Unterrosphe

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Unterrosphe
Koordinaten: 50° 53′ 16″ N, 8° 46′ 19″ O
Höhe: 208 (202–236) m ü. NHN
Fläche: 3,46 km²[1]
Einwohner: 535 (30. Jun. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 155 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 35083
Vorwahl: 06423
Alte Schule im Ortskern
Historische Mauerreste an der Dorfkapelle

Unterrosphe ist ein Stadtteil von Wetter (Hessen) im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt südöstlich von Wetter am Rande des Burgwaldes. Südwestlich des Ortes verläuft die Bundesstraße 252.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wird erstmals im Jahr 800 urkundlich unter dem Namen Rosafa erwähnt. Die Datierung erfolgte nach einer Abschrift aus dem 12. Jahrhundert, wobei ungeklärt ist ob es sich um die Wüstung Oberste-Rospe, Ober-, Mittel-, oder Unterrosphe bezieht.[2]

Weitere Erwähnungen erfolgten unter dem Namen de Inferiori Rosfe (1232), inferior Rosfe (1272), inferior Roisphe (1317), Niderstin Rosphe (1347), Nydernrosfe (1374), Understerosse (1528), Underst-Roßphe (1577), Nidder-Rosphe (1630) und Unterrosphe (1812).[3][2]

Die Kirche stammt vermutlich aus dem 12. Jahrhundert.

Am 31. Dezember 1971 wurde Unterrosphe im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Wetter (Hessen-Nassau) eingegliedert (damaliger Name der Stadt).[4]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Unterrosphe lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[2][5]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Wetter war als Gericht in erster Instanz für Unterrosphe zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[9]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt Wetter 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Wetter. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[10] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Wetter. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[11]

Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes (GVG) 1877 blieb das Amtsgericht bestehen. 1943 wurde dass Amtsgericht Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg und 1946 wurde auch die Zweigstelle geschlossen. Der Bezirk des Amtsgerichts Wetter ging im Bezirk des Amtsgerichts Marburg auf. In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1502: 10 Männer
• 1577: 18 Hausgesesse
• 1580: 11 Ackerleute, 6 Einläuftige
• 1630: 17 Hausgesesse (4 vierspännige, 2 dreispannige, 3 zweispännige Ackerleute, 8 Einläuftige)
• 1681: 14 hausgesessene Mannschaften
• 1747: 26 Haushalte.
• 1838: 224 Einwohner, davon 22 nutzungsberechtigte, 20 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 5 Beisassen.
Unterrosphe: Einwohnerzahlen von 1784 bis 2018
Jahr  Einwohner
1784
  
187
1840
  
231
1846
  
252
1852
  
274
1858
  
279
1864
  
277
1871
  
273
1875
  
266
1885
  
262
1895
  
271
1905
  
279
1910
  
283
1925
  
293
1939
  
308
1946
  
357
1950
  
509
1956
  
504
1961
  
479
1967
  
467
1976
  
554
1995
  
604
2018
  
435
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2][12]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1861: alle Einwohner evangelisch-lutherisch
• 1885: 271 evangelische und keine katholischen Einwohner
• 1961: 404 evangelisch, 50 römisch-katholisch Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1784: 187 Einwohner. Erwerbspersonen: 6 Zimmerleute, ein Hufschmied, ein Schneider, zwei Wagner, ein Pottaschensieder, fünf zünftige Leineweber, ein Schäfer, ein Tagelöhner, fünf einzelne Weibspersonen.
• 1838: Familien: 24 Ackerbau, 3 Gewerbe, 19 Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 97 Land- und Forstwirtschaft, 93 Produzierendes Gewerbe, 29 Handel und Verkehr, 24 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Ortsbeirat, der aus fünf Personen besteht, wird von Ortsvorsteher Florian Lies angeführt.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Unterrosphe gehört zur evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Oberrosphe-Unterrosphe.
  • Im Dorf gibt es die Kindertagesstätte Sterntaler, einen Tennisplatz, ein Bürgerhaus und eine Sportanlage.
  • Die Buslinie 61 des Regionalen Nahverkehrsverbandes Marburg-Biedenkopf von Wetter nach Marburg stellt den Öffentlichen Personennahverkehr sicher.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Haushaltsplan 2019 (Statistische Angaben) der Stadt Wetter (PDF 5,4 MB)
  2. a b c d e f g Unterrosphe, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. In Klammern das Kahr der Erwähnung.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 402.
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Georg Landau: Beschreibung des Kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 389 (online bei HathiTrust’s digital library).
  7. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 123 (online bei Google Books).
  8. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223-224
  9. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  10. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  11. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  12. Ursula Braasch-Schwersmann (Hrsg.): Wetter, Textheft. Marburg 2005, ISBN 3-87707-642-4, S. 16 (Online bei Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen [PDF; 334 kB]).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Unterrosphe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien