Das Unbewusste

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Als das Unbewusste bezeichnet die Psychoanalyse einen Bereich der menschlichen Psyche, der dem Bewusstsein nicht direkt zugänglich ist, aber diesem zugrunde liege. Dabei gebe es sowohl ein Unbewusstes beim einzelnen Menschen als auch eines von sozialen Kollektiven, deren Herkunft Sigmund Freud als Befürworter der Evolutionstheorie grundsätzlich in der biologischen Menschwerdung sieht (Phylogenese). Die Tiefenpsychologie geht davon aus, dass Denken und Fühlen des Menschen in jeder psychischen Entwicklungsphase entscheidend von unbewussten Prozessen beeinflusst sind. Die Bewusstmachung und Anerkennung dieser Vorgänge könne psychisch gesunde Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützen und sei auch eine wesentliche Voraussetzung für das Gelingen einer Psychotherapie u. a. von Neurosen.

Die Bezeichnung wurde aus der Philosophie entlehnt, insbesondere aus der deutschen Tradition nach Immanuel Kant. Die Existenz eines Unbewussten überhaupt sowie seine genaue Definition werden im Anschluss an die durch Sigmund Freud begründete Psychoanalyse bis heute kontrovers erörtert.

In einigen Wissenschaften, aber auch in der Alltagssprache, konkurriert der Begriff des „Unbewussten“ mit dem des „Unterbewussten“ (auch „Unterbewusstsein“). So definiert der Philosoph Rudolf Eisler[1] nach den lateinischen Fachbegriffen: „Unterbewußt (subconscious, subconscient) ist das nicht Apperzipierte, gleichsam im ‚Hintergrunde‘ des Erlebens Befindliche, nicht für sich selbst Bewußte, sondern nur einen Teil des individuellen Gesamtbewußtseins Bildende, durch seine Wirkungen auf das Bewußte und durch Gefühle sich Manifestierende“. Der Mediziner Otto Dornbusch verstand unter dem Unterbewussten „geistige Vorgänge, die ohne Bewußtsein ablaufen“.[2] Der Schriftsteller und Publizist Karl Kraus gab einer seiner satirischen Glossen den Titel Das Unterbewußtsein im Kriege.

Das Unbewusste bei Freud[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Freud ist das Unbewusste des erwachsenen Menschen ein System, das vor allem aus verdrängten oder abgewehrten Bewusstseinsinhalten besteht, wobei sich das Phänomen der Verdrängung aus traumatischen Erlebnissen ergibt, die im Zusammenhang von Versuchen der Befriedigung insbesondere der biologischen Bedürfnisse auftraten. Das Es gilt als Sitz dieser Bedürfnisse.

Das aus Es-Trieben bestehende Unbewusste siedelt Freud im Grenzbereich zwischen dem Körper (Reservoir oder Quelle der Libido-Energie) und der geistig-seelischen Repräsentation der Triebe durch Traumsymbole und Vorstellungen bis hin zur artikulierten Worten. Diese werden somit zu „Triebrepräsentanzen“, im Unterschied zu den Trieben selbst (vgl. Lacans Objekt klein a). Viele der Triebinhalte des Es unterliegen, so Freud, einer „Urverdrängung“, die das weitere Verdrängungsgeschehen im Seelenleben des Individuums begründet. „Verdrängte“ Inhalte und Vorstellungen determinieren im psychoanalytischen Modell der Psyche das Verhalten, Denken und Fühlen der Individuen. Solche unbewussten Sinnzusammenhänge lassen sich jedoch auf dem Wege der Traumdeutung wieder bewusst machen; auch lassen die sogenannten Freud’schen Fehlleistungen Rückschlüsse zu.

Der Begründer der Psychoanalyse stellte zwei verschiedene und nicht ganz deckungsgleiche Modelle des psychischen Apparats auf: Zuerst das Modell Bewusstes/Vorbewusstes/Unbewusstes (topographisches Modell), später das Modell Ich/Es/Über-Ich (Strukturmodell der Psyche).

Bewusstes, Vorbewusstes und Unbewusstes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freud unterschied folgende Bereiche der menschlichen Seele:

  1. Das Bewusstsein oder System W/Bw: Damit bezeichnete Freud denjenigen Teil der Psyche der dem subjektiven bewussten Erleben entsprach bzw. in dem sich dieses Erleben abspielt. Es bildet den Kern des Ichs. Alles was sich nicht im Bewusstsein befindet ist deskriptiv unbewusst und zerfällt in das Vorbewusste und das dynamisch Unbewusste, welches sich wiederum in das System Ubw und das Verdrängte zerfällt.
  2. Das Vorbewusste oder System Vbw: Das psychische System, das aus Inhalten besteht, die jederzeit ins Bewusstsein treten können also bewusst gemacht werden können. Das Vorbewusste funktioniert gemäß dem Realitätsprinzip, d. h., dass es nach denselben Prozessregeln funktioniert, die man bei bewussten Denk- und Entscheidungsprozessen beobachten kann.
  3. Das Unbewusste im engeren Sinne oder System Ubw: Umfasst diejenigen Teile des psychischen Apparats, die ihrer Natur nach nicht bewusst gemacht werden können, wie z. B. Triebe oder Instinkte. Sie können nur erschlossen werden und über Sprache indirekt im Bewusstsein repräsentiert werden. Im System Ubw herrschen das Lustprinzip und die sogenannten Primärprozesse also psychische Arbeitsprozesse, die ihrer Logik nach anders sind als diejenigen, die man im Bewusstsein beobachten kann.
  4. Das Verdrängte: Das Verdrängte umfasst Inhalte, die ihrer Struktur nach den Inhalten des Systems Vbw gleichen, gegen deren Bewusstwerdung sich allerdings unbewusste Motivationen sträuben (Abwehr und Widerstand). Diese Inhalte können zum Beispiel unter großer Aufmerksamkeitsanstrengung oder mittels Psychoanalyse wieder ins Bewusstsein gebracht werden.

Es, Ich und Über-Ich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freud kombinierte später die drei oben genannten Bereiche (bewusst, vorbewusst und unbewusst) seines ursprünglichen Seelenmodells mit einem weiteren, jedoch nicht ganz deckungsgleichen Strukturmodell der Psyche, das drei psychische „Instanzen“ unterscheidet: Es, Ich und Über-Ich. In diesem Modell der Psyche ist das Unbewusste weitgehend – jedoch nicht ganz – identisch mit dem Es, dem Bereich der natürlichen, das heißt im Erbgut eingespeicherten, angeborenen Triebe und Instinkte. Das Über-Ich im Gegensatz zu diesen demnach artspezifischen Inhalten der Psyche, gilt als die internalisierte Elternautorität, der Sitz von Erfahrungen, die die Individuen ab ihrer Geburt selbst erwerben, beziehungsweise mittels Prägung in die dafür zuständige psychische Instanz verinnerlicht werden. Hierbei unterscheidet Freud diese Erfahrungen prinzipiell nach zwei Richtungen: a) solche, die die Instinkte und respektive das Es erweitern ohne mit ihm in einen Konflikt zu geraten. Und b) umgekehrt jene Erfahrungen, die den Instinkten zuwiderlaufen, sodass das Es mit vielen seiner Inhalte schließlich ins Unbewusste verdrängt werden kann, vor allem der Ideale, der Moral und des Gewissens.

Das Ich ist vor allem die Instanz des Bewusstseins und kann sich reflektierend sowohl mit seinen eigenen Inhalten als auch denen der beiden anderen psychischen Instanzen befassen und gegebenenfalls – sollte ein Konflikt bestehen [siehe b)] – zwischen ihnen vermitteln. Darüber hinaus ist das Ich die Instanz, in der die Entscheidung über einen von Freud im Vorbewusstsein vermuteten Abwehrmechanismus gefällt wird. Dieser Abwehrmechanismus richtet sich gegen die Inhalte des Es, das eine Reihe angeborener Grundbedürfnisse beinhaltet. Die Abwehr kann bis zur vollständigen Verdrängung dieser Bedürfnisse ins Unbewusste führen, begleitet von ihrer Frustration und unter Umständen neurotischem Leiden. So ist es eines der Hauptanliegen der psychoanalytischen Behandlung, diese verdrängten Inhalte nach und nach wieder bewusst zu machen und es somit zu ermöglichen, die einmal gegen sie gefällte Entscheidung zu revidieren. Als Neurologe sah Freud die Bedürfnisse des Es, welche auch die psychische Energie (Libido) des Individuums lieferten, als somatisch, das heißt körperlich bedingt an und war bemüht, seine psychologischen Thesen mittels Befunden aus der biologischen Forschung abzusichern.

Unbewusstes und Neurose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hauptanliegen der Psychoanalyse nach Freud ist die Aufhebung der zwischenmenschlichen Illusionen und die Wiederbewusstmachung jener psychischen Inhalte, die aufgrund von sittlicher Erziehung und/oder erlittener Traumata in das Unbewusste verdrängt wurden. Damit einher geht nach Freud die Behebung des mit der Verdrängung verbundenen neurotischen Leidens und der sinnlosen Destruktivität des Wiederholungszwangs. Denn das Verdrängte wirkt im Unbewussten unsichtbar weiter und führt so zu unerwünschtem Verhalten, zwischenmenschlichen Beziehungsstörungen und psychischem Leiden. Erst durch eine Bewusstmachung des Verdrängten vermag der Mensch sich von der Macht seines Unbewussten zu befreien. Das Ziel der Psychoanalyse fasste Freud deshalb in dem bekannt gewordenen Schlagwort zusammen: „Wo Es war, soll Ich werden.“ In einer anderen berühmten Formulierung geht es nach Freud in der Psychoanalyse darum, den Menschen zu unterstützen, „Herr im eigenen Hause zu werden“. Eine herausragende Rolle hierbei schrieb er der psychoanalytischen Traumdeutung zu. Das Unbewusste selbst stellt einen natürlichen Bestandteil der psychischen Organisation dar und ist insofern von den pathologischen Formen der Verdrängung zu unterscheiden.

Das Unbewusste bei Jung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von Carl Gustav Jung begründete „analytische Psychologie“ weist teilweise ähnliche Grundannahmen, Methoden und Ziele wie die Freud’sche Psychoanalyse auf. Beide suchen die Möglichkeit der (Wieder-)Bewusstwerdung unbewusster Inhalte in der tiefenpsychologischen Therapie bzw. allgemein in der Persönlichkeitsentwicklung. Bei beiden ist der Traum eine wesentliche Brücke zum Unbewussten. Neben der nach Freud sehr wichtigen Arbeit des „Aufdeckens“ unbewusster Antriebe und Vorstellungen ist es nach Jung von zentraler Bedeutung, in der Therapie (einschließlich Traum-Analyse) die Herausbildung einer dialogischen Beziehung zum Unbewussten zu fördern, sodass dieses als schöpferische Quelle neuer Möglichkeiten und Einsichten zum Tragen kommt: „So wie bewußte Inhalte in das Unbewußte verschwinden können, so können auch Inhalte aus dem Unbewußten aufsteigen. Neben einer Mehrzahl von bloßen Erinnerungen können auch wirklich neue Gedanken und schöpferische Ideen zum Vorschein kommen, die nie zuvor bewußt waren. Sie wachsen aus den dunklen Tiefen wie ein Lotus und bilden einen wichtigen Teil der subliminalen Psyche.“[3] So strebe das Unbewusste nach Bewusstwerdung im Menschen: „Ein Symbol verschleiert nicht, es enthüllt zur rechten Zeit“; und es sei Aufgabe der Traumdeutung, dass „die Botschaft des Traumes, das heißt der unbewußte Beitrag zu der eigentlichen bewußten Situation, so genau wie möglich verstanden wird“, wozu der persönliche wie auch der archetypische Kontext der Traumbilder zu untersuchen sei.[4]

C.G. Jung unterschied in seiner Theorie zwei Schichten[5] des Unbewussten:

„Während das persönliche Unbewußte wesentlich aus Inhalten besteht, die zu einer Zeit bewußt waren, aus dem Bewußtsein jedoch entschwunden sind, indem sie entweder vergessen oder verdrängt wurden, waren die Inhalte des kollektiven Unbewussten nie im Bewußtsein und wurden somit nie individuell erworben, sondern verdanken ihr Dasein ausschließlich der Vererbung.“[6]

Jung bezeichnet also mit dem kollektiven Unbewussten primär Unbewusstes nicht-individueller Herkunft, mit dem persönlichen Unbewussten sekundär Unbewusstes individueller Herkunft. Wobei er auch das "Vorbewusste", also leicht bewusstseinsfähige, aber verdrängte, also Wünsche und Ähnliches, dem persönlichen Unbewussten zuteilte.[7] Im Gegensatz zum kollektiven Unbewussten sei das persönliche weitgehend vollständig bewusstseinsfähig: „Das persönliche Unbewußte ist etwas sehr Relatives; sein Bereich kann reduziert und schließlich so gering werden, daß er sich dem Nullpunkt nähert.“[8]

Komplexe im Unbewussten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jungs Vorstellungen vom Unbewussten entwickelten sich zunächst vor allem aufgrund seiner Assoziationsexperimente in der psychiatrischen Praxis: Auffällige Reaktionen auf bestimmte Reizwörter führten ihn zur Annahme dahinterstehender „Komplexe“ im Unbewussten. Aufbauend auf Experimente von Wilhelm Wundt und anderen, hatte Jung das von ihm so genannte „Assoziationsexperiment“ entwickelt, bei welchem die Spontanreaktionen auf eine Liste von (später stets 100)[9] Reizwörtern notiert werden (siehe auch den Abschnitt Entdeckung des Unbewussten).[10] Aus semantisch, im Gefühlston oder anderweitig (v. a. durch stark verzögerte Reaktionszeiten) auffälligen Reaktionen schloss Jung auf dahinter stehende (gefühlsbetonte) Komplexe[11][12] als Strukturelemente der unbewussten Psyche.[13] Jung sah die im Assoziationsexperiment erschlossen Komplexe auch als Ursache für die Widerstände und Verdrängungsmechanismen in der Psychoanalyse nach Freud.[14] Die „Komplexkonstellationen“[15][16] der Menschen zeigten demnach die Struktur ihres Unbewussten, die jedoch, entsprechend Jungs späterer theoretischer Differenzierung, teils aus biografisch erworbenen Komplexen (z. B. aufgrund bestimmter familiärer Situationen, Liebesgeschichten, Verletzungen), teils aufgrund archetypischer Hintergründe (z. B. Vater-/Mutterkomplex oder religiöse Vorstellungen) in persönlicher Ausprägung basieren.[17]

Kollektives Unbewusstes mit archetypischen Strukturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jungs Konzept des „Kollektiven Unbewussten“ hat eine Schnittmenge zu der Freud’schen Annahme von Inhalten des ES, die der Menschheit, weil angeboren, allgemein oder eben kollektiv wären – siehe u. a. die berühmten „phallischen Symbole“ bei Freud und die Diskussionen des Lingam-Symbols bei Jung.[18] Konsequenter noch als Freud die „archaische Erbschaft“[19] sah Jung das kollektive Unbewusste als Essenz von Erfahrungen an, die die Menschheit während ihrer Evolution verinnerlicht habe – und die zugleich als Strukturgrundlage heutiger seelischer Erfahrung und Verhaltensmuster wirkten (Referenzen im Hauptartikel zum kollektiven Unbewussten). Daher sah Jung in der Bewusstwerdung von Inhalten des kollektiven Unbewussten auch einen kulturrelevanten Prozess: „Die symbolerzeugende Funktion unserer Träume stellt einen Versuch dar, unseren ursprünglichen Geist dem Bewußtsein zuzuführen, wo er nie zuvor gewesen ist und sich nie kritischer Selbstbetrachtung ausgesetzt hat. Man ist dieser Geist zwar gewesen, aber man hat ihn nie gekannt.“[20]

Das kollektive Unbewusste enthält, so Jungs These, als Strukturdominanten die von ihm 1919 beschriebenen Archetypen. Archetypen zeigen sich in formalen Strukturen der Anschauung und des Erlebens wie auch in den zugehörigen Emotionen und sie sind interkulturell anzutreffen. Archetypen sind aber nicht an sich erkennbar, sondern nur hypothetisch aus typischen Mustern archetypischer Bilder und Erfahrungen erschließbar. Auch die menschliche Persönlichkeitsstruktur hat archetypische Grundlagen, zu denen gehören: Animus und Anima (männlich bei Frauen bzw. weiblich bei Männern erscheinende Inhalte des Unbewussten), Schatten (dem Selbstbild des Ich widersprechende, oft auch sozial unerwünschte und deswegen unterdrückte Züge der Persönlichkeit) sowie der alte Weise und die alte Weise als eine von vielen Symbolgruppen des Selbst, Ausdruck der Ganzheit und 'Mitte' der Psyche. Archetypen sind eines jeden Individuums präexistente unbewusste psychische Strukturgrundlagen, welche die Entwicklung der Persönlichkeit und ihrer Vorstellungen ebenso prägen wie äußere Einflüsse. Ein menschliches Bewusstsein taucht aus dem (kollektiven) Unbewussten auf und seine Subjektivität entsteht durch einen Prozess fortschreitender Integration unbewusster Inhalte zu seinem Bewusstsein und seiner Ich-Persönlichkeit, was Jung als Prozess der Individuation bezeichnete.[21]

Jungs Konzeption des kollektiven Unbewussten mit zugehörigem Konzept der Archetypen als in diesem enthaltene Strukturen erweitern den Inhalt des Unbewussten um Elemente, die traditionell mythologisch bzw. religiös erscheinen. Aufgrund dieser theoretischen Assimilation von Glaubensinhalten durch die Psychologie des Unbewussten hielt er es stets für notwendig, darauf hinzuweisen, dass er keine Aussagen religiöser Natur zu treffen beabsichtige, sondern sich lediglich als Psychologe äußere.

Während Freud die Konstitution des Unbewussten tendenziell eher biographisch, durch Urverdrängung in der Ontogenese des Individuums zu begründen sucht und der Annahme ererbter Inhalte eher skeptisch gegenübersteht, ist es nach Jung geradezu geprägt durch phylogenetische Erfahrung. Ein bedeutsames Mittelglied zwischen beiden Auffassungen bieten – neben der genannten Urverdrängung und dem Ödipuskomplex – Freudsche Benennungen wie Urphantasie oder Urszene, in denen zentrale Erlebnisinhalte der psychosexuellen Entwicklung im Rahmen der Triebtheorie zu überindividuellen, phylogenetisch verankerten Konstanten des Unbewussten erklärt werden. Als solchen ist ihre Wirksamkeit im (ererbten) Triebleben begründet und daher vorrangig und unabhängig von konkreten Ereignissen der Lebensgeschichte zu betrachten. Im Gegensatz zu Freud umfasst das Unbewusste bei Jung jedoch auch Inhalte nicht-triebhafter (verdrängter oder abgewehrter) Natur.

Geschichte der Beschreibung unbewusster Vorgänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Hypnotische Séance“, Gemälde von Richard Bergh, 1887

Die historische und anthropologische Forschung zeigt, dass bereits in archaischen Gesellschaften Methoden (teilweise auch zur Behandlung psychischer Störungen) angewendet wurden, in denen Suggestion, also die Beeinflussung vor- oder unbewusster Prozesse, eine entscheidende Rolle spielt. Beispiele dafür sind etwa der Schamanismus, der Exorzismus, „Geistiges Heilen“ und religiöse Riten.

Vor der Psychoanalyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der deutsche Arzt Franz Anton Mesmer (1734–1815) war der Begründer der ersten „dynamischen Psychiatrie“ (ab 1775). Wie die Heiler der außereuropäischen Kulturen ging er von heilenden Kräften aus (magnetische Ströme, Fluidum, Rapport), die der Arzt im Patienten wieder anregen könne. Diese Kräfte nannte er – in Analogie zu den zeitgenössischen Entdeckungen auf dem Gebiet der Elektrizität – „tierischen Magnetismus“.
  • Sein Schüler, der französische Artillerieoffizier Marquis de Puységur (1751–1825), entwickelte Mesmers Behandlungsform weiter zur Verabreichung eines sogenannten „magnetischen Schlafes“ bzw. der „magnetischen Hypnose“.
  • Der deutsche Arzt und Naturphilosoph Carl Gustav Carus (1789–1869), ein Freund Goethes, veröffentlichte 1846 das Buch Psyche. Zur Entwicklungsgeschichte der Seele. Dort entwickelte er die Bezeichnung des „Unbewußten“ sowie des „Unbewußtseins“, wobei er diese spiritualistisch-romantisch als „göttliche Natur“ deutete.
  • 1869 veröffentlichte der deutsche Philosoph Eduard von Hartmann (1842–1906) sein Buch über die Philosophie des Unbewussten, welches zur Verbreitung und Popularisierung der Bezeichnung maßgeblich beitrug. Er unterschied zwischen dem materiellen, dem psychischen und dem An-Sich-Unbewussten und differenzierte den Begriff in verschiedenen Bereichen: in der geschlechtlichen Liebe, im Gefühl, in Charakter und Sittlichkeit, im ästhetischen Urteil und in der künstlerischen Produktion, in der Entstehung der Sprache, im Denken, in der Entstehung der sinnlichen Wahrnehmung, in der Mystik, in der Geschichte sowie in der Physiologie des Nervenzentrums.[22]
  • Der französische Neurologe Jean-Martin Charcot (1825–1893) untersuchte am Hôpital Salpêtrière in Paris die „traumatischen Lähmungen“ und erkannte mit Hilfe der Hypnose, dass ihnen keine organischen Störungen zugrunde liegen können: Unter hypnotischer Suggestion ließen sich die Lähmungen beheben. Sigmund Freud arbeitete 1885–1886 vier Monate an dieser berühmten französischen Klinik.
  • Der französische Philosophie­professor, Arzt und Psychotherapeut Pierre Janet (1859–1947) war der Gründer eines „neuen Systems der dynamischen Psychiatrie“ (ab 1900). Er unterschied zwischen Unterbewusstsein und Bewusstsein. Auf ihn beriefen sich Freud, Alfred Adler und C. G. Jung.

Innerhalb der Psychoanalyse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Als ersten starken Beleg für die Existenz des Unbewussten sah Sigmund Freud (1856–1939) den Umstand an, dass sich das Phänomen der hysterischen Lähmung, mit dem Charcot in Paris experimentiert hatte, bei vielen der Betroffenen anhand hypnotisch suggerierter Befehle zeitweilig beheben ließ, ohne dass die Probanden eine Erklärung hierfür abzugeben wüssten. Rein physiologisch bedingte Ursachen der Lähmung waren für ihn somit ausgeschlossen. Es wirkten Prozesse, die sich dem bewussten Denken nicht ohne weiteres mitteilten. Nach anfänglichen Experimenten mit der bei Charcot erlernten Hypnosetechnik distanzierte er sich davon, da die suggestive Behebung psychosomatischer Symptome nicht von Dauer war, und gründete stattdessen seine eigene Schule, die „Psychoanalyse“. Zu großer Popularität gelangten die „Freudscher Versprecher“, die Freud – neben weiteren Arten von Fehlleistungen – ebenfalls als gute Belege für die Existenz unbewusster Motive und Vorgänge erachtete.
  • Die von Alfred Adler (1870–1937) entwickelte „Individualpsychologie“ unterscheidet sich von der Psychoanalyse grundlegend durch ihre pragmatische Theorie mit der Betonung der Unteilbarkeit des Individuums und der teleologischen und sozialen Orientierung des Menschen. Mit Freud nahm Adler jedoch an, dass die frühkindlich erlebten Situationen den Lebensstil des Erwachsenen unbewusst beeinflussen. Adlers Lehre hat die Neopsychoanalyse stark mitgeprägt.
  • Die von Carl Gustav Jung (1875–1961) begründete „analytische Psychologie“ unterscheidet sich von Freuds Psychoanalyse vor allem durch die große Bedeutung, die Jung den archetypischen Dimensionen des Unbewussten beimisst. Hierbei können Prägungen durch frühere Bezugspersonen („Imago“), wie sie zum Beispiel persönliche „Mutter-“ oder „Vaterkomplexe“ darstellen, mit allgemeinen Vorstellungsstrukturen verknüpft sein, die keine individuellen Erwerbungen sind, sondern dem „kollektiven Unbewussten“ entstammen. Einen allgemeinen Beleg für die Annahme eines Unbewussten fand Jung in seinen Assoziationsexperimenten. Dabei rief er Probanden einige genau festgelegte Wörter zu. Die Probanden sollten so schnell wie möglich mit dem erstbesten Einfall antworten, der ihnen in den Sinn kam. Bei diesen Experimenten fiel Jung auf, dass immer einige der von ihm vorgegebenen Wörter probandenspezifisch zu auffälligen sprachlichen oder nonverbalen Reaktionen führten. Die Assoziationen zu manchen Wörtern wurden 'gestört', waren zu langsam oder enthielten Inhalte, die auf einen konflikthaften Zusammenhang schließen ließen. (Zum Beispiel: Arzt: „Wolke“ – Proband: „Luft“. Aber: Arzt: „Mutter“ – Proband sehr spät: „Friedhof“). Aus diesem Zusammenhang schloss Jung, dass es abseits des Bewusstseins unbewusste, oft konflikthafte Zusammenhänge gebe, die er als „Komplexe“ bezeichnete.
  • Der französische Psychoanalytiker Jacques Lacan (1901–1981), der für die Entwicklung der Psychoanalyse in Frankreich eine zentrale Rolle spielte, widmete sich einer erneuten Lektüre der Schriften Freuds im Lichte der strukturalistischen Methode. Lacan betonte, auch vor dem Hintergrund der Freud’schen Theorie der Fehlleistung und des Witzes, dass das Unbewusste „wie eine Sprache“ strukturiert sei. Die Arbeit des Unbewussten erfolge nach linguistischen Gesetzen wie Metapher und Metonymie, Ersetzung und Verschiebung. Die entsprechenden Elemente des psychischen Geschehens nannte er Signifikanten, jedoch spiele neben dem sprachähnlich strukturierten Feld des Symbolischen auch das Imaginäre und das Reale eine zentrale Rolle im psychischen Apparat. Die eigentliche Strukturierungsleistung, und auch die psychoanalytische Kur, vollziehe sich aber auf dem Feld des Sprechens. Lacans Weiterentwicklung war vor allem für den Poststrukturalismus von prägender Bedeutung.[23]
  • Werner Bohleber, von 2000 bis 2002 Vorsitzender der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) und von 1997 bis 2017 Herausgeber der Zeitschrift Psyche, legte im Jahr 2017 vier „Konzeptualisierungen des Unbewussten“ vor, zusammengefasst u. a. von Ralf Zwiebel: Das „dynamische Unbewusste (was üblicherweise auch mit dem Verdrängten gleichgesetzt wird), das nicht-verdrängte Unbewusste (wie etwa die impliziten Beziehungsmuster aus der frühen Kindheit, wie sie im prozeduralen Gedächtnis kodiert sind), das traumatisch-dissoziierte Unbewusste (bei dem abgespaltene, traumatische Erfahrungen bei entsprechenden Triggern wieder aktiviert werden können) und das kreative Unbewusste (das vor allem in seiner schöpferischen Potenz gesehen wird)“.[24] Auch Otto Kernberg fasste Bohlebers Position zusammen, die dieser 2019 im gemeinsamen Sammelband erneut niederlegte.[25] Bohleber verbinde „die zeitgenössischen neurokognitiven Konzepte des episodisch-deklarativen und des implizit-prozeduralen Gedächtnisses unter Anerkennung der Tatsache, dass unbewusstes Lernen und die Etablierung nicht-konflikthafter Verhaltensmuster unterschieden werden müssen vom Dynamischen Unbewussten (konflikthaft determiniert) als unbewusster Verhaltensmotivation.“[26]

Unbewusste Vorgänge in verschiedenen Bereichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tiefenpsychologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freuds Grundannahme, dass durch automatische, zumeist unbewusste Abwehrmechanismen Gedanken oder Impulse, welche Angst auslösen, aus dem Bewusstsein verdrängt werden, und unbewusst weiter wirken und sich als Krankheitssymptome ausdrücken können, wird von allen tiefenpsychologischen Schulrichtungen vertreten.

Somatische Aspekte des Unbewussten erkannte und studierte Freud seinerzeit noch weniger als die offensichtlicher zurückführbaren Kopplungen an Charakter und Verhalten. In der Körperpsychotherapie wird angenommen, dass sich das Unbewusste körperlich auswirken kann.

Stark gewandelt haben sich die Annahmen über die Inhalte des Unbewussten in den psychodynamischen Theorien. Die Verdrängung sexueller Impulse hat heute lange nicht mehr die Bedeutung wie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die psychodynamischen Theorien haben ihre stärksten Erweiterungen durch Forschungen in der Entwicklungspsychologie und durch die Psychotraumatologie erfahren. Heute arbeitet die Psychoanalyse nach wie vor mit einem Mehrpersonen-Modell der psychischen Entwicklung.

Empirische Forschungen an Säuglingen und Kleinkindern und ihren Interaktionen mit den Müttern legten nahe, dass sich in frühen Bindungserfahrungen ein Selbstbild entwickelt, welches aus einer Verbindung sensorischer Erinnerungen mit körperlichen und emotionalen Erlebnissen entsteht. Solche sensorischen Erinnerungen sind später vom kognitiven Bewusstsein kaum zugänglich und beeinflussen gerade deshalb Erleben und Verhalten.

Kognitionspsychologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Kognitionspsychologie verwendet die Bezeichnung unbewusst: „Viele kognitive Psychologen bestätigen inzwischen Freuds Ansicht, wonach ein großer Teil des menschlichen Verhaltens durch unbewusste Prozesse determiniert wird.“[27] Allerdings nehmen die meisten Kognitionspsychologen lediglich an, dass uns viele kognitive Prozesse oder Wahrnehmungen nicht bewusst sind. Die Freud’sche Konzeption eines Es als Instanz für verdrängte Triebe und Bedürfnisse lehnen sie in der Regel genauso ab, wie das schon in der Gestaltpsychologie der Fall war.[28]

Neurowissenschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wissenschaftliche Diskussion über unbewusste Vorgänge im Gehirn wurde seit der Jahrtausendwende vor allem von den empirischen neurowissenschaftlichen Studien von Antonio Damasio[29] sowie durch neurobiologische Forschungsergebnisse, die durch die neuen bildgebenden Verfahren in der Hirnforschung möglich wurden, weiterentwickelt. Dabei erfuhren Annahmen über die Bedeutung unbewusster Prozesse für das menschliche Erleben und Verhalten eine starke Aufwertung.[30]

Der von Freud ursprünglich angestrebte biologische Zugang zu unbewussten Prozessen im Gehirn wird jetzt durch die bildgebenden Verfahren teilweise möglich. So formulierten führende Neurowissenschaftler in einem gemeinsamen Manifest: „Wir haben herausgefunden, dass im menschlichen Gehirn neuronale Prozesse und bewusst erlebte geistig-psychische Zustände aufs Engste miteinander zusammenhängen und unbewusste Prozesse bewussten in bestimmter Weise vorausgehen.“[31]

Im Jahr 2019 gaben Bernhard Haslinger und Bernhard Janta unter dem Titel Der unbewusste Mensch einen kurzen Sammelband mit Vorträgen verschiedener Wissenschaftler heraus, den sie mit dem Untertitel Zwischen Psychoanalyse und neurobiologischer Evidenz in der Schriftenreihe Bibliothek der Psychoanalyse, herausgegeben von dem Psychoanalytiker Hans-Jürgen Wirth, publizierten. Beteiligt waren Vorträge des Nobelpreisträgers Eric Kandel über Kunst und Hirnforschung und des Neurowissenschaftlers Gerhard Roth über Neurobiologische Grundlagen unbewusster Prozesse.[32]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

William James[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der US-amerikanische Psychologe William James (1842–1910) analysierte 1890 die Vorstellungen der Monisten zu bewussten und unbewussten Bewusstseinszuständen. In seinem Hauptwerk The Principles of Psychology (1890) beschrieb er zehn Argumente der Verfechter der Existenz eines separaten „unbewussten Seins des Geisteszustands“ (englisch unconscious being of the mental state) im Menschen und wies jedes einzelne als haltlos zurück. Den Anlass für seine Analyse und Kritik beschrieb James wie folgt:

„The other monists are of less deliquescent frame, and try to break down distinctness among mental states by making a distinction. This sounds paradoxical, but it is only ingenious. The distinction is that between the unconscious and the conscious being of the mental state. It is the sovereign means for believing what one likes in psychology, and of turning what might become a science into a tumbling-ground for whimsies. It has numerous champions, […]“

„Die anderen Monisten setzen weniger auf einen zerfließenden kognitiven Bezugsrahmen und versuchen, die Unterscheidbarkeit der Geist­eszustände auf eine Unterscheidung herunterzubrechen, indem sie selbst eine Unterscheidung treffen. Dies klingt paradox, ist aber allzu raffiniert. Unterschieden wird zwischen dem unbewussten und dem bewussten Sein des Geisteszustands. Es stellt das äußerste Mittel dar, um in der Psychologie an das zu glauben was man möchte, und um das, was vielleicht einmal Wissenschaft werden könnte, in einen Tummelplatz für Kindereien zu verwandeln. Es hat zahlreiche Verfechter, […]“

William James (1890)[33]

Erich Fromm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der deutsch-amerikanische Sozialpsychologe und Psychoanalytiker Erich Fromm kritisierte, dass mit „Das Unbewußte“ eine Eigenschaft (Adjektiv "unbewußt") zu einem Ding (Substantiv) gemacht werde, noch dazu zu einer „geheimnisvollen" Sache. So werde etwas ganz Alltägliches, wie etwa eine unbewusste Wahrnehmung oder eine unbewusste Reaktion, vom Psychoanalytiker in seiner Phantasie mit einem unheimlichen Apparat in Verbindung gebracht.

„Der Begriff „das Unbewusste“ ist tatsächlich irreführend, .... Etwas wie das Unbewusste gibt es nicht; es gibt nur Erfahrungen, deren wir uns bewusst sind, und andere, deren wir uns nicht bewusst sind, das heißt, die uns unbewusst sind. Wenn ich einen Menschen hasse, weil ich vor ihm Angst habe, und wenn ich mir dann meines Hasses, aber nicht meiner Angst vor ihm bewusst bin, so können wir sagen, dass mein Hass bewusst und meine Angst unbewusst ist. Trotzdem aber ruht meine Angst nicht an jenem geheimnisvollen Ort: „dem" Unbewussten.“[34]

Jean-Paul Sartre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jean-Paul Sartre hat als Philosoph des 20. Jahrhunderts und als Hauptvertreter des Existentialismus die freudsche Psychoanalyse in Frage gestellt. In seinem Hauptwerk, Das Sein und das Nichts, das als existentielle Psychoanalyse gesehen werden kann, kritisiert er die Erkenntnisse Freuds über das Unbewusste und bewertet sie als zumindest mangelhaft:

„Und woher ‚käme‘ denn das Bewusstsein, wenn es von irgend etwas ‚kommen‘ könnte? Aus den Dunkelzonen des Unbewussten? Wie können diese Dunkelzonen existieren und woraus gewinnen sie ihre Existenz? Wir können absolut nicht mehr verstehen, wie diese nicht-bewussten Gegebenheiten, die ihre Existenz nicht aus sich selbst gewinnen, fortbestehen und gleichzeitig nicht die Kraft finden, ein Bewusstsein hervorzubringen.“[35]

Zitate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „unbewusst“ wurde schriftlich nachweisbar zuerst von Goethe 1777 in der letzten Strophe der älteren Version des Gedichts An den Mond gebraucht: „Was den Menschen unbewußt / Oder wohl veracht / Durch das Labyrinth der Brust / Wandelt in der Nacht.“ Wahrscheinlich war er aber schon vorher im mündlichen Sprachgebrauch vorhanden.

  • Carl Gustav Jung: Archetypen, dtv 1993: „Ob ich nun an einen Dämon des Luftreichs glaube oder an einen Faktor im Unbewussten, welcher mir einen teuflischen Streich spielt, ist völlig irrelevant. Die Tatsache, dass der Mensch von fremden Mächten in seiner eingebildeten Einheitlichkeit bedroht ist, bleibt nach wie vor dieselbe.“
  • Jean Paul: Vorschule der Ästhetik. Erste Abteilung, III. Programm, § 11–13: „Wenn man die Kühnheit hat, über das Unbewusste und Unergründliche zu sprechen: so kann man nur dessen Dasein, nicht dessen Tiefe bestimmen wollen.“
  • Jean Paul, ebd.: „Das Mächtigste im Dichter, welches seinen Werken die gute und die böse Seele einbläset, ist gerade das Unbewusste.“
  • Bernhard Haslinger Psychoanalytiker, Gruppenpsychotherapeut und 2017 Mitorganisator eines interdisziplinären, wissenschaftlich-künstlerischen Symposions an der Berliner Charité: „Unbewusste Prozesse betreffen den überwiegenden Teil unseres Fühlens, Denkens und Handelns. Sie beeinflussen unsere Beziehungen, Entscheidungen und Lebenspläne und regen kreative Prozesse an, die besonders auch in Kunst und Musik ihren Ausdruck finden können. Ein Kunstwerk selbst verkörpert ein intersubjektives Kommunikationsmedium zwischen Künstler und Betrachter und wirkt, abgesehen vom intellektuell rationalen Aspekt, von Unbewusst zu Unbewusst. Das Phänomen des Unbewussten hat viele Dimensionen und um die Komplexität des Themas zu erfassen, sind vielfältige Zugangswege vonnöten.“[36]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael B. Buchholz, Günter Gödde (Hrsg.): Das Unbewusste. Ein Projekt in drei Bänden. Psychosozial-Verlag, Gießen 2005, ISBN 3-89806-472-7.
    • Michael B. Buchholz, Günter Gödde (Hrsg.): Macht und Dynamik des Unbewussten. Auseinandersetzungen in Philosophie, Medizin und Psychoanalyse (= Das Unbewusste. Band 1). Psychosozial-Verlag, Gießen 2005, ISBN 3-89806-363-1.
    • Michael B. Buchholz, Günter Gödde (Hrsg.): Das Unbewusste in aktuellen Diskursen. Anschlüsse (= Das Unbewusste. Band 2). Psychosozial-Verlag, Gießen 2005, ISBN 3-89806-448-4.
    • Michael B. Buchholz, Günter Gödde (Hrsg.): Das Unbewusste in der Praxis. Erfahrungen verschiedener Professionen (= Das Unbewusste. Band 3). Psychosozial-Verlag, Gießen 2006, ISBN 3-89806-449-2.
  • Antonio R. Damasio: Ich fühle, also bin ich. Die Entschlüsselung des Bewusstseins. München: List 2000, ISBN 3-548-60164-2.
  • Henri F. Ellenberger: Die Entdeckung des Unbewußten. Geschichte und Entwicklung der dynamischen Psychiatrie von den Anfängen bis zu Janet, Freud, Adler und Jung. (1970) Aus dem Amerikanischen von Gudrun Theusner-Stampa. 2 Bände. Huber, Bern 1973.
  • Sigmund Freud: Das Unbewußte. 1915 (projekt-gutenberg.org [abgerufen am 26. November 2020]).
  • Sigmund Freud: Studienausgabe, 10 Bände, Frankfurt am Main: Fischer 1975 ff., darin u. a.: Bd. III: Psychologie des Unbewußten, ISBN 3-10-822723-8.
  • Bernhard Haslinger, Bernhard Janta (Hrsg.): Der unbewusste Mensch. Zwischen Psychoanalyse und neurobiologischer Evidenz. Psychosozial-Verlag, Gießen 2019, ISBN 978-3-8379-2838-9.
  • Carl Gustav Jung: Die Beziehung zwischen dem Ich und dem Unbewußten (1928) sowie: Über die Psychologie des Unbewußten (1943), beide in: Gesammelte Werke, Bd. 7: Zwei Schriften über Analytische Psychologie, Walter, Olten/Freiburg 1995, ISBN 3-530-40082-3.
  • Carl Gustav Jung: Die Dynamik des Unbewußten. Olten 1967.
  • Elf führende Neurowissenschaftler über Gegenwart und Zukunft der Hirnforschung. In: Gehirn & Geist. 6, 2004.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolf Eisler: Wörterbuch der philosophischen Begriffe, 2. Auflage, Berlin 1904
  2. Otto Dornbusch: Klinisches Wörterbuch, 14. Auflage, Berlin 1927, Stichwort „Unterbewusstsein“
  3. Carl Gustav Jung, GW 18/1: § 449 (Übersetzung aus englischem Original).
  4. Carl Gustav Jung, GW 18/1: § 483; vgl. ebd.: 585–590 (Übersetzung aus dem englischen Original).
  5. Carl Gustav Jung, GW 7: § 449
  6. Carl Gustav Jung, GW 9/1: § 88
  7. Carl Gustav Jung, GW 7: § 449
  8. Carl Gustav Jung, GW 18/1: § 91
  9. Carl Gustav Jung, GW 2: § 1351
  10. Carl Gustav Jung, GW 2: § 730
  11. Carl Gustav Jung, GW 2: § 733 ff.
  12. Carl Gustav Jung, GW 8: § 196
  13. Carl Gustav Jung, GW 8: § 219
  14. Carl Gustav Jung, GW 2: § 859 f.
  15. Carl Gustav Jung, GW 2: § 818 f.
  16. Carl Gustav Jung, GW 8: § 198, 200
  17. U. a. Carl Gustav Jung, GW 7: § 205, 218–220
  18. Zu phallischen Symbolen des „Sohn-Geliebten“ siehe z. B. Jung GW 9/1, § 193 (Hermes, Bes, Lingam); zur Symbolik weiblich-männlicher Zwei-Einheit GW 5: § 306(-332) (Rama-Sita, Shiva-Parvati, Lingam-Becken u. a.).
  19. Sigmund Freud, GW 17, S. 89. Ursprünglich 1938 publiziert in von Traum und Traumdeutung.
  20. Carl Gustav Jung, GW 18/1: § 591 (Übersetzung aus dem englischen Original).
  21. Elisabeth Roudinesco und Michel Plon: Jung, Carl Gustav in: Dictionnaire de la Psychanalyse, 1997. Aus dem Französischen von Christoph Eissing-Christophersen u. a. Wörterbuch der Psychoanalyse. Springer Wien, 2004, S. 510–515, ISBN 3-211-83748-5 – Zu Primärquellen siehe den Artikel Archetyp (Psychologie).
  22. Eduard von Harmann: Philosphie des Unbewussten. Carl Dunkers Verlag, Berlin 1976, 7. erweiterte Auflage, Erster Band. Digitalisat
  23. Henri F. Ellenberger: Die Entdeckung des Unbewussten. Bern: Huber 1973, ISBN 3-456-30577-X, Neuauflage: Zürich: Diogenes 2005, ISBN 3-257-06503-5
  24. Ralf Zwiebel: Mit und ohne Couch. Zur klinischen und außerklinischen Bedeutung der Psychoanalyse. Vortrag bei den FiS-Supervisionstagen am 14./15.4.2018 in Münster. In: FIS-Newsletter. Nr. 12, 2018, S. 6 (fis-supervision.de [PDF; 445 kB; abgerufen am 28. November 2020]).
  25. Werner Bohleber: Entwicklung der Konzeption des Unbewussten in der Psychoanalyse. In: Bernhard Haslinger, Bernhard Janta (Hrsg.): Der unbewusste Mensch. Zwischen Psychoanalyse und neurobiologischer Evidenz. Psychosozial-Verlag, Gießen 2019, ISBN 978-3-8379-2838-9, S. 73 ff.
  26. Otto F. Kernberg: Vorwort. In: Bernhard Haslinger, Bernhard Janta (Hrsg.): Der unbewusste Mensch. Zwischen Psychoanalyse und neurobiologischer Evidenz. Psychosozial-Verlag, Gießen 2019, ISBN 978-3-8379-2838-9, S. 7–8 (psychosozial-verlag.de [PDF; 2,0 MB; abgerufen am 28. November 2020] Leseprobe).
  27. Gerald C. Davison/John M. Neale/Martin Hautzinger: Klinische Psychologie, Weinheim: Belz 2002 (6., vollst. überarb. Auflage), ISBN 3-621-27458-8, S. 205 f.
  28. Vgl. dazu G. Stemberger (2014), Die Gestalttheorie und das Unbewusste, siehe Weblinks.
  29. Antonio R. Damasio: Ich fühle, also bin ich. Die Entschlüsselung des Bewusstseins, München: List 2000, ISBN 3-548-60164-2
  30. Vgl. Christian Gottwald, in: Gustl Marlock/Halko Weiss: Handbuch der Körperpsychotherapie, Schattauer Verlag 2006, S. 119 ff.
  31. Elf führende Neurowissenschaftler über Gegenwart und Zukunft der Hirnforschung“, in: Gehirn & Geist, 6/2004.
  32. Bernhard Haslinger, Bernhard Janta (Hrsg.): Der unbewusste Mensch. Zwischen Psychoanalyse und neurobiologischer Evidenz. Psychosozial-Verlag, Gießen 2019, ISBN 978-3-8379-2838-9.
  33. William James: The Principles of Psychology, Volumes 1 & 2, Erstausgabe 1890, Neuauflage: Dover Publications, New York 1950, ISBN 9780486203812, S. 164. Online. William James (1890): The Principles of Psychology. CHAPTER VI. The Mind-Stuff Theory
  34. Erich Fromm: Jenseits der Illusionen. Die Bedeutung von Marx und Freud, Erstausgabe 1962, Neuauflage: Edition Erich Fromm, München 2014, ISBN 9783959120036, S. 10 von Kapitel 9: Das gesellschaftliche Unbewusste".
  35. Jean-Paul Sartre: Das Sein und das Nichts, Kapitel 1
  36. Bernhard Haslinger: Einleitung. In: Bernhard Haslinger, Bernhard Janta (Hrsg.): Der unbewusste Mensch. Zwischen Psychoanalyse und neurobiologischer Evidenz. Psychosozial-Verlag, Gießen 2019, ISBN 978-3-8379-2838-9, S. 13 ff.