Unserdeutsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Unserdeutsch (Rabaul Creole German)

Gesprochen in

Papua-Neuguinea, Australien
Sprecher < 100
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Amtssprache von
Sprachcodes
ISO 639-1:

ISO 639-2:

crp

ISO 639-3:

uln

Unserdeutsch (auch Rabaul Creole German) ist die Sprache der Minderheit der Rabaul-Kreolen und die weltweit einzige deutsch-basierte Kreolsprache.[1] Ursprünglich während der deutschen Kolonialzeit in Papua-Neuguinea entstanden und nach der Auswanderung der meisten Sprecher heute überwiegend im Osten Australiens verbreitet, ist Unserdeutsch mittlerweile so gut wie ausgestorben: Die Sprache wird heute noch von etwa hundert Menschen gesprochen. Da es aber nur alte Sprecher gibt, ist das Verschwinden von Unserdeutsch wohl nur noch eine Frage der Zeit.[2]

Alle heutigen Sprecher beherrschen neben Unserdeutsch noch mindestens zwei weitere Sprachen, in der Regel Englisch und Tok Pisin.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unserdeutsch entstand um das Jahr 1900 in der Nähe der heutigen Provinzhauptstadt Kokopo, die damals Herbertshöhe hieß und Sitz des Gouverneurs von Deutsch-Neuguinea war. Am Stadtrand befand sich die katholische Herz-Jesu-Mission Vunapope, in der Mischlingskinder europäisch-melanesischer Herkunft in Hochdeutsch unterrichtet wurden. Die Mütter der Kinder waren meist einheimische Frauen, die Väter stammten aus Asien oder Europa, meist aus Deutschland. Sie waren Beamte, Händler und Abenteurer.[2] Außerhalb des Unterrichts vermischten die Kinder das rudimentär gelernte Deutsch mit dem damals schon verbreiteten Tok Pisin. So entstand eine Mischsprache, deren Wortschatz im Wesentlichen auf das Deutsche, deren Grammatik aber auf Tok Pisin zurückgeführt werden kann.[3]

Einheitliche Schriftzeugnisse dieser Sprache existieren nicht, da diese Sprache nur gesprochen, nicht geschrieben wird.[4]

Philologen der Universität Augsburg begannen im Jahre 2014, Unserdeutsch sprachwissenschaftlich zu erforschen.[5][6]

Grammatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Substantive in Unserdeutsch haben kein Geschlecht. Der Artikel heißt stets „de“, zum Beispiel de Mann, de Frau, de Haus. Der Plural eines Substantivs wird gebildet, indem dem Wort „alle“ vorangestellt wird: „alle Frau“, „alle Knabe“. Fragewörter (Interrogativpronomen) können am Ende des Fragesatzes stehen („Du geht wo?“). Eher vereinzelt werden Wörter aus Tok Pisin und Englisch übernommen, zum Beispiel „aufpicken“ (to pick up) für „abholen“.[2]

Plansprachen als Alternativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden als internationales Kommunikationsmittel oder für den Gebrauch in den deutschen Kolonien Weltdeutsch und Kolonial-Deutsch als Plansprachen entwickelt, die aber keine größere Verbreitung fanden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Péter Maitz: Unserdeutsch (Rabaul Creole German). Eine vergessene koloniale Varietät des Deutschen im melanesischen Pazifik. In: Alexandra N. Lenz (Hrsg.): German Abroad – Perspektiven der Variationslinguistik, Sprachkontakt- und Mehrsprachigkeitsforschung. V & R unipress, Göttingen, S. 211–240.
  • Stefan Engelberg: The German Language in the South Seas. Language Contact and the Influence of Language Politics and Language Attitudes. In: Mathias Schulze u.a. (Hrsg.): German Diasporic Experience. Identity, Migration, and Loss. Wilfrid Laurier University Press, Waterloo 2008, ISBN 978-1-55458-027-9, S. 317–329.
  • Craig A. Volker: The rise and decline of Rabaul Creole German, Language and Linguistics in Melanesia. In: John Lynch (ed.): Oceanic studies: proceedings of the first international conference on oceanic linguistics, Australian National University, Canberra 1996, ISBN 0-85883-440-5.
  • Martin Pütz: Sprachökologie und Sprachwechsel. Die deutsch-australische Sprachgemeinschaft in Canberra. Lang, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-631-47304-4.
  • Craig A. Volker: Rabaul Creole German Syntax. In: Working Papers in Linguistics, University of Hawaii 21/1989, S. 153–189.
  • Peter Mühlhäusler: Tracing the roots of pidgin German. In: Language and Communication, 4/(1)/1984, S. 27–57, ISSN 0271-5309.
  • Peter Mühlhäusler: Bemerkungen zum „Pidgin Deutsch“ von Neuguinea. In: Carol Molony, Helmut Zobl, Wilfried Stölting (Hrsg.): German in Contact with other Languages. Scriptor Verlag, Kronberg 1977, ISBN 3-589-20551-2, S. 58–70.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Unserdeutsch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Unserdeutsch (Rabaul Creole German) auf der Webseite der Philologisch-Historischen Fakultät der Universität Augsburg, abgerufen am 7. November 2015.
  2. a b c Joachim Mohr: „Du geht wo?“. In: Der Spiegel. Nr. 8/2016, 20. Februar 2016, S. 51.
  3. Felix Zeltner, Erol Gurian: „Wir sind die letzten Tropfen der Deutschen in der Südsee“, in: mare, No. 83, Dezember 2010/Januar 2011, S. 40–49.
  4. Petra Lambeck: Kreolsprache Unserdeutsch – „Hey Alfons, du geht wo?“ Deutsche Welle, 10. Juni 2009, abgerufen am 12. November 2015.
  5. Hans Kratzer: Inselstaat Papua-Neuginea – Man spricht Unserdeutsch. Süddeutsche Zeitung, 29. Dezember 2014, abgerufen am 12. November 2015.
  6. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. Oktober 2015, S. 6.