Urban Sketchers

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Urban Sketchers (USk) sind eine weltweite Gemeinschaft von Künstlern, die vor Ort die Städte, Orte und Dörfer zeichnen, in denen sie leben oder zu denen sie reisen. Ihre Zeichnungen stellen eine Art visuellen Journalismus dar, der das Leben so zeigt, wie die Künstler es vor ihren Augen geschehen sehen.

Die Urban-Sketchers-Bewegung wurde 2007 in Seattle von Gabriel Campanario ins Leben gerufen und umfasst mittlerweile Tausende von Künstlern aus aller Welt. Das Urban-Sketchers-Manifest wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und stellt für das lose Netzwerk lokaler, regionaler und nationaler Urban-Sketching-Gemeinschaften eine verbindende Orientierung dar.

Das USk-Motto ist „We show the world, one drawing at a time!“ („Wir zeigen die Welt, Zeichnung für Zeichnung!“). Diese einfache zentrale Idee treibt das Urban-Sketchers-Projekt an, die Welt zu zeichnen und die in diesem Kontext entstandenen Arbeiten sowie die damit verbundenen Aktivitäten via Blogs und soziale Netzwerke zu teilen. Die Bewegung ist integrativ, ob professioneller Künstler oder begeisterter Amateur, unabhängig vom Können sind alle willkommen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urban Sketchers startet 2007 als Gruppe in Flickr, einer Online-Fotoplattform. Der Gründer Gabriel Campanario ist ein in Seattle/USA lebender, spanischer Journalist und Illustrator. Er arbeitet als Künstler und Journalist sowohl für die Druckausgabe als auch die Blogs der Zeitung The Seattle Times. Als nach und nach immer mehr Künstler beginnen, ihre Arbeit im Web zu teilen, gründet Campanario eine Gruppe, um journalistisches Zeichnen zu fördern, welches das wirkliche Leben so zeigt, wie es im Umfeld der Künstler jeden Tag geschieht.

Ein Jahr später, 2008, gründet Campanario den Urban Sketchers Blog. Die Mitarbeit im Blog erfolgt über Einladung und ist auf 100 Zeichner beschränkt. Der Begriff Urban Sketchers-Korrespondent wird geprägt. Die Korrespondenten werden von Campanario eingeladen und verpflichten sich, regelmäßig journalistische Zeichnungen im Blog zu zeigen. Diese Zeichnungen werden durch Texte ergänzt, die den Hintergrund der Zeichnung und ihre Entstehung erläutern.

Der Urban Sketchers-Blog gewinnt seit 2008 kontinuierlich an Popularität und lockt zunächst hunderte, bald schon tausende Besucher täglich an. 100 talentierte Blogkorrespondenten veröffentlichen eine Vielfalt von Zeichnungen, die den Bloginhalt aktuell und attraktiv für die Leser gestalten. Besucher und Leser können virtuell um den Globus reisen und die Welt mit den Augen der Urban Sketchers betrachten.

Urban Sketchers stellt Ereignisse des täglichen Lebens dar, Szenen aus Großstädten, kleinen Städten und ländlichen Gebieten. Gebäude, Menschen, Parks, Märkte, Flugzeuge, Züge und Autos, Geschäfte, Cafés, all das, was beobachtbar ist, findet seinen Weg in die Skizzenbücher der Urban Sketchers. Getreu ihrem journalistischen Anspruch schaffen die Künstler eine visuelle Chronik ihres Lebens. Die Zeichner verwenden unterschiedlichste Zeichentechniken und -materialien. Diese reichen von einfachen Bleistift- und Tintenzeichnungen über verschiedene Aquarelltechniken bis zu digitalen Medien auf Mobiltelefonen und Tablets. Urban Sketchers benutzen beliebige Materialien für ihre Arbeit und teilen - im Sinne des Manifests – ihr Wissen um Methoden und Materialien freigebig und großzügig.

Tausende von Zeichnern aus den unterschiedlichsten Regionen der Welt treten miteinander über verschiedene soziale Netzwerke in Kontakt: über Facebook, Twitter, Flickr oder das Bloggen. Viele haben keine gemeinsame Sprache, können sich aber über visuelle Darstellungen problemlos verständigen. Zusätzlich zum ursprünglichen Blog mit seinen 100 Korrespondenten haben die Zeichner nun Facebook-Gruppen, regionale Blogs und verschiedene Flickr-Gruppen gegründet – inhaltlich und lokal orientiert. Der Geist der Kameradschaft und des Teilens, mit dem Campanario die Gruppe gründete, ist weiterhin stark. Wo auch immer ein Zeichner oder eine Zeichnerin hinreisen mag, so kann er oder sie die lokalen Künstler kontaktieren und findet sich - im wörtlichen Sinne - über Nacht von gleichgesinnten Freunden umgeben, die er oder sie zuvor nur virtuell kannte.

Im Dezember 2009 etablierte Campanario Urban Sketchers als gemeinnützige Organisation. Ein Leitungsgremium wurde gewählt. Die Aufgabe der Organisation besteht darin, den künstlerischen, erzählenden und bildenden Wert des Vor-Ort-Zeichnens zu steigern und dabei seine Praxis zu fördern und Menschen aus aller Welt, welche diese Art des Zeichnens pflegen, miteinander in Kontakt zu bringen.

Das Manifest von Urban Sketchers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wir zeichnen vor Ort, drinnen oder draußen, nach direkter Beobachtung.
  2. Unsere Zeichnungen erzählen die Geschichte unserer Umgebung, der Orte an denen wir leben oder zu denen wir reisen.
  3. Unsere Zeichnungen sind eine Aufzeichnung der Zeit und des Ortes.
  4. Wir bezeugen unsere Umwelt wahrhaftig.
  5. Wir benutzen alle Arten von Medien.
  6. Wir unterstützen einander und zeichnen zusammen.
  7. Wir veröffentlichen unsere Zeichnungen online.
  8. Wir zeigen die Welt, Zeichnung für Zeichnung.

Die Aktivitäten von Urban Sketchers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urban Sketchers ist eine vielfältige Gruppe von Menschen. Sie lassen sich keiner einzelnen Kategorie zuordnen. Es gibt Architekten, Künstler, Grafikdesigner, Lehrer, Studenten, Rentner, Computerspezialisten, Musiker und Schriftsteller – mit und ohne Hochschulabschluss im künstlerischen Bereich. Das einzige gemeinsame Merkmal ist ihre Leidenschaft für das Zeichnen, einer Aktivität, die kaum vom technischen Wandel beeinflusst ist, keine Vermarktung benötigt, nur wenige Regeln verlangt und dabei zahllose Möglichkeiten eröffnet.

Die Liste der Materialien und Gerätschaften der Zeichner variiert von Person zu Person. Sie kann lediglich ein Skizzenbuch und einen Stift oder aber eine vollständige Freiluftausrüstung, Feldstaffelei inbegriffen, umfassen. Die übliche Ausstattung passt in eine kleine Tasche oder einen Rucksack. Zeichner ziehen es vor, mobil zu sein. Sie zeichnen stehend oder sitzend. Parkbänke oder Stufen sind willkommene Gelegenheiten, vom stehenden Zeichnen zu entspannen. Einige Zeichner führen einen Falthocker mit, um sich an jedem Ort, der eine interessante Skizze verspricht, niederlassen zu können.

Werkzeuge und Materialien werden enthusiastisch diskutiert, wenn sich Zeichner im wirklichen Leben oder virtuell treffen. Die Beschaffenheit und Qualität des Zeichenpapiers erregt großes Interesse, ebenso wie verschiedene Arten von Skizzenbüchern, Füllhaltern, Tinten und Tuschen, Aquarellfarben und -sets usw. Da die Zeichner unter jeglichen Bedingungen arbeiten, die das lokale Klima an einem beliebigen Tag anbietet, sollten die Materialien an diese Herausforderung angepasst und gleichzeitig transportabel sein. Die Bedingungen können es erforderlich machen, auf dem Boden zu sitzen, durch die Natur zu wandern, eine Kultstätte zu besuchen oder längere Zeit der Sonne, dem Regen oder Schnee ausgesetzt zu sein.

Sowohl in der Öffentlichkeit als auch die Öffentlichkeit zu zeichnen schafft die Grundlage für eine Interaktion mit deren Mitgliedern. Die Mehrheit dieser Begegnungen verlaufen freundlich und wohlwollend. Die Menschen sind fasziniert vom Prozess des Zeichnens und davon, einen Urban Sketcher bei seiner Arbeit zu beobachten. Komplimente und Unterstützung gibt es reichlich. Manchmal hat das Zeichnen in einem Café zu einer Einladung zu einem Kaffee durch den Besitzer geführt und bei seltenen Gelegenheiten hat das Zeichnen eine Einladung zu einer kulturellen Veranstaltung nach sich gezogen, die normalerweise für einen Außenstehenden unzugänglich geblieben wäre. Beispielsweise hat die aufstrebende Musikgruppe Flon Flon en Musette ein Straßenkonzert gegeben und dieses wurde von einem Urban Sketcher dokumentiert, der zufällig vor Ort war. Die Skizze schaffte es auf das Cover einer CD der Gruppe und der Zeichner wurde zu einem privaten Konzert eingeladen. Bei einer einzelnen Gelegenheit machte ein wütender Geschäftsbesitzer Einwände gegen das Zeichnen und verlangte, dass der Zeichner den Ort verließe. Es ist angebracht zu sagen, dass dies in den Vereinigten Staaten geschah und dass das Zeichnen öffentlichen Besitzes keinerlei Genehmigung erfordert, sondern durch das Recht auf Meinungsfreiheit der US-Verfassung abgedeckt ist.

Die Urban Sketchers-Gemeinschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Dach von Urban Sketchers haben sich zahlreiche regionale Gemeinschaften formiert. Korrespondenten des internationalen Blogs und der Flickr-Gruppe haben lokale Zeichner zusammengerufen und so lokale Gruppen gegründet. Andere Organisatoren von Zeichengruppen haben diese unter dem Schirm von Urban Sketchers neu versammelt. Urban Sketchers France, Urban Sketchers Berlin, Urban Sketchers Israel, Urban Sketchers Chicago usw. wurden gegründet und haben Dutzende von Zeichnern angelockt. Urban Sketchers Singapore hat beispielsweise Hunderte von Mitgliedern.

Regionale Gruppen funktionieren ähnlich wie die internationale Hauptgruppe. Alle vertreten die Sicht des Urban Sketchers-Manifests als maßgebliche Richtschnur, während jede Gruppe gleichzeitig seine lokale und kulturelle Individualität pflegt. Viele Gruppen haben ihre eigenen Blogs, zu deren Mitarbeit Korrespondenten nach lokalen Kriterien eingeladen werden, und Facebook- sowie Flickr-Gruppen, die für alle offen sind.

Datum Stadt oder Bundesland/-staat Datum Stadt oder Bundesland/-staat
1/11/2008 Internationale Gemeinschaft 1/1/2011 Berlin
26/3/2009 Portugal 25/2/2011 Australien
29/5/2009 Seattle 11/4/2011 Portugal-Beiras
30/5/2009 Twin Cities 1/5/2011 die Schweiz
3/6/2009 Seoul 21/5/2011 Portugal-Madeira
12/7/2009 Singapur 30/5/2011 die Philippinen
29/8/2009 Argentinien 30/5/2011 Cleveland
4/9/2009 Mexiko 18/8/2011 Brasilien
15/9/2009 Moskau 13/9/2011 Israel
2/11/2009 Spanien 26/9/2011 Texas
24/11/2009 Indonesien 17/10/2011 Los Angeles
26/11/2009 Sardinien 8/11/2011 Skane, Schweden
20/3/2010 Portland, Oregon 28/12/2011 Portugal-Nord
8/6/2010 Italien 4/4/2012 Tri-Cities
20/8/2010 San Francisco 4/4/2012 Japan
29/8/2010 die Dominikanische Republik 27/8/2012 Eskilstuna, Schweden
1/11/2010 Washington DC 31/8/2012 Buenos Aires
2/11/2010 Memphis 18/9/2012 Kuching, Sarawak
14/12/2010 Paris 4/10/2012 Deutschland
30/10/2012 Austria

In Deutschland gab es bisher drei Zusammenkünfte von jeweils hundert Urban Sketchers aus dem ganzen Land: 2015 in Darmstadt, 2016 in München und 2017 in Eutin. Der Ablauf gestaltete sich ähnlich wie bei den internationalen Symposien. An drei Tagen trafen sich Zeichner, Organisatoren, Fotografen und freiwillige Helfer zum gemeinsamen Erleben.

Das Symposium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Teil seiner Zielsetzung, das Vor-Ort-Zeichnen zu fördern und Zeichner weltweit miteinander zu vernetzen, organisiert Urban Sketchers die Urban Sketchers Symposien. Dabei handelt es sich um gesellige Zusammenkünfte von Urban Sketchers, bei denen diese über einen Zeitraum von drei Tagen gemeinsam zeichnen, zahlreiche Workshops besuchen, an Podiumsdiskussionen teilnehmen, Vorträge hören und sich gegenseitig in Person kennenlernen und einander zeichnen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ↑ "Urban Sketchers Flickr group". Abgerufen am 6. Februar 2013.
  2. ↑ "Urban Sketchers FAQ". Abgerufen am 6. Februar 2013.
  3. ↑ "Urban Sketchers Facebook Group" Abgerufen am 6. Februar 2013.
  4. ↑ "About Urban Sketchers". Abgerufen am 6. Februar 2013.
  5. ↑ "Urban Sketchers 1st International Symposium 2012 - Portland". Abgerufen am 6. Februar 2013.
  6. ↑ "Urban Sketchers 2nd International Symposium 2011 - Lisboa". Abgerufen am 6. Februar 2013.
  7. ↑ "Urban Sketchers 3rd International Symposium 2012 - Santo Domingo". Abgerufen am 6. Februar 2013.
  8. ↑ "Urban Sketchers 4th International Symposium 2013 - Barcelona". Abgerufen am 6. Februar 2013.
  9. ↑ "Berliner Zeitung: Urban Sketchers: Raue Stadt, ganz zart" [1] von 29. Dezember 2012
  10. ↑ "The Independent (Newfoundland): Meet Omar Jaramillo Traverso" [2] von 5. Mai 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]