Unternehmen Tannenberg

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Der Deckname Unternehmen Tannenberg wurde für zwei unterschiedliche Unternehmungen verwendet:

  • Kommandounternehmen Ende August 1939 zur Provokation von Kriegsgründen (Überfall auf den Sender Gleiwitz u. ä.)
  • Einsatzgruppen des Reichssicherheitshauptamtes für den Einsatz im Polenfeldzug hinter den vorrückenden deutschen Armeen

Kommandounternehmen[Bearbeiten]

Das „Unternehmen Tannenberg“, mit dem der Überfall auf Polen vorbereitet wurde, wurde im Buch von Alfred Spieß und Heiner Lichtenstein von 1979 dargestellt.

Einsatzgruppen[Bearbeiten]

Unter dem Decknamen Unternehmen Tannenberg wurden im Vorfeld des Polenfeldzuges fünf Einsatzkommandos (EK) aufgestellt, um hinter den vorrückenden deutschen Armeen die nationalsozialistische Volkstumspolitik in Polen durchzusetzen.[1]

Die SS-Männer, die z. B. am Überfall auf den Sender Gleiwitz, der u. a. als Rechtfertigung für den deutschen Angriff auf Polen angeführt wurde, beteiligt waren, wurden danach einem dieser Kommandos zugewiesen.

Die offizielle Aufgabe der insgesamt 2700 Mann starken EKs war die „Bekämpfung aller reichs- und deutschfeindlicher Elemente rückwärts der fechtenden Truppe“. Darüber hinaus dienten sie jedoch der möglichst umfassenden Vernichtung der polnischen Inteligencja. Zu diesem Zweck war bereits im Voraus in Zusammenarbeit mit der volksdeutschen Minderheit in Polen das sogenannte Sonderfahndungsbuch Polen angelegt worden, in dem 61.000 Namen von Aktivisten, Intellektuellen, Militärs u. a. aufgeführt waren, die „liquidiert“ werden sollten. Formell unterstanden die Einsatzkommandos den lokalen Befehlshabern der Wehrmacht.

Im September und Oktober 1939 wurden mindestens 20.000 Polen in 760 Massenexekutionen durch die EKs und reguläre Einheiten der Wehrmacht ermordet. Vor allem unter Führung des SS- und Polizeiführers für Westpreußen Ludolf-Hermann von Alvensleben wurden auch vom Volksdeutschen Selbstschutz umfangreiche Exekutionen vorgenommen.[2]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Herausgegeben von Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann Weiß. 3., korrigierte Auflage. Klett-Cotta, Stuttgart 1998. s.v. Grenzzwischenfälle
  2. Christian Jansen, Arno Weckbecker: Eine Miliz im „Weltanschauungskrieg“. Der „Volksdeutsche Selbstschutz“ in Polen 1939/40. In: Wolfgang Michalka (Hg.): Der Zweite Weltkrieg. Analysen, Grundzüge, Forschungsbilanz. Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes. Seehamer, Weyarn 1997. ISBN 3-932131-38-X, S. 482 – 500.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alfred Spiess, Heiner Lichtenstein: Unternehmen Tannenberg. Der Anlass zum Zweiten Weltkrieg. Korrigierte und erweiterte Ausgabe. (Ullstein-Buch ; Nr. 33118 : Zeitgeschichte) Ullstein, Frankfurt/M ; Berlin 1989, ISBN 3-548-33118-1.
  • Various authors: Monografia obozu KL Stutthof. Państwowe Muzeum Stutthof w Sztutowie, 2000.
  • Andrzej Leszek Szcześniak: Plan zagłady Słowian – Generalplan OST. Radom, POLWEN, 2001, ISBN 83-88822-03-9.
  •  Unternehmen Tannenberg. August 1939: Wie der SD den Überfall auf Polen vorbereitete (III). In: Der Spiegel. Nr. 34, 1979 (online).