Unteroffizier

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Unteroffizier ist ein militärischer Dienstgrad, eine militärische Laufbahngruppe sowie Bezeichnungsbestandteil von Dienstgradgruppen der Bundeswehr.

Laufbahngruppe[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Die Soldatenlaufbahnverordnung (SLV) gliedert die Laufbahn der Soldaten der Bundeswehr in drei Laufbahngruppen, wobei gemäß Kapitel 3 SLVVorlage:§§/Wartung/juris-seite die Laufbahngruppe der Unteroffiziere die mittlere (zwischen Mannschaften und Offizieren) bildet. Sie umfasst die Dienstgrade vom Unteroffizier bis zum Oberstabsfeldwebel und die Besoldungsgruppen A5 bis A9 analog zur Laufbahn des Mittleren Dienstes der zivilen Beamten.

Die Laufbahngruppe der Unteroffiziere ist noch einmal geteilt in die Laufbahn der Unteroffiziere des allgemeinen Fachdienstes und die Laufbahn der Feldwebel, wobei die einzelnen Laufbahnen weiter unterteilt werden.[1]

Zentrale personalführende Dienststelle für alle Unteroffiziere der Bundeswehr war die Stammdienststelle der Bundeswehr (SDBw) in Köln, die im Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr aufgegangen ist.

Dienstgradgruppe[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Unterteilung und Verwendung[Bearbeiten]

Bei der Bundeswehr wird die Laufbahn der Unteroffiziere durch die Zentrale Dienstvorschrift (ZDv) 14/5 Abschnitt B 185 in zwei Dienstgradgruppen unterteilt (erste Zeile Heer/Luftwaffe, zweite Zeile Marine):

Unteroffiziere ohne Portepee (Uffz o.P.)[Bearbeiten]
Unteroffiziere mit Portepee (Uffz m.P.)[Bearbeiten]
Verwendung[Bearbeiten]
  • Unteroffiziere mit Portepee werden i.d.R. entweder als militärische Führer im Truppendienst (mit Zugführerausbildung und militärische Spezialisierung) oder als Fachspezialisten (auf Meister- bzw. Fachschul-Niveau) im Fachdienst verwendet.
  • Unteroffiziere ohne Portepee dienen i.d.R. als Spezialisten im Fachdienst (auf Gesellen-Niveau) ohne Führungsverantwortung.

Gemäß der Vorgesetztenverordnung sind unter deren Voraussetzungen die Unteroffiziere mit Portepee denen ohne Portepee vorgesetzt.

Ausbildung[Bearbeiten]

Ärmelabzeichen am Hemd, dunkelblau eines Gefreiten (Maatanwärter) der Bundeswehr,
Deutsche Marine

Die Voraussetzungen zur Einstellung als Unteroffizieranwärter (UA) ist in der Soldatenlaufbahnverordnung festgelegt. Demnach dauert die Ausbildung zum Dienstgrad Unteroffizier (für die Laufbahngruppe der Uffz o.P.) ein Jahr, die zum Feldwebel (für die Laufbahngruppe der Uffz m.P.) drei Jahre (früher vier Jahre). Für die Dauer der Anwärterzeit tragen Untereroffizieranwärter bis zur Beförderung zum Unteroffizier/Maat oberhalb des Dienstgradabzeichens einen Querbalken (silberfarben bei Heer/Luftwaffe, goldfarben bei der Marine). Feldwebelanwärter kennzeichnet eine quer über das untere Ende der Dienstgradabzeichen getragene altgoldfarbene Kordel (Dienstanzug und Feldanzug Heer/Luftwaffe), bei der Marine zwei goldfarbene Querbalken über dem Dienstgradabzeichen der Bootsmannanwärter (Dienstanzug).

Österreich und die Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweizer Armee werden Unteroffiziere mit Portepee als „Höhere Unteroffiziere“ bezeichnet. Sie sind den Unteroffizieren vorgesetzt.

Im österreichischen Bundesheer zählen die Dienstgrade vom Wachtmeister aufwärts bis einschließlich Vizeleutnant zur Dienstgradgruppe der Unteroffiziere. Sie sind den Chargen (Mannschaftsdienstgraden) vorgesetzt. Die Dienstgrade Stabswachtmeister aufwärts werden auch als Stabsunteroffiziere bezeichnet.

Dienstgrad[Bearbeiten]

Dem Dienstgrad Unteroffizier entspricht in vielen Streitkräften der Welt der Sergeant (engl.; franz.: Sergent), seltener der Corporal. In einigen Ländern sind die Dienstgradbezeichnungen der Unteroffiziere auch in zivilen Organisationen gebräuchlich; insbesondere dann, wenn sie dem Militär direkt unterstellt oder militärähnlich strukturiert sind (etwa bei der französischen Feuerwehr und Gendarmerie).

Dienstgrad der Bundeswehr[Bearbeiten]

Unteroffizier Heer/ Luftwaffe
111-Unteroffizier.png Luftwaffe-111-Unteroffizier.png

Dienstgradabzeichen eines Unteroffiziers der Bundeswehr am Feldanzug

Dienstgradgruppe Unteroffiziere o. P.
NATO-Rangcode OR-5
Dienstgrad Heer/Luftwaffe Unteroffizier
Dienstgrad Marine Maat
Abkürzung (in Listen) Uffz (U)
Besoldungsgruppe A5

Der Unteroffizier (Abk.: Uffz / in Listen: U) ist in der Bundeswehr der niedrigste Dienstgrad in der Dienstgradgruppe der Unteroffiziere ohne Portepee und in der Laufbahngruppe der Unteroffiziere. In der Deutschen Marine heißt dieser Dienstgrad Maat. Offizieranwärter durchlaufen diesen Dienstgrad als Fahnenjunker (Heer, Luftwaffe) oder Seekadett (Marine).

Unteroffiziere können innerhalb der durch die Vorgesetztenverordnung (VorgV) gesetzten Grenzen grundsätzlich innerhalb umschlossener militärischer Anlagen Befehle gegenüber Angehörigen der Dienstgradgruppe der Mannschaften erteilen, insofern kein höherwertiges Vorgesetztenverhältnis in Bezug auf den Befohlenen dem gegenübersteht.

Die Einstellung als Unteroffizier ist mit einem (Haupt-)Schulabschluss und einem für die Verwendung verwertbaren Berufsabschluss direkt möglich. Daneben besteht die Möglichkeit aus den Reihen der Mannschaften bei fachlicher Eignung und einer „Stehzeit“ von mindestens zwölf Monaten zum Unteroffizier befördert zu werden.[2]

Historische Unteroffiziersdienstgrade[Bearbeiten]

Deutsches Reich[Bearbeiten]

Wehrmacht bis 1945[Bearbeiten]

In der Wehrmacht des Deutschen Reiches von 1932 bis 1945 war Unteroffizier sowohl die Bezeichnung für den niedrigsten Unteroffiziersrang als auch die Bezeichnung für die Dienstgradgruppe der Unteroffiziere ohne und mit Portepee.

Unteroffiziersdienstgrade der Wehrmacht - Heer
Farbe Panzer
(rosa)
Infanterie
(weiß)
Nachrichten
(zitronengelb)
Kradschützen
(kupferbraun)
Pioniere
(schwarz)
War Ensign of Germany 1938-1945.svg UnteroffEpaulette.jpg Rank insignia of Unterfeldwebel of the Wehrmacht.gif Rank insignia of Feldwebel of the Wehrmacht.jpg OberWMEpaulette.jpg Rank insignia of Stabsfeldwebel of the Wehrmacht.gif
Unteroffizier
(OR-4)
Unterfeldwebel
(OR-5)
Feldwebel
(OR-6)
Oberfeldwebel
(OR-7)
Stabsfeldwebel
(OR-8)
Dienstgrad
niedriger:
Stabsgefreiter

Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge)
Unteroffizier
höher:
Unterfeldwebel

Nationale Volksarmee[Bearbeiten]

In der Nationalen Volksarmee der DDR war Unteroffizier sowohl die Rangbezeichnung für den niedrigsten Unteroffiziersrang der Dienstgradgruppe der Unteroffiziere ohne Portepee als auch Sammelbezeichnung für das gesamte Unteroffizierskorps. Bezüglich der Rangbezeichnung der einzelnen Unteroffiziersränge und der Ausgestaltung der einzelnen Distingtionsabzeichen oder Rangabzeichen wurde hier an die Traditionen der deutschen Streitkräfte bis 1945 angeknüpft.

Für die Ernennung zu ersten Unteroffiziersdienstgrad bzw. zum Unteroffizier der NVA war in der Regel eine Verpflichtungszeit von drei Jahren und der erfolgreiche Abschluss eines Unteroffizierslehrgangs an eine Unteroffiziersschule erforderlich.

Unteroffiziersdienstgrade der Nationalen Volksarmee
Farbe Grenztruppen
der DDR
Pioniere
Kfz-Truppen
technische Dienste
Nachrichtentruppe Raketentruppen
u. Artillerie
Flag of NVA (East Germany).svg Unteroffizier (OR-4) Unterfeldwebel (OR-5) Feldwebel (OR-6) Oberfeldwebel (OR-7) Stabsfeldwebel (OR-8)
Unteroffizier
(OR-4)
Unterfeldwebel
(OR-5)
Feldwebel
(OR-6)
Oberfeldwebel
(OR-7)
Stabsfeldwebel
(OR-8)
Dienstgrad
niedriger:
Stabsgefreiter

Flag of NVA (East Germany).svg
Unteroffizier
(Maat)
höher:
Unterfeldwebel

Österreich-Ungarn[Bearbeiten]

Oberjäger der k.u.k. Landesschützen

In den Österreichisch-Ungarische Landstreitkräften wurde der Dienstgrad Oberjäger von der Jägertruppe (Feldjäger, Kaiserjäger) und den Landesschützen geführt. Der Dienstgrad entsprach dem Feldwebel bei der Infanterie, bzw dem Wachtmeister der Kavallerie und Artillerie.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Unteroffizier – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.gesetze-im-internet.de/slv_2002/anlage_68.html
  2. http://www.bundeswehr.de/fileserving/PortalFiles/C1256EF40036B05B/N264JEVD352MMISDE/Feldwebel+SanDienst.pdf?yw_repository=youatweb
  3. ILLER-KATASTROPHE, Der Tod von Kempten auf Spiegel Online, vom 12. Juni 1957