz und Serge Maiwald, aber auch ältere Hinterlassenschaften, z.B. von Johann Friedrich Benzenberg und Karl Semper.[12]

Schriftenreihe[Bearbeiten]

Die Bibliothek gibt seit 1986 in einer eigenen Schriftenreihe Publikationen zur Geschichte des Hauses, zu den Sammlungen und verschiedenen Arbeitsbereichen heraus. Die Reihe erscheint unter dem Titel „Schriften der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf“ (bis 1992 „Schriften der Universitätsbibliothek Düsseldorf“). Die Bände erscheinen in einer Druckfassung und werden zusätzlich als Digitalisat zur freien Nutzung zur Verfügung gestellt.[13]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Günter Gattermann: Die Universitätsbibliothek. Rückschau und Ausblick. In: Universitätsbibliothek. Beiträge zur feierlichen Übergabe des Neubaus am 26. November 1979. Düsseldorf 1980, S. 35–60.
  • Eberhard Galley: Die Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf. Ihre Funktion im Wandel einer zweihundertjährigen Geschichte. In: 200 Jahre Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf. Düsseldorf 1970 (Veröffentlichungen der Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf; B. 6), S. 7–27.
  • Joseph Gießler: Die Landes- und Stadt-Bibliothek zu Düsseldorf. Ein geschichtlicher Rückblick. In: Aus der Arbeit der Landes- und Stadt-Bibliothek Düsseldorf. Düsseldorf 1955 (Veröffentlichungen der Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf; B. 2), S. 5–21.
  • Julia Hiller von Gaertingen: Stadt und Bibliothek. Die Landes- und Stadtbibliothek Düsseldorf in den Jahren 1904 bis 1970. Düsseldorf 1997 (Schriften der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. B. 28). Digitalisat
  • Werner Lichtner: Von der Zentralbibliothek der medizinischen Akademie zur Universitätsbibliothek Düsseldorf. Düsseldorf 1967.
  • Heino Pfannenschmid: Die Königliche Landesbibliothek zu Düsseldorf seit der Zeit ihrer Stiftung (März 1770) bis zu Gegenwart. In: Archiv für die Geschichte des Niederrheins, Neue Folge, Band 2, Heft 2. Verlag von J. M. Heberle (H. Lempertz), Köln 1870, S. 373–431. (online bei Google Bücher)
  • Matthias Graf von Schmettow: Aus der Baugeschichte der Landes- und Stadtbibliothek. In: Bibliothekarische Nebenstunden. Joseph Gießler zum 65. Geburtstag gewidmet. Düsseldorf 1964, S. 5–27.
  • Manfred von Stosch: Düsseldorfs „öffentliche Bibliothèque“ 1770-1809. In: Düsseldorf in der deutschen Geistesgeschichte (1750–1850). Düsseldorf 1984, S. 37–53.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die ULB - Zahlen und Fakten 2014 (PDF; 18 kB), Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  2. Siehe Pfannenschmid 1870, S. 380f., 420f.; von Schmettow 1964, S. 5–8.
  3. Siehe Pfannenschmid 1870, S. 421f; von Schmettow 1964, S. 9f.
  4. Karl Woermann: Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunstakademie. Abriß ihres letzten Jahrzehnts und Denkschrift zur Einweihungsfeier des Neubaus. Düsseldorf 1880, S. 9. Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  5. a b Geschichte der Landesbibliothek. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, abgerufen am 21. Juli 2015.
  6. Landesbibliothekarische Aufgaben und Kooperationen. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, abgerufen am 21. Juli 2015.
  7. Universitäts- und Landesbibliothek: Dr. Irmgard Siebert ist neue Leiterin. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, abgerufen am 11. Juli 2015.
  8. Geschichte der Thomas-Mann-Sammlung. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, abgerufen am 9. Juli 2015.
  9. Handschriftensammlung. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, abgerufen am 21. Juli 2015.
  10. Inkunabeln. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, abgerufen am 21. Juli 2015.
  11. Alte Drucke. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, abgerufen am 25. Juli 2015.
  12. Nachlässe. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, abgerufen am 25. Juli 2015.
  13. Schriften der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf. Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, abgerufen am 21. Juli 2015.

51.1883616.794937Koordinaten: 51° 11′ 18″ N, 6° 47′ 42″ O