University of Michigan Consumer Sentiment Index

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
University of Michigan Consumer Sentiment Index 1952–2012

Der University of Michigan Consumer Sentiment Index (MCSI, Konsumklimaindex der Universität Michigan) misst die Konsumneigung der Privathaushalte in den USA. Er wird von Thomson Reuters und der University of Michigan veröffentlicht. Der Index steht in Konkurrenz zum Consumer Confidence Index, dem Konsumklimaindex des Conference Boards.

Konzept[Bearbeiten]

Der University of Michigan Consumer Sentiment Index (MCSI) gilt als Frühindikator der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA. Zur Berechnung werden 500 repräsentativ ausgewählte Konsumenten zu ihren persönlichen Finanzen, allgemeinem Geschäftsklima und ihren Konsumplanungen, insbesondere der Anschaffungsneigung langlebiger Konsumgüter, befragt. Im monatlichen Bericht, dem Surveys of Consumers, wird das Vertrauen gemessen, das die Privathaushalte in die Leistung der amerikanischen Wirtschaft haben. Das Verbrauchervertrauen gilt als zentraler Indikator für die Konsumausgaben, die etwa zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen.

Die Umfrage besteht aus fünf Fragen zu folgenden Themen:

  1. Beurteilung der aktuellen finanziellen Situation des Haushaltes
  2. Beurteilung der finanziellen Situation des Haushaltes in einem Jahr
  3. Einschätzung der konjunkturellen Entwicklung in einem Jahr
  4. Erwartung der konjunkturellen Entwicklung in den nächsten fünf Jahren
  5. Kaufabsichten

Den Teilnehmern der Umfrage wird die Möglichkeit gegeben frei auf Fragen zu antworten, so hat der Untersucher mehr Anhaltspunkte die Antworten einzuordnen. Aus allen Daten berechnen Thomson Reuters und die University of Michigan zwei Teilindizes, die zusammen den Gesamtindex ergeben: den Current Conditions Index für die Einschätzung der aktuellen Lage und den Index of Consumer Expectations, der die Beurteilung der zukünftigen Erwartungen beinhaltet. Meinungen zum aktuellen Verhalten haben einen Anteil von bis zu 40 Prozent am Gesamtindex, Erwartungen zum zukünftigen Verhalten einen Anteil von 60 Prozent.

Spezifische Untersuchungskriterien sind zudem:

  • Erwartete Inflation in einem Jahr und in fünf Jahren
  • Erwartete Arbeitslosigkeit
  • Erwartete Zinsen
  • Zufriedenheit mit der staatlichen Wirtschaftspolitik

Die vorläufigen Ergebnisse aus dem Surveys of Consumers werden um den 15. eines Monats veröffentlicht; endgültig um den letzten Geschäftstag des Monats um 10:00 Uhr EST (16:00 Uhr MEZ).[1]

Bewertung[Bearbeiten]

Das Verbrauchervertrauen in den USA korreliert eng mit der Arbeitslosigkeit, der Inflation und der realen Einkommenssituation. Es besteht ein starker Zusammenhang mit dem Konsumverhalten. Die Größen stimmen aber nicht unbedingt überein.

Zu den Stärken des University of Michigan Consumer Sentiment Index (MCSI) gehört die Veröffentlichung der Daten für den laufenden Monat. Das Verbrauchervertrauen ist ein Frühindikator für wirtschaftliche Zyklen. Die veröffentlichten Informationen geben Auskunft über die gegenwärtige Lage und die zukünftigen Erwartungen der Konsumenten.

Zu den Schwächen des Index gehört, dass die Verbraucher nicht die nötigen Informationen besitzen, um eine korrekte Einschätzung des Einkommens wie des Arbeitsplatzwachstums im Vorhinein abzugeben. Der monatliche Bericht enthält Informationen über geplante Ausgaben, die aber nicht unbedingt getätigt werden.

In einer Phase mit längerem Wirtschaftswachstum können die Kaufabsichten trotz sinkender Arbeitslosigkeit abnehmen, da die rege Nachfrage bereits befriedigt wurde. Dagegen können bei steigender Inflation die Kaufvorhaben kurzfristig zunehmen, da die Verbraucher in Erwartung steigender Preise diese schnell umsetzen, um den Preisanstieg zu vermeiden.

Die Finanzmärkte reagieren sensibel auf unerwartete Veränderungen des Index, er wird als Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung wie auch aufkommende Inflation empfunden. MCSI und Purchasing Managers Index gehören wie beispielsweise auch der Case-Shiller-Index, der FHFA House Price Index oder der Ölpreis zur Gruppe der Indikatoren, deren Entwicklung die Aktienindizes erkennbar beeinflussen.

Neben dem MCSI gibt es in den USA noch zwei Konsumklimaindizes: Consumer Confidence Index des Conference Boards und ABC News Consumer Comfort Index der Washington Post. Während sich die Fragestellung beim Conference Board auf die Arbeitsmarktsituation konzentriert, steht bei den anderen Indizes die finanzielle Lage der Haushalte im Mittelpunkt. Im Gegensatz zum Verbrauchervertrauen des Conference Boards stehen beim MCSI keine regionalen Indizes zur Verfügung.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Historischer Überblick[Bearbeiten]

Der University of Michigan Consumer Sentiment Index (MCSI) wurde in den 1940er Jahren von dem Wirtschaftswissenschaftler George Katona entwickelt. Von November 1952 bis Ende 1977 erschien der Index vierteljährlich und ab Januar 1978 monatlich. Basiswert sind 100 Punkte im Februar 1966. Seit Januar 2007 berechnen die University of Michigan gemeinsam mit der Nachrichtenagentur Reuters den Index. Der langjährige Durchschnitt der Zeitreihe des MCSI von 1952 bis 2007 beträgt 88,5 Indexpunkte. Der Durchschnitt von 2008 bis 2012 liegt bei 69,2 Indexpunkten. Der Durchschnitt der gesamten Zeitreihe von 1952 bis 2012 liegt bei 86,8 Indexpunkten.

Während der Ölkrise in den 1970er Jahren sank der Index erstmals unter die Grenze von 60 Punkten. Im Februar 1975 erzielte er mit 57,6 Punkten einen Tiefststand. Sein Allzeittief markierte der Index während der Rezession Anfang der 1980er Jahre. Im Mai 1980 wurde ein Rekordtief von 51,7 Punkten ermittelt.

Im Januar 2000 erzielte der MCSI mit 112,0 Punkten ein Allzeithoch. Im Verlauf der Finanzkrise ab 2007 wuchs die Arbeitslosigkeit in den USA und das Realeinkommen ging zurück. Entsprechend sank das Verbrauchervertrauen im November 2008 auf einen Tiefststand von 55,3 Punkten. Mit der Erholung der US-Wirtschaft stieg auch der Index. Im Februar 2011 wurde ein Wert von 77,5 Punkten ermittelt.

Im August 2011 fiel das Verbrauchervertrauen auf 55,7 Punkte und damit auf den viertniedrigsten Stand seit Beginn der Datenreihe im November 1952. Nur der April 1980 mit 52,7 Punkten, der Mai 1980 mit 51,7 Punkten und der November 2008 mit 55,3 Punkten lagen noch etwas tiefer. Laut Aussagen des Chefökonomen Professor Richard Curtin, Leiter der Verbraucherbefragung, signalisierten derart tiefe Stände in der Vergangenheit eine Rezession.[3][4]

Im November 2012 stieg der Index auf 82,7 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit September 2007.

Für den Monat Dezember 2012 wurde ein Wert von 72,9 Punkten ermittelt.

Beste und schlechteste Monate[Bearbeiten]

Die Tabelle zeigt die Monate mit dem höchsten und niedrigsten Wert des University of Michigan Consumer Sentiment Index seit 1952.[5][6][7]

Beste Monate
Rang Datum Wert
1  Jan. 2000 112,0
2  Feb. 2000 111,3
3  Mai  2000 110,7
4  Feb. 1998 110,4
5  Apr. 2000 109,2
6  Apr. 1998 108,7
7  Juli 2000 108,3
8  Feb. 1999 108,1
9  Nov. 2000 107,6
10  Juni 1999 107,3
11  Aug. 2000 107,3
12  Nov. 1997 107,2
13  Sep. 1999 107,2
14  Nov. 1999 107,2
15  Juli 1997 107,1
16  Mär. 2000 107,1
17  Mai  1999 106,8
18  Sep. 2000 106,8
19  Jan. 1998 106,6
20  Mär. 1998 106,5
Schlechteste Monate
Rang Datum Wert
1  Mai  1980 51,7
2  Apr. 1980 52,7
3  Nov. 2008 55,3
4  Aug. 2011 55,7
5  Feb. 2009 56,3
6  Juni 2008 56,4
7  Mär. 1980 56,5
8  Mär. 2009 57,3
9  Feb. 1975 57,6
10  Okt. 2008 57,6
11  Juni 1980 58,7
12  Sep. 2011 59,4
13  Nov. 1974 59,5
14  Mai  2008 59,8
15  Dez. 2008 60,1
16  Juli 1979 60,4
17  Okt. 2011 60,9
18  Dez. 1979 61,0
19  Juli 2008 61,2
20  Jan. 2009 61,2

Jährliche Entwicklung[Bearbeiten]

Die folgende Tabelle zeigt die jährlichen Höchst- Tiefst- und Schlussstände sowie den Jahresdurchschnitt des University of Michigan Consumer Sentiment Index seit 1952.[5][6][7]

Jahr Höchststand Tiefststand Schlussstand Jahres-
durchschnitt
1952 86,2 86,2 86,2 86,2
1953 90,7 80,7 80,7 86,2
1954 87,0 80,7 87,0 83,2
1955 99,7 87,0 99,7 97,4
1956 100,2 98,2 100,2 99,5
1957 100,2 83,7 83,7 93,8
1958 90,8 78,5 90,8 82,2
1959 95,3 90,8 93,8 93,6
1960 100,0 90,1 90,1 95,5
1961 99,2 90,1 93,0 93,8
1962 99,9 91,6 95,0 95,3
1963 98,4 91,7 94,4 95,3
1964 100,6 94,4 99,9 99,2
1965 105,4 99,9 102,9 103,2
1966 102,9 88,3 88,3 95,7
1967 97,0 88,3 92,9 94,6
1968 97,2 91,7 91,7 93,5
1969 98,2 79,7 79,7 90,0
1970 79,7 72,4 72,4 76,5
1971 82,1 72,4 82,0 79,8
1972 95,2 82,0 90,7 91,1
1973 90,7 72,0 76,5 78,0
1974 76,5 59,5 59,5 65,9
1975 75,7 57,6 75,6 69,1
1976 89,7 75,6 87,0 85,2
1977 90,2 84,4 84,4 87,9
1978 84,3 66,1 66,1 79,4
1979 73,9 60,4 61,0 66,0
1980 76,7 51,7 64,5 64,4
1981 77,2 62,5 64,3 70,7
1982 73,4 62,0 71,9 68,0
1983 94,2 70,4 94,2 87,4
1984 101,0 92,9 92,9 97,5
1985 96,5 88,4 93,9 93,2
1986 99,3 89,1 89,1 94,8
1987 94,4 83,1 86,8 90,6
1988 97,4 90,8 91,9 93,7
1989 97,9 89,6 90,5 92,8
1990 93,9 63,9 65,5 81,6
1991 87,7 66,8 68,2 77,6
1992 91,0 67,5 91,0 77,3
1993 89,3 77,0 88,2 82,8
1994 95,1 89,0 95,1 92,3
1995 97,6 88,2 91,0 92,2
1996 99,2 88,5 96,9 93,6
1997 107,2 97,4 102,1 103,2
1998 110,4 97,4 100,5 104,6
1999 108,1 103,2 105,4 105,8
2000 112,0 98,4 98,4 107,6
2001 94,7 81,8 88,8 89,2
2002 96,9 80,6 86,7 89,6
2003 93,7 77,6 92,6 87,6
2004 103,8 90,2 97,1 95,2
2005 96,5 74,2 91,5 88,6
2006 93,6 79,1 91,7 87,3
2007 96,9 75,5 75,5 85,6
2008 78,4 55,3 60,1 63,8
2009 73,5 56,3 72,5 66,3
2010 76,0 67,7 74,5 71,8
2011 77,5 55,7 69,9 67,4
2012¹ 82,7 72,3 72,9 76,5

¹ 31. Dezember 2012

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Markt-daten.de: Wirtschaftsindikatoren
  2. Markt-daten.de: Verbrauchervertrauen/-sentiment der Universität Michigan
  3. Reuters: Stimmung bei US-Verbrauchern trübt sich stark ein, vom 15. Juli 2011
  4. Reuters: US-Verbraucher packt die Angst vor Rezession, vom 12. August 2011
  5. a b Federal Reserve Bank of St. Louis: Historische Daten 1952–1977
  6. a b Federal Reserve Bank of St. Louis: Historische Daten ab 1978
  7. a b AAStocks: Historische Daten ab 2001