Uroflowmetrie

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Unter Uroflowmetrie versteht man die Messung des Harnstrahlvolumens pro Zeitspanne (z. B. in ml/s). Die Durchführung dieser Untersuchung ist sehr einfach: Ein Patient, der Harndrang hat, wird gebeten, in einen Trichter zu urinieren. Über eine Sensoreneinheit wird dabei erfasst, wie viel Urin er pro Zeitspanne miktioniert. Die normale Harnflussrate liegt bei mindestens 20 ml/s. Erniedrigte Werte können bei einem behinderten Harnabfluss aus der Blase oder einem schwachen Blasenmuskel auftreten. Das Ergebnis der Uroflowmetrie ist nur dann aussagekräftig, wenn die Urinmenge (Miktionsvolumen) 150 ml übersteigt.[1] In der englischsprachigen Fachliteratur wird die Harnflussrate oft mit Q oder V̇ abgekürzt.[2]

Erste Publikationen über systematische Forschungen zur Uroflowmetrie stammen aus den 1940er und 1950er Jahren. Die Zystomanometrie ist eine ähnliche urodynamische Untersuchung bei Blasenentleerungsstörungen, meistens bei einer Obstruktion der ableitenden Harnwege.

Im Rahmen der Uroflowmetrie sind in einem Koordinatensystem drei verschiedene Darstellungen des Harnausflusses während der Blasenentleerung (Miktion) möglich. Auf der Abszisse wird jeweils die Zeit der Blasenentleerungsdauer in Zeiteinheiten aufgetragen.[3]

  • Das Miktionsvolumen steigt im Zeitablauf an. Am Ende eines jeden Miktionsvorganges erreicht der Graph sein Maximum. Die Einheit auf der Ordinate ist ml. Das Miktionsvolumen ist das Integral der Harnflussrate (Fläche unter der Kurve). Die graphische Darstellung entspricht einem Miktionsprotokoll oder der Ausfuhrseite der Flüssigkeitsbilanz. Die Kurve der Folgemiktion beginnt entweder auf Höhe der letzten Miktion oder aber wieder bei null. Der mittlere Harnfluss für jede Zeitperiode ist der Quotient aus dem erreichten Miktionsvolumen und der dafür benötigten Zeitdauer; die Einheit dieses errechneten Mittelwertes lautet ml/s. Das Miktionsvolumen entspricht der zurückgelegten Wegstrecke beim Schrittzähler oder beim Kilometerzähler. Bestimmbar ist auch die Menge des Harndurchflusses pro Zeiteinheit in einem Zeitintervall als Differenz der beiden Werte auf der Ordinate.
  • Die Harnflussrate ist die erste Ableitung des Miktionsvolumens nach der Zeit. Die Einheit auf der Ordinate ist ml/s. Die Harnflussrate ist ein Maß für die Stärke des Harnflusses. Es handelt sich um das Flüssigkeitsvolumen, welches pro Zeiteinheit durch die Urethra ausgeschieden wird. Das Maximum dieser Flusskurve am Ende der Flussanstiegszeit ist der maximale Harnfluss;[4] er entspricht dem Wendepunkt im Miktionsvolumendiagramm. Die Harnflussrate entspricht der Geschwindigkeit beim Fahrtenschreiber oder mit dem Tachometer. Üblicherweise wird in der urologischen Praxis nur diese Harnflusskurve ausgedruckt und zur weiteren Diagnostik ausgewertet. Die Harnflussrate ist das Integral der Miktionsbeschleunigung.
  • Die Miktionsbeschleunigung als zweite Ableitung des Miktionsvolumens (beziehungsweise als erste Ableitung der Harnflussrate) nach der Zeit hat auf der Ordinate die Einheit ml/s². Es handelt sich um die Steigung der Kurve der Harnflussrate. Nach dem Ende der Flussanstiegszeit hat die Beschleunigung nach Überschreiten des Flussmaximums während der sogenannten Verzögerung bis zum Ende der Miktionszeit negative Werte. Diese negative Miktionsbeschleunigung zeigt eine Rechtskrümmung im Miktionsvolumen-Zeit-Diagramm an, also das Plateau am Miktionsende. Der Nullpunkt der Miktionsbeschleunigungskurve ist die maximale Harnflussrate.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Palmtag, Mark Anton Otto Goepel, Helmut Heidler (Hrsg.): Urodynamik, 2. Auflage, Springer-Verlag, 2007, ISBN 3-540-72505-9, S. 84 ff. (online).
  2. Hier bedeuten V das Volumen und V̇ sowie Q den Volumenfluss. Nicht zu verwechseln mit dem dimensionslosen Ventilations-Perfusions-Quotienten V/Q bei der Lungenfunktionsprüfung. Hier stehen V für die Ventilation (Belüftung) und Q für die Perfusion (Durchblutung = Lungenzeitvolumen = Herzzeitvolumen). Aber auch hier kann ein zusätzlicher Punkt über den Großbuchstaben die erfolgte erste Ableitung des Volumens nach der Zeit angeben, also den Fluss (Physik) einer Flüssigkeit oder eines Gasgemischs. Q (lateinisch quantitas = Menge) ist die übliche Abkürzung eines jeden Volumenflusses mit der Dimension Volumen pro Zeit.
  3. Daniela Schultz-Lampel, Mark Anton Otto Goepel, Axel Haferkamp (Hrsg.): Urodynamik, 3. Auflage, Springer-Verlag, Berlin / Heidelberg 2012, ISBN 978-3-642-13015-1, DOI:10.1007/978-3-642-13016-8.
  4. Udo Jonas, Helmut Heidler, Klaus Höfner, Joachim W. Thüroff: Urodynamik, 2. Auflage, Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 978-3-432-90942-4, S. 26 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]