Urnengang

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Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als «Urnengang» («Gang zur Urne») wird in der Schweiz das Geschehen vor und bis zu einem «Abstimmungssonntag» – dem Abstimmungs- und Wahl-Endtermin – bezeichnet. Die stimmberechtigten Bürger (der Schweiz, eines Kantons und einer Gemeinde, siehe Schweizer Bürgerrecht) geben ihre Stimme oder ihre Stimmen ab – in Abstimmungen, darunter auch über Referenden, sowie in Wahlen.

Alljährlich gibt es vier eidgenössische «Urnengänge» – regelmässig alle drei Monate, zu im Voraus auf die nächsten 20 Jahre festgelegten, bekannten Terminen.[1][2] Zu denselben Terminen, zum gleichen «Abstimmungs- (und Wahl-)Tag» durchgeführt, im selben Verfahren, werden auch kantonale und kommunale Abstimmungen, dazu auch ab und zu Wahlen. Was, selbstverständlich, aus organisatorischen wie auch aus finanziellen Gründen sinnvoll ist – und, allerdings, den Kantonen bzw. Gemeinden überlassen bleibt (kein behördlicher Zwang). Alle vier Jahre wird neben einer der Abstimmungen auch der Nationalrat neu gewählt. Die Ständeräte eventuell auch und/oder bei einem der Abstimmungstermine, da auch den Kantonen überlassen, wie gemäss Artikel 50 III BV geregelt.

Die Abstimmungsunterlagen – Stimmzettel, Abstimmungsbüchlein, ab und zu auch Wahllisten oder Wahlzettel sowie ein Rücksendeumschlag – werden vier bis fünf Wochen, auch früher (spätestens aber drei Wochen)[3], vor dem Abstimmungstermin jedem/r Stimmberechtigten an ihre/seine Wohnadresse zugestellt, wobei für Auslandschweizer besondere Erleichterungen gelten.[4] Die Abstimmungs- und Wahlzettel müssen die Auszähllokale bis zum Abstimmungssonntag erreichen, wo sie von Bürger(inne)n, mit Unterstützung ihrer Behörden, ausgezählt werden. Die Stimm- und Wahllokale sind eine Woche, auch länger, geöffnet – bis Mittag des Abstimmungssonntags, des Auszähltags.

Heute stimmen die meisten Menschen brieflich ab,[5] in einer zwischen 1978 und 2005 in allen Kantonen eingeführten Briefwahl.[6]

e-Voting wird schrittweise eingeführt. Dabei stehen die Sicherheit, die Verifizierbarkeit, das Wahlgeheimnis im Vordergrund. Bei der schrittweisen Einführung, der Pilotprojekte haben die Auslandschweizer, die «fünfte Schweiz», Vorrang.[7][8][6]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland verwenden Journalisten den Begriff Urnengang gelegentlich als Synonym für „Wahl“.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sprachkritiker Wolf Schneider schrieb:

„Nicht nur Unverständlichkeit, auch Lächerlichkeit folgt aus der Zwangsvorstellung, man müsse selbst die unsinigsten Ersetzungen in Kauf nehmen, um nicht seinen alten Deutschlehrer oder seinen Chefredakteur zu brüskieren. Mit albernem Automatismus wechselt die Deutsche Presse-Agentur vom Kabinett zur Ministerrunde, von der Wahl zum Urnengang, vom Mond zum Erdtrabanten.[9]

Das 1996 erstmals erschienene Handbuch des Journalismus enthält die These, das Wort Urnengang sei „unter allen zwanghaften Synonymen wohl das dümmste“.[10]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweiz:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schweiz:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volksabstimmungen > Blanko Abstimungstermine (die nächsten 20 Jahre), auf admin.ch
  2. Eidgenössische Volksabstimmungen künftig an fixen Daten, Bundeskanzlei, Bern, 17. Juni 2002, auf admin.ch
  3. Abstimmungsunterlagen auf ch.ch
  4. Erleichterungen für Auslandschweizer in: Eidgenössische Volksabstimmungen künftig an fixen Daten, Bundeskanzlei, Bern, 17. Juni 2002, auf admin.ch
  5. Wie man [brieflich] abstimmtHier erklären wir, wie man mit den unzähligen Umschlägen und Zettel umgeht, wenn man von zu Hause aus brieflich abstimmt, auf votez.ch
  6. a b Simon Hehli: E-Voting schlägt briefliches Abstimmen – Wählen und Abstimmen per Mausklick hat gegenüber jenem per Briefpost Vorteile – trotz Risiken wie Hackerattacken. In Zukunft soll der elektronische Kanal denn auch sicherer werden, NZZ 6. Februar 2017
  7. ch.ch/de/e-voting
  8. Vote électronique, Bundeskanzlei, auf admin.ch
  9. Wolf Schneider: Deutsch für Kenner. 3. Aufl., Piper, München 1998, S. 141, ISBN 978-3-49222216-7.
  10. Wolf Schneider, Paul-Josef Raue: Handbuch des Journalismus. Aktualisierte Taschenbuchausgabe. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1998, 345 S., ISBN 3-499-60434-5, S. 220