Untersee (Bodensee)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Untersee
Blick aus einem Flugzeug oberhalb von Rickenbach (CH) zum Untersee mit Insel Reichenau (D) und dahinter liegendem Überlinger See (D), dem Nordwestteil des Obersees (D/CH/A)
Blick aus einem Flugzeug oberhalb von Rickenbach (CH) zum Untersee mit Insel Reichenau (D) und dahinter liegendem Überlinger See (D), dem Nordwestteil des Obersees (D/CH/A)
Geographische Lage – Land Baden-Württemberg (Deutschland)
– Kantone Thurgau und Schaffhausen (Schweiz)
Zuflüsse Seerhein, Radolfzeller Aach und kleinere Bäche
Abfluss Hochrhein
Inseln Reichenau
Städte am Ufer Radolfzell am Bodensee
Daten
Koordinaten 47° 42′ N, 9° 1′ OKoordinaten: 47° 42′ N, 9° 1′ O
Untersee (Baden-Württemberg)
Untersee
Höhe über Meeresspiegel 395,11 m ü. NHN[1]
Fläche 62 km²[1]
Volumen 0,8 km³dep1[1]
Umfang 87 km[1]
Maximale Tiefe 45 m[2]
Mittlere Tiefe 13 m[1]
Bodenseebezp.png
Der Untersee mit seinen Untergewässern
Untersee Mai 11.jpg
Blick von der Burg Hohenklingen südostwärts auf den Untersee mit Öhningen (D; links), Stein am Rhein (CH; rechts unten), Eschenz (CH; mittig rechts) und Mammern (CH; mittig, jenseits des Sees); am Horizont rechts in Bewölkung der Säntis (Appenzeller Alpen)
Blick vom Gemeindegebiet Salensteins auf dem Seerücken (CH) zur Untersee-Insel Reichenau mit Allensbach (D) auf der Halbinsel Bodanrück im Hintergrund
Westende des Untersees am Ausfluss des Hochrheins an der Rheinbrücke Stein am Rhein; Blick stromabwärts; rechts die Burg Hohenklingen auf einem bewaldeten Sporn des Schiener Bergs

Der Untersee in Deutschland mit dem Land Baden-Württemberg und in der Schweiz mit den Kantonen Thurgau und Schaffhausen ist mit rund 62 km²[1] Fläche der kleinere der beiden Seen des Bodensees. Davon gehören 47 km² zu Deutschland (Baden-Württemberg), und die restlichen 13 km² zu den Schweizer Kantonen Thurgau und Schaffhausen.[3]

Es gibt vier ineinander übergehende Seeteile: Gnadensee mit Markelfinger Winkel, Zeller See (alle in Deutschland) und Rheinsee (in Deutschland und in der Schweiz). Sein Hauptzufluss ist der Seerhein und einziger Abfluss der Hochrhein.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den Römern wurde er Lacus Acronius genannt. Im Mittelalter setzte sich die Bezeichnung Lacus Bodamicus (Bodensee) für den Obersee durch. Unter diese Bezeichnung fiel mit der Zeit auch der Untersee, weswegen der eigentliche Bodensee die Bezeichnung „Obersee“ erhielt.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Untersee liegt auf der Grenze von Deutschland mit dem Land Baden-Württemberg im Norden und der Schweiz mit den Ostschweizer Kantonen Thurgau und Schaffhausen im Süden. Zwischen beiden Anrainerstaaten existiert im Untersee im Gegensatz zum Obersee eine festgelegte Grenzziehung; der weitaus größere Seeteil gehört zu Deutschland. Badische Anrainergemeinden sind Öhningen, Gaienhofen, Moos, Radolfzell, Reichenau, Allensbach und Konstanz, ostschweizerische Gottlieben, Ermatingen, Salenstein, Berlingen, Steckborn, Mammern, Eschenz und Stein am Rhein.

Der Untersee und seine Umgebung sind landschaftlich sehr gegliedert. Im See liegen die Inseln Reichenau (4,28 km²; max. 438,7 m ü. NHN) und Werd (ca. 1,6 ha; 398 m ü. M.), die etwas oberhalb der Rheinbrücke Stein am Rhein den Grenzpunkt zwischen dem Untersee bzw. Rheinsee und Hochrhein markiert.[4] Im Nordosten liegt die Halbinsel Bodanrück (693,4 m ü. NHN), im Nordwesten das Hegau-Tiefland mit der Halbinsel Mettnau (ca. 405 m ü. NHN), die sich beide in Deutschland befinden, im Westen die Halbinsel Höri mit dem überwiegend deutschen Höhenzug Schiener Berg (715,6 m ü. NHN) und im Süden der schweizerische Höhenzug Seerücken (721 m ü. M.). Wichtigste Zuflüsse des Untersees sind der Seerhein und die Radolfzeller Aach, der einzige Abfluss ist der Hochrhein.

Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Untersee ist 62 km² groß und liegt mit 395,11 m ü. NHN 22 cm tiefer als der 472 km² große Obersee (395,33 m). Er ist maximal 45 m und im mittel 13 m tief. Sein Wasserinhalt beträgt 0,8 km³ und seine Ufer sind 87 km lang.[1]

Seeteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Untersee gliedert sich in vier Seebereiche, die eigene Namen haben: der Gnadensee im Nordosten, der Markelfinger Winkel im Norden, der Zeller See im Nordwesten (alle in Deutschland) und der Rheinsee (in Deutschland und in der Schweiz) im Osten, Süden und Westsüdwesten:

Gnadensee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gnadensee erstreckt sich zwischen Allensbach am Ufer des Bodanrück im Norden und der Insel Reichenau im Süden, von der Spitze der Mettnau im Westen und dem Reichenaudamm mit seiner Pappelallee im Osten.

Der Legende nach kommt der Name des Gnadensees aus der Zeit, als die Gerichtsbarkeit auf der Insel Reichenau angesiedelt war. Wurde ein Angeklagter zum Tode verurteilt, so konnte die Vollstreckung des Urteils nicht auf der Insel ausgeführt werden, sondern nur am Festland, da die ganze Insel „heiliger Boden“ war. Deshalb wurde der Verurteilte mit einem Boot zum Festland in Richtung Allensbach gebracht, damit das Urteil dort vollstreckt werden konnte. Wenn nun der Abt den Verurteilten doch noch begnadigen wollte, so ließ er eine Glocke läuten, bevor der Verurteilte am anderen Ufer ankam. Damit wurde dem Henker am Festland signalisiert, dass der Verurteilte Gnade erfahren hatte.

Die obige Legende ist eine so genannte Namensage. Der Name Gnadensee erklärt sich besser mit der gnädigen Mutter Maria, der „Gnadenfrau“, nämlich als Ellipse der Gnaden[frau]see, da das am Gnadensee liegende Münster des Klosters Reichenau in Mittelzell eine Marienkirche war.[5] Ähnlich lässt sich der Ortsname Frauenfeld im benachbarten Thurgau erklären.

Hegner Bucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der östlichste Teil des Gnadensees ist die Hegner Bucht. Sie wird durch den Reichenauer Damm vom Ermatinger Becken (Rheinsee) abgegrenzt.

Markelfinger Winkel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Markelfinger Winkel ist das westliche Ende des Gnadensees, zwischen Markelfingen im Nordosten, Radolfzell im Nordwesten und der Mettnau im Südwesten.[6] Seine südöstliche Abgrenzung liegt zwischen der Mettnauspitze und dem Bodanrück. Der Markelfinger Winkel ist mit einer maximalen Wassertiefe von 16 m der flachste Seeteil des Untersees. Zufluss ist der Mühlbach, der den auf dem Bodanrück liegenden Mindelsee entwässert.

Zeller See[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Zeller See liegt zwischen der Halbinsel Mettnau im Norden, der Halbinsel Höri im Süden und der Insel Reichenau im Osten. Im Westen liegt das Mündungsgebiet der Radolfzeller Aach.

Rheinsee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Rheinsee wird der Seeteil bezeichnet, der im Norden von der Insel Reichenau, im Osten vom Südostteil des Bodanrück, im Süden vom schweizerischen Ufer des Seerückens und im Westen vom südlichen Ufer der überwiegend deutschen Halbinsel Höri mit dem Schiener Berg begrenzt wird. Er folgt damit ungefähr der im Untersee geltenden Grenzziehung zwischen Deutschland und der Schweiz. Dieser Seeteil ist meist auch gemeint, wenn vom Untersee im engeren Sinn die Rede ist.[7] Der Begriff Rheinsee wird im Alltagssprachgebrauch kaum verwendet und findet sich meist nur in Fachpublikationen.

Ermatinger Becken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der östlichste Bereich des Rheinsees ist das Ermatinger Becken. Es wird im Norden durch den Reichenauer Damm von der Hegner Bucht (Gnadensee) abgegrenzt.

Schutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf deutscher Seite sind folgende, teils zusammenhängende Schutzgebiete ausgewiesen:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Patrick Brauns, Wolfgang Pfrommer: Naturwanderführer Untersee. Natur-Wanderführer zu den einzigartigen Kulturlandschaften am westlichen Bodensee. (Wandern, Radfahren, Inline-Skating, Kanu-Touren, Schiffstouren). Naturerbe-Verlag Resch, Überlingen 1999, ISBN 3-931173-14-3.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Untersee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Gestalt und Funktionen des Bodensees und seines Einzugsgebietes. In: Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee (Hrsg.): Der Bodensee: Zustand – Fakten – Perspektiven. 1. Auflage. Bregenz 2004, ISBN 3-902290-04-8, S. 8–11 (PDF; 1,1 MB)
  2. Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee: Bodensee-Untersee (Zustandsbeschreibung), in Limnologischer Zustand des Bodensees, Bericht Nr. 40, auf igkb.org, S. 43 (PDF; 7,6 MB)
  3. Verwaltungsgebiete nach den amtlichen Daten der Landesvermessung: Bodensee: Karte 5, Verwaltungsgebiete (1), auf bodensee-geodatenpool.net (PDF; 2,54 MB)
  4. Schweizerische Zeitschrift für Hydrologie, Volumes 21–22, S. 49: Das Ende des Untersees und damit des gesamten Bodensees liegt unter der Rheinbrücke bei Stein.
  5. Eugen Nyffenegger und Martin Graf: Thurgauer Namenbuch, Band 3.1., Frauenfeld/Stuttgart/Wien 2007, ISBN 978-3-7193-1458-3, S. 602
  6. Markelfinger Winkel, Untersuchungsgebietsbeschreibung des LUBW, auf lubw.baden-wuerttemberg.de
  7. Der Bodensee: drei Teile, ein See, in Seespiegel, Ausgabe 20, 12/2004, auf seespiegel.de (PDF; 1,16 MB)