Untersiemau

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Untersiemau
Untersiemau
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Untersiemau hervorgehoben
Koordinaten: 50° 12′ N, 10° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Coburg
Höhe: 299 m ü. NHN
Fläche: 20,49 km2
Einwohner: 4112 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 201 Einwohner je km2
Postleitzahl: 96253
Vorwahl: 09565
Kfz-Kennzeichen: CO, NEC
Gemeindeschlüssel: 09 4 73 170
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausplatz 3
96253 Untersiemau
Webpräsenz: www.untersiemau.de
Bürgermeister: Rolf Rosenbauer (CSU)
Lage der Gemeinde Untersiemau im Landkreis Coburg
Callenberger Forst-West Gellnhausen Landkreis Haßberge Coburg Landkreis Kronach Landkreis Lichtenfels Weitramsdorf Weidhausen bei Coburg Untersiemau Sonnefeld Rödental Bad Rodach Niederfüllbach Neustadt bei Coburg Meeder Lautertal (Oberfranken) Itzgrund Grub am Forst Großheirath Ebersdorf bei Coburg Dörfles-Esbach Ahorn (Landkreis Coburg) Seßlach Landkreis Bamberg ThüringenKarte
Über dieses Bild

Untersiemau ist eine Gemeinde im Süden des oberfränkischen Landkreises Coburg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untersiemau

Untersiemau liegt am Ostrand des Itzgrunds etwa zehn Kilometer südlich von Coburg auf einer Höhe von etwa 300 Metern. Östlich des Ortes erstreckt sich der Lichtenfelser Forst.

Geschichte und Einwohner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Untersiemau wurde erstmals um das Jahr 800 in den Traditionen des Klosters Fulda, die auf einer Abschrift im Codex Eberhardi aus dem 12. Jahrhundert beruhen, als „Suome“ genannt. Damit ist Untersiemau eine der ältesten Ortschaften der Region. Der Ortsname ist slawischen Ursprungs und veränderte sich mit der Zeit über „Soumen“, „Sirmau“ und „Nieder Simau“ zu „Untersiemau“. Die Gründungszeit des Ortes wird circa auf das Jahr 600 datiert.[2]

Lokaladel war die Familie der Schenk von Siemau, deren Wappen Bestandteil des Ortswappens ist und die 1392 mit einer Stiftung die heutige Salvatorkirche gründete.

Bis 1521 war Untersiemau als allodialer Kleinstaat Siemau zusammen mit den Nachbarorten Weißenbrunn am Forst, Birkach am Forst und Obersiemau weitgehend unabhängig, danach gehörte das Gebiet zu Coburg. Im Bauernkrieg 1525 wurden die Kirche, das Schloss und der Rest des Dorfes in Brand gesteckt und geplündert. 1527 wurde in der gesamten Kirchengemeinde die evangelisch-lutherische Lehre eingeführt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort ab 1632 mehrfach geplündert, 1634 niedergebrannt und zerstört. Untersiemau wurde danach wieder aufgebaut und wuchs nach dem Frieden von Münster wieder.

1812 wurde Obersiemau, das zwischenzeitlich zu Buch am Forst gehörte, auf Wunsch der Obersiemauer Bevölkerung wieder der Kirchengemeinde Untersiemau zugeordnet.

Die Brauerei Raab existierte von 1813 bis 1981. Die Brauerei Murmann nahm 1862 als Brauerei Höllein den Braubetrieb auf. Ab 1924 führte Richard Muhrmann, der Schwiegersohn von August Höllein, die Brauerei, die zwischen 1953 und 1955 unter Prinzenbräu firmierte. Seit 1987 ist Eberhard Murmann Braumeister.[3]

Am 4. Dezember 1900 wurde im Beisein des Regenten Ernst II. zu Hohenlohe-Langenburg feierlich der Bahnhof Siemau-Scherneck mit der Itzgrundbahn eröffnet.

Das Gemeindegebiet gehörte zum Herzogtum Sachsen-Coburg und anschließend zum Freistaat Coburg, der sich nach einer Volksbefragung am 30. November 1919 am 1. Juli 1920 dem Freistaat Bayern anschloss.

Am 12. April 1945 wurde der Ort am Ende des Zweiten Weltkriegs kampflos von den Amerikanern eingenommen. Dies war den Bemühungen des Untersiemauer Hauptlehrers Max Roth zu verdanken, der die dort stationierte SS-Einheit von der Sinnlosigkeit einer Verteidigung überzeugen konnte. Am selben Tag wurde der gesamte Itzgrund von den Amerikanern besetzt.

Mit dem Ende des Kriegs kamen viele Flüchtlinge aus Niederschlesien nach Untersiemau, vor allem aus dem Landkreis Bunzlau und dem Landkreis Oels.

Etwa ein Jahr später, am 9. September 1946, kamen Vertriebene aus dem Landkreis Freiwaldau im Sudetenland, die meisten davon aus Domsdorf, heute Tomíkovice, mit der Eisenbahn am Siemauer Bahnhof an. Wie die geflüchteten Niederschlesier integrierten sie sich mit der Zeit in die Dorfgemeinschaft.[4] Die katholische Christkönigskirche wurde im Jahr 1964 geweiht.

Die Gemeinde entstand in den Jahren 1971/78 durch die Gemeindegebietsreform. Von 1978 bis Ende 1989 war sie Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Untersiemau.

Ortsteil Einwohner
(1970)
Einwohner
(2010)
Einwohner
(2014)
Datum der Eingemeindung Anmerkung
Birkach am Forst 273 210 211 01.01.1978[5]
Haarth 229 463 462 01.07.1972[6]
Meschenbach 196 352 320 01.01.1975[5]
Obersiemau 206 177 174 01.01.1978[5]
Scherneck 615 636 607 01.05.1978[5]
Stöppach 320 408 409 01.07.1972[6]
Untersiemau 1615 1512 1527
Weißenbrunn am Forst 336 387 371 01.07.1971[6]
Ziegelsdorf 43 23 22 1963[6] Eingemeindung nach Scherneck
Gesamt 3833 4168 4103

Anmerkung: Die Einwohnerzahlen von 1970 ergaben sich bei der Volkszählung vom 27. Mai 1970. Die Einwohnerzahlen von 2010 stammen vom 11. Februar 2010.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Bürgermeister der Gemeinde ist Rolf Rosenbauer von der CSU, der 2014 mit 52,8 Prozent der gültigen Stimmen den Amtsinhaber Michael Boßecker von der SPD ablöste.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014 [7]
 %
40
30
20
10
0
35,4 %
33,6 %
18,2 %
12,8 %
SPD/
Freie Bürger
Unabhängige Wählergruppe

Im Gemeinderat (Wahlperiode 2014/20) ist SPD/Freie Bürger mit fünf, die CSU mit sechs, die Freien Wähler mit drei und die Unabhängige-Wähler-Gruppe mit zwei Sitzen vertreten.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beschreibung: In Rot unter goldenem Zinnenschildhaupt ein nach links gerichteter silberner Wellenschrägbalken, der mit drei blauen Fischen belegt ist.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wasserschloss in Untersiemau

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Bahnhof in Untersiemau

Untersiemau besitzt eine Anschlussstelle an der von Untersiemau bis Coburg vierspurig ausgebauten B 4, die durch das westliche Gemeindegebiet verläuft. Die Kreisstraße CO 28, früher Teil der B 289, verbindet Untersiemau über Obersiemau und Buch am Forst mit Lichtenfels. Am 5. September 2008 wurde im Rahmen der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit die A 73 mit der Anschlussstelle Untersiemau fertiggestellt. Untersiemau besaß früher mit dem Bahnhof Siemau-Scherneck an der Itzgrundbahn einen Bahnanschluss zum Coburger Stadtteil Creidlitz, die Schienen wurden mittlerweile entfernt und auf der Strecke wurde ein Radweg in Richtung Coburg eingerichtet. Die Schnellfahrstrecke Nürnberg–Erfurt führt, unter anderem mit dem 931 m langen Tunnel Lichtenholz und der Talbrücke Weißenbrunn am Forst, östlich am Ort vorbei.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Regenspurger (1939–2003), Politiker
  • Hermann Louis (von) Schroedel (1864–1943), Kommerzienrat und Verleger, erwarb 1911 das Untere Schloss und ließ umfangreiche Renovierungsarbeiten durchführen.[8]
  • Karl Zeitler (1943–2013), Politiker

Dialekt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Untersiemau wird Itzgründisch, ein mainfränkischer Dialekt, gesprochen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Arno Debus: 1200 Jahre Untersiemau, 2002

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Untersiemau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Arno Debus: 1200 Jahre Untersiemau. S. 22–23.
  3. Wolfgang Vatke: Coburger Brauereien Stadt und Land. Veste-Verlag Roßteutscher, Coburg 2008, ISBN 978-3-925431-03-6, S. 305 f.
  4. Arno Debus: 1200 Jahre Untersiemau. S. 234–287.
  5. a b c d Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 679 und 680.
  6. a b c d Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 442 und 443.
  7. [1] www.wahlen.bayern.de
  8. Ulrich Göpfert: Das Wasserschloss in Untersiemau - Vom Rittergut zur verträumten Schlossvilla