Unser Leben mit Vater

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Filmdaten
Deutscher Titel Unser Leben mit Vater
Originaltitel Life with Father
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1947
Länge 118 Minuten
Stab
Regie Michael Curtiz
Drehbuch Donald Ogden Stewart
Produktion Robert Buckner für Warner Brothers
Musik Max Steiner
Kamera J. Peverell Marley
William V. Skall
Schnitt George Amy
Besetzung

Unser Leben mit Vater (OT: Life with Father) ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahre 1947. Die Hauptrollen spielen William Powell und Irene Dunne. Der Film entstand nach dem Theaterstück Life with Father von Howard Lindsay und Russel Crouse.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film spielt in den 1880er Jahren in New York. Clarence Day Sr. ist ein erfolgreicher Broker an der Wall Street und meint, seinen beruflichen Erfolg und seine Methoden auch in seiner Familie umsetzen zu können. Seine hübsche und sehr religiöse Frau Vinnie sieht er als netten Schmuck an seiner Seite. Er erkennt jedoch nicht, dass trotz seiner Verbesserungsideen und seines autoritären Verhaltens, sie der eigentliche Kopf der Familie ist. Vinnie weiß über alles in der Familie Bescheid, während der Vater im Glauben lebt, die Familie im Griff zu haben. So erkennt er auch nicht die Geschäfte seiner Kinder, die sich ein Zubrot verdienen und die erste Liebe seines ältesten Sohnes Clarence Junior zur hübschen Mary Skinner. Die Handlung wird lose als Anekdotensammlung erzählt und wird verbunden durch die Versuche von Vinnie, ihren Mann davon zu überzeugen, dass er sich endlich taufen lässt, da er ungetauft niemals in den Himmel kommen werde.

Hintergrund[Bearbeiten]

Das Theaterstück Life with Father hatte seine Broadwaypremiere am 8. November 1939. Es basierte auf den Jugenderinnerungen von Clarence Day Jr. Sein Vater Clarence Day Sr. war in leitender Position an der New Yorker Börse und sein Großvater Benjamin Day gründete die Zeitung New York Sun. Die Erinnerungen erschienen zunächst in Essayform in Zeitschriften wie der New York Evening Post, Harper’s Bazaar und im The New Yorker. Schließlich veröffentlichte der Autor mehrere Bücher, darunter God and My Father, Life with Father und Life with Mother.

Das Autorenduo Howard Lindsay und Russell Crouse begann bald nach dem Tod von Clarence Day Jr. mit den Arbeiten an einer Bühnenfassung. Nachdem nahezu alle renommierten Bühnenschauspieler die Hauptrollen ablehnten, übernahmen am Ende Howard Lindsay und seine Ehefrau, die Schauspielerin Dorothy Stickney die Rollen von Vater und Mutter. Mit einem relativ bescheidenen Budget produziert, wurde das Stück nach seiner Premiere mit Lobeshymnen überschüttet. Von 1939 bis 1947 erlebte es 3224 Vorstellungen. Schon nach kurzer Zeit eröffnete in Chicago eine weitere Produktion mit Lillian Gish als Vinnie. Gish versuchte sofort, ihre Freundin Mary Pickford zu überzeugen, sich die Filmrechte zu sichern. Pickford zögerte und es kam schon bald zu einer Bieterschlacht.

1940 bot Samuel Goldwyn 200.000 US-Dollar, doch die Produktionsgesellschaft verlangte eine Frist von drei Jahren, ehe mit der Verfilmung begonnen werden durfte. Im Juli 1944 stieg Pickford erneut in die Verhandlungen ein, parallel zu Metro-Goldwyn-Mayer, die in dem Stoff ein passendes Vehikel für Spencer Tracy sahen. Doch am Ende erhielten Warner Brothers für eine Summe von 500.000 US-Dollar plus Beteiligung an den Einspielergebnissen den Zuschlag. Auch durfte die Verfilmung erst Mitte 1947 in den Verleih kommen. Gleichzeitig fielen die Rechte nach Ablauf von sieben Jahren wieder zurück an die Produktionsgesellschaft des Bühnenstück. Außerdem mussten Warner Brothers strikte Vorgaben für das Drehbuch akzeptieren. Es durften ausschließlich nur Episoden aus Days Erinnerungen geschildert werden, die auch im Bühnenstück auftauchten. Die Besetzung der beiden Hauptrollen erwies sich als kompliziert. Das Studio machte Testaufnahmen von Ronald Colman und Fredric March für die Rolle von Clarence Day, ehe die Wahl auf William Powell fiel. Shirley Temple war die erste Wahl für die Rolle der Mary Skinner, verlor jedoch am Ende gegen Elizabeth Taylor.

Die größten Probleme bereitete jedoch die Besetzung der Vinnie. Zunächst war Bette Davis im Gespräch, doch die Probeaufnahmen überzeugten am Ende nicht. Auch Rosalind Russell machte vergeblich Probeaufnahmen. Dann schien sich alles auf Mary Pickford zu konzentrieren. Doch auch hier gab es gewisse Vorbehalte des Studiomanagements, ob Pickford, deren letzter Film 1933 in den Verleih gekommen war, überhaupt noch über eine Anhängerschaft von Fans verfügen würde. Der Regisseur Michael Curtiz war es schließlich, der sich massiv für Irene Dunne einsetzte. Dunne gehörte immer noch zu den populärsten Schauspielerinnen und hatte gerade erst in Anna und der König von Siam einen großen finanziellen und künstlerischen Erfolg gehabt. Zunächst allerdings war die Schauspielerin alles andere als angetan von dem Angebot. Sie fand die Rolle langweilig, naiv und dumm. Erst nach etlichen Überredungsversuchen durch Curtiz akzeptierte sie schließlich die Rolle, allerdings erst, nachdem das Studio ihrem Verlangen nach Top Billing, also der Nennung ihres Namens vor dem von Powell weitgehend entgegengekommen war. Der gefundene Kompromiss sah vor, dass auf der Hälfte der Verleihkopien und auf der Hälfte aller Werbematerialien zuerst der Name von Dunne und dann der von Powell erschien. Bei der anderen Hälfte war es umgekehrt.

Die Dreharbeiten begannen im August 1946 und zogen sich, teilweise verursacht durch eine langwierige Erkrankung von William Powell, über sechzehn Wochen hin. Michael Curtiz war zunehmend unzufrieden über die mangelnden Gestaltungsfreiheiten. Die strikten Vorgaben, die die Produzenten der Bühnenfassung ausgehandelt hatten, verlangten eine peinlich genaue Kopie des Theaterstücks. Die einzige Innovation bestand in der Öffnung der Handlung auf einige Nebenschauplätze, während sich auf der Bühne alle Geschehnisse praktisch in einer Dekoration abspielen. Die strengen Vorgaben des Production Code machten es unmöglich, dass Clarence Day nicht wie in der Bühnenfassung unentwegt das Wort damn (deutsch: verdammt) benutzten konnte. Als Ersatz verwendete Powell das Kunstwort Egads. An der Kinokasse erwies sich der Film als populär und spielte in den USA allein 5.060.000 US-Dollar ein. Insgesamt blieb er jedoch hinter den ambitionierten Erwartungen des Studios zurück.

Kritiken[Bearbeiten]

Die New York Times war sehr angetan von der Verfilmung.

„Alles, was das wunderbare Stück anzubieten hatte, den Charme, den Humor, den sanften Pathos, alles das ist auf das Wundervollste in diesem ansehnlichen Farbfilm umgesetzt worden. […] William Powell ist mit jeder Zoll Vater, vom karottenroten Haarschopf bis hinunter zu den Schuhen. […] Es ist nahezu unverzeihlich, nicht eher auf Irene Dunne zu sprechen gekommen zu sein, denn sie spielt Vinnie Day mit Charme und einer Genauigkeit, die perfekt zu Mr. Powells Vater passt. […] Die Brüder Warner können stolz sein auf ihre Arbeit und der Rest von uns dankbar, dass ein klassisches Stück Americana intakt erhalten geblieben ist.“[1]

Zeitgenössische Kritiker bestätigten dieses Urteil:

„Vielschichtige Familiengeschichte aus dem New York der Jahrhundertwende. (…) Turbulentes Melodram nach einem Broadwayhit.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

William Powell wurde 1947 mit dem New York Film Critics Circle Award als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

Max Steiner erhielt 1948 für seine Filmmusik einen Golden Globe Award.

Der Film ging mit vier Nominierungen in die Oscarverleihung 1948, ohne einen der Preise zu gewinnen:

  • Bester Hauptdarsteller – William Powell
  • Bestes Szenenbild (Farbfilm) – George James Hopkins
  • Beste Kamera (Farbfilm) - Peverell Marley und William V. Skall
  • Bester Filmmusik (Drama/Komödie) – Max Steiner

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. All that the fabulous play had to offer in the way of charm, comedy, humor and gentle pathos is beautifully realized in the handsomely Technicolored picture […]. William Powell is every inch Father, from his carrot patch dome to the tip of his button-up shoes. […] It is almost unpardonable not to have mentioned Irene Dunne before this because she interprets Vinnie Day with charm, wit and an exactness that perfectly complement Mr. Powell’s Father. […] The Warner Brothers can be proud of a job well done and the rest of us thankful that a classical slice of Americana has been preserved intact.
  2. Adolf Heinzlmeier, Berndt Schulz: Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 857